Taepodong-Rakete

engl.: Taep'o-dong missile

Bereits seit den 1960er Jahren betreibt Nordkorea intensiv die Entwicklung ballistischer Trägerraketen. Inzwischen existiert die erste bereits erfolgreich getestete zweistufige Langstreckenrakete vom Typ Taepodong-1. Ihre maximale Reichweite beträgt 2300 Kilometer, wobei ein Gefechtskopf von maximal 1500 Kilogramm eingesetzt werden kann. Mit der dreistufigen Taepodong-2 sollen in Zukunft mit größeren Gefechtsköpfen Reichweiten über 6200 Kilometer erzielt werden. Damit könnten Ziele auf Hawaii und in Alaska erreicht werden. Bei einem Teststart im Juli 2006 stürzte die Rakete bereits nach 40 Sekunden ins Meer. Es ist nicht absehbar, wann die Taepodong-2 einsatzbereit sein wird und wie viel Nutzlast sie tragen kann. Der Typ Taepong-3 soll eines Tages Ziele in ganz Nordamerika angreifen können. (Quelle: Nuclear Notebook 2005: North Korea 's nuclear program, 2005, S. 64-67.)

Bearbeitungsstand: Februar 2007

siehe auch: Ballistische Rakete
siehe auch: Nordkorea

Taifun U-Boot

engl.: Typhoon submarine

Das russische Typhoon-U-Boot ist mit seinen 171,5 Metern Länge, 22,8 Metern Höhe und 12,2 Metern Breite das größte Unterseeboot der Welt. Es hat eine Tauchtiefe von bis zu 500 Metern. Das U-Boot hat 20 Interkontinental-Raketen an Bord, die speziell für den Abschuss von Unterseebooten entwickelt wurden. In diesem Giganten ist Platz für 150 Mann Besatzung.

Das Boot ist für Langzeit-Operationen ausgerüstet. Durch seine Doppelrumpf-Konstruktion und seine stabilen Bordwände dürfte es fast ausgeschlossen sein, das U-Boot mit nur einem schweren Torpedo zu versenken. (Quelle: 3sat.de)

Bearbeitungsstand: September 2007

Taktische Atomwaffen

engl.: tactical nuclear weapons

Taktische Atomwaffen (auch nukleare Gefechtsfeldwaffen genannt) sind Kernwaffensysteme, die auf Grund ihrer Reichweite, ihres Detonationswertes und ihrer Dislozierung [Stationierung; die Red.] für einen Einsatz gegen militärische Ziele auf einem begrenzten Gefechtsfeld eingesetzt werden können.

Solche Waffen sind Artilleriegeschosse, bodengestützte mobile Raketen und Flugkörper, von Flugzeugen eingesetzte Bomben, Raketen und Flugkörper sowie atomare Bodensprengkörper (ADM). Die Seestreitkräfte verfügen in diesem Segment über U-Boot gestützte Marschflugkörper (SLCM = submarine launched cruise missiles) oder U-Boot gestützte ballistische Raketen (SLBM = sea-launched ballistic missiles), Torpedos und U-Boot gestützte Kurzstreckenraketen für die U-Boot-Abwehr. Die landgestützten Systeme haben Reichweiten von 15 km (Artillerie) bis zu mehreren 100 km (schwere Raketen). Ihre Detonationswerte schwanken zwischen weniger als 0,1 KT (Kilotonnen) bis zu mehr als 100 KT. (Die UNO-Studie „Kernwaffen”, München 1982, S. 34)

Nach inoffiziellen Schätzungen betrug die Zahl taktischer Atomwaffen in russischen Arsenalen Anfang der 90er Jahre rund 15.000. Präsident Jelzin versprach 1992 die Herstellung von Sprengköpfen für landgestützte taktische Raketen, Artilleriegeschosse und Atomminen einzustellen. Er wollte zudem mehr als die Hälfte der luftgestützten und Boden-Luft-Sprengköpfe, sowie ein Drittel aller seegestützten Atomsprengköpfe, zerstören. 2004 erklärte das russische Außenministerium, dass mehr als 50% aller dieser Waffentypen bereits eliminiert worden seien.

Experten  schätzen, dass Russland noch über 7.000 taktische Atomwaffen besitzt, davon sind jedoch nur ca. 2.000 tatsächlich funktionsfähig und stationiert. Die anderen 5.000 sind zur Abrüstung vorgesehen oder werden in Reserve gehalten. Außer den 200 in fünf europäischen Ländern stationierten Atombomben haben die USA ca. 300 aktive und 700 inaktive taktische Atomwaffen.(Quelle: Hans Kristensen, Federation of American Scientists)

Die Definition der Begriffe „taktisch“ und „strategisch“ ist jedoch strittig. Die Russen bezeichnen die Atombomben in Europa trotz kurzer Reichweite als strategisch, da sie von strategischer Bedeutung seien. (XH)

Bearbeitungsstand: August 2005

siehe auch: Detonationswert
siehe auch: Dosis
siehe auch: KT (Kilotonne)
siehe auch: Kurzstreckenrakete
siehe auch: Marschflugkörper

Teilchenstrahlung

engl.: particle radiation

Bei der Strahlung unterscheidet man Teilchenstrahlung (Neutronen-, Beta- und Alphastrahlen) und Wellenstrahlung (Gamma- und Röntgenstrahlen).

Teilchenstrahlung gibt die Energie bereits auf einer kurzen Wegstrecke vollständig ab - im Körpergewebe innerhalb von einem Millimeter. Wellenstrahlung dagegen wird erst durch weite Entfernungen abgeschwächt.

Das heißt: Obwohl sie weder sichtbar noch spürbar sind, ist jede dieser Strahlungsarten eine Belastung und Gefahr für den menschlichen Körper. (Quelle: IPPNW)

Bearbeitungsstand: September 2005

TELLER Edward

1908 - 2003

Edward Teller wurde am 15.08.1908 in Budapest geboren. Schon früh wurde sein Interesse für Physik und Chemie geweckt, weshalb er nach der Emigration aus Ungarn 1926 an der Universität Karlsruhe das Studium des Chemieingenieurwesens begann. Daraufhin folgten weitere Aufenthalten in München und Leipzig, wo Teller bei Werner Heisenberg promovierte. Die nächsten Jahre verbrachte er an der Universität Göttingen und in Kopenhagen bei Niels Bohr, was ihm viele neue und nützliche Erfahrungen bescherte.

Nach der Machtergreifung Hitlers flüchtete er nach Großbritannien und später in die USA, wo er fortan an der George Washington University lehrte. Anschließend wurde er Mitglied des Manhattan-Projekts, das von J. Robert Oppenheimer geleitet wurde und dem Bau der amerikanischen Atombombe diente. Diese sollte fertig gestellt sein, bevor es die Nationalsozialisten schafften, ihr eigenes Atombombenvorhaben erfolgreich zu Ende zu bringen. Dank der Unterstützung der fähigsten Physiker und Theoretiker des Landes - zu denen auch Teller gehörte - konnte bereits im August 1945 die erste Atombombe in der Wüste von New Mexico gezündet werden und wenige Wochen später wurde Hiroshima in Schutt und Asche gelegt.

Aber das Grauen, das die Physiker hierbei erleben mussten, bewirkte bei Teller - im Gegensatz zu Oppenheimer - keine radikale Umkehr. Er, der Zeit seines Lebens eine radikal antifaschistische und antisowjetische Einstellung hatte, legte im Jahr 1949 - als die UdSSR ihre erste Nuklearwaffe zündeten - zusammen mit Stanislav Ulam ein Konzept vor, dass den Bau einer fusionsbasierten Wasserstoffbombe zum Inhalt hatte (Teller-Ulam-Prinzip). Erneut kehrte Teller nach Los Alamos zurück und auch dieses Projekt war erfolgreich: Am 01. November 1952 wurde auf dem Eniwetok-Atoll die erste Wasserstoffbombe (Ivy Mike) zur Detonation gebracht, was die Insel fast vollständig zerstörte. Seit diesem Zeitpunkt galt Edward Teller als der »Vater der Wasserstoffbombe«.

Die schon genannten Kontroversen mit Oppenheimer gingen sogar soweit, dass Teller in den Untersuchungen zu dessen angeblichen kommunistischen Umtrieben (1954) gegen seinen ehemaligen Kollegen aussagte. Im Nachhinein sah er aber dieses Zerwürfnis als eine der »peinlichsten« Angelegenheiten in seinem Leben. In den nächsten Jahren arbeitete der Physiker u.a. am Lawrence Livermore National Laboratory in Kalifornien, dessen Direktor er 1958 wurde, bevor er 1975 in den Ruhestand trat. Am 09.09.2003 starb Teller im Alter von 95 Jahren in Stanford. (Quelle: Interpedix)

Bearbeitungsstand: Mai 2007

 

Weitere Informationen zur Entwicklung der Atombombe

siehe auch: BOHR Niels
siehe auch: Eniwetok-Insel
siehe auch: HEISENBERG Werner
siehe auch: Hiroshima
siehe auch: Ivy Mike
siehe auch: Los Alamos
siehe auch: Manhattan-Projekt
siehe auch: OPPENHEIMER J. Robert
siehe auch: ULAM Stanislaw
siehe auch: Teller-Ulam-Prinzip
siehe auch: Wasserstoffbombe

 

Teller-Ulam-Prinzip

engl.: the Teller-Ulam configuration

Bei der Explosion einer Wasserstoffbombe wird ein atomarer Sprengsatz (Fissionssprengsatz) verwendet, um die Isotope Deuterium und Tritium zu fusionieren. Dieser sogenannte "primäre Fissionssprengsatz" befindet sich gemeinsam mit dem zu zündenden "sekundären  Fusionssprengsatz" in einem verschlossenem Metallzylinder, durch den die Strahlungsenergie des explodierenden  Fissionssprengsatzes auf den „sekundären  Fusionssprengsatz“ übertragen wird. Durch die enorme Hitze während der Expolsion verdampfen die äußeren Schichten des sekundären Sprengsatzes schlagartig, was zur Folge hat, dass der Fusionssprengsatz um den Faktor 1000 komprimiert wird. Um die zur Kernfusion erforderliche Temperatur zu erreichen, befindet sich im Zentrum des sekundären Sprengsatzes ein weiterer Fissionssprengsatz. Während bei den ersten Versuchen in den 1950er Jahren noch ein Gemisch aus Deuterium und Tritium als Fusionssprengsatz verwendet wurde, wird heute ausschließlich Lithiumdeuterid verwendet.
Dieses sogenannte "Teller-Ulam-Prinzip" wurde bereits bei der Explosion der ersten Wasserstoffbombe (Ivy Mike) angewendet. Während die 1952 getestete Bombe noch über 65t wog und daher nicht abwurffähig war, wurde die nach demselben Prinzip gebaute "Bravo" Bombe 1954 über dem Eniwetok-Atoll abgeworfen. Da nach der Zündung ein selbständiges Wasserstoffbrennen durch die hohe Wärmeentwicklung aufrechterhalten wird, wird eine solche Wasserstoffbombe auch thermonukleare Bombe genannt. (LL)

Bearbeitungsstand: März 2012

siehe auch: Ivy Mike
siehe auch: TELLER Edward
siehe auch: Tritium
siehe auch: ULAM Stanislaw
siehe auch: Wasserstoffbombe

Terminal High Altitude Area Defense (THAAD)

THAAD Diagramm. Bild: MDA/gemeinfreiTHAAD ist ein US-Raketenabwehrsystem, das regional gegen ballistische Raketen schützen soll. Das System soll anfliegende Raketen mit einem Bodenradar orten und danach eine Rakete abfeuern, um die angreifende Raketen durch kinetische Energie zu zerstören. Anders als beim BMD-System gegen Interkontinentalraketen, haben die THAAD-Raketen keinen Sprengkopf, sondern einen Abfangflugkörper (Interceptor oder Kinetic Kill Vehicle, KKV), der mit der anfliegenden Rakete im Endflug zusammenprallt und sie dadurch zerstört. Das nennt man „Hit-to-kill“. Falls die angreifende Rakete mit einem nuklearen Sprengkopf ausgestattet ist, sollen die Auswirkungen durch seine Zerstörung im Weltall oder in der Stratosphäre minimiert werden.

Das THAAD-System wird gegen Kurz- und Mittelstreckenraketen angewendet und hat eine Reichweite von ca. 200 Kilometern mit einer maximalen Flughöhe von ca. 150 Kilometern. Das System ist landgestützt, mobil und die Raketen werden von einem Anhänger bzw. Fahrzeug abgefeuert. Die zweistufige Rakete wird durch ein Feststofftriebwerk betrieben. In 100 Kilometer Höhe trennt sich der lenkbare Abfangflugkörper ab.

Eine Batterie hat fünf Komponenten: 7-9 Raketen, mit je acht Abfangflugkörpern (Interceptor/KKV), mobilem Radar-/Überwachungssystem (Typ AN/TPY-2) , Kontroll- und Supportsystemen.

Das System wurde von dem US-Rüstungskonzern Lockheed Martin und Raytheon entwickelt und hergestellt. Vor zehn Jahren erhielt Lockheed Martin den Auftrag, THAAD zu produzieren. Die US-Armee sollen insgesamt sieben Batterien bekommen. Die ersten Einheiten wurden 2008 in den USA aktiviert. 2013 wurde ein System nach Guam (Außengebiet der USA im westpazifischen Ozean) verlegt, um potentielle Raketenangriffe aus Nordkorea abzufangen. Im gleichen Jahr wurde der nächste Auftrag an Lockheed Martin für ein THAAD-System für die Vereinigten Arabischen Emirate erteilt.

