Laarbruch-Weeze

ehem. Atomwaffenstandort Deutschland

ehem. Atomwaffenstandort Laarbruch-Weeze. Bild: Digital GlobeDas ehemalige Sonderwaffenlager Laarbruch-Weeze (51°36'19“N, 06°08'47“O) lag auf dem Gelände der gleichnamigen Air Base ca. 8 km südlich der Stadt Goch in Nordrhein-Westfalen. Die Air Base wurde von der Royal Air Force betrieben. Dazu standen von 1969 bis 1975 F-4 Phantom II als Jagdbomber zur Verfügung. Ab 1975 wurde diese durch SEPECAT Jaguar ersetzt. Beide Waffensysteme waren atomwaffenfähig. Die entsprechenden Atombomben waren vor Ort gelagert. Über Anzahl und Sprengkraft der Bomben gibt es keine Angaben. Ab 1984 wurde die Royal Air Force auf den Tornado GR1 umgerüstet. Zeitgleich wurde die Air Base mit dem amerikanischen Weapon Storage and Security System (WS3) ausgerüstet. Die gehärteten Flugzeugunterstände QRA (Quick Reaction Alert) befanden sich im nordöstlichen Bereich Air Base (51°36’20“N, 06°09’22“O). In den 10 sogenannten “Grüften” konnten insgesamt maximal 40 atomare Fliegerbomben eingelagert werden. (LL)

Dabei handelte es sich um britische Atomwaffen vom Typ WE-177. Diese Bomben waren taktische Wasserstoffbomben, die in den Versionen A: 0.5-10 KT, B: 450 KT und C: 200 KT zur Verfügung standen. Sie wurden von Mitte der 1960er Jahre bis Ende der 1970er Jahre produziert. Seit dem Jahr 1982 benutzt die britische Luftwaffe Bomben des Typs WE-177A zur Bewaffnung ihrer Tornado-Jagdbomber. Befürchtungen, die WE-177 Atombomben besäßen eine unzureichende Sicherheit, könnten dazu beigetragen haben, dass die britische Regierung entschied, diese Waffen früher als geplant außer Dienst zu stellen. Am 4. April 1995 wurde bekannt gegeben, dass bis zum Jahre 1998 alle WE-177 außer Dienst gestellt werden. Gerüchten zufolge sollen bis Ende 1996 alle WE-177 nach Großbritannien zurückverlegt worden sein. (Quelle: Otfried Nassauer, Amerikanische Nuklearwaffen in Europa 1996-97)

Bearbeitungsstand: Mai 2012

Weitere Informationen über Atomwaffenstandorte in Deutschland

siehe auch: KT-Wert
siehe auch: QRA-Stellung
siehe auch. Wasserstoffbombe

Lärz

ehem. Atomwaffenstandort, Deutschland

ehem. Atomwaffenstandort Lärz. Bild: Digital GlobeWährend der Zeit des Kalten Krieges betrieben die sowjetischen Luftstreitkräfte auf dem Gebiet der damaligen DDR insgesamt sieben aktive Kernwaffenlager im Bereich der Flugplätze Altenburg, Brand Finsterwalde, Groß Dölln, Großenhain, Lärz und Werneuchen.

Auf dem ehemaligen sowjetischen Militärflugplatz Lärz war die 125. Jagdbomberfliegerdivision der sowjetischen Streitkräfte in Deutschland mit dem atomwaffenfähigen Flugzeugtyp MiG-27 stationiert. (LL)

Das Kernwaffenlager (KWL) Lärz (53°17'39“N, 12°46'01“O) lag gut 1000 m südlich des gleichnamigen Militärflugplatzes und ca. 95 km südöstlich von Schwerin in Mecklenburg- Vorpommern. Es wurde in der Zeit von 1961 bis 1964 errichtet und gehörte zu den sogenannten Kernwaffenlagern der 1 Generation, die in Brand, Finsterwalde und Lärz errichtet wurden. Sie befanden sich bis zu drei Kilometer außerhalb der Peripherie der Flugplätze. Die Kapazität einer dieser in kostspieliger monolithischer Bauweise errichteten Stahlbetonkonstruktionen (Bunker) lag bei ca. 40 Kernbomben. Dabei handelte es sich vorwiegend um freifallende Kernbomben des heute bekannten Typs „44N bzw. 8U46/0U47“ mit einer Sprengkraft von ca. 5 KT. In den 1980er Jahren erhöhte sich die Lagerkapazität infolge der Miniaturisierung auch bei den Kernwaffen auf ca. 80 Kernbomben pro Objekt. Zum Arsenal zählten in dieser Epoche frei fallende Kernbomben vom Typ RN-40 mit einer Sprengkraft von 30 KT. (Quelle: Fliegerrevue Extra Nr. 22, Atomwaffen in der DDR, September 2008)

Bearbeitungsstand: November 2012

Weitere Informationen über Atomwaffenstandorte in Deutschland

siehe auch: KT (Kilotonne)
siehe auch: Sprengkraft

La Hague

Atomanlage, Frankreich

La Hague Wiederaufarbeitungsanlage, Frankreich. Foto: Morpheus2309

Die Wiederaufbereitungsanlage von La Hague in Frankreich stellt Plutonium und Uran aus verbrauchten Atombrennstäben her. Große Mengen von Atommüll und Spaltmaterialien werden gelagert, was die Gefahr der Proliferation von Plutonium stark erhöht. Zudem verschmutzt radioaktiver Müll das Meer und die Atmosphäre. Bereits mehrere Studien haben ein erhöhtes Auftreten von Leukämie bei Kindern im Umkreis von La Hague gezeigt.

Hintergrund
La Hague ist eine atomare Wiederaufbereitungsanlage an der Küste der Normandie. Sie wurde 1966 durch die staatseigene französische Firma Areva für die Herstellung von Plutonium für atomare Sprengsätze in Auftrag gegeben. 1969, als das französische Militär genügend Plutonium für sein Waffenprogramm hergestellt hatte, begann La Hague mit der Wiederaufarbeitung von zivilen Brennstäben aus Frankreich, Deutschland, der Schweiz, Japan, Belgien und den Niederlanden. La Hague verarbeitet bis zu 1.600 Tonnen Atombrennstoff pro Jahr und ist der weltgrößte Produzent von abgetrenntem Plutonium. Auf der Anlage lagern 50 Tonnen pulverisiertes Plutonium, welches, chemisch aufbereitet, ausreichen würde, um mehr als 5.000 Atomsprengköpfe zu bestücken. Jedes Jahr werden mehr als zehn Tonnen Plutonium quer durch Frankreich transportiert. Das Proliferationsrisiko, das durch die Produktion, Aufbereitung, Lagerung und den Transport von Plutonium entsteht, sollte besonders in Zeiten des globalen Terrorismus nicht unterschätzt werden. Die Produktion von plutoniumhaltigen Mischoxid-Brennelementen (MOX) hat diese Gefahr nur erhöht, da MOX-Brennstäbe technisch einfacher zu handhaben sind und waffentaugliches Plutonium daraus leicht heraus getrennt werden kann.

