Oberauerbach

ehem. Atomwaffenstandort, Deutschland

Im Rahmen der großräumigen Luftverteidigung Europas während der Zeit des Kalten Krieges waren auch die US-Streitkräfte an dem quer durch Deutschland verlaufenden Nike-Herkules Flugabwehrgürtel mit insgesamt sechs in Bayern, Baden-Württemberg, Hessen und Rheinland-Pfalz, stationierten Bataillonen beteiligt. Das 2thMissile Battailon, 56thUS-Arty-Group verfügte über atomare Feuerstellungen in den Standorten Geinsheim, Landau, Lemberg-Salzwoog und Oberauerbach.

Die Nike-Feuerstellung (Launching Area) Oberauerbach (49°16'28“N, 7°24'18“O)  lag ca. 4 km nordöstlich der Stadt Zweibrücken in Reinland Pfalz. Die dort stationierte D-Battery, 2thMissile Battailon, 56thUS-Arty-Group bestand aus drei getrennten Bereichen: der Unterkunft, dem Feuerleitbereich in günstiger topografischer Lage mit bis zu 5 Radargeräten für Überwachung, Zielerfassung, Zielverfolgung und Flugkörperverfolgung und dem Abschussbereich mit jeweils 3 Abschussflächen und dazugehörigen Bunkern. In diesem Bereich befanden sich auch die Atomsprengköpfe.

In der Stellung Oberauerbach waren bis 1983 atomare Flugabwehrraketen vom Typ Nike stationiert. An Atomsprengköpfen waren zwei Versionen verfügbar. Die kleinere mit der Bezeichnung B-XS hatte eine Sprengkraft von 2 Kilotonnen. Die größere B-XL besaß ursprünglich 40 kT Sprengkraft. Letztere wurden in den 1970er Jahren gegen Sprengköpfe zu 20 kT ausgetauscht. Maximal waren je Stellung zehn Nuklear-Sprengköpfe vorhanden, acht mit der Stärke XS mit 2 Kilotonnen und zwei XL mit 40/20 Kilotonnen Sprengkraft. Für den Einsatz der Gefechtsköpfe gab es genau festgelegte Prioritäten. Beim Anflug eines einzelnen feindlichen Zielobjektes wurde ein kleiner atomarer Gefechtskopf (B-XS) eingesetzt. Beim Anflug mehrerer feindlicher Zielobjekte wurde soweit verfügbar ein großer atomarer Gefechtskopf (B-XL) eingesetzt. Die ebenfalls vorhandenen konventionellen Gefechtsköpfe dienten lediglich als Munitionsreserve. (LL)

(Quellen:  Jürgen Dreifke, Michael Juhls)

Bearbeitungsstand: Oktober 2010

Weitere Informationen über Atomwaffenstandorte in Deutschland

siehe auch: Nike Herkules
siehe auch: KT(Kilotonne)

Oberolmer Wald

ehem. Atomwaffenstandort, Deutschland

In unmittelbarer Nähe der ZDF-Sendeanstalten (Zweites Deutsches Fernsehen) befanden sich westlich der Stadt Mainz zur Zeit des Kalten Krieges auf einer Fläche von weniger als 2 km² im Bereich des Oberolmer Waldes (49°57'34”N, 8°10'11”O) insgesamt drei Atomwaffenstandorte. Dies waren im Einzelnen:

 

 

 

  • US Site No 31
  • US Site No 20
  • Nike Hercules Launching Area der A-Battery, 5thMissile Battailon, 1thUS-Arty-Group

Die US Site No 31 war ein Sondermunitionslager vom Typ J. Die Größe des Lagers lässt darauf schließen, dass es sich um ein sogenanntes VLM (Versorgungslager Munition) handelte. Die VLM dienten zur Bevorratung und Belieferung kleinerer Sonderwaffenlager. Über die eingelagerte Munition in Site No 31 gibt es nur Vermutungen. Es kann aber davon ausgegangen werden, dass atomare Sprengköpfe für das Waffensystem Honest John und zeitweise auch für das Waffensystem Pershing vor Ort waren.

Die US Site No 20  war ein  Sondermunitionslager vom Typ J. Es verfügte aber nur über drei Munitionsbunker. Hier waren u.a. Atomgranaten vom Kaliber 155 mm für das 5th Howitzer Bataillon 81 der US-Army eingelagert.

In der Nike Hercules Launching Area Wackernheim (Oberolmer Wald) der A-Battery, 5thMissile Battailon, 1thUS-Arty-Group befanden sich nachweislich die Atomsprengköpfe für das Flugabwehrsystem. Dabei handelte es sich um zwei unterschiedliche Gefechtskopftypen. Die kleineren mit der Bezeichnung B-XS hatten eine Sprengkraft von 2 Kilotonnen. Die größeren B-XL besaßen ursprünglich 40 kT Sprengkraft. Letztere wurden in den 1970er Jahren gegen Sprengköpfe zu 20 kT ausgetauscht. Maximal waren je Stellung zehn Nuklear-Sprengköpfe vorhanden, acht mit der Stärke XS mit 2 Kilotonnen und zwei XL mit 40/20 Kilotonnen Sprengkraft. (LL) (Quellen: Jürgen Dreifke)

Bearbeitungsstand: November 2011

Weitere Informationen über Atomwaffenstandorte in Deutschland

Siehe auch: Kalter Krieg
Siehe auch: Nike Hercules
Siehe auch: Honest John
Siehe auch: Pershing
Siehe auch: KT-Wert

Obersayn

ehem. Atomwaffenstandort, Deutschland

ehem. Atomwaffenstandort Obersayn. Bild: Digital GlobeDie Nike-Feuerstellung (Launching Area) Obersayn (48°12’36”N, 10°14’36”O) der 4. Batterie des FlaRakBtl 23 lag ca. 7 km südwestlich der Stadt Westerburg im Westerwald.
Die dort stationierte FlaRakBatterie bestand aus drei getrennten Bereichen: der Unterkunft, dem Feuerleitbereich in günstiger topografischer Lage mit bis zu 5 Radargeräten für Überwachung, Zielerfassung, Zielverfolgung und Flugkörperverfolgung und dem Abschussbereich mit jeweils 3 Abschussflächen und dazugehörigen Bunkern. In diesem Bereich befanden sich auch die Atomsprengköpfe. Während die Raketen in Montagebunkern oder auf durch Erdwälle geschützten Abschussschienen bereit gehalten wurden, lagen die Radaranlagen in exponierter Stellung und konnten nur mit Sandsäcken oder Konturen verwischender Tarnung ungenügend geschützt werden. Zum Schutz insbesondere vor angreifenden Tieffliegern wurden die Stellungen später zusätzlich mit 20mm Zwillingsgeschützen ausgestattet.
In der Stellung Obersayn waren von September 1966 bis vermutlich 1987 atomare Flugabwehrraketen vom Typ Nike stationiert. An Atomsprengköpfen waren zwei Versionen verfügbar. Die kleinere mit der Bezeichnung B-XS hatte eine Sprengkraft von 2 Kilotonnen. Die größere B-XL besaß ursprünglich 40 kT Sprengkraft. Letztere wurden in den 1970er Jahren gegen Sprengköpfe zu 20 kT ausgetauscht.
Maximal waren je Stellung zehn Nuklear-Sprengköpfe vorhanden, acht mit der Stärke XS mit 2 Kilotonnen und zwei XL mit 40/20 Kilotonnen Sprengkraf(Jürgen Dreifke).


