27.01.2016: Globales Risiko

Weiterhin Risiko eines Atomkrieges

Die Doomsday Clock steht immer noch kurz vor zwölf

Weltuntergangsuhr zeigtdrei Minuten vor zwölf, Bild: Bulletin of Atomic Scientists

Laut den Herausgebern der Zeitschrift Bulletin of Atomic Scientists besteht ein unverändertes weltweites Sicherheitsrisiko durch Atomwaffen. Das Gremium von Wissenschaftlern, unter ihnen auch mehrere Nobelpreisträger, beließ den Zeigerstand der berühmten Doomsday Clock („Weltuntergangsuhr“) auch für das Jahr 2016 bei drei Minuten vor Mitternacht. Die Uhr soll darstellen, wie nah am Weltuntergang sich die Menschheit befindet.

Für 2016 schätzen die Wissenschaftler das Risiko durch Atomwaffen wie auch durch den Klimawandel unverändert hoch ein. Zwar bewerten sie den Durchburch bei den Verhandlungen um die Kontrolle des iranischen Atomprogramms im Juli 2015 als positives Zeichen, gleichzeitig markieren aber das gespannte Verhältnis zwischen den Atommächten USA und  Russland sowie eine neue Welle nuklearer Tests und Rüstungsprogramme von Amerika bis Nordkorea eine stetige Bedrohung.

Die Doomsday Clock wurde 1947 von Wissenschaftlern entworfen, die zum Teil an der Entwicklung der ersten amerikanischen Nuklearwaffen beteiligt gewesen waren. Sie soll symbolisch darstellen, wie groß die Gefahr einer Zerstörung des Planeten durch einen Atomkrieg einzuschätzen ist. Hierbei soll Mitternacht (12 Uhr) den Doomsday, den Weltuntergang, repräsentieren. Seit 1947 bewerten die Wissenschaftler jährlich die sicherheitspolitische Situation sowie den Stand der Bemühungen um nukleare Abrüstung. Seit den 70ern evaluieren sie außerdem das globale Risiko durch den Klimawandel und durch neue wissenschaftliche Entwicklungen. Auf Basis dieser Einschätzungen wird jedes Jahr die Uhrzeit der Doomsday Clock „eingestellt“.

Nicht nur das Bulletin of Atomic Scientists weist darauf hin, dass Atomwaffen auch in der Gegenwart ein globales Risiko darstellen. In einem von der BBC im Januar diesen Jahres ausgestrahlten Vortrag zählt der berühmte Physiker und emeritierte Cambridge-Professor Stephen Hawking einen Atomkrieg zu den wahrscheinlichsten Szenarien für einen selbst heraufbeschworenen Untergang der Menschheit in näherer Zukunft. Hawking mahnte seine Zeitgenossen zu großer Vorsicht im Umgang mit dem Planeten.

Auch der diesjährige Report des Weltwirtschaftsforums zu globalen Risiken weist auf die ungebrochene Gefahr nuklearer Bewaffnung hin. Für den Report ordnen über 700 Experten globale Bedrohungen nach Einfluss und Wahrscheinlichkeit ihres Eintreffens im nächsten Jahrzehnt. Die Experten stuften die Gefahr des Einsatzes von Massenvernichtungswaffen auf Platz zwei der globalen Bedrohungen ein, gleich nach den Folgen des Klimawandels. ms (Quellen: Bulletin of Atomic Scientists, Tagesspiegel, World Economic Forum)

»Chronik der nuklearen Bedrohung seit 1947

 

 

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Zitiert:

»Eine Kampagne für eine atomwaffenfreie Welt muss sich ernsthaft mit den Argumenten für und wider auseinander setzen.«

Andreas Buro, Friedens- und Konfliktforscher, Wissenschaft und Frieden, 2008