Folgen für Umwelt und Gesundheit
La Hague führt auf zwei Wegen zur radioaktiven Verschmutzung des Umlands: Zum einen werden radioaktive Gase wie Krypton-85 freigesetzt. So fand Greenpeace 93.000 Becquerel (Bq)/m³ Krypton-85 in der Luft über La Hague. Normale Werte bewegen sich zwischen ein bis zwei Bq/m³. Zum anderen werden jedes Jahr ca. 230 Millionen Liter radioaktiv kontaminiertes Wasser aus der Wiederaufbereitungsanlage ins Meer gekippt. Nach dem atomaren Niederschlag (Fallout) durch die weltweiten Atomtests und den Super-GAU von Fukushima sind die Emissionen der Atomanlagen von Sellafield und La Hague die größte Quelle radioaktiver Verschmutzung der Weltmeere und übertreffen dabei sogar die Atomkatastrophe von Tschernobyl.

Die Konzentration von radioaktiven Cäsium-137 im südlichen Atlantik beträgt 0,6 Bq/m³. Dagegen ist die Konzentration im Englischen Kanal nahe La Hague mit 8 Bq/m³ mehr als zehn mal höher. Greenpeace konnte 1997 die radioaktive Belastung von Wasser, Meerestieren und Sediment um La Hagues Abwasserleitungen nachweisen und fand in Proben zahlreiche radioaktive Substanzen wie Americium, ein Nebenprodukt von Plutonium, Kobalt und Cäsium, sowie eine β-Aktivität von mehr als 200 Millionen Bq/l. Zum Vergleich: die normale Meereswasseraktivität liegt bei etwa 12 Bq/l.

Mehrere unabhängige Studien fanden zudem eine erhöhte Leukämierate bei Kindern im Alter von fünf bis neun Jahren im Umkreis von zehn km um La Hague. Zusätzlich veröffentlichte eine Fall-Kontroll-Studie im British Medical Journal eine signifikante Korrelation von Leukämie bei Kindern mit der Benutzung lokaler Strände und dem Konsum lokaler Meerestiere.

Ausblick
Entgegen aller Erkenntnisse zu den Umwelt- und Gesundheitsfolgen der atomaren Verschmutzung sowie der Nutzlosigkeit der Wiederaufbereitung von Atommüll für die Energieproduktion und trotz internationaler Kritik an La Hague aufgrund der Proliferationsgefahr von atomwaffenfähigem Material, setzt Frankreich die Abspaltung von Plutonium fort und exportiert es sogar an Staaten in Afrika. So steigt das Risiko, dass neben der Kinder aus der direkten Umgebung noch mehr Menschen weltweit durch La Hague zu Opfern der Atomwirtschaft gemacht werden. (Quelle: Ausstellung „Hibakusha weltweit”)

»Weiterführende Lektüre: Bericht des europäischen Parlaments zu den gesundheitlichen und ökologischen Folgen der atomaren Wiederaufbereitungsanlagen in Sellafield und La Hague (in englischer Sprache)

Bearbeitungsstand: August 2013

»Weitere Informationen zu Frankreichs Atomwaffen

Lahn

ehem. Atomwaffenstandort, Deutschland

Das atomare "Versorgungslager Munition" (VLM) Lahn (52°49’53“N, 07°37’12“O) lag ca. 4 km südwestlich der Stadt Werlte in Niedersachsen. Es gehörte zur Zeit des Kalten Krieges zu den 10 großen Hauptlagern für Nuklearwaffen in der Bundesrepublik Deutschland.

Anfang der 1960er Jahre begannen die Arbeiten zur Errichtung eines Munitionslagers zwischen den Städten Sögel und Werlte in Niedersachsen. Darin integriert befand sich das zentrale Atomwaffendepot für das I. Korps der Bundeswehr und das I. Niederländische Korps. Es entstanden neun Munitionslagerhäuser, dazu ein Werkstattgebäude und das Torhaus. Wegen der besonderen Bedeutung der Anlage und der Gefährlichkeit der eingelagerten Munition wurden besondere Schutzmaßnahmen ergriffen. Das gesamte Lagergelände und ein breiter Sichtstreifen außerhalb der Umzäunung war von hohen Wachtürmen lückenlos einsehbar. Hohe Zäune in Doppelreihen umgaben das Gelände. Dazu wurden gestaffelt Betonwände aufgestellt, die Sichtschutz und Deckung für die Nahverteidigung boten. Einige halb erdversenkte betonierte Beobachtungsposten ergänzten die Sicherungseinrichtungen. Am Tor sind ebenfalls besondere Einbauten zu finden. Das gesamte Wachgebäude, das gleichzeitig Unterkunft für die Wachmannschaften war, ist in massiver Betonbauweise ausgeführt worden. In das Lager gelangte man nur mittels Schleusung durch Doppeltore. Auf der Zufahrtsstraße vor dem Depot konnten Abweiser in die Straße eingesetzt werden, um das Durchbrechen von Fahrzeugen zu verhindern. Das Umfeld wurde zum rund 170 ha messenden Standortübungsplatz der Garnison Werlte ausgebaut und wurde vollständig als  Militärischer Sicherheitsbereich genutzt. Somit bekamen Außenstehende die Anlage regulär nie zu Gesicht.
Die Munitionslagerhäuser entsprechen den standardisierten Typen der NATO, die sowohl in konventionellen Munitionsdepots als auch in Sondermunitionslagern zu finden sind. Für die Sonderwaffen wurden aber wieder einige Ergänzungen vorgenommen. Das eigentliche Tor ist mit einem stählernen Schutzvorbau versehen worden, die zwei Flügeltore mussten mit zwei speziellen Schlössern geöffnet werden. Dahinter liegt das zweiteilige Schiebetor, welches aus dem Wachgebäude elektrisch bewegt wurde. Damit waren die Sicherheitsvorkehrungen aber noch nicht abgeschlossen, ein weiteres Schiebeschott musste, ebenfalls ferngesteuert, hydraulisch zur Seite gefahren werden.
Das Sonderwaffenlager wurde gemeinschaftlich von Bundeswehr und US Army betrieben. Im August 1963 verlegte die 552nd USArmy Artillery Group nach Sögel in die Mühlenberg Kaserne, um das Depot Lahn in Betrieb zu nehmen. Zugeordnet war die 162nd USArmy Ordnance Company, deren Aufgaben vor allem  Wartungsarbeiten und kleinere Reparaturen an den Sprengköpfen umfassten. (Manfred Tegge)

