21.12.2014: Großbritannien

Großbritannien hält an „minimaler Abschreckung“ fest

Susan le Jeune d'Allegeershecque, britische Botschafterin zu Österreich. Foto: FCO

Auf der Staatskonferenz zu den humanitären Folgen von Atomwaffen in Wien bekräftigt das Vereinigte Königreich einmal mehr, dass es in den nächsten zehn Jahren ein „Minimum“ seines Atomwaffenarsenals behalten werde. Bedroht fühlt sich das Land vor allem von Nordkorea.

Großbritannien will seine Atomwaffen behalten, so lange es „notwendig“ sei, sagte eine Vertreterin der Regierung auf der Humanitären Konferenz in Wien am 9. Dezember 2014. Im offiziellen Statement Großbritanniens auf der Konferenz hieß es, man wolle ein „minimum credible nuclear deterrent“ aufrechterhalten – ein Minimum an glaubhafter nuklearer Abschreckung. Das derzeitige Ziel der britischen Regierung sei es, so Susan le Jeune d'Allegeershecque, ständige Repräsentantin der Vereinten Nationen in Wien, bis Mitte der 2020er das bestehende Arsenal auf 180 Sprengköpfe zu reduzieren. Parallel wolle man jedoch an den Bedingungen arbeiten, dass nukleare Waffen nicht mehr benötigt werden.

Derzeit unterhalten die Briten ein Arsenal von etwa 225 Sprengköpfen und bilden damit mengenmäßig das Schlusslicht unter den offiziellen Atommächten. Zum Vergleich: China besitzt derzeit rund 250, Frankreich 300 Sprengköpfe. Großbritannien besitzt eine Flotte von vier Atom-U-Booten, die in Schottland stationiert und jeweils mit 16 Trident-Raketen bestückt sind. Mindestens eines davon befindet sich immer zu Wasser, im Sinne der sogenannten „Continuous At-Sea Deterrence“.

Heute sieht die britische Regierung insbesondere Nordkorea als Bedrohung an. In der konservativ ausgerichteten Tageszeitung The Telegraph sprach sich Premierminister David Cameron im April 2013 für eine Modernisierung der Trident-Raketen aus. „Natürlich müssen wir unsere gesamte Verteidigung modernisieren und angemessen finanzieren“, schrieb Cameron damals. Die britischen U-Boote seien die „ultimative Absicherung gegen eine nukleare Attacke“. Eine Welt frei von Atomwaffen sei ein „schönes Ideal“, doch solange es kein multilaterales Übereinkommen zur Abrüstung gebe, werde Großbritannien ein Minimum an Abschreckung aufrechterhalten. jub (Quellen: Foreign Policy in Focus, ICAN, Nuclear Information Service, Telegraph)

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