Chronik des nordkoreanischen Atomprogramms

1985

12.12. Nordkorea tritt Atomwaffensperrvertrag bei. Das Land schließt allerdings kein Safeguards-Abkommen mit der IAEO ab.

1992

30.01. Mehr als sechs Jahre nach dem Beitritt zum Atomwaffensperrvertrag schließt Nordkorea das umfassende Sicherheitsabkommen mit der IAEO ab. 

09.04. Nordkorea ratifiziert das Safeguards-Abkommen mit der IAEO.

04.05. Nordkorea reicht der IAEO seine erste Erklärung über nukleare Aktivitäten ein. Sieben Anlagen und ca. 90g Plutonium werden angegeben. Die Regierung behauptet, dass das Spaltmaterial durch Wiederaufarbeitung fehlerhafter Brennstäbe 1989 entstanden ist. Die IAEO unternimmt ab Mitte 1992 bis 1993 Inspektionen, um diese Angaben zu überprüfen.

1993

12.03. Nordkorea kündigt zum ersten Mal seine Absicht an, aus dem Atomwaffensperrvertrag auszuscheiden. Nach Verhandlungen wird die Kündigung „suspendiert“ und Nordkorea blieb zunächst Vertragspartei.

1994

21.10. Die USA und Nordkorea unterzeichnen in Genf den "Vereinbarten Rahmenplan" (Agreed Framework): Pjöngjang stellt sein laufendes Atomprogramm ein, Washington sagt im Gegenzug den Bau von Leichtwasserreaktoren und Öllieferungen zu. [Im Wortlaut: Agreed Framework]

1998

31.08 Eine mehrstufige nordkoreanische Rakete fliegt über Japan hinweg und landet im Pazifik. Nordkorea dementiert, einen Raketentest durchgeführt zu haben.

2002

29.01. US-Präsident George W. Bush wirft in seiner ersten Rede an die Nation Nordkorea, Irak und Iran vor, sich als eine "Achse des Bösen" um den Besitz von Massenvernichtungswaffen zu bemühen.

16.10. Das nordkoreanische Atomwaffenprogramm wird durch die USA öffentlich gemacht.

11.10. Die USA, die EU, Japan und Südkorea verständigen sich darauf, wegen des nordkoreanischen Atomwaffenprogramms von Dezember an kein Öl mehr in das kommunistisch regierte Land zu liefern.

12.12. Die nordkoreanische Regierung kündigt an, ihr 1994 eingestelltes Plutonium-Projekt umgehend reaktivieren zu wollen.

13.12. Nordkorea fordert die IAEO auf, ihre Überwachungskameras aus den Atomanlagen zu entfernen.

27.12. Nordkorea weist die IAEA-Inspektoren aus. Sie verlassen das Land am 31. Dezember.

2003

10.01. Nordkorea kündigt den Atomwaffensperrvertrag (drei Monate später läuft die Mitgliedschaft ab).

05.02. In der Atomanlage in Yongbyon wird ein Reaktor wieder in Betrieb genommen.

12.05. Nordkorea löst einseitig die 1992 verabschiedete gemeinsame Erklärung mit Südkorea über die Entnuklearisierung der koreanischen Halbinsel auf, die u.a. das Testen, die Herstellung, den Erwerb, den Besitz, die Lagerung, die Stationierung und den Einsatz von Atomwaffen verbietet.

18.06. Zum ersten Mal räumt Pjöngjang öffentlich die Existenz seines Atomwaffenprogramms ein.

29.08. Die erste Runde der multilateralen Gespräche (Sechsländer-Gespräche) in Peking geht ohne Ergebnis zu Ende.

03.09. Das nordkoreanische Parlament billigt die Entscheidung der Regierung zum Ausbau einer "Streitkraft für nukleare Abschreckung".

02.10. Nach eigenen Angaben hat Nordkorea rund 8.000 abgebrannte Brennstäbe wieder aufgearbeitet und setzt das daraus gewonnene Plutonium ein, um Atombomben zu bauen.

19.10. Bush stellt Sicherheitsgarantien im Gegenzug für eine Einstellung des Atomprogramms in Aussicht. Einen Nichtangriffspakt lehnen die USA weiter ab. Nordkorea weist das Angebot als lächerlich zurück.