Ein Zeitzeuge erinnert sich: „Die vier Batterien des FlaRakBtls 23 [mit den Feuerstellungen Albach, Schöneck, Kemel und Obersayn] befanden sich in unterschiedlichen Bereitschaftsstufen mit einer Reaktionszeit von maximal 30 Minuten, maximal 3 Stunden, maximal 12 Stunden und mehr als 12 Stunden. Innerhalb einer Batterie hatten mindestens zwei Abschussplätze den selben Bereitschaftsgrad. Konnte eine der Batterien aus technischen Gründen den Bereitschaftsgrad nicht einhalten, dann rückten die anderen Batterien eine Einsatzstufe nach oben. Abhängig vom Bereitschaftsgrad war die Stellung im Schichtbetrieb ständig besetzt und einsatzbereit. Dazu gab es in der Batterie drei Kampfbesatzungen für den Feuerleit- und Abschussbereich, die sich in einem System von 48-Std-Schichten während der Woche und 72-Std-Schichten am Wochenende abwechselten.
Für den Einsatz der Gefechtsköpfe gab es genau festgelegte Prioritäten. Beim Anflug eines einzelnen feindlichen Zielobjektes wurde ein kleiner atomarer Gefechtskopf (B-XS) eingesetzt. Beim Anflug mehrerer feindlicher Zielobjekte wurde ein großer atomarer Gefechtskopf (B-XL) eingesetzt. Die ebenfalls vorhandenen konventionellen Gefechtsköpfe dienten lediglich als Munitionsreserve.
Soweit mir bekannt, befanden sich in allen Nike-Stellungen der Bundesluftwaffe atomare Gefechtsköpfe.“ (Quelle: Michael Juhls)

 

Bearbeitungsstand: Juli 2010

Weitere Informationen über Atomwaffenstandorte in Deutschland

siehe auch: KT(Kilotonne)
siehe auch: Nike Hercules

Oedingen

ehem. Atomwaffenlager in Deutschland

Link zum GroßansichtDie Nike-Feuerstellung (Launching Area) Ödingen (53°39’13“N, 07°24’18“O) der 1. Batterie des FlaRakBtl 22 lag 20 km südwestlich der Stadt Meschede im Sauerland. Die Batterie wurde im Sommer 1962 von Köln-Wahn nach Ödingen verlegt. Sie bestand aus drei getrennten Bereichen: der Unterkunft, dem Feuerleitbereich in günstiger topografischer Lage mit bis zu 5 Radargeräten für Überwachung, Zielerfassung, Zielverfolgung und Flugkörperverfolgung und dem Abschussbereich mit jeweils 3 Abschussflächen und dazugehörigen Bunkern. In diesem Bereich befanden sich auch die Atomsprengköpfe. Während die Raketen in Montagebunkern oder auf durch Erdwälle geschützten  Abschussschienen bereit gehalten wurden, lagen die Radaranlagen in exponierter Stellung und konnten nur mit Sandsäcken oder Konturen verwischender Tarnung ungenügend geschützt werden. Zum Eigenschutz vor allem gegen angreifende Tiefflieger, wurden die Stellungen später zusätzlich mit 20mm Zwillingsgeschützen ausgestattet.

In der Stellung Ödingen waren von 1963 bis 1987 atomare Flugabwehrraketen vom Typ Nike stationiert. An Atomsprengköpfen waren zwei Versionen verfügbar. Die kleinere mit der Bezeichnung B-XS hatte eine Sprengkraft von 2 Kilotonnen (KT). Die größere B-XL besaß ursprünglich 40 KT Sprengkraft. Letztere wurden in den 1970er Jahren gegen Sprengköpfe zu 20 KT ausgetauscht.
Maximal waren je Stellung zehn Nuklearsprengköpfe vorhanden, acht mit der Stärke XS mit 2 KT und zwei XL mit 40/20 KT Sprengkraft. (Jürgen Dreifke)

Ein Zeitzeuge erinnert sich: „Die vier Batterien des FlaRakBtls 22 [mit den Feuerstellungen Ödingen, Burbach, Waldbröl und Marienheide] befanden sich in unterschiedlichen Bereitschaftsstufen mit einer Reaktionszeit von maximal 30 Minuten, maximal 3 Stunden, maximal 12 Stunden und mehr als 12 Stunden. Innerhalb einer Batterie hatten mindestens zwei Abschussplätze den selben Bereitschaftsgrad. Konnte eine der Batterien aus technischen Gründen den Bereitschaftsgrad nicht einhalten, dann rückten die anderen Batterien eine Einsatzstufe nach oben. Abhängig vom Bereitschaftsgrad war die Stellung im Schichtbetrieb ständig besetzt und einsatzbereit. Dazu gab es in der Batterie drei Kampfbesatzungen für den Feuerleit- und Abschussbereich, die sich in einem System von 48-Std-Schichten während der Woche und 72-Std-Schichten am Wochenende abwechselten.

Für den Einsatz der Gefechtsköpfe gab es genau festgelegte Prioritäten. Beim Anflug eines einzelnen feindlichen Zielobjektes wurde ein kleiner atomarer Gefechtskopf (B-XS) eingesetzt. Beim Anflug mehrerer feindlicher Zielobjekte wurde ein großer atomarer Gefechtskopf (B-XL) eingesetzt. Die ebenfalls vorhandenen konventionellen Gefechtsköpfe dienten lediglich als Munitionsreserve.

Soweit mir bekannt, befanden sich in allen Nike-Stellungen der Bundesluftwaffe atomare Gefechtsköpfe.“ (Michael Juhls)

Bearbeitungsstand: Januar 2010

Weitere Informationen über Atomwaffenstandorte in Deutschland

siehe auch: Gefechtskopf
siehe auch: KT (Kilotonne)
siehe auch: Nike Herkules

OEWG

(Open-Ended Working Group)

Sitzung der OEWG, Mai 2013. Foto: UN

In Genf wurde im März 2013 auf UNO-Ebene eine so genannte "Open-Ended Working Group" (d.h. das Ergebnis ist offen) eingerichtet. Thema: Verhandlungen über eine atomwaffenfreie Welt. Anders als bei der Abrüstungskonferenz (Conference on Disarmament) ebenfalls in Genf, dem einzigen multilateralen Abrüstungsorgan der UN, arbeitet die OEWG nicht im Konsensprinzip, d.h., ein einzelnes Land kann die Diskussionen nicht blockieren. Der ständige Vertreter von Costa Rica, Botschafter Manuel Dengo, wurde zum Vorsitzenden gewählt. Im Jahr 2013 hatte die OEWG insgesamt drei Sitzungsperioden von insgesamt 15 Tagen. Bei der Vollversammlung der UNO im Oktober 2013 wurde beschlossen, das Mandat der OEWG zu verlängern.