Zu unterschiedlichen Zeiten waren im Sonderwaffenlager Lahn für folgende Waffensysteme atomare Sprengköpfe eingelagert:
Kurzstreckenrakete Lance: Nukleargefechtskopf W70, Sprengkraft: 1-100 KT
Kurtstreckenrakete Sergeant: Nukleargefechtskopf W52, Sprengkraft: 200 KT
Kurzstreckenrakete Honest John: Nukleargefechtskopf, Sprengkraft: 1 bis 40 KT
Panzerhaubitze M 109:  Nukleargefechtskopf W48 und W33 mit 0,1-12 KT
Panzerhaubitze M 110: Nukleargefechtskopf W48 und W33 mit 0,1-12 KT
Die genauen Stückzahlen der eingelagerten Nukleargefechtsköpfe sind nicht bekannt. Ob vorübergehend auch Atomminen in Lahn gelagert wurden ist ungeklärt. (LL)

Die Transporte von Atomwaffen zwischen den einzelnen Sonderwaffenlagern sind ausschließlich von der USArmy durchgeführt worden. Fast immer wurde der Transport mit Hubschraubern gewählt, der sogenannten "Air Mission". Dabei landeten große Transporthubschrauber vom Typ Chinook innerhalb der Depots direkt vor den Bunkern, um die Munition auf kürzesten Wegen umzuschlagen.
Die Bundeswehr stellte das Wach- und Sicherungspersonal für das Sonderwaffenlager. Ebenfalls wurde 1963 das Transportbataillon (Sonderwaffen) 81 nach Sögel verlegt. Die 2. Kompanie war infanteristisch ausgerüstet für die Bewachung des Lagers in der Lahner Heide, die 3. Kompanie stellte Fachpersonal für den Lkw-Transport von Atomsprengköpfen und -trägersystemen. Nach grundlegenden Generationswechseln bei den zu betreuenden Waffensystemen wurde der Verband im Jahre 1976 in Nachschubbataillon (Sonderwaffen) 120 umgegliedert und umbenannt. Zu der Zeit ist das Korps-Raketenartilleriesystem "Sergeant" durch "Lance" abgelöst und auf Divisionsebene das System "Honest John" ausgemustert worden.
Die 1980er Jahre waren auch geprägt von Demonstrationen der Friedensbewegung gegen die Nachrüstungsbeschlüsse. Dadurch wurde die Einsatzbereitschaft des Wachpersonals besonders gefordert.

Nach dem Fall der Mauer und der beginnenden Abrüstung ist Anfang der 1990er Jahre die Ausstattung der NATO-Heeresverbände mit taktischen nuklearen Gefechtsköpfen aufgegeben worden. Damit entfielen auch Sinn und Zweck des Sonderwaffenlagers Lahn und der spezialisierten Verbände. Am 10. Februar 1992 wurde mit der letzten "Air Mission" der Abtransport der Atomwaffen beendet. Die US-Truppen wurden im Juni des Jahres außer Dienst gestellt. Das NschBtl (SW) 120 ist zu einem regulären Transportbataillon umgegliedert worden und blieb zunächst bestehen. Im Jahre 2003 kam schließlich das Ende für den Verband, gleichzeitig wurden die Garnison Werlte und der Standortübungsplatz Lahn mit dem ehemaligen Sonderwaffenlager freigegeben. (Quelle: Manfred Tegge)

Anmerkung: Das Sondermunitionslager "Lahn" wird auch unter der Bezeichnung "Werlte" geführt.

Weitere Informationen zu Atomwaffenstandorte in Deutschland
Weitere Bilder vom Sonderwaffenlager Lahn

Bearbeitungsstand: Juni 2011

Lahr

ehem. Atomwaffenstandort Deutschland

Das ehemalige SAS Lahr (48°22'37“N, 07°49'37“O) lag auf dem gleichnamigen Fliegerhorst ca. 13 km südwestlich der Stadt Offenburg im Schwarzwald. Im Sommer
1959 wurde ein Verband der französischen Luftwaffe mit der neuen F-100 Supersabre auf den Flugplatz Lahr am Schwarzwald verlegt. Die F-100D verfügte über ein Bombenabwurfsystem, mit dem auch Atombombern im Tiefflug eingesetzt werden konnten. Nach dem Abzug der Franzosen im Jahr 1967 wurde ein kanadischer Verband mit seinen beiden Starfighter-Staffeln F104 auf den Militärflugplatz bei Lahr verlegt. Im Einzelnen handelte es sich dabei um folgende Einheiten:

  • RCAF Lahr 441 (S/A) Squadron „Silver Fox“ CF-104
  • No 1 (F) Wing 439 (S/R) Squadron „Tiger“ CF-104
  • RCAF Lahr 441 (S/A) Squadron „Silver Fox“ CF-104
  • 109 Communications Flight Dakota

Eine Besonderheit der kanadischen Starfighter-Flotte bestand darin, dass auch eine begrenzte Anzahl von CF-104D-Doppelsitzern für die Aufnahme von Atomwaffen ausgerüstet wurde. Statt ausgedehnter Luftkämpfe wie zu Zeiten der Sabre trainierten die Piloten der 3 und 4 Wings komplexe Einsatzverfahren wie Radarnavigation und Bodenangriff im Tiefstflug, um im Ernstfall ihre Ziele in Osteuropa ohne Sicht bekämpfen zu können.

Nach Abschluss der Ausstattung der kanadischen Luftwaffe mit dem Jagdbomber Starfighter F104 wurden ab 1964 amerikanische Atomsprengköpfe vom Typ Mk.28 FUFO auf dem Fliegerhorst für den Einsatz bereitgehalten. Diese frei fallenden Fliegerbomben verfügten über eine Sprengkraft von 1100 Kilotonnen (KT). Ab 1968 wurde die Mk.28 durch die Mk.43 Atombombe abgelöst. Diese Waffe verfügte über eine unveränderliche Sprengwirkung von 1 Megatonne (MT). Sie war als Außenlast speziell für den Abwurf von schnell und tieffliegenden Jagdbombern entwickelt worden. (LL)

