W-177-Bombe

Die W-177-Bombe wurde in den sechziger Jahren in Großbritannien entwickelt, möglicherweise unter Nutzung von einer Technologie, die auch in der US-Nuklearbombe B-57 Anwendung fand. WE-177-Bomben wurden von Mitte der 1960er Jahre bis Ende der 1970er oder Anfang der 1980er Jahre produziert. Ab 1982 benutzte die britische Luftwaffe Bomben des Typs WE-177A zur Bewaffnung ihrer Tornado-Jagdbomber. Die genaue Sprengkraft dieses Modells ist nicht bekannt. Sie wird auf zwischen 100 bis 400 KT geschätzt. Befürchtungen, die WE-177 Atombomben besäßen eine unzureichende Sicherheit könnten dazu beigetragen haben, dass die britische Regierung entschied, diese Waffen früher als geplant außer Dienst zu stellen. Am 4. April 1995 wurde bekannt gegeben, dass bis zum Jahre 1998 alle WE-177 außer Dienst gestellt werden. (Quelle: www.bits.de/public/researchnote/rn97-1d.htm)

Bearbeitungsstand: August 2007

siehe auch: Atombombe
siehe auch: KT (Kilotonne)

W-76 Sprengkopf

W-76 warhead

Der W-76 wurde zwischen 1978 und 1987 in den USA produziert und gehört bis heute (2011) zur atomaren Standardbewaffnung der us-amerikanischen Streitkräfte. Es handelt sich dabei um einen thermonuklearen Sprengkopf, der unter anderem innerhalb der MK-4 Wiedereintrittskörper zum Einsatz kommt. So weit bekannt, sind alle us-amerikanischen Trident U-Boote mit diesen Systemen ausgerüstet. Der W-76 Sprengkopf verfügt über eine Sprengkraft von 100 Kilotonnen und wiegt ca. 164 kg. Weitere technische Einzelheiten sind nicht bekannt.

Da die im W-76 verwendeten chemischen Sprengstoffe nur über eine begrenzte Lebensdauer verfügen und es zudem bei der Zündung wiederholt zu Problemen gekommen sein soll, haben die USA begonnen, über 1000 W-76 Sprengköpfe durch modernere Nuklearwaffen zu ersetzen. Der genaue Stand der Umrüstung ist nicht bekannt. (LL)

Bearbeitungsstand: Juli 2011

siehe auch: Triden II U-Boot

siehe auch: Wiedereintrittskörper

siehe auch: Sprengkraft

Wackernheim

ehem. Atomwaffenstandort, Deutschland

Im Rahmen der großräumigen Luftverteidigung Europas während der Zeit des Kalten Krieges waren auch die US-Streitkräfte an dem quer durch Deutschland verlaufenden Nike-Herkules Flugabwehrgürtel mit insgesamt sechs in Bayern, Baden-Württemberg, Hessen und Rheinland-Pfalz, stationierten Bataillonen beteiligt. Das 5thMissile Battailon, 1thUS-Arty-Group verfügte über atomare Feuerstellungen in den Standorten Wackernheim (Oberolmer Wald), Dexheim, Quirnheim und Dichtelbach.

Die Nike-Feuerstellung (Launching Area) Wackernheim (Oberolmer Wald) (49°57'19”N, 8°10'39”O) lag ca. 8 km südwestlich der Stadt Mainz in unmittelbarer Nachbarschaft (2 km) zum ZDF (Zweites Deutsches Fernsehen). Die dort stationierte A-Battery, 5thMissile Battailon, 1thUS-Arty-Group bestand aus drei getrennten Bereichen:

  • der Unterkunft,
  • dem Feuerleitbereich in günstiger topografischer Lage mit bis zu 5 Radargeräten für Überwachung, Zielerfassung, Zielverfolgung und Flugkörperverfolgung,
  • dem Abschussbereich mit jeweils 3 Abschussflächen und dazugehörigen Bunkern. In diesem Bereich befanden sich auch die Atomsprengköpfe.

In der Stellung Wackernheim (Oberolmer Wald) waren bis 1983 atomare Flugabwehrraketen vom Typ Nike stationiert. An Atomsprengköpfen waren zwei Versionen verfügbar. Die kleinere mit der Bezeichnung B-XS hatte eine Sprengkraft von 2 Kilotonnen. Die größere B-XL besaß ursprünglich 40 kT Sprengkraft. Letztere wurden in den 1970er Jahren gegen Sprengköpfe zu 20 kT ausgetauscht. Maximal waren je Stellung zehn Nuklear-Sprengköpfe vorhanden, acht mit der Stärke XS mit 2 Kilotonnen und zwei XL mit 40/20 Kilotonnen Sprengkraft. Für den Einsatz der Gefechtsköpfe gab es genau festgelegte Prioritäten. Beim Anflug eines einzelnen feindlichen Zielobjektes wurde ein kleiner atomarer Gefechtskopf (B-XS) eingesetzt. Beim Anflug mehrerer feindlicher Zielobjekte wurde soweit verfügbar ein großer atomarer Gefechtskopf (B-XL) eingesetzt. Die ebenfalls vorhandenen konventionellen Gefechtsköpfe dienten lediglich als Munitionsreserve. (LL)
(Quellen:  Jürgen Dreifke, Michael Juhls)

Bearbeitungsstand: November 2011

Weitere Informationen über Atomwaffenstandorte in Deutschland

Siehe auch: Nike Herkules
Siehe auch: KT-Wert
Siehe auch: Oberolmer Wald

Wagenfeld

ehem. Atomwaffenstandort, Deutschland

Die Nike-Feuerstellung (Launching Area) Wagenfeld (52°31’05“N, 08°32’14“O) der 3. Batterie des FlaRakBtl 25 lag ca. 5 km südwestlich der Gemeinde Wagenfeld im südlichen Niedersachsen an der Grenze zu Nordrhein-Westfalen.
Die dort stationierte FlaRakBatterie bestand aus drei getrennten Bereichen: der Unterkunft, dem Feuerleitbereich in günstiger topografischer Lage mit bis zu 5 Radargeräten für Überwachung, Zielerfassung, Zielverfolgung und Flugkörperverfolgung und dem Abschussbereich mit jeweils 3 Abschussflächen und dazugehörigen Bunkern. In diesem Bereich befanden sich auch die Atomsprengköpfe. Während die Raketen in Montagebunkern oder auf durch Erdwälle geschützten Abschussschienen bereit gehalten wurden, lagen die Radaranlagen in exponierter Stellung und konnten nur mit Sandsäcken oder Konturen verwischender Tarnung ungenügend geschützt werden. Zum Eigenschutz vor allem gegen angreifende Tiefflieger, wurden die Stellungen später zusätzlich mit 20mm Zwillingsgeschützen ausgestattet.
In der Stellung Wagenfeld waren von 1963 bis vermutlich 1988 atomare Flugabwehrraketen vom Typ Nike stationiert. An Atomsprengköpfen waren zwei Versionen verfügbar. Die kleinere mit der Bezeichnung B-XS hatte eine Sprengkraft von 2 Kilotonnen. Die größere B-XL besaß ursprünglich 40 kT Sprengkraft. Letztere wurden in den 1970er Jahren gegen Sprengköpfe zu je 20 kT ausgetauscht.
Maximal waren je Stellung zehn Nuklear-Sprengköpfe vorhanden, acht mit der Stärke XS mit 2 Kilotonnen und zwei XL mit 40/20 Kilotonnen Sprengkraft. (Jürgen Dreifke)
Ein Zeitzeuge erinnert sich: „Die vier Batterien des FlaRakBtls 25 [mit den Feuerstellungen Varrelbusch, Wuthenau, Wagenfeld und Lohne] befanden sich in unterschiedlichen Bereitschaftsstufen mit einer Reaktionszeit von maximal 30 Minuten, maximal 3 Stunden, maximal 12 Stunden und mehr als 12 Stunden. Innerhalb einer Batterie hatten mindestens zwei Abschussplätze den selben Bereitschaftsgrad. Konnte eine der Batterien aus technischen Gründen den Bereitschaftsgrad nicht einhalten, dann rückten die anderen Batterien eine Einsatzstufe nach oben. Abhängig vom Bereitschaftsgrad war die Stellung im Schichtbetrieb ständig besetzt und einsatzbereit. Dazu gab es in der Batterie drei Kampfbesatzungen für den Feuerleit- und Abschussbereich, die sich in einem System von 48-Std-Schichten während der Woche und 72-Std-Schichten am Wochenende abwechselten.
Für den Einsatz der Gefechtsköpfe gab es genau festgelegte Prioritäten. Beim Anflug eines einzelnen feindlichen Zielobjektes wurde ein kleiner atomarer Gefechtskopf (B-XS) eingesetzt. Beim Anflug mehrerer feindlicher Zielobjekte wurde ein großer atomarer Gefechtskopf (B-XL) eingesetzt. Die ebenfalls vorhandenen, konventionellen Gefechtsköpfe dienten lediglich als Munitionsreserve.
Soweit mir bekannt, befanden sich in allen Nike-Stellungen der Bundesluftwaffe atomare Gefechtsköpfe.“ (Michael Juhls)

Bearbeitungsstand: Juni 2010

Weitere Informationen über Atomwaffenstandorte in Deutschland

siehe auch: KT-Wert
siehe auch: Nike Hercules

Wahner Heide

ehem. Atomwaffenstandort, Deutschland

ehemaliger Atomwaffenstandort Wahner Heide. Bild: Digital GlobeDas ehemalige SAS Wahner Heide (50°50'36“N, 7°08'40“O) lag ca. 12 km nördlich von Bonn. In diesem Munitionslager waren ab 1960 die atomaren Sprengköpfe des 1. Belgische Korps eingelagert. Dabei handelte es sich um Gefechtsköpfe für das Waffensystem Honest John sowie um atomare Artilleriegranaten vom Kaliber 155 mm und 203 mm. Vorübergehend wurden hier auch ADM-Minen eingelagert. Für den Einsatz der ADM-Minen waren das 1. und das 6. belgische Pionierbataillon zuständig.  Die belgischen Einheiten wurden durch das 33rd US-MSL Detachement unterstützt, wobei nur die US-Soldaten unmittelbaren Zugang zu den Atomwaffen hatten.

Folgende Munitionstypen wurden im SAS Wahner Heide bevorratet:

Honest John Gefechtsköpfe vom Typ W-31 mit folgender Sprengkraft:
Version Mod.0 Y1: 2 KT
Version Mod.0 Y2: 40 KT
Version Mod.3 Y3: 20 KT

Panzerhaubitze 155 mm: W-48 Sprengkopf mit einer Sprengkraft von 0,7 KT
Panzerhaubitze 203 mm: W-29 Sprengkopf mit folgender Sprengkraft: Version Mod.0 Y1: 0,1KT, Version Mod.0 Y2: 0,7KT, Version Mod.0 Y3: 1,1KT, Version Mod.1: 0,8KT.

ADM (Atomic Demolition Munition) und deren kleinerer Version, SADM (Special Atomic Demolition Munition) mit einer Sprengkraft von 0,2 bis 45 Kilotonnen.
Über die Anzahl der eingelagerten Sprengköpfe gibt es keine Angaben. (LL)
Bearbeitungsstand: Februar 2012

Weitere Informationen über Atomwaffenstandorte in Deutschland


siehe auch: Honest John-Rakete

siehe auch: ADM

siehe auch: Sprengkraft

Waldbröl

ehem. Atomwaffenlager in Deutschland

Die Nike-Feuerstellung (Launching Area) Waldbröl (50°49’59“N, 07°32’08“O) der 3. Batterie des FlaRakBtl 22 lag ca. 20 km südlich der Stadt Gummersbach im Bergischen Land. Die Batterie wurde im Sommer 1962 von Köln-Wahn nach Waldbröl verlegt. Sie bestand aus drei getrennten Bereichen: der Unterkunft, dem Feuerleitbereich in günstiger topografischer Lage mit bis zu 5 Radargeräten für Überwachung, Zielerfassung, Zielverfolgung und Flugkörperverfolgung und dem Abschussbereich mit jeweils 3 Abschussflächen und dazugehörigen Bunkern. In diesem Bereich befanden sich auch die Atomsprengköpfe. Während die Raketen in Montagebunkern oder auf durch Erdwälle geschützten  Abschussschienen bereit gehalten wurden, lagen die Radaranlagen in exponierter Stellung und konnten nur mit Sandsäcken oder Konturen verwischender Tarnung ungenügend geschützt werden. Zum Eigenschutz vor allem gegen angreifende Tiefflieger, wurden die Stellungen später zusätzlich mit 20mm Zwillingsgeschützen ausgestattet.

In der Stellung Waldbröl waren von 1963 bis 1987 atomare Flugabwehrraketen vom Typ Nike stationiert. An Atomsprengköpfen waren zwei Versionen verfügbar. Die kleinere mit der Bezeichnung B-XS hatte eine Sprengkraft von 2 Kilotonnen (KT). Die größere B-XL besaß ursprünglich 40 KT Sprengkraft. Letztere wurden in den 1970er Jahren gegen Sprengköpfe zu 20 KT ausgetauscht.

Maximal waren je Stellung zehn Nuklearsprengköpfe vorhanden, acht mit der Stärke XS mit 2 KT und zwei XL mit 40/20 KT Sprengkraft. (Jürgen Dreifke)

Ein Zeitzeuge erinnert sich: „Die vier Batterien des FlaRakBtls 22 [mit den Feuerstellungen Ödingen, Burbach, Waldbröl und Marienheide] befanden sich in unterschiedlichen Bereitschaftsstufen mit einer Reaktionszeit von maximal 30 Minuten, maximal 3 Stunden, maximal 12 Stunden und mehr als 12 Stunden. Innerhalb einer Batterie hatten mindestens zwei Abschussplätze den selben Bereitschaftsgrad. Konnte eine der Batterien aus technischen Gründen den Bereitschaftsgrad nicht einhalten, dann rückten die anderen Batterien eine Einsatzstufe nach oben. Abhängig vom Bereitschaftsgrad war die Stellung im Schichtbetrieb ständig besetzt und einsatzbereit. Dazu gab es in der Batterie drei Kampfbesatzungen für den Feuerleit- und Abschussbereich, die sich in einem System von 48-Std-Schichten während der Woche und 72-Std-Schichten am Wochenende abwechselten.

Für den Einsatz der Gefechtsköpfe gab es genau festgelegte Prioritäten. Beim Anflug eines einzelnen feindlichen Zielobjektes wurde ein kleiner atomarer Gefechtskopf (B-XS) eingesetzt. Beim Anflug mehrerer feindlicher Zielobjekte wurde ein großer atomarer Gefechtskopf (B-XL) eingesetzt. Die ebenfalls vorhandenen konventionellen Gefechtsköpfe dienten lediglich als Munitionsreserve.

Soweit mir bekannt, befanden sich in allen Nike-Stellungen der Bundesluftwaffe atomare Gefechtsköpfe.“ (Michael Juhls)

Bearbeitungsstand: Januar 2010

Weitere Informationen über Atomwaffenstandorte in Deutschland

siehe auch: Gefechtskopf
siehe auch: KT (Kilotonne)
siehe auch: Nike Herkules

Waldstetten

ehem. Atomwaffenstandort Deutschland

ehem. Atomwaffenstandort Waldstetten. Bild: Digital GlobeDie ehemalige QRA-Site („Quick-Reaction-Alert“-Stellung) Waldstetten (48°46'24”N, 9°51'03”O) mit dem dazu gehörenden Atomwaffenlager (48°46'13”N, 9°50'24”O) lag ca. fünf Kilometer südöstlich von Schwäbisch Gmünd in Baden-Württemberg.