Am 7. Dezember 2015 stimmten 138 Regierungen in der UN-Vollversammlung für die Einrichtung einer weiteren „Open-ended Working Group“ (A/RES/70/33) mit Verhandlungsmandat. Diese OEWG traf sich im Februar, Mai und August 2016 für insgesamt 15 Tage in Genf. Alle Staaten wurden dazu eingeladen, an ihr teilzunehmen, um über Empfehlungen für konkrete und rechtsverbindliche Abrüstungsschritte zu beraten. Am 19. August 2016 ist die OEWG mit einer Abstimmung zu Ende gegangen, da es keine Einigung über die Empfehlungen an der UN-Vollversammlung zustande kam. Die teilnehmenden Staaten haben mit einer Mehrheit 68 zu 22 beschlossen zu empfehlen, dass die UN-Vollversammlung eine Konferenz 2017 einberufen sollte, um einen Verbotsvertrag zu verhandeln. rh/xh

Bearbeitungsstand: August 2016

Ohio-U-Boot

Die zurzeit größten US-Raketen-U-Boote gehören zur Ohio-Klasse und sind mit Trident-II-Raketen bewaffnet. Sie werden daher auch „Tridents“ genannt. Die USA haben insgesamt 18 Tridents gebaut, die alle mit unterschiedlichem Einsatzstatus verfügbar sind. Die U-Boote sind atombetrieben, haben jeweils vier Decks und 171 Mann Besatzung und können Vorräte für 90 Tage an Bord nehmen. Es können bis zu zwölf U-Boote zeitgleich weltweit im Einsatz sein.

Jedes U-Boot trägt 24 Atomraketen mit Feststoffantrieb, die jeweils mit bis zu 17 einzelnen – durch Satellitensteuerung – lenkbaren Sprengköpfen mit einer Vernichtungsenergie von ca. 75 Kilotonnen beladen werden können. Dadurch kann jedes einzelne U-Boot 408 verschiedene Ziele gleichzeitig mit einer Vernichtungsenergie von jeweils sechs Hiroshimabomben angreifen. Die vorgesehene Reichweite der einzelnen Sprengköpfe beträgt mindestens 7.830 km und ihre Treffgenauigkeit (CEP) liegt bei ca. 10 m.

Jedes einzelne Trident-U-Boot hat mehr Sprengkraft an Bord, als während des gesamten II. Weltkriegs eingesetzt wurde. (LL)

Bearbeitungsstand: Oktober 2006

siehe auch: CEP-Wert

Oldenburg

ehem. Atomwaffenstandort Oldenburg. Bild: Digital GlobeDie ehemalige Nike Feuerstellung (Launching Area) Oldenburg (53°10'29“N, 8°10'03“O) befand sich auf dem Fliegerhorst unmittelbar nordwestlich der Stadt. Hier waren die 1. FlaRakBtl 24, von Juli 1962 bis April 1964, und die 3. FlaRakBtl 24, von Juli 1962 bis März 1973, stationiert.

Die Batterien bestand aus drei getrennten Bereichen: der Unterkunft, dem Feuerleitbereich in günstiger topografischer Lage, mit bis zu 6 Radargeräten für Überwachung, Zielerfassung, Zielverfolgung und Flugkörperverfolgung und dem Abschussbereich mit jeweils 3 Abschussflächen und dazugehörigen Bunkern. In diesem Bereich befanden sich auch die Atomsprengköpfe. Während die Raketen in Montagebunkern, oder auf, durch Erdwälle geschützten, Abschussschienen bereit gehalten wurden, lagen die Radaranlagen in exponierter Stellung und konnten nur mit Sandsäcken oder Konturen verwischender Tarnung ungenügend geschützt werden. Zum Eigenschutz, vor allem gegen angreifende Tiefflieger, wurden die Stellungen später zusätzlich mit 20mm Zwillingsgeschützen ausgestattet.

Ab Juli 1962 waren für das Waffensystem Nike Hercules atomare Sprengköpfe vor Ort verfügbar. Es wurden zwei Versionen bevorratet. Die kleinere mit der Bezeichnung B-XS hatte eine Sprengkraft von 2 Kilotonnen. Die größere B-XL besaß ursprünglich 40 KT Sprengkraft. Letztere wurden in den 1970er Jahren gegen Sprengköpfe zu 20 KT ausgetauscht. Maximal waren je Stellung zehn Nuklear-Sprengköpfe vorhanden, acht mit der Stärke XS mit 2 Kilotonnen und zwei XL mit 30 Kilotonnen Sprengkraft. (Quelle: Jürgen Dreifke)

Ein Zeitzeuge erinnert sich: „Die vier Batterien des FlaRakBtls 24 [mit den Feuerstellungen Moorriem, Schönemoor, Oldenburg/Westerscheps und Ristedt] befanden sich in unterschiedlichen Bereitschaftsstufen mit einer Reaktionszeit von maximal 30 Minuten, maximal 3 Stunden, maximal 12 Stunden und mehr als 12 Stunden. Innerhalb einer Batterie hatten mindestens zwei Abschussplätze den selben Bereitschaftsgrad. Konnte eine der Batterien aus technischen Gründen den Bereitschaftsgrad nicht einhalten, dann rückten die anderen Batterien eine Einsatzstufe nach oben. Abhängig vom Bereitschaftsgrad war die Stellung im Schichtbetrieb ständig besetzt und einsatzbereit. Dazu gab es in der Batterie drei Kampfbesatzungen für den Feuerleit- und Abschussbereich, die sich in einem System von 48-Stunden-Schichten während der Woche und 72-Stunden-Schichten am Wochenende abwechselten.

Für den Einsatz der Gefechtsköpfe gab es genau festgelegte Prioritäten. Beim Anflug eines einzelnen feindlichen Zielobjektes wurde ein kleiner atomarer Gefechtskopf (B-XS) eingesetzt. Beim Anflug mehrerer feindlicher Zielobjekte wurde ein großer atomarer Gefechtskopf (B-XL) eingesetzt. Die ebenfalls vorhandenen konventionellen Gefechtsköpfe dienten lediglich als Munitionsreserve.

Soweit mir bekannt, befanden sich in allen Nike-Stellungen der Bundesluftwaffe atomare Gefechtsköpfe.“ (Quelle: Michael Juhls)

Bearbeitungsstand: Juli 2012

Weitere Informationen über Atomwaffenstandorte in Deutschland

siehe auch: KT-Wert

siehe auch: Nike Hercules

OPANAL

engl.: Agency for the Prohibition of Nuclear Weapons in Latin America and the Caribbean

Abk. für: Organismo para la Proscripción de las Armas Nucleares en la América Latina y el Caribe

OPANAL (dt.: Agentur zum Verbot von Kernwaffen in Lateinamerika und der Karibik) ist die Behörde zur Überwachung der atomwaffenfreien Zonen von Lateinamerika und der Karibik. Der Vertrag von Tlatelolco ist spezifisch von den Staaten der lateinamerikanischen Region entworfen worden und auf sie zugeschnitten. In ähnlicher Weise wie der Nichtverbreitungsvertrag (NVV) verpflichtet er die Unterzeichnerstaaten zur nuklearen Nichtverbreitung (im Sinne einer Nichtbeschaffung). Dem Vertrag zufolge dürfen sie keinerlei nukleare Waffen testen, anwenden, fertigen, herstellen, besitzen oder Kontrolle über sie ausüben.