Gemäß den NATO-Forderungen wurden pro Geschwader ständig vier Maschinen (später auf zwei reduziert) in der QRA in Bereitschaft gehalten. Unter einem "Dual Key Arrangement" wurde sichergestellt, dass kanadische und amerikanische Offiziere gleichzeitig den Einsatzbefehl geben mussten, um Missbräuche zu verhindern. Innerhalb der QRA durfte sich nur eine begrenzte Anzahl ausgewählter Personen aufhalten und sich niemals alleine den atomar bewaffneten Maschinen nähern. Kein Starfighter wurde jemals mit atomarer Bewaffnung außerhalb der QRA bewegt, geschweige denn geflogen. Die speziell entwickelten Abwurfverfahren für den Tiefflug wurden mit Trainingsbomben ("shapes", welche die gleichen ballistischen Eigenschaften wie die Mk.28 aufwiesen) auf den Schießplätzen Capo Frasca auf Sardinien und Suippes in Frankreich geübt. Das automatische Bombenabwurfsystem LABS half dem Piloten, ein Flugprofil einzuhalten, welches einen Abwurf im Tiefflug und ein anschließendes Entkommen ermöglichte. Dabei wäre entweder ein Abwurf "über die Schulter" oder mit Fallschirm (Low Angle Drogue Delivery) in Betracht gekommen. (Quelle: www.f4-phantom.de/rcaf/RCAFinEurope2-3.htm)

Der atomare Einsatz endete bereits im Dezember 1971. Danach flogen die USA ihre Atomwaffen zurück in die Vereinigten Staaten und zogen ihr Detachment mit dem speziell ausgebildeten Wach- und Wartungspersonal vom Fliegerhorst Lahr ab.
Am 25. Mai 1994 wurde in Lahr eine Schließungszeremonie abgehalten, und am 31. August 1994 übergab ein Nachkommando den Platz an die deutschen Behörden. Damit wurde nach über vierzig Jahren der letzte kanadische Luftwaffenstützpunkt in Europa geschlossen. (LL)

Bearbeitungsstand: Mai 2012

Weitere Informationen über Atomwaffenstandorte in Deutschland

siehe auch: KT-Wert
siehe auch: QRA-Stellung
siehe auch: Sondermunitionslager

Lance-Rakete

MGM-52C Lance, Foto: US-Army

Die Lance-Rakete ist ein technisch verbessertes und leistungsgesteigertes Nachfolgemodell der "Honest John". Ab 1973 stand die MGM-52 Lance den US-Streitkräften zur Verfügung. Auch mehrere NATO-Staaten führten die Rakete ein, darunter auch die Bundesrepublik Deutschland. In der Bundeswehr erhielten die Raketenartilleriebataillone 150, 250, 350 und 650 die Lance-Rakete, allerdings nicht als Nachfolgemodell für die "Honest John", sondern für die ebenfalls ausgemusterte Sergeant-Rakete. Insgesamt wurden ca. 1.200 Raketen gebaut.

Technische Daten:
Antrieb: Flüssigtreibstoff
Länge: 6,10 m
Gewicht: 1.290 kg
Sprengkopf: Nukleargefechtskopf W70
Sprengleistung: 1-100 KT
Reichweite: maximal 130 km
Fluggeschwindigkeit: Mach 3,0
Treffergenauigkeit (CEP): 150-350 m

Die Lance-Rakete gibt es nicht nur in nuklearer, sondern auch in konventioneller Ausführung. Die nukleare Version soll nicht mehr ersetzt werden, die konventionelle Variante, von der es 1300 Stück beim amerikanischen Heer gibt, hingegen schon. (LL)

Bearbeitungsstand: November 2008

siehe auch: CEP-Wert
siehe auch: Honest John
siehe auch: KT (Kilotonne)
siehe auch: Sergeant-Rakete

Landau

ehem. Atomwaffenstandort, Deutschland

Im Rahmen der großräumigen Luftverteidigung Europas während der Zeit des Kalten Krieges waren auch die US-Streitkräfte an dem quer durch Deutschland verlaufenden Nike-Herkules Flugabwehrgürtel mit insgesamt sechs in Bayern, Baden-Württemberg, Hessen und Rheinland-Pfalz, stationierten Bataillonen beteiligt. Das 2thMissile Battailon, 56thUS-Arty-Group verfügte über atomare Feuerstellungen in den Standorten Geinsheim, Landau, Lemberg-Salzwoog und Oberauerbach.

Die Nike-Feuerstellung (Launching Area) Landau (49°10'43“N, 08°08'26“O) lag unmittelbar südwestlich der Stadtgrenze von Landau in Rheinland-Pfalz. Die dort stationierte B-Battery, 2thMissile Battailon, 56thUS-Arty-Group bestand aus drei getrennten Bereichen: der Unterkunft, dem Feuerleitbereich in günstiger topografischer Lage mit bis zu 5 Radargeräten für Überwachung, Zielerfassung, Zielverfolgung und Flugkörperverfolgung und dem Abschussbereich mit jeweils 3 Abschussflächen und dazugehörigen Bunkern. In diesem Bereich befanden sich auch die Atomsprengköpfe.

In der Stellung Landau waren bis 1983 atomare Flugabwehrraketen vom Typ Nike stationiert. An Atomsprengköpfen waren zwei Versionen verfügbar. Die kleinere mit der Bezeichnung B-XS hatte eine Sprengkraft von 2 Kilotonnen. Die größere B-XL besaß ursprünglich 40 kT Sprengkraft. Letztere wurden in den 1970er Jahren gegen Sprengköpfe zu 20 kT ausgetauscht. Maximal waren je Stellung zehn Nuklear-Sprengköpfe vorhanden, acht mit der Stärke XS mit 2 Kilotonnen und zwei XL mit 40/20 Kilotonnen Sprengkraft. Für den Einsatz der Gefechtsköpfe gab es genau festgelegte Prioritäten. Beim Anflug eines einzelnen feindlichen Zielobjektes wurde ein kleiner atomarer Gefechtskopf (B-XS) eingesetzt. Beim Anflug mehrerer feindlicher Zielobjekte wurde soweit verfügbar ein großer atomarer Gefechtskopf (B-XL) eingesetzt. Die ebenfalls vorhandenen konventionellen Gefechtsköpfe dienten lediglich als Munitionsreserve. (LL)

(Quellen:  Jürgen Dreifke, Michael Juhls)

Bearbeitungsstand: Oktober 2010

Weitere Informationen über Atomwaffenstandorte in Deutschland


siehe auch: Nike Herkules
siehe auch: KT(Kilotonne)

Landgestützter Marschflugkörper

engl.: Ground-Launched Cruise Missile (GLCM)

Nach der Definition des SALT-II-Abkommens sind Marschflugkörper „unbemannte gelenkte Trägersysteme mit eigenem Antrieb, die ihre Flugbewegungen für den größten Teil ihres Fluges auf aerodynamischen Antrieb stützen“. Ausgestattet mit einem Navigations- und Lenksystem haben die Marschflugkörper vermutlich einen CEP-Wert (Treffergenauigkeit) von unter 100 m. Mit einem Atomsprengkopf mittlerer Detonationsstärke können sie auch jedes harte Ziel zerstören. Die Geschwindigkeit von Marschflugkörpern liegt unter der Schallgeschwindigkeit. Der Flug kann mehrere Stunden dauern. (Die UNO-Studie Kernwaffen, München 1982, S. 28.)

