Multilaterale Nuklearflotte

engl.: Multilateral Force (MLF)

Die Multilaterale Nuklearflotte war ein US-amerikanischer Vorschlag aus dem Jahr 1963, wonach eine Reihe von U-Booten und ca. 25 Kriegsschiffe der NATO mit Atomraketen ausgerüstet werden sollten. Bei den Raketen handelte es sich um Polaris-Raketen mit einer Reichweite von maximal 4500 km. Dadurch sollten die Nato-Staaten, die über keine eigenen Atomwaffen verfügten, die Möglichkeit erhalten, Zugriff auf Massenvernichtungswaffen zu bekommen. Es war vorgesehen, Raketen und Sprengköpfe in den gemeinsamen Besitz der beteiligten NATO-Staaten zu überführen und unter ein integriertes Kommando zu stellen. Der Vorschlag der USA scheiterte letztlich an der Kostenfrage, da sich nur die USA und die Bundesrepublik Deutschland bereiterklärten, einen finanziellen Beitrag zu leisten.

Als Frankreich ab 1964 mit dem Aufbau einer eigenen NATO-unabhängigen Atomstreitmacht (Force de Frappe) begann und 1966 die militärischen Strukturen der NATO verließ, war das MLF-Projekt endgültig gescheitert. Obwohl der Aufbau einer NATO-Atomstreitmacht scheiterte, gelang es den NATO-Mitgliedern zumindest ab 1967 eine Nukleare Planungsgruppe (NPG) ins Leben zu rufen, allerdings ohne französische Beteiligung. Damit wurde deutlich, dass die NATO auf Dauer von den Atomwaffen der USA abhängig sein würde. (LL)

Bearbeitungsstand: April 2008

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