Das 1967 abgeschlossene Vertragswerk verpflichtet in Art. 1 des Vertrages die Vertragsparteien zur ausschließlich friedlichen Nutzung der Kernenergie. Sie sind außerdem dazu verpflichtet, sich nicht an einer militärischen Nutzung von Kernenergie in anderen Ländern zu beteiligen. Diese Bestimmungen gehen über den NVV hinaus, der eine Stationierung von Kernwaffen auf Territorien von Nichtkernwaffenstaaten erlaubt.

Die Generalversammlung beruft für jeweils vier Jahre fünf ihrer Mitglieder in ein Kontrollgremium. Dieses hat die Aufgabe, die Einhaltung der Vertragsbestimmungen zu überwachen. Über seine Arbeit veröffentlicht das Gremium alle zwei Jahre einen schriftlichen Bericht. (Quelle: www.opanal.org)

Bearbeitungsstand: Februar 2008

Operation Crossroads

US-Atomtestserie

Baker-Atomtest am 25. Juli 1946, Foto: US Govt. Defense Threat Reduction Agency

Bereits ein Jahr nach dem ersten Atomwaffentest (Trinity-Test) und dem militärischen Einsatz zweier Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki begannen die USA 1946 mit der systematischen Erforschung und Erprobung der Wirkung von Atomwaffen. Diese erste Testserie wurde unter der Bezeichnung „Operation Crossroads“ auf dem Bikini-Atoll im Pazifik durchgeführt. Ziel der Operation war die Erforschung der einzelnen Effekte einer Nukleardetonation und deren Auswirkungen auf die nähere und weitere Umgebung.

Die Testserie bestand aus lediglich zwei Nukleardetonationen, dem sogenannten Able-Test und dem Baker-Test. Während beim Able-Test die Bombe aus einem B-29-Bomber abgeworfen wurde, befand sich beim Baker-Test die Atombombe bei Zündung 27 m unter Wasser. Zu diesem Zweck war die Bombe in einem Behälter unterhalb eines Schiffes angehängt worden. Beide Bomben waren vom Typ Mk 3A (Modell 1561). Dies ist das Implosionsbomben-Design, das auch für die Nagasaki-Bombe benutzt worden war.

Um die Wirkung auf Material testen zu können, waren insgesamt 71 alte US-amerikanische Militär- und Frachtschiffe im Bikini-Atoll verankert worden, darunter der Flugzeugträger USS Saratoga. Hinzu kamen japanische und deutsche Schiffe, die den USA nach dem Zweiten Weltkrieg in die Hand gefallen waren, wie der schwere Kreuzer Prinz Eugen und das japanische Schlachtschiff Nagato. Gleichzeitig wurden die atomaren Auswirkungen auf Flugzeuge und Tiere getestet. Dafür wurden auf den Schiffen Käfige mit verschiedenen Tierarten befestigt.

Im Ergebnis zeigten beide Detonationen übereinstimmend, dass eine Unterwasserzündung einer Atombombe sehr viel verheerender wirkt als eine über der Wasseroberfläche. Diese Erkenntnis ist physikalisch bedingt, da sich Wasser im Gegensatz zu Luft nicht komprimieren lässt. Als Konsequenz aus diesem Ergebnis begannen die USA in der Folgezeit mit der Entwicklung von Atomraketen mit Unterwasserzündung sowie von Atomtorpedos. (LL)

Bearbeitungsstand: September 2010

siehe auch: Bikini-Atoll
siehe auch: Hiroshima
siehe auch: Nagasaki
siehe auch: Trinity-Atomtest

Operation Silent Echo

Im September 1991 verkündete der damalige US-Präsident Bush die einseitige Abrüstung aller taktischer Nuklearwaffen in Europa. Unter dem Namen Operation Silent Echo wurde in den folgenden Monaten diese Anordnung von den US-amerikanischen Streitkräften in die Tat umgesetzt. Zur Durchführung der Aktion wurde eine Task-Force Redwood aus mittleren Transporthubschraubern CH-47D gebildet, an der Einheiten aus Schwäbisch Hall, Mainz-Finthen, Mannheim und Aviano (Italien) beteiligt waren. Koordiniert und organisiert wurde der Abzug der Atomwaffen von der 59th Ordnance Brigade in Pirmasens. Für den Lufttransport (vermutlich von Ramstein aus) zurück in die USA war die 6th Airlift Squadron verantwortlich. Am 2. Juli 1992 verkündete US-Präsident Bush: "Today I can tell you that all of the planned withdrawals are complete."

Wahrscheinlich war dies die größte und aufwändigste Transportaktion von Atomwaffen, die es je in der Geschichte gegeben hat. Aus über 100 Sites und Lagerstätten in der Bundesrepublik wurden die Sprengköpfe eingesammelt und per Lufttransport in die USA verbracht. Die Bevölkerung und die Medien nahmen davon kaum Notiz. Im Gegensatz zu den 1980er-Jahren war das Thema Atomwaffen in der neu angebrochenen Dekade einfach out. Es waren andere Themen, die in jenen Jahren die Schlagzeilen behrrschten. Die eben erfolgte deutsche Wiedervereinigung und deren Folgen nahmen die politische Aufmerksamkeit der deutschen Öffentlichkeit in jenen Jahren voll in Anspruch. So erfolgte der Abzug von Tausenden von Atomsprengköpfen weitgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Über die nukleare Infrastruktur in der Bundesrepublik, einst geheimnis umwittert und streng vor den Augen der Öffentlichkeit abgeschirmt, begann buchstäblich Gras zu wachsen.

Schon während den Hochzeiten des Kalten Krieges war die Informationspolitik sowohl der US-amerikanischen als auch der deutschen Stellen in Sachen Atomwaffen mehr als restriktiv. “Es ist die Politik der Bundesregierung, die Existenz solcher Waffen an einem bestimmten Ort weder zu bestätigen noch zu dementieren”, war die Standardantwort, die neugierige Volksvertreter oder und erst recht interessierte Bürger bei diesbezüglichen Anfragen erhielten. Die Rechnung schien aufgegangen: Genau so geheimnisvoll und diskret, wie sie zu Beginn der 1960er Jahre in die Bundesrepublik kamen, verschwanden die Atomwaffen auch wieder.

Es gehört sicher zu den erstaunlichsten Paradoxen dieser Zeit, dass der potentielle Gegner der NATO dank seines effektiven Spionagenetzes, mit dem er die militärische und politische Infrastruktur seines Gegners infiltrierte, über die nukleare Infrastruktur in der Bundesrepublik mehr wusste als die unmittelbar betroffene Bevölkerung, zu deren vorgeblicher Verteidigung der gigantische Aufwand betrieben wurde.  (Quelle: www.gerline.de)

Bearbeitungsstand: März 2010

siehe auch: Kalter Krieg
siehe auch: Sprengkopf

Opherdicke

ehem. Atomwaffenstandort Deutschland

Das Flugabwehrraketenbataillon 21 wurde 1959 auf dem Fliegerhorst Köln-Wahn in Dienst gestellt. Es folgte eine Dislozierung des Verbandes in den Räumen Iserlohn, Soest, Warendorf und Dülmen. Als erster Verband der Luftwaffe wurde das neu aufgestellte FlaRakBtl 21 mit dem Waffensystem NIKE ausgerüstet.