Im Juli 2016 wurde entschieden, ein THAAD-System auf der koreanischen Halbinsel zu installieren. Das System wurde am 7. März 2017 geliefert. China kritisiert die Stationierung des Systems, weil sie den Dialog über eine Verbesserung der Stabilität auf der koreanischen Halbinsel gefährde. Experten meinen, die Verärgerung Chinas rühre daher, dass der hochentwickelte Radar Chinas militärische Aktivitäten sehr genau überwachen kann. Diese Fähigkeit würde der USA in einem potentiellen Konflikt mit China einen Vorteil verschaffen. Chinesische Kommentatoren meinen darüber hinaus, dass THAAD nur begrenzt gegen nordkoreanische Kurzstreckenraketen einsetzbar sei, da diese nicht die notwendige Höhe erreichen, um von THAAD abgefangen zu werden. xh (Quellen: US Missile Defense Agency, Lockheed Martin, MDA Product card, Washington Post)

Abbildung oben: THAAD Diagramm. Bild: MDA/gemeinfrei [auf Bild klicken für Großansicht]

Terrible-U-Boot

engl.: Terrible-submarine

Im März 2008 wurde in Cherbourg das Atom-U-Boot "Le Terrible" ("Der Schreckliche") als  viertes Boot seines Typs von der französischen Marine in Betrieb genommen.

Das neue U-Boot ist mit 16 neuen Interkontinentalraketen vom Typ M51 ausgestattet. Jede Rakete ist mit bis zu sechs Atomsprengköpfen bewaffnet. Die maximale Reichweite beträgt 8.000 Kilometer. Damit könnte man von Europa aus Peking treffen. (Die alten Raketen von Typ M45 verfügten lediglich über eine Reichweite von 6.000 Kilometer.) Die "Le Terrible" kostete 2,4 Milliarden Euro. Sie hat eine Länge von 138 Meter und eine Besatzung von 111 Mann. Das Boot kann unter Wasser eine Höchstgeschwindigkeit von 25 Knoten (46 Kilometer) pro Stunde erreichen. (LL)

Bearbeitungsstand: Dezember 2011

THAAD

Abk. für: Terminal High Altitude Area Defense

THAAD Diagramm. Bild: MDA/gemeinfreiTHAAD ist ein US-Raketenabwehrsystem, das regional gegen ballistische Raketen schützen soll. Das System soll anfliegende Raketen mit einem Bodenradar orten und danach eine Rakete abfeuern, um die angreifende Raketen durch kinetische Energie zu zerstören. Anders als beim BMD-System gegen Interkontinentalraketen, haben die THAAD-Raketen keinen Sprengkopf, sondern einen Abfangflugkörper (Interceptor oder Kinetic Kill Vehicle, KKV), der mit der anfliegenden Rakete im Endflug zusammenprallt und sie dadurch zerstört. Das nennt man „Hit-to-kill“. Falls die angreifende Rakete mit einem nuklearen Sprengkopf ausgestattet ist, sollen die Auswirkungen durch seine Zerstörung im Weltall oder in der Stratosphäre minimiert werden.

Das THAAD-System wird gegen Kurz- und Mittelstreckenraketen angewendet und hat eine Reichweite von ca. 200 Kilometern mit einer maximalen Flughöhe von ca. 150 Kilometern. Das System ist landgestützt, mobil und die Raketen werden von einem Anhänger bzw. Fahrzeug abgefeuert. Die zweistufige Rakete wird durch ein Feststofftriebwerk betrieben. In 100 Kilometer Höhe trennt sich der lenkbare Abfangflugkörper ab.

Eine Batterie hat fünf Komponenten: 7-9 Raketen, mit je acht Abfangflugkörpern (Interceptor/KKV), mobilem Radar-/Überwachungssystem (Typ AN/TPY-2) , Kontroll- und Supportsystemen.

Das System wurde von dem US-Rüstungskonzern Lockheed Martin und Raytheon entwickelt und hergestellt. Vor zehn Jahren erhielt Lockheed Martin den Auftrag, THAAD zu produzieren. Die US-Armee sollen insgesamt sieben Batterien bekommen. Die ersten Einheiten wurden 2008 in den USA aktiviert. 2013 wurde ein System nach Guam (Außengebiet der USA im westpazifischen Ozean) verlegt, um potentielle Raketenangriffe aus Nordkorea abzufangen. Im gleichen Jahr wurde der nächste Auftrag an Lockheed Martin für ein THAAD-System für die Vereinigten Arabischen Emirate erteilt.

Im Juli 2016 wurde entschieden, ein THAAD-System auf der koreanischen Halbinsel zu installieren. Das System wurde am 7. März 2017 geliefert. China kritisiert die Stationierung des Systems, weil sie den Dialog über eine Verbesserung der Stabilität auf der koreanischen Halbinsel gefährde. Experten meinen, die Verärgerung Chinas rühre daher, dass der hochentwickelte Radar Chinas militärische Aktivitäten sehr genau überwachen kann. Diese Fähigkeit würde der USA in einem potentiellen Konflikt mit China einen Vorteil verschaffen. Chinesische Kommentatoren meinen darüber hinaus, dass THAAD nur begrenzt gegen nordkoreanische Kurzstreckenraketen einsetzbar sei, da diese nicht die notwendige Höhe erreichen, um von THAAD abgefangen zu werden. xh (Quellen: US Missile Defense Agency, Lockheed Martin, MDA Product card, Washington Post)

Abbildung oben: THAAD Diagramm. Bild: MDA/gemeinfrei [auf Bild klicken für Großansicht]

Thales

Waffenproduzent, Frankreich

Das französische Unternehmen Thales bietet Informationssysteme für die Sparten Verteidigung und Sicherheit, Luftfahrt und Verkehrswesen. Seine Hauptgeschäftsbereiche sind Luftfahrt, Verteidigung und Sicherheit.

Im Dezember 2004 schlossen Safran, EADS, Thales und andere Firmen einen Vertrag über die Herstellung der neuen M51-Atomrakete für die neuen französischen U-Boote. Dieser Auftrag hat ein geschätztes Volumen von drei Milliarden Euro. Astrium, eine Tochtergesellschaft von EADS, ist der Hauptvertragnehmer, wobei Safran, SNPE, DCN und Thales die Hauptsubunternehmer sind. Die M51 besitzt mehrere Gefechtsköpfe mit wesentlich größerer Nutzlast und größerem Nutzvolumen als die M4. Sie bietet auch eine längere Reichweite, wodurch U-Boote in der Lage sind, ihre Patrouillengebiete auszudehnen. Das Atom-U-Boot „Le Terrible“ wird seit Ende 2010 mit der M51 ausgerüstet. Die Rakete wird auch an Bord der anderen U-Boote der neuen Generation – Triomphant und Téméraire – ihren Dienst nach entsprechender Umrüstung antreten. Eine zweite Version mit neuen Atomsprengköpfen wird ab 2015 in Auftrag gegeben. (Quelle: van Gelder, Jan Willem/Spaargaren, Petra/Wright, Tim: Divestment Report. ICAN 2012)

Bearbeitungsstand: April 2012

Weitere Informationen zu Atomwaffenherstellern

 

"The Day After" (Film)

dt.: "Der Tag danach"

Der 120 Minuten lange US-amerikanische Film „Der Tag danach“ wurde weltweit zum ersten Mal am 20. November 1983 ausgestrahlt. Alleine in den USA hatte er mehr als 100 Millionen Fernsehzuschauer. Er galt als der bis dahin erfolgreichsten TV-Film überhaupt. Erst im Jahr 1987 wurde „The Day After“ auch im sowjetischen Staatsfernsehen ausgestrahlt.

Der Film handelt von den Tagen nach einem Atomkrieg und zeigt die fiktiven Auswirkungen eines nuklearen Schlagabtausches der beiden Supermächte: Die radioaktive Verseuchung des Landes, der langsame Tod aller Protagonisten, das Ende der Zivilisation. Der Film spielt in einem kleinen Ort in Kansas und beginnt ein paar Wochen vor dem Atomschlag auf die USA. Im Zentrum des Filmes stehen die Erlebnisse der Menschen spielen, nicht die politischen Geschehnisse. Ungeklärt blieb in der Erzählung des Filmes, wer die Raketen zuerst abfeuerte. Verglichen mit dem britischen Film Threads, war der Film vergleichsweise optimistisch, weil einige Menschen den Atomkrieg überlebten.

Die Premiere des Films hatte damals eine sehr große Wirkung weltweit. Er wurde in einer Zeit ausgestrahlt, wo die Menschen ohnehin große Angst vor einem Atomkrieg hatten. US-Präsident Ronald Reagan notierte in sein Tagebuch, der Film habe ihn tief deprimiert. Es gibt die Legende, dass der Film Reagans Umdenken veranlasste, danach führte er mit Gorbatschow Abrüstungsgespräche. Nach der Erstausstrahlung gab es TV-Debatten über den Sinn nuklearer Abrüstung oder Aufrüstung, an denen unter anderem Ex-US-Außenminister Henry Kissinger und der Wissenschaftler Carl Sagan teilnahmen. ABC richtete auch Notfall-Hotlines für besorgte Zuschauer ein.

Das Pentagon lehnte eine Unterstützung von „The Day After“ ab. Im Vorfeld des Films hatte es diverse Zensurversuche seitens des Senders gegeben, auch Ronald Reagan schickte angeblich ein Memo an Regisseur Nicholas Meyer, wie er den Film zu schneiden habe. Es wurde im Sender heftig über die Endfassung gestritten. Meyer verließ zwischenzeitlich sogar das Projekt. Wegen dieser Streitigkeiten verzögerte sich die Ausstrahlung um mindestens ein halbes Jahr.

Der Generalstab erhielt ein Screening und soll anschließend wie versteinert gewesen sein, weil er die Darstellung als zutreffend einschätzte. Die New York Post kritisierte Meyer als „Verräter“, der Sender habe 7 Millionen Dollar ausgegeben, um das Land zu entwaffnen. Konservative Aktivisten unterstellten den Machern von „The Day After“, der Film sei als Kampagne für nukleare Abrüstung konzipiert und nicht tragbar. xh (Quellen: Telepolis; Rolling Stone)

Bearbeitungsstand: November 2013

Thermische Strahlung

engl.: thermal radiation

Die erste Wirkung einer Atomexplosion ist ein intensiver Lichtblitz. Dabei steigen die Temperaturen ins Unermessliche. In einem bestimmten Umkreis verdampft alles.

Die Wärmeenergiemenge, die in einer bestimmten Entfernung von der Explosion wahrgenommen wird, hängt von der Sprengkraft der Waffe und den Witterungsbedingungen ab.

Die Hitzestrahlung kann trockene, entflammbare Materialien, z.B. Papier und einige Gewebe, spontan entzünden. Bei der Explosion einer 1-Megatonnen-Bombe verbrennt beispielsweise Papier noch in einem Umkreis von 14 Kilometern.

Die direkte Hitze entfacht nicht nur Brände an Gebäuden und in Wäldern, sondern verursacht auch schwerste Verbrennungen am Menschen, wie in Hiroshima und Nagasaki vielfach dokumentiert:

Die Hitzestrahlung rief einerseits direkte Verbrennungen am Körper hervor und führte andererseits zur Entzündung brennbarer Materialien, die dann indirekt für Verbrennungen verantwortlich waren. Direkte Verbrennungen wurden durch die extrem heiße Infrarotstrahlung aus dem Feuerball der Explosion erzeugt. Die Menschen, die sich direkt im Explosionszentrum aufhielten, verbrannten vollständig und hinterließen auf einzelnen Stellen ‚Schatten’ (weil dort die Hausmauer für kurze Zeit von der Hitzestrahlung ausgespart blieb).

Menschen, die sich in einer Entfernung von bis zu einem Kilometer vom Zentrum im Freien aufgehalten hatten, litten unter schweren Verbrennungen dritten Grades mit Verkohlung der Haut.

Wahrscheinlich trugen alle ungeschützten Personen in einer Entfernung von bis zu vier Kilometer vom Explosionszentrum Verbrennungen unterschiedlicher Schweregrade davon.

Indirekt erlitten Menschen, die sich in Gebäuden in der Nähe der Explosion befanden, Verbrennungen durch heiße Gase, heißen Staub oder brennende Hausbalken, sie waren aber den direkten Wirkungen der Hitzestrahlung nicht ausgesetzt. (Quelle: "Atom", Lehrerdokumentation, Arbeitsgruppe Kinder und atomare Bedrohung, PSR Schweiz)

Bearbeitungsstand: Oktober 2005

siehe auch: Lichtblitz
siehe auch: MT (Megatonne)
siehe auch: Sprengkraft

Thermonukleare Bombe

Nukleare Waffen sind der Oberbegriff für alle Waffen, die Kernenergie zur Zerstörung nutzen, sei es durch Spaltung (Fission) oder Verschmelzung (Fusion) von Atomkernen. Die Thermonuklearen Waffen sind die Weiterentwicklung aus der „normalen” Atombombe, sie sind durchweg mehrstufig und der Fissionssprengkopf dient als „Zünder” für eine Kernfusion, da thermonukleare Reaktionen nur bei sehr hohen Temperaturen ablaufen. Dabei verschmelzen zwei Kerne ineinander und bilden einen neuen Kern, wobei große Mengen Energie frei werden. Wenn die Implosionszündung detoniert, wird der mit Schaumkunststoff gefüllte Raum mit Röntgenstrahlen (also energiereichen Photonen) überflutet. So wird der Zylinder mit dem Fusionsmaterial stark erhitzt. Durch den entstehenden Druck wird der Zylinder implodiert, wodurch der Plutonium-Kern den kritischen Zustand erreicht und detoniert. Der sich weiter aufbauende Druck und die enorme Hitze setzen schließlich den thermonuklearen Prozess in Gang.