2004

28.02. Die zweite Runde der Sechsländer-Gespräche bringt keinen Durchbruch.

26.06. Die nächste Runde der Sechsländer-Gepsräche scheitert.

2005

14.01 Nordkorea erklärt sich zur Wiederaufnahme der festgefahrenen Verhandlungen über sein Atomprogramm bereit.

10.02. Nordkorea behauptet zum ersten Mal tatsächlich im Besitz von Atomwaffen zu sein.

19.09. Nordkorea erklärt sich unter Bedingungen zu Einstellung seines Atomwaffenprogramms bereit.

2006

09.10. Nordkorea zündet seine erste Atomwaffe mit einer Sprengkraft vergleichbar mit 550 Tonnen TNT auf dem Versuchsgelände in Hwaderi nahe der Stadt Kilju.

14.10. Der UN-Sicherheitsrat verhängt Sanktionen.

2007

13.02. Die Sechsländer-Gespräche gehen  mit dem Abschluss eines vereinbarten Aktionsplans erfolgreich zu Ende. Der Plan soll die gemeinsame Erklärung vom September 2005 umsetzen. Nordkorea stimmt der Schließung der Anlage in Yongbyon innerhalb von 60 Tagen zu. Im Gegenzug soll es massive Energie- und Wirtschaftshilfe erhalten.

16.07. Mit rund drei Monaten Verspätung wird der Reaktor in Yongbyon abgeschaltet.

2008

26.06. Nordkorea erklärt seinen Besitz von 30 kg Plutonium. Einen Tag später wird der Kühlturm des Yongbyon-Atomreaktors demoliert.

22.09. Nordkorea fordert die IAEO auf, seine Segel und Kameras von der Nuklearanlage in Yongbyon zu entfernen, da die Arbeit dort wieder aufgenommen werden sollte. Diese ist eine Reaktion darauf, dass das Land noch nicht - wie vereinbart - von der „schwarzen” Liste der USA von „terrorunterstützenden” Staaten gestrichen wurde.

2009

15.02. Nordkorea beansprucht für sich das Recht auf „Erschließung des Weltraums“.

14.04 Aus Protest erklärt Nordkorea den Boykott der Sechs-Parteien-Gespräche über sein Atomprogramm und kündigt an, die teilweise abgebauten Nukleareinrichtungen wiederherzustellen.

25.04. Nordkorea beginnt nach eigenen Angaben mit der Wiederaufarbeitung abgebrannter Brennstäbe aus seinem Kernreaktor. Ein Ausschuss des UN-Sicherheitsrats billigt neue Sanktionen gegen drei große nordkoreanische Unternehmen als Reaktion auf den Raketenabschuss.

08.05.  Nachdem der US-Sonderbeauftragte bei einer Asienreise die Bereitschaft der USA zu direkten Gesprächen mit Nordkorea bekundet, bezeichnet Nordkorea Gespräche mit den USA wegen ihrer „feindseligen Politik“ als sinnlos.

25.05. Zum zweiten Mal gibt Nordkorea einen erfolgreichen unterirdischen Atomtest bekannt und zieht damit umgehend internationale Kritik auf sich.

2010

13.01. Die USA erteilt Nordkoreas Forderung nach einem bilateralen Friedensvertrag als Vorbedingung für neue Abrüstungsgespräche eine Absage.

2012

01.03. Die USA und Nordkorea vereinbaren, dass Nordkorea die Entwicklung von Atomwaffen und sein Raketenprogramm einfriert. Im Gegenzug sichern die USA zu, 240.000 Tonnen Lebensmittel an Nordkorea zu liefern.

2013

22.01. Der UN-Sicherheitsrat verhängt einstimmig weitere Sanktionen gegen Nordkorea. Die verabschiedete Resolution verurteilt den Raketenstart im Dezember 2012 und fordert die Einstellung derartiger Provokationen sowie das sofortige Ende seines Atomprogramms. [Im Wortlaut]

12.02. Nordkorea führt ohne Vorankündigung den dritten und bisher stärksten Test einer Atombombe durch.

05.03. Nordkorea kappt die direkte "Hotline" zu Südkorea.

07.03. Der UN-Sicherheitsrat verabschiedet einstimmig Resolution 2094, die weitere Sanktionen gegen Nordkorea verhängt und bestehende Sanktionen bekräftigt. Im Wortlaut

2015

20.02. Nordkorea macht den USA ein Angebot für ein Atomtest-Moratorium, falls Südkorea seine gemeinsamen Militärmanöver mit den USA aussetzt.

