Potsdamer Erklärung

engl.: Potsdam Declaration

Am 26. Juli 1945 gaben Truman und Churchill eine Erklärung ab, der sich der chinesische Marschall Chiang Kai-shek in Chungking angeschlossen hatte. Diese Potsdamer Deklaration wies die Japaner auf das Schicksal Deutschlands hin und ließ an Deutlichkeit wenig zu wünschen übrig. Sie forderte die sofortige bedingungslose Kapitulation, kündigte die Besetzung Japans an, verlangte Reparationen, die Abtretung aller überseeischen Besitzungen sowie Prozesse gegen die Kriegsverbrecher und endete in der finsteren Feststellung: »Die Alternative für Japan ist die sofortige und völlige Zerstörung.«

Keine leere Drohung. Die Indianapolis traf an diesem 26. Juli mit Little Boy auf der Insel Tinian ein. Die ersten Komponenten für Fat Man, die Bombe Nummer 3, befanden sich auf dem Luftweg dorthin. Im September sollten drei weitere Atombomben fertig gestellt, bis Dezember die Monatsproduktion auf sieben Stück gesteigert werden. Noch aus Potsdam erteilten Stimson und General George Marshall dem neuen Befehlshaber der Strategischen Luftwaffe im Pazifik, General Carl Spaatz, die Weisung: »Die 509. Composite Group, 20. Air Force, wird, sobald das Wetter Bombenabwurf auf Sicht erlaubt, ihre erste Spezialbombe auf eines der folgenden Ziele abwerfen: Hiroshima, Kokura, Niigata und Nagasaki.«

Japans Militärs lehnten die Aufforderung zur Kapitulation ab

Derweil diskutierten, den ganzen 27. Juli lang, die Verantwortlichen in Tokyo über die Potsdamer Deklaration. Das Gaimusho – das japanische Außenministerium – wies in einer ersten Analyse darauf hin, dass sie nur die Kapitulation der Streitkräfte verlange. Shigenori Togo, Außenminister seit 1941, behagte die Aussicht auf eine Besetzung Japans ebenso wenig wie die Abtretung aller überseeischen Besitzungen – Formosa (das heutige Taiwan), Korea und die Mandatsgebiete des Völkerbundes. Er plädierte dafür, das Ergebnis der Sondierungen abzuwarten, bei denen Botschafter Sato in Moskau eine sowjetische Friedensvermittlung zu erreichen suchte, offenbar nicht ahnend, dass Stalin längst zum Kriegseintritt gegen Japan entschlossen war. Admiral Kantaro Suzuki, der greise Ministerpräsident, schloss sich dieser Haltung an. Die Militärs hingegen forderten die sofortige Ablehnung des Ultimatums. Alles andere, argumentierten sie, werde die Moral der Truppen untergraben.

Suzuki beugte sich dem Einspruch der Generalität. Auf einer Pressekonferenz verkündete er: »Die Regierung findet nichts von bedeutsamem Wert an der gemeinsamen Erklärung, und sie sieht daher keine andere Möglichkeit, als sie vollständig zu ignorieren und sich entschlossen für die erfolgreiche Beendigung des Krieges einzusetzen.« Der Premier benutzte für »ignorieren« das Verb mokusatsu, das auch bedeuten kann: mit stiller Verachtung strafen. Die Historiker streiten noch immer darüber, was er tatsächlich meinte. Es ist ein müßiger Streit, denn eines war so oder so klar: Japan würde weiterkämpfen.

Der amerikanische Kriegsminister Stimson erklärte rückblickend, dass nun keine andere Wahl mehr bliebe, als die in dem Ultimatum enthaltene Drohung wahr zu machen und mit der vollen Anwendung der amerikanischen Militärmacht Japans Streitkräfte zu vernichten und das japanische Heimatland zu verwüsten. Er setzte hinzu: »Für diesen Zweck war die Atombombe eine höchst geeignete Waffe«.  (Quelle: Die Zeit)

Wortlaut des Ultimatums in englischer Sprache:(Quelle: www.ibiblio.org)

Bearbeitungsstand: Juni 2007

siehe auch: Fat Man
siehe auch: Little Boy

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