Die QRA-Site wurde ab 1969 von der in Schwäbisch Gmünd stationierten US-Pershing-Einheit, der 1st Bn 41st FA betrieben.

Für die Stationierung der Pershing-Raketen einschließlich der atomaren Gefechtsköpfe hatten die Amerikaner mehrere Bunker in einem Waldgelände bei Waldstetten gebaut. Der atomare Sprengkopf vom Typ W-50 wurde in den Versionen Y1 (60 KT), Y2 (200KT) und Y3 (460 KT) für den Einsatz bereitgehalten Die Pershing-1-Raketen blieben dort bis in die 1980er Jahre. Nachdem die US-Armee die Bunker aufgegeben hatte, wurde der Wald zum Naturschutzgebiet erklärt. (LL)

Bearbeitungsstand: Februar 2012

Weitere Informationen über Atomwaffenstandorte in Deutschland

siehe auch: QRA-Stellung
siehe auch: Sprengkopf

Walsrode

ehem. Atomwaffenstandort, Deutschland

Das Sonderwaffenlager Walsrode (52°49'08”N, 09°34'37”O) lag ca. 5 km südlich der Stadt Walsrode in Niedersachsen. Es war eingebettet in das konventionelle Munitionslager Walsrode. Hier war in der Zeit von 1960 bis 1971 die gesamte atomare Munition der 3. deutschen Panzerdivision eingelagert. Dabei handelt es sich um folgende Sprengköpfe:

  • Gefechtsköpfe für die taktische Kurzstreckenrakete »Honest John«
  • Artilleriegranaten Kaliber 203 mm für die »schwere« Panzerhaubitze der Divisionsartillerie

Die verantwortliche Wacheinheit war die 5. Batterie des RakArtBtl 32, die Gefechtsköpfe standen unter Kontrolle des 25th USAFAD. Beide Einheiten waren vor Ort stationiert. Im Jahr 1971 wurden die Gefechtsköpfe in das neu errichtet SAS Diensthop verlegt. (LL)

Bearbeitungsstand: Dezember 2011

Weitere Informationen über Atomwaffenstandorte in Deutschland

siehe auch: Honest John-Rakete
siehe auch: SAS Diensthop

WARE Alyn

1962 -

Foto: Friens of the Earth, Flanders and Brussels

Alyn Ware wurde 2009 mit dem „alternativen Friedensnobelpreis“ (Right Livelihood Award) geehrt, „für sein bereits zwei Jahrzehnte andauerndes, effektives und kreatives Engagement und seine Initiativen, um Friedenserziehung zu fördern und eine atomwaffenfreie Welt zu verwirklichen“, so heißt es in der Begründung des Komitees.

Alyn Ware wurde 1962 in Neuseeland geboren. Als Kindergartenerzieher in den frühen 1980er Jahren fing er an, Friedenserziehung zum eigenen Projekt zu machen und gründete die Mobile Peace Van Society. Er bereiste Neuseeland und klärte über alle Aspekte des Friedens in Kindergärten, Grundschulen und Oberschulen auf. Zusammen mit dem Schulamt entwickelte er Leitlinien für die Friedenserziehung.

Gleichzeitig war Alyn Ware ehrenamtlich in einer erfolgreichen Kampagne für ein atomwaffenfreies Neuseeland aktiv. Er gründete die Peace Movement Aotearoa [Aotearoa ist der indigene Name Neuseelands] und organisierte 1987 den Friedensmarsch für ein atomwaffenfreies Neuseeland.

Anfang der 90er Jahre begann er seine Tätigkeit bei den Vereinten Nationen in New York. Dort richtete er das Büro des Gulf Peace Team ein, und arbeitete für eine Verhinderung des Golfkrieges.  Ab 1991 war er für die Weltföderalistische Bewegung tätig, eine internationale Bürgerbewegung, und begleitete die UN-Verhandlungen über die Schaffung eines Internationalen Strafgerichtshofs (International Criminal Court, ICC).

Sieben Jahre lang (1992 – 1999) war Alyn Ware der Geschäftsführer beim Lawyers Committee on Nuclear Policy, die US-Sektion der Internationalen JuristInnen gegen Atomwaffen (IALANA). In dieser Zeit war er durch seine Lobbyarbeit maßgeblich beteiligt an der Verabschiedung einer wichtigen UN-Resolution, die ein Rechtsgutachten über die Völkerrechtswidrigkeit von Atomwaffen durch den Internationalen Gerichtshof (IGH) in Den Haag einfordert. Für die mündlichen Gerichtsverhandlungen beim IGH in 1995 stand Alyn Ware einigen Ländern bei der Vorbereitung ihrer Aussagen mit fachlicher Beratung bei. 1996 erklärte der IGH den Einsatz sowie die Drohung mit einem Einsatz von Atomwaffen generell für völkerrechtswidrig und sagte aus, dass Staaten im Sinne des Völkerrechts verpflichtet seien, Atomwaffen abzurüsten.

1995 begründete Alyn Ware das globale Netzwerk für die Abschaffung aller Atomwaffen (Abolition 2000), zusammen mit einer Gruppe von NGO-VertreterInnen. Dieses Netzwerk wuchs rasend schnell auf über 2000 Organisationen weltweit an und hat als Hauptziel die Aufnahme von Verhandlungen über eine Nuklearwaffenkonvention [einen Vertrag zur Abschaffung aller Atomwaffen]. Nach der Veröffentlichung des IGH-Rechtsgutachtens von 1996 verfasste Alyn Ware die erste von einer Reihe von UN-Resolutionen über die Umsetzung des Rechtsgutachtens durch eine Nuklearwaffenkonvention. Jedes Jahr wird eine solche Resolution mit einer großen Mehrheit in der UN-Vollversammlung verabschiedet, 2009 (Res GA/63/49) waren es 127 Ja-Stimmen gegenüber 23 Nein-Stimmen mit 30 Enthaltungen. Außer den „blockfreien“ Staaten [d.h. Länder, die nicht mit den damaligen Supermächten USA und Sowjetunion alliiert waren] unterstützen inzwischen auch China, Indien, Pakistan und Nordkorea die Resolution.

Alyn Ware ist außerdem Begründer und internationaler Koordinator des Parlamentarischen Netzwerks für Nukleare Abrüstung und Nichtverbreitung (PNND). Das Netzwerk hatte er 2002 unter den Obhut vom Middle Powers Initiative (MPI) und Global Security Institute (GSI) begonnen aufzubauen. 2009 hat das PNND über 500 Mitglieder in 70 Ländern. Die Mitglieder des PNND leisten in ihren jeweiligen Parlamenten Aufklärungsarbeit über Abrüstung und Nichtverbreitung, regen parlamentarische Debatten an, geben Input für die nationale Abrüstungspolitik und arbeiten mit der Zivilgesellschaft zusammen, um Abrüstung zu fördern.

Alyn Ware ist inzwischen sehr bekannt für seine Förderung atomwaffenfreier Zonen in allen Teilen der Welt. Er ist ein geschätzter Berater bei Verhandlungen: so ist er z.B. bei der UN-Vollversammlung, der ständigen Abrüstungskonferenz in Genf, dem UN-Sicherheitsrat und bei den Konferenzen über den Atomwaffensperrvertrag immer dabei. (XH)

Bearbeitungsstand: Oktober 2009

Weitere Informationen über Abrüstungsinitiativen heute

siehe auch: Abolition 2000
siehe auch: Atomwaffensperrvertrag
siehe auch: Middle Powers Initiative
siehe auch: PNND
siehe auch: Projekt Weltgerichtshof
siehe auch: Nuklearwaffenkonvention

Warschauer Pakt

engl.: Warsaw Pact

Der Warschauer Vertrag (offizieller Name: Vertrag über Freundschaft, Zusammenarbeit und gegenseitigen Beistand) vom 14. Mai 1955 war bis 1991 ein militärischer Beistandspakt des Ostblocks unter der Führung der Sowjetunion. Er hieß im Westen "Warschauer Pakt" und war der Gegenspieler der NAT0 im Kalten Krieg.

Der Warschauer Vertrag war ein Ergebnis der seit 1947 zunehmenden Spannungen zwischen den westlichen Alliierten des Zweiten Weltkriegs und der Sowjetunion. Die Ostblockstaaten traten vom 11. bis zum 14. Mai 1955 in Warschau zusammen und erarbeiteten den „Warschauer Vertrag", der in der Folge vor allem im Westen „Warschauer Pakt" genannt wurde.

Unterzeichnende Staaten waren Albanien (1968 ausgeschieden), Bulgarien, Ungarn, die DDR, Polen, Rumänien, die UdSSR und die CSSR. Der Wortlaut des Vertrags orientierte sich weitgehend an den Formulierungen des NATO-Vertrags. Die Mitgliedsstaaten versicherten einander ihren Willen zur Friedenssicherung und zur gegenseitigen militärischen Hilfeleistung im Falle eines Angriffs auf einen oder mehreren der Teilnehmerstaaten (Art. 4). Ein gemeinsames Kommando der nationalen Streitkräfte sollte die Effektivität des Bündnisses sichern (Art. 5). Man müsste sich unverzüglich beraten, wenn ein Angriff vorhersehbar ist (Art. 3).

Der Warschauer Vertrag erfüllte seinen selbst gestellten Auftrag: es kam nicht zu einem heißen Krieg zwischen der NATO und den Warschauer-Vertrags-Staaten. Inwiefern dies Verdienst des Warschauer Paktes ist, bleibt umstritten. Der Warschauer Pakt sicherte den Hegemonialanspruch der Sowjetunion gegenüber den anderen Teilnehmerstaaten. Die Stationierung sowjetischer Truppen in fast allen Warschauer-Vertrags-Staaten und das gemeinsame Oberkommando sorgten dafür, dass die Herrschaft der jeweiligen kommunistischen Partei und die Treue gegenüber der Sowjetunion nicht in Frage gestellt werden konnten. Wann immer einzelne Teilnehmerstaaten den von Moskau vorgegebenen Kurs verlassen wollten, wurde dies als Angriff von außen auf das sozialistische Staaten-System interpretiert und mit einer militärischen Intervention geahndet: In Ungarn (1956) und der Tschechoslowakei (1968) schlugen Warschauer-Vertragstruppen nationale Aufstände nieder. Bereits vor der Unterzeichnung des Warschauer Vertrags war der Aufstand vom 17. Juni 1953 in der damaligen DDR von sowjetischen Truppen niedergeschlagen worden.

Im Zuge der von Gorbatschow in der Sowjetunion eingeleiteten Perestroika kamen zunehmend Zweifel am Fortbestehen der Breschnew-Doktrin auf. Mit der Zustimmung Gorbatschows zur Wiedervereinigung Deutschlands 1990 wurde endgültig klar, dass die Sowjetunion nicht mehr gewillt war, Freiheitsbestrebungen in den anderen Warschauer-Vertrags-Staaten gewaltsam zu unterdrücken. Daraufhin begannen die anderen Mitgliedsstaaten auf einen Abzug der sowjetischen Truppen aus ihren Ländern und auf die Auflösung des Warschauer Vertrags zu drängen. Obwohl die sowjetische Führung eine gleichzeitige Auflösung von NATO und Warschauer Vertrag bevorzugt hätte, gab sie schließlich nach. Die militärischen Strukturen wurden am 31. März 1991, der Warschauer Vertrag selbst am 1. Juli 1991 offiziell aufgelöst. Die in der ehemaligen DDR, Polen, der Tschechoslowakei und Ungarn stationierten sowjetischen Truppen wurden abgezogen. (Quelle: militaer/wisotoday.de nicht mehr online)

Bearbeitungsstand: August 2005

siehe auch: Kalter Krieg
siehe auch: NATO

Washout

Hierbei handelt es sich um eine Variante des radioaktiven Niederschlags. Beim Washout fallen radioaktive Teilchen von oben auf eine Wolkendecke. Sie vereinigen sich mit den in der Wolke befindlichen Regentropfen und fallen zu Boden. Dieser Effekt kann dazu führen, dass es noch in großen Entfernungen vom Detonationspunkt bei auftretenden Regenschauern zur Ablagerung von verstrahlten Teilchen kommt. (LL)

Bearbeitungsstand: Februar 2005

Wasserstoffbombe

engl.: hydrogen bomb

Aufbau einer Wasserstoffbombe. Abbildung: Mathias Kempke, home.arcor.de/mathiaskempke/files/nuk/hbombe.htmlNukleare Waffen sind der Oberbegriff für alle Waffen, die Kernenergie zur Zerstörung nutzen, sei es durch Kernspaltung (Fission) oder Kernverschmelzung (Fusion) von Atomkernen.

Thermonukleare Waffen oder „Wasserstoffbomben“ sind die Weiterentwicklung eines herkömmlichen Atomsprengsatzes. Sie sind durchweg mehrstufig und der Fissionssprengkopf dient als „Zünder” für eine Kernfusion, da thermonukleare Reaktionen nur bei sehr hohen Temperaturen ablaufen. Dabei verschmelzen zwei Kerne ineinander und bilden einen neuen Kern, wobei große Mengen Energie frei werden. Wenn die Implosionszündung detoniert, wird der mit Schaumkunststoff gefüllte Raum mit Röntgenstrahlen (also energiereichen Photonen) überflutet. So wird der Zylinder mit dem Fusionsmaterial stark erhitzt. Durch den entstehenden Druck implodiert der Zylinder, wodurch der Plutoniumkern den kritischen Zustand erreicht und detoniert. Der sich weiter aufbauende Druck und die enorme Hitze setzen schließlich den thermonuklearen Prozess in Gang.

Fast alle Atomwaffen in den heitigen Arsenalen der Atomwaffenstaaten sind Wasserstoffbomben.

Dieses Verfahren wurde in der ersten jemals explodierten Wasserstoffbombe (Ivy Mike) eingesetzt. Die 1952 getestete Bombe wog 65t und war daher noch nicht abwurffähig. 1954 aber wurde eine nach demselben Prinzip gebaute Bombe (Castle-Bravo) über dem Eniwetok-Atoll abgeworfen.

Die größten Wasserstoffbomben im US-Arsenal waren Bomben mit einer Sprengkraft von jeweils 24 Megatonnen, die nie in ihrer vollen Stärke getestet wurden. Die Mark-21 gehörte nur von 1955 bis 1957 zum Bestand; das Nachfolgemodell Mark-36 war von 1956 bis 1962 in Verwendung. Auf dem Reißbrett wurden noch stärkere Kaliber erdacht: So plante die US-Regierung zeitweilig die Entwicklung einer 200 Megatonnen-Bombe, die von einem ferngesteuerten Bomber QB-52 Stratofortress abgeworfen werden sollte. Den Rekord hält der Ingenieur Bruno Augenstein von der RAND Corporation in Kalifornien. Er schlug den Bau einer Bombe mit einer Sprengkraft von 1 Gigatonne (1000 Megatonnen) vor.

