Chronik des nordkoreanischen Atomprogramms

1985

12.12. Nordkorea tritt Atomwaffensperrvertrag bei. Das Land schließt allerdings kein Safeguards-Abkommen mit der IAEO ab.

1992

30.01. Mehr als sechs Jahre nach dem Beitritt zum Atomwaffensperrvertrag schließt Nordkorea das umfassende Sicherheitsabkommen mit der IAEO ab. 

09.04. Nordkorea ratifiziert das Safeguards-Abkommen mit der IAEO.

04.05. Nordkorea reicht der IAEO seine erste Erklärung über nukleare Aktivitäten ein. Sieben Anlagen und ca. 90g Plutonium werden angegeben. Die Regierung behauptet, dass das Spaltmaterial durch Wiederaufarbeitung fehlerhafter Brennstäbe 1989 entstanden ist. Die IAEO unternimmt ab Mitte 1992 bis 1993 Inspektionen, um diese Angaben zu überprüfen.

1993

12.03. Nordkorea kündigt zum ersten Mal seine Absicht an, aus dem Atomwaffensperrvertrag auszuscheiden. Nach Verhandlungen wird die Kündigung „suspendiert“ und Nordkorea blieb zunächst Vertragspartei.

1994

21.10. Die USA und Nordkorea unterzeichnen in Genf den "Vereinbarten Rahmenplan" (Agreed Framework): Pjöngjang stellt sein laufendes Atomprogramm ein, Washington sagt im Gegenzug den Bau von Leichtwasserreaktoren und Öllieferungen zu. [Im Wortlaut: Agreed Framework]

1998

31.08 Eine mehrstufige nordkoreanische Rakete fliegt über Japan hinweg und landet im Pazifik. Nordkorea dementiert, einen Raketentest durchgeführt zu haben.

2002

29.01. US-Präsident George W. Bush wirft in seiner ersten Rede an die Nation Nordkorea, Irak und Iran vor, sich als eine "Achse des Bösen" um den Besitz von Massenvernichtungswaffen zu bemühen.

16.10. Das nordkoreanische Atomwaffenprogramm wird durch die USA öffentlich gemacht.

11.10. Die USA, die EU, Japan und Südkorea verständigen sich darauf, wegen des nordkoreanischen Atomwaffenprogramms von Dezember an kein Öl mehr in das kommunistisch regierte Land zu liefern.

12.12. Die nordkoreanische Regierung kündigt an, ihr 1994 eingestelltes Plutonium-Projekt umgehend reaktivieren zu wollen.

13.12. Nordkorea fordert die IAEO auf, ihre Überwachungskameras aus den Atomanlagen zu entfernen.

27.12. Nordkorea weist die IAEA-Inspektoren aus. Sie verlassen das Land am 31. Dezember.

2003

10.01. Nordkorea kündigt den Atomwaffensperrvertrag (drei Monate später läuft die Mitgliedschaft ab).

05.02. In der Atomanlage in Yongbyon wird ein Reaktor wieder in Betrieb genommen.

12.05. Nordkorea löst einseitig die 1992 verabschiedete gemeinsame Erklärung mit Südkorea über die Entnuklearisierung der koreanischen Halbinsel auf, die u.a. das Testen, die Herstellung, den Erwerb, den Besitz, die Lagerung, die Stationierung und den Einsatz von Atomwaffen verbietet.

18.06. Zum ersten Mal räumt Pjöngjang öffentlich die Existenz seines Atomwaffenprogramms ein.

29.08. Die erste Runde der multilateralen Gespräche (Sechsländer-Gespräche) in Peking geht ohne Ergebnis zu Ende.

03.09. Das nordkoreanische Parlament billigt die Entscheidung der Regierung zum Ausbau einer "Streitkraft für nukleare Abschreckung".

02.10. Nach eigenen Angaben hat Nordkorea rund 8.000 abgebrannte Brennstäbe wieder aufgearbeitet und setzt das daraus gewonnene Plutonium ein, um Atombomben zu bauen.

19.10. Bush stellt Sicherheitsgarantien im Gegenzug für eine Einstellung des Atomprogramms in Aussicht. Einen Nichtangriffspakt lehnen die USA weiter ab. Nordkorea weist das Angebot als lächerlich zurück.

2004

28.02. Die zweite Runde der Sechsländer-Gespräche bringt keinen Durchbruch.

26.06. Die nächste Runde der Sechsländer-Gepsräche scheitert.

2005

14.01 Nordkorea erklärt sich zur Wiederaufnahme der festgefahrenen Verhandlungen über sein Atomprogramm bereit.

10.02. Nordkorea behauptet zum ersten Mal tatsächlich im Besitz von Atomwaffen zu sein.

19.09. Nordkorea erklärt sich unter Bedingungen zu Einstellung seines Atomwaffenprogramms bereit.

2006

09.10. Nordkorea zündet seine erste Atomwaffe mit einer Sprengkraft vergleichbar mit 550 Tonnen TNT auf dem Versuchsgelände in Hwaderi nahe der Stadt Kilju.

14.10. Der UN-Sicherheitsrat verhängt Sanktionen.

2007

13.02. Die Sechsländer-Gespräche gehen  mit dem Abschluss eines vereinbarten Aktionsplans erfolgreich zu Ende. Der Plan soll die gemeinsame Erklärung vom September 2005 umsetzen. Nordkorea stimmt der Schließung der Anlage in Yongbyon innerhalb von 60 Tagen zu. Im Gegenzug soll es massive Energie- und Wirtschaftshilfe erhalten.

16.07. Mit rund drei Monaten Verspätung wird der Reaktor in Yongbyon abgeschaltet.

2008

26.06. Nordkorea erklärt seinen Besitz von 30 kg Plutonium. Einen Tag später wird der Kühlturm des Yongbyon-Atomreaktors demoliert.

22.09. Nordkorea fordert die IAEO auf, seine Segel und Kameras von der Nuklearanlage in Yongbyon zu entfernen, da die Arbeit dort wieder aufgenommen werden sollte. Diese ist eine Reaktion darauf, dass das Land noch nicht - wie vereinbart - von der „schwarzen” Liste der USA von „terrorunterstützenden” Staaten gestrichen wurde.

2009

15.02. Nordkorea beansprucht für sich das Recht auf „Erschließung des Weltraums“.

14.04 Aus Protest erklärt Nordkorea den Boykott der Sechs-Parteien-Gespräche über sein Atomprogramm und kündigt an, die teilweise abgebauten Nukleareinrichtungen wiederherzustellen.

