Topol

Russischer Raketentyp

Topol-M Raketensystem auf Siegesparade in Moskau 2013. Foto: Vitaly V. Kuzmin

Topol (SS-25)

Die SS-25 Topol wurde als kostengünstiges, mobiles und schwer lokalisierbares ICBM-System konzipiert. Im Jahre 1977 begann man mit der Systementwicklung. Da der SALT-II-Vertrag eine Neukonstruktion von ICBMs verbot, deklarierte die Sowjetunion das SS-25 System als eine Weiterentwicklung der SS-13 Savage. Aus Kostengründen griffen die Entwickler auf den Entwurf der SS-16 Sinner zurück. Die SS-25 verwendet u.a. die ersten beiden Raketenstufen der SS-16, ist aber mit einem neu entwickelten Post Boost Vehicle (PBV) bestückt. Das neue PBV enthält eine neu entwickelte Navigations- und Steuereinheit sowie einen neu konstruierten Nuklearsprengkopf. Es wurden zwei unterschiedliche Versionen entwickelt, eine stationäre, silogebundene Ausführung und eine mobile, fahrzeuggebundene Ausführung (Topol-M).

Technik
Die ersten SS-25 wurden ab dem Jahre 1988 bei den sowjetischen Raketentruppen eingeführt. Die Lenkwaffen sind an neun verschiedenen Orten in ehemaligen SS-13, SS-17 und SS-20 Silos stationiert. Das mobile System ist auf einem geländegängigen LKW untergebracht und verlegbar.

Die SS-25 verwendet einen dreistufigen Raketenmotor, der anders als frühere ICBMs mit Feststoff arbeitet. Erst damit ist der Einsatz und Start unabhängig von einer permanenten Basis möglich, die bei Flüssigbrennstoff unabdingbar war.

Mit dem mobilen System können die Raketen direkt in der Basis, auf der Straße oder irgendwo im Gelände gestartet werden. Das mobile System ist schnell verlegbar und schwierig zu lokalisieren. Somit ist eine präventive Zerstörung nur schwierig realisierbar.

Es wird eine minimale Reaktionszeit von wenigen Minuten erreicht. Die Rakete ist mit einem nuklearen Sprengkopf mit einer Sprengkraft von 550 Kilotonnen (KT) bestückt. Die Steuerung erfolgt mittels einer inertialen Trägheitsnavigations-Plattform. Mit diesem System wird eine Treffgenauigkeit (CEP) von 200-500 m erreicht (je nach Schussdistanz).

Um Abwehrmaßnamen durch Abfangraketen zu erschweren, werden mit dem loslösen des Sprengkopfes auch drei Täuschkörper freigesetzt. Mit der SS-25 lassen sich sämtliche strategischen Ziele, wie gehärtete Raketensilos und unterirdische Kommandobunker, bekämpfen. Insgesamt wurden 360 Systeme hergestellt. Mittlerweile haben die Lenkwaffen das Ende ihrer Lebenszeit erreicht. Es war geplant, sämtliche Systeme bis zum Jahr 2010 auszumustern.

Topol-M (SS-27)
Die SS-27 ist eine Weiterentwicklung der SS-25. Das System entstand als Reaktion auf die US-amerikanischen Pläne zum Aufbau eines Raketenabwehrschildes (NMD). Im Jahre 1991 begann man mit der Systementwicklung. Die SS-27 wurde erstmals mit zwei Raketen im Dezember 1997 bei den russischen Streitkräften im Gebiet Saratow eingeführt. Die neue Variante mit der mobilen Abschussrampe wurde im Dezember 2006 eingeführt.

Technik
Die SS-27 benutzt wie bei der SS-25 einen dreistufigen Raketenmotor, der anders als frühere ICBMs mit Feststoff angetrieben wird. 

Das mobile System ist auf einem geländegängigen LKW untergebracht und damit schnell verlegbar und schwierig zu lokalisieren; eine präventive Zerstörung ist demnach nicht zuverlässig möglich. Jedes Fahrzeug ist mit einem Flugkörper bestückt.

Die Rakete ist mit einem nuklearen MARV-Sprengkopf mit einer Sprengkraft von 550 KT ausgestattet. Die Steuerung erfolgt mittels einer Trägheitsnavigations-Plattform sowie eines Satellitennavigationssystem. Mit diesen beiden Systemen soll eine Treffergenauigkeit (CEP) unter 350 m erreichbar sein. Der Gefechtskopf der Rakete ist in der Lage, nach dem Start von einer ballistischen in eine semiballistische Flugbahn zu wechseln; dadurch ist es Raketenabwehrsystemen nur sehr schwer möglich, den Flugkörper zu zerstören.

Mit der SS-27 sollen sich sämtliche strategische Ziele, wie gehärtete Raketensilos und unterirdische Kommandobunker, bekämpfen lassen. Im August 2006 verfügten die russischen Streitkräfte über 42 SS-27 Systeme in fünf Regimentern der Strategischen Raketentruppen. Es ist geplant, bis zum Jahr 2015 insgesamt 70 Systeme zu beschaffen, um die älteren SS-18 Raketen vollständig abzulösen. (Quellen: Apel u.a., Hrsg.: Sicherheitspolitik contra Frieden?, Bonn 1981, S. 218f.; globalsecurity.org; JANE'S STRATEGIC WEAPON SYSTEMS Edition 2005 Jane's Verlag; Neuman: Kernwaffen in Europa, Bonn 1982, S. 126-131; Russian Strategic Nuclear Forces by Frank von Hippel, Pavel Podvig)

Bearbeitungsstand: Januar 2014

»Weitere Informationen zu den russischen Atomstreitkräften

siehe auch: Raketenabwehr siehe auch: SS-4 bis SS-27

zurück