Bearbeitungsstand: Mai 2007

siehe auch: CEP-Wert

Landsberg

ehem. Atomwaffenstandort, Deutschland

ehem. Atomwaffenstandort Landsberg. Bild: Digital GlobeDie Boden-Boden-Rakete vom Typ Pershing galt in Deutschland als das Symbol des kalten Krieges. Das für atomare, biologische und chemische Sprengköpfe ausgelegte Waffensystem wurde Ende der 50er von den US-Amerikanern entwickelt und Anfang der 60er Jahre bei der Luftwaffe der Bundeswehr eingeführt. Dazu wurde im September 1963 in Landsberg das Flugkörpergeschwader 1 (FKG 1) mit den beiden Flugkörpergruppen 12 und 13 aufgestellt.Die QRA-Stellung (47°59'57"N, 10°51'54"O) lag ca. 5 cm südlich der Stadt Landsberg.

In Geilenkirchen entstand als zweites Flugkörpergeschwader das FKG 2. Ins öffentliche Bewusstsein geriet der Name Pershing während der Nachrüstungsdebatte 1979-1985.

Zunächst waren die beiden FK-Geschwader der Luftwaffe mit der von Martin-Marietta entwickelten Pershing-I (MGM-31A) ausgerüstet. Das System bestand insgesamt nur aus 4 Fahrzeugen auf modifizierten M113-Kettenfahrgestellen (XM 474 E1): dem Feuerleitfahrzeug, dem Fernmeldefahrzeug, dem Montagefahrzeug mit Gefechtskopf und dem Abschussfahrzeug.

Mit Blick auf die Quick Reaction Alert-Fähigkeit (QRA) ließ das US-amerikanische Militär die Pershing ab 1967 zur Version Ia (MGM-31B) weiterentwickeln. Die Verkürzung der Alarmzeiten ging mit der Umrüstung auf Radfahrzeuge, der Optimierung des Abschuss-Systems und der Verbesserung/Digitalisierung der Elektronik einher. Ab 1971 führte auch die Bundeswehr das erneuerte System umfassend ein. Das System erhielt die Bezeichnung Pershing-Ia. Es war mit  atomaren Sprengköpfen vom Typ W-50 bestückt, die über festgelegte KT-Werte von 60, 200 oder 400 KT verfügten.

Die FKG der Bundeswehr verfügten nur über das Trägersystem. Die atomaren Sprengköpfe blieben in Händen der US-Amerikaner.  (Quelle: panzerbaer.de)

Der Auftrag der Flugkörpergeschwader bestand darin, im Frieden einen sichtbaren Beitrag zur Abschreckung gegenüber den Warschauer Vertragsstaaten unter Führung der Sowjetunion zu leisten. Dazu wurde ein Teil der Waffensysteme der Verbände das ganze Jahr über in einer Sofortbereitschaft gehalten. Im Verteidigungsfall lautete der Auftrag, alle verfügbaren Kräfte so bereitzuhalten, dass sie für jegliche nukleare Reaktion der NATO herangezogen werden konnten.

Nach der Außerdienststellung der Flugkörpergeschwader 1991 wurden sowohl die in der Bundesrepublik Deutschland als auch die in den USA gelagerten deutschen Pershing-1A- Raketenstufen - infolge der einsetzenden gesellschaftlichen Umwälzungen in den Staaten des Ostblocks und der damit verbundenen Beendigung des Ost-West-Konflikts zwischen NATO und Warschauer Pakt- vernichtet.

DatumKurzchronik des Flugkörpergeschwader-1
01.09.1963Aufstellung des Flugkörpergeschwaders 1 in Landsberg am Lech; Hauptbewaffnung: operativ-taktische Rakete Pershing-I (MGM-31A)
01.01.1964Unterstellung der FKGr-11 unter das FKG-1
21.04.19641. Start einer Pershing durch eine deutsche FKStff
Mai 1964Abschluss des Aufbaus der FKGr-12
Aug 1964Eintreffen der ersten Pershing-Raketen in Landsberg
01.10.1965Aufstellung der FKGr-13 in Kaufbeuren
13./14.12.1967Verkündung der Strategie der Flexiblen Reaktion (Dokument MC 14/3)
01.02.1968Besuch des Generalinspekteurs der Bundeswehr General Ulrich de Maizière
22.01.1970offizielle Bereitschaftserklärung der BRD zum Projekt SWAP
Umstellung von Pershing-1 auf Pershing-1a
01.01.1971Beginn der Umstellung des Raketenkomplexes von Ketten- auf Räderfahrzeuge; Hauptbewaffnung: operativ-taktische Rakete Pershing-Ia (MGM-31B)
13.06.19721. Start einer Pershing-1a durch das FKG-1
21.10.1975letzter Start einer Pershing-1 durch das FKG-1
15.03.1976Übergabe der neuen QRA-Stellung Ochsenhof
04.07.1984Besuch des Generalinspekteurs der Bundeswehr General Wolfgang Altenburg
16.01.1987Beendigung der Nutzung der QRA-Stellung Ochsenhof
10.06.1987Besuch des Generalinspekteurs der Bundeswehr Admiral Dieter Wellershof
26.08.1987Kohls Erklärung zum INF-Abkommen
21.10.1988letzter Start einer Pershing 1a durch das FKG-1
04.10.1990Außerdienststellung des Flugkörpergeschwaders-1

Bearbeitungsstand: März 2012

Weitere Informationen über Atomwaffenstandorte in Deutschland

siehe auch: NATO
siehe auch: Pershing-Rakete

Landsberg-Leeder

ehem. Atomwaffenstandort, Deutschland

Das Sondermunitionslager Landsberg-Leeder ( 47°55’57“N, 10°48’13“O) befand sich ca. 14 km südlich der Stadt Landsberg am Lech in Bayern. In diesem Lager waren die atomaren Sprengköpfe für die in Garmisch-Partenkirchen stationierte 1. Gebirgsdivision gelagert.