Auch spezielle Wasserstoffbomben mit einem Mantel aus Kobalt wurden vorgeschlagen. Kobalt-60 ist ein enorm starker Gammastrahler. Mit einer einzigen Kobaltbombe ließe sich die gesamte Erdatmosphäre über Jahre hinweg verstrahlen. Durch Zündung einer Wasserstoffbombe über der Arktis würde die polare Eiskappe schmelzen und eine riesige Welle freisetzen, die zahlreiche Länder überfluten würde. Auch ließe sich durch die Detonation mehrerer Wasserstoffbomben vor der kalifornischen Küste eine Tsunami-Welle auslösen, die den Westen der USA bis zu den Rocky Mountains überschwemmen würde. (Quellen: Chemglobe; Gerhard Piper)

Bearbeitungsstand: Januar 2016

» Weitere Informationen zum Aufbau einer Atomwaffe

Wasserstoßwelle

engl.: water shock wave

Bei nuklearen Unterwasserdetonationen bildet sich eine starke Wasserstoßwelle. Das betroffene Gebiet zeigt sich an der Wasseroberfläche oft als kreisrunde Fläche, die sich entsprechend der Ausbreitungsgeschwindigkeit der Wasserstoßwelle vergrößert. Die Wasserstoßwelle hat eine erheblich größere Reichweite als die Druckwelle in der Luft. Ihre Überdruckspitzen betragen ein Vielfaches der Werte in der Luft, ihre Dauer ist jedoch geringer. (LL)

Bearbeitungsstand: Januar 2006

siehe auch: Druckwelle
siehe auch: Unterwasserdetonation

WEERAMANTRY Christopher, Richter

1926 – 2017

Richter Christopher Weeramantry, 2007. Foto: Henning Blatt / CC 3.0

Christopher Weeramantry, geboren 17. November 1926 in Colombo, war Rechtsanwalt, Professor und Richter. Von 1967 bis 1972 war er Richter am Obersten Gerichtshof von Ceylon (heute Sri Lanka).

Von 1972 bis 1991 lehrte er an der Monash University, Australien, und er war häufig Dozent an anderen Universitäten, darunter Harvard und die Universitäten in Stellenbosch, Tokio und Hongkong. Er war Träger zahlreicher Preise und Auszeichnungen.

Danach wurde er Richter am höchsten Gericht der Welt für internationales Recht, dem Internationalen Gerichtshof (IGH) in Den Haag, von 1991 bis 2000, die letzten drei dieser Jahre als Vizepräsident.

Weermantry war nicht nur ein juristischer Gelehrter par excellence, er war ein Aktivist. Das Recht war für ihn ein Leitfaden zu einer besseren Welt, und er hatte keine Angst, mit unakademischer Leidenschaft über Bereiche der Gesellschaft zu sprechen und zu schreiben, in denen das Recht Ungerechtigkeit beheben oder eine Katastrophe verhindern konnte. Menschenrechte, Frieden, die Umwelt, Technik und nukleare Waffen waren solche Bereiche, der letzte vielleicht sogar noch mehr als die anderen.

In seiner eindrucksvollen 127-seitigen ‚dissenting opinion‘ (abweichende Meinung) zum IGH-Rechtsgutachten 1996 zu Atomwaffen beabsichtigte er nachzuweisen, dass die Ansicht des Gerichts, dass die Androhung und Verwendung von Atomwaffen im internationalen Recht illegal sei, nicht weit genug gehe: Er bestand darauf, dass eine solche Androhung und Verwendung unter allen möglichen Umständen illegal sei; und um sicherzustellen, dass jeder verstand, was er meinte, hatte er diese Worte kursiv gesetzt. Die ‚dissenting opinion‘ von Judge Weeramantry wurde teilweise ins Deutsche übersetzt; inklusiv das kritischste Kapitel des Gutachtens zur Selbstverteidigung. Weeramantrys ‚dissenting opinion‘ ist ein Dokument von großer rechtlicher und historischer Bedeutung.

Noch während seiner Dienstzeit als Vizepräsident des IGH eröffnete er eine Ausstellung zum Atomwaffengutachten im Internationalen Gerichtshof in Den Haag. Das Highlight der Ausstellung war die Originalfassung des Rechtsgutachtens.

Nach dem Ende seiner Amtszeit am IGH war Judge Weeramantry – Christie wie ihn seine Freunde nannten – für die IALANA, die Internationale Vereinigung der Rechtsanwälte gegen nukleare Waffen, aktiv, für einige Jahre als Co-Präsident.

Nachdem Judge Weeramantry Präsident der Internationalen IALANA wurde, brachte sie eine kleine Broschüre von ihm heraus: Warum die atomare Bedrohung von Tag zu Tag zunimmt. In dieser Broschüre wird mit wenigen Worten und in einfacher Sprache die Besonderheit der Atomwaffen dargestellt. Insbesondere hat Weeramantry die eingetretenen Unfälle in der Vergangenheit zusammengestellt, „die der Öffentlichkeit wohl kaum bekannt sind“.

Weeramantry war von kleiner Statur und im Auftreten bescheiden, aber zugleich sehr eindrucksvoll. Er wurde mehrfach vom britischen House of Lords eingeladen, um über die Atomwaffenproblematik zu reden.

Im Jahr 2007 wurde Judge Weeramantry mit dem Alternativen Nobelpreis ausgezeichnet, und zwar für „seine lebenslange bahnbrechende Arbeit für die Stärkung und Ausweitung des Völkerrechts“.

Ein Großer des Rechts, Christopher Gregory Weeramantry, starb friedlich in seinem Haus in Sri Lanka am 5. Januar 2017. rb

Bearbeitungsstand: Januar 2017

Bild oben: Richter Christopher Weeramantry, 2007. Foto: Henning Blatt / CC 3.0

Weihnachtsinsel (Atomtests)

engl.: Christmas Islands (nuclear tests)

Frigate Bird Atomtest durch Periskop des USS Carbonero, Foto: US Navy

Diese Inselwelt Mikro- und Polynesiens ist Teil der Präsidialrepublik Kiribati. Zu den wichtigsten Eilanden des Inselstaates zählt Kiritimati. Das mit 388 km² größte Korallenriff der Welt wurde am 24. Dezember 1777 von Englands Weltumsegler James Cook entdeckt. Der Seefahrer verbrachte dort mit seiner Mannschaft die Festtage und gab der Insel den Namen »Christmas Island«. Seit 1958 ist die Weihnachtsinsel australisches Territorium.

In den 1950er und 60er Jahren führten die USA und Großbritannien dort insgesamt 30 Atomwaffentests durch. Im Jahr 1957 testet Großbritannien in diesem Gebiet seine erste Wasserstoffbombe. Die evakuierte Bevölkerung kehrte nach Jahrzehnten zurück. Angeblich liegt die Strahlenbelastung heute unter jener von New York. Die Insel zählt rund 2.500 Einwohner. Größter Wirtschaftsfaktor ist der Anbau von Kokosnüssen.

Bearbeitungsstand: September 2008

siehe auch: Wasserstoffbombe

Weilerbach

ehem. Atomwaffenstandort, Deutschland

Das SAS Weilerbach (49°27'01”N, 07°38'23”O) der US-Streitkräfte lag unmittelbar nordöstlich der Air Base Ramstein in der Pfalz. Von 1983 bis 1988 lagerten hier Pershing II Ersatzflugkörper mit den dazugehörigen atomaren Sprengköpfen in nicht bekannter Anzahl. Es ist nicht bekannt, ob zu anderer Zeit auch andere Atomsprengköpfe im SAS Weilerbach eingelagert waren. (LL)

Bearbeitungsstand: August 2011

Weitere Informationen über Atomwaffenstandorte in Deutschland

siehe auch: Pershing-II-Rakete

WEISSKOPF Victor

1908 - 2002

Victor Weisskopf wurde am 19. September 1908 in Wien geboren. Obwohl er nie den Nobelpreis erhalten hat, gehört er zu den bedeutendsten und einflussreichsten Physikern des 20. Jahrhunderts. Zum Aufbau der 1927 vollendeten Quantentheorie war er ein paar Jahre zu jung, aber die Kernphysik und die sich aus ihr entwickelnde Elementarteilchenphysik hat er mitgestaltet wie nur wenige andere. Seine Wanderjahre verbrachte Weisskopf in den Zentren der modernen Physik, in Göttingen, wo er im April 1931 bei Max Born promovierte, in Leipzig bei Heisenberg und in Berlin als Assistent bei seinem österreichischen Landsmann Erwin Schrödinger. Auch der Einfluss von Wolfgang Pauli aus Zürich auf ihn war groß, noch größer der von Niels Bohr aus Kopenhagen. Dänemark habe ihm Glück gebracht, schreibt Weisskopf in seiner Autobiografie; dort habe er nicht nur in Niels Bohr seinen geistigen Vater gefunden, sondern mit Ellen Tvede auch seine ideale Lebensgefährtin.

Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten in Deutschland wollte Weisskopf so weit weg von dem mörderischen Hitlerregime wie nur irgend möglich. Im September 1937 übersiedelte er mit seiner jungen Frau nach Rochester in die Vereinigten Staaten. Die Stelle am Physik-Fachbereich der dortigen Universität hatte er auf Empfehlung von Niels Bohr erhalten. Im Krieg beteiligte er sich am US-amerikanischen Atombombenprojekt in Los Alamos, wo er eine führende Rolle als stellvertretender Leiter der theoretischen Abteilung spielte. Die erste Atombombenexplosion über der japanischen Stadt Hiroshima sei zu rechtfertigen, sagte Weisskopf später, aber nicht die zweite über Nagasaki drei Tage darauf. Sie habe der japanischen Regierung zu wenig Zeit gelassen, sich zur Kapitulation durchzuringen.

Nach dem Krieg ging Weisskopf als Professor an das berühmte MIT, das Massachusetts Institute of Technology, eine der führenden Hochschulen des Landes. Mit einigen Kollegen begründete er die Association of Los Alamos Scientists, die sich mit den Problemen der Weltpolitik im Atomzeitalter befasste. Ebenso engagiert wie vergeblich wandten sie sich gegen die Entwicklung der Wasserstoffbombe. Diese sei keine Waffe, erklärten sie, sondern ein Werkzeug zur Ausrottung ganzer Völker. Die friedliche Nutzung der Atomenergie hingegen hat Weisskopf immer befürwortet. Er war und blieb überzeugt, dass Atomreaktoren sicher betrieben werden können. Das MIT gewährte seinen Professoren großzügig Frei- und Forschungssemester. Die gewonnene Zeit verbrachte Weisskopf in Europa. Er sagte von sich selbst, er fühle sich als "atlantischer Bürger", der auf beiden Seiten des Ozeans zu Hause ist.

Die Gründung des europäischen Forschungszentrums Cern bei Genf Anfang der 50er Jahre verfolgte er mit großer Sympathie. Der erste Generaldirektor war sein Freund Felix Bloch, ein in der Schweiz geborener US-Amerikaner, der aber nur ein Jahr im Amt blieb. Als dessen Nachfolger Cornelis Bakker 1960 bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kam, richteten sich die Hoffnungen der Cern-Physiker auf Weisskopf. Am 1. Juli 1961 wurde er offiziell zum Cern-Generaldirektor ernannt. Aus den ursprünglich geplanten zwei Jahren Amtszeit wurden schließlich fast fünf. Weisskopfs Vorbild für seine Tätigkeit im Cern war Robert Oppenheimer, der im Krieg das amerikanische Atombombenprojekt geleitet hatte. Wie dieser bewies er erstaunliches Geschick in der Führung von Wissenschaftlern. Immer war er zur Stelle, wenn ein entscheidendes Experiment vorbereitet wurde oder in einem Gremium eine wichtige Entscheidung anstand. Er beherrschte die Sprachen fast aller Cern-Mitgliedsländer. Durch seine Lehrtätigkeit an der Pariser Sorbonne hatte er auch fließend Französisch gelernt.

Im Jahre 1976 wurde Weisskopf fast gleichzeitig Mitglied der sowjetischen Akademie der Wissenschaften und der Päpstlichen Akademie, zu deren Mitgliedern einst auch Galileo Galilei gehört hatte. Bei der Feier dieser Akademie zum hundertsten Geburtstag Einsteins im April 1979 war Weisskopf einer der drei Festredner in Rom. Das größte Aufsehen erregte dort jedoch der Papst, als er die Verurteilung Galileis durch die Inquisition einen schweren Fehler nannte. Johannes Paul II. bestätigte ausdrücklich die These Galileis: Zwischen der Natur als dem Werk und der Bibel als dem Wort Gottes könne es nie einen Widerspruch geben. Die ehrwürdige Päpstliche Akademie erhielt neue Bedeutung, als sie sich auf Anregung Weisskopfs zur Plattform für den Kampf gegen den Rüstungswettlauf und den drohenden Atomkrieg entwickelte. Weisskopf selbst hatte Gelegenheit zu mehreren Gesprächen mit dem Papst. Themen wie Feminismus, Abtreibung und Geburtenkontrolle mussten freilich ausgeklammert bleiben.

Weisskopf war an den meisten wichtigen Entwicklungen in der modernen Physik beteiligt. Als US-Präsident Ronald Reagan im Jahre 1983 seine Strategische Verteidigungsinitiative vorstellte, wurde auch der berühmte Physikprofessor ins Weiße Haus eingeladen. Mit der Mobilisierung der Wissenschaft wollte Reagan einen Schutzschild gegen sowjetische Raketen schaffen. Weisskopf sprach sich sofort gegen diese Pläne aus. Sie würden nur die Gegenseite veranlassen, ihren Raketenvorrat zu vergrößern, um die zu erwartenden Verluste auszugleichen.
Am 21. April 2002 starb der große Gelehrte und Humanist in Newton, Massachusetts, im Alter von 94 Jahren. (Quelle: Armin Hermann: Berliner Zeitung, 19. September 2008)

Bearbeitungsstand: Februar 2009

Siehe auch: CERN
Siehe auch: Los Alamos
Siehe auch: Oppenheimer

Weißrussland (Belarus)

ehem. Atomwaffenstaat

Belarus (Weißrussland) war neben Russland, der Ukraine und Kasachstan eine der vier ehemaligen Sowjetrepubliken, auf deren Territorium nach Auflösung der Sowjetunion Atomwaffen stationiert waren. Nach Erlangung der Unabhängigkeit befand sich auf dem Territorium Weißrusslands im Herbst 1991 noch ein größeres Atomwaffenarsenal von 81 ballistischen Interkontinentalraketen (ICBM), in zwei Stützpunkten, sowie 725 taktischen Atomwaffen der früheren Sowjetunion.

Mit der Ratifizierung des Vertrages über die Reduzierung strategischer Kernwaffen (START-I) am 4. Februar 1993 wurde der Grundstein für den Abzug aller Kernwaffen aus Weißrussland gelegt. Am 22. Juli 1993 erkannte der weißrussische Staatschef Stanislau Schuschkewitsch die russische Jurisdiktion über die ICBM an und wurde als Nichtatomwaffenstaat Mitglied des Nichtverbreitungsvertrages.

1994 wurde Präsident Lukaschenko Präsident von Weißrussland und kritisierte immer wieder den Abzug der Atomwaffen. Die letzten SS-25-Raketen verließen nach mehreren Verzögerungen das Land Richtung Russland im Jahr 1996. Er nannte den Abzug einen „Fehler“ und ein „Verbrechen“, änderte jedoch nichts am atomwaffenfreien Status Weißrusslands. 

