Nukleares Tabu

engl.: nuclear taboo

Der Begriff „nukleares Tabu“ wurde erstmals 1953 vom damaligen US Außenminister John Foster Dallas in die sicherheitspolitische Diskussion eingeführt. Als Befürworter von Nuklearwaffen-Einsätzen ging es ihm vorrangig darum, die Sonderrolle von Atomwaffen aufzuheben, um dadurch den Einsatz dieser Waffen zu legalisieren. „Auf die eine oder andere Weise müssen wir es schaffen, das Tabu des Einsatzes [nuklearer] Waffen zu beseitigen.“ In diesem Zusammenhang wurde auch die Unterscheidung zwischen konventionellen und nuklearen Waffen angezweifelt und als „falsch“ angesehen. Auch Konrad Adenauer, der erste Bundeskanzler, bezeichnete die neuen Nuklearwaffen als „Weiterentwicklung der Artillerie“. Der Vorstellung, bei Nuklearwaffen handele es sich um „singuläre Waffen“, wurde auf breiter Front widersprochen. Damit sollte die Voraussetzung geschaffen werden, zumindest in begrenzten konventionellen Kriegen auch eine atomare Option verfügbar zu haben. Zwischen den Atomwaffenstaaten ist das nukleare Tabu bestenfalls eine ungeschriebene Norm, während die militärischen Planungsstäbe der Großmächte sich unaufhörlich über den Bruch des Tabus und damit über die Nutzung der verfügbaren Atomwaffenarsenale in einem zukünftigen Krieg Gedanken machen. (LL)

Bearbeitungsstand: Juni 2012

siehe auch: Atomkrieg

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