Treffen von Reykjavik

engl.: Reykjavik Summit

Im Oktober 1986 trafen sich der amerikanische Präsident Ronald Reagan und der Generalsekretär der UdSSR Michail Gorbatschow zu Abrüstungsgesprächen in der isländischen Hauptstadt Reykjavik. Das Treffen auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges hat einen legendären Ruf, weil Reagan und Gorbatschow in Reykjavik überraschend über die weitgehende Abschaffung von atomaren Lang- und Mittelstreckenraketen verhandelten. Eine Einigung scheiterte in letzter Minute an Reagans Beharren auf dem SDI- Antiraketen-Projekt der US-Regierung. Dennoch galt das Treffen als Durchbruch für die atomare Abrüstung.

Die Beobachter in Reykjavik und die Kommentatoren in aller Welt waren sich zunächst gar nicht sicher, ob das Treffen nicht vielleicht sogar ein Fehlschlag gewesen war, schließlich hatte es nicht einmal ein gemeinsames Schlusscommuniqué gegeben.

Nach Moskau zurückgekehrt, erklärte Gorbatschow: »Buchstäblich zwei, drei Schritte vor der Fassung von Beschlüssen, die historisch hätten werden können, wurden diese Schritte nicht getan. Die Wende in der Weltgeschichte fand nicht statt, obwohl, ich sage es nochmals, obwohl es möglich war«. Dabei war allein die Tatsache, dass sich Michail Gorbatschow und Ronald Reagan überhaupt trafen, schon ein Erfolg, galt doch der amerikanische Präsident als Kommunistenhasser und als ein ausgewiesener kalter Krieger. Reagans Äußerung, wonach die Sowjetunion das "Reich des Bösen" sei, waren unvergessen. Das gespannte Verhältnis der beiden Staatsmänner war auch ein Grund für die Wahl Reykjaviks als Tagungsort. Beide hatten nicht in das Land des jeweils anderen fahren wollen. Island aber, obwohl NATO-Mitglied, lag wenigstens geographisch etwa in der Mitte, so dass diese Wahl nicht gleich einem Gesichtsverlust des einen oder anderen gleichkam.

Beim Reykjaviker Treffen war es vor allem darum gegangen, dass sich die beiden Politiker näher kennen lernen und Vorbehalte abbauen konnten. Dass und worüber man sich einigen könnte, war nicht vorher festgelegt worden, um keinen zu großen Druck zu erzeugen.

Probleme gab es genug. Da waren auf der einen Seite die SS-20 Raketen Moskaus, Mittelstreckenwaffen, die ganz Westeuropa bedrohten und auf der anderen Seite SDI, die weltraumgestützte Raketenabwehr, die die Amerikaner gerade entwickelten.

Das Problem der Mittelstreckenwaffen war bekannt und im Prinzip verhandelbar. Notfalls würde Moskau seine SS-20 aufstellen, der Westen entsprechend seine Pershing-Raketen, und der Status Quo hätte sich nicht groß geändert. Doch SDI war etwas anderes. Dies war ein rein defensives System, lediglich zur Raketenabwehr entwickelt. Doch ein System, dass es einer Seite erlaubte, der anderen den Einsatz ihrer Waffen unmöglich zu machen, war schließlich auch eine Bedrohung, nicht nur in den Augen der Sowjetmarschälle.

Nach Meinung Reagans scheiterten die Gespräche an der SDI Frage: »Die Sowjetunion bestand darauf, dass wir einen Vertrag unterzeichnen, der mir und den Präsidenten, die nach mir kommen werden, das Recht nähme, eine Abwehr zu entwickeln und zu installieren, die die freie Welt vor Atomwaffenangriffen schützen sollen. Das haben wir nicht getan, und das werden wir nicht tun«! Beim abschließenden Treffen der beiden Staatsmänner schlug Reagen vor, die Entwicklung von SDI für zehn Jahre auszusetzen und verlangte im Gegenzug die komplette Vernichtung aller Raketen aus den jeweiligen Arsenalen beider Nationen.

Obwohl es zu keinem konkreten Ergebnis kam, hatte es in Reykjavik erstmals den ernsthaften Versuch gegeben, den Kalten Krieg zu überwinden. Zum ersten Mal hatten die Führer beider Supermächte öffentlich ihre Bereitschaft erklärt, bereits vorhandene Waffen zu vernichten. Diese Maßnahmen, die später verhandelt und dann tatsächlich durchgeführt wurden, waren der Beginn eines vertrauensvollen Umganges miteinander.

Ohne die "Verständigung von" wäre es beim Zusammenbruch des Warschauer Paktes, mit großer Sicherheit, meistenteils nicht friedlich zugegangen. Auch die deutsche Einheit hätte ohne das Treffen im Oktober 1986 so, wohl nicht stattfinden können. Vor diesem Hintergrund wird die historische Bedeutung des Treffens von Reykjavik deutlich. (Quelle: Kaufmann, Dirk Ulrich: Deutsche Welle, Kalenderblatt)

Bearbeitungsstand: März 2008

siehe auch: Kalter Krieg
siehe auch: Mittelstreckenrakete
siehe auch: SDI

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