2016

06.01. Nordkorea behauptet, eine Wasserstoffbombe erfolgreich getestet zu haben.

02.03. Der UN-Sicherheitsrat verschärft seine Sanktionen gegen Nordkorea.

04.03. Staatschef Kim Jong Un reagiert auf die neuen Sanktionen mit verstärktem Säbelrasseln: Er behauptet, er habe seine Atomwaffen einsatzbereit machen lassen und seinem Militär befohlen, sich für einen Präventivschlag bereit zu halten.

Entdeckung

Unter internationalem Druck unterzeichnete Nordkorea 1985 den Atomwaffensperrvertrag (NPT), weil der US-Geheimdienst einen geheimgehaltenen gasgekühlten, graphitmoderierten Reaktor entdeckt hatte, der in der Lage war, Plutonium herzustellen. 1989 wurde die Vermutung lanciert, Nordkorea hätte eine Wiederaufarbeitungsanlage, in der atomwaffenfähiges Plutonium hergestellt werde. Es folgten Berichte, dass ein zweiter Graphitreaktor gebaut würde, um noch mehr Plutonium für ein Atomwaffenprogramm zu produzieren.

Dennoch weigerte sich die nordkoreanische Regierung bis 1992, eine vollständige Kontrolle durch die Atomenergiebehörde (IAEO) zu ermöglichen. Bei den nachfolgenden Inspektionen unter der Leitung von Hans Blix (der damalige Chef der Inspekteure im Irak) stellte die IAEO fest, dass zwischen der von Nordkorea angegebenen Menge von wiederaufgearbeitetem Plutonium und ihren eigenen Messungen eine Diskrepanz bestand.

Nordkorea zeigte sich daraufhin immer weniger kooperativ und lehnte die Sonderinspektionen von zwei Atommüll-Anlagen ab, deren Existenz das Land der IAEO nicht angegeben hatte. Die IAEO vermutete, dass weiteres Plutonium für ein Atomwaffenprogramm wiederaufgearbeitet wurde, insgesamt über 20 Kilogramm - genug für drei kleine Sprengköpfe. Nach Aussage von dem ins Exil gegangenen Kang Myong Do, der behauptet der Schwiegersohn von Nordkoreas Premierminister Kang Sung San zu sein, hätte Nordkorea bereits 1994 fünf Atomsprengsätze gebaut und fünf weitere bauen wollen. Die US-Behörden glaubten ihm jedoch nicht and wiesen seine Aussagen als substanzlos zurück.

Erste Krise

Nachdem keine Fortschritte mit den Inspektionen erzielt werden konnten und die Verhandlungen zwischen der IAEO und Nordkorea festgefahren waren, kündigte Nordkorea am 12. März 1993 zum ersten Mal seine Absicht an, aus dem Atomwaffensperrvertrag auszuscheiden. Die USA begannen daraufhin mit Nordkorea zu verhandeln, wonach die Kündigung "suspendiert" wurde - also blieb Nordkorea zwar vorerst Vertragspartei, wurde aber nicht kontrolliert. Damit erlangte Nordkorea einen Sonderstatus im Vertragswerk, dem kein anderes Land zugestanden wurde.

Spannungen zwischen den USA und Nordkorea über die Atomwaffenfrage führten zu einer Krise im Frühjahr 1994, die beinahe in einen Krieg mündete. Nicht alleine das Plutoniumprogramm bereitete den USA Sorgen, sondern auch das nordkoreanische Raketenprogramm. Nordkorea testete 1993 eine Rakete mit einer angeblichen Reichweite zwischen 1.000 bis zu 1.300 Kilometern.