Dieses Verfahren wurde in der ersten jemals explodierten Wasserstoffbombe (Ivy Mike) eingesetzt. Die 1952 getestete Bombe wog 65t und war daher noch nicht abwurffähig. 1954 aber wurde eine nach demselben Prinzip gebaute Bombe (Castle-Bravo) über dem Eniwetok-Atoll abgeworfen. (Quelle: Donati: »ChemGlobe-Atomwaffen«)

Die größten Wasserstoffbomben im US-Arsenal waren Bomben mit einer Sprengkraft von jeweils 24 Megatonnen, die nie in ihrer vollen Stärke getestet wurden. Die Mark-21 gehörte nur von 1955 bis 1957 zum Bestand; das Nachfolgemodell Mark-36 war von 1956 bis 1962 in Verwendung. Auf dem Reißbrett wurden noch stärkere Kaliber erdacht: So plante die US-Regierung zeitweilig die Entwicklung einer 200 Megatonnen-Bombe, die von einem ferngesteuerten Bomber QB-52 Stratofortress abgeworfen werden sollte. Den Rekord hält der Ingenieur Bruno Augenstein von der amerikanischen RAND Corporation in Kalifornien. Er schlug den Bau einer Bombe mit einer Sprengkraft von 1 Gigatonne (1000 Megatonnen) vor. Auch spezielle Wasserstoffbomben mit einem Mantel aus Kobalt wurden vorgeschlagen. Kobalt-60 ist ein enorm starker Gammastrahler. Mit einer einzigen Kobaltbombe ließe sich die gesamte Erdatmosphäre über Jahre hinweg verstrahlen. Durch Zündung einer Wasserstoffbombe über der Arktis würde die polare Eiskappe schmelzen und eine riesige Welle freisetzen, die zahlreiche Länder überfluten würde. Auch ließe sich durch die Detonation mehrerer Wasserstoffbomben vor der kalifornischen Küste eine Tsunami-Welle auslösen, die den Westen der USA bis zu den Rocky Mountains überschwemmen würde. (Quelle: Gerhard Piper in antimilitarismus information (ami) 10/2002, S. 18-23)

Bearbeitungsstand: August 2012

siehe auch: Eniwetok-Atoll
siehe auch: Ivy Mike

Thor-Rakete

engl.: Thor missile

US-amerikanische ballistische Flugkörper mittlerer Reichweite der frühen 1960er Jahre. Drei NATO-Länder erklärten sich bereit, die Waffensysteme zu stationieren. Großbritannien installierte insgesamt 60 Thor-Flugkörper auf Stützpunkten der Royal Air Force. In Italien und der Türkei wurden jeweils 30 Thor-Flugkörper und 15 Jupiter-Flugkörper stationiert. Die USA behielten die Verfügungsgewalt über die insgesamt 150 in Europa stationierten Systeme.

Die Flugkörper wurden mit Flüssigtreibstoff angetrieben, was eine lange Reaktionszeit bedeutete. Zudem war das Trägheitslenksystem nicht genau genug, um Schläge gegen kleinere militärische Ziele damit führen zu können. Deshalb wurden Gefechtsköpfe im Megatonnen (MT)-Bereich verwendet. Die Zielplanung richtete sich hauptsächlich gegen Städte und Industrieanlagen. Die Reichweite betrug maximal 2400 km, weit genug, um Moskau und andere wichtige sowjetische Städte bedrohen zu können. Die in ortsfesten, ebenerdigen Stellungen installierten Flugkörper waren leicht verwundbar. Die Härtung der Stellungen wurde wegen der hohen Kosten verworfen, zumal sich die Stationierung dadurch verzögert hätte. Deshalb waren die Thor und Jupiter Flugkörper ausschließlich für einen Erstschlag geeignet. 1964 wurden Jupiter und Thor aus Europa abgezogen. (Neuman: Kernwaffen in Europa, Bonn 1982, S. 134f).

Bearbeitungsstand: Januar 2006

siehe auch: Erstschlag
siehe auch: MT (Megatonne)

Threshold Test Ban Treaty (TTBT)

Der Vertrag zur Begrenzung der atomaren Unterwassertests (Threshold Test Ban Treaty) wurde im Juli 1974 von den USA und Der Sowjetunion unterzeichnet. Darin einigten sich die beiden Vertragsparteien zukünftig keine atomaren Unterwassertests mit einer Sprengkraft von über 150 KT durchzuführen. Der Vertrag war insofern von großer Bedeutung, als in den 1960er Jahren beide Vertragsparteien zahlreiche Unterwassertests mit Sprengkraftwerten bis in den Megatonnenbereich durchgeführt hatten. (LL)

Bearbeitungsstand: Februar 2013

Vertragstext siehe: www.armscontrol.org/documents/ttbt

Thule-Luftwaffenstützpunkt

engl.: Thule Air Force base

engl.: Thule Air Force base
Die USA errichteten im Zweiten Weltkrieg einen Luftwaffenstützpunkt an der Nordwestküste Grönlands. 1951 schlossen die USA und Dänemark einen Vertrag über die gemeinsame Verteidigung der Insel - ohne die Grönländer zu fragen. Stillschweigend und ohne Information der Insulaner tolerierte Kopenhagen, dass die USA in Thule Atomwaffen stationierten. In der North Star Bay wurde eine Stadt (Thule Airbase) mitten in der Arktis errichtet, strategisch von ungeheurem Wert. Via Nordpol ließ sich von Thule jeder Punkt der Sowjetunion, Japans und Zentralasiens mit Interkontinentalraketen erreichen. Riesige unterirdische Hangars entstanden, zahlreiche Raketenabschussrampen, die von oben kaum als solche erkennbar sind. Thule Airbase war Teil des US-amerikanischen Raketenfrühwarnsystems. Mit einer hohen Radaranlage ließ sich von hier aus in der Vorsatellitenzeit der Luftraum Russlands bis zur Ukraine überwachen. Die B-52 Bomber, die in den sechziger Jahren rund um die Uhr in der Luft waren, um einen nuklearen Erstschlag abzuwehren, wurden unter anderem hier betankt und gewartet. Während des Koreakrieges flog man via Pol die verletzten US-Soldaten ein, um sie hier zu versorgen und die Verluste vor der Heimat zu verbergen. (Quelle: Tourism Watch) Der Absturz eines mit Atomwaffen bestückten B-52 Bombers über Grönland verseuchte große Landflächen und die umliegenden Gewässer mit radioaktivem Plutonium. Anwohner sowie Rettungs- und Dekontaminationsmannschaften wurden hohen Strahlendosen ausgesetzt.

Hintergrund
Am 21. Januar 1968 startete ein US-amerikanischer B-52 Bomber in New York auf Patrouillenflug rund um Grönland, bewaffnet mit vier Wasserstoffbomben. In den 1960er Jahren waren im Rahmen der Operation 'Chrome Dome' täglich rund um die Uhr bis zu zwölf atomar bewaffneten US-Bombern in der Luft, um im Falle eines atomaren Erstschlags der Sowjetunion zurückschlagen zu können. An diesem Tag begann es jedoch sechs Stunden nach dem Start in der Kabine des Flugzeugs zu brennen. Die Besatzung war gezwungen, das Flugzeug per Schleudersitz zu evakuieren und die Maschine stürzte auf das grönländische Eis, etwa 13 km südlich der US-Luftwaffenbasis Thule. Ein Besatzungsmitglied starb bei dem Absturz, die anderen sechs überlebten. Durch glückliche Fügung kam es beim Absturz der Wasserstoffbomben nicht zu einer atomaren Kettenreaktion. Allerdings explodierte der nicht-atomare Sprengstoff und führte zur großflächigen Verseuchung von etwa 7,68 km² des umliegenden Geländes mit ca. zehn TBq radioaktivem Plutonium (Tera = Billion) sowie Uran, Americium und Tritium. Einige Eisschollen sanken unter dem Gewicht der radioaktiven Stoffe und nahmen die strahlenden Partikel mit auf den Meeresboden. Man schätzt, dass insgesamt etwa fünf GBq (Giga = Milliarde) radioaktives Plutonium in die umliegenden Gewässer gelangten. Eine radioaktive Wolke driftete zudem vom Unglücksort nach Süden ab und verseuchte die Region rund um das etwa sieben km entfernt liegende Dorf Narssarssuk. Der Vorfall wurde als 'broken arrow' bezeichnet, ein Begriff des US-Militärs für den Unfall oder Verlust einer Atomwaffe. Grönland ist völkerrechtlich Teil Dänemarks, welches sich offiziell zur atomwaffenfreien Zone erklärt hatte. Nach Großdemonstrationen der Bevölkerung reagierte die dänische Regierung auf die radioaktive Verseuchung schließlich mit einer Protestnote an die USA.

Folgen für Umwelt und Gesundheit
Unmittelbar nach dem Unglück wurden Fischerei und Jagen in der Region verboten. Mehrere Studien wurden in den folgenden Jahren durch dänische und US-amerikanische Forscher durchgeführt und zeigten deutlich erhöhte Plutoniumkonzentrationen im Packeis, in den umliegenden Gewässern, in Meeresbodenproben sowie in Algen im Umkreis von bis zu 17 km um die Unfallstelle.
Unter dem Code-Namen 'Crested Ice' wurden großflächige Dekontaminationsmaßnahmen veranlasst. Am Ende konnten laut Angaben der USA ca. 90% des Plutoniums entfernt und als Strahlenmüll in die USA zurück gebracht werden. Schätzungsweise ein TBq Plutonium verblieb so im Meer und Eis rund um Thule. Plutonium ist ein hochgiftiges Schwermetall, welches nach Inhalation oder Aufnahme weniger Mikrogramm mit der Nahrung zu schweren Nierenschäden führen und Leber- oder Lungenkrebs verursachen kann. Die Aufnahme von Plutonium durch die Nahrung ist ein relevantes Gesundheitsrisiko für die indigenen Inuit in der Region rund um Thule geworden, da deren Ernährung vor allem aus Fisch und Meeressäugern besteht, deren Fleisch durch das Plutonium kontaminiert wurde. Vor allem die Bewohner nahe gelegener Siedlungen wie Narssarssuk sind betroffen. Epidemiologische Studien ihres Gesundheitszustandes wurden jedoch nie veröffentlicht. Die dänischen Aufräum- und Dekontaminationsarbeiter berichten jedoch von einer erheblichen Rate an Krebserkrankungen und Todesfällen unter ihren Kollegen. Bei einer Erhebung aus dem Jahr 1995 wurden in einer Stichprobe von 1.500 Arbeitskräften 410 Todesfälle durch Krebserkrankungen gefunden. Ähnliche Studien wurden an den US-amerikanischen Arbeitern nie durchgeführt, obwohl sie dem radioaktiven Material stärker ausgesetzt waren als ihre dänischen Kollegen.

Ausblick
Nach den Unfällen bei Palomares und Thule wurden die regulären Patrouillenflüge mit Atomwaffen 1968 eingestellt. Im Jahr 1996 stimmte die dänische Regierung einer Entschädigung für die an der Dekontamination von Thule beteiligten Arbeitern in Höhe von 50.000 Kronen pro Person zu. Im Jahr 2008 veröffentlichte die BBC Forschungsergebnisse, die zeigten, dass eine der vier verlorenen Atombomben vermutlich niemals gefunden oder geborgen wurde. Mehr als vier Jahrzehnte nach dem Unfall sind immer noch nicht alle Unterlagen über den Vorfall freigegeben. Auch wurden keine epidemiologischen Untersuchungen durchgeführt, die die gesundheitlichen Folgen der radioaktiven Verseuchung für die Lokalbevölkerung oder die US-amerikanischen Arbeiter analysieren. Auch diese Menschen sind Hibakusha – Opfer von Atomwaffen.
(Quelle: Ausstellung „Hibakusha weltweit“)
Bearbeitungsstand: März 2014

Tightrope

US-Atomtest

Der letzte Atomtest der Testserie “Operation Fishbowl” wurde am 4. November 1962 um 9.30 Uhr Ortszeit südwestlich von der Johnstoninsel durchgeführt.  Hierzu war eine W31-Bombe auf eine Nike-Hercules-Rakete montiert worden.

Die Bezeichnung „Operation Fishbowl“ stand für eine Serie von Atomtests in weltraumnahen Luftschichten. Die Höhe der Detonation der Tightrope-Bombe war im Vergleich zu anderen Tests der Serie relativ gering, nur 23.000 m. Die Sprengkraft soll weniger als 20 kt betragen haben, vielleicht sogar nur 10 kt.

Gleichzeitig mit der Bombe wurden sieben Raketen mit Messinstrumenten von der Johnstoninsel gestartet, um den Test zu untersuchen.

Tightrope gilt als der letzte oberirdische Atomtest der USA. Weitere Dispersionstests mit Plutonium fanden im Rahmen der „Operation Roller Coaster“ ebenfalls oberirdisch statt, hatten aber keine Sprengkraft (zero-yield). Spätere unterirdische Tests haben manchmal unbeabsichtigt die Erdoberfläche durchbrochen und Krater verursacht.

Bearbeitungsstand: Oktober 2012

Siehe auch: Johnston Atoll
siehe auch: KT (Kilotonne)
siehe auch: Nike-Hercules
siehe auch: Sprengkraft

Titan-II-Rakete

engl.: Titan II missile

Start einer Titan-II-Rakete, Foto: USAF

Die Titan-II war eine landgestützten strategischen Interkontinentalrakete.  Von 1963 bis 1987 gehörte sie zum ständig einsatzbereiten Nuklearwaffenarsenal der USA. Sie wurde aus verbunkerten Silos heraus gestartet. Der verwendete Sprengkopf vom Typ MK-6/W53 verfügte über eine außergewöhnliche hohe Sprengkraft von ca. 9 Megatonnen. Vorrangige Ziele waren besonders gehärtete oder verbunkerte militärische Einrichtungen oder kriegswichtige Anlagen in der Sowjetunion. In den 1970er Jahren wurde maximal 54 Titan-Raketen für den Einsatz bereit gehalten. In den 1980er Jahren verfügten die Abschussbasen in Arizona, Arkansas und Kansas noch über insgesamt 37 einsatzbereite Systeme.

