Ramstein

ehem. Atomwaffenstandort, Deutschland

C17 Globemaster III beim Ramstein Air Base, Foto: USAF

Der Fliegerhorst (Air Base) Ramstein in der Pfalz wird seit 1953 von den US-Streitkräften genutzt. Das Gelände hat eine Größe von ca. 42 qkm. Die Landebahn ist 2.443 m lang. Die US-Streitkräfte nutzen Ramstein vorrangig als „Drehscheibe“ für transkontinentale Versorgungs- und Truppentransporte. Bis Ende 2005 wurde der Fliegerhorst erheblich ausgebaut, da die Rhein-Main-Airbase geschlossen und das Gelände dem Frankfurter Flughafen zugeschlagen wurde. (RH)

Inzwischen ist das auf der Air Base Ramstein gelegene größte Atomwaffenlager der USA in Europa wohl leer. Das belegt eine neue Dienstvorschrift der US-Luftwaffe in Europa aus dem Januar 2007, auf die Hans Kristensen von der Vereinigung amerikanischer Wissenschaftler (FAS) in Washington jetzt aufmerksam machte. Die Vorschrift beschreibt, welche Flugplätze mit Nuklearwaffenlagern in Europa in den kommenden Monaten Besuch von amerikanischen Experten für Nuklearwaffensicherheit bekommen. Diese sollen den örtlichen Mannschaften bei der Vorbereitung auf die regelmäßigen Nuklearen Sicherheitsinspektionen (NSI) helfen. Alle bekannten europäischen Nuklearwaffenstandorte sind dort gelistet. Auch Büchel. Ramstein aber fehlt erstmals. Da die regelmäßigen Inspektionen für alle Nuklearstandorte in Europa Pflicht sind, geht Hans Kristensen davon aus, dass in Ramstein keine Nuklearwaffen mehr sind.

Der Luftwaffenstützpunkt »Ramstein Air Base« beherbergt spezielle Lagerstätten für insgesamt 216 nukleare Bomben der Typen B-61-3 und B-61-4. In den Boden der Flugzeugschutzbauten sind 54 so genannte Nuklearwaffengrüfte (vaults) eingelassen, die je vier Atomwaffen aufnehmen können. Etwa 130 Waffen waren dort zuletzt eingelagert. Während der umfangreichen Bauarbeiten auf der Air Base in den vergangenen Jahren - Ramstein hat die Aufgaben der Rhein-Main Air Base in Frankfurt übernommen - wurden die Atomwaffen aus Sicherheitsgründen ausgelagert. Vermutet wurde, dass die Waffen nach Abschluss der Bauarbeiten nach Ramstein zurückgebracht würden. Dies ist wohl nicht geschehen.

Da die USA nun ihr größtes Lager geräumt haben, wird es für die Bundesregierung schwieriger, den Verbleib atomarer Waffen in Deutschland zu begründen. Viele Experten bezweifeln, dass die Waffen in Deutschland einen nachvollziehbaren militärischen Zweck erfüllen. Abzugsbefürwortern hat die Bundesregierung bislang entgegengehalten, Washington halte an der Stationierung von Atomwaffen in Deutschland auch für die eigenen Streitkräfte fest und Berlin sei in der Pflicht, Solidarität in der Nato zu zeigen. Das erste Argument ist hinfällig. Die Bundesregierung muss begründen, warum sie an der Lagerung atomarer Waffen festhält, wenn die USA dies nicht mehr für nötig halten. (Quelle: Otfried Nassauer, Frankfurter Rundschau vom 10.07.2007, S. 7)

Bearbeitungsstand: August 2007

Weitere Informationen über Atomwaffenstandorte in Deutschland

siehe auch: NATO
siehe auch: Nukleare Teilhabe

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