Das waren im Einzelnen die Atomwaffen für das Gebirgs-Artillerieregiement 8 in Landsberg, dem das GebArtBtl 81 in Kempten und das GebRakArtBtl 82 in Landsberg unterstanden. Das GebArtBtl 81 verfügte über eine Batterie atomwaffenfähiger Panzerhaubitzen M110 vom Kaliber 203 mm. Das GebRakArtBtl 82 verfügte ab 1960 über drei Batterien und insgesamt sechs Raketenwerfern der Kurzstreckenrakete "Honest John". Später wurden zwei Raketenwerfer "Honest John" je Bataillon außer Dienst gestellt.

Zusätzlich verfügte die Division in einem Artilleriebataillon über eine Batterie mit atomwaffenfähigen Panzerhaubitzen M 109 vom Kaliber 155 mm.

Bei der eingelagerten Munition handelte es sich um:

  • Gefechtsköpfe für die taktische Kurzstreckenrakete »Honest John« (bis 1980)
  • Artilleriegranaten Kaliber 203 mm für die »schwere« Panzerhaubitze M 110 der Divisionsartillerie (ab 1960 atomar)
  • Artilleriegranaten Kaliber 155 mm für die Panzerhaubitze M 109 der Brigadeartillerie (ab 1972 atomar) (LL)

Bearbeitungsstand: November 2009

Weitere Informationen über Atomwaffenstandorte in Deutschland

siehe auch: Honest John
siehe auch: Panzerhaubitze M 109
siehe auch: Panzerhaubitze M 110
siehe auch: Sondermunitionslager

Landsberg-Kaufering

ehem. Atomwaffenstandort Deutschland

Das ehemalige Atomwaffenlager Landsberg-Kaufering (48°04'51“N, 10°51'44“O) lag ca. 4 km nördlich der Stadt Landsberg am Lech in Bayern. In diesem Lager waren bis 1973 die atomaren Sprengköpfe für die in Garmisch-Partenkirchen stationierte  1. Gebirgsdivision gelagert. Zu diesem Zweck wurde eine ehemalige Pulverfabrik in der Gemarkung Landsberg-Kaufering als SAS-Lager zweckentfremdet.
Bei den Gefechtsköpfen handelte es sich im Einzelnen um die Atomwaffen für das Gebirgs-Artillerieregiement 8 in Landsberg, dem das GebArtBtl 81 in Kempten und das GebRakArtBtl 82 in Landsberg unterstanden. Das  GebArtBtl 81 verfügte über eine Batterie atomwaffenfähiger Panzerhaubitzen M110 vom Kaliber 203 mm. Das GebRakArtBtl 82 verfügte ab 1960 über drei Batterien und insgesamt sechs Raketenwerfer der Kurzstreckenrakete "Honest John". Später wurden zwei Raketenwerfer "Honest John" je Bataillon außer Dienst gestellt. Zusätzlich verfügte die Division in einem Artilleriebataillon über eine Batterie mit atomwaffenfähigen Panzerhaubitzen M 109 vom Kaliber 155 mm.
Bei der eingelagerten Munition handelte es sich um:

  • Gefechtsköpfe für die taktische Kurzstreckenrakete »Honest John« (bis 1980)
  • Artilleriegranaten Kaliber 203 mm für die »schwere« Panzerhaubitze M 110 der Divisionsartillerie (ab 1960 atomar)
  • Artilleriegranaten Kaliber 155 mm für die Panzerhaubitze M 109 der Brigadeartillerie (ab 1972 atomar)

Das Lager wurde 1973 geräumt und die Munition in das neu errichtete SAS Landsberg-Leeder verbracht. (LL)

Bearbeitungsstand: März 2012

Weitere Informationen über Atomwaffenstandorte in Deutschland

siehe auch: Honest John
siehe auch: Landsberg-Leeder
siehe auch: Panzerhaubitze M 109
siehe auch: Panzerhaubitze M 110
siehe auch: Sondermunitionslager

Langstreckenbomber

engl.: strategic or long-range bomber

Langstreckenbomber (auch Strategische Bomber genannt) sind Militärflugzeuge, die über die so genannte interkontinentale Reichweite (über 6.000 km) verfügen. Sie können sowohl Atomwaffen als auch konventionelle Waffen wie Bomben oder Marschflugkörper zum Einsatz bringen. Ziel des Einsatzes ist nicht die direkte Unterstützung eigener Bodentruppen, sondern die Zerstörung von Industrieanlagen, Militäranlagen und Infrastruktur im Hinterland des Gegners.

Die US Air Force hat zwei strategische Bombertypen mit atomarer Bewaffnung im Einsatz:

Stratofortress-Bomber:

Dieses Flugzeug vom Typ 94 B-52H stammt noch aus den 1950er Jahren. Es fliegt in sehr großer Höhe und kann die moderne Flugabwehr eines potentiellen Gegners überwinden. Daher hat das Flugzeug keine Bomben sondern Marschflugkörper an Bord, die aus sicherer Entfernung abgefeuert werden können. Jedes Flugzeug ist mit 12 ACMs oder 20 ALCMs bewaffnet. Beide Marschflugkörpertypen verfügen über den Atomsprengkopf vom Typ W-80-1. Dieser hat eine variable Sprengkraft, die von 5 bis 150 KT eingestellt werden kann.

Spirit-Bomber B-2A:

Von diesem Flugzeugtyp, der wie ein gezacktes Dreieck aussieht, gibt es nur 21 Exemplare. Er kann die gegnerische Flugabwehr durchdringen und maximal 16 Wasserstoffbomben unterschiedlichen Typs abwerfen. Dazu gehören:
die B-61-11, die vor der Detonation in den Erdboden eindringen kann, um dort Bunkeranlagen zu zerstören,
die B-83, die mit einer Sprengkraft von 1.200 KT (1,2 MT) die größte Atomwaffe im US-Arsenal ist. (LL)

Bearbeitungsstand: Februar 2008

Langstreckenrakete

engl.: Intercontinental Ballistic Missile (Abk.: ICBM)

Interkontinentale ballistische Flugkörperraketen sind alle landgestützten und von fest installierten oder mobilen Startanlagen aus zu startende Raketen, die einen Gefechtskopf in ein Ziel in interkontinentaler Entfernung transportieren können. Interkontinentale Raketen fliegen ihr Ziel nach Verlassen der Erdatmosphäre auf einer elliptischen Flugbahn an. Sie bestehen aus der Antriebsstufe, einem oder mehreren Wiedereintritts-Tochtergefechtsköpfen und - im Falle von mit Mehrfachgefechtsköpfen ausgestatteten Raketen – einem Muttergefechtskopf (Post-Boost-Vehicle = PBV). Im Sinne von SALT-II gelten als Interkontinentalraketen alle landgestützten Raketen mit einer Reichweite von mehr als 5500 km (LL).