Schon während der 1960 Jahre wurde die Titan-Rakete auch von der NASA genutzt, um militärische und zivile Satelliten in den Weltraum zu schießen. Die letzte Titan-II transportierte 2003 einen militärischen Wettersatelliten ins All. (LL)

Bearbeitungsstand: November 2009

siehe auch: Interkontinentalrakete
siehe auch: MT (Megatonne)

Tlatelolco-Vertrag

Der Vertrag von Tlatelolco verbietet das Testen, das Stationieren, den Besitz sowie die Herstellung von Atomwaffen in der Karibik und Lateinamerika. Er wurde am 14. Februar 1967 in Tlatelolco, einem Stadtteil von Mexiko-Stadt, unterzeichnet und ist am 25. April 1969 in Kraft getreten. Damit wurde er zum ersten Vertrag, der eine bewohnte Region zur atomwaffenfreien Zone erklärt.

Maßgeblich vorangetrieben hatten den Vertrag der UN-Abrüstungsbotschafter für Mexiko Alfonso García Robles und die schwedische Botschafterin und Parlamentarierin Alva Myrdal. Dafür erhielten sie 1982 den Friedensnobelpreis.

Alle 33 Staaten Lateinamerikas und der Karibik haben den Tlatelolco-Vertrag ratifiziert, zuletzt Kuba am 22. Oktober 2002. Es gibt zwei Zusatzvereinbarungen: die erste bindet die USA, Großbritannien und die Niederlande, die Überseeterritorien in der Region besitzen, an den Vertrag. Die zweite verbietet der USA, Frankreich, Großbritannien, der Volksrepublik China und Russland, den Vertrag zu unterlaufen.

OPANAL (Organismo para la Proscripción de las Armas Nucleares en la América Latina y el Caribe) ist eine zwischenstaatliche Organisation. Ihre Gründung war im Vertrag festgeschrieben und ihr Zweck ist, die Umsetzung des Vertrags zu gewährleisten. Sie organisiert regelmäßige Konferenzen für die Vertragsparteien. Alle zwei Jahre gibt es eine Generalversammlung, die den Rat und den Generalsekretär wählt. Der Rat besteht aus fünf Mitgliedsstaaten, die für vier Jahren gewählt werden. Aktuell sind das Argentinien, Bolivien, Brazilien, Chile und Mexiko

» Im Wortlaut (PDF) aus dem Archiv der Blätter für deutsche und internationale Politik

» Mehr Informationen zu atomwaffenfreien Zonen

Bearbeitungsstand: Februar 2009

TMD

Theater Missile Defense

Mobile Raketenabwehrsysteme mit begrenzter Kapazität, die insbesondere für Kriegsschauplätze gedacht sind, nennt man auch »Theater Missile Defense« (TMD).

Die unter Präsident Clinton in der Entwicklung befindlichen Gefechtsfeld-Raketenabwehrsysteme TMD hatten zunächst den Zweck, Truppen und wichtige Einrichtungen bei »Out of Area«-Einsätzen oder Flottenverbände vor Angriffen mit Kurzstreckenraketen zu schützen, da sie nur einen begrenzten Bereich abdecken können. Vor dem Hintergrund neuer Raketenprogramme im Irak, Nordkorea, Pakistan und Iran wurden die Ressourcen auf die Abwehr von Kurz- und Mittelstreckenraketen TMD konzentriert.

Die geplante TMD-Abfangtechnik fußt auf vorhandenen, konventionellen Technologien. Die ersten Testflüge, die nicht unter realistischen, sondern unter extrem günstigen Bedingungen stattfanden, zeigten keinen überzeugenden Durchbruch. Bisher gelang es nicht, eine effektive Verteidigungskapazität mit hoher Zuverlässigkeit zu entwickeln. Das Endphasenabwehrsystem Patriot ist zwar stationiert, versagte im Golf-Krieg jedoch. (Quelle: armscontrol.de)

Bearbeitungsstand: September 2007

Siehe auch: Kurzstreckenrakete

TNF

engl.: Theatre Nuclear Forces

Der deutsche Begriff für TNF lautet »Nuklearkräfte in und für Europa«. Damit wird eindeutig auf die Landzielorientierung und auf den Kriegsschauplatz Europa hingewiesen, für den die TNF-Systeme vorgesehen waren. Die Formulierung »in und für Europa« weist ferner darauf hin, dass nicht nur in Europa stationierte Nuklearwaffen zu den TNF-Systemen gehörten. Es wurde außerdem unterschieden zwischen TNF kurzer Reichweite bis 100 km (SRTNF), TNF mittlerer Reichweite bis 1000 km (MRTNF) und TNF großer Reichweite über 1000 km (LRTNF). (Dieter S. Lutz: Weltkrieg wider Willen?, Hamburg 1981, S. 370.)

Bearbeitungsstand: September 2007

TNT (Trinitrotoluol)

engl.: TNT (Trinitrotoluene)

TNT ist einer der wichtigsten militärischen Sprengstoffe und hat eine Detonationsgeschwindigkeit von 6900 m/s. Verwendung findet es sowohl im militärischen als auch im gewerblichen Bereich als Sicherheitssprengstoff, der nur durch Initialzündung (z.B. mittels Sprengkapsel) zum Detonieren gebracht werden kann. Gegossenes TNT benötigt zur sicheren Zündung sogar eine Verstärkerladung, einen sog. Booster.

Aufgrund der hohen Herstellungskosten (ca. das 20fache gewerblicher Sprengstoffe) ist sein Haupteinsatzgebiet jedoch vornehmlich der militärische Bereich, in dem es als Treibladung von Geschossen sowie in Granaten und Bomben zum Einsatz kommt.

Die häufig im Zusammenhang mit atomaren Explosionen verwendete Einheit TNT-Äquivalent basiert hingegen auf der Kalorie und ist definiert durch:
1 KT (Kilotonne TNT) = 1012 cal = 4.184•1012 Joule.

Die Einheiten Megatonne (MT) und Gigatonne (GT) sind analog definiert. Durch die Großschreibung soll die Verwechslung mit der Masseneinheit Kilotonne verhindert werden. (Quelle: Bertha-Krupp-Realschule: Sprengstoffe)

Bearbeitungsstand: November 2005

siehe auch: KT (Kilotonne)
siehe auch: MT (Megatonne)

Tomahawk-Marschflugkörper

engl.: Tomahawk cruise missile

Die US-amerikanischen Tomahawk-Marschflugkörper (BGM-109) werden von Kriegsschiffen oder U-Booten hauptsächlich gegen Landziele eingesetzt.
Sie gehören zu den amerikanischen Erstschlagswaffen und übernehmen zumindest teilweise die Aufgaben von Bombenflugzeugen. Ohne das Risiko, Piloten oder Flugzeuge zu verlieren, können sie tief in das Territorium eindringen, Bunker, Radaranlagen oder Kommandoposten zerstören und die gegnerische Infrastruktur schwächen.

Diese Marschflugkörper (Cruise Missiles) sind keine Raketen, sondern kleine düsengetriebene "Flugzeuge" ohne menschliche Piloten. Sie wiegen mehr als eine Tonne, sind ungefähr 5,5 Meter lang und sollen bei einer Reichweite von 450 bis 2800 Kilometern ihre Ziele auf dem Land oder auf See sehr präzise treffen. Je nach Ausführung kostet ein Marschflugkörper zwischen 600.000 und einer Million US-Dollar. Tomahawks können mit konventionellen oder atomaren Sprengköpfen bestückt werden.

Da diese Marschflugkörper in der geringen Höhe von 30 bis 90 Metern fliegen und dabei auch Hindernissen ausweichen können, sind sie kaum auf dem Radar zu erkennen. Außerdem strahlen die Triebwerke nur sehr wenig Wärme aus, was die Ortung weiter erschwert.

Seit 2004 kommt eine neue Version namens Tactical Tomahawk zum Einsatz, die noch im Flug auf ein anderes Ziel umprogrammiert werden oder auf eines von bis zu 15 eingespeicherten Alternativ-Zielen ausweichen kann. Um eine entsprechende Entscheidung möglich zu machen, tragen sie eine Kamera, die dem Einsatzoffizier das Zielgebiet zeigt. Außerdem sind sie in der Lage, mehrere Stunden über einem Zielgebiet zu kreisen.

Im Rahmen des NATO-Doppelbeschlusses war die Version BGM-109G Gryphon Ground-Launched Cruise Missile mit einem W84 thermonuklearen Sprengkopf von 200kT in Dienst gestellt worden. Als Abschussrampe diente ein MAN-Lastwagen. Das System wurde 1987 durch den INF-Vertrag deaktiviert.
Der erste massive Einsatz von Tomahawks fand 1991 im Zweiten Golfkrieg (Operation Wüstensturm) statt. Laut Berichten der United States Navy wurden dabei 297 Tomahawks gestartet wovon 242 ihr Ziel trafen. Seit 1997 setzt neben den USA auch Großbritannien Tomahawks in größerer Anzahl ein.
(Quelle: militaer/wisotoday.de, nicht mehr online)

Bearbeitungsstand: August 2005

siehe auch: Cruise Missile
siehe auch: INF-Vertrag
siehe auch: Marschflugkörper
siehe auch: NATO-Doppelbeschluss
siehe auch: Taktische Atomwaffen

Tomsk 7

Die Explosion der Atomanlage in Tomsk-7 führte zur radioaktiven Verseuchung einer Fläche von ca. 89 km², setzte Zehntausende Menschen einer erhöhten Strahlenbelastung aus und kontaminierte Luft, Wasser und Böden für viele Generationen. Diese Katastrophe ist vermutlich der folgenschwerste Atomunfall der Sowjetunion nach Tschernobyl und Majak.

Hintergrund
Bis in die 1990er Jahre beheimatete die westsibirische Stadt Tomsk-7, heute bekannt unter dem Namen Seversk, mehrere Anlagen zur Urananreicherung und Herstellung von Plutonium für russische Atombomben und zivile Atomreaktoren. Außerdem wurden abgebrannte Brennstäbe wieder aufbereitet. In der Stadt lebten etwa 100.000 Bedienstete und ihre Familien. Am 6. April 1993 ereignete sich in Tomsk-7 einer der folgenschwersten Unfälle der russischen Atomindustrie. An diesem Tag füllten Angestellte einen Atommülltank mit Salpetersäure, um Plutonium aus verbrauchten Brennstäben heraus zu trennen. Die genauen Gründe für den Unfall sind bis heute nicht vollständig geklärt, aber es wird vermutet, dass Unachtsamkeit der Belegschaft und das Nachgeben eines verschlossenen Abschlussventils dazu führten, dass innerhalb weniger Minuten die Mischung aus Salpetersäure, Uran und Plutonium kritische Temperaturen erreichte. Die darauf folgende Explosion zerstörte den größten Teil der Anlage und setzte ca. 250 m³ radioaktives Gas, 8,7 kg Uran und 500 g Plutonium in die Umgebung frei.
Die Gesamtmenge der ausgetretenen radioaktiven Partikel wird auf ca. 30 Tbq β - und γ-Strahlern beziffert (Tera = Billion), sowie ca. 6 GBq Plutonium-239 (Giga = Milliarde). 1.500 m² rund um die Anlage wurden schwer kontaminiert, doch insgesamt wurde eine Fläche von etwa 89 km² verseucht, da diese von radioaktivem Niederschlag betroffen war.
Die Explosion in Tomsk-7 wurde an Hand der Internationalen Bewertungsskala auf Stufe 4 eingeordnet – ähnlich hoch also, wie die Atomkatastrophe der Atomanlage Tōkai-mura 1999 in Japan.


Folgen für Umwelt und Gesundheit
Der Schnee, der über den Dörfern Nadezhda und Georgievka fiel, war radioaktiv belastet und so ergaben sich dort sogenannte 'hot spots' mit erhöhter Radioaktivität von bis zu 30 μGy/h (etwa 100-mal mehr als die normale Hintergrundstrahlung). In den verseuchten Böden wurde ein signifikanter Anstieg von langlebigen Radioisotopen wie Cäsium-137 und Strontium-90 gemessen. Cäsium -137 kann, wenn es über Nahrung, Wasser oder die Atemwege aufgenommen wird, solide Tumore und auch Gendefekte bei folgenden Gene rationen verursachen, während Strontium-90 zu Leukämie führen kann. Im Rahmen der Aufräumarbeiten wurde mit Unterstützung aus dem Ausland ca. 577 g Plutonium vom Gelände der Anlage entfernt. Bemerkenswert dabei ist, dass die Menge an Plutonium, die sich im explodierten Tank befand, mit lediglich 450 g angegeben wurde, so dass es nahe liegt, dass es schon vor dem Unglück Austritte von Plutonium in die Umgebung gegeben haben muss. In Schneeproben wurden noch Monate nach der Explosion erhöhte Werte der radioaktiven Stoffe Plutonium, Uran, Zirkonium, Ruthenium, Cerium, Niob und Antimon gemessen. Diese stellen für die Bevölkerung eine kontinuierliche Strahlenbelastung dar.
Die Bellona Stiftung, eine norwegische Umweltorganisation, zählte insgesamt 30 Unfälle in der Atomanlage von Tomsk-7 und schätzt, dass pro Jahr etwa 10 g Plutonium in die Atmosphäre ausgetreten sein müssen. Außerdem dokumentierte sie große Mengen an radioaktivem Abfall, die sich während der 50-jährigen Betriebszeit der Anlage auf dem Gelände angesammelt hatten. In unterirdische Depots gekippt oder in maroden Auffangbecken unter freiem Himmel liegend, stellen die radioaktiven Hinterlassenschaften der Atomindustrie bis heute eine akute Bedrohung für die örtliche Bevölkerung dar.  2008 wurden in einer Studie sowohl in Boden- als auch in Wasserproben erhöhte Belastungen mit Plutonium und Cäsium-137 nachgewiesen – vermutlich ein Hinweis auf weitere Lecks.