Die Nike-Feuerstellung (Launching Area) Opherdicke (51°28’51“N, 07°38’54“O) der 3. Batterie des FlaRakBtl 21 lag ca. 6 km südwestlich der Stadt Unna in Nordrhein-Westfalen. Die Batterie bestand aus drei getrennten Bereichen: der Unterkunft, dem Feuerleitbereich in günstiger topografischer Lage mit bis zu 5 Radargeräten für Überwachung, Zielerfassung, Zielverfolgung und Flugkörperverfolgung und dem Abschussbereich mit jeweils 3 Abschussflächen und dazugehörigen Bunkern. In diesem Bereich befanden sich auch die Atomsprengköpfe. Während die Raketen in Montagebunkern oder auf durch Erdwälle geschützten  Abschussschienen bereit gehalten wurden, lagen die Radaranlagen in exponierter Stellung und konnten nur mit Sandsäcken oder Konturen verwischender Tarnung ungenügend geschützt werden. Zum Eigenschutz vor allem gegen angreifende Tiefflieger, wurden die Stellungen später zusätzlich mit 20mm Zwillingsgeschützen ausgestattet.

In der Stellung Opherdicke waren bis 1987 atomare Flugabwehrraketen vom Typ Nike stationiert. An Atomsprengköpfen waren zwei Versionen verfügbar. Die kleinere mit der Bezeichnung B-XS hatte eine Sprengkraft von 2 Kilotonnen. Die größere B-XL besaß ursprünglich 40 KT Sprengkraft. Letztere wurden in den 1970er Jahren gegen Sprengköpfe zu 20 KT ausgetauscht.

Maximal waren je Stellung zehn Nuklear-Sprengköpfe vorhanden, acht mit der Stärke XS mit 2 Kilotonnen und zwei XL mit 40/20 Kilotonnen Sprengkraft. (Quelle: Jürgen Dreifke)

Ein Zeitzeuge erinnert sich: «Die vier Batterien des FlaRakBtls 21 [mit den Feuerstellungen Westkirchen, Büecke, Opherdicke und Datteln] befanden sich in unterschiedlichen Bereitschaftsstufen mit einer Reaktionszeit von maximal 30 Minuten, maximal 3 Stunden, maximal 12 Stunden und mehr als 12 Stunden. Innerhalb einer Batterie hatten mindestens zwei Abschussplätze den selben Bereitschaftsgrad. Konnte eine der Batterien aus technischen Gründen den Bereitschaftsgrad nicht einhalten, dann rückten die anderen Batterien eine Einsatzstufe nach oben. Abhängig vom Bereitschaftsgrad war die Stellung im Schichtbetrieb ständig besetzt und einsatzbereit. Dazu gab es in der Batterie drei Kampfbesatzungen für den Feuerleit- und Abschussbereich, die sich in einem System von 48-Std-Schichten während der Woche und 72-Std-Schichten am Wochenende abwechselten.

«Für den Einsatz der Gefechtsköpfe gab es genau festgelegte Prioritäten. Beim Anflug eines einzelnen feindlichen Zielobjektes wurde ein kleiner atomarer Gefechtskopf (B-XS) eingesetzt. Beim Anflug mehrerer feindlicher Zielobjekte wurde ein großer atomarer Gefechtskopf (B-XL) eingesetzt. Die ebenfalls vorhandenen konventionellen Gefechtsköpfe dienten lediglich als Munitionsreserve.

«Soweit mir bekannt, befanden sich in allen Nike-Stellungen der Bundesluftwaffe atomare Gefechtsköpfe.» (Quelle: Michael Juhls)

Bearbeitungsstand: Februar 2010

 

Weitere Informationen über Atomwaffenstandorte in Deutschland

siehe auch: KT (Kilotonne)

siehe auch: Nike Hercules

OPLAN 8022

Mit dem Global-Strike-Konzept sollen die konventionellen und nuklearen Mittel und Fähigkeiten der USA, strategische sowie wichtige taktische gegnerische Ziele weltweit zu zerstören, in einen einzigen Operationsplan zusammengeführt werden. Dieser trägt die Bezeichnung OPLAN 8022 und wird seit einigen Jahren ständig weiterentwickelt. Gegenüber der Öffentlichkeit argumentiert das Pentagon, durch die Integration der konventionellen und nuklearen Bekämpfungsmöglichkeiten werde die Wahrscheinlichkeit eines Nuklearwaffeneinsatzes verringert.
Kritiker sehen das anders: Sie befürchten, dass die Hemmschwelle für den Einsatz kleiner Atomwaffen sinken wird, wenn er gemeinsam mit dem konventioneller Waffen geplant wird. Diese Befürchtungen erhalten durch den Divine Strake-Test neue Nahrung. Denn der Test kann die militärischen Planer geradezu ermutigen, ernsthaft über den wirksamen Einsatz kleinerer Nuklearwaffen nachzudenken. Er kann dazu führen, dass der Einsatz taktischer Atomwaffen zu einer realen Option wird. (Quelle: www.bits.de)

Bearbeitungsstand: Februar 2013

siehe auch: Divine Strake

OPPENHEIMER J. Robert

1904 - 1967

J. Robert Oppenheimer wurde am 22. April 1904 in New York City geboren. Er wuchs in einer wohlhabenden Familie auf. In Harvard studierte er Latein, Griechisch, Physik und Chemie. Nach dem Studium bot Max Born Oppenheimer eine Stelle an der Universität in Göttingen an, wo er dann andere berühmte Physiker kennen lernte, u.a. Niels Bohr und Paul Dirac, und wo er 1927 promovierte.

Oppenheimer konzentrierte seine frühe Forschung auf die Energieprozesse von subatomaren Partikeln wie Elektronen, Positronen und auf kosmische Strahlung. Die Quantentheorie war einige Jahre zuvor aufgestellt worden und nun bekam Oppenheimer von der Universität die Gelegenheit, seine ganze Laufbahn ihrer Erforschung zu widmen.

Im Oktober 1942 wurde Oppenheimer die Leitung des geplanten Labors für Physikalische Waffenforschung in den USA angeboten. Er fand das Projekt technisch interessant und sagte zu. Er wählte Los Alamos in New Mexico als Standort für das neue Labor aus. Ab 1. Juli 1944 bekam das so genannte »Manhattan-Projekt« Vorrang vor jedem anderen Projekt der Vereinigten Staaten.

Am 16. Juli 1945 um 5:29:45 Uhr wurde die erste Atomexplosion der Geschichte ausgelöst. Die Sprengkraft entsprach 20-22 Kilotonnen TNT und verdampfte den Stahlturm. Dies war der endgültige Beweis für den Erfolg des »Manhattan-Projekts«. Die Uranbombe Little-Boy und die Plutoniumbombe Fat Man wurden mit fatalem Erfolg über Japan gezündet.