Bearbeitungsstand: Oktober 2008

siehe auch: Gefechtskopf
siehe auch: SALT-II-Abkommen

Langzeitfolgen

engl.: long-term effects

Bis heute erkranken Überlebende der Atombombenabwürfe an Krebs und sterben daran – obwohl seit ihrer Strahlenexposition über ein halbes Jahrhundert vergangen ist.

Es ist nur wenig über die Opfer, ihre exakte Anzahl und ihre Erkrankungen bekannt. Die meisten Menschen sind in den ersten fünf Jahren gestorben, darunter viele Kleinkinder. Keine Statistik wurde über diese Menschen geführt. Die Toten wurden nur selten untersucht, weil das Personal fehlte und die Leichen aufgrund der Seuchengefahr schnell verbrannt wurden. Wo eine Autopsie jedoch stattfand, zeigten sich Veränderungen an den Organen. Das Blut der Toten gerann nicht und eine akute Schädigung des Knochenmarks war festzustellen. In der Folge der Abwürfe kam es zu einer nicht genau bekannten hohen Zahl von Fehl- und Todgeburten ein Indiz dafür, dass genetische Defekte oder eine zu hohe Strahlenbelastung für die Föten vorgelegen haben. Viele im Mutterleib bestrahlte Säuglinge wiesen geistige und körperliche Behinderungen und eine langsamere Entwicklung als andere Kinder auf.

Erst ab 1950 wurden die Opfer von Hiroshima und Nagasaki von der ABCC (Atomic Bomb Casualty Commission, einer gemeinsamen Agentur der USA und Japans), seit 1975 RERF (Radiation Effects Research Foundation, unter der Schirmherrschaft der US National Academy of Sciences), untersucht. Die Ergebnisse dieser Untersuchungen sind im Hinblick auf die Spätfolgen von Strahlenbelastungen und die Folgen von Niedrigstrahlung sehr umstritten.

Die RERF berichtete zwischen 1950 und 1954 über eine erhöhte Rate von Leukämiefallen, die bis 1978 anhielt. Für die Menschen in Hiroshima lag die Leukämierate fünfzehnfach, für die in Nagasaki siebenfach höher als für die Menschen einer vergleichbaren japanischen Population. Über das Auftreten anderer Krebsarten wurde erst später berichtet: seit 1955 über erhöhte Schilddrüsenkrebsraten, seit 1965 über Brust- und Lungenkrebserhöhungen und seit 1975 über das vermehrte Auftreten von Magen- und Darmkrebs.

Die genetischen Schäden und allgemeinen Gesundheitsbeschwerden untersuchte die RERF nicht. Sie stellte nur fest, dass die Krebsrate bei den Opfern erhöht war, die starker Strahlung ausgesetzt waren. Der weitaus größere Teil der Menschen war allerdings niedrigen Strahlendosen ausgesetzt. Bei ihnen bestünde, so glaubte die RERF, kein erhöhtes Krankheitsrisiko. Inzwischen häufen sich jedoch die Berichte, dass auch kleine Strahlendosen Krebs verursachen können. Aber die Autorität der RERF-Wissenschaftler war so groß und die politischen Kräfte, die hinter ihnen standen, so mächtig, dass Ergebnisse anderer Wissenschaftler als fehlerhaft abgetan wurden.

Allgemeine Krankheiten wie Anämie (Blutarmut), bestimmte Blutkrankheiten und Grauer Star wurden von der RERF nicht untersucht. Sie hätten nichts mit der Strahlung zu tun, erklärte die Organisation. Diese Behauptung wird von anderen Wissenschaftlern vehement zurückgewiesen. Auch die im Volksmund so genannte »Genbaku Bura-Bura«-Krankheit (Genbaku = Atombombenabwurf, Bura-Bura = langwierig), mit den Symptomen Müdigkeit, Schwindel, Krämpfe, usw., werden von der RERF als »psychische Störungen« auf Grund von Stress abgetan.

Die Verursachung und Vererbung genetischer Schäden konnte bis heute nicht belegt werden, kann aber nach nur zwei Generationen auch noch nicht ausgeschlossen werden. (IPPNW: "Hiroshima-Nagasaki", Broschüre, 2002)

Bearbeitungsstand: Juni 2006

siehe auch: Hiroshima
siehe auch: Nagasaki
siehe auch: RERF

Larsen & Toubro

Waffenproduzent, Indien

Larsen & Toubro ist eine in Indien ansässige Technologie-, Ingenieurs-, Bau- und Herstellungsfirma. Sie hat neun Geschäftsbereiche, darunter Großmaschinenbau, Bauwesen und Energie.

Als eines von Indiens größten Bauunternehmen ist Larsen & Toubro am Entwurf und Bau des „Advanced Technology Vessels“ (dt. etwa: Seefahrzeug mit verbesserter Technologie) beteiligt, welches das künftige nuklearbewaffnete U-Boot der indischen Marine ist. Das Projekt mit einem Gesamtvolumen von drei Milliarden US-Dollar wurde 1970 ins Leben gerufen. Sein Ziel war es, fünf Atom-U-Boote zu bauen, die jeweils mit einem Dutzend K-15-Atomraketen ausgestattet sein sollten. 2008 begann das Unternehmen mit dem Bau des zweiten U-Bootes. Außerdem testete L&T ein Trägersystem, das für Indiens Nuklearraketen mit einer Reichweite von 300 km gebaut worden war. (Quelle: van Gelder, Jan Willem/Spaargaren, Petra/Wright, Tim: Divestment Report. ICAN 2012)

Bearbeitungsstand: April 2012

Weitere Informationen zu Atomwaffenherstellern

 

Laserfusion

engl.: laser fusion

Deuterium-Tritium-Fusion, Grafik: Wykis

Der Physiker John Nuckolls entwickelte im Jahr 1957 am Livermore Laboratorium ein Fusionskonzept, das auf der Zündung kleiner Kügelchen beruhte, die mit einem Deuterium-Tritium-Gemisch gefüllt waren. Dieses Konzept unterschied sich in einem wesentlichen Aspekt von allen bis dahin bekannten Versuchsanordnungen: Kein magnetischer sondern ein Trägheitseinschluss sollte stattfinden, das heißt, allein die träge Masse der Kügelchen sollte ein zu schnelles Auseinanderfliegen der Atome verhindern.