Ausblick
Dank des Abkommens zur Beendigung der militärischen Plutoniumproduktion zwischen Russland und den USA wurden im Juni 2008 einige Reaktoren in Tomsk-7 stillgelegt. Die Wiederaufbereitung von abgebrannten Brennstäben und die Deponierung von radioaktivem Abfall auf dem Gelände des heutigen Sibirischen Chemikalien Kombinats wird allerdings weiter fortgesetzt. Trotz erhöhter Konzentrationen von Plutonium, Strontium, Cäsium und anderer radioaktiver Substanzen in Boden und Wasser wurden keine aussagekräftigen medizinischen Studien in der Lokalbevölkerung durchgeführt. 2001 entschied das Verwaltungsgericht von Tomsk zugunsten verstrahlter Anwohner des Ortes Georgievka, die gegen das Sibirische Chemikalien Kombinat in Tomsk-7 geklagt hatten. Das Kombinat ist nun verpflichtet, jedem Kläger eine Entschädigung in Höhe von umgerechnet 860 US-Dollar zu zahlen. Während der laufenden Gerichtsverhandlungen sind laut der Bellona Stiftung 14 der 26 Klägern gestorben. Auch sie und die anderen Geschädigten durch die Radioaktivität von Tomsk-7 sind Hibakusha. Auch ihre Gesundheit wurde der Atomindustrie und der Produktion von Nuklearwaffen untergeordnet. (Quelle: Ausstellung „Hibakusha weltweit“)
Bearbeitungsstand: April 2014

Topol

Russischer Raketentyp

Topol-M Raketensystem auf Siegesparade in Moskau 2013. Foto: Vitaly V. Kuzmin

Topol (SS-25)

Die SS-25 Topol wurde als kostengünstiges, mobiles und schwer lokalisierbares ICBM-System konzipiert. Im Jahre 1977 begann man mit der Systementwicklung. Da der SALT-II-Vertrag eine Neukonstruktion von ICBMs verbot, deklarierte die Sowjetunion das SS-25 System als eine Weiterentwicklung der SS-13 Savage. Aus Kostengründen griffen die Entwickler auf den Entwurf der SS-16 Sinner zurück. Die SS-25 verwendet u.a. die ersten beiden Raketenstufen der SS-16, ist aber mit einem neu entwickelten Post Boost Vehicle (PBV) bestückt. Das neue PBV enthält eine neu entwickelte Navigations- und Steuereinheit sowie einen neu konstruierten Nuklearsprengkopf. Es wurden zwei unterschiedliche Versionen entwickelt, eine stationäre, silogebundene Ausführung und eine mobile, fahrzeuggebundene Ausführung (Topol-M).

Technik
Die ersten SS-25 wurden ab dem Jahre 1988 bei den sowjetischen Raketentruppen eingeführt. Die Lenkwaffen sind an neun verschiedenen Orten in ehemaligen SS-13, SS-17 und SS-20 Silos stationiert. Das mobile System ist auf einem geländegängigen LKW untergebracht und verlegbar.

Die SS-25 verwendet einen dreistufigen Raketenmotor, der anders als frühere ICBMs mit Feststoff arbeitet. Erst damit ist der Einsatz und Start unabhängig von einer permanenten Basis möglich, die bei Flüssigbrennstoff unabdingbar war.

Mit dem mobilen System können die Raketen direkt in der Basis, auf der Straße oder irgendwo im Gelände gestartet werden. Das mobile System ist schnell verlegbar und schwierig zu lokalisieren. Somit ist eine präventive Zerstörung nur schwierig realisierbar.

Es wird eine minimale Reaktionszeit von wenigen Minuten erreicht. Die Rakete ist mit einem nuklearen Sprengkopf mit einer Sprengkraft von 550 Kilotonnen (KT) bestückt. Die Steuerung erfolgt mittels einer inertialen Trägheitsnavigations-Plattform. Mit diesem System wird eine Treffgenauigkeit (CEP) von 200-500 m erreicht (je nach Schussdistanz).

Um Abwehrmaßnamen durch Abfangraketen zu erschweren, werden mit dem loslösen des Sprengkopfes auch drei Täuschkörper freigesetzt. Mit der SS-25 lassen sich sämtliche strategischen Ziele, wie gehärtete Raketensilos und unterirdische Kommandobunker, bekämpfen. Insgesamt wurden 360 Systeme hergestellt. Mittlerweile haben die Lenkwaffen das Ende ihrer Lebenszeit erreicht. Es war geplant, sämtliche Systeme bis zum Jahr 2010 auszumustern.

Topol-M (SS-27)
Die SS-27 ist eine Weiterentwicklung der SS-25. Das System entstand als Reaktion auf die US-amerikanischen Pläne zum Aufbau eines Raketenabwehrschildes (NMD). Im Jahre 1991 begann man mit der Systementwicklung. Die SS-27 wurde erstmals mit zwei Raketen im Dezember 1997 bei den russischen Streitkräften im Gebiet Saratow eingeführt. Die neue Variante mit der mobilen Abschussrampe wurde im Dezember 2006 eingeführt.

Technik
Die SS-27 benutzt wie bei der SS-25 einen dreistufigen Raketenmotor, der anders als frühere ICBMs mit Feststoff angetrieben wird. 

Das mobile System ist auf einem geländegängigen LKW untergebracht und damit schnell verlegbar und schwierig zu lokalisieren; eine präventive Zerstörung ist demnach nicht zuverlässig möglich. Jedes Fahrzeug ist mit einem Flugkörper bestückt.

Die Rakete ist mit einem nuklearen MARV-Sprengkopf mit einer Sprengkraft von 550 KT ausgestattet. Die Steuerung erfolgt mittels einer Trägheitsnavigations-Plattform sowie eines Satellitennavigationssystem. Mit diesen beiden Systemen soll eine Treffergenauigkeit (CEP) unter 350 m erreichbar sein. Der Gefechtskopf der Rakete ist in der Lage, nach dem Start von einer ballistischen in eine semiballistische Flugbahn zu wechseln; dadurch ist es Raketenabwehrsystemen nur sehr schwer möglich, den Flugkörper zu zerstören.

Mit der SS-27 sollen sich sämtliche strategische Ziele, wie gehärtete Raketensilos und unterirdische Kommandobunker, bekämpfen lassen. Im August 2006 verfügten die russischen Streitkräfte über 42 SS-27 Systeme in fünf Regimentern der Strategischen Raketentruppen. Es ist geplant, bis zum Jahr 2015 insgesamt 70 Systeme zu beschaffen, um die älteren SS-18 Raketen vollständig abzulösen. (Quellen: Apel u.a., Hrsg.: Sicherheitspolitik contra Frieden?, Bonn 1981, S. 218f.; globalsecurity.org; JANE'S STRATEGIC WEAPON SYSTEMS Edition 2005 Jane's Verlag; Neuman: Kernwaffen in Europa, Bonn 1982, S. 126-131; Russian Strategic Nuclear Forces by Frank von Hippel, Pavel Podvig)

Bearbeitungsstand: Januar 2014

»Weitere Informationen zu den russischen Atomstreitkräften

siehe auch: Raketenabwehr siehe auch: SS-4 bis SS-27

Tote Hand (Nuklearstrategie)

eng.: dead hand (nuclear strategy)

Während der Zeit des Kalten Krieges wurde in der damaligen Sowjetunion ein Führungssystem für die eigenen Atomstreitkräfte installiert, um im Falle eines durch die USA ausgelösten nuklearen Enthauptungsschlages, noch rechtzeitig einen entsprechenden, automatischen Gegenschlag auslösen zu können. Dieses System erhielt den Decknamen „Tote Hand“. Seine Aufgabe bestand darin, der Armee auch nach einer möglichen Ausschaltung der politischen Führung die Möglichkeit zu einem atomaren Zweitschlag zu erhalten. Zu diesem Zweck entwickelte die Sowjetunion in den 1980er Jahren eine neue Generation U-Boot-gestützter, ballistischer Atomraketen (SLBM). Diese praktisch unverwundbaren Raketensystem zielten primär auf die Bevölkerungszentren in den USA. In Verbindung mit einem guten Radar- und Satellitenüberwachungssystemen reichte eine Vorwarnzeit von ca. 30 Minuten aus, um nach dem Prinzip „Launch-On-Warning“ einen erfolgversprechenden nuklearen Gegenschlag zu starten.

Die erforderlichen Kommandostrukturen befanden sich in unterirdischen Bunkeranlagen im Großraum Moskau. Es gibt nicht bestätigte Hinweise, dass das System „Tote Hand“ auch über das  Ende des Kalten Krieges hinaus einsatzbereit gehalten wurde oder noch wird. (LL)

Bearbeitungsstand: Juni 2012

siehe auch: Kalter Krieg
siehe auch: Launch-On-Warning
siehe auch: Taifun-U-Boot
siehe auch: Zweitschlagfähigkeit

Trägersysteme

engl.: delivery system

Einsatzmittel für Atomwaffen. Trägersysteme für strategische Einsätze sind Interkontinentalraketen, Langstreckenbomber und U-Boote. Trägersysteme für taktische Einsätze sind ballistische Raketen, Kurzstreckenbomber, U-Boote, Marschflugkörper und Artilleriegeschosse. (LL)

Bearbeitungsstand: Juli 2005

siehe auch: Atomwaffe
siehe auch: Ballistische Rakete
siehe auch: Interkontinentalrakete
siehe auch: Marschflugkörper

Trägertechnologie-Kontrollregime

engl.: Missile Technology Control Regime (MTCR)

Das Trägertechnologie-Kontrollregime wurde im April 1987 von den Regierungen der G7 (Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Japan, Kanada, USA.) als Instrument der Exportkontrolle ins Leben gerufen, um die Verbreitung nuklearwaffenfähiger Raketentechnologie zu verhindern. Wie andere Exportkontrollregime auch beruht das MTCR nicht auf einem völkerrechtlichen Vertrag sondern ist ein »gentlemen’s agreement«, das auf der außenpolitischen Selbstbindung der teilnehmenden Regierungen beruht. In den Richtlinien haben diese einander zugesichert, die Weitergabe von Waren und Technologien zu kontrollieren, sofern diese in den Empfängerstaaten zur Herstellung von Trägern von Massenvernichtungswaffen, das heißt ballistischen Raketen, aber auch Marschflugkörpern beitragen können. Nicht genehmigte Lieferungen werden allen anderen Partnern angezeigt. Zur Koordination unter den teilnehmenden Regierungen, insbesondere zur Weitergabe der Informationen über versagte Ausfuhrgenehmigungen ist eine Kontaktstelle im französischen Außenministerium eingerichtet worden.

Den weitestgehenden Beschränkungen sind vollständige Raketensysteme, die eine Nutzlast von mindestens 500 kg über eine Reichweite von mindestens 300 km tragen können, unterworfen (Kategorie I). Für diese Güter ist eine Konsultation mit den Partnerstaaten vor Erteilung einer Genehmigung vorgesehen. Die Kategorie II betrifft Gegenstände von – im Vergleich zur Kategorie I - geringerer Sensitivität. In dieser Kategorie sind Raketensysteme mit Reichweiten von mindestens 300 km unabhängig von ihrer Nutzlast erfasst.

Das Trägertechnologie-Kontrollregime umfasst derzeit die EU-Staaten sowie Argentinien, Australien, Brasilien, Kanada, Tschechien, Ungarn, Island, Japan, Südkorea, Neuseeland, Norwegen, Polen, Russland, Südafrika, die Schweiz, die Türkei, die Ukraine und die Türkei. (Quelle: Deutscher Bundestag, 15. Wahlperiode, Drucksache 15/1104, Jahresabrüstungsbericht 2002, S. 30).

Bearbeitungsstand: September 2007

Siehe auch: Ballistische Rakete
Siehe auch: Marschflugkörper

Trägheitseinschlussfusion

engl.: inertial confinement fusion (ICF)

Zielkammer der National Ignition Facility (NIF) für Fusionsforschung, Foto: Jim Stevens

Hierbei wird eine kleine Kugel mit Fusionsmaterial, insbesondere ein Deuterium-Tritium-Gemisch, mit Hilfe von extrem intensiven Laserstrahlen komprimiert und aufgeheizt. Dabei können die Wasserstoffkerne fusionieren - ein Vorgang, der physikalisch der Explosion einer Wasserstoffbombe entspricht. Die Kernfusion mit dem Laser kann einer Explosion von einigen Kilogramm TNT entsprechen. Ziel dieser Versuche ist es, das physikalische Verhalten der Wasserstoffisotope während der Kernfusion zu untersuchen. Große Laseranlagen sollen in Frankreich (Megajoule, Bordeaux) und Amerika (National Ignition Facility, Livermore) gebaut werden. (XH, August 2000)

Bearbeitungsstand: Mai 2007

Trägheitslenkung

engl.: inertial navigation

Die Trägheit der Masse kann unter anderem zur Ortsbestimmung und Navigation von Flugkörpern (Raketen, Cruise Missiles) benutzt werden. Wenn ein bewegter Körper seine Geschwindigkeit oder Richtung ändert, erzeugt die dazugehörende Beschleunigung an allen seinen Komponenten eine Kraft. Diese kann man mit empfindlichen Sensoren bestimmen und so die Abweichung von der geplanten Flugbahn ständig ermitteln und korrigieren. Mit der Trägheitslenkung (auch INS= inertiales Navigationsystem) kann man, wenn man die Startgeschwindigkeit und den Standort kennt, laufend die aktuelle Position des Flugkörpers im Raum ermitteln.