Oppenheimer war aber nicht nur an der Entwicklung der Atombombe beteiligt, sondern fungierte auch als Berater für das Komitee, welches die Angriffsziele auswählte. Er empfahl den Einsatz der Atombombe auf Japan.

In der Nachkriegszeit war der »Vater« der A-Bombe der Wissenschaftler mit dem meisten Einfluss in Amerika, wenn es um Fragen der Atomenergie oder Atomwaffen ging. Er beriet in diesen Fragen die höchsten politischen und militärischen Instanzen sowie viele Wissenschaftler.

1947 wurde er Leiter des »Institute for Advanced Study« an der Princeton Universität. Von 1947 bis 1952 war Oppenheimer der Vorsitzende des General Advisory Committee der Atomenergiekommission, welche sich 1949 gegen die Entwicklung der Wasserstoffbombe aussprach. Als der Kalte Krieg einsetzte und die Politiker der USA und der Sowjetunion sich hinter rhetorische Phrasen zurückzogen, fühlte sich Oppenheimer im herrschenden politischen Klima zusehends unwohl.

Am 29. Juni 1954 wurde Oppenheimer das Sicherheitsunbedenklichkeitszeugnis der Regierung von der Atomenergiekommission (AEC) verweigert. Der Mitteilung der AEC zufolge genoss Oppenheimer nicht länger das Vertrauen der Regierung und der Kommission, da man bei ihm angeblich gravierende Defekte seines Charakters festgestellt hatte.

Diese umstrittene Entscheidung brachte viele Historiker dazu, das Sicherheitssystem und Oppenheimers Charakter näher zu analysieren. Sie gelangten zu dem Schluss, dass zwei Aspekte von Oppenheimers Charakter, seine Intelligenz und seine manchmal akribische Persönlichkeit, zusammen mit der Hysterie des Kalten Krieges zu seinem Ausschluss führten.

In einer Entspannungsphase des Kalten Krieges, rehabilitierte Präsident Lyndon B. Johnson Oppenheimer, indem er ihm 1963 den Enrico Fermi Preis der Atomenergiekommission verlieh. J. Robert Oppenheimer ließ sich 1966 in den Ruhestand versetzen und starb ein Jahr später in Princeton an Kehlkopfkrebs.  (Quelle: Lycée des Garcons Luxembourg )

Bearbeitungsstand: März 2007

Weitere Informationen zur Entwicklung der Atombombe

siehe auch: Atomenergiekommission
siehe auch: BOHR Niels
siehe auch: Fat Man
siehe auch: Kalter Krieg
siehe auch: KT (Kilotonne)
siehe auch: Little Boy
siehe auch: Manhattan-Projekt
siehe auch: Sprengkraft
siehe auch: Uranbombe

Option Drei

Im Dezember 1975 bot der Westen bei den Ost-West-Verhandlungen über eine beiderseitige und ausgewogene Truppenreduzierung (MBFR) den Abzug von 1000 US-amerikanischen nuklearen Gefechtsköpfen, 54 doppelt einsatzfähigen US-amerikanischen Phantom F-4 Jagdbombern und 36 US-amerikanischen Pershing I-A Startvorrichtungen aus dem Reduktionsgebiet an. Ausdrückliche Bedingung dafür war, dass die östliche Seite im Kern den westlichen Vorschlägen, einschließlich gemeinsamer Streitkräfteobergrenzen, zustimme und eine Panzerarmee von fünf Divisionen abzog. Im Dezember 1979 zog der Westen seinen Vorschlag zurück. (Quelle: Neuman, Kernwaffen in Europa, Bonn 1982, S. 113f.)

Bearbeitungsstand: Mai 2007

Organisation des Vertrags über das umfassende Verbot von Nuklearversuchen

engl.: Comprehensive Test Ban Treaty Organisation (CTBTO)

Logo der CTBTO

Die zur Umsetzung des umfassenden Atomteststoppvertrages gegründete CTBTO (Comprehensive Nuclear Test Ban Treaty Organization) mit Sitz in Wien arbeitet bis zum Inkrafttreten des Vertrages auf provisorischer Basis. Sie wird in dieser Zeit durch die 1996 gegründete Vorbereitungskomission geleitet, die beauftragt wurde, für die Überprüfung des Testverbots ein weltumspannendes internationales Überwachungssystem (IMS = International Monitoring System) mit Messstationen und Laboren aufzubauen. Diese versetzen die Organisation in die Lage, selbst kleine unterirdische Nukleardetonationen weltweit nachzuweisen.

Bis Anfang 2016 waren 282 von insgesamt 337 Messstationen fertig installiert und funktionsfähig. Es gibt vier Typen von Stationen, um verschiedene Ereignisse zu messen:

  • Seismische Stationen messen Schockwellen im Boden und können zwischen natürlichen und menschengemachten seismischen Bewegungen unterscheiden.
  • Hydroakustische Stationen horchen nach Schallwellen im Meer, die auch von sehr weit weg noch gehört werden können.
  • Infraschallstationen können sehr tiefe Schallwellen aufspüren, die von großen Explosionen verursacht werden und nicht durch das menschliche Ohr zu hören sind.
  • Radionuklide-Stationen messen radioaktive Partikel und Edelgase in der Atmosphäre.


Im Vienna International Centre sitzt das provisorische technische Sekretariat, in dessen Internationalem Datenzentrum alle Daten aus den Überwachungsstationen gesammelt und ausgewertet werden. Das Sekretariat ist zudem beauftragt, Inspektionen vor Ort (On-site Inspections) bei Verdacht auf eine Vertragsverletzung vorzubereiten. Alle verdächtigen Ereignisse sollen untersucht werden, um festzustellen, ob ein Atomtest durchgeführt wurde.

Mit dem Inkrafttreten des Vertrags sollen die Vorbereitungskomission und das provisorische Sekretariat durch die CTBTO aufgelöst werden. xh (Quelle: CTBTO)

Bearbeitungsstand: Januar 2016

»Weitere Informationen über die Atomteststoppverträge

»Geschichte und Chronik der Atomteststoppverträge

Osiris-Reaktor

Am 7. Juni 1981 griffen israelische Flugzeuge überraschend den irakischen Kernreaktor Osiris an. Während der israelische Ministerpräsident Menachem Begin sein Kabinett informierte, waren die israelischen Flugzeuge längst unterwegs nach Tuwaitha am Tigris, etwa 20 Kilometer südöstlich von Bagdad, an der Straße nach Basra. Begin hatte der Luftwaffe den Befehl gegeben, den irakischen Nuklearkomplex zu zerstören.