2001 wollte Lukaschenko der endgültigen Zerstörung der Startrampen zunächst nicht zustimmen und die Option einer Rückkehr der Atomwaffen damit offen halten für den Fall, dass sich die NATO gen Osten erweitern sollte. Schließlich vertrat er jedoch die Meinung, dass die Schaffung eines russisch-weißrussichen Unionsstaates 1999 und der damit verbundenen Militärdoktrin 2000 bedeuten würde, dass Russland ohnehin Weißrussland mit Atomwaffen verteidigen würde.

Weißrussland hat den Atomteststoppvertrag unterzeichnet (24. September 1996) und ratifiziert (16. Mai 2000). (Quelle: EEO)

Bearbeitungsstand: Dezember 2016

»Weitere Informationen über atomwaffenfreie Staaten

Wellenstrahlung

engl.: wave radiation

Bei der Strahlung unterscheidet man Teilchenstrahlung (Neutronen-, Beta- und Alphastrahlen) und Wellenstrahlung (Gamma- und Röntgenstrahlen). Teilchenstrahlung gibt die Energie auf einer kurzen Wegstrecke vollständig ab (im Körpergewebe innerhalb von 1 mm); Wellenstrahlung reicht dagegen weit und wird erst durch Entfernung abgeschwächt. 

Bei den Gammastrahlen handelt es sich um elektromagnetische Wellen höherer Energie (Energiequanten), die im Gegensatz zu Alpha- und Betastrahlen sogar teilweise Beton, Blei und Stahl zu durchdringen vermögen. Sie entstehen auch fast immer zugleich mit Alpha- und Betastrahlen. 

Gamma-Strahlung kann als elektromagnetische Welle bezeichnet werden und gleicht daher vom Wesen her der Röntgenstrahlung und dem sichtbaren Licht. Wesentlicher Unterschied: Röntgenstrahlung hat ihren Ursprung in der Atomhülle, Gammastrahlung im Kern.

Gamma-Strahlung tritt oft auf, wenn beim Alpha- oder Beta-Zerfall überschüssige Energie in Form von Strahlung abgegeben wird. Sehr oft entsteht sie, wenn ein Atomkern aus einem energiereichen in einen energieärmeren Zustand zurückfällt. Genau wie Licht breitet sich Gamma-Strahlung mit Lichtgeschwindigkeit aus. Sie hat eine viel höhere Reichweite als Alpha- oder Beta-Strahlung: Um sie abzuschirmen, braucht man – abhängig von ihrer Energie – Bleischilde mit einer Dicke von mindestens 20 Zentimetern oder Betonwände von mindestens einem Meter Dicke. (LL)

Bearbeitungsstand: Februar 2013

siehe auch: Radioaktive Strahlung

Welschbillig

ehem. Atomwaffenstandort, Deutschland

Im Rahmen der großräumigen Luftverteidigung Europas während der Zeit des Kalten Krieges waren auch die US-Streitkräfte an dem quer durch Deutschland verlaufenden Nike-Herkules Flugabwehrgürtel mit insgesamt sechs in Bayern, Baden-Württemberg, Hessen und Rheinland-Pfalz, stationierten Bataillonen beteiligt. Das 4thMissile Battailon, 6thUS-Arty-Group verfügte über atomare Feuerstellungen in den Standorten Hontheim, Welschbillig, Brimingen und Balesfeld.
Die Nike-Feuerstellung (Launching Area) Welschbillig (49°49'43”N, 6°37'45”O) lag 8 km nördlich von Trier in Rheinland-Pfalz.
Die dort stationierte B-Battery, 4thMissile Battailon, 6thUS-Arty-Group bestand aus drei getrennten Bereichen: der Unterkunft, dem Feuerleitbereich in günstiger topografischer Lage mit bis zu 5 Radargeräten für Überwachung, Zielerfassung, Zielverfolgung und Flugkörperverfolgung und dem Abschussbereich mit jeweils 3 Abschussflächen und dazugehörigen Bunkern. In diesem Bereich befanden sich auch die Atomsprengköpfe.
In der Stellung Welschbillig waren bis 1970 atomare Flugabwehrraketen vom Typ Nike stationiert. An Atomsprengköpfen waren zwei Versionen verfügbar. Die kleinere mit der Bezeichnung B-XS hatte eine Sprengkraft von 2 Kilotonnen. Die größere B-XL besaß ursprünglich 40 kT Sprengkraft. Letztere wurden in den 1970er Jahren gegen Sprengköpfe zu 20 kT ausgetauscht. Maximal waren je Stellung zehn Nuklear-Sprengköpfe vorhanden, acht mit der Stärke XS mit 2 Kilotonnen und zwei XL mit 40/20 Kilotonnen Sprengkraft. Für den Einsatz der Gefechtsköpfe gab es genau festgelegte Prioritäten. Beim Anflug eines einzelnen feindlichen Zielobjektes wurde ein kleiner atomarer Gefechtskopf (B-XS) eingesetzt. Beim Anflug mehrerer feindlicher Zielobjekte wurde soweit verfügbar ein großer atomarer Gefechtskopf (B-XL) eingesetzt. Die ebenfalls vorhandenen konventionellen Gefechtsköpfe dienten lediglich als Munitionsreserve. (LL)

(Quellen: Jürgen Dreifke, Michael Juhls)

Bearbeitungsstand: August 2010

Weitere Informationen über Atomwaffenstandorte in Deutschland

siehe auch: KT-Wert
siehe auch: Nike Hercules



Weltraumrüstung

engl.: space weaponisation

Am 4.10.1957 wurde vom russischen Weltraumbahnhof Baikonur der erste künstliche Satellit, der Sputnik ('Wegbegleiter'), ins All geschossen. In dieser Zeit des Kalten Krieges war Amerika nach dem Verlust des 'Atomwaffenmonopols' im Jahre 1949 ins technische Hintertreffen geraten und es begann der Wettlauf um die Vorherrschaft im Weltraum. Durch den Sputnik zeigte sich den USA zum einen ihre Verwundbarkeit durch das Vorhandensein leistungsfähiger Trägersysteme für ballistische Raketen seitens der Sowjetunion, zum anderen wurde die Vorherrschaft im All als Indikator für die Vorherrschaft auf der Erde gesehen. Im Zuge des fortschreitenden Eindringens des Menschen in den Weltraum wurden erste Verträge und Übereinkommen geschlossen, die das Miteinander im All regelten. Dies betraf bedingt auch die militärische Nutzung des Weltraums durch das Verbot der Stationierung von Massenvernichtungswaffen durch den Weltraumvertrag von 1967. Aus den technischen Entwicklungen während des Wettlaufs im All entstand auch der Wunsch, ballistische Raketen oder Satelliten mit Raketen oder anderen Technologien an ihrer Einsatzfähigkeit zu hindern und dadurch die eigene Gefährdung zu verringern. Bereits Mitte der fünfziger Jahre begannen in der Sowjetunion erste Planungen zur Weltraumbewaffnung, welche sich in der Entwicklung und des Testens eines Anti-Satellitensystems (ASAT) zwischen 1968-82 fortsetzte. Auch die USA arbeiteten seit 1957 an der Bestückung einer Mittelstreckenrakete mit Nuklearsprengköpfen für ASAT-Missionen. Von der Idee der nuklear bestückten ASAT-Systeme wandte sie sich in den 80'er Jahren ab und begann mit der Entwicklung alternativer Methoden, die in den - damals nicht durchführbaren - Plänen zur Weltraumverteidigung SDI (Strategic Defensive Initiative) mündeten. US-Präsident Reagan präsentierte sie im Jahre 1983.

Neben den technischen Beschränkungen hemmte auch der 1972 zwischen den USA und der Sowjetunion geschlossene ABM-Vertrag eine aktive Bewaffnung des Weltraums. Dieser Verbot zum einen die Entwicklung, den Test sowie die Stationierung strategischer Raketenabwehrsysteme mit Ausnahme fest auf dem Land stationierter Systeme. Zum anderen verpflichteten sich die beiden Vertragsparteien ausdrücklich, keine weltraumgestützten ABM-Systeme oder Bestandteile zu entwickeln, zu erproben oder zu dislozieren. Im Bezug auf Weltraumwaffen im Allgemeinen konnte der Vertrag allerdings nur beschränkt Wirkung zeigen. Die aufgrund der grundsätzlichen Möglichkeit der Beschränkung von Weltraumwaffen nahe liegende Option, den ABM-Vertrag auf präzisere Beschränkungen einer möglichen aktiven Weltraumkomponente auszubauen wurde durch die Aufkündigung des ABM-Vertrages zum Juni 2002 seitens der USA obsolet.

Außer den USA und der früheren Sowjetunion gibt es heute weitere Raumfahrt treibende Nationen. Europa ist nicht nur in Form der ESA (European Space Agency) aktiv sondern koordiniert und steuert Weltraumpolitik auch durch die Europäische Kommission. Als Teil der Europäischen Sicherheits- und Verteidigungspolitik ist satellitengestützte Infrastruktur der EU Mitgliedsstaaten bereits in Benutzung. Geplante Systeme wie der GPS-Konkurrent Galileo (in Dienst ab vermutlich 2013) und GMES (Global Monitoring for Environment and Security) besitzen auf Grund ihres Dual-Use-Charakters Potential auch für die militärische Nutzung.

Zunehmend dringen auch Schwellen- und Entwicklungsländer auf die Nutzung von weltraumbasierten Informationssystemen. Sie kaufen fertige Systeme bei kommerziellen Anbietern oder nutzen deren Dienste. Einige Länder entwickeln auch selbst Satelliten und sind zum Teil sogar in der Lage, diese in erdnahe Orbits zu bringen. Neben nationalem Prestige und militärischer Nutzung (z.B. bei den Kontrahenten Indien/Pakistan) spielen zunehmend auch der Anschluss an die Informationsgesellschaft und Herausforderungen wie der globale Klimawandel eine Rolle.

Die kommerzielle aber auch die militärische Nutzung des Weltraums hat seit Mitte der 1990er Jahre stark zugenommen. Eine Störung dieser weltraum-gestützten Telekommunikations-, Navigations- oder Erdbeobachtungs-Systeme könnte in Zukunft sowohl großen wirtschaftlichen Schaden zur Folge haben als auch Krisen heraufbeschwören. Das insbesondere von den USA propagierte Schutzbedürfnis der eigenen Weltrauminfrastruktur zeigt Beispielhaft diese Abhängigkeit vom Weltraum.

Im Januar 2007 hat die VR China eine kinetische Anti-Satellitenwaffe getestet. Noch vor Ende der Amtszeit von George W. Bush im Januar 2009 hat dieser Test die internationale Staatengemeinschaft aufgeschreckt. Auf der Erde hat eine kleine Renaissance der Rüstungskontrolle im Weltraum eingesetzt, vorerst allerdings beschränkt auf die EU und NGOs. Im Weltraum ist die Schrottproblematik durch diesen Test in erheblichem Maße verschärft worden. Die USA haben im Februar 2008 mit dem Abschuss eines außer Kontrolle geratenen Militärsatelliten reagiert, wozu (modifizierte) Teile des US-amerikanischen Raketenabwehrprogramms genutzt wurden.

Insbesondere in den Jahren der George W. Bush Administration hat es nahezu keine Bewegung hinsichtlich politischer Initiativen zur Ächtung von Weltraumwaffen gegeben. Dennoch hat die Verschärfung der Weltraumschrott Problematik durch die gestiegene Nutzung erdnaher Orbits zur Verabschiedung internationalen Richtlinien (debris mitigation guidelines, UN COPUOS), ausgehandelt durch die UNO, geführt. Auch die EU hat das länderübergreifende Interesse an der Eindämmung der Weltraumschrott-Produktion zum Anlass genommen und im Dezember 2008 einen Code of Conduct [Verhaltenskodex] für Weltraumaktivitäten vorgestellt. Damit hat die EU zum ersten Mal eine Initiative zur Rüstungskontrolle im Weltraum gestartet, wenn auch mit sehr bescheidenen Ansprüchen: das Dokument, dass in 2009 mit wichtigen Nicht-EU-Staaten verhandelt werden soll, erwähnt nicht einmal die einschlägigen Resolutionen der UN Vollversammlung oder der Genfer Abrüstungskonferenz (CD) und ist darüber hinaus rechtlich nicht bindend.

Nach wie vor gibt es trotz der Bedeutung des Weltraums nur wenige Verträge und Regelungen. Mit der Aufkündigung des ABM-Vertrages haben die USA die Umsetzung ihres Raketenabwehrprogramms durchgesetzt und einen Teilbereich von dem Weltraum betreffende Regelungen zunichte gemacht. Die fortschreitende technische Entwicklung und das Fehlen einer völkerrechtlich gültigen Norm deuten auf eine zukünftige Bewaffnung des Weltraums hin. Die Wirtschafts- und Finanzkrise der Jahre 2008/2009, die Schrottproblematik, die zunehmende Abhängigkeit von weltraumbasierter Infrastruktur und die Äußerungen der neuen US Regierung unter Barack Obama für einen Bann von Anti-Satellitenwaffen geben aber auch Anlass zur Hoffnung, dass ein Vertrag zum Verbot von Weltraumwaffen unter dem Dach der UNO erzielt werden kann. Dazu muss aber in der Genfer Abrüstungskonferenz der Graben zwischen den USA einerseits und China und Russland andererseits überwunden werden. Letztere haben sich in den vergangenen Jahrzehnten mit zahlreichen Vorschlägen für Verbotsverträge immer wieder die Zähne an der Blockadehaltung der USA gegenüber jeglichen internationalen Verträgen ausgebissen. Es gilt also, entstandene Frustrationen abzubauen und neues Vertrauen zwischen den beiden Lagern zu schaffen. Zurzeit (Sommer 2009) ist offen, ob die EU mit ihrer Code of Conduct Initiative diesbezüglich den richtigen Ton getroffen hat. (Quelle: armscontrol.de)

Weitere Informationen zu Raketen und Raketenabwehr

Bearbeitungsstand: Oktober 2009

Weltraumvertrag

engl.: Outer Space Treaty

Unterzeichnung des Weltraumvertrages am 27. Januar 1967 im Weißen Haus. Foto: UN

Der Vertrag über die Grundsätze zur Regelung der Tätigkeiten von Staaten bei der Erforschung und Nutzung des Weltraums einschliesslich des Mondes und anderer Himmelskörper (kurz als „Weltraumvertrag“ bekannt) vom 27. Januar 1967 regelt die Prinzipien über die Erforschung und Nutzung des Weltraums, des Mondes und anderer Himmelskörper und legt fest, dass die Erforschung und Nutzung des Weltraums Sache der gesamten Menschheit ist.

Der Weltraumvertrag entstand nach dem Konsensprinzip im Rechtsunterausschuss des 1959 eingerichteten ständigen Ausschusses der Vereinten Nationen für die friedliche Nutzung des Weltraums (Committee on the Peace Uses of Outer Space, COPUOS), der 1966 in Genf und New York tagte. Dem waren verschiedene Resolutionen von UN-Generalversammlungen und jahrelange Diskussionen vorausgegangen. Der Entwurf wurde am 19. Dezember 1966 von der UN-Vollversammlung einstimmig verabschiedet. Die Unterzeichnung erfolgte am 27. Januar in Moskau, Washington und London durch die drei Vertragsparteien USA, Sowjetunion und Großbritannien.