In der Realität ist die Trägheitslenkung ein kompliziertes Verfahren. Da die Bewegung in drei Dimensionen stattfindet, benötigt man drei Kraftmesser zur Ermittlung von Abweichungen. In der Regel wird dafür eine um zwei Achsen drehbare Plattform verwendet, die mittels rotierender Kreisel in ihrer Richtung raumfest gehalten wird. Da alle Messungen und Korrekturen innerhalb des Flugkörpers erfolgen, kann die Flugbahn nicht durch feindliche Gegenmaßnahmen (z.B. Radar, Funkwellen) beeinflusst werden. Ein weiterer Vorteil besteht darin, dass die Abweichung vom geplanten Zielpunkt (CEP) äußerst gering ist. (LL) (Quelle: Jürgen Altmann: Naturwissenschaft-Rüstung-Frieden, Marburg 2007)

Bearbeitungsstand: Oktober 2008

siehe auch: CEP-Wert

Transurane

engl.: transuranium / transuranic elements

Transurane sind künstlich erzeugte radioaktive Elemente, die auf der Erde sonst nicht vorkommen. Sie haben eine höhere Ordnungszahl als Uran. Nach dem Uran mit der Ordnungszahl 92 beginnt die Reihe der Transurane mit dem Neptunium (Element 93). Neben dem für die Kernspaltung bedeutenden Element Plutonium (94) gehören auch Americium (95), Curium (96), Berkelium (97), Californium (98), Einsteinium (99), Fermium (100), Mendelevium (101) und Nobelium (102) sowie alle weiteren schwereren Elemente zu den Transuranen. (LL)

Bearbeitungsstand: März 2007

TREE-Wirkung

engl.: Transient Radiation Effects on Electronics

Bei Atomdetonationen können in Folge der Anfangsstrahlung TREE-Wirkungen vorübergehende Fehlfunktionen der Elektronik und angeschlossener Systeme bewirken. In analogen Schaltungen werden z.B. Verstärker übersteuert, fallen Regelglieder aus, melden Anzeigekreise Vollausschlag oder Null, sprechen Sicherungselemente an und können Kurzschlüsse auftreten. In digitalen Schaltungen treten Störimpulse auf, die als Schaltbefehle unerwünschte Reaktionen der angeschlossenen elektrischen, hydraulischen oder mechanischen Systeme verursachen. Gespeicherte Daten werden verändert oder gelöscht. Durch die Störströme und die strukturverändernde Wirkung der Neutronenstrahlung sind auch bleibende Schädigungen von Bauelementen, besonders Halbleitern, möglich.

TREE-Wirkungen sind von der Dosierung der Anfangsstrahlung abhängig. Die Elektronik kann auch ausfallen, wenn sie vor der Druckwelle und der thermischen Strahlung, jedoch nicht vor der Anfangsstrahlung geschützt ist. Daher ist die Elektronik in gepanzerten Fahrzeugen besonders gefährdet, vor allem bei kleinen Detonationswerten, bei denen sich Militärfahrzeuge im Bereich sehr hoher Dosisleistung befinden können und dabei äußerlich unbeschädigt bleiben. Je nach Detonationswert und Schutzfaktor sind TREE-Schäden bis zu einer Entfernung von ca. 5000 m vom Nullpunkt (Wirkungsbereich der Anfangsstrahlung) möglich. Einen Schutz durch Behelfsmittel gibt es nicht, jedoch lässt sich durch Auswahl geeigneter Bauelemente und schalttechnischer Vorkehrungen die Empfindlichkeit der verwendeten Elektronik soweit herabsetzen, dass eine begrenzte Härtung aller Teilsysteme erzielt werden kann. (LL)

Bearbeitungsstand: Februar 2008

Siehe auch: Anfangsstrahlung
Siehe auch: Detonationswert
Siehe auch: Nullpunkt

Treffen von Reykjavik

engl.: Reykjavik Summit

Im Oktober 1986 trafen sich der amerikanische Präsident Ronald Reagan und der Generalsekretär der UdSSR Michail Gorbatschow zu Abrüstungsgesprächen in der isländischen Hauptstadt Reykjavik. Das Treffen auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges hat einen legendären Ruf, weil Reagan und Gorbatschow in Reykjavik überraschend über die weitgehende Abschaffung von atomaren Lang- und Mittelstreckenraketen verhandelten. Eine Einigung scheiterte in letzter Minute an Reagans Beharren auf dem SDI- Antiraketen-Projekt der US-Regierung. Dennoch galt das Treffen als Durchbruch für die atomare Abrüstung.

Die Beobachter in Reykjavik und die Kommentatoren in aller Welt waren sich zunächst gar nicht sicher, ob das Treffen nicht vielleicht sogar ein Fehlschlag gewesen war, schließlich hatte es nicht einmal ein gemeinsames Schlusscommuniqué gegeben.

Nach Moskau zurückgekehrt, erklärte Gorbatschow: »Buchstäblich zwei, drei Schritte vor der Fassung von Beschlüssen, die historisch hätten werden können, wurden diese Schritte nicht getan. Die Wende in der Weltgeschichte fand nicht statt, obwohl, ich sage es nochmals, obwohl es möglich war«. Dabei war allein die Tatsache, dass sich Michail Gorbatschow und Ronald Reagan überhaupt trafen, schon ein Erfolg, galt doch der amerikanische Präsident als Kommunistenhasser und als ein ausgewiesener kalter Krieger. Reagans Äußerung, wonach die Sowjetunion das "Reich des Bösen" sei, waren unvergessen. Das gespannte Verhältnis der beiden Staatsmänner war auch ein Grund für die Wahl Reykjaviks als Tagungsort. Beide hatten nicht in das Land des jeweils anderen fahren wollen. Island aber, obwohl NATO-Mitglied, lag wenigstens geographisch etwa in der Mitte, so dass diese Wahl nicht gleich einem Gesichtsverlust des einen oder anderen gleichkam.

Beim Reykjaviker Treffen war es vor allem darum gegangen, dass sich die beiden Politiker näher kennen lernen und Vorbehalte abbauen konnten. Dass und worüber man sich einigen könnte, war nicht vorher festgelegt worden, um keinen zu großen Druck zu erzeugen.

Probleme gab es genug. Da waren auf der einen Seite die SS-20 Raketen Moskaus, Mittelstreckenwaffen, die ganz Westeuropa bedrohten und auf der anderen Seite SDI, die weltraumgestützte Raketenabwehr, die die Amerikaner gerade entwickelten.

Das Problem der Mittelstreckenwaffen war bekannt und im Prinzip verhandelbar. Notfalls würde Moskau seine SS-20 aufstellen, der Westen entsprechend seine Pershing-Raketen, und der Status Quo hätte sich nicht groß geändert. Doch SDI war etwas anderes. Dies war ein rein defensives System, lediglich zur Raketenabwehr entwickelt. Doch ein System, dass es einer Seite erlaubte, der anderen den Einsatz ihrer Waffen unmöglich zu machen, war schließlich auch eine Bedrohung, nicht nur in den Augen der Sowjetmarschälle.

Nach Meinung Reagans scheiterten die Gespräche an der SDI Frage: »Die Sowjetunion bestand darauf, dass wir einen Vertrag unterzeichnen, der mir und den Präsidenten, die nach mir kommen werden, das Recht nähme, eine Abwehr zu entwickeln und zu installieren, die die freie Welt vor Atomwaffenangriffen schützen sollen. Das haben wir nicht getan, und das werden wir nicht tun«! Beim abschließenden Treffen der beiden Staatsmänner schlug Reagen vor, die Entwicklung von SDI für zehn Jahre auszusetzen und verlangte im Gegenzug die komplette Vernichtung aller Raketen aus den jeweiligen Arsenalen beider Nationen.

Obwohl es zu keinem konkreten Ergebnis kam, hatte es in Reykjavik erstmals den ernsthaften Versuch gegeben, den Kalten Krieg zu überwinden. Zum ersten Mal hatten die Führer beider Supermächte öffentlich ihre Bereitschaft erklärt, bereits vorhandene Waffen zu vernichten. Diese Maßnahmen, die später verhandelt und dann tatsächlich durchgeführt wurden, waren der Beginn eines vertrauensvollen Umganges miteinander.

Ohne die "Verständigung von" wäre es beim Zusammenbruch des Warschauer Paktes, mit großer Sicherheit, meistenteils nicht friedlich zugegangen. Auch die deutsche Einheit hätte ohne das Treffen im Oktober 1986 so, wohl nicht stattfinden können. Vor diesem Hintergrund wird die historische Bedeutung des Treffens von Reykjavik deutlich. (Quelle: Kaufmann, Dirk Ulrich: Deutsche Welle, Kalenderblatt)

Bearbeitungsstand: März 2008

siehe auch: Kalter Krieg
siehe auch: Mittelstreckenrakete
siehe auch: SDI

Treffgenauigkeit

engl.: strike accuracy

Abweichung zwischen Ziel und Treffpunkt, die mit dem Abstand zwischen dem Zielpunkt und dem Mittelpunkt der Explosion bezeichnet wird. So hat eine Verdoppelung der Treffgenauigkeit der angreifenden Waffe dieselbe Erhöhung der Zerstörungswahrscheinlichkeit zur Folge wie eine Verachtfachung der Sprengkraft.

Für die militärische Anwendung am wichtigsten ist, dass man bei sehr hohen Treffgenauigkeiten mit kleineren atomaren Ladungen denselben gewünschten Effekt im Ziel erzielen kann. Denn dadurch würden die unerwünschten »Kollateralschäden« – v.a. Opfer in der Zivilgesellschaft – geringer und die Möglichkeit näher rücken, »präzise, selektive Schläge« gegen rein militärische Ziele zu führen. (Quelle: Udo Schelb)

Bearbeitungsstand: Oktober 2008

siehe auch: Kollateralschaden
siehe auch: Sprengkraft

Treysa-Rörshain

ehem. Atomwaffenstandort, Deutschland

Foto: Fuldagap.de

Das Sondermunitionslager Treysa-Rörshain (50°56’24“N 09°14’01“O) befand sich ca. 4 km nordöstlich der Stadt Schwalmstadt-Treysa in Nordhessen. Dort  lagerte die atomare Munition der 2. PzGrenDiv mit Sitz in Kassel. Das waren im Einzelnen die Atomwaffen für das Artillerieregiement 2 in Marburg, dem das FeldArtBtl 21 und das RakArtBtl 22 in Treysa unterstanden. Das FeldArtBtl 21 verfügte über eine Batterie atomwaffenfähiger Panzerhaubitzen M110 vom Kaliber 203 mm. Das RakArtBtl 22 verfügte ab 1960 über  3 Batterien und insgesamt 6 Raketenwerfern der Kurzstreckenrakete "Honest John". Später wurden 2 Raketenwerfer "Honest John" je Bataillon außer Dienst gestellt.
Zusätzlich verfügte Die PzBrig 6 in ihrem Panzerartilleriebataillon 65 in Arolsen-Mengeringhausen über eine Batterie mit atomwaffenfähigen Panzerhaubitzen M 109 vom Kaliber 155 mm.

Eingelagerte Munition
Im Lager Treysa-Rörshain wurde die gesamte atomare Munition der 2. deutschen Panzergrenadierdivision bevorratet. Dabei handelte es sich:

von 1960-1971 um Honest John Gefechtsköpfe vom Typ W-31 mit folgender Sprengkraft: Version Mod.0 Y1: 2KT, Version Mod.0 Y2: 40KT und Version Mod.3 Y3 mit 20KT.

von 1972-1989 um Gefechtsköpfe vom Typ W-48 für die Haubitze 155 mm mit folgender Sprengkraft: Version Mod.0: 72t, Version Mod.1: 72t.

von 1972-1989 um Gefechtsköpfe vom Typ W-29 für die Haubitze 203 mm mit folgender Sprengkraft: Version Mod.0 Y1: 0,1KT, Version Mod.0 Y2: 0,7KT, Version Mod.0 Y3: 1,1KT, Version Mod.1: 0,8KT. Über die Anzahl der eingelagerten atomaren Gefechtsköpfe gibt es keine Angaben. (LL)

Ein Zeitzeuge berichtet über den Wachdienst: „Die Begleitbatterie verfügte über drei Wachzüge. Diese lösten sich im drei Wochenrythmus jeweils donnerstags wie folgt ab: 1 Woche Wach- und Bereitschaftsdienst, 2 Tage Wachfrei, 1 1/2 Wochen Ausbildungsdienst. Der Wachzug im SAS bestand aus einem Wachhabenden, einen Stellvertreter, 12 Wachsoldaten (Postendienst) und 4 Soldaten Funktionsdienst (Fernmeldedienst und Küchendienst). Es befanden sich ständig 4 Soldaten auf Posten, davon einer als MG-Schütze. Die Wachsoldaten wurden alle 15 Minuten durch einen Postenanruf per Telefon kontrolliert. Der Postendienst dauerte in der Regel 2 Stunden, es folgten 4 Stunden Aufenthalt im Wachgebäude. Daraus ergaben sich pro Tag 8 Stunden Postendienst. Die Zeit im Wachgebäude war keine reine Ruhezeit, da täglich Alarmübungen durchgeführt wurden, wobei vorbereitete Alarmstellungen im Sicherheitsbereich besetzt werden mussten. Während der Dunkelheit wurde das Wachpersonal durch einen zivilen Hundeführer im Streifendienst verstärkt.
Das Wachpersonal wurde täglich ausgetauscht und bildete dann den sogenannten Bereitschaftszug, der in der Kaserne einsatzbereit wartete und bei Alarm innerhalb von 20 Minuten am SAS eintreffen musste. Alle Soldaten (Wachzug und Bereitschaftszug) trugen 100 Schuss scharfe Gewehrmunition am Mann, der MG-Schütze entsprechend mehr. (Volker Stein)

Bearbeitungsstand: Januar 2012

Weitere Informationen über Atomwaffenstandorte in Deutschland

siehe auch: Honest John
siehe auch: Panzerhaubitze M 109
siehe auch: Panzerhaubitze M 110
siehe auch: Sondermunitionslager

Triade

engl.: triad

Die Abschreckungsstrategie der NATO basierte in den siebziger Jahren auf einer ausgewogenen Struktur des verfügbaren Abschreckungspotentials. Dazu gehörten konventionelle, nuklear-taktische und nuklear-strategische Mittel. Im Weißbuch 1975/1976 wurden die Merkmale der Triade wie folgt beschrieben: „In der Triade kann eine Einzelkomponente die andere nicht ersetzen. Die Abschreckungswirkung der Triade hängt vom Eskalationsverbund ihrer Komponenten ab.

