Pugwash-Konferenzen

Leo Szilard und Josef Rotblat bei der ersten Konferenz in Pugwash

Pugwash ist der Name einer kleinen Stadt in Nova Scotia in Kanada. Hier trafen sich im Juli 1957 unter Führung von Albert Einstein und Bertrand Russell erstmals 22 Naturwissenschaftler, vorwiegend Atomphysiker, aus zehn Ländern. Die erste Konferenz wurde von Cyrus Eaton, der von Pugwash stammte, im "Thinker's Lodge" organisiert, nach der Veröffentlichung des Russell-Einstein-Manifestes 1955.

Auf der ersten Pugwash Conference on Science and World Affairs wurden vorrangig zwei Themenbereiche in Plenarsitzungen und Workshops behandelt:

  • Die Gefahren, die sich aus der friedlichen und militärischen Verwendung von nuklearem Material ergeben,
  • Fragen der Kontrolle von Atomwaffen.                                           

Es wurde ein ständiges Komitee gegründet, das aus VertreterInnen der USA, der Sowjetunion und Großbritanniens bestand. Daraus entstand die Pugwash-Bewegung.

Ähnliche Konferenzen und Workshops finden jährlich ein- bis zweimal statt. Es gab Treffen in Kanada, England, Österreich, aber auch in der Sowjetunion, in ehemaligen Jugoslawien und den USA. Allen waren die verhältnismäßig kleine Anzahl von Eingeladenen und die bewusste Ausschaltung von Presseberichterstattern gemeinsam. Zudem hat es zahlreiche Veröffentlichungen und Vermittlungsinitiativen gegeben und öfters wurden in Spannungssituationen Gesprächsforen angeboten, abseits der oft festgefahrenen offiziellen Diplomatie, um Stabilisierung, Deeskalation und Entspannung in internationalen Beziehungen hinzuwirken.

Die Referate und ein Teil der Debatten wurden jeweils in einem Band gesammelt, der jedoch nicht in Buchform veröffentlicht, sondern nur als vertrauliches Zirkular an die Regierungen der mit Atomfragen beschäftigten Länder gesandt wurde.

Sir Joseph Rotblat erhielt stelltvertretend für die Pugwash-Konferenzen 1995 den Friedensnobelpreis als Würdigung der Arbeit der Pugwash-Bewegung in der Zeit bis 1989.

Die Aktivitäten der Pugwash-Bewegung werden von einem organisatorischen Zentrum in London koordiniert. Die Vereinigung Deutscher Wissenschaftler (VDW) stellt die deutsche Sektion der Pugwash-Bewegung. (Quellen: Günther Heipp: Es geht ums Leben, 1965, Klaus Gottstein, Götz Neuneck)

Bearbeitungsstand: Dezember 2016

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