25.04. Nordkorea beginnt nach eigenen Angaben mit der Wiederaufarbeitung abgebrannter Brennstäbe aus seinem Kernreaktor. Ein Ausschuss des UN-Sicherheitsrats billigt neue Sanktionen gegen drei große nordkoreanische Unternehmen als Reaktion auf den Raketenabschuss.

08.05.  Nachdem der US-Sonderbeauftragte bei einer Asienreise die Bereitschaft der USA zu direkten Gesprächen mit Nordkorea bekundet, bezeichnet Nordkorea Gespräche mit den USA wegen ihrer „feindseligen Politik“ als sinnlos.

25.05. Zum zweiten Mal gibt Nordkorea einen erfolgreichen unterirdischen Atomtest bekannt und zieht damit umgehend internationale Kritik auf sich.

2010

13.01. Die USA erteilt Nordkoreas Forderung nach einem bilateralen Friedensvertrag als Vorbedingung für neue Abrüstungsgespräche eine Absage.

2012

01.03. Die USA und Nordkorea vereinbaren, dass Nordkorea die Entwicklung von Atomwaffen und sein Raketenprogramm einfriert. Im Gegenzug sichern die USA zu, 240.000 Tonnen Lebensmittel an Nordkorea zu liefern.

2013

22.01. Der UN-Sicherheitsrat verhängt einstimmig weitere Sanktionen gegen Nordkorea. Die verabschiedete Resolution verurteilt den Raketenstart im Dezember 2012 und fordert die Einstellung derartiger Provokationen sowie das sofortige Ende seines Atomprogramms. [Im Wortlaut]

12.02. Nordkorea führt ohne Vorankündigung den dritten und bisher stärksten Test einer Atombombe durch.

05.03. Nordkorea kappt die direkte "Hotline" zu Südkorea.

07.03. Der UN-Sicherheitsrat verabschiedet einstimmig Resolution 2094, die weitere Sanktionen gegen Nordkorea verhängt und bestehende Sanktionen bekräftigt. Im Wortlaut

2015

20.02. Nordkorea macht den USA ein Angebot für ein Atomtest-Moratorium, falls Südkorea seine gemeinsamen Militärmanöver mit den USA aussetzt.

2016

06.01. Nordkorea behauptet, eine Wasserstoffbombe erfolgreich getestet zu haben.

02.03. Der UN-Sicherheitsrat verschärft seine Sanktionen gegen Nordkorea.

04.03. Staatschef Kim Jong Un reagiert auf die neuen Sanktionen mit verstärktem Säbelrasseln: Er behauptet, er habe seine Atomwaffen einsatzbereit machen lassen und seinem Militär befohlen, sich für einen Präventivschlag bereit zu halten.

Chronik des nordkoreanischen Raketenprogramms ab 1992

1992

06.03. Die USA verhängen, aufgrund von Aktivitäten zur Weitergabe von Raketentechnologie, Sanktionen gegen das nordkoreanische Unternehmen „Lyongaksan Machineries and Equipment Export“ sowie die „Changgwang Sinyong Corporation“.

1996

Januar Nordkorea einigt sich prinzipiell mit den USA Gespräche über Fragen der Raketenweitergabe zu führen. Die Regierung Nordkoreas fordert zunächst eine Lockerung der Wirtschaftssanktionen als Gegenleistung.

22.04. Delegationen der USA und Nordkoreas treffen sich in Berlin zur ersten bilateralen Gesprächsrunde zum Thema Raketenprogramm. Die USA fordert Nordkorea dazu auf, das Raketentechnologie-Kontrollregime einzuhalten. Nordkorea hingegen fordert eine Kompensation von den USA als Gegenleistung für den zu erwartenden Verlust von Einnahmen.

24.05. Die USA verhängen Sanktionen gegen Nordkorea und den Iran aufgrund der Weitergabe von Raketentechnologie. Allerdings macht das bereits bestehende generelle Handelsverbot mit beiden Ländern die Sanktionen zum größten Teil symbolisch.

16.10.
Die USA schickt ein Aufklärungsschiff und -Flugzeuge nach Japan, nachdem sie nordkoreanische Testvorbereitungen der Mittelstreckenrakete „Nodong“ aufdecken. Es folgen einige Treffen zwischen Diplomaten in New York. Danach wird am 8.11. bekannt gegeben, dass der Raketentest abgesagt wurde.

1997

13.06. Die zweite Runde der bilateralen Gesprächen zwischen den USA und Nordkorea finden in New York statt. Die USA übt Druck auf Nordkorea aus, die Nodong-Rakete nicht zu stationieren und die Scud-Raketen nicht mehr zu verkaufen. Die Parteien kommen zu keiner Einigung, finden aber eine Grundlage für weitere Gespräche.

06.08. Aufgrund nicht näher bestimmter Aktivitäten zur Weitergabe von Raketentechnologie verhängen die USA weitere Sanktionen gegen zwei weitere Firmen.

1998

17.04. Die USA verhängen Sanktionen gegen Nordkorea und Pakistan als Antwort auf den Transfer von Raketentechnologie und -Komponenten aus Pjöngjang in die Hände des Forschungslabors von A.Q. Khan in Pakistan.

16.06. Die offizielle nordkoreanische Nachrichtenagentur „KCNA“ berichtet, dass das Land seine Raketentechnologieexporte erst beenden wird, wenn es für die damit einhergehenden finanziellen Verluste entsprechend entschädigt wird.

31.08. Nordkorea zündet eine Drei-Stufen-Rakete (die Taepodong-1) mit einer Reichweite von 1.500 bis 2.000 Kilometer.  Nach Aussagen Pjöngjangs, fliegt die Rakete über Japan hinweg und pflanzt einen kleinen Satelliten in den Erdorbit. Das „U.S. Space Command“ bestreitet diese Behauptung. Japan setzt die Unterschrift für eine vertragliche Kostenbeteiligung an Leichtwasserreaktoren bis November 1998 aus. Die US Geheimdienste geben zu, von den Fortschritten Nordkoreas im Bereich der Mehrstufenraketen und des Feststoffraketentriebwerks überrascht worden zu sein.

01.10. In New York beginnt die dritte Verhandlungsrunde zwischen den USA und Nordkorea bezüglich der Raketentests. Diese hat jedoch nur geringen Erfolg. Die USA wiederholen ihre Forderung nach der Beendigung des nordkoreanischen Raketenprogramms im Austausch für die Aufhebung der Wirtschaftssanktionen. Pjöngjangs lehnt den Vorschlag ab, da die Aufhebung der Sanktionen im Genfer Rahmenabkommen von 1994 inbegriffen sind.