Die Strategie der »Flexible Response« erfordert, dass die NATO gleichzeitig imstande ist, jede Komponente der Triade einzeln einzusetzen und die Verbindung aller drei Komponenten durch Eskalationsbereitschaft zu erhalten. Lückenlose Abschreckung ist ohne die letzte Stufe der Eskalation, die Androhung nuklear-strategischer Mittel, nicht möglich.

Konventionelle Verteidigungskräfte allein würden – vor allem bei dem Kräfteverhältnis in Europa – das Risiko des Angreifers (Warschauer Pakt) begrenzen. Dieser Tatsache muss durch die Bereitschaft und Fähigkeit Rechnung getragen werden, vom konventionell ausgetragenen Konflikt in eine andere Kriegsqualität, in die nukleare Auseinandersetzung, überzuwechseln.
Die nuklear-taktische Komponente ist das Mittelstück der Triade. Sie verbindet zwischen der konventionellen und der nuklearen-strategischen Komponente alle Elemente der Abschreckung zu einem Gesamtspektrum, das als Ganzes erst den vollen Abschreckungseffekt erzielt.

Der Einsatz der nuklear-strategischen Komponente muss nicht gleichbedeutend mit einem allgemeinen Nuklearkrieg sein, dem Einsatz des gesamten nuklear-strategischen Potentials. Der selektive Einsatz nuklear-strategischer Waffen hält Zerstörungen und Risiken in Grenzen und erhöht den Abschreckungswert des nuklear-strategischen Einsatzes. Abschreckung ist mit dem Ausbruch eines militärischen Konflikts nicht zu Ende. Sie behält auf jeder Stufe der militärischen Reaktion ihre politische und strategische Bedeutung.“ (Bundesminister der Verteidigung (Hrsg.): Weißbuch 1975/76, Bonn 1976, S. 22.)

Bearbeitungsstand: Januar 2005

siehe auch: Flexible Reaktion

Trident II U-Boot

engl.: Trident II submarine

Die zurzeit größten US-Raketen-U-Boote gehören zur Ohio-Klasse und sind mit Trident-II-Raketen bewaffnet. Sie werden daher auch kurz »Tridents« genannt. Die USA haben insgesamt 18 Tridents gebaut, die alle mit unterschiedlichem Einsatzstatus verfügbar sind. Die Boote sind atombetrieben, haben jeweils vier Decks und 171 Mann Besatzung und können Vorräte für 90 Tage an Bord nehmen. Es können bis zu zwölf Boote zeitgleich weltweit im Einsatz sein.

Jedes Boot trägt 24 Atomraketen mit Feststoffantrieb, die jeweils mit bis zu 17 einzelnen – durch Satellitensteuerung – lenkbaren Sprengköpfen mit einer Vernichtungsenergie von ca. 75 KT beladen werden können. Dadurch kann jedes einzelne U-Boot 408 verschiedene Ziele gleichzeitig mit einer Vernichtungsenergie von jeweils sechs Hiroshimabomben angreifen. Die vorgesehene Reichweite der einzelnen Sprengköpfe beträgt mindestens 7.830 km und ihre Treffergenauigkeit (CEP) liegt bei ca. 10 m.

Jedes einzelne Trident-U-Boot hat mehr Sprengkraft an Bord, als während des gesamten II. Weltkriegs eingesetzt wurde. (LL)

Bearbeitungsstand: September 2008

siehe auch: CEP-Wert
siehe auch: KT (Kilotonne)
siehe auch: Sprengkraft

Trident-Rakete

engl.: Trident Missile

Trident II (D5) Rakete wird aus dem Wasser gestartet. Foto: US DoD

Trident bezeichnet eine Klasse von ballistischen Interkontinentalraketen, die von U-Booten aus eingesetzt werden. Einsatzländer sind die USA und Großbritannien. Zurzeit sind die Raketentypen Trident I und Trident II auf US-amerikanischen und Trident II auf englischen U-Booten stationiert.

Trident I
Am 18. Januar 1977 wurde die erste Trident-I-Rakete auf Cape Canaveral, Florida gestartet. Zwischen Februar 1977 und Januar 1979 wurden dort insgesamt 17 Trident-I-Raketen zu Testzwecken abgefeuert. Die Trident I wurde 1979 in Dienst gestellt. Ihr Einsatz ist bis in das frühe 21. Jahrhundert geplant. Sie wird bereits nach und nach durch die Trident II ersetzt. Bis 1986 wurden insgesamt 117 Flugtests durchgeführt und dabei 222 Raketen verschossen. Danach hatte die Trident I eine Startzuverlässigkeit von 85 % (34 Teststarts schlugen fehl). Zuletzt wurden vier Raketen dieses Typs am 9. Dezember 2001 zu Testzwecken verschossen.

Trident-I-Raketen (max. 24 Stück) werden in U-Booten der Ohio-Klasse eingesetzt. Ihre maximale Reichweite beträgt 7400 km.

Trident II
ist eine vergrößerte Version der Trident-I-Rakete. Im Januar 1987 wurde die erste TRIDENT II in Cape Canaveral, Florida getestet. Zwischen März 1987 Januar 1989 wurden insgesamt 18 TRIDENT-II-Starts durchgeführt. Sie wurden ab 1990 in Betrieb genommen. Die Nutzung ist bis 2020 vorgesehen. Seit 1987 wurden von den USA 116 Tests durchgeführt, wonach die Trident II eine Startzuverlässigkeit von 96 % hat, also zuverlässiger als die Trident I ist.
Die Trident-II-Rakete ist eine dreistufige Feststoffrakete mit einer Reichweite von über 10.000 km und bewaffnet mit Mehrfachsprengköpfen. Es könnten maximal 16 Gefechtsköpfe in einer Rakete untergebracht werden.

Technische Daten der Trident II:
Lenkung: Trägheitsnavigationssystem
Antrieb: dreistufige Feststoffrakete
Höhe: 13,40 m
Durchmesser: 2,10 m
Gewicht: 58,5 t
Reichweite: über 10.000 km
Gefechtskopf: bis zu 16 unabhängige W88-Atomsprengköpfe mit jeweils 475 KT
Kosten: ca. 31 Mio. Dollar pro Stück.

Die auf U-Booten stationierten Trident-Raketen bilden zurzeit und in nächster Zukunft die Hauptstütze der amerikanischen nuklearen Abschreckung. Die Trident II ist die modernste amerikanische Atomwaffe, zumal sie weiterhin modernisiert wird. Die von U-Booten abgeschossenen Trident-II-Raketen haben bei voller Ausnutzung der Nutzlast eine maximale Reichweite von über 7.360 Kilometern. Schon zwei Minuten nach ihrem Abschuss bewegen sie sich mit über 6.096 Metern pro Sekunde (21.600 Kilometer pro Stunde), also fast 18-facher Schallgeschwindigkeit. Der Hersteller Lockheed Martin zeigte sich überzeugt, die Treffgenauigkeit der Waffe, die derzeit bei etwa 100 Metern liegt, auf 10 Meter verbessern zu können.

„Der atomare Sprengkopf der Trident II wird ebenfalls modifiziert. Ziel ist unter anderem zu beweisen, dass das Design von Atomsprengköpfen geändert werden kann, ohne dass ihre Funktionsfähigkeit in einem „echten“ Atomtest demonstriert werden muss. Zugleich wird das Kommandosystem für die Trident II so erneuert, dass die Rakete schneller ihre Zielkoordinaten ändern kann.“ (Quelle: Oliver Meier/Lutz Hager: Atomwaffen für Regionalkonflikte?, W&F 4/97)

Im Sommer 2006 beschlossen die USA, einen Teil der nuklearen Sprengköpfe der Trident-Raketen auf den amerikanischen Atom-U-Booten durch konventionelle Sprengköpfe zu ersetzen. Insgesamt soll etwa ein Drittel der auf den Weltmeeren stationierten Atomwaffen durch konventionelle Sprengköpfe ersetzt werden. Dies birgt allerdings neue Gefahren: Im Falle eines Abschusses wäre zum Beispiel für China oder Russland nicht sofort erkennbar, ob es sich um einen atomaren oder einen konventionellen Angriff handelt. Dies könnte im schlimmsten Fall zu einem atomaren Gegenschlag führen. (LL)

Bearbeitungsstand: November 2006

siehe auch: Interkontinentalrakete
siehe auch: KT (Kilotonne)

Trier

ehem. Atomwaffenstandort, Deutschland

Das ehemalige französische Sondermunitionslager Trier (49°42’15“N, 06°38’32“O) lag ca. 5 km südlich der Stadt Trier in Rheinland-Pfalz. Hier waren atomare Gefechtsköpfe für die Kurzstreckenrakete Honest John gelagert. Die Gefechtsköpfe vom Typ W-31 hatten folgende Sprengkraft: Version Mod.0 Y1: 2KT, Version Mod.0 Y2: 40KT und Version Mod.3 Y3 mit 20KT. Für Lagerung und Wartung war das 6th US-MSLDet zuständig. Mit dem Austritt Frankreichs aus der integrierten Befehlsstruktur der NATO am 1. Juli 1966 wurde das Lager geräumt. (LL)

Bearbeitungsstand: April 2012

Weitere Informationen über Atomwaffenstandorte in Deutschland

siehe auch: Honest John-Rakete

Trinitit

engl.: Trinitit, am. engl.: atomsit

Trinitit, Foto: Wikicommons

Am 16. Juli 1945 explodierte in der Wüste von New Mexico die erste Atombombe (Trinity-Test) in der Geschichte der Menschheit. Bei Bodenuntersuchungen nach der Detonation der Plutoniumbombe wurde innerhalb eines ca. 1.000 m weiten Kraters eine olivgrüne, glasartige Substanz festgestellt, die im Wesentlichen aus geschmolzenen Sand mit etwas Olivin, Feldspat und Spuren anderer Mineralien bestand. In Anlehnung an die Bezeichnung Trinity-Test wurde das vor Ort gefundene Material „Trinitit“ genannt. Das Material war hochgradig verstrahlt und die Gegend ist bis heute radioaktiv belastet. (LL)

Bearbeitungsstand: April 2010

Siehe auch: Alamogordo

Trinity-Atomtest

engl.: Trinity nuclear test

Am 16. Juli 1945 explodierte die erste Atomwaffe der Geschichte über der Wüste in New Mexico in den USA. Auf dem Alamogordo-Testgelände, in der Wüste der »Jornada del Muerto« (Reise des Todes) testeten die USA eine in Los Alamos völlig neu entwickelte Implosionswaffe, die den zweiten Weltkrieg beenden sollte. Die Plutoniumbombe, die beim Atomtest »Trinity« zur Explosion gebracht wurde, war der gleiche Typ Bombe, der auf Nagasaki am 9. August abgeworfen wurde und binnen 4 Monaten 64.000 Menschen tötete.

Da es niemals zuvor eine vollständige Atomwaffenexplosion gegeben hatte, wurde es für notwendig gehalten, sie erst einmal unter Testbedingungen zu beobachten, bevor sie auf Menschen abgeworfen wurde. Das Design des Plutonium-Sprengsatzes mit dem Namen »Gadget« (Der Apparat) verwendete eine neue Technologie, die nicht ohne einen Test ausgewertet werden konnte.
Warum der erste Test »Trinity« genannt wurde ist nicht sicher. Vielleicht nannte der wissenschaftliche Leiter des Manhattan-Projekts Robert Oppenheimer den Test so und meinte damit die Hindu-Dreifaltigkeit von Brahma (der Schöpfer), Vishnu (der Erhalter), and Shiva (der Zerstörer). Es gibt auch die Vermutung, dass »Trinity« der Name einer bei Los Alamos gelegenen verfluchten und daher von den Indianern verlassenen Türkis-Mine gewesen sei. Eine andere Quelle besagt, dass Oppenheimer Bezug auf ein Gedicht von John Donne nimmt.

Oppenheimer selber schrieb an den militärischen Leiter des Manhattan-Projekts Leslie Groves, dass er selber nicht genau wisse, warum er den Test so nannte.
Der Sprengsatz wurde erst so spät wie möglich auf einem 30 Meter hohen Stahlgerüst montiert, wegen der ungewöhnlich vielen Gewitter in diesem Juli. Nur ein paar Tage zuvor hatte ein Blitz eine mit gewöhnlichem Sprengstoff gefüllte Bombe getroffen, die zur Probe dort oben aufgehängt wurde und die daraufhin explodierte.

Bereits um zwei Uhr versammelten sich alle Versuchsteilnehmer im Hauptlager, 15,5 Kilometer vom »Punkt Null« entfernt. Mit Sonnenbrillen und Sonnencreme ausgerüstet, dachten sie sich vor dem grellen Licht schützen zu können. Der Test sollte um vier Uhr stattfinden, musste aber wegen schlechtem Wetter anderthalb Stunden verschoben werden.

Der Test um 5:29:45 Uhr Ortszeit des 16. Juli 1945 übertraf nahezu alle Erwartungen. Die Sprengkraft der ersten Atombombe entsprach rund 20.000 Tonnen Trinitrotoluol (TNT). Der Blitz war noch fast 300 km weit zu sehen - der Atompilz türmte sich 12 Kilometer hoch. Die Hitze der Explosion schmolz sogar die sandige Erde um den Turm herum zu einer grünen glasigen Kruste, die man »Trinitit« nannte. Der Turm löste sich in Luft auf. Die Explosion erzeugte einen drei Meter tiefen und 330 Meter breiten Krater.

