Operation Silent Echo

Im September 1991 verkündete der damalige US-Präsident Bush die einseitige Abrüstung aller taktischer Nuklearwaffen in Europa. Unter dem Namen Operation Silent Echo wurde in den folgenden Monaten diese Anordnung von den US-amerikanischen Streitkräften in die Tat umgesetzt. Zur Durchführung der Aktion wurde eine Task-Force Redwood aus mittleren Transporthubschraubern CH-47D gebildet, an der Einheiten aus Schwäbisch Hall, Mainz-Finthen, Mannheim und Aviano (Italien) beteiligt waren. Koordiniert und organisiert wurde der Abzug der Atomwaffen von der 59th Ordnance Brigade in Pirmasens. Für den Lufttransport (vermutlich von Ramstein aus) zurück in die USA war die 6th Airlift Squadron verantwortlich. Am 2. Juli 1992 verkündete US-Präsident Bush: "Today I can tell you that all of the planned withdrawals are complete."

Wahrscheinlich war dies die größte und aufwändigste Transportaktion von Atomwaffen, die es je in der Geschichte gegeben hat. Aus über 100 Sites und Lagerstätten in der Bundesrepublik wurden die Sprengköpfe eingesammelt und per Lufttransport in die USA verbracht. Die Bevölkerung und die Medien nahmen davon kaum Notiz. Im Gegensatz zu den 1980er-Jahren war das Thema Atomwaffen in der neu angebrochenen Dekade einfach out. Es waren andere Themen, die in jenen Jahren die Schlagzeilen behrrschten. Die eben erfolgte deutsche Wiedervereinigung und deren Folgen nahmen die politische Aufmerksamkeit der deutschen Öffentlichkeit in jenen Jahren voll in Anspruch. So erfolgte der Abzug von Tausenden von Atomsprengköpfen weitgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Über die nukleare Infrastruktur in der Bundesrepublik, einst geheimnis umwittert und streng vor den Augen der Öffentlichkeit abgeschirmt, begann buchstäblich Gras zu wachsen.

Schon während den Hochzeiten des Kalten Krieges war die Informationspolitik sowohl der US-amerikanischen als auch der deutschen Stellen in Sachen Atomwaffen mehr als restriktiv. “Es ist die Politik der Bundesregierung, die Existenz solcher Waffen an einem bestimmten Ort weder zu bestätigen noch zu dementieren”, war die Standardantwort, die neugierige Volksvertreter oder und erst recht interessierte Bürger bei diesbezüglichen Anfragen erhielten. Die Rechnung schien aufgegangen: Genau so geheimnisvoll und diskret, wie sie zu Beginn der 1960er Jahre in die Bundesrepublik kamen, verschwanden die Atomwaffen auch wieder.

Es gehört sicher zu den erstaunlichsten Paradoxen dieser Zeit, dass der potentielle Gegner der NATO dank seines effektiven Spionagenetzes, mit dem er die militärische und politische Infrastruktur seines Gegners infiltrierte, über die nukleare Infrastruktur in der Bundesrepublik mehr wusste als die unmittelbar betroffene Bevölkerung, zu deren vorgeblicher Verteidigung der gigantische Aufwand betrieben wurde.  (Quelle: www.gerline.de)

Bearbeitungsstand: März 2010

siehe auch: Kalter Krieg
siehe auch: Sprengkopf

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