Russland

Atomwaffenstaat | Nuclear Weapon State

eine russische Interkontinental-Rakete des Typs Bulawa nach dem Abschuss von einem U-Boot aus

Die Sowjetunion, Vorgängerstaat Russlands, wurde 1949 Atomwaffenmacht und führte über 700 Atomtests durch. Es wird geschätzt, dass Russland bzw. die Sowjetunion seit 1949 etwa 55.000 Atomwaffen produziert hat. Die Sowjetunion trat dem Nichtverbreitungsvertrag 1972 bei. 

Vermutlich verfügt Russland derzeit über ca. 4.500 einsatzfähige Atomsprengköpfe

Davon stehen ca. 2.500 Gefechtsköpfe für den strategischen Einsatz bereit: 

  • ca. 1.050 Gefechtsköpfe für landgestützte Interkontinentalraketen 
  • ca. 620 Gefechtsköpfe für seegestützte Interkontinentalraketen („Borej“-U-Boote
  • ca. 810 Gefechtsköpfe für die strategische Bomberflotte 

Für den nicht-strategischen Einsatz (taktische Atomwaffenwerden ca. 2.000 Gefechtsköpfe bereitgehalten: 

  • ca. 420 Gefechtsköpfe für die Luftverteidigung 
  • ca. 730 Gefechtsköpfe für die taktische Bomberflotte 
  • ca. 170 Gefechtsköpfe für landgestützte Kurzstreckenraketen 
  • ca. 700 Gefechtsköpfe für seegestützte Kurzstreckenraketen 

Schätzungsweise befinden sich weitere 4.000 strategische Gefechtsköpfe vor der Verschrottung. Damit umfasst das komplette Atomwaffenarsenal zur Zeit rund 8.500 Atomsprengköpfe. (Quelle: Norris, Robert S./Kristensen, Hans M.: Nuclear Notebook: Russian Nuclear Forces, 2013, in: Bulletin of the Atomic Scientists 69 (3), S. 71-81.) 

Der Moskauer Vertrag (SORT) zwischen den USA und Russland aus dem Jahre 2002 sah vor, dass beide Staaten bis 2012 ihre strategischen Arsenale auf 1.700 bis 2.200 aktive Atomwaffen reduzieren. Mit dem Neuen START-Vertrag, den Russland im Januar 2011 ratifizierte, sollte die Zahl der einsatzbereiten strategischen Atomwaffen bis 2018 noch weiter auf je 1.550 reduziert werden. Die Zahl der einsatzbereiten, stationierten Trägersysteme sollte 700 nicht übersteigen und insgesamt sollte jeder Staat nicht mehr als 800 Trägersysteme besitzen. (LL) 

Neben der Reduzierung der Atomsprengköpfe verstärkt Russland in neuester Zeit sein Modernisierungsprogramm, das auch Neuentwicklungen einschließt. So werden die Ausgaben für Atomwaffen in den nächsten Jahren um mehr als die Hälfte erhöht. Dies ist im bis 2016 angelegten Haushaltsplan vorgesehen, wie der Verteidigungsausschuss der Staatsduma (russisches Parlamentsunterhaus) mitteilte. Während Russland 2013 noch 29,29 Milliarden Rubel (680 Millionen Euro) für den Atomwaffenkomplex ausgab, sollen die Kosten. 2014 auf 37,89 Milliarden Rubel, 2015 auf 43,53 Milliarden Rubel und 2016 auf 46,26 Milliarden Rubel ansteigen.

Im September 2013 hatte der Befehlshaber der russischen strategischen Raketentruppen, General Sergej Karakajew angekündigt, Russland wolle bis zum Jahr 2018 eine neue atomwaffenfähige, schwere ballistische Interkontinentalrakete mit einer Nutzlast von fünf Tonnen entwickeln. Diese Rakete werde den Festbrennstoffraketen Jars und Topol überlegen sein, hieß es. Der Berater des Befehlshabers, General a. D. Viktor Jessin, bezeichnete die neue Rakete, die mit bis zu zehn Tauschkörpern ausgestattet werden könne, als Nachfolgerin der Satan-Rakete. (Quelle: Ria Novosti) 

Bearbeitungsstand: September 2014 

Weitere Informationen zum russischen Atomwaffenprogramm

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