Stockpile Stewardship Program

Eine Peacekeeper-Rakete wird mit Feuer getestet, Foto: US Gov

Das Stockpile Stewardship Program (dt.: Programm zur Erhaltung des Arsenals) zur Aufrechterhaltung eines Atomwaffenarsenals setzt eine Infrastruktur voraus, die die Sicherheit und Zuverlässigkeit der Sprengköpfe in den Arsenalen garantiert, ebenso die Möglichkeit, innerhalb kürzester Zeit wieder Tests aufnehmen zu können. Dafür wird eine gewisse Zahl Wissenschaftler und Ingenieure benötigt. Das war der Ausgangspunkt von Stockpile Stewardship and Management [Programm zur Bestandssicherung und -verwaltung; d. Red.], das 1994 aufgesetzt wurde und dessen Budget die Regierung Bush kürzlich auf 5,3 Milliarden US-Dollar erhöhte.

Zum Stewardship-Programm gehört es, »die Atomwaffenfähigkeit aufrechtzuerhalten; die technischen Voraussetzungen für die Überwachung der Arsenale aufzubauen; die Fähigkeit zur Entwicklung, Herstellung und Freigabe neuer Sprengköpfe unter Beweis zu stellen. Mit diesem Auftrag haben die Wissenschaftler fast unbegrenzte Freiheiten, solange dazu nicht die offene Durchführung von Atomwaffentests und die tatsächliche Produktion neuer Atomsprengköpfe gehört. (...)

Die Entwicklung neuer Sprengköpfe ist nicht erlaubt. Dieses Hindernis lässt sich aber umgehen, indem eine alte Waffe mehreren Modifizierungen unterzogen wird, die für sich genommen jeweils durch das Programm abgedeckt sind, in der Summe aber eine Waffe ergeben, die besser einsetzbar ist, auch wenn sie schlussendlich einmal getestet werden muss, um die Militärs von der Verbesserung des Produkts zu überzeugen. In Anbetracht der Geringschätzung, die Präsident Bush internationalen Abkommen entgegenbringt, wird er zweifellos neue Nukleartests genehmigen, wenn er zum Schluss kommt, dass dies im Interesse der Vereinigten Staaten liegt. (Joseph Rotblat, »Ein gewaltiger und gefährlicher Umbruch«, Frankfurter Rundschau, 6.8.2002, S.7.)

In diesem Programm der USA werden die Atomlabors mit gigantischen oberirdischen Waffenforschungseinrichtungen ausgestattet, u.a. mit extrem schnellen Supercomputern, um Computersimulation zu verbessern. Computersimulation ergänzt die verschiedenen Experimente, wie zum Beispiel subkritische und hydrodynamische Tests. Diese ermöglichen es, Teilaspekte und physikalische Grundlagen zu erproben. Durch Computersimulation können die fehlenden Informationen errechnet werden. Solche Programme beruhen nicht nur auf rein theoretischen Grundlagen, sondern sie greifen auf eine Vielzahl von Messdaten zurück, die in Experimenten und in früheren Atomtests gewonnen wurden. Im Laufe der Jahrzehnte sind in allen Atomwaffenstaaten die Simulationsprogramme perfektioniert worden. Zusammen mit hydrodynamischen Tests und Experimenten mit Einzelkomponenten spielen sie eine wichtige Rolle, auch bei der Entwicklung neuer Sprengköpfe.

27 subkritischer Tests wurden unter dem "Stockpile Stewardship Program" der USA seit 1998 durchgeführt. Bei einem subkritischen Test werden 50 bis 500 Pfund chemische Explosivstoffe mit kleinen Mengen waffenfähigen Plutoniums in circa 300 Meter Tiefe gezündet. Das Experiment verwendet weniger als die für eine atomare Kettenreaktion notwendige kritische Masse - deswegen "subkritisch" - und erforscht das Verhalten des Plutoniums. Die gewonnenen Daten sind für die Computersimulation gedacht und können der Waffenentwicklung dienen. Das US-Energieministerium hat zukünftige Experimente mit "Atomwaffenkonfiguration" nicht ausgeschlossen.

Auch Russland hat subkritische Tests gemeldet. Weitere Länder führen wahrscheinlich auch derartige Tests durch. (XH)
Stand: Dezember 2012

siehe auch: Atomwaffenstaaten
siehe auch: Hydrodynamischer Test

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