Inzwischen haben 102 Staaten den Weltraumvertrag ratifiziert, darunter fast alle Staaten, die gegenwärtig Aktivitäten im Weltraum betreiben. Der Weltraumvertrag ist auch heute noch ein völkerrechtliches Schlüsseldokument für die friedliche Nutzung des Weltraums und die Rüstungskontrolle im Weltraum. Der „Mond-Vertrag“ von 1979 enthält ebenfalls Bestimmungen zur Rüstungskontrolle im Weltraum.

Die wesentliche Vorschrift des Vertrags über die Entmilitarisierung des Weltraums ist in ihrem ersten Absatz des Artikel IV enthalten:

„Die Signatarstaaten verpflichten sich, keine Objekte auf eine Umlaufbahn um die Erde zu bringen, die Kernwaffen oder irgendwelche anderen Massenvernichtungswaffen tragen, und keine derartigen Waffen auf Himmelskörpern oder anderweitig im Weltraum zu stationieren“.

Der Vertrag definiert nicht, was unter dem Begriff „Massenvernichtungswaffen“ und „Stationierung“ zu verstehen ist. Es herrscht jedoch die Annahme, dass unter den Begriff „Massenvernichtungswaffen“ atomare, chemische und biologische Waffen gemeint sind.

Während das Militarisierungsverbot für den Mond und andere Himmelskörper umfassend ist, begrenzt der Weltraumvertrag die militärische Nutzung des Weltraums nur teilweise. Vom Begriff „Stationierung“ in Artikel 4, Absatz 1 werden nur die Waffensysteme erfasst, die eine volle Erdumlaufbahn absolvieren können. Damit verbietet er nicht den Abschuss von Objekten im Weltraum, z. B. Satelliten oder Raketen, von der Erde oder aus der Luft. Selbst die Detonation von Atomwaffen im Weltraum, die von der Erde oder aus der Luft starten, bleibt erlaubt. Die strategischen und taktischen Raketen der Nuklearmächte, die auf einer ballistischen Bahn ihr Ziel ansteuern und den Weltraum dabei nur in einem eng begrenzten Teilbereich schneiden, fallen ebenso wenig unter den Begriff wie die so genannten Fractional Orbital Bombardement Systems (FOBS), die auf einer Teilumlaufbahn ins Ziel gelangen. Somit erlaubt die Beschränkung des Verbots auf eine Stationierung im Weltraum allen Vertragsparteien, nukleare und chemische Waffen für den Einsatz im Weltraum zu entwickeln, zu testen oder sogar auf der Erde zu stationieren. [Anmerkung der Redaktion: Chemische Waffen wurden seit Verfassung dieses Textes völkerrechtlich verboten.]

Die Stationierung des mit einem nuklearen Sprengkopf ausgerüsteten Antisatellitensystems Thor der USA verstieß deshalb nicht gegen den Weltraumvertrag.

Für die Legalität der Waffensysteme im Weltraum ist Artikel 4, Absatz 2 von Bedeutung, in dem es unter anderem heißt:

„Der Mond und andere Himmelskörper werden von allen Signatarstaaten des Vertrags ausschließlich zu friedlichen Zwecken benutzt. Die Errichtung militärischer Stützpunkte, Anlagen und Befestigungen, das Erproben von Waffen – gleich welcher Art – und die Durchführung militärischer Manöver auf Himmelskörpern sind verboten.„

Vor allem in den sechziger Jahren bestand unterschiedliche Auffassungen über die Bedeutung des Begriffs „friedlich“. Nach damaliger sowjetischer Ansicht bedeutete friedlich „nichtmilitärisch“, während die Vereinigten Staaten von Anfang an davon ausgingen, dass friedlich nur „nicht-aggressiv“ heißen könne.

Mit diesen Beschränkungen hat der Weltraumvertrag wenig Einfluss auf die spätere Entwicklung der Militarisierung des Weltraums. Angesicht der technologischen Entwicklungen und der großen Lücken des „Weltraumvertrages“ werden vor allem im Rahmen der UN seit längerem Vorschläge diskutiert, wie ein Wettrüsten im All verhindert werden kann. Entsprechende Resolutionen erhalten bei den jährlichen Generalversammlungen der UN immer große Mehrheiten. Russland und China haben gemeinsam 2008 einen Vertragsentwurf „zur Verhinderung der Stationierung von Waffen im Weltraum und der Androhung oder Anwendung von Gewalt gegen Objekte im Weltraum“ in der Genfer Abrüstungskonferenz der UN vorgelegt. Auch internationale Wissenschaftlerorganisationen haben Vorschläge erarbeitet, wie Waffen und bewaffnete Konflikte im Weltraum durch eine „präventive“ Rüstungskontrolle verhindert werden können. Insbesondere wegen der Ablehnung rüstungskontrollpolitischer Weltraum-Verträge durch die USA haben sie jedoch bisher zu keinem Ergebnis geführt.

Ein Prinzipienkatalog zum Schutz der Umwelt wurde 1992 durch eine VN-Resolution angenommen. Er betrifft die Nutzung nuklearer Energiequellen ("Nuclear Power Sources" - NPS) im Weltraum und stellt vor allem Regeln über Sicherheitsanforderungen, Vermeidungs- und Mitteilungspflichten auf. Die Prinzipien wurden maßgeblich durch den Absturz des sowjetischen Satelliten Cosmos 954 im Jahr 1978 in Kanada veranlasst. (Quelle: Horst Fischer 1984, BICC, Auswärtiges Amt)

» Im Wortlaut (PDF) aus dem Archiv der Blätter für deutsche und internationale Politik

Bearbeitungsstand: Dezember 2016

Bild oben: Unterzeichnung des Weltraumvertrages am 27. Januar 1967 im Weißen Haus. Links nach rechts: Botschafter Anatoly Dobrynin (UdSSR), Staatsminister Sir Patrick Dean (UK), Botschafter Arthur J. Goldberg (USA) und US-Präsident Lyndon B. Johnson. Foto: UN

Weltuntergangsuhr

engl.: Doomsday Clock

Titelseite der Bulletin of Atomic Scientists zur Weltuntergangsuhr

Die Weltuntergangsuhr ist eine symbolische Uhr, welche die Zeitschrift „Bulletin of the Atomic Scientists“ verwendet, um der Öffentlichkeit zu verdeutlichen, wie groß - nach Meinung der Wissenschaftler - das derzeitige Risiko eines Atomkrieges ist. Sie spielt auf die Metapher an, es sei „fünf Minuten vor Zwölf“, sprichwörtlich für wenn ein äußerst nachteiliges Ereignis unmittelbar droht.

1947 wurde die Atomkriegsuhr mit der Zeigerstellung sieben Minuten vor Zwölf gestartet und seither in Abhängigkeit von der Weltlage vor- oder zurückgestellt. Am knappsten vor einem Atomkrieg stand die Welt, jeweils nach Meinung der Wissenschaftlervereinigung, zwischen 1953 und 1960, als die Uhr bei zwei Minuten vor Zwölf stand. Am weitesten entfernt von einer nuklearen Auseinandersetzung schien die Erde zwischen 1991 und 1995, als es siebzehn Minuten vor Zwölf stand.

Der Vorstand der Zeitschrift „Bulletin of Atomic Scientists“ (BAS) hat im Januar 2015 die sogenannte Weltuntergangsuhr (Doomsday Clock) neu gestellt: Es ist jetzt drei Minuten vor Zwölf. Das letzte Mal, dass die Gefahr eines Weltuntergangs so hoch eingeschätzt wurde, war 1984 – als die Beziehung zwischen den beiden Supermächten USA und Sowjetunion einen Tiefpunkt erreicht hatte. Die Begründung der Uhrumstellung: Der Klimawandel und das neue atomare Wettrüsten bedrohen das Leben auf der Erde in einem neuen Ausmaß. Die Kombination von Klimawandel auf der einen Seite und massiven Programmen zur Atomwaffenmodernisierung und einem Stillstand in der Abrüstung auf der anderen Seite, erhöhten die Wahrscheinlichkeit eines Atomkrieges. xh (Quelle: Bulletin of Atomic Scientists)

» Chronik der Weltuntergangsuhr seit 1947

Bearbeitungsstand: Januar 2015

Werl

ehem. Atomwaffenstandort, Deutschland

Bild: Google Earth, 2011Das Sondermunitionslager Werl (51°34´50“N, 7°55´05“O) unmittelbar nördlich des gleichnamigen Ortes und ca. 13 km südöstlich der Stadt Hamm in Nordrhein Westfalen gelegen, war von 1960 bis 1992 ein zentrales Nuklearwaffenlager der belgischen Armee in der Bundesrepublik Deutschland.

Für folgende Waffensysteme waren Gefechtsköpfe in nicht bekannter Zahl eingelagert:

von 1960-1992: Panzerhaubitze 203 mm: Gefechtskopf W-33 (0,5-40 KT)
von 1972-1992: Panzerhaubitze 203 mm: Gefechtskopf W-79 (0,1-1,1 KT)
von 1978-1992: Kurzstreckenrakete Lance: Gefechtskopf W-70 (0,75-100 KT)
(LL)

Bearbeitungsstand: Februar 2011

Weitere Informationen über Atomwaffenstandorte in Deutschland

siehe auch: KT (Kilotonne)

Werneuchen

ehem. Atomwaffenstandort, Deutschland

ehem. Atomwaffenstandort Werneuchten. Bild: Digital GlobeWährend der Zeit des Kalten Krieges betrieben die sowjetischen Luftstreitkräfte auf dem Gebiet der damaligen DDR insgesamt sieben aktive Kernwaffenlager im Bereich der Flugplätze Altenburg, Brand, Finsterwalde, Groß Dölln, Großenhain, Lärz und Werneuchen. Auf dem sowjetischen Militärflugplatz Werneuchen Hier war das 931. Selbständinge Garde-Aufklärungsflieger-Regiment stationiert. Dieser Verband war ab 1974 mit Flugzeugen vom Typ MiG-25 ausgestattet. Der Standort Werneuchen war der einzige Flugplatz in der ehemaligen DDR auf dem die sowjetischen Frontfliegerkräfte Aufklärer vom Typ Mig-25RB mit der Fähigkeit zum Atomwaffeneinsatz stationiert hatten.

„Die Aufklärer der ersten Fliegerstaffel sollten neben ihrer eigentlichen Aufgabe auch Kernwaffen einsetzen, die Beladeübungen dazu wurden meist nachts durchgeführt“, so ein Ex-Pilot der dortigen Einheit. Um dem Gegner im Westen nicht aufzufallen, wurden Übungseinsätze in Weißrussland geflogen. (Quelle: Märkische Allgemeine)

Das Kernwaffenlager (KWL) Werneuchen (52°38'46“N, 13°46'36“O) ca. 1,5 km nördlich der Start- und Landebahn des gleichnamigen Militärflugplatzes lag ca. 25 km nordöstlich vom Stadtzentrum Berlin entfernt. Das Lager vom Typ Granit-2 wurde von März bis November 1971 errichtet. Es gibt keine Hinweise, wann und welche Kernwaffen im Lager vorhanden waren. (LL)

Bearbeitungsstand: November 2012

Weitere Informationen über Atomwaffenstandorte in Deutschland

siehe auch: KT (Kilotonne)
siehe auch: Sprengkraft

Westerscheps

ehem. Atomwaffenstandort Deutschlands

Stellung der Bundesluftwaffe für die 3./FlaRakBtl 24.

In der Stellung Westerscheps waren ab März 1973 bis vermutlich 1988 atomare Flugabwehrraketen vom Typ Nike stationiert. Danach wurde das nicht atomare System Patriot eingeführt. 1993 wurde die Stellung aufgegeben.

Die Nike-Feuerstellung (Launching Area) Westerscheps (53°07’55“N, 07°52’17“O) der 3. Batterie des FlaRakBtl lag ca. 23  km westlich der Stadt Oldenburg in  Niedersachsen. Die dort ab März 1973 stationierte Batterie war zuvor vom Fliegerhorst Oldenburg nach   Westerscheps verlegt worden. Die Stellung bestand aus drei getrennten Bereichen: der Unterkunft, dem Feuerleitbereich in günstiger topografischer Lage mit bis zu 5 Radargeräten für Überwachung, Zielerfassung, Zielverfolgung und Flugkörperverfolgung und dem Abschussbereich mit jeweils 3 Abschussflächen und dazugehörigen Bunkern. In diesem Bereich befanden sich auch die Atomsprengköpfe. Während die Raketen in Montagebunkern oder auf durch Erdwälle geschützten  Abschussschienen bereit gehalten wurden, lagen die Radaranlagen in exponierter Stellung und konnten nur mit Sandsäcken oder Konturen verwischender Tarnung ungenügend geschützt werden. Zum Eigenschutz vor allem gegen angreifende Tiefflieger, wurden die Stellungen später zusätzlich mit 20mm Zwillingsgeschützen ausgestattet.

In der Stellung Westerscheps waren von 1973 bis 1988 atomare Flugabwehrraketen vom Typ Nike stationiert. An Atomsprengköpfen waren zwei Versionen verfügbar. Die kleinere mit der Bezeichnung B-XS hatte eine Sprengkraft von 2 Kilotonnen. Die größere B-XL besaß ursprünglich 40 KT Sprengkraft. Letztere wurden in den 1970er Jahren gegen Sprengköpfe zu 20 KT ausgetauscht.

Maximal waren je Stellung zehn Nuklearsprengköpfe vorhanden, acht mit der Stärke XS mit 2 KT und zwei XL mit 40/20 KT Sprengkraft. (Quelle: Jürgen Dreifke)

Ein Zeitzeuge erinnert sich: „Die vier Batterien des FlaRakBtls 24 [mit den Feuerstellungen Moorriem, Schönemoor, Westerscheps und Ristedt] befanden sich in unterschiedlichen Bereitschaftsstufen mit einer Reaktionszeit von maximal 30 Minuten, maximal 3 Stunden, maximal 12 Stunden und mehr als 12 Stunden. Innerhalb einer Batterie hatten mindestens zwei Abschussplätze den selben Bereitschaftsgrad. Konnte eine der Batterien aus technischen Gründen den Bereitschaftsgrad nicht einhalten, dann rückten die anderen Batterien eine Einsatzstufe nach oben. Abhängig vom Bereitschaftsgrad war die Stellung im Schichtbetrieb ständig besetzt und einsatzbereit. Dazu gab es in der Batterie drei Kampfbesatzungen für den Feuerleit- und Abschussbereich, die sich in einem System von 48-Std-Schichten während der Woche und 72-Std-Schichten am Wochenende abwechselten.

Für den Einsatz der Gefechtsköpfe gab es genau festgelegte Prioritäten. Beim Anflug eines einzelnen feindlichen Zielobjektes wurde ein kleiner atomarer Gefechtskopf (B-XS) eingesetzt. Beim Anflug mehrerer feindlicher Zielobjekte wurde ein großer atomarer Gefechtskopf (B-XL) eingesetzt. Die ebenfalls vorhandenen konventionellen Gefechtsköpfe dienten lediglich als Munitionsreserve.

Soweit mir bekannt, befanden sich in allen Nike-Stellungen der Bundesluftwaffe atomare Gefechtsköpfe.“ (Quelle: Michael Juhls)

Bearbeitungsstand: Januar 2010

Weitere Informationen über Atomwaffenstandorte in Deutschland

siehe auch: KT (Kilotonne)siehe auch: Nike Hercules

Westkirchen

ehem. Atomwaffenstandort Deutschland

Das Flugabwehrraketenbataillon 21 wurde 1959 auf dem Fliegerhorst Köln-Wahn in Dienst gestellt. Es folgte eine Dislozierung des Verbandes in den Räumen Iserlohn, Soest, Warendorf und Dülmen. Als erster Verband der Luftwaffe wurde das neu aufgestellte FlaRakBtl 21 mit dem Waffensystem NIKE ausgerüstet.