1999

31.03. Die USA und Nordkorea halten die vierte Verhandlungsrunde über das nordkoreanische Raketenprogramm in Pjöngjang ab. Die USA zeigen sich besorgt über die Entwicklung Nordkoreas Raketen sowie deren Weiterverbreitungsaktivitäten. Sie schlagen Pjöngjang die Aufhebung der Sanktionen, bei vorausgehender Mäßigung seitens Nordkoreas, vor. US-Offizielle bezeichnen die Gespräche als intensiv. Sie haben aber lediglich Erfolg in der Übereinkunft sich zu unbestimmter Zeit erneut zu treffen.

12.09. Auf einem Treffen in Berlin stimmt Nordkorea einem Moratorium zu, für die Dauer der Verhandlungen mit den USA von Langstreckenraketentests abzusehen. Im Gegenzug erklären sich die USA dazu bereit ihre Wirtschaftssanktionen teilweise zurückzufahren. Beide Parteien sind sich einig weitere Verhandlungen auf höchster Ebene zu führen. (Die Sanktionen werden nicht vor Juni 2000 aufgehoben)

2000

06.04. Aufgrund der Weiterverbreitung von „MTCR“ Kategorie I Ausrüstung und Technologie, aller Wahrscheinlichkeit nach an den Iran, verhängen die USA Sanktionen gegen das nordkoreanische Unternehmen Changgwang Sinyong. Unter die Kategorie I fallen unter anderem vollständige Raketensysteme mit Reichweiten von über 300 Kilometer und einer Traglast von über 500 Kilogramm, größere Subsysteme, Raketenstufen sowie Zielsysteme, Produktionsanlagen für Raketen der MTCR-Klasse oder Technologie, die zu solchen Raketen zugehört.

12.07. Die fünfte Verhandlungsrunde über das nordkoreanische Raketenprogramm in Kuala Lumpur endete ergebnislos. Nordkorea wiederholte die Forderung nach Kompensation, für die zu erwartenden Ausfälle durch den Wegfall ihrer Raketenexporte, in Höhe von einer Milliarde US-Dollar pro Jahr. Die USA lehnen dies ab, bieten aber eine „wirtschaftliche Normalisierung“ an.

19.07. Berichten zufolge verspricht Kim Jong-il während eines Gesprächs mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin, im Austausch für Unterstützung bei zukünftigen Satellitenstarts, das nordkoreanische Raketenprogramm einzustellen.

13.08.
Kim Jong-il verkündet in Pjöngjang vor 46 südkoreanischen Medienvertretern, dass der Vorschlag nicht ernst gemeint war. Jedoch beinhalten Auszüge von Kims Interview in englischer Sprache: „Ich sagte Putin, dass wir aufhören würden Raketen zu entwickeln, wenn uns die USA entgegen kommen und unsere Satelliten für uns ins All schießen würde.“

28.08. US-Botschafterin Wendy Sherman reist nach Moskau um die Einzelheiten von Kim Jong-ils Vorschlag von russischer Seite zu bestätigen zu lassen. Am 8. September bestätigt ein hochrangiger Offizieller des amerikanischen „State Departments“, dass man das nordkoreanische Angebot sehr ernst nehme.

24.10. US-Außenministerin Albright reist für zwei Tage nach Pjönjang für ein Treffen mit Kim Jong-il. Während des Besuchs sagt Kim, dass keine weiteren Tests der Taepodong-1 Rakete vorgenommen werden sollen.

03.11. Die siebte Verhandlungsrunde in Kuala Lumpur, Malaysien, zwischen Washington und Pjöngjang endet ergebnislos.

2001

04.08. Kim Jong-il bekräftigt, während eines Treffens mit dem russischen Präsidenten Putin in Moskau, sein Versprechen, das Moratorium über ballistische Raketentests bis 2003 einzuhalten.

2002

16.08. Die USA verhängen Sanktionen gegen das nordkoreanische „Changgwang Sinyong“ Unternehmen sowie Nordkorea selbst wegen der Weiterverbreitung von Raketentechnologie an den Jemen.

17.09. Als Bestandteil der unterschriebenen Nordkorea-Japan Pjöngjang Erklärung kündigt Nordkorea an, das Raketentest-Moratorium auf unbestimmte Zeit zu verlängern.

05.11. Nordkorea droht damit, das Moratorium aufzukündigen, sollten die Gespräche zwischen Nordkorea und Japan nicht zur gewünschten Normalisierung führen.

09.12. Eine Schiffslieferung nordkoreanischer Scud-Raketen an den Jemen wird von US-amerikanischen und spanischen Streitkräften abgefangen. Die USA lassen die Einfuhr der Schiffsladung zu, da ihnen die rechtliche Befugnis zur Beschlagnahmung fehlt.

2003

12.01. Gemäß eines Artikels vom 12. Januar in der Los Angeles Times, signalisiert Nordkoreas Botschafter Choe Jin-su China, dass Pjöngjang wahrscheinlich nicht länger an dem Moratorium bezüglich der Langstreckenraketentests festhalten wird.

19.03. Nordkorea erklärt über die „KCNA“, dass sie das „souveräne Recht“ besitzen ein „friedliches“ Raketenprogramm zu betreiben. Am 24. Februar sowie am 10 März führte Nordkorea Raketentests durch, allerdings handelte es sich hierbei um Kurzstreckenraketen, was keinen Bruch mit dem Moratorium darstellte.

24.03. Die USA verhängen Sanktionen gegen das nordkoreanische Unternehmen „Changgwang Sinyong“ aufgrund der Weitergabe von Raketentechnologie an die Khan Forschungslabore in Pakistan. Das Labor wurde ebenfalls für die Entgegennahme der Technologien sanktioniert.

2005

02.03. Nordkoreas Außenministerium gibt bekannt, dass sich Pjöngjang nicht länger an das nunmehr über fünf Jahre alte Moratorium für Langstreckenraketentests gebunden fühlt. Allerdings wird nicht klar, ob solche Tests geplant sind.

