Söllingen

ehem. Atomwaffenstandort Söllingen. Bild: Digital GlobeDas SAS Söllingen (48°45'37"N, 8°04'53"O) lag am südöstlichen Ende eines, von der kanadischen Airforce betriebenen, Fliegerhorst, ca. 11 km westlich der Stadt Baden-Baden in Baden-Württemberg. Auf der Airbase war neben anderen Verbänden die 3rd Tactical Fighter Wing, mit den 421.,447.,439. Squadron stationiert. Diese verfügten ab 1953 über atomwaffenfähige F-86 Sabres der Royal Canadian Air Force (RCAF). Ab 1962 erfolgte die Umrüstung auf den atomwaffenfähigen CF-104 Starfighter.

Eine Besonderheit der kanadischen Starfighter-Flotte bestand darin, dass auch eine begrenzte Anzahl von CF-104-Doppelsitzern für die Aufnahme von Atomwaffen ausgerüstet wurde. Statt ausgedehnter Luftkämpfe, wie zu Zeiten der Sabre, trainierten die Piloten komplexe Einsatzverfahren wie Radarnavigation und Bodenangriff im Tiefstflug, um im Ernstfall ihre Ziele in Osteuropa ohne Sicht bekämpfen zu können.

Nach Abschluss der Ausstattung der kanadischen Luftwaffe mit dem Jagdbomber Starfighter F104, wurden ab 1964 amerikanische Atomsprengköpfe vom Typ Mk.28 FUFO auf dem Fliegerhorst für den Einsatz bereitgehalten. Diese frei fallenden Fliegerbomben verfügten über eine Sprengkraft von 1100 Kilotonnen (KT). Ab 1968 wurde die Mk.28 durch die Mk.43 Atombombe abgelöst. Diese Waffe verfügte über eine unveränderliche Sprengwirkung von 1 Megatonne (MT). Sie war als Außenlast speziell für den Abwurf von schnell und tieffliegenden Jagdbombern entwickelt worden. (LL)

Gemäß den NATO-Forderungen wurden pro Geschwader ständig vier Maschinen (später auf zwei reduziert) in der QRA in Bereitschaft gehalten. Unter einem "Dual Key Arrangement" wurde sichergestellt, dass kanadische und amerikanische Offiziere gleichzeitig den Einsatzbefehl geben mussten, um Missbräuche zu verhindern. Innerhalb der QRA durfte sich nur eine begrenzte Anzahl ausgewählter Personen aufhalten und sich niemals alleine den atomar bewaffneten Maschinen nähern. Kein Starfighter wurde jemals mit atomarer Bewaffnung außerhalb der QRA bewegt, geschweige denn geflogen. Die speziell entwickelten Abwurfverfahren für den Tiefflug wurden mit Trainingsbomben ("shapes", welche die gleichen ballistischen Eigenschaften wie die Mk.28 aufwiesen) auf den Schießplätzen Capo Frasca auf Sardinien und Suippes in Frankreich geübt. Das automatische Bombenabwurfsystem LABS half dem Piloten, ein Flugprofil einzuhalten, welches einen Abwurf im Tiefflug und ein anschließendes Entkommen ermöglichte. Dabei wäre entweder ein Abwurf "über die Schulter" oder mit Fallschirm (Low Angle Drogue Delivery) in Betracht gekommen. (Quelle: www.f4-phantom.de/rcaf/RCAFinEurope2-3.htm)

Der atomare Einsatz endete bereits im Dezember 1971. Danach flogen die USA ihre Atomwaffen zurück in die Vereinigten Staaten und zogen ihr Detachment mit dem speziell ausgebildeten Wach- und Wartungspersonal vom Fliegerhorst Sölling ab. (LL)

Bearbeitungsstand: Juli 2012

Weitere Informationen über Atomwaffenstandorte in Deutschland

siehe auch: KT-Wert

siehe auch: QRA-Stellung siehe

auch: Sondermunitionslager

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