Die Nike-Feuerstellung (Launching Area) Westkirchen (51°52’41“N, 08°00’38“O) der 1. Batterie des FlaRakBtl 21 lag ca. 13 km nördlich der Stadt Beckum in Nordrhein- Westfalen. Die Batterie bestand aus drei getrennten Bereichen: der Unterkunft, dem Feuerleitbereich in günstiger topografischer Lage mit bis zu 5 Radargeräten für Überwachung, Zielerfassung, Zielverfolgung und Flugkörperverfolgung und dem Abschussbereich mit jeweils 3 Abschussflächen und dazugehörigen Bunkern. In diesem Bereich befanden sich auch die Atomsprengköpfe. Während die Raketen in Montagebunkern oder auf durch Erdwälle geschützten  Abschussschienen bereit gehalten wurden, lagen die Radaranlagen in exponierter Stellung und konnten nur mit Sandsäcken oder Konturen verwischender Tarnung ungenügend geschützt werden. Zum Eigenschutz vor allem gegen angreifende Tiefflieger, wurden die Stellungen später zusätzlich mit 20mm Zwillingsgeschützen ausgestattet.

In der Stellung Westkirchen waren bis 1987 atomare Flugabwehrraketen vom Typ Nike stationiert. An Atomsprengköpfen waren zwei Versionen verfügbar. Die kleinere mit der Bezeichnung B-XS hatte eine Sprengkraft von 2 Kilotonnen. Die größere B-XL besaß ursprünglich 40 KT Sprengkraft. Letztere wurden in den 1970er Jahren gegen Sprengköpfe zu 20 KT ausgetauscht.

Maximal waren je Stellung zehn Nuklear-Sprengköpfe vorhanden, acht mit der Stärke XS mit 2 Kilotonnen und zwei XL mit 40/20 Kilotonnen Sprengkraft. (Quelle: Jürgen Dreifke)

Ein Zeitzeuge erinnert sich: «Die vier Batterien des FlaRakBtls 21 [mit den Feuerstellungen Westkirchen, Büecke, Opherdicke und Datteln] befanden sich in unterschiedlichen Bereitschaftsstufen mit einer Reaktionszeit von maximal 30 Minuten, maximal 3 Stunden, maximal 12 Stunden und mehr als 12 Stunden. Innerhalb einer Batterie hatten mindestens zwei Abschussplätze den selben Bereitschaftsgrad. Konnte eine der Batterien aus technischen Gründen den Bereitschaftsgrad nicht einhalten, dann rückten die anderen Batterien eine Einsatzstufe nach oben. Abhängig vom Bereitschaftsgrad war die Stellung im Schichtbetrieb ständig besetzt und einsatzbereit. Dazu gab es in der Batterie drei Kampfbesatzungen für den Feuerleit- und Abschussbereich, die sich in einem System von 48-Std-Schichten während der Woche und 72-Std-Schichten am Wochenende abwechselten.

«Für den Einsatz der Gefechtsköpfe gab es genau festgelegte Prioritäten. Beim Anflug eines einzelnen feindlichen Zielobjektes wurde ein kleiner atomarer Gefechtskopf (B-XS) eingesetzt. Beim Anflug mehrerer feindlicher Zielobjekte wurde ein großer atomarer Gefechtskopf (B-XL) eingesetzt. Die ebenfalls vorhandenen konventionellen Gefechtsköpfe dienten lediglich als Munitionsreserve.

«Soweit mir bekannt, befanden sich in allen Nike-Stellungen der Bundesluftwaffe atomare Gefechtsköpfe.» (Michael Juhls)

Bearbeitungsstand: Februar 2010

Weitere Informationen über Atomwaffenstandorte in Deutschland

siehe auch: KT (Kilotonne)

siehe auch: Nike Hercules

Wetter

engl.: weather

Meteorologische Einflüsse verstärken oder schwächen die Wirkung von Atomsprengkörpern.


Niederschläge beeinflussen

  • die Druckwelle: Bei mäßigem Regen verringert sich die Wirkung der Druckwelle mit zunehmender Entfernung vom Detonationspunkt.
  • die thermische Strahlung: Bei der thermischen Strahlung wird ein großer Teil der Energie zum verdampfen des Wassers verbraucht. Die Entfernung, in der Brände durch thermische Strahlung auftreten, verringert sich.
  • die Kernstrahlung: Durch Niederschlag werden die Gamma- und die Neutronenstrahlung geschwächt. Die Abschwächung nimmt mit der Entfernung vom Detonationspunkt zu.
  • den radioaktiven Niederschlag: Radioaktive Teilchen verbinden sich mit den Regentropfen oder Schneeflocken in vorhandenen Wolkenschichten und werden mit diesen zu Boden transportiert. Dabei kommt es zu Washout- oder Rainout-Effekten.

Temperaturänderungen der Luft beeinflussen

- die Druckwelle:
Die Intensität der Druckwelle ist abhängig von der Temperatur in der Höhe. Stabile Luftschichten vergrößern den Radius der Zerstörung, labile Luftschichten verringern den Zerstörungsradius. Bei niedrigen Temperaturen und stabilen Luftschichten wird die Grenze der Zerstörung in Windrichtung etwa doppelt so weit ausgedehnt wie bei hohen Temperaturen und labiler Luftschichtung.

Die Lufttemperatur beeinflusst auch die Steighöhe der Detonationswolke. Eine stabile Luftschichtung verringert die Aufstiegshöhe.

Luftfeuchtigkeit beeinflusst

  • die thermische Strahlung: Die zur Auslösung von Bränden führende thermische Strahlung wird durch Dunst oder Nebel stark vermindert.

Bewölkung beeinflusst

  • die thermische Strahlung: Erfolgt eine Detonation bei bedecktem Himmel zwischen Wolkenuntergrenze und Erdoberfläche, so wird die thermische Strahlung durch die Reflexion an der Wolkenunterseite bis zu 50 % gegenüber einem wolkenlosen Himmel verstärkt. Erfolgt die Detonation dagegen oberhalb einer Wolkenschicht, so wird die thermische Strahlung entscheidend abgeschwächt.

Wind beeinflusst

  • den radioaktiven Niederschlag: Der Wind transportiert den Fallout horizontal über weite Strecken. Je höher die Detonationswolke aufsteigt, desto weiter werden die Teilchen getragen.

Bodenwind wirbelt bei trockenem Wetter Staubteilchen und damit auch radioaktive Teilchen auf und verändert damit die Verteilung der Verstrahlung auf der Erdoberfläche. Die verstrahlte Fläche vergrößert sich, gleichzeitig verringert sich die Radioaktivität je Flächeneinheit. (LL)

Bearbeitungsstand: Oktober 2004

Wettrüsten

engl.: arms race

Die USA waren nach dem Zweiten Weltkrieg die einzige Atommacht der Erde. Das wurde von den Staaten des Ostblocks als existentielle Bedrohung empfunden. Die UdSSR testete 1949 ihre erste Atombombe. Die USA verloren damit früher als erwartet ihre Kernwaffenmonopolstellung. Ein Wettrüsten zwischen Ost und West begann. Es galt, den Gegner mit Hilfe von Atomwaffen abzuschrecken.

Sowohl die USA als auch die Sowjetunion konzentrierten sich vorwiegend auf die Entwicklung raketengetriebener Fernwaffen. Ab Mitte der 50er Jahre konzentrierten sie sich auf den Bau von Interkontinentalraketen.

Am 4. Oktober 1957 gelang es der Sowjetunion als erstes Land, einen kugelförmigen Satelliten namens »Sputnik I« in die Erdumlaufbahn zu schießen. Der Westen befand sich somit einem damit einen technologischen Rückstand gegenüber der kommunistischen Welt. Einen Monat später startete die UdSSR bereits ihren zweiten Erdsatelliten »Sputnik II«, der bereits ein sensationelles Gewicht von 508 Kilogramm hatte. Die UdSSR war damit in der Lage, Atombomben von irgendeinem Punkt auf der Erde in die USA zu schießen. Damit wurden die USA zum ersten Mal verwundbar.

Als Reaktion auf die russischen Erfolge, bewilligte die amerikanische Regierung Milliardenbeträge, um ihren Rückstand auf dem Gebiet der Raumfahrt aufzuholen.

Die Erfolge auf dem Gebiet der Raumfahrt wurden von den beiden Supermächten auch auf militärischer Ebene genutzt. Sie schossen zahlreiche Spionagesatelliten ins All, richteten in weitgehend unbewohnten Gebieten hunderte von Bunkern mit abschussbereiten Raketen ein und auf den Weltmeeren patrouillierten raketentragende Unterseeboote. Jede Seite verfügte über genügend Raketen für einen zweiten Schlag, so wagte niemand den ersten Schritt. Damit war das »Gleichgewicht des Schreckens« erreicht. Die Periode der Konfrontation endete mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion 1989 bis 1991. (Quelle: www.kssursee.ch/schuelerweb/kalter-krieg/kk/sputnik.htm)

Bearbeitungsstand: Oktober 2006

siehe auch: Interkontinentalrakete

Wiederaufarbeitung (WAA)

engl.: reprocessing

Die Wiederaufarbeitung (WAA) ist eine wichtige Voraussetzung für den Bau von Atombomben mit Plutonium-Kernladungen: Das Plutonium für die Bomben wird in Atomreaktoren hergestellt und muss durch Wiederaufarbeitung aus den Brennstäben extrahiert werden und zu »bombenfähige« Konzentrationen gebracht werden. Große Wiederaufarbeitungsanlagen (WAA) wie La Hague in Frankreich und Sellafield in England nehmen auch die verbrauchten Brennelemente anderer Länder zur Verarbeitung entgegen. So entstehen Transportwege über Land und Meer.

Bei der Wiederaufarbeitung gelangen, auf dieselbe Brennstoffmenge bezogen, erheblich größere Mengen radioaktiver Substanzen in die Umwelt als beim Betrieb eines Kernkraftwerks. Eine besondere Gefahr geht von Plutonium aus; kommerzielle Wiederaufarbeitungsanlagen haben Plutoniumumsätze von einigen tausend Kilogramm pro Jahr.

In solchen Anlagen wird tonnenweise mit hochgefährlichen radioaktiven Stoffen umgegangen, bei denen es spezielle Risiken gibt. Das Zusammenwirken von Hitze, Säure und Radioaktivität fördert die Korrosion der Apparaturen. Es werden zahlreiche brennbare und explosive Substanzen verwendet, und die gelösten spaltbaren Stoffe können kritische Massen bilden und so eine nukleare Kettenreaktion bilden. Der Unfall im Jahre 1957 in der britischen Wiederaufarbeitungsanlage Windscale (heute Sellafield) ist einer der schwersten in der Geschichte der Atomenergie. Durch einen Schwelbrand im Graphit eines der Reaktoren wurde eine große Menge Radioaktivität freigesetzt. Seit der Inbetriebnahme von Sellafield/Windscale im Jahre 1950 geschahen dort mehr als 300 Zwischenfälle. Die benachbarte Irische See muss nach dem Bericht eines Ausschusses des britischen Unterhauses zu den am stärksten radioaktiv verseuchten Gewässern der Welt gezählt werden.

Arbeiter in Wiederaufarbeitungsanlagen sind hohen Strahlenbelastungen von einigen mSv (milliSievert) pro Jahr ausgesetzt. In besonders verseuchten Bereichen werden nukleare Tagelöhner eingesetzt. In der Wiederaufarbeitungsanlage Sellafield wiesen Arbeiter bis zu 600fach erhöhte Plutoniumbelastungen der Lunge auf, verglichen mit der englischen Normalbevölkerung. Eine Studie des renommierten Epidemiologen Martin J. Gardner zeigte in der Umgebung von Sellafield eine erhöhte Leukämierate bei Kindern sowie einen Zusammenhang zwischen dieser Erhöhung und der Strahlenbelastung der in der Wiederaufarbeitungsanlage arbeitenden Väter. Nach dieser Studie führte die Bestrahlung der Keimzellen, zu einer Mutation der Spermien, und dann zu Leukämiefällen bei Kindern. (Quelle: nicht bekannt)

Bearbeitungsstand: Oktober 2005

siehe auch: Plutonium

Wiedereintrittskörper

engl.: re-entry vehicle

Wiedereintrittskörper sind Schutzbehälter für Sprengköpfe beim Wiedereintritt einer Interkontinentalrakete in die Erdatmosphäre. Da ein Teil der Flugbahn einer Interkontinentalrakete durch den Weltraum führt, müssen die Sprengköpfe beim Wiedereintritt in die Erdatmopshäre vor dem Verglühen geschützt werden. Dies erfolgt mittels wärmeresistenter Wiedereintrittskörper. Diese öffnen sich im atmosphärischen Bereich und ermöglichen so den Nuklearsprengköpfen ihre vorgeplanten Ziele zu erreichen. (LL)

Bearbeitungsstand: Mai 2011

siehe auch: Interkontinentalrakete

Wiener Vereinbarung

engl.: Joint Comprehensive Plan of Action (JCPOA)

Unterschriften auf dem Dokument Am 14.7.2015 erzielten die P5+1 (China, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Russland, USA) und der Iran in Wien eine Einigung, die den Konflikt um das iranische Atomprogramm langfristig lösen könnte. Der gemeinsame umfassende Aktionsplan sieht technische Beschränkungen und Kontrollmechanismen vor, die gewährleisten, dass das iranische Atomprogramm ausschließlich friedlichen Zwecken dient und nicht für die Entwicklung von Nuklearwaffen verwendet werden kann. Im Gegenzug sollen die seit 2006 gegen den Iran verhängten Sanktionen schrittweise aufgehoben werden.

Kernpunkte:

  • 15 Jahre lang wird ausschließlich in der Natans-Anlage Uran auf maximal 3,67% angereichert. Niedrigangereicherte Uranbestände werden in dieser Zeit auf 300 kg beschränkt.
  • Der Schwerwasserreaktor Arak wird umgebaut, so dass er nicht mehr zur Herstellung waffentauglichen Plutoniums verwendbar ist.
  • Über 2/3 der Zentrifugen werden eingemottet und unter Aufsicht der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO) gestellt. 95% des angereicherten Urans werden außer Landes gebracht oder vernichtet, sein Bestand bleibt für 15 Jahre streng begrenzt.
  • Die Vereinbarung wird lückenlos überwacht. Ein robuster Mechanismus wurde implementiert, welcher der IAEO 25 Jahre lang überall Zugang gewährt, wo sie ihn benötigt.

Seit 2003 arbeitet die internationale Gemeinschaft daran, eine Einigung mit Teheran zu erzielen. Die JCPOA ist eine Sammlung freiwilliger Maßnahmen auf beiden Seiten, die durch die Resolution 2231 des UN-Sicherheitsrates am 20.7.2015 rechtsverbindlich wurde. Der Sicherheitsrat beschloss zudem eine Reihe von Umsetzungsschritten, inklusive dem so genannten „snap-back“-Mechanismus, durch welchen die gelockerten UN-Sanktionen schnell und unkompliziert wieder eingesetzt werden können, falls Teheran gegen die Vereinbarung verstoßen sollte.