2006

4.-5.7. Nordkorea testet sieben ballistische Raketen, darunter die Taepodong-2, welche die bisher höchste Reichweite in Nordkoreas Arsenal aufweist. Die anderen sechs Tests belaufen sich auf die Kurz- und Mittelstreckenraketen „Scud-C“ und „Nodong“. Während die Kurzstreckenraketentests erfolgreich sind, scheitert die Taepodong-2 schon innerhalb einer Minute nach ihrem Start.
Das US-Außenministerium bezeichnet diesen Raketenstart als Provokation, welcher Nordkoreas freiwilliges Moratorium verletzt, das Pjöngjang schon seit September 1999 einhält. Als Antwort darauf verhängt Japan Sanktionen gegen Nordkorea und Südkorea stellt seine Nahrungs- und Düngemittellieferungen an  Nordkorea ein.

15.07.
Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen verabschiedet Resolution 1695, welche die nordkoreanischen Raketentests verurteilt. Die Resolution ruft Pjöngjang dazu auf sich wieder an den Sechsparteiengesprächen zu beteiligen und verlangt, dass Nordkorea die ballistischen Raketentests einstellt, und sich wieder an das Raketentest-Moratorium bindet.

2008

17.09. Nach Angaben der „Jane's Defense Weekly“ steht Nordkorea beinahe vor der Fertigstellung eines Raketentestgeländes nahe dem Dorf Pongdong-ni an seiner Westküste. Der Komplex soll fortschrittlicher sein als Nordkoreas östliches Raketentestgelände in Musudan-ri und soll die Möglichkeit bieten größere Raketen und in geringeren Abständen zu testen.  

2009

03.02. Die südkoreanische Zeitung „Yonhap“ berichtet unter Berufung auf nicht näher genannte südkoreanische Offizielle, dass Nordkorea einen Test ihrer Taepodong-2 Rakete vorbereitet. Spekulationen über einen solchen Raketenstart nehmen in den darauffolgenden Tagen zu.

24.02. Die „KCNA“ gibt bekannt, dass Vorbereitungen für den Start eines experimentellen Kommunikationssatelliten zügig vorankommen. Die USA, Japan und Südkorea warnen Nordkorea, dass der geplante Satellitenstart die Sicherheitsratsresolution 1718 verletzt und dass der Sicherheitsrat, im Falle eines Starts, weitere Maßnahmen in Erwägung zieht.

11.03. Nordkoreanische Stellen informieren die Internationale Seeschifffahrts-Organisation und die Internationale Zivilluftfahrtorganisation, über ihren bevorstehenden Satellitenstart zwischen dem 4. und 8. April. Nordkorea spielt diesen Organisationen Koordinaten über gefährdete Bereiche zu, wo zwei der drei Raketenstufen wahrscheinlich herabfallen sollen.

13.03.
Der südkoreanische Außenminister, Yu Myung-hwan, sagt gegenüber Reportern, dass sich Südkorea, als Antwort auf den Raketenstart, der Initiative zum Schutz vor der Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen (Proliferation Security Initiative) einschließen müsse.

05.04. Nordkorea zündet seine Drei-Stufen-Rakete (Unha-2), welche als modifizierte Version der ballistischen Langstreckenrakete Taepodong-2 gilt. Nordkorea behauptet, die Rakete habe einen Satelliten in den Erdorbit gebracht. Das nördliche Kommando der Vereinigten Staaten (U.S. Northern Command) berichtet jedoch, dass die erste Raketenstufe im Japanischen Meer und die anderen beiden, mitsamt der Fracht, in den Pazifik gestürzt seien.

13.04. Der UN-Sicherheitsrat gibt eine Präsidialerklärung heraus, die Nordkoreas Raketenstart vom 5. April verurteilt. Dieser stellt einen Verstoß gegen Sicherheitsratsresolution 1718 dar, und erfordert verstärkte Strafmaßnahmen.

2011

13.06. Ein nordkoreanisches Frachtschiff wird an der Küste Chinas von US-Kriegsmarine abgefangen. Es wird angenommen, dass das Schiff Raketenteile nach Myanmar bringen sollte. Der Frachter verweigert eine Inspektion, dreht jedoch, von einem US-Zerstörer verfolgt, ab.

2012

16.03. Nordkorea kündigt einen weiteren Satellitenstart für Mitte April an, um den hundertsten Geburtstag des Landesgründers, Kim Il-sung, zu feiern. Die USA betonen, dass der Raketenstart die Vereinbarung vom 29. Februar verletzt, die das Versprechen seitens Nordkoreas beinhaltete, keine weiteren Langstreckenraketentests vorzunehmen. Diese Verletzung beeinträchtige, gemäß den USA, auch Pjöngjangs Vertrauenswürdigkeit bezüglich der Überwachung von Nahrungsmittelhilfen sowie anderer Verpflichtungen.

29.03. Der „Assistant Secretary of Defense for Asian and Pacific Affairs“ Peter Lavoy teilt dem „House Armed Services Committee“ mit, dass die USA ihre Nahrungsmittelhilfen, gemäß der Vereinbarungen vom 29. Februar, für Nordkorea eingestellt haben. Auslöser ist der angekündigte Satellitenstart seitens Nordkorea.

13.04.
Nordkorea unternimmt einen Versuch einen Wettersatelliten mithilfe der Unha-3, einer Drei-Stufen-Rakete betrieben mit Flüssigtreibstoff, vom Raketenstartgelände Sohae (Pongdong-ri) ins All zu schießen. Nach ungefähr 90 Sekunden, während der ersten Stufe, bricht die Rakete in ihre Einzelteile, nachdem sie leicht ostwärts von ihrem Kurs abkommt. Die erste Raketenstufe scheint aus vier Nodong Mittelstreckenraketentriebwerken zu bestehen. Die zweite Stufe, bestehend aus einem BM-25 Musudan Triebwerk, zündet nicht. Es ist unklar was den Fehlstart verursachte. Experten gehen davon aus, dass die zweite Stufe aufgrund eines bautechnischen Fehlers scheiterte, beziehungsweise die vier Triebwerke der ersten Stufe fehlerhaft betrieben worden sind. Nordkorea räumt ein, dass der Raketenstart ein Misserfolg war, anders als noch im April 2009, wo die nordkoreanische Regierung der Öffentlichkeit mitteilte, einen Satelliten erfolgreich in den Erdorbit eingebracht zu haben. Die USA unterbinden nun ihre Nahrungsmittellhilfe für Nordkorea offiziell.

16.04. Der UN-Sicherheitsrat verurteilt Nordkoreas Satellitenstart als einen Bruch der Sicherheitsratsresolutionen 1718 (von 2006) und 1874 (von 2009) und fordert Nordkorea dazu auf den Bestimmungen der Resolutionen Folge zu leisten oder mit einer Verschärfung der Sanktionen zu rechnen.

