Vagabundierende Atomwaffen

engl.: loose nukes

Grafik: Nachrichten Heute

Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEO) sieht in Terroranschlägen mit Kernwaffen oder radioaktivem Material eine echte und unmittelbare Gefahr. Seit Jahren verfolgt die Organisation deshalb ein umfangreiches Programm zur Verstärkung der nuklearen Sicherheit. So beschloss sie eine Nachbesserung der Vereinbarung zum physischen Schutz von Nuklearmaterial und in 2005 eine Konvention gegen den Nuklearterrorismus. Mit dem Abkommen besteht nun eine Rechtsgrundlage für die internationale Zusammenarbeit bei der Untersuchung, Bestrafung und Auslieferung aller Personen, die Straftaten mit atomarem Spaltmaterial oder Nuklearmitteln begehen.

Konsequente Sicherungsmaßnahmen und internationale Terrorismus-Bekämpfung können das Risiko aber höchstens eindämmen. Ein wirklich zuverlässiger Schutz erfordert einen umfassenden Ansatz. Denn atomare Sicherheit, Abrüstung und Nuklearterrorismus hängen unmittelbar zusammen. Darum, so fordern die Atomgegner, muss eine wirksame Strategie den Ausstieg aus der Atomenergie und die globale Nichtverbreitung ebenso einschließen wie die Beseitigung von Kernwaffen und nuklearem Spaltmaterial. Da für Terroristen der Zugang zu atomarem Explosionsstoff die entscheidende Hürde bildet, wird die Gefahr erst mit dessen Vernichtung völlig gebannt sein. Schon die gewaltige Masse von 3.755 Tonnen global verstreuten Spaltmaterials bildet eine hochgradige Risikoquelle. Im vergangenen Jahrzehnt hat die IAEO mehr als 650 Fälle aufgelistet, in denen radioaktives Material auf dem Schwarzmarkt gehandelt wurde, Tendenz steigend. Im Dezember 2005 gelang es verdeckten US-Ermittlern, im Ausland erworbenes Strahlenmaterial unbemerkt an Grenzübergängen zu Kanada und Mexiko einzuschmuggeln. Die Menge an Cäsium-137 hätte für den Bau von zwei radiologischen Bomben ausgereicht. Auch das Arsenal von weltweit immer noch über 27.000 Atomwaffen ist ein ständiger Gefahrenherd, weil es Terroristen den Zugriff auf nicht ausreichend gesicherte Lagerstätten oder durch die Bestechung korrupter Militärs ermöglicht. (Quelle: Wolfgang Kötter in Freitag 16, 21. April 2006)

Bearbeitungsstand: Oktober 2009

siehe auch: IAEO
siehe auch: Nuklearterrorismus

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