"The Agreed Framework"

Erst nach dem Tod von Staatschef Kim II Sung führten die Verhandlungen am 21. Oktober 1994 zu einem US-Nordkoreanischen Abkommen. Das Abkommen mit dem Titel "The Agreed Framework" belegt deutlich die Schwäche des Vertrages. Unter Artikel IV wurde versprochen, Nordkorea mit seinem Atomenergieprogramm behilflich zu sein, wenn es sich im Gegenzug verpflichte, das Atomwaffenprogramm einzustellen und Mitglied im Atomwaffensperrvertrag zu bleiben. Dafür sollten die USA Leichtwasserreaktoren liefern. Erst nach Beendigung dieses Projekts sollte Nordkorea alle IAEO-Inspektionen zulassen.

Doch die Geschichte verlief anders. Anstelle der USA sollte Südkorea die Lieferungen bis 2003 aufrecht erhalten und den Löwenanteil bezahlen, obwohl Nordkorea dies anfangs nicht wollte. Die USA wollten lediglich noch für einen minimalen Teil der Kosten aufkommen und Nordkorea mit Öl beliefern. Aber dann wollten die USA ihren Beitrag zu den Konstruktionskosten nicht mehr bezahlen. Die Konstruktion verzögerte sich und die Notwendigkeit von Inspektionen drängte. Doch der dafür in dem Abkommen vorgesehene Zeitpunkt war noch nicht erreicht.

Eskalation

Auch die politische Situation verschlechterte sich wieder. Die USA bezeichnen Nordkorea beständig als einen Schurkenstaat, der den Terrorismus unterstütze. Ökonomische Sanktionen unterbinden faktisch den Handel. Nordkorea sieht militärische Stärke als überlebenswichtig an. George W. Bush goss dann noch mehr Öl ins Feuer als er sagte, Nordkorea würde seinen Verpflichtungen nicht nachkommen. Seine Administration glaubte, dass Nordkorea bereits ein oder zwei Atomwaffen besitze und den Zeitpunkt für die Inspektionen nur hinaus schiebe. Die US-Strategie der Isolation und des Einkesselns - die USA haben über 37.000 Truppen in Südkorea, 40.000 in Japan, 132.000 in der Pazifischen Flotte - funktionierte nicht, weil trotz eines verhungernden Volkes und einer zusammengebrochenen Wirtschaft das nordkoreanische Regime noch lange Durchhaltekraft zeigte. Weitere Drohungen aus den USA, z.B. die Nennung von Nordkorea als ein Ziel für einen Atomwaffeneinsatz, bestärkte die Radikalen und eskalierte die Problematik. Eine nordkoreanische Führung, die in die Ecke gedrängt wird und nichts mehr zu verlieren hat, ist für die Welt äußerst gefährlich.

So stellte sich Oktober 2002 heraus, dass Nordkorea ein geheim gehaltenes Programm für Urananreicherung unterhält. Die USA stellten daraufhin ihre Öl-Lieferungen ein. Im Dezember erklärte Nordkorea, den umstrittenen alten Reaktor wieder in Betrieb nehmen zu wollen, der aufgrund des Abkommens still gelegt worden war. Das Land habe keine andere Energiequelle mehr. Kurz vor Weihnachten 2003 begann Nordkorea zudem, die Überwachungskameras der IAEO zu entfernen. Am 10. Januar 2003 kündigte das Land an, aus dem NPT-Vertrag auszusteigen und beendete damit jegliche Kooperation mit der IAEO.

Im August 2003 begann die erste Runde der sogenannten Sechser-Gespräche unter Beteiligung der USA, Russland, China, Südkorea, Japan und Nordkorea. Diese und alle weiteren Runden der Gespräche blieben ergebnislos. Am 10. Februar 2005 behauptet Nordkorea zum ersten Mal tatsächlich im Besitz von Atomwaffen zu sein. Am 9. Oktober 2006 zündete Nordkorea seine erste Atomwaffe mit einer Sprengkraft vergleichbar mit 550 Tonnen TNT auf dem Versuchsgelände in Hwaderi nahe der Stadt Kilju.

Sechs-Parteien-Gespräche

Im August 2003 begann die erste Runde der sogenannten Sechser-Gespräche unter Beteiligung der USA, Russland, China, Südkorea, Japan und Nordkorea. Diese und alle weiteren Runden der Gespräche blieben ergebnislos. Am 10. Februar 2005 behauptet Nordkorea zum ersten Mal tatsächlich im Besitz von Atomwaffen zu sein. Die gemeinsame Erklärung, die bei den Sechs-Parteien-Gesprächen am 19. September 2005 in Peking abgegeben wurde, war ein Durchbruch in den Bemühungen, das nordkoreanische Nuklearproblem zu lösen.