01.12. Nordkorea kündigt einen weiteren Satellitenstart zwischen dem 10. und 22. Dezember an. Eine andere Unha-3 soll wieder vom Sohae Raketentestgelände gezündet werden, und dieselbe Flugbahn haben, wie schon beim Raketenstart vom 13. April. Im Gegenzug erklärt das US-Außenministerium, dass ein Satellitenstart, als ein höchstprvozierender Akt aufgefasst wird, der den Frieden und die Sicherheit in der Region bedrohen.

09.12.
Nachdem die Rakete schon in Sohae zusammengebaut wurde, stellt sich ein Mangel an der ersten Stufe ihrer Rakete heraus. Daraufhin erklärt Nordkorea eine Verlängerung des Zeitfensters bis zum 29. Dezember.

12.12. Die Unha-3 wird gezündet. Kurz nach dem Start berichtet die „KCNA“, dass der Raketenstart ein Erfolg war und ein Satellit in den Erdorbit eingebracht worden ist. Offizielle Stellen aus Japan und Südkorea bestätigen den Start und berichten, dass in den von Nordkorea ausgewiesenen Bereichen Trümmerteile der ersten und zweiten Raketenstufen herabgefallen sind. Das „North American Aerospace Defense Command“ (NORAD) bestätigt den Start ebenfalls und fügt hinzu, dass ein Objekt den Erdorbit erreicht hat.

2013

22.01. Als Reaktion auf Nordkoreas Satellitenstart vom 12. Dezember verabschiedet der UN-Sicherheitsrat die Resolution 2087 auf Grundlage der Nutzung von Technologie, die für ballistische Raketen anwendbar ist, in Missachtung der Sicherheitsratsresolutionen 1718 und 1874. Die Resolution 2087 erweitert und verschärft bereits bestehende Sanktionen der vorangehenden Resolutionen und friert Konten von weiteren nordkoreanischen Einzelpersonen ein.  

2014

26.03. Nordkorea feuert zwei Rodang-Mittelstreckenraketen (auch als No Dong bekannt) ins Japanische Meer und verletzt damit UN-Sanktionen. Dies stellt den ersten Mittelstreckenprojektiltest seit den letzten 5 Jahren dar.

27.03. Der UN-Sicherheitsrat verurteilt Nordkorea für den Raketenstart und betont eine Verletzung der Sicherheitsratsresolutionen. China stimmt mit ein und kritisiert ebenfalls den Raketenstart.

02.05. Neue Satellitenbilder zeigen, nach Angaben des US-Korea Instituts der "John Hopkins University", die Erweiterung des nordkoreanischen Raketentestgeländes sowie die Triebwerke der ersten mobilen interkontinentalen ballistischen Rakete.

2015

08.02. Nordkorea testet fünf Kurzstreckenraketen. Die Raketen fliegen von Wonsan aus etwa 125 Meilen nordöstlich und stürzen in den Ozean.

09.05.
Nordkorea behauptet eine ballistische Rakete von einem U-Boot aus abgefeuert zu haben. Die Rakete flog 150 Meter. Experten glauben, dass die Rakete von einem untergetauchten Frachtkahn oder einem anderen Unterwasserfahrzeug abgefeuert wurde.

28.11. Nordkorea testet eine ballistische Rakete von einem U-Boot aus. Der Test scheitert.

21.12. Nordkorea unternimmt einen weiteren U-Boot-Raketentest, diesmal mit Erfolg.

2016

07.02. Ungeachtet der UN Sanktionen, die einen Einsatz von ballistischer Raketentechnologie untersagen, zündet Nordkorea eine Langstreckenrakete mit einem Erdbeobachtungssatelliten an Bord. Dies zieht die Verurteilungen durch andere Regierungen nach sich, die einen wachsenden Fortschritt in Nordkoreas militärischem Potenzial sehen.

02.03. Der UN Sicherheitsrat beschließt einstimmig die Resolution 2270. Die Resolution verurteilt den Atomtest und den Raketenstart im Frühjahr 2016 und verlangt von Nordkorea keine weiteren Tests fortzuführen sowie alle Aktivitäten bezüglich ihres ballistischen Raketenprogramms einzustellen. Des Weiteren verschärft Resolution 2270 bereits existierende Sanktionen gegen Nordkorea, implementiert neue finanzielle Sanktionen und untersagt anderen Mitgliedsstaaten Nordkorea mit Flugzeugtreibstoff und bestimmten Mineralien zu versorgen. Die Resolution führt zu dem auch eine neue Bestimmung ein, die vorsieht, dass jegliche Fracht die auf dem Transportweg nach oder aus Nordkorea kommen, nach unerlaubten Gütern und Waffen durchsucht werden sollen.

15.04.
Nordkorea testet ihre Musudan-Mittelstreckenrakete. Der Raketentest schlägt fehl. Der UN-Sicherheitsrat gibt bekannt, dass es sich hierbei um eine eindeutige Verletzung existierender Sicherheitsratsresolutionen handelt.

23.04.
Nordkorea unternimmt einen U-Boot-basierten Raketentest der KN-11 Rakete vor. Nach Aussagen südkoreanischer Stellen flog die Rakete etwa 30 Kilometer weit, bevor sie explodierte.

24.04. Der UN-Sicherheitsrat verurteilt den Raketenstart.

28.04.
Nordkorea testet zwei weitere Musudan-Mittelstreckenraketen. Berichten zufolge sind diese gescheitert.

30.05. Nordkorea testet wieder eine Musudan-Rakete.

22.06. Der UN-Sicherheitsrat hält eine Notstandssitzung ab, um sich über Nordkoreas Raketentests zu beraten.

23.06.
Der Sicherheitsrat veröffentlicht eine Stellungnahme, in der Nordkoreas jüngsten ballistischen Raketentests aufs Schärfste verurteilt werden und alle UN-Mitgliedsstaaten dazu aufgerufen werden, die Maßnahmen der UN-Sicherheitsratsresolutionen durchzusetzen.

08.07.
Südkorea und die USA verkünden ihre Entscheidung über die Stationierung einer THAAD-Batterie in Südkorea. Das Raketenabwehrsystem ist „eine Verteidungsmaßnahme zur Gewährleistung der südkoreanischen Sicherheit“. Die THAAD ist auf das Abfangen von ballistischen Kurz- und Mittelstreckenraketen ausgelegt.