Um 17.35 Uhr mitteleuropäischer Zeit fielen die Bomben. Jacques Rimbaud, ein französischer Techniker der in Tuwaitha tätigen Baufirma Bouygues, saß gerade bei einem Aperitif auf der Terrasse eines Cafes in der Nähe der Anlage. Nach seiner Rückkehr erzählte er in Paris: »Wenn man die Bauarbeiten da unten wieder aufnehmen wollte, müsste man zuerst alles abreißen ... Ich habe genau gesehen, wie vier Militärmaschinen zweimal über die Anlage hinwegflogen und insgesamt vier Bomben abwarfen. Der ganze Angriff hat keine zehn Sekunden gedauert. Die Präzision der Bombardierung schien mir unglaublich: Das Zentralgebäude ist zerstört, der Kernreaktor beschädigt, der strahlensichere Schutzkeller verschwunden. Ich habe den Eindruck, dass die Bomben auf den Meter genau gezielt wurden. […] Mir scheint, dass die Israelis den Augenblick für den Angriff bewusst gewählt haben, um soweit wie möglich Menschenleben zu schonen«.

Die meisten Mitarbeiter hatten das Forschungszentrum verlassen; ein französischer Techniker und zwei Irakis kamen dennoch bei dem Angriff ums Leben. Erst nach Ende des Angriffes begann die irakische Luftabwehr zu feuern, mit Raketen und Leuchtspurgeschossen.

Amerikanische Satellitenphotos gaben dem französischen Techniker recht: »Nicht ein einziger Bombenkrater neben der Anlage war zu sehen«, berichtete ein Beamter des Pentagon. »Jede Bombe traf genau, was sie treffen sollte«.

Ein Jerusalemer Militärexperte rühmte: »Es war eine brillante Leistung, die drei Dinge voraussetzte — lückenlose Aufklärung, perfekte Planung, superpräzises Bombardement«. Die israelischen Flugzeuge mussten knapp 2000 Kilometer über das Gebiet zweier feindlicher arabischer Staaten fliegen (Jordanien, Saudi-Arabien); in einen dritten Staat (Irak) eindringen, in Minuten ein kleines Ziel punktgenau treffen, einen von Frankreich gelieferten Schwimmtank-Reaktor mit 70 Megawatt thermischer Leistung.

Die Israelis mussten ihr Ziel in Minuten knacken, bevor die radargesteuerte ZSU-23-Vierlings-Flak, die SAM-7- und SAM-9-Raketen und die Abfangjäger der Iraker eingreifen konnten. Diese Feinarbeit haben sie monatelang an einem Modell in der Wüste geübt. Es galt ja, die Abdeckung des Reaktors nicht nur zu treffen, sondern zu knacken, also den Anflugwinkel so präzise zu berechnen, dass die Bomben nicht abprallten und harmlos in der Luft verpufften. Die Bombenspitze musste sich zunächst in den Beton bohren und durfte erst nach einer kurzen Verzögerung zünden. Die nächste Maschine durfte nicht zu schnell folgen, weil der Pilot erst den Riss ausmachen und dann punktgenau treffen musste. Die Israelis benutzten selbst gefertigte, konventionelle 1000-Kilo-Bomben — freilich mit einer Spitze aus superhartem Titan, die vor der Explosion ein Loch in die Betonkuppel schlagen konnte. Das timing war kritisch. Es war kein Zufall, dass die israelischen F-15 und F-16 um 17.35 Uhr über Tuwaitha auftauchten: kurz vor Sonnenuntergang. Die Sonne stand gerade über dem Horizont. Es war also noch hell genug, um hinterher im Schutze der Dunkelheit zu entfliehen. Außerdem hatte die israelische Aufklärung vor Ort festgestellt, dass die etwa 150 französischen Techniker die Anlage regelmäßig um 17.00 Uhr verließen.

Nach der Zerstörung gab es keine Wiederaufbauversuche. 1984 stellte Frankreich seine Aufbauhilfe für den Irakischen Reaktor endgültig ein. Die Anlage wurde geschlossen und unterlag seitdem der Kontrolle durch die IAEO.
(Quelle: images.zeit.de/text/1981/26/Bomben-auf-Isis-und-Osiris )

Bearbeitungsstand: November 2008

siehe auch: IAEO

Ostbevern-Schirlheide

ehem. Atomwaffenstandort Deutschland

Das Sondermunitionslager Ostbevern-Schirlheide (52°00'31“N, 7°51'09“O) lag ca. 16 km nordöstlich der Stadt Münster in Nordrhein-Westfalen. Hierbei handelte es sich um ein sogenanntes atomares „Versorgungslager Munition“ (VLM). Diese größeren Sonderwaffenlager verfügten in der Regel über mindestens neun erdbedeckte Munitionslagerhäuser und dienten der Bevorratung und Belieferung der in der Nähe stationierten atomaren Verbände mit ihren kleineren Sonderwaffenlagern (SAS). In Ostbervern-Schirlheide war ausschließlich atomare Munition für die britische Armee eingelagert. Der für den Transport zuständige Verband war das britische 8th ArtSupRegt, das in Münster-Coerde stationiert war. Der Transport der Sondermunition erfolgte als „Air Mission“ in der Regel auf dem Luftweg. Zuständig war das 22nd US-amerikanische Aviation Detachment, das mit den zweimotorigen Transporthubschraubern vom Typ Vertol CH-47 “Chinook“ ausgestattet war. Die Maschinen waren in der Lage, in den jeweiligen inneren Sicherheitsbereichen direkt vor den Munitionsbunkern zu landen.

In Ostververn-Schirlheide waren zu unterschiedlichen Zeiten folgende atomaren Gefechtsköpfe eingelagert:

Honest John Gefechtsköpfe vom Typ W-31 mit folgender Sprengkraft:

Version Mod.0 Y1: 2.000 t
Version Mod.0 Y2: 40.000 t
Version Mod.3 Y3: 20.000 t

Lance Gefechtsköpfe vom Typ W-70 mit folgender Sprengkraft:

Version Mod.0: 1.000 t
Version Mod.1: 10.000 t
Version Mod.2: 100.000 t
Version Mod.3: 750 t
Version Mod.4: 1.250 t

Gefechtsköpfe vom Typ W-33 für die Haubitze 203 mm mit folgender Sprengkraft:

Version Mod.0 Y1: 500 t
Version Mod.1 Y2: 40.000 t
Version Mod.1 Y3: 10.000 t
Version Mod.1 Y4: 5.000 t

Gefechtsköpfe vom Typ W-29 für die Haubitze 203 mm mit folgender Sprengkraft:

Version Mod.0 Y1: 100 t
Version Mod.0 Y2: 700 t
Version Mod.0 Y3: 1.100 t
Version Mod.1: 800 t

Gefechtsköpfe vom Typ W-48 für die Haubitze 155 mm mit folgender Sprengkraft:

Version Mod.0: 72 t
Version Mod.1: 72 t.

Über die Anzahl der eingelagerten Gefechtsköpfe gibt es keine konkreten Angaben. (LL)

Bearbeitungsstand: Juli 2011

Weitere Informationen über Atomwaffenstandorte in Deutschland

Ostermarsch

engl.: Easter March

Berliner Ostermarsch, 15. April 1990, Heinrich-Heine-Str., Foto: Deutsches Bundesarchiv

Ostermärsche sind jährlich in der Osterzeit stattfindende Demonstrationen ursprünglich gegen die atomare Rüstung aber auch gegen Krieg und für Abrüstung. Seit dem ersten Protest Ostern 1958 in Großbritannien sind die Demonstrationen als Ostermärsche bekannt. Die »Campaign for Nuclear Disarmament« hatte einen dreitägigen Protestmarsch von London zum Atomforschungszentrum Aldermaston organisiert, an dem sich 10.000 Menschen beteiligten.

