Russland

Atomwaffenstaat | Nuclear Weapon State

eine russische Interkontinental-Rakete des Typs Bulawa nach dem Abschuss von einem U-Boot aus

Die Sowjetunion, Vorgängerstaat Russlands, wurde 1949 Atomwaffenmacht und führte über 700 Atomtests durch. Es wird geschätzt, dass Russland bzw. die Sowjetunion seit 1949 etwa 55.000 Atomwaffen produziert hat. Die Sowjetunion trat dem Nichtverbreitungsvertrag 1972 bei.

Laut Federation of American Scientists (FAS) enthielt das russische Arsenal Anfang 2017 rund 7.000 Atomwaffen, von denen ca. 4.300 strategische Atomwaffen sind. Von diesen sind geschätzte 1.950 aktive und einsatzfähige Atomsprengköpfe. Weiterhin sind ca. 2.350 taktische Atomwaffen in Lagern vorhanden und bis zu 2.700 sind außer Dienst gestellte Atomwaffen. Letztere sind zum großen Teil vorgesehen für Abrüstung im Rahmen bilateraler Verträge vorgesehen ist.

Nach neuen Daten vom September 2016 waren 508 einsatzbereite Trägersysteme stationiert, weit niedriger als die 700 erlaubten Trägersysteme. Die Zahl der Sprengköpfe wurde von 1.537 auf 1.796 erhöht. Es wird trotzdem erwartet, dass Russland bis Februar 2018 formal die Neue START-Begrenzung erreichen wird. Das Auslaufen des Neuen START-Vertrages in 2018 ohne Nachfolgevereinbarung könnte vor dem Hintergrund neuer Rüstungsprogramme das Ende der Atomwaffenreduzierung auf bilateraler Ebene zwischen USA und Russland bedeuten.

Russland sieht seine nukleare Streitkräfte als unabdingbar für die Sicherheit des Landes und für seinen Status als Großmacht. Die Regierung hat das Ziel, mit den USA eine Parität zu halten. Zudem verfügt das militärisch-industrielle Komplex über viel Einfluss in der Politik. Das ambitionierte Aufrüstungsprogramm Russlands könnte durch die Finanzkrise jedoch noch eingegrenzt werden.

Im Dezember 2014 veröffentlichte Russland eine neue Militärdoktrin, in der das Recht behalten wird, Atomwaffen gegen Angriffe mit nuklearen oder anderen Massenvernichtungswaffen einzusetzen. Einen konventionellen Angriff auf Russland, der „die Existenz des Staates in Gefahr bringt", könnte auch den Einsatz von Atomwaffen auslösen.

Seit einigen Jahren arbeitet Russland an der Modernisierung seiner atomaren Streitkräfte mit der Begründung, dass es unter anderem notwendig sei, den geplanten Raketenschirm der USA zu überwinden. Im März 2009 hat Russlands Präsident Dmitrij Medwedjew eine Modernisierung der Atomwaffen ab dem Jahr 2011 angekündigt und dies unter anderem mit den Erweiterungsplänen der NATO begründet. Dann beginne eine „umfassende Umrüstung" des Heeres und der Flotte, sagte der Kremlchef. Russland stockte 2016 für die nächsten Jahren die Ausgaben für Atomwaffen um mehr als die Hälfte auf.

Bearbeitungsstand: März 2017

»Weitere Informationen zum russischen Atomwaffenprogramm

zurück