Neutronenbombe

engl.: Neutron bomb or Enhanced Radiation Warhead (ERW)

Eine Neutronenbombe – auch Enhanced Radiation Weapon (zu dt.: Waffe mit verstärkter Strahlung) genannt – ist eine Wasserstoffbombe, die hauptsächlich durch radioaktive Verstrahlung, weniger durch die Folgen der Druckwelle oder Hitze töten sollte. Ihre Entwicklung war ein neuer Ansatz in der Entwicklung nuklearer Waffen, weil sie die zerstörerischen Folgen des Einsatzes eingrenzen sollte, außer der der tödlichen Strahlung. Die Bombe sollte also Menschen töten, aber Gebäude, Infrastruktur und Land weitgehend verschont lassen.

Im Unterschied zu den auf Kernspaltung beruhenden herkömmlichen Nuklearwaffen, bei denen etwa 95 Prozent der freiwerdenden Energie als Wärme von einigen Millionen Grad auftritt und nur 5 Prozent der Energie in Form von Strahlung freigesetzt werden, ist es bei der Neutronenbombe umgekehrt. Sie setzt über 80 Prozent ihrer Energie in Form von Strahlung frei und nur knapp 20 Prozent als Druck und Hitze. Die extrem hohe Strahlungsmenge hat zur Folge, dass nach der Explosion einer Neutronenbombe ca. 71 Prozent der Fläche innerhalb des Wirkungskreises eine Strahlendosis von 650 rad und mehr abbekommen. Wer sich ohne Schutz innerhalb dieser Zone aufhält, ist dem Tod geweiht.

Die Arbeit an der Entwicklung einer Neutronenbombe wurde von Samuel Cohen, der als „Vater der Neutronenbombe“ gilt, 1958 aufgenommen und der erste erfolgreiche Test wurde 1962 durchgeführt. Die Neutronenbombe sollte eine Waffe mit niedriger Sprengkraft sein, die aber große Mengen von energiereichen Neutronen freisetzen sollte. Diese Neutronen durchdringen auch gepanzerte Einheiten oder unterirdische Ziele ohne Probleme und können alles Leben zunichte machen.

In den USA, wo die Neutronenbombe entwickelt wurde, wurde sie als Antipanzerwaffe gerechtfertigt, die die Insassen des Panzers mit Strahlung töten könnte statt mit Explosionsdruck einzudringen. Um die Neutronenbombe entbrannte in den 1970er Jahren eine kontroverse Debatte als US-Präsident Jimmy Carter sie in Europa auf Lance-Raketen stationieren wollte. Besonders in Westdeutschland gab es großen Widerstand gegen eine Stationierung. Kritiker der Bombe sahen sie als unmoralisch, weil die Bombe Infrastruktur und Eigentum verschone, nicht aber den Menschen. Es wurde auch argumentiert, dass die Hemmschwelle für den Einsatz niedriger läge, weil weniger zerstört würde. Präsident Reagan begann im Jahr 1981 mit der Aufnahme der Neutronenbombe im US-Arsenal, stationierte sie jedoch wegen des starken Widerstandes nicht in Europa.

Frankreich testete im Jahr 1980 erfolgreich eine Neutronenbombe und auch die Sowjetunion entwicklete und testete damals eine eigene Version. xh (Quellen: The Language of Nuclear War, Nuclear Files, Anton-Andreas Guha: Die Neutronenbombe oder Die Perversion menschlichen Denkens)

Bearbeitungsstand: Januar 2016

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