03.08. Die Nodong-Mittelstreckenrakete wird von Nordkorea abgefeuert. Der Flugkörper landet ca. 200 Kilometer vor der japanischen Küste und damit auch in Japans ausschließlicher Wirtschaftszone.

24.08.
Nordkorea testet eine U-Boot-gestützte ballistische Rakete, die KN-11. Die Rakete verlässt das U-Boot und reist in einer hohen Flugbahn ca. 500 Kilometer weit, bis sie schließlich in den Ozean fällt. Der Test scheint erfolgreich zu sein.

05.09. Nordkorea testet simultan drei Mittelstreckenraketen. Die Raketen legen etwa 1.000 Kilometer zurück.

14.10.
Der Test einer Musudan-Mittelstreckenrakete schlägt fehl. Schon kurz nach dem Start explodiert der Flugkörper.

19.10. Nordkorea unternimmt einen weiteren Musudan-Mittelstreckenraketentest, der wiederum kurz nach dem Start fehlschlägt. Damit ist das der achte Musudan-Test im Jahr 2016. Lediglich der Test im Juni gilt als Erfolg.

2017

01.01. Kim Jong-un behauptet, dass sich Nordkorea in der Endphase ihrer Vorbereitungen für ihren ersten ballistischen Interkontinentalraketentest befindet. Der designierte US-Präsident Donald Trump meldete über Twitter, dass ein solcher Start niemals zugelassen werden würde. 

12.02.
Nordkorea testet eine neue ballistische Rakete, die Pukguksong-2. Nordkoreanische Medien melden, der Test sei ein Erfolg. Der Flugkörper flog in einer hohen Flugkurve ca. 500 Kilometer weit. Aufnahmen zeigen, dass die Pukguksong-2 mit Festbrennstoff betrieben wird und auf den U-Boot-gestützten Raketen basiert, die Nordkorea schon seit einigen Jahren testet. Dieser erfolgte nach der Kaltstart-Methode, bei welcher die Rakete aus ihrem Kanister mithilfe komprimierten Gases herausgeschleudert wird. Die Abschussvorrichtung wurde in Nordkorea selbst hergestellt.

06.03. Nordkorea zündet nahe der chinesischen Grenze vier ballistische Raketen. Die Flugkörper legen 1.000 Kilometer zurück und stürzen in Japans ausschließliche Wirtschaftszone, etwa 300 Kilometer vor der japanischen Küste.  
04.04. Vom östlichen Hafen aus der Stadt Sinpo schießt Nordkorea eine Mittelstreckenrakete ins  Japanische Meer.

15.04.
Aus der Nähe der U-Boot-Basis in Sinpo zündet Nordkorea eine ballistische Rakete, die kurz nach dem Start explodiert. Es ist nicht bekannt, um welche Art Rakete es sich hierbei handelt. Der misslungene Raketenstart folgt auf die demonstrative Militärparade zu Ehren des 105. Geburtstages von Kim Il-sung, bei welcher das nordkoreanische Raketenarsenal sowie drei verschiedene Arten von Interkontinentalraketen zur Schau gestellt wurden.

[Arms Control Association]

Entdeckung

Unter internationalem Druck unterzeichnete Nordkorea 1985 den Atomwaffensperrvertrag (NPT), weil der US-Geheimdienst einen geheimgehaltenen gasgekühlten, graphitmoderierten Reaktor entdeckt hatte, der in der Lage war, Plutonium herzustellen. 1989 wurde die Vermutung lanciert, Nordkorea hätte eine Wiederaufarbeitungsanlage, in der atomwaffenfähiges Plutonium hergestellt werde. Es folgten Berichte, dass ein zweiter Graphitreaktor gebaut würde, um noch mehr Plutonium für ein Atomwaffenprogramm zu produzieren.

Dennoch weigerte sich die nordkoreanische Regierung bis 1992, eine vollständige Kontrolle durch die Atomenergiebehörde (IAEO) zu ermöglichen. Bei den nachfolgenden Inspektionen unter der Leitung von Hans Blix (der damalige Chef der Inspekteure im Irak) stellte die IAEO fest, dass zwischen der von Nordkorea angegebenen Menge von wiederaufgearbeitetem Plutonium und ihren eigenen Messungen eine Diskrepanz bestand.

Nordkorea zeigte sich daraufhin immer weniger kooperativ und lehnte die Sonderinspektionen von zwei Atommüll-Anlagen ab, deren Existenz das Land der IAEO nicht angegeben hatte. Die IAEO vermutete, dass weiteres Plutonium für ein Atomwaffenprogramm wiederaufgearbeitet wurde, insgesamt über 20 Kilogramm - genug für drei kleine Sprengköpfe. Nach Aussage von dem ins Exil gegangenen Kang Myong Do, der behauptet der Schwiegersohn von Nordkoreas Premierminister Kang Sung San zu sein, hätte Nordkorea bereits 1994 fünf Atomsprengsätze gebaut und fünf weitere bauen wollen. Die US-Behörden glaubten ihm jedoch nicht and wiesen seine Aussagen als substanzlos zurück.

Erste Krise

Nachdem keine Fortschritte mit den Inspektionen erzielt werden konnten und die Verhandlungen zwischen der IAEO und Nordkorea festgefahren waren, kündigte Nordkorea am 12. März 1993 zum ersten Mal seine Absicht an, aus dem Atomwaffensperrvertrag auszuscheiden. Die USA begannen daraufhin mit Nordkorea zu verhandeln, wonach die Kündigung "suspendiert" wurde - also blieb Nordkorea zwar vorerst Vertragspartei, wurde aber nicht kontrolliert. Damit erlangte Nordkorea einen Sonderstatus im Vertragswerk, dem kein anderes Land zugestanden wurde.

Spannungen zwischen den USA und Nordkorea über die Atomwaffenfrage führten zu einer Krise im Frühjahr 1994, die beinahe in einen Krieg mündete. Nicht alleine das Plutoniumprogramm bereitete den USA Sorgen, sondern auch das nordkoreanische Raketenprogramm. Nordkorea testete 1993 eine Rakete mit einer angeblichen Reichweite zwischen 1.000 bis zu 1.300 Kilometern.

"The Agreed Framework"

Erst nach dem Tod von Staatschef Kim II Sung führten die Verhandlungen am 21. Oktober 1994 zu einem US-Nordkoreanischen Abkommen. Das Abkommen mit dem Titel "The Agreed Framework" belegt deutlich die Schwäche des Vertrages. Unter Artikel IV wurde versprochen, Nordkorea mit seinem Atomenergieprogramm behilflich zu sein, wenn es sich im Gegenzug verpflichte, das Atomwaffenprogramm einzustellen und Mitglied im Atomwaffensperrvertrag zu bleiben. Dafür sollten die USA Leichtwasserreaktoren liefern. Erst nach Beendigung dieses Projekts sollte Nordkorea alle IAEO-Inspektionen zulassen.

