26.01.2018: 

Weltuntergangsuhr auf zwei Minuten vor Zwölf

© BAS

Am 25. Januar 2018 hat das US-amerikanische Zeitschrift Bulletin of the Atomic Scientists die „Doomsday Clock“ auf zwei Minuten vor zwölf gestellt. Die jährlich aktualisierte Weltuntergangsuhr soll zeigen, wie groß das Risiko einer globalen Katastrophe, insbesondere eines Atomkrieges, ist.  Mit der aktualisierten Uhrzeit wird einer historisch schweren Gefahrenlage Ausdruck verliehen, nur 1953 deutete der Zeiger schon einmal auf dieselbe Zeit. Als Gründe für das Vorrücken der Uhr werden vor allem der Konflikt zwischen Nordkorea und den USA und das Versagen der internationalen Staatengemeinschaft beim Umgang mit dem Klimawandel angegeben.

US-amerikanische Forscher, die im Zweiten Weltkrieg im Manhattan Projekt an der Entwicklung der ersten Atombombe beteiligt waren, gründeten 1945 die Zeitschrift Bulletin of the Atomic Scientists (BAS). Zwei Jahre später schufen sie die Weltuntergangsuhr und stellten den Zeiger zunächst auf sieben Minuten vor zwölf. Die Mitternacht steht seitdem für eine globale Apokalypse, das Herunterzählen der Minuten und Sekunden für den Countdown bis zur Nuklearexplosion.

Neben den technologischen und klimabedingten Herausforderungen liegt der Fokus der Veröffentlichung vor allem auf der Entwicklung der nuklearen Bedrohung. Vor allem das unerwartet schnelle Fortschreiten des nordkoreanischen Atomwaffenprogramms stellt demnach eine Bedrohung für die internationale Sicherheit dar. Eine provozierende Rhetorik auf koreanischer wie auf US-amerikanischer Seite heizte den Konflikt zunehmend an und erhöhte die Wahrscheinlichkeit enorm, durch einen unabsichtlichen oder falsch eingeschätzten Atomangriff die Welt in ein nukleares Chaos zu stürzen. Außerdem blieben die Beziehungen der NATO und Russlands angespannt, die über die überwiegende Mehrheit des weltweiten Atomwaffenarsenals verfügen.

Neben den anhalten Spannungen im Südchinesischen Meer und der Aufstockung pakistanischer und indischer Atomwaffenarsenale, gibt auch die Ungewissheit über die weitere Linie der US-amerikanischen Regierung in Bezug auf das Iran-Nuklearabkommen Anlass zur Sorge.

Die Veröffentlichung der WissenschaftlerInnen schließt mit einem Appell an die Regierungen dieser Welt: Statt provozierender Rhetorik sollen die USA und Nordkorea neue Kommunikationskanäle schaffen, um eine nukleare Eskalation zu vermeiden. Neben zwischen-militärischen Absprachen solle wieder mehr auf internationale diplomatische Beziehungen und Verhandlungen Wert gelegt werden, um Nordkorea zur Aufgabe seines Atomwaffenprogramms zu bewegen. Außerdem wird der USA ein Festhalten am Atomwaffenabkommen mit dem Iran dringend empfohlen, während Russland und die NATO zur Aufgabe provozierender Militäroperationen an der gemeinsamen Grenze angehalten werden. Die internationale Staatengemeinschaft solle sich außerdem stärker für eine Begrenzung des Klimawandels einsetzen und aktiv der missbräuchlichen Verwendung moderner Technologien entgegenwirken. Es liegt nun in der Hand der Bürger dieser Welt, die Regierungen und Verantwortlichen dazu zu bringen, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Dabei stehe ihnen auch das Internet als mächtiges Mittel zur Verfügung, was die positive Seite der modernen Informationstechnologie ausmache: Die Zivilgesellschaft ist also in der Lage, entschiedenes Handeln gegen die atomare Bedrohung und den fortschreitenden Klimawandel durchzusetzen und dadurch die Weltuntergangsuhr zurück zu drehen.

Bei der Begründung für die diesjährige Zeigerumstellung wurde darüber hinaus auf die Gefahr internetbasierten Hackings für Demokratien hingewiesen. Durch ausgeklügelte Desinformationskampagnen werde das Vertrauen der BürgerInnen auf politische Institutionen, die Medien, die Wissenschaften und sogar auf Fakten erschüttert. Außerdem gebe die Entwicklung autonomer Waffensysteme und der potenzielle Missbrauch der Gentechnik Anlass zur Sorge.

Im Bereich Klimawandel wird besonders auf den ausbleibenden Rückgang der CO2-Emissionen hingewiesen und der Ausstieg der USA unter Donald Trump aus dem Pariser Klimaabkommen kritisiert.

Bereits diese Entwicklungen im nuklearen, technologischen und klimabezogenen Bereich rechtfertigen ein Verstellen des Zeigers der Weltuntergangsuhr, so das Bulletin of the Atomic Scientists. Zusätzlich komme jedoch noch ein regelrechter Zusammenbruch der bisherigen internationalen Ordnung hinzu, vor allem ausgelöst durch den Rückzug der USA von ihrer globalen Führungsrolle unter Trump.

Das Science und Security Board der Organisation trifft seither jedes Jahr gemeinsam mit mehreren NobelpreisträgerInnen die Entscheidung, die Uhr vor oder zurückzustellen oder den Zeiger nicht zu bewegen.  In 1953, als Russland und die USA kurz nacheinander erfolgreich Wasserstoffbomben testeten, stand der Zeiger auf seiner bisher besorgniserregendsten Uhrzeit. Seitdem schwankte die Einschätzung der Experten, ein weiterer Tiefpunkt wurde Mitte der 1980er Jahre durch das beschleunigte globale Wettrüsten erreicht. Nach dem Ende des Kalten Krieges und der Unterzeichnung der START-Verträge entspannte sich die nukleare Gefahrenlage, was sich auch an der Doomsday-Uhr ablesen ließ. Seit 2007 spielt auch die Entwicklung des Klimas in die Einschätzung hinein, genauso wie die Verbreitung bestimmter moderner Technologien. jos (Quelle: Bulletin of the Atomic Scientists)

Bild oben: Zwei Minuten vor 12. © BAS

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Zitiert:

»Eine Kampagne für eine atomwaffenfreie Welt muss sich ernsthaft mit den Argumenten für und wider auseinander setzen.«

Andreas Buro, Friedens- und Konfliktforscher, Wissenschaft und Frieden, 2008