Mit dem Laser, der 1960 der Öffentlichkeit vorgestellt wurde, stand die Möglichkeit zur Verfügung, den Brennstoffkügelchen in kürzester Zeit sehr viel Energie zuzuführen. Auf dieser Basis wurde das Laserfusionsprogramm in Livermore entwickelt. Erst 1972 entschloss man sich in den USA, die Ergebnisse der Forschung zur Laserfusion teilweise für die Öffentlichkeit freizugeben. In der Zeitschrift »Nature« erschien ein Artikeln von Nuckolls, worin er das Prinzip der Laserfusion erläuterte. Trotz dieser Veröffentlichung blieb die Laserfusion in besonderem Maße Gegenstand geheimer militärischer Forschung. Zum einen ähnelten die Vorgänge in den Brennstoffkügelchen denen in Wasserstoffbomben, so dass entsprechende militärische Computerprogramme zur Berechnung eingesetzt werden konnten. Zum anderen hatten die Forscher aus der »Strategic Defence Initiative« bei der Konstruktion größerer und stärkerer Laser einen Vorteil, weil dort mit dem Ziel zur Schaffung einer Raketenabwehr ebenfalls an Hochleistungslasern gearbeitet wurde. (Quelle: www.hs.uni-hamburg.de)

Bearbeitungsstand: September 2008

siehe auch: Wasserstoffbombe

Launch-On-Warning (LOW)

dt.: Abschuss nach Warnung

„Launch-on-warning“ (LOW) ist eine Variante der Starttaktiken für Interkontinentalraketen, auch als „Hairtrigger Alert“ bekannt. Der Startbefehl wird sofort nach Eintreffen einer Alarmmeldung erteilt. Eine andere Variante ist „Launch-Under-Attack“ (LUA). Der Startbefehl wird erst erteilt, nachdem der gegnerische Angriff bereits begonnen hat. LOW hatte den militärischen Vorteil, dass die Raketen einen Erstanschlag überleben und auch einen Vergeltungsschlag ermöglichen konnten. Mit der Einführung von Mehrfachsprengkopf-Raketen (MIRV) im Kalten Krieg war die Wahrscheinlichkeit als zu hoch gesehen, dass ein Erstschlag alle Interkontinentalraketen zerstören könnte. Deswegen wurde entschieden, nicht mehr das Antreffen der Raketen abzuwarten, sondern sie schon vorher zu starten. 

Diese Höchstbereitschaft der Raketen auf beiden Seiten verkürzt die Zeit für eine Entscheidung auf wenige Minuten und erhöht die Möglichkeit eines Fehlalarms. Es hat mehrere Vorfälle gegeben, bei denen sich die Warnung als falsch herausstellte und die Entscheidung nicht zu starten sehr knapp war. Ein berühmtes Beispiel wird im Film „Der Mann, der die Welt rettete“ gezeigt, wo der sowjetische Oberst Stanislaw Petrow 1983 entschied, die Raketen nicht zu starten und damit einen Atomkrieg verhinderte.

Heute gibt es die LOW-Taktik noch immer in den USA und Russland und beide halten insgesamt ca. 1.800 Raketen in Höchstbereitschaft. Der Spruch „use them or lose them“ (setze sie ein oder verliere sie) bezieht sich auf LOW und die Notwendigkeit des Starts, bevor die Raketen zerstört werden. (Quellen: Robert Jastrow, Robert I. Widder, William Burr)

Bearbeitungsstand: Dezember 2016

Launch-Under-Attack (LUA)

»Launch-Under-attack« (LUA) ist eine Variante der Starttaktiken für defensive Interkontinentalraketen. Der Startbefehl wird erst erteilt, nachdem der gegnerische Angriff bereits begonnen hat. Eine andere Variante ist »Launch-On-Warning« (LOW). Der Startbefehl wird sofort nach Eintreffen einer Alarmmeldung erteilt.(Robert Jastrow: SDI, Herford 1986, S. 33.)

Bearbeitungsstand: Mai 2006

siehe auch: Interkontinentalrakete

LAWRENCE Ernest

1901 - 1958

Ernest O. Lawrence, 1939, Foto: nobelprize.org

Ernest Orlando Lawrence wurde am 8. August 1901 in Canton (South Dakota) geboren. Von 1919 bis 1922 studierte er Chemie an der University of South Dakota. 1925 promovierte er an der Yale University in Physik. Ab 1936 war er Direktor des nach ihm benannten Lawrence Berkeley Laboratory. 1929/30 entwickelte er das Zyklotron, mit dem er zahlreiche künstliche Radionuklide herstellte. 1939 erhielt er dafür den Nobelpreis für Physik.

Während des Zweiten Weltkrieges war er am Manhattan Projekt beteiligt und hatte maßgeblichen Anteil an der Entwicklung der Atombombe. Nach dem Krieg setzte er sich für einen Atomteststopp ein und war Mitglied der US-Delegation auf der Konferenz in Genua 1958, die dieses Thema behandelte. Er starb am 27. August 1958 in Palo Alto (Kalifornien). (LL)

Bearbeitungsstand: Januar 2012

Weitere Informationen zur Entwicklung der Atombombe

siehe auch: Atombombe
siehe auch: Manhattan-Projekt
siehe auch: Radionuklide

Lawrence Livermore National Laboratory (LLNL)

Einrichtung des Atomwaffenkomplexes, Kalifornien, USA

Beheimatet ist das LLNL in Livermore, Kalifornien. Es wurde 1952, unter anderem von Edward Teller, als Konkurrenz zum LANL gegründet. Die Entwicklung der Wasserstoffbombe sollte so beschleunigt werden. Es wurde von der University of California betrieben, seit 2007 ist allerdings die Lawrence Livermore National Security, LLC zuständig, deren Eigner die Babcock & Wilcox Corporation, Bechtel, die University of California, die Washington Division der URS Corporation und Battelle sind. Das LLNL betreibt auch zivile Forschung, allerdings beschäftigt sich der Großteil seiner Aktivitäten mit Rüstungsforschung. Zu seinen »Kunden« zählen neben dem Militär auch fast alle US-amerikanischen Sicherheitsbehörden und Geheimdienste. Den Löwenanteil seiner Arbeit machen allerdings Forschung und Entwicklung im Bereich Atomwaffen aus. Neben Los Alamos war es das Labor, das maßgeblich für die Entwicklung sämtlicher Atomwaffendesigns verantwortlich war. Heute forscht es an der Verbesserung und Modernisierung von Waffendesigns, besonders den radioaktiven Komponenten, sowie an Methoden zur Verbesserung der Überwachung des Atomwaffenarsenals. Außerdem betreibt es Forschung und Entwicklung zu Tritium, und konventionellen Sprengstoffen für Atomwaffenkerne. Auch führt das LLNL hydrodynamische Tests durch und erprobt die Zuverlässigkeit der Waffendesigns unter verschiedenen Umweltbedingungen. Es verfügt über einzigartige Laseranlagen und Hochgeschwindigkeitscomputer, beides genutzt für zivile Forschung, aber auch