Am 19.10.2015 trat die Vereinbarung in Kraft. Nachdem der Iran seine Vorgaben zur Begrenzung seines Atomprogramms erfüllt hatte und die IAEO dies bestätigte, haben die USA und die EU am 16.1.2016 ihre Sanktionen, die im Zusammenhang mit dem Atomprogramm verhängt wurden, aufgehoben.

Der Iran kann nun wieder Öl und Gas exportieren und erhält Zugang zu seinen eingefrorenen Exporterlösen sowie zu internationalen Finanzkanälen. Das US-Embargo gegen den Iran bleibt dagegen in Kraft, mit Ausnahmen für Lebensmittel, Teppiche und Flugzeuge sowie für ausländische Töchter von US-Unternehmen. Sonstige US-Maßnahmen gegen den Iran wegen der Unterstützung von Terrorismus, Menschenrechtsverletzungen und Geldwäsche bleiben unberührt. Das Waffenembargo sowie die Handelsbeschränkungen für Güter für das iranische Raketenprogramm bleiben in Kraft. Auch jeglicher Handel mit Nukleartechnologie wird künftig durch einen internationalen Beschaffungskanal ("Procurement Channel") überwacht.

Spätestens nach acht Jahren oder aber wenn die IAEO zum sicheren Ergebnis kommt, dass sämtliches Nuklearmaterial im Iran ausschließlich zu friedlichen Zwecken verwendet wird und geheime Aktivitäten auszuschließen sind, sollen fast alle EU- und US-Sanktionen aufgehoben werden.

Unabhängig davon sieht Resolution 2231 vor, dass die bestehenden Restriktionen in Bezug auf die Lieferung schwerer, konventioneller Waffen, spätestens in fünf und von Raketentechnologie in acht Jahren aufgehoben werden.

Nach zehn Jahren endet die Laufzeit von Resolution 2231. Bis dahin sollen alle Sanktionen aufgehoben und die Verfahren zur Umsetzung des JCPOA beendet sein. Einige Beschränkungen iranischer Atomaktivitäten gelten jedoch bis maximal 2030 und bestimmte Transparenzmaßnahmen gar bis maximal 2040. (Quellen:
SWP, UN, Auswärtiges Amt)

Bearbeitungsstand: Dezember 2016

»UNSR_Resolution 2231 im Wortlaut

»Weitere Informationen zum Iran und sein Atomprogramm

Wiesbaden

ehem. Atomwaffenstandort, Deutschland

Im ehemaligen US-Atomwaffenlager Wiesbaden (genaue Koordinaten sind nicht bekannt) waren vermutlich bis 1974 atomare Gefechtsköpfe für die Kurzstreckenrakete "Sergeant" eingelagert. Ab 1974 wurden hier thermonukleare Sprengköpfe für das Waffensystem „Lance“ stationiert. Dabei handelte es sich um den Nukleargefechtskopf W-70, der über eine variable Sprengleistung von 1-100 KT verfügt:

Version Mod.0: 1.000 t
Version Mod.1: 10.000 t
Version Mod.2: 100.000 t
Version Mod.3: 750 t
Version Mod.4: 1.250 t

Das Lager wurde ausschließlich von der US Army betrieben und bewacht.Insgesamt gab es sechs US-Bataillone mit "Lance"-Raketen in Deutschland:

V. US Corps: Hanau, Wiesbaden, Gießen.
VII. US Corps: Aschaffenburg, Crailsheim und Herzogenaurach. (LL)

Weitere Informationen über Atomwaffenstandorte in Deutschland

Bearbeitungsstand: März 2012

siehe auch: Lance-Rakete
siehe auch: Sergeant-Rakete

Wiesmoor

ehem. Atomwaffenstandort, Deutschland

Radarkonsole für Zielverfolgung, Foto: J. HoogestraatDie Nike-Feuerstellung (Launching Area) Wiesmoor (53°21’46“N, 07°44’59“O) der 3. Batterie des FlaRakBtl 26 lag ca. 20 km südöstlich der Stadt Aurich in Niedersachsen.

Die dort stationierte FlaRakBatterie bestand aus drei getrennten Bereichen: der Unterkunft, dem Feuerleitbereich in günstiger topografischer Lage mit bis zu 5 Radargeräten für Überwachung, Zielerfassung, Zielverfolgung und Flugkörperverfolgung und dem Abschussbereich mit jeweils 3 Abschussflächen und dazugehörigen Bunkern. In diesem Bereich befanden sich auch die Atomsprengköpfe. Während die Raketen in Montagebunkern oder auf durch Erdwälle geschützten  Abschussschienen bereit gehalten wurden, lagen die Radaranlagen in exponierter Stellung und konnten nur mit Sandsäcken oder Konturen verwischender Tarnung ungenügend geschützt werden. Zum Eigenschutz vor allem gegen angreifende Tiefflieger, wurden die Stellungen später zusätzlich mit 20mm Zwillingsgeschützen ausgestattet.

In der StelluNike-Herkules-Raketen, Foto: J. Hoogestraatng Wiemoor waren von 1963 bis 1989 atomare Flugabwehrraketen vom Typ Nike stationiert. An Atomsprengköpfen waren zwei Versionen verfügbar. Die kleinere mit der Bezeichnung B-XS hatte eine Sprengkraft von 2 Kilotonnen. Die größere B-XL besaß ursprünglich 40 kT Sprengkraft. Letztere wurden in den 1970er Jahren gegen Sprengköpfe zu 20 kT ausgetauscht.
Maximal waren je Stellung zehn Nuklear-Sprengköpfe vorhanden, acht mit der Stärke XS mit 2 Kilotonnen und zwei XL mit 40/20 Kilotonnen Sprengkraft. (Quelle: Jürgen Dreifke)

Ein Zeitzeuge erinnert sich: „Die vier Batterien des FlaRakBtls 26 [mit den Feuerstellungen Holzkirchen-Mederns, Rodenkirchen, Wiesmoor, Dornum] befanden sich in unterschiedlichen Bereitschaftsstufen mit einer Reaktionszeit von maximal 30 Minuten, maximal 3 Stunden, maximal 12 Stunden und mehr als 12 Stunden. Innerhalb einer Batterie hatten mindestens zwei Abschussplätze den selben Bereitschaftsgrad. Konnte eine der Batterien aus technischen Gründen den Bereitschaftsgrad nicht einhalten, dann rückten die anderen Batterien eine Einsatzstufe nach oben. Abhängig vom Bereitschaftsgrad war die Stellung im Schichtbetrieb ständig besetzt und einsatzbereit. Dazu gab es in der Batterie drei Kampfbesatzungen für den Feuerleit- und Abschussbereich, die sich in einem System von 48-Std-Schichten während der Woche und 72-Std-Schichten am Wochenende abwechselten.

Für den Einsatz der Gefechtsköpfe gab es genau festgelegte Prioritäten. Beim Anflug eines einzelnen feindlichen Zielobjektes wurde ein kleiner atomarer Gefechtskopf (B-XS) eingesetzt. Beim Anflug mehrerer feindlicher Zielobjekte wurde ein großer atomarer Gefechtskopf (B-XL) eingesetzt. Die ebenfalls vorhandenen konventionellen Gefechtsköpfe dienten lediglich als Munitionsreserve.

Soweit mir bekannt, befanden sich in allen Nike-Stellungen der Bundesluftwaffe atomare Gefechtsköpfe.“ (Quelle: Michael Juhls)

Bearbeitungsstand: Januar 2010

Weitere Informationen über Atomwaffenstandorte in Deutschland

siehe auch: Gefechtskopf
siehe auch: KT (Kilotonne)
siehe auch: Nike Herkules

WIGNER Eugene

1902 - 1995

Eugene Paul Wigner, Foto: Friedensnobelpreiskomitee

Der US-amerikanische Physiker Eugene Paul Wigner wurde am 17.11.1902 in Budapest geboren. Er hatte bedeutenden Anteil an der Weiterentwicklung der Atom- und Kernphysik. Ab 1942 war Wigner an der Entwicklung der Atombombe und des ersten Kernreaktors beteiligt. Er lieferte wesentliche Beiträge zur Anwendung der Quantenmechanik in der Festkörper-, Atom- und Kernphysik. Für seine Forschungen über die Symmetrieprinzipien der Kern- und Elementarteilchenphysik erhielt er 1963 den Nobelpreis für Physik.

Wigner starb am 1.1.1995 im Alter von 92 Jahren in Princeton (New Jersey). (LL)

Bearbeitungsstand: Oktober 2009

Weitere Informationen zur Entwicklung der Atombombe

siehe auch: Manhattan-Projekt

Wildenrath

ehem. Atomwaffenstandort Deutschland

Das ehemalige Sondermunitionslager Wildenrath (51°11’42“N, 06°08’06“O) befand sich unmittelbar südlich der Rollbahn des Militärflughafens Wildenrath rund 10 km östlich der holländischen Stadt Roermond im deutsch-niederländischen Grenzbereich.

Als im Mai 1980 die atomaren Sprengköpfe des Honest John Systems aus Europa abgezogen wurden, erfolgte diese Aktion über die Militärflughäfen der alliierten Streitkräfte in Wildenrath und Ramstein. Wegen des Abtransportes der Sondermunition errichtete und betrieb die 7. Panzergrenadierdivision ein provisorisches Sondermunitionslager auf dem Flugplatz Wildenrath.  Zur Lagerung der Gefechtsköpfe wurden leer stehende Shelter (Bunker) auf dem Flugplatz benutzt. Mit der Sicherung des provisorischen  Munitionslagers wurde die Begleitbatterie (4./RakArtBtl 72) beauftragt. Bevor die Begleitbatterie nach Wildenrath verlegt werden konnte, musste die Sondermunition des Lagers Visbeck vorübergehend im Lager Werlte bei Lahn zwischengelagert werden. Nach Fertigstellung des temporären Sondermunitionslagers Wildenrath wurden die Gefechtsköpfe der Honest John Raketen dort eingelagert und bis Oktober 1980 in die USA ausgeflogen. (Quelle: Chronik der Begleitbatterie 7 o.O, o.J.)
Interessant ist die Tatsache, dass vermutlich ein Teil der Sprengköpfe (Pershing IA) der in der Nähe gelegenen Pershing Stellung Arsbeck (51°09'49“N, 06°12'54“O) ebenfalls in Wildenrath eingelagert waren. (LL)

Bearbeitungsstand: Januar 2012

Weitere Informationen über Atomwaffenstandorte in Deutschland

siehe auch: Honest John-Rakete

WILSON Robert

1914 - 2000

Robert Wilson auf seinem Los Alamos-Dienstausweis, Foto: Wikipedia Commons

Der US-amerikanischer Physiker Robert Rathbun Wilson wurde am 4. März 1914 in Frontier, Wyoming geboren. Von 1932 bis 1938 studierte er an der University of California, Berkeley, Elektrotechnik. An der Universität Princeton, wo er als Physik-Dozent arbeitete, begegnete er Albert Einstein.

Wilson entwickelte zwischen 1941 und 1943 das Isotron, ein Gerät zur Trennung von Uran-Isotopen. Die Isotopen-Trennung war ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Atombombe. Daher wurde er einer der jüngsten leitenden Mitarbeiter beim Manhattan Projekt in Los Alamos und war an der weiteren Entwicklung der amerikanischen Atombombe beteiligt.

Von 1967 bis 1978 war er Direktor des Fermi National Accelerator Laboratory (Fermilab).

Seinen Lebensabend verbrachte er in einem Altersheim in Ithaca, New York, wo er am 16. Januar 2000 an einer Lungenentzündung verstarb. (Quelle: Berliner Zeitung vom 19. Januar 2000)

Bearbeitungsstand: Oktober 2008

Weitere Informationen zur Entwicklung der Atombombe

siehe auch: EINSTEIN Albert
siehe auch: Los Alamos
siehe auch: Manhattan-Projekt

Wirkungskomponenten

engl.: properties

Die Wirkungskomponenten einer Atomdetonation sind:

  • Druckwelle
  • Hitzewelle
  • Lichtblitz
  • Wärmestrahlung
  • Radioaktive Strahlung
  • Anfangsstrahlung
  • Rückstandsstrahlung
  • Durchgangstrahlung
  • Fallout
  • Neutroneninduzierte Strahlung
  • Elektromagnetische Strahlung
  • Elektromagnetischer Impuls (EMP)
  • Strahlungswirkung auf Elektronik (TREE)
  • Störung der Ionosphäre

Die Energie, die bei einer Atomdetonation freigesetzt wird, verteilt sich auf die verschiedenen Wirkungskomponenten. Bei Luft- und Bodendetonationen treten dabei folgende Energieanteile auf:

 

  • Druckwelle: ca. 50%,
  • Thermische Strahlung: ca. 35%, bestehend aus Lichtblitz und Wärmestrahlung,
  • Kernstrahlung: ca. 15%. Dabei entfallen auf die Anfangsstrahlung ca. 5% und auf die Rückstandsstrahlung ca. 10% Energieanteil. (LL)

Bearbeitungsstand: Oktober 2005

Wirkungsradius

engl.: Radius of damage

Der Wirkungsradius kennzeichnet die Wirkung einer Atomdetonation. Der Wirkungsradius ist der Abstand zum Nullpunkt, bei dem ein bestimmter Schaden an einer bestimmten Zielart (z.B. Personen, Fahrzeuge, Gebäude) mit 50% Wahrscheinlichkeit zu erwarten ist.

Bei Material unterscheidet man drei Schadensstufen:

  • Schwerer Schaden schließt die weitere Verwendung des Materials aus. Eine Wiederherstellung der Funktionsfähigkeit ist im Allgemeinen nicht möglich oder kostspieliger als die Beschaffung oder Anfertigung neuen Materials.
  • Mittlerer Schaden lässt eine weitere Verwendung des Materials erst nach umfangreichen Instandsetzungsarbeiten zu.
  • Leichter Schaden schließt eine Weiterverwendung des Materials nicht aus. Es können kleinere Ausbesserungsarbeiten erforderlich sein, um die Benutzbarkeit wiederherzustellen. (LL)

Bearbeitungsstand: Dezember 2004.

siehe auch: Nullpunkt

Wittstock

ehem. Atomwaffenstandort, Deutschland

ehem. Atomwaffenstandort Wittstock. Bild: Digital GlobeWährend des Kalten Krieges unterhielten die sowjetische Luftstreitkräfte in Ergänzung zu ihren aktiven Kernwaffenlagern auf den Flugplätzen (Altenburg, Brand, Finsterwalde, Groß Dölln, Großenhain, Lärz und Werneuchen) auch sogenannte “temporäre Kernwaffenlager” vermutlich in Falkenberg-Elster, Jüterbog, Köthen, Merseburg, Neuruppin, Parchim, Ribnitz-Damgarten und Wittstock.
 