Doch die Geschichte verlief anders. Anstelle der USA sollte Südkorea die Lieferungen bis 2003 aufrecht erhalten und den Löwenanteil bezahlen, obwohl Nordkorea dies anfangs nicht wollte. Die USA wollten lediglich noch für einen minimalen Teil der Kosten aufkommen und Nordkorea mit Öl beliefern. Aber dann wollten die USA ihren Beitrag zu den Konstruktionskosten nicht mehr bezahlen. Die Konstruktion verzögerte sich und die Notwendigkeit von Inspektionen drängte. Doch der dafür in dem Abkommen vorgesehene Zeitpunkt war noch nicht erreicht.

Eskalation

Auch die politische Situation verschlechterte sich wieder. Die USA bezeichnen Nordkorea beständig als einen Schurkenstaat, der den Terrorismus unterstütze. Ökonomische Sanktionen unterbinden faktisch den Handel. Nordkorea sieht militärische Stärke als überlebenswichtig an. George W. Bush goss dann noch mehr Öl ins Feuer als er sagte, Nordkorea würde seinen Verpflichtungen nicht nachkommen. Seine Administration glaubte, dass Nordkorea bereits ein oder zwei Atomwaffen besitze und den Zeitpunkt für die Inspektionen nur hinaus schiebe. Die US-Strategie der Isolation und des Einkesselns - die USA haben über 37.000 Truppen in Südkorea, 40.000 in Japan, 132.000 in der Pazifischen Flotte - funktionierte nicht, weil trotz eines verhungernden Volkes und einer zusammengebrochenen Wirtschaft das nordkoreanische Regime noch lange Durchhaltekraft zeigte. Weitere Drohungen aus den USA, z.B. die Nennung von Nordkorea als ein Ziel für einen Atomwaffeneinsatz, bestärkte die Radikalen und eskalierte die Problematik. Eine nordkoreanische Führung, die in die Ecke gedrängt wird und nichts mehr zu verlieren hat, ist für die Welt äußerst gefährlich.

So stellte sich Oktober 2002 heraus, dass Nordkorea ein geheim gehaltenes Programm für Urananreicherung unterhält. Die USA stellten daraufhin ihre Öl-Lieferungen ein. Im Dezember erklärte Nordkorea, den umstrittenen alten Reaktor wieder in Betrieb nehmen zu wollen, der aufgrund des Abkommens still gelegt worden war. Das Land habe keine andere Energiequelle mehr. Kurz vor Weihnachten 2003 begann Nordkorea zudem, die Überwachungskameras der IAEO zu entfernen. Am 10. Januar 2003 kündigte das Land an, aus dem NPT-Vertrag auszusteigen und beendete damit jegliche Kooperation mit der IAEO.

Im August 2003 begann die erste Runde der sogenannten Sechser-Gespräche unter Beteiligung der USA, Russland, China, Südkorea, Japan und Nordkorea. Diese und alle weiteren Runden der Gespräche blieben ergebnislos. Am 10. Februar 2005 behauptet Nordkorea zum ersten Mal tatsächlich im Besitz von Atomwaffen zu sein. Am 9. Oktober 2006 zündete Nordkorea seine erste Atomwaffe mit einer Sprengkraft vergleichbar mit 550 Tonnen TNT auf dem Versuchsgelände in Hwaderi nahe der Stadt Kilju.

Sechs-Parteien-Gespräche

Im August 2003 begann die erste Runde der sogenannten Sechser-Gespräche unter Beteiligung der USA, Russland, China, Südkorea, Japan und Nordkorea. Diese und alle weiteren Runden der Gespräche blieben ergebnislos. Am 10. Februar 2005 behauptet Nordkorea zum ersten Mal tatsächlich im Besitz von Atomwaffen zu sein. Die gemeinsame Erklärung, die bei den Sechs-Parteien-Gesprächen am 19. September 2005 in Peking abgegeben wurde, war ein Durchbruch in den Bemühungen, das nordkoreanische Nuklearproblem zu lösen.

Ausschlaggebend für diesen ersten Erfolg der Sechs-Parteien-Gespräche war der fundamentale Wandel in der Politik gegenüber der DVRK durch die Regierung Bush, die die DVRK zuvor als Teil der "Achse des Bösen" und als "Basis der Tyrannei" bezeichnet hatte, der man entgegentreten und die man stürzen müsse. Seit dem Amtsantritt des Ex-Präsidenten Kim Dae-Jung im Jahre 1999 bis zur jetzigen Regierung von Roh Moo-Hyuan vertrat Seoul gegenüber Pyöngyang jedoch seine "Sonnenschein-Politik", um durch gegenseitigen Austausch und Kooperation Frieden zwischen den zwei Teilen Koreas zu schaffen. Pyöngyang willigte ein, sein Atomwaffenprogramm vollständig einzustellen.

Nordkoreas erster Atomtest

Dennoch sind die Gespräche 2005 zusammengebrochen. Nordkorea zündete am 9. Oktober 2006 Nordkorea seine erste Atomwaffe mit einer Sprengkraft vergleichbar mit 550 Tonnen TNT auf dem Versuchsgelände in Hwaderi nahe der Stadt Kilju.

Nach dem nordkoreanischen Atomtest flammten die Spannungen in Nordostasien auf. Die USA und Japan verhängten harte Sanktionen gegen Nordkorea, der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen verabschiedete eine Resolution mit begrenzten Maßnahmen und die USA leiteten eine Steigerung der Aktivitäten der Proliferation Security Initiative (PSI) ein, die eine verstärkte Verpflichtung zum Aufhalten nordkoreanischer Schiffe, die verdächtigt werden, militärische oder nuklearbezogene Materialien an Bord zu führen, enthält.

Nordkorea hat sich einverstanden erklärt, zu den Sechsparteiengesprächen  zurückzukehren und die USA haben ihre Bereitschaft verkündet nun doch bilaterale Gespräche mit Nordkorea führen zu wollen und einige der verhängten Finanzblockaden zu überdenken. Am 31. Oktober 2006 fand in Beijing ein bilaterales Treffen nordkoreanischer und US-amerikanischer Vertreter statt, welches, wie es damals von nordkoreanischer Seite verlautete, sie dazu bewog, sich für die Rückkehr zu den Sechsparteiengesprächen zu entscheiden.