Ausschlaggebend für diesen ersten Erfolg der Sechs-Parteien-Gespräche war der fundamentale Wandel in der Politik gegenüber der DVRK durch die Regierung Bush, die die DVRK zuvor als Teil der "Achse des Bösen" und als "Basis der Tyrannei" bezeichnet hatte, der man entgegentreten und die man stürzen müsse. Seit dem Amtsantritt des Ex-Präsidenten Kim Dae-Jung im Jahre 1999 bis zur jetzigen Regierung von Roh Moo-Hyuan vertrat Seoul gegenüber Pyöngyang jedoch seine "Sonnenschein-Politik", um durch gegenseitigen Austausch und Kooperation Frieden zwischen den zwei Teilen Koreas zu schaffen. Pyöngyang willigte ein, sein Atomwaffenprogramm vollständig einzustellen.

Nordkoreas erster Atomtest

Dennoch sind die Gespräche 2005 zusammengebrochen. Nordkorea zündete am 9. Oktober 2006 Nordkorea seine erste Atomwaffe mit einer Sprengkraft vergleichbar mit 550 Tonnen TNT auf dem Versuchsgelände in Hwaderi nahe der Stadt Kilju.

Nach dem nordkoreanischen Atomtest flammten die Spannungen in Nordostasien auf. Die USA und Japan verhängten harte Sanktionen gegen Nordkorea, der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen verabschiedete eine Resolution mit begrenzten Maßnahmen und die USA leiteten eine Steigerung der Aktivitäten der Proliferation Security Initiative (PSI) ein, die eine verstärkte Verpflichtung zum Aufhalten nordkoreanischer Schiffe, die verdächtigt werden, militärische oder nuklearbezogene Materialien an Bord zu führen, enthält.

Nordkorea hat sich einverstanden erklärt, zu den Sechsparteiengesprächen  zurückzukehren und die USA haben ihre Bereitschaft verkündet nun doch bilaterale Gespräche mit Nordkorea führen zu wollen und einige der verhängten Finanzblockaden zu überdenken. Am 31. Oktober 2006 fand in Beijing ein bilaterales Treffen nordkoreanischer und US-amerikanischer Vertreter statt, welches, wie es damals von nordkoreanischer Seite verlautete, sie dazu bewog, sich für die Rückkehr zu den Sechsparteiengesprächen zu entscheiden.

Erfolge für die Gespräche?

Mühsam gingen die Sechs-Parteien-Gespräche weiter. Einige Erfolge wurden in 2007 erzielt.

Auf einer Seite:

  • die Freigabe des nordkoreanischen Geldes in Macau durch die USA;
  • die Ankündigung, der Umwandlung des Waffenstillstandes 1953 in einem Friedensvertrag;
  • Nordkorea von der Liste von Terrorismus unterstützenden Staaten zu streichen;
  • das Versprechen zweier großen Lieferung von Öl.

Auf der anderen Seite:

  • die nordkoreanischen nuklearen Aktivitäten einzustellen;
  • Kontrollen durch die IAEO wieder zu zu lassen;
  • die Atomanlage für die Herstellung von Plutonium bei Pjongjang zu zu machen;
  • eine volle Deklaration über das Atomwaffenprogramm abzugeben.

In 2008 wurde die Deklaration - zwar verspätet - eingereicht und der Kühlturm des Forschungsreaktor in Pjongjang zerstört. Eine dauerhafte Einstellung der nuklearen Aktivitäten und das permanente Abschalten der Plutonium-Anlage erwies sich als schwieriger. Auch die Streichung von der Terrorismusliste bleibt offen. Am 11. Oktober 2008 wurde jedoch wieder Einigung erreicht und ein Verifikationsplan verabschiedet. Außerdem wurde Nordkorea von der Terrorismusliste gestrichen.

Die dritte Krise

Anfang 2009 stockten die Gespräche wieder, diesmal wurde über die Probenahmen für Verifikationszwecken gestritten. Dennoch erklärte Staatschef Kim Jong II im Januar 2009, dass er sich für eine koreanische Halbinsel ohne Atomwaffen einsetze und die Sechs-Parteien-Gespräche "ohne Unterbrechung" vorantreiben wolle. Die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua zitierte Kim mit den Worten: "Die Demokratische Volksrepublik Koreas sieht sich zu einer atomaren Abrüstung der koreanischen verpflichtet und hofft mit allen Seiten in Frieden zusammen zu leben."

