04.03.2016: Nordkorea

Nordkorea droht erneut mit Atomwaffeneinsatz

Reaktion auf neue UN-Sanktionen

Kurz nachdem der UN-Sicherheitsrat seine Sanktionen gegen Nordkorea verschärft hat, reagierte Staatschef Kim Jong Un mit verstärktem Säbelrasseln: Er behauptet, er habe seine Atomwaffen einsatzbereit machen lassen und seinem Militär befohlen, sich für einen Präventivschlag bereit zu halten.

Nordkorea befinde sich in einer äußerst gefährlichen Lage, so Kim Jong-Un laut der Korean Central News Agency. Es sei notwendig, „dass die atomaren Sprengköpfe jederzeit zur Verteidigung bereit sind, um sie jeden Moment abzufeuern“. Diese Reaktion kam zwei Tage nach der Verkündung der bisher schärfsten UN-Sanktionen gegen das Land, die auch mit Nordkoreas traditionellem Verbündeten Chinas ausgehandelt wurden.

Kim Jong-Un befürchtet, dass die USA sein Land angreifen wollen und eine „Enthauptungsoperation“ plane. Dabei verwies er auf die bevorstehenden jährlichen Frühjahrsmanöver der Streitkräfte Südkoreas und der USA. Nordkorea sieht solche Manöver als Provokation. „Der einzige Weg, um die Souveränität unserer Nation und ihr Recht auf ihre Existenz unter der derzeitigen extremen Situation zu verteidigen, ist eine Stärkung der Atomstreitmacht sowohl in Qualität als auch in Quantität,“ so Kim.

Das südkoreanischen Verteidigungsministerium berichtete am 3. März 2016, Nordkorea hätte nur Stunden nach der Verabschiedung der UN-Resolution am Mittwoch an der Ostküste sechs Kurzstreckenraketen in Richtung offenes Meer abgefeuert. Diese Raketen flogen ca. 100 bis 150 Kilometer weit und stürzten ins Meer.

Der UN-Sicherheitsrat verabschiedete die Resolution 2270 am 2. März 2016 als Reaktion auf Nordkoreas Atomtest im Januar sowie auf den Start einer Weltraumrakete im Februar. Nordkorea behauptete, es handele sich nur um einen Satellitenstart, andere haben den Verdacht, er sei ein verdeckter Test einer militärischen Langstreckenrakete.

Die neuen Sanktionen, die die Resolution des UN-Sicherheitsrats beinhaltet, sind u.a. folgende:

  • Kontrolle aller Frachtlieferungen von und nach Nordkorea;
  • Nordkorea soll von seinen Devisenquellen abgeschnitten werden, womit das Land sein Atomprogramm finanziert;
  • Ein Exportverbot für bestimmte Bodenschätze, u.a. Gold, Titanium, Kohle und Eisen;
  • Der Verkauf von Flugbenzin an Nordkorea wird nicht mehr erlaubt.


Die USA und Südkorea reden derzeit über die Einrichtung eines US-Raketenabwehrsystems in Südkorea, das bereits im Februar angekündigt wurde. Eventuell wird diese Maßnahme vorverlegt. Das Abwehrsystem soll mobil und landgestützt sein, mit dem Zweck, Südkorea und die in dem Land stationierten US-Truppen vor nordkoreanischen Raketen zu schützen. China und Russland sehen ein solches Abwehrsystem als beunruhigend an, da sie US-Abfangraketen nicht in ihrer Nachbarschaft haben wollen.

Das US-Verteidigungsministerium spielte die Drohung aus Nordkorea herunter. Das Land habe noch nicht gezeigt, dass es einen Atomsprengkopf auf eine Interkontinentalrakete aufbringen könne, sagte ein Vertreter des Ministeriums. „Im Gegensatz zur Reaktion auf das Atomprogramm Irans, über das regelmäßig behauptet wurde, Iran sei kurz davor, Atombomben zu bauen, reagieren die USA erstaunlich gelassen“, sagt Xanthe Hall, Atomwaffenexpertin der IPPNW und ICAN-Vorstandsmitglied. „Wir sollten jegliche Drohung des Einsatzes mit Atomwaffen sehr ernst nehmen, egal wer sie ausspricht. Die humanitären Folgen einer einzigen Atomwaffenexplosion würden eine Katastrophe verursachen und jegliche Rettungshilfe praktisch außer Kraft setzen.“ xh (Quellen: KCNA, swissinfo, UN, Zeit)

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Spiegel online: Videoanalyse zu Nordkoreas Bombentest: "China wird vorgeführt", 06.01.2016

Focus online: Mit Atomwaffen: So hart hätten die USA auf einen Grenzübertritt Nordkoreas reagiert, 17.10.2014

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