Wiesmoor

ehem. Atomwaffenstandort, Deutschland

Radarkonsole für Zielverfolgung, Foto: J. HoogestraatDie Nike-Feuerstellung (Launching Area) Wiesmoor (53°21’46“N, 07°44’59“O) der 3. Batterie des FlaRakBtl 26 lag ca. 20 km südöstlich der Stadt Aurich in Niedersachsen.

Die dort stationierte FlaRakBatterie bestand aus drei getrennten Bereichen: der Unterkunft, dem Feuerleitbereich in günstiger topografischer Lage mit bis zu 5 Radargeräten für Überwachung, Zielerfassung, Zielverfolgung und Flugkörperverfolgung und dem Abschussbereich mit jeweils 3 Abschussflächen und dazugehörigen Bunkern. In diesem Bereich befanden sich auch die Atomsprengköpfe. Während die Raketen in Montagebunkern oder auf durch Erdwälle geschützten  Abschussschienen bereit gehalten wurden, lagen die Radaranlagen in exponierter Stellung und konnten nur mit Sandsäcken oder Konturen verwischender Tarnung ungenügend geschützt werden. Zum Eigenschutz vor allem gegen angreifende Tiefflieger, wurden die Stellungen später zusätzlich mit 20mm Zwillingsgeschützen ausgestattet. 

In der StelluNike-Herkules-Raketen, Foto: J. Hoogestraatng Wiesmoor waren von 1963 bis 1989 atomare Flugabwehrraketen vom Typ Nike Hercules stationiert. An Atomsprengköpfen waren zwei Versionen verfügbar. Die kleinere mit der Bezeichnung B-XS hatte eine Sprengkraft von 2 Kilotonnen. Die größere B-XL besaß ursprünglich 40 KT (Kilotonne) Sprengkraft. Letztere wurden in den 1970er Jahren gegen Sprengköpfe zu 20 KT ausgetauscht. Die Atomsprengköpfe konnten nicht von den deutschen Soldaten eingesetzt, sondern nur von den dort stationierten US-amerikanischen Soldaten, die die Sprengköpfe aktivieren konnten.

Maximal waren je Stellung zehn Nuklearsprengköpfe vorhanden, acht mit der Stärke XS mit 2 KT und zwei XL mit 40/20 KT Sprengkraft.

Ein Zeitzeuge erinnert sich: „Die vier Batterien des FlaRakBtls 26 [mit den Feuerstellungen Holzkirchen-Mederns, Rodenkirchen, Wiesmoor, Dornum] befanden sich in unterschiedlichen Bereitschaftsstufen mit einer Reaktionszeit von maximal 30 Minuten, maximal 3 Stunden, maximal 12 Stunden und mehr als 12 Stunden. Innerhalb einer Batterie hatten mindestens zwei Abschussplätze den selben Bereitschaftsgrad. Konnte eine der Batterien aus technischen Gründen den Bereitschaftsgrad nicht einhalten, dann rückten die anderen Batterien eine Einsatzstufe nach oben. Abhängig vom Bereitschaftsgrad war die Stellung im Schichtbetrieb ständig besetzt und einsatzbereit. Dazu gab es in der Batterie drei Kampfbesatzungen für den Feuerleit- und Abschussbereich, die sich in einem System von 48-Std-Schichten während der Woche und 72-Std-Schichten am Wochenende abwechselten.

Für den Einsatz der Gefechtsköpfe gab es genau festgelegte Prioritäten. Beim Anflug eines einzelnen feindlichen Zielobjektes wurde ein kleiner atomarer Gefechtskopf (B-XS) eingesetzt. Beim Anflug mehrerer feindlicher Zielobjekte wurde ein großer atomarer Gefechtskopf (B-XL) eingesetzt. Die ebenfalls vorhandenen konventionellen Gefechtsköpfe dienten lediglich als Munitionsreserve.

Soweit mir bekannt, befanden sich in allen Nike-Stellungen der Bundesluftwaffe atomare Gefechtsköpfe.“

Die Raketen hatten nur eine Reichweite von 150 Kilometer. Im Fall eines Einsatzes wären die Atomsprengköpfe zur Abwehr von sowjetischen Waffen über Deutschland eingesetzt.  (Quelle: Jürgen Dreifke, Michael Juhls)

Bearbeitungsstand: Dezember 2018

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