Am 30. Januar 2009 erklärte jedoch Nordkorea, alle bilateralen, militärischen und politischen Einigungen mit Südkorea seien ab jetzt ungültig. Hintergrund dieser Entscheidung: Die USA haben die Energiehilfe im Dezember eingestellt, Südkorea zögerte mit einer Lieferung von 3000 Tonnen Stahlplatten und auch Japan war nicht mehr bereit, 200 000 Tonnen Öl zu liefern, bis der Streit über die entführten Japaner in den 1970er und 80er Jahren gelöst wird. Die Beziehung der beiden Staaten auf der koreanischen Halbinsel verschlechterte sich stetig seit der Wahl des neuen südkoreanischen Präsidenten Lee Myung Bak im Februar 2008. Er hat deutlich schärfere Töne in seinen Äußerungen gegenüber Nordkorea gewählt und alle Hilfe von weiteren Fortschritten in der Abrüstung abhängig gemacht.

In einer Aussage vor dem US-Kongress sagte Selig Harrison, dass nordkoreanischen Regierungsvertreter ihm gesagt hätten, sie hätten bereits ihren gesamten Vorrat an Plutonium in Waffen verwendet. Dieser Vorrat wurde auf Grund der nordkoreanischen Erklärung vom Juni 2008 auf 30 Kg eingeschätzt, genug für bis zu sechs relativ kleine Atomwaffen.

Weitere Raketen und Atomwaffen getestet

Am 5. April 2009, kurz vor der historischen Rede des US-Präsidenten Obama in Prag, startete Nordkorea eine Langstreckenrakete. Angeblich sollte die Rakete einen Satellit zur zivilen Nutzung ins Weltall bringen, aber die USA, Japan und Nordkorea sahen den Zweck als vorrangig militärisch. Somit kritisierten sie den Raketenstart als einen Verstoß gegen die UN-Sicherheitsresolutionen, die Raketenaktivitäten für militärische Zwecke verboten hatten. China und Russland waren nicht gleicher Meinung, dennoch verurteilte der UN-Sicherheitsrat den Raketenstart durch ein Statement seines Präsidenten. Sanktionen gegen einige nordkoreanischen Firmen wurden verhängt. Japan hat noch schärfere Sanktionen inklusive eines Embargo von nordkoreanischen Importgütern verhängt.

Nordkorea warnte ausdrücklich, dass eine solche Kritik als feindlicher Akt interpretiert und als Folge einen weiteren Atomtest provozieren würde. Damit war der Atomtest am 25. Mai zwar keine große Überraschung, aber trotzdem schockierend.

 

Nordkorea hat weiter systematisch an seinen ballistischen Raketen gearbeitet, und weitere Raketentests durchgeführt, zuletzt der Test einer Interkontinentalrakete am 12. Dezember 2012, mit der Nordkorea erfolgreich einen Satellit ins All geschossen hat.

Am 12. Februar 2013 führte Nordkorea seinen dritten Atomtest aus, der angeblich ein stark komprimiertes Atomwaffendesign zum Einsatz brachte. Die Sprengkraft fiel mit 6-9 Kilotonnen TNT-Äquivalent etwas stärker als in den beiden bisherigen Tests aus, war jedoch immernoch wesentlich schwächer als die Atomwaffen, die in Hiroshima bzw. Nagasaki eingesetzt wurden.

Die nordkoreanischen Atomtests werden sowohl von Befürwortern der Abrüstung als auch von Skeptikern als Argumente für ihre Position genützt. Die Befürworter argumentieren, dass Nordkorea zeige, wie gefährlich die Welt mit Atomwaffen ist und warnt, dass eine weitere Verzögerung bei der Abrüstung bedeuten würde, dass immer mehr Staaten Atomwaffen entwickeln. Die Verfechter der Abschreckung meinen, man müsse wegen Staaten wie Nordkorea die Atomwaffen unbedingt beibehalten.

 

Stand: März 2013

 

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