Das temporäre Kernwaffenlager Wittstock (53°11'44"N, 12°32'26"O) lag in Brandenburg ca. 90 km südöstlich von Rostock. Auf dem Flugplatz war das 33. sowjetische Jagdfliegerregiment mit atomwaffenfähigen MiG-21 stationiert. Der Einsatz von atomaren Fliegerbomben des Typs  RN-42 wäre möglich gewesen. Zu welchen Zeiten und ob überhaupt Kernwaffen vor Ort bereitgehalten wurden, lässt sich nicht zweifelsfrei nachweisen. (LL)

Bearbeitungsstand: Dezember 2012

Weitere Informationen über Atomwaffenstandorte in Deutschland

 

Wladiwostok-Erklärung

engl.: Vladivostock Agreement

Auch bekannt als: Gemeinsame Erklärung von Wladiwostok

US-Präsident Ford und der sowjetische Generalsekretär Breschnew, unterzeichnet in der Nähe von Wladiwostok am 24. November 1974, eine gemeinsame Erklärung betreffend die Frage weiterer Begrenzungen bei strategischen Offensivwaffen. Die Wladiwostok-Erklärung bildet die Grundlage für den späteren SALT-II-Vertrag.

Ausgehend vom Grundsatz der Gleichheit und der gleichen Sicherheit solle ein neues Abkommen über die Begrenzung der strategischen Offensivwaffen folgendes festlegen: Beide Mächte sollten berechtigt sein, eine bestimmte vereinbarte Anzahl strategischer Abschusssysteme sowie von interkontinentalen ballistischen Flugkörpern (ICBM) zu besitzen. Das neue Abkommen sollte Vorsorge für spätere Verhandlungen treffen, die keinesfalls später als 1980/81 beginnen sollten und die Frage weiterer Begrenzung, wenn möglich sogar Verringerung strategischer Waffen, nach 1985 regeln würden. Die Gesamtzahl strategischer Trägersysteme, die jede Seite stationieren durfte, sollte 2400 betragen, worunter wieder eine Höchstzahl für MIRV ausgerüstete Systeme (1320) festzulegen war. (Neuman: Kernwaffen in Europa, Bonn 1982, S. 139f)

Bearbeitungsstand: September 2005

siehe auch: ICBM
siehe auch: MIRV
siehe auch: SALT-II-Abkommen
siehe auch: Trägersysteme

Wurmberg

ehem. Atomwaffenstandort, Deutschland

Im Rahmen der großräumigen Luftverteidigung Europas während der Zeit des Kalten Krieges waren auch die US-Streitkräfte an dem quer durch Deutschland verlaufenden Nike-Herkules Flugabwehrgürtel mit insgesamt sechs in Bayern, Baden-Württemberg, Hessen und Rheinland-Pfalz, stationierten Bataillonen beteiligt. Das 3thMissile Battailon, 71thUS-Arty-Group verfügte über atomare Feuerstellungen in den Standorten Kornwestheim, Sachsenheim, Kleingartach und Wurmberg.

Die Nike-Feuerstellung (Launching Area) Wurmberg (48°53'10“N, 08°46'52“O) lag ca. 6 km östlich der Stadt Pforzheim in Baden-Württemberg. Die dort stationierte D-Battery, 3thMissile Battailon, 71thUS-Arty-Group bestand aus drei getrennten Bereichen: der Unterkunft, dem Feuerleitbereich in günstiger topografischer Lage mit bis zu 5 Radargeräten für Überwachung, Zielerfassung, Zielverfolgung und Flugkörperverfolgung und dem Abschussbereich mit jeweils 3 Abschussflächen und dazugehörigen Bunkern. In diesem Bereich befanden sich auch die Atomsprengköpfe.

In der Stellung Wurmberg waren bis von Mai 1961 bis Dezember 1983 atomare Flugabwehrraketen vom Typ Nike stationiert. An Atomsprengköpfen waren zwei Versionen verfügbar. Die kleinere mit der Bezeichnung B-XS hatte eine Sprengkraft von 2 Kilotonnen. Die größere B-XL besaß ursprünglich 40 kT Sprengkraft. Letztere wurden in den 1970er Jahren gegen Sprengköpfe zu 20 kT ausgetauscht. Maximal waren je Stellung zehn Nuklear-Sprengköpfe vorhanden, acht mit der Stärke XS mit 2 Kilotonnen und zwei XL mit 40/20 Kilotonnen Sprengkraft. Für den Einsatz der Gefechtsköpfe gab es genau festgelegte Prioritäten. Beim Anflug eines einzelnen feindlichen Zielobjektes wurde ein kleiner atomarer Gefechtskopf (B-XS) eingesetzt. Beim Anflug mehrerer feindlicher Zielobjekte wurde soweit verfügbar ein großer atomarer Gefechtskopf (B-XL) eingesetzt. Die ebenfalls vorhandenen konventionellen Gefechtsköpfe dienten lediglich als Munitionsreserve.

Obwohl die Atomsprengköpfe vom Typ W-31 bereits im Dezember 1983 abgezogen wurden, fand noch im Februar 1984 eine Demonstration der Friedensbewegung gegn die Stationierung der Atomwaffen statt.  Aufgrund der Geheimhaltungspolitik der US-Armee konnten die Demonstranten nicht wissen, dass die Anlage bereits außer Betrieb war. (LL)

(Quellen:  Jürgen Dreifke, Michael Juhls)

Bearbeitungsstand: Oktober 2010

Weitere Informationen über Atomwaffenstandorte in Deutschland

siehe auch: Nike Herkules
siehe auch: KT(Kilotonne)

Wüschheim

ehem.Atomwaffenstandort, Deutschland

Im Rahmen der großräumigen Luftverteidigung Europas während der Zeit des Kalten Krieges waren auch die US-Streitkräfte an dem quer durch Deutschland verlaufenden Nike-Herkules Flugabwehrgürtel mit insgesamt sechs in Bayern, Baden-Württemberg, Hessen und Rheinland-Pfalz, stationierten Bataillonen beteiligt. Das 5thMissile Battailon, 6thUS-Arty-Group verfügte über atomare Feuerstellungen in den Standorten Schönborn, Wüschheim, Baumholder und Reitscheid.

Die Nike-Feuerstellung (Launching Area)  Wüschheim [identisch mit Hasselbach-Pydna] (50°03'07“N, 7°25'29“O) lag ca. 3 km südlich der Stadt Kastellaun im Hunsrück.  Die dort stationierte B-Battery, 5thMissile Battailon, 6thUS-Arty-Group bestand aus drei getrennten Bereichen: der Unterkunft, dem Feuerleitbereich in günstiger topografischer Lage mit bis zu 5 Radargeräten für Überwachung, Zielerfassung, Zielverfolgung und Flugkörperverfolgung und dem Abschussbereich mit jeweils 3 Abschussflächen und dazugehörigen Bunkern. In diesem Bereich befanden sich auch die Atomsprengköpfe.

In der Stellung Wüschheim waren bis 1983 atomare Flugabwehrraketen vom Typ Nike stationiert. An Atomsprengköpfen waren zwei Versionen verfügbar. Die kleinere mit der Bezeichnung B-XS hatte eine Sprengkraft von 2 Kilotonnen. Die größere B-XL besaß ursprünglich 40 kT Sprengkraft. Letztere wurden in den 1970er Jahren gegen Sprengköpfe zu 20 kT ausgetauscht. Maximal waren je Stellung zehn Nuklear-Sprengköpfe vorhanden, acht mit der Stärke XS mit 2 Kilotonnen und zwei XL mit 40/20 Kilotonnen Sprengkraft. Für den Einsatz der Gefechtsköpfe gab es genau festgelegte Prioritäten. Beim Anflug eines einzelnen feindlichen Zielobjektes wurde ein kleiner atomarer Gefechtskopf (B-XS) eingesetzt. Beim Anflug mehrerer feindlicher Zielobjekte wurde soweit verfügbar ein großer atomarer Gefechtskopf (B-XL) eingesetzt. Die ebenfalls vorhandenen konventionellen Gefechtsköpfe dienten lediglich als Munitionsreserve. (LL)

(Quellen:  Jürgen Dreifke, Michael Juhls)

Mitte der 1980er Jahre erfolgten umfangreiche Umbaumaßnahmen zur bevorstehenden Stationierung von Cruise Missile. Als Folge des NATO-Doppelbeschlusses wurden ab 1987 auf diesem Gelände 96 mit Atomsprengköpfen ausgerüstete Marschflugkörper gelagert. Der Stationierungsbereich im Hunsrück wurde in Abstimmung mit der NATO durch die Bundesregierung festgelegt. Gründe für die Auswahl des Standortes waren: das Gelände wurde bereits früher für die Stationierung von Mittelstreckenraketen genutzt; das Gelände befand sich weitgehend im Besitz des Landes Rheinland-Pfalz; und schließlich stand durch den nahe gelegene Militärflughafen Hahn eine gewisse Infrastruktur, wie Flughafenfeuerwehr und Rettungsdienst für Notfälle, zur Verfügung.

Die militärische Anlage war in drei Bereiche aufgegliedert: Verwaltung, Unterstützung, Schutzbauten. Für die Schutzbereiche, die aber in der Hauptsache militärisches Gebiet berührten, gab es besondere Vorschriften. Für die Marschflugkörper mussten sechs gehärtete atomsichere Bunker gebaut werden. In jedem Bunker waren zwei Feuerleitstellen und vier Werferfahrzeuge untergebracht. Alle Gebäude zur Versorgung und Lagerung der Atomwaffen befanden sich im Hochsicherheitsbereich. Die verschiedenen Batterien übten laufend den Ernstfall. Das heißt: sie fuhren mit Übungsfahrzeugen zu den über ganz Rheinland-Pfalz verstreuten Abschussstellungen, um sich mit dem Gelände vertraut zu machen.

Ende der 1980er Jahre wurden die Cruise Missile als Folge des abgeschlossenen INF-Vertrages aus Europa abgezogen. Das Gelände wurde an die deutsche Standortverwaltung übergeben. Seit 1996 findet auf dem Gelände jährlich ein Festival für elektronische Tanzmusik statt, an dem über 60.000 Besucher teilnehmen. (LL)

Bearbeitungsstand: August 2010

Weitere Informationen über Atomwaffenstandorte in Deutschland

siehe auch: KT (Kilotonne)
siehe auch: Nike Hercules

Wüschheim II

ehem.Atomwaffenstandort, Deutschland

Wüschheim II Sonderwaffenlager, Foto: DigitalGlobe 2000Die Stellung Wüschheim (49°59'58”N, 7°24'01”O) gehörte zum Einsatzbereich Hahn und lag ca. 11 km nordöstlich vom Flugplatz Hahn entfernt. Sie war ab 1959 die Abschussanlage Nr. 4 für den mobilen Einsatz des Mace-Marschflugkörpers. Insgesamt wurden für die Stellung 12 Flugkörper vom Typ TM-76A bereitgehalten, die über den atomaren Gefechtskopf W-28 mit einer Sprengkraft von 1,1 MT verfügten.

Weitere mobile Stellungen befanden sich in Mehlingen, Enkenbach, Grünstadt,  Kirchberg und Hecken, in denen ab 1960 insgesamt 72 Mace-Marschflugkörper verfügbar waren. Jede Stellung verfügte über mindestens zwei Abschussbereiche (complex) mit je vier Abschussplätzen, wodurch mindestens acht Flugkörper individuell für den Abschuss vorbereitet werden konnten. (Bei Google Earth sind die in dieser Stellung insgesamt vorhandenen 12 Abschussplätze noch gut zu erkennen.)

In Ergänzung zu den mobilen Stellungen gab es zwei stationäre unterirdisch verbunkerte Abschussanlagen in der Eifel bei Rittersdorf („Launch site 7“) und bei Idenheim („Launch site 8“). Diese waren mit jeweils acht Flugkörpern des modifizierten Typs TM-76B bestückt.

Ab Oktober 1966 begann die Rückverlegung der „Mace“ in die USA. (LL)

Weitere Informationen über Atomwaffenstandorte in Deutschland

siehe auch: MACE-Marschflugkörper
siehe auch: MT (Megatonne)

Wuthenau

ehem. Atomwaffenstandort, Deutschland

Die Nike-Feuerstellung (Launching Area) Wuthenau (52°43’32“N, 08°39’32“O) der 2. Batterie des FlaRakBtl 25 lag ca. 10 km norwestlich  der Stadt Sulingen in Niedersachsen. Die dort stationierte FlaRakBatterie bestand aus drei getrennten Bereichen: der Unterkunft, dem Feuerleitbereich in günstiger topografischer Lage mit bis zu 5 Radargeräten für Überwachung, Zielerfassung, Zielverfolgung und Flugkörperverfolgung und dem Abschussbereich mit jeweils 3 Abschussflächen und dazugehörigen Bunkern. In diesem Bereich befanden sich auch die Atomsprengköpfe. Während die Raketen in Montagebunkern oder auf durch Erdwälle geschützten Abschussschienen bereit gehalten wurden, lagen die Radaranlagen in exponierter Stellung und konnten nur mit Sandsäcken oder Konturen verwischender Tarnung ungenügend geschützt werden. Zum Eigenschutz vor allem gegen angreifende Tiefflieger, wurden die Stellungen später zusätzlich mit 20mm Zwillingsgeschützen ausgestattet.
In der Stellung Wuthenau waren von 1963 bis vermutlich 1988 atomare Flugabwehrraketen vom Typ Nike stationiert. An Atomsprengköpfen waren zwei Versionen verfügbar. Die kleinere mit der Bezeichnung B-XS hatte eine Sprengkraft von 2 Kilotonnen. Die größere B-XL besaß ursprünglich 40 kT Sprengkraft. Letztere wurden in den 1970er Jahren gegen Sprengköpfe zu je 20 kT ausgetauscht.
Maximal waren je Stellung zehn Nuklear-Sprengköpfe vorhanden, acht mit der Stärke XS mit 2 Kilotonnen und zwei XL mit 40/20 Kilotonnen Sprengkraft. (Jürgen Dreifke)
Ein Zeitzeuge erinnert sich: „Die vier Batterien des FlaRakBtls 25 [mit den Feuerstellungen Varrelbusch, Wuthenau, Wagenfeld und Lohne] befanden sich in unterschiedlichen Bereitschaftsstufen mit einer Reaktionszeit von maximal 30 Minuten, maximal 3 Stunden, maximal 12 Stunden und mehr als 12 Stunden. Innerhalb einer Batterie hatten mindestens zwei Abschussplätze den selben Bereitschaftsgrad. Konnte eine der Batterien aus technischen Gründen den Bereitschaftsgrad nicht einhalten, dann rückten die anderen Batterien eine Einsatzstufe nach oben. Abhängig vom Bereitschaftsgrad war die Stellung im Schichtbetrieb ständig besetzt und einsatzbereit. Dazu gab es in der Batterie drei Kampfbesatzungen für den Feuerleit- und Abschussbereich, die sich in einem System von 48-Std-Schichten während der Woche und 72-Std-Schichten am Wochenende abwechselten.
Für den Einsatz der Gefechtsköpfe gab es genau festgelegte Prioritäten. Beim Anflug eines einzelnen feindlichen Zielobjektes wurde ein kleiner atomarer Gefechtskopf (B-XS) eingesetzt. Beim Anflug mehrerer feindlicher Zielobjekte wurde ein großer atomarer Gefechtskopf (B-XL) eingesetzt. Die ebenfalls vorhandenen, konventionellen Gefechtsköpfe dienten lediglich als Munitionsreserve.
Soweit mir bekannt, befanden sich in allen Nike-Stellungen der Bundesluftwaffe atomare Gefechtsköpfe.“ (Michael Juhls)

Bearbeitungsstand: Juni 2010

Weitere Informationen über Atomwaffenstandorte in Deutschland

siehe auch: KT-Wert
siehe auch: Nike Hercules