Der Stellvertreter von Groves, General Thomas Farrell, beschrieb die Atomexplosion so:
"Das ganze Land war erhellt von einem versengenden Licht, dessen Stärke viele Male größer war als das der Mittagssonne... Dreißig Sekunden später kam zuerst die Explosion, der Luftdruck prallte hart gegen die Leute und Dinge, und dann folgte fast unmittelbar ein lautes anhaltendes schauerliches Donnern, wie eine Warnung vor dem Jüngsten Tag, das uns spüren ließ, dass wir winzige Wesen in blasphemischer Weise wagten, an die Kräfte zu rühren, die bis dahin dem Allmächtigen vorbehalten waren. Worte reichen nicht aus, um denen, die nicht dabei waren, den Eindruck wiederzugeben, den wir körperlich, geistig und seelisch erfuhren. Man muss Zeuge gewesen sein, um es sich vorzustellen." General Groves selbst blieb ungerührt und sagte zu General Farrell: "Der Krieg ist aus. Eine oder zwei von diesen Dingern, und Japan ist erledigt." "Jetzt gehen wir alle als Dreckschweine in die Geschichte ein", sagte Kenneth Bainbridge, der das Projekt "Trinity" leitete.

Die Öffentlichkeit erfuhr von der ersten Atomexplosion der Geschichte vorläufig nichts. Nur die Wissenschaftler gaben die Nachricht ohne Erlaubnis an ihren Kollegen weiter, woraufhin eine von Leo Szilard entworfene Petition entstand. Viele wollten nicht, dass die Bombe ohne vorherige Demonstration und eine Gelegenheit zur Kapitulation eingesetzt wird. Sie baten auch um eine wirksame internationale Kontrolle der neuen Waffe. Daraufhin erklärte Groves die Petition für »geheim«. Es wurde verboten, das Dokument ohne militärische Bewachung zu transportieren. Eine Wachmannschaft wollte er jedoch nicht stellen, also blieb die Petition mit 67 Namen angesehener Wissenschaftler im Tresor liegen.
Inzwischen ist das Alamogordo-Testgelände umbenannt worden und heißt »White Sands Missile Range«. (Quelle: IPPNW)

Bearbeitungsstand: November 2008

siehe auch: Druckwelle
siehe auch: GROVES General Leslie
siehe auch: Hiroshima
siehe auch: OPPENHEIMER J. Robert
siehe auch: Plutonium
siehe auch: Trinitit

Triomphant-U-Boot

engl.: Triomphant submarine

Frankreich verfügt zurzeit über drei Atomwaffen-U-Boote vom Typ Le Triomphant. Ein viertes Boot dieses Typs befindet sich im Bau und soll spätestens bis 2010 in Dienst gestellt werden. Die Lebensdauer der Boote ist auf 40 Jahre kalkuliert. Die Boote sind bestückt mit jeweils 16 Atomraketen vom Typ M-45 Flugkörper mit einem Stückgewicht von ca. 30 Tonnen. Jede Rakete kann sechs Sprengköpfe vom Typ TN75 zum Einsatz bringen. Vermutlich verfügt Frankreich gegenwärtig über insgesamt 288 Sprengköpfe vom Typ TN75. Neue Atomraketen vom Typ M-51 Flugkörper mit einem Stückgewicht von ca. 56 Tonnen befinden sich bereits in der Erprobung. (Quelle: Nuclear Notebook 2005: French nuclear forces 2005, S. 73-75.)

Bearbeitungsstand: Mai 2007

Tritium

engl.: Tritium

Tritium (T) oder »überschwerer Wasserstoff« unterscheidet sich vom leichten Wasserstoff (H) dadurch, dass im Kern zusätzlich zum Proton zwei Neutronen vorhanden sind. Tritium zerfällt radioaktiv mit einer Halbwertszeit von 12,3 Jahren, das heißt, nach einem Jahr sind etwa 5,5% des Anfangsinventars zerfallen.

Tritium ist in der Natur nur in so geringen Spuren vorhanden, dass es nicht aus natürlichen Quellen gewonnen werden kann. Es muss künstlich bei einer Kernreaktion erbrütet werden. Die in Frage kommenden Kernreaktionen basieren alle auf dem Beschuss eines Targets mit Neutronen. Die größten Tritiummengen werden mit Lithiumtargets hergestellt. Die einzige technisch realisierte Alternative ist der Einfang eines Neutrons durch Deuterium im Moderator von Schwerwasserreaktoren. Kernreaktoren sind die einzig erprobten Neutronenquellen, die den notwendigen Neutronenfluss zur Herstellung von brauchbaren Tritiummengen bieten. Die Tritiumproduktion zu militärischen Zwecken bedeutet also immer die Abzweigung nuklearer Energie. (Quelle: Colschen/Kalinowski: Die Kontrolle der militärischen Nutzung von Tritium, in Rüstungsmodernisierung und Rüstungskontrolle, Baden-Baden 1992, S.123f.)

Bearbeitungsstand: Dezember 2007

Seihe auch: Halbwertszeit
Seihe auch: Isotop
Seihe auch: Neutronenquelle

Tsyklon-Rakete

engl.: cyclone missile, SS-9

Im Jahre 1962 kündigte die Sowjetunion den Bau einer Interkontinentalrakete an, die jeden Punkt der Erde -auch unter Nutzung von Flugbahnen über den Südpol- erreichen könnte. Dies stellte für die USA eine neue Bedrohung dar, weil deren Frühwarnstationen alle nahe des nördlichen Polarkreises angeordnet waren. Die Sowjetunion ihrerseits sah sich von den Mittelstreckenraketen der USA, die in der Türkei, Italien und Großbritannien stationiert waren, bedroht, da diese die Sowjetunion innerhalb von wenigen Minuten erreichen konnten.

Dagegen benötigten sowjetische Raketen wegen der Flugbahnen ca. 30 Minuten, um die USA zu erreichen, so dass für einen Gegenschlag der USA ausreichend Zeit zur Verfügung stand. Der Grund für die lange Vorwarnzeit war die Flugbahn der Raketen. Diese flogen auf ballistischen Bahnen mit einer Gipfelhöhe von 1000-2000 Kilometern über den Nordpol. Die USA hatten große Radaranlagen auf Grönland und in Alaska stationiert, also nahe am Nordpol und weit von den Zielen der Raketen entfernt. Dadurch konnten die Raketen schon in der Aufstiegsphase geortet werden. So konnten strategische Ziele in der Sowjetunion bedroht werden, ohne dass genügend Zeit für eine Reaktion zur Verfügung stand. Dieses Dilemma versuchte die Sowjetunion zu lösen, indem sie analog zu den USA Mittelstreckenraketen in der Nähe der USA auf Kuba stationierte. Dies führte im Jahre 1962 zur Kuba-Krise, an deren Ende eine Stationierung von Mittelstreckenraketen auf Kuba verhindert wurde.

Gelänge es stattdessen, die USA von Süden anzugreifen und / oder in geringer Höhe, so wäre die Vorwarnzeit nur noch 5 Minuten. Mit dieser Zielsetzung wurde die Interkontinentalrakete SS-9 entwickelt. Allerdings war die Flugstrecke wesentlich größer: Die Rakete musste praktisch um die ganze Erde herum fliegen, anstatt nur etwa 6000-8000 km weit. Anders als normale Raketen flog diese auf einer Bahn über den Südpol, die ähnlich wie die eines Satelliten ausgelegt war. Kurz vor den USA wird die Bahn abgebremst und der Sprengkopf schlägt auf seinem Ziel ein. Dadurch reduziert sich die Vorwarnzeit enorm. Von 1967-1972 wurde ein solches System unter der Bezeichnung FOBS getestet. Dabei wurde eine Attrappe in eine Bahn gebracht, die von Baikonur über den südlichen Pazifik, die Spitze von Südafrika, Westafrika auf das Gebiet der Sowjetunion führte, wo der Satellit kurz vor Beendigung seines ersten Umlaufs abgebremst wurde und dort landete. Prinzipiell konnte man so auch einen Sprengkopf in Richtung USA starten, ja es wäre möglich gewesen den Sprengkopf im Orbit zu stationieren und erst bei Bedarf abzubremsen. Selbst wenn es den USA gelänge, alle Atomwaffen am Boden auszuschalten, so blieben noch die weltraumgestützten Sprengköpfe. Dieses System wurde jedoch mit dem Vertrag über das Verbot von Atomwaffentests im Weltraum und der Stationierung von Waffen im Weltraum im Jahre 1967 nicht umgesetzt. Zudem war die militärische Bedeutung eher gering, da mit der damaligen Technik eine punktgenaue Landung nicht möglich war.

Die Entwicklung der Tsyklon-Rakete (dt.: auch Zyklon-Rakete) begann am 16.4.1962. Der erste Teststart fand im Juli 1965 statt und die ersten R-36 Raketen wurden am 5.11.1966 stationiert. Im Jahre 1971 wurden sie zu MIRV-Trägern umgerüstet. Die letzten R-36 wurden im Jahre 1979 aus dem Dienst genommen.

Über die technischen Details der Zyklon-Rakete war im Westen lange Zeit wenig bekannt. In ihrer Auslegung ist sie mit der westlichen Rakete Titan 2 vergleichbar. Ähnlich wie diese gehört sie zur zweiten Generation der Interkontinentalraketen. Beide verwenden die gleichen Treibstoffe und zwei Stufen. Jedoch ist die Zyklon-Rakete größer als die Titan-Rakete. Sie hat eine Startmasse von 182 t in der Interkontinentalraketenversion im Vergleich zu 157 t bei der Titan 2. Die Zyklon-Rakete ist die schwerste je stationierte Interkontinentalrakete.

Von der Zyklon-Rakete wurden 2 Versionen eingesetzt. Die erste Version (Zyklon 1) entsprach der originalen Interkontinentalrakete. Mit 2 Stufen konnte die Nutzlast nur auf eine suborbitale Bahn transportiert werden. Das heißt, ähnlich wie bei der amerikanischen Atlas benötigte die Nutzlast eine weitere Oberstufe, um ihre Bahn zu erreichen.

Die Zyklon 1 wurde 1969 von einer verbesserten Version, der Zyklon 2 abgelöst, die heute noch im Einsatz ist. Das besondere an der Rakete ist, dass sie die Nutzlast nicht in eine Bahn, sondern nur eine suborbitale Bahn befördert. Die beiden ersten Stufen verwenden die lagerfähigen Treibstoffe Stickstofftetroxid (NTO) und Unsymmetrisches Dimethylhydrazin (UDMH). Die Stufentrennung erfolgt »heiß«, d.h. die Zündung der zweiten Stufe findet statt, wenn die erste Stufe noch brennt. Dazu wird zeitgleich ein Kommando zum Zünden der zweiten Stufe und zum Abschalten der ersten Stufe gesendet. Durch den Schub der zweiten Stufe brechen Verbindungen zwischen den Stufen. Vier kleine Feststoffraketen drücken dann die erste Stufe von der Oberstufe weg. Die Zyklon-Rakete verwendet wie die meisten sowjetischen Raketen dazu einen Stufenadapter aus Gittern. Die dritte Stufe (Boost Segment) hing von der Nutzlast ab. Die ersten zwei Stufen hatten ein eigenes Lenksystem, das 752 kg wog und autonom arbeitete. Die dritte Stufe wurde dagegen von einem eigenen Steuerungssystem gesteuert.

Seit 1970 lief die Entwicklung einer einheitlichen Oberstufe für die Zyklon-Rakete. Doch erst 1977 fand der erste Start und 1980 nach der Flugerprobung die Indienststellung statt. Seitdem hat die Zyklon 3 hinsichtlich Startrate die Zyklon 2 überholt. Bedingt durch den hohen Schub der ersten beiden Stufen muss dabei eine Freiflugphase während des Betriebs der dritten Stufe absolviert werden. Mit dieser Rakete sind auch höhere Bahnen möglich. Durch die relativ kleine Oberstufe (im Vergleich zur 10-mal größeren zweiten Stufe) ist die Nutzlast nur wenig größer als bei der Zyklon 2.

Die Zyklon 3 startet nur vom Startzentrum Plesetsk im Norden Sibiriens aus. Im Vergleich zur Zyklon 2 wurden die Stufen 1+2 nur gering modernisiert. Die Triebwerke wurden verbessert und liefern einen etwas höheren Schub und haben einen besseren spezifischen Impuls. Die neue dritte Stufe wird kalt gezündet, also erst nach Abtrennung der zweiten Stufe. Dazu beschleunigen zwei Feststofftriebwerke zuerst die Stufe, um den Treibstoff zu sammeln. Dann erst erfolgt die Zündung. Weiterhin hat die Oberstufe ihre eigene Steuerung und die ersten beiden Stufen ihre eigene Steuerung. Sie arbeitet wie die ersten beiden Stufen mit den lagerfähigen Treibstoffen NTO und UDMH. Die Zyklon 3 hatte ihren Erstflug am 24.6.1977; ihr letzter Flug fand am 28.12.2001 statt. Insgesamt erfolgten 120 Einsätze, davon 6 Fehlstarts.

Nach drei Jahren Pause fand 2004 erstmals wieder der Start einer verbesserten Zyklon-Rakete (Zyklon 4) statt, die einen militärischen Satelliten transportierte. Die Rakete kann bis zu 1,8 Nutzlast tragen. Zukünftig sollen damit auch Satelliten anderer Nationen zur zivilen Nutzung in den Orbit befördert werden. Man hofft, ab 2007 mindestens 3 eventuell bis zu 6 Starts pro Jahr durchführen zu können. (Quelle: Bernd Leitenberger)

Bearbeitungsstand: Februar 2008

Typhoon U-Boot

engl.: Typhoon submarine

Das russische Typhoon-U-Boot ist mit seinen 171,5 Metern Länge, 22,8 Metern Höhe und 12,2 Metern Breite das größte Unterseeboot der Welt. Es hat eine Tauchtiefe von bis zu 500 Metern. Das U-Boot hat 20 Interkontinental-Raketen an Bord, die speziell für den Abschuss von Unterseebooten entwickelt wurden. In diesem Giganten ist Platz für 150 Mann Besatzung.

Das Boot ist für Langzeit-Operationen ausgerüstet. Durch seine Doppelrumpf-Konstruktion und seine stabilen Bordwände dürfte es fast ausgeschlossen sein, das U-Boot mit nur einem schweren Torpedo zu versenken. (Quelle: 3sat.de: Atom-U-Boote: Gruppen und Klassifizierungen)

Bearbeitungsstand: September 2007