Wiederaufarbeitung (WAA)

engl.: reprocessing

Die Wiederaufarbeitung (WAA) ist eine wichtige Voraussetzung für den Bau von Atombomben mit Plutonium-Kernladungen: Das Plutonium für die Bomben wird in Atomreaktoren hergestellt und muss durch Wiederaufarbeitung aus den Brennstäben extrahiert werden und zu »bombenfähige« Konzentrationen gebracht werden. Große Wiederaufarbeitungsanlagen (WAA) wie La Hague in Frankreich und Sellafield in England nehmen auch die verbrauchten Brennelemente anderer Länder zur Verarbeitung entgegen. So entstehen Transportwege über Land und Meer.

Bei der Wiederaufarbeitung gelangen, auf dieselbe Brennstoffmenge bezogen, erheblich größere Mengen radioaktiver Substanzen in die Umwelt als beim Betrieb eines Kernkraftwerks. Eine besondere Gefahr geht von Plutonium aus; kommerzielle Wiederaufarbeitungsanlagen haben Plutoniumumsätze von einigen tausend Kilogramm pro Jahr.

In solchen Anlagen wird tonnenweise mit hochgefährlichen radioaktiven Stoffen umgegangen, bei denen es spezielle Risiken gibt. Das Zusammenwirken von Hitze, Säure und Radioaktivität fördert die Korrosion der Apparaturen. Es werden zahlreiche brennbare und explosive Substanzen verwendet, und die gelösten spaltbaren Stoffe können kritische Massen bilden und so eine nukleare Kettenreaktion bilden. Der Unfall im Jahre 1957 in der britischen Wiederaufarbeitungsanlage Windscale (heute Sellafield) ist einer der schwersten in der Geschichte der Atomenergie. Durch einen Schwelbrand im Graphit eines der Reaktoren wurde eine große Menge Radioaktivität freigesetzt. Seit der Inbetriebnahme von Sellafield/Windscale im Jahre 1950 geschahen dort mehr als 300 Zwischenfälle. Die benachbarte Irische See muss nach dem Bericht eines Ausschusses des britischen Unterhauses zu den am stärksten radioaktiv verseuchten Gewässern der Welt gezählt werden.

Arbeiter in Wiederaufarbeitungsanlagen sind hohen Strahlenbelastungen von einigen mSv (milliSievert) pro Jahr ausgesetzt. In besonders verseuchten Bereichen werden nukleare Tagelöhner eingesetzt. In der Wiederaufarbeitungsanlage Sellafield wiesen Arbeiter bis zu 600fach erhöhte Plutoniumbelastungen der Lunge auf, verglichen mit der englischen Normalbevölkerung. Eine Studie des renommierten Epidemiologen Martin J. Gardner zeigte in der Umgebung von Sellafield eine erhöhte Leukämierate bei Kindern sowie einen Zusammenhang zwischen dieser Erhöhung und der Strahlenbelastung der in der Wiederaufarbeitungsanlage arbeitenden Väter. Nach dieser Studie führte die Bestrahlung der Keimzellen, zu einer Mutation der Spermien, und dann zu Leukämiefällen bei Kindern. (Quelle: nicht bekannt)

Bearbeitungsstand: Oktober 2005

siehe auch: Plutonium

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