Erfolge für die Gespräche?

Mühsam gingen die Sechs-Parteien-Gespräche weiter. Einige Erfolge wurden in 2007 erzielt.

Auf einer Seite:

  • die Freigabe des nordkoreanischen Geldes in Macau durch die USA;
  • die Ankündigung, der Umwandlung des Waffenstillstandes 1953 in einem Friedensvertrag;
  • Nordkorea von der Liste von Terrorismus unterstützenden Staaten zu streichen;
  • das Versprechen zweier großen Lieferung von Öl.

Auf der anderen Seite:

  • die nordkoreanischen nuklearen Aktivitäten einzustellen;
  • Kontrollen durch die IAEO wieder zu zu lassen;
  • die Atomanlage für die Herstellung von Plutonium bei Pjongjang zu zu machen;
  • eine volle Deklaration über das Atomwaffenprogramm abzugeben.

In 2008 wurde die Deklaration - zwar verspätet - eingereicht und der Kühlturm des Forschungsreaktor in Pjongjang zerstört. Eine dauerhafte Einstellung der nuklearen Aktivitäten und das permanente Abschalten der Plutonium-Anlage erwies sich als schwieriger. Auch die Streichung von der Terrorismusliste bleibt offen. Am 11. Oktober 2008 wurde jedoch wieder Einigung erreicht und ein Verifikationsplan verabschiedet. Außerdem wurde Nordkorea von der Terrorismusliste gestrichen.

Die dritte Krise

Anfang 2009 stockten die Gespräche wieder, diesmal wurde über die Probenahmen für Verifikationszwecken gestritten. Dennoch erklärte Staatschef Kim Jong II im Januar 2009, dass er sich für eine koreanische Halbinsel ohne Atomwaffen einsetze und die Sechs-Parteien-Gespräche "ohne Unterbrechung" vorantreiben wolle. Die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua zitierte Kim mit den Worten: "Die Demokratische Volksrepublik Koreas sieht sich zu einer atomaren Abrüstung der koreanischen verpflichtet und hofft mit allen Seiten in Frieden zusammen zu leben."

Am 30. Januar 2009 erklärte jedoch Nordkorea, alle bilateralen, militärischen und politischen Einigungen mit Südkorea seien ab jetzt ungültig. Hintergrund dieser Entscheidung: Die USA haben die Energiehilfe im Dezember eingestellt, Südkorea zögerte mit einer Lieferung von 3000 Tonnen Stahlplatten und auch Japan war nicht mehr bereit, 200 000 Tonnen Öl zu liefern, bis der Streit über die entführten Japaner in den 1970er und 80er Jahren gelöst wird. Die Beziehung der beiden Staaten auf der koreanischen Halbinsel verschlechterte sich stetig seit der Wahl des neuen südkoreanischen Präsidenten Lee Myung Bak im Februar 2008. Er hat deutlich schärfere Töne in seinen Äußerungen gegenüber Nordkorea gewählt und alle Hilfe von weiteren Fortschritten in der Abrüstung abhängig gemacht.

In einer Aussage vor dem US-Kongress sagte Selig Harrison, dass nordkoreanischen Regierungsvertreter ihm gesagt hätten, sie hätten bereits ihren gesamten Vorrat an Plutonium in Waffen verwendet. Dieser Vorrat wurde auf Grund der nordkoreanischen Erklärung vom Juni 2008 auf 30 Kg eingeschätzt, genug für bis zu sechs relativ kleine Atomwaffen.

Weitere Raketen und Atomwaffen getestet

Am 5. April 2009, kurz vor der historischen Rede des US-Präsidenten Obama in Prag, startete Nordkorea eine Langstreckenrakete. Angeblich sollte die Rakete einen Satellit zur zivilen Nutzung ins Weltall bringen, aber die USA, Japan und Nordkorea sahen den Zweck als vorrangig militärisch. Somit kritisierten sie den Raketenstart als einen Verstoß gegen die UN-Sicherheitsresolutionen, die Raketenaktivitäten für militärische Zwecke verboten hatten. China und Russland waren nicht gleicher Meinung, dennoch verurteilte der UN-Sicherheitsrat den Raketenstart durch ein Statement seines Präsidenten. Sanktionen gegen einige nordkoreanischen Firmen wurden verhängt. Japan hat noch schärfere Sanktionen inklusive eines Embargo von nordkoreanischen Importgütern verhängt.

Nordkorea warnte ausdrücklich, dass eine solche Kritik als feindlicher Akt interpretiert und als Folge einen weiteren Atomtest provozieren würde. Damit war der Atomtest am 25. Mai zwar keine große Überraschung, aber trotzdem schockierend.

 

Nordkorea hat weiter systematisch an seinen ballistischen Raketen gearbeitet, und weitere Raketentests durchgeführt, zuletzt der Test einer Interkontinentalrakete am 12. Dezember 2012, mit der Nordkorea erfolgreich einen Satellit ins All geschossen hat.

Am 12. Februar 2013 führte Nordkorea seinen dritten Atomtest aus, der angeblich ein stark komprimiertes Atomwaffendesign zum Einsatz brachte. Die Sprengkraft fiel mit 6-9 Kilotonnen TNT-Äquivalent etwas stärker als in den beiden bisherigen Tests aus, war jedoch immernoch wesentlich schwächer als die Atomwaffen, die in Hiroshima bzw. Nagasaki eingesetzt wurden.

Die nordkoreanischen Atomtests werden sowohl von Befürwortern der Abrüstung als auch von Skeptikern als Argumente für ihre Position genützt. Die Befürworter argumentieren, dass Nordkorea zeige, wie gefährlich die Welt mit Atomwaffen ist und warnt, dass eine weitere Verzögerung bei der Abrüstung bedeuten würde, dass immer mehr Staaten Atomwaffen entwickeln. Die Verfechter der Abschreckung meinen, man müsse wegen Staaten wie Nordkorea die Atomwaffen unbedingt beibehalten.

 

Stand: März 2013

 

Videos

Freundeskreis Nordkorea: Der Fortschritt Nordkoreas ist nicht aufzuhalten, 01.04.2017

Spiegel online: Videoanalyse zu Nordkoreas Bombentest: "China wird vorgeführt", 06.01.2016

Focus online: Mit Atomwaffen: So hart hätten die USA auf einen Grenzübertritt Nordkoreas reagiert, 17.10.2014

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