Singuläre Waffe

eng.: unique weapon

Seit Hiroshima gilt die Atombombe als singuläre Waffe. Ihre Auswirkungen in Raum und Zeit sind analogielos. Ein mächtiges Tabu liegt auf ihrer Anwendung. Ihr Besitz war nur fünf Staaten erlaubt. Gleichzeitig wurde sie von Anfang an politisch und strategisch instrumentalisiert. Das „Gleichgewicht des Schreckens“ wurde zum kennzeichnenden Begriff  des Atomzeitalters. Nach 1989 scheint sich dieses Tabu allmählich aufzulösen. Die Zahl der Staaten, die über Nuklearwaffen verfügen, wächst langsam, aber sie wächst.

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Naturwissenschaftler verstehen unter Singularität (nach lat. singularis, einzeln, einzigartig, außerordentlich) die Einzigartigkeit einer Erscheinung. Ein Ding gilt also nur dann im physikalischen Sinn als singulär, wenn es kein zweites Phänomen mit vergleichbar herausragenden physikalisch messbaren Eigenschaften gibt. Kernwaffen werden mit anderen Waffen verglichen: ihre Energiedichte und Explosionswirkung mit denen chemischer Sprengwaffen und ihr Potential zur Massenvernichtung mit denen von biologischen und chemischen Waffen. Die Singularität von Kernwaffen wird dabei durch vier Merkmale begründet:

  1. Die Energiedichte der bei der Detonation freigesetzten Energie. Sie liegt um das hunderttausend- bis millionenfache über den Energiedichten, die mit chemischen Explosionen (konventionellen Waffen) erreichbar sind. Außerdem wird die Energie in erheblich kürzerer Zeit freigesetzt. Nur die so erzeugten Stoßwellen können hoch gehärtete Ziele wie verbunkerte Kommandozentralen oder Raketensilos zerstören.
  2. Die enorme Fläche, über die sich schädliche Radioaktivität ausbreitet. Im Blick auf dieses Merkmal ist der Unterschied zu anderen Mitteln der „Massenvernichtung“ jedoch geringer. Mit chemischen und mehr noch mit biologischen Waffen lassen sich ähnlich ausgedehnte Landstriche unbewohnbar machen.
  3. Die Langzeitwirkung, die mit dem radioaktiven Fall-out zusammenhängt. Auch einige biologische oder chemische Kampfstoffe verlieren ihre Wirksamkeit erst nach langer Zeit. Ihre Wirkung lässt sich aber zumindest im Prinzip mit chemischen Mitteln annullieren. Das ist bei radioaktiven Nukliden nicht möglich.
  4. Schließlich den Elektromagnetischen Impuls (EMP), der die computergestützte technische Infrastruktur in modernen Industriegesellschaften über große Flächen lahmlegen kann.


(Textauszüge aus: Constanze Eisenbart (Hg.): Die Singuläre Waffe, Heidelberg 2012)

Bearbeitungsstand: Juni 2012

siehe auch: EMP
siehe auch: Gleichgewicht des Schreckens
siehe auch: Fallout
siehe auch: Radioaktivität

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