ZINN Howard

1922 - 2010

Howard Zinn

Howard Zinn, Friedensaktivist, Historiker, Autor, Lehrer und Bürgerrechtler, ist an einem Herzinfarkt mit Alter von 87 Jahre am 27. Januar 2010 gestorben. Er war mitten in einer Vortragsreise. Zinn wurde am 24. August 1922 in Brooklyn, New York geboren. Seine Eltern waren jüdische Einwanderer aus Osteuropa. Nach seiner Zeit als Pilot bei der U.S. Air Force, die seine Einstellung zu Krieg nachhaltig prägte, engagierte sich Zinn für die Bürgerrechtsbewegungen in den USA. Er war einer der entschiedensten Kritiker des Vietnam-Krieges. Auch die Abwürfe der Atombomben 1945 auf Hiroshima und Nagasaki hat er kritisierte als „unvergessliche Gräuel“.

Zinn wurde vor allem als Autor und politischer Aktivist bekannt. Er wurde von der New York Times als “wohl der einflussreichste Historiker der Vereinigten Staaten” beschrieben. Zu seinen Werken gehört u.a. „Eine Geschichte des amerikanischen Volkes” (1980), das einige Aspekte der US-amerikanischen Geschichte untersucht, die vorher in klassischen Geschichtsbücher übergangen wurden. In dem Buch warf er Christopher Columbus Genozid vor. Das Buch wurde über 2 Millionen Mal verkauft und oft wegen mangelnder Objektivität kritisiert. „Es gibt keine Unbefangenheit bei der Geschichtsschreibung“ sagte Zinn. „Das größte Problem für historische Ehrlichkeit ist nicht das blanke Lügen. Es ist das Weglassen oder Verzerren von wichtigen Daten.“

In „Eine Geschichte des amerikanischen Volkes“ bezeichnet er die Abwürfe von Hiroshima und Nagasaki als „nicht nötig“, da die USA wussten, dass Japan zur Kapitulation bereit war. Er deckte die Lüge der „Raketenlücke“ [missile gap] auf, wobei die USA behaupteten, dass die Sowjetunion in der Zahl ihrer Atomraketen überlegen sei. In Wirklichkeit besaßen die USA viel mehr und technisch weitaus bessere Waffen. Auch über die „Pentagon Papers“ berichtete er in diesem Buch, sowie zur antinuklearen Bewegung, die „Freeze“-Bewegung und Ärzte in sozialer Verantwortung (PSR).

Zinn erwarb seinen Doktor in Geschichte. Er selbst bezeichnete sich als links und sah seine Geschichtsauffassung als Antwort auf traditionelle Sichtweisen. In den 50er und 60er Jahren lehrte er am Spelman College in Atlanta, wo es einen hohen Anteil an schwarzen und weiblichen Studierenden gab. Er engagierte sich dort für die Bürgerrechtsbewegung und verlor seinen Lehrstuhl, weil er sich für die Studierenden gegen die Universität einsetzte. Danach lehrte er Politikwissenschaft an der Universität von Boston. Dort engagierte er sich gegen den Vietnamkrieg, was wiederum zu Auseinandersetzungen mit der Universität führte. Seine Vorlesungen waren immer überlaufen und in seiner Zeit als Lehrer bis 1988 war er bei den Studierenden sehr beliebt.

Zinn war immer gegenüber der Politik – sei es republikanische oder demokratische – sehr kritisch. Er glaubte jedoch an der Macht von sozialen Bewegungen. Er sagte “Das Wichtigste ist nicht wie man wählt, sondern ob man an einer Bewegung teilnimmt, die auf die gewählte Person Druck ausüben wird. Man muss Macht außerhalb von politischen Prozessen aufbauen.”
 
Bis zu seinem Tod stand er der Außenpolitik der USA skeptisch gegenüber. Er war ein ausgesprochener Kritiker des Irakkrieges. Selbst die Euphorie über die Wahl Barack Obamas zum U.S. Präsidenten teilte er nicht. Er erwarte nichts von Obama und sei deshalb nicht enttäuscht, sagte Zinn. Kurz vor seinem Tod sagte er, dass Obama in dieser Zeit wie ein normaler Präsident agiere – was bedeuten würde, dass er gefährlich sei.

Daniel Ellsberg beschrieb Zinn als „der beste Mensch, den ich jemals kannte. Das beste Beispiel davon, wie ein Mensch sein kann und was man mit seinem Leben machen kann“. Zinn versteckte die “Pentagon Papers” für Ellsberg, als die FBI seine Wohnung durchsuchte. (JH/XH)

Lesenswert:
Zinn H und Bonin S: Eine Geschichte des amerikanischen Volkes“, Schwarzerfreitag, 2007

Zinn H: Die Bomben in August – zum Gedenken an Hiroshima und Nagasaki, Lebenshaus Schwäbische-Alb, 09.08.2000

Zinn H: Gegen Entmutigung, Friedensratschlag, 24.05.2005

Bearbeitungsstand: Januar 2010

siehe auch: ELLSBERG Daniel

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