Nach Deutschland kam die Bewegung 1960, der erste Ostermarsch fand seinerzeit mit ca. 1.000 Demonstranten in Norddeutschland statt. Ihr Ziel war das Raketenübungsgelände Bergen-Hohne. 1986 forderten bei Märschen in ganz Deutschland bereits 300.000 Menschen ein Ende der atomaren Bewaffnung und des nuklearen Wettrüstens.

Nachdem die Beteiligung an den Protestaktionen Ende der 1960er Jahre stark zurückgegangen war, konnten ab 1979 angesichts der Stationierung weiterer Atomwaffen in der Bundesrepublik Deutschland wieder mehr Ostermarschierer mobilisiert werden. 1983 nahmen an den Protesten etwa 700.000 Menschen teil.

Im Jahr 2009 hat das Ostermarschbüro in Frankfurt am Main insgesamt 70 Protestveranstaltungen im gesamten Bundesgebiet registriert. (Quelle: Gießener Allgemeine Zeitung vom 11.4.2009)

Mehr Informationen über die Geschichte der Anti-Atom-Bewegung


Bearbeitungsstand: April 2009

Outer Space Treaty

Der Weltraumvertrag [vom 27. Januar 1967] und der Mondvertrag vom 18. Dezember 1979 enthalten die Prinzipien zur Regelung der Tätigkeiten von Staaten bei der Erforschung und Nutzung des Weltraums, des Mondes und anderer Himmelskörper. Die wesentliche Vorschrift des Weltraumvertrags über die Entmilitarisierung (Artikel 4) lautet in ihrem ersten Absatz:

„Die Vertragsstaaten verpflichten sich, keine Gegenstände, die Kernwaffen oder andere Massenvernichtungswaffen tragen, in eine Erdumlaufbahn zu bringen und weder Himmelskörper mit derartigen Waffen zu bestücken noch solche Waffen im Weltraum zu stationieren.“

Der Vertrag definiert nicht, was unter dem Begriff „Massenvernichtungswaffen“ und „Stationierung zu verstehen ist. Es herrscht jedoch Einigkeit, dass unter den Begriff „Massenvernichtungswaffen“ atomare, chemische und bakteriologische Waffen fallen. Vom Begriff „Stationierung“ in Artikel 4, Absatz 1 werden nur die Waffensysteme erfasst, die eine volle Erdumlaufbahn absolvieren. Die strategischen und taktischen Raketen der Nuklearmächte, die auf einer ballistischen Bahn ihr Ziel ansteuern und den Weltraum dabei nur in einem eng begrenzten Teilbereich schneiden, fallen ebenso wenig unter den Begriff wie die so genannten Fractional Orbital Bombardement Systems (FOBS), die auf einer Teilumlaufbahn ins Ziel gelangen. Die Ausfüllung der Begriffe des zitierten Absatzes zeigt, dass das Verbot der Stationierung von Massenvernichtungswaffen in Erdumlaufbahnen nur einen begrenzten Wirkungsbereich hat und keines der Systeme erfasst, die zu Beginn als Waffensysteme für die Nutzung im Weltraum qualifiziert worden sind. Die Beschränkung des Verbots auf eine Stationierung im Weltraum, erlaubt es allen Vertragsparteien, nukleare und chemische Waffen für den Einsatz im Weltraum zu entwickeln, zu testen oder sogar auf der Erde zu stationieren. [Anmerkung der Redaktion: Chemische Waffen wurden seit Verfassung dieses Textes völkerrechtlich verboten.] Die Stationierung des mit einem nuklearen Sprengkopf ausgerüsteten Antisatellitensystems Thor der USA verstieß deshalb nicht gegen den Weltraumvertrag. [Anmerkung der Redaktion: Allerdings sind jegliche Nuklearexplosionen im Weltraum gemäß dem „Vertrag über das Verbot von Kernwaffenversuchen in der Atmosphäre, im Weltraum und unter der Wasseroberfläche“ von 1963 verboten.]

Für die Legalität der Waffensysteme im Weltraum ist Artikel 4, Absatz 2 von Bedeutung, in dem es unter anderem heißt:

„Der Mond und die anderen Himmelskörper werden von allen Vertragsstaaten ausschließlich zu friedlichen Zwecken genutzt. Die Errichtung militärischer Stützpunkte, Anlagen und Befestigungen, das Erproben von Waffen jeglicher Art und die Durchführung militärischer Übungen auf Himmelskörpern sind verboten.“

Die Klausel „zu friedlichen Zwecken“ ist vielfach so interpretiert worden, als müssen sie auf alle Aktivitäten im Weltraum, besonders auf solche in Erdumlaufbahnen, angewendet werden. Die Heranziehung der Präambel, in der ebenfalls die Klausel „zu friedlichen Zwecken“ verwendet wird, und anderer Vertragsvorschriften kann nicht dazu führen, die Klausel in ihrer Begrenzung auf den Mond und andere Himmelskörper zu lösen. Darüber hinaus gab es vor allem in den sechziger Jahren unterschiedliche Auffassungen über die Auslegung des Begriffs „friedlich“. Nach damaliger sowjetischer Ansicht bedeutete friedlich „nichtmilitärisch“, während die Vereinigten Staaten von Anfang an davon ausgingen, dass friedlich nur „nicht-aggressiv“ heißen könne. …

Der Weltraumvertrag hat mit seiner Beschränkung auf die Massenvernichtungswaffen in Erdumlaufbahnen und auf die aggressiven militärischen Tätigkeiten auf Himmelskörpern wenig Einfluss auf die aktuelle Entwicklung der Militarisierung des Weltraums. Keines der in der Entwicklung oder in der Planung befindlichen Systeme wird von den Verboten des Artikels 4 erfasst. (Horst Fischer: »Völkerrechtliche Schranken der Weltraumrüstung«, in: Labusch, Maus und Send, »Weltraum ohne Waffen«, Bertelsmann, München 1984.)

Bearbeitungsstand: September 2004

siehe auch: Trägersysteme

Overkill

Die Atommächte waren und sind, durch ihre Unmengen von Atomwaffen, in der Lage die Welt mehrfach zu zerstören. Dieses Übermaß an Atomwaffen wird mit dem englischen Begriff „Overkill" (Mehrfachvernichtungskapazität) beschrieben.

Um das Ausmaß der nuklearen Bedrohung zu veranschaulichen, stellte die Theologin Uta Ranke-Heinemann, in einer Rede im Oktober 1981, die Frage, woher man denn die 100 Milliarden Menschen bekommen würde, die durch die Sprengkraft vernichtet werden könnten.

Es bestünde ja kein Mangel an Waffen mehr, vielmehr reichen die Menschen, die durch Atomwaffen vernichtet werden könnten, nicht mehr aus. Statistisch gesprochen klaffe die Schere zwischen aktivem und passivem Vernichtungspotential immer weiter auseinander, so Ranke-Heinemann. (LL)

Bearbeitungsstand: August 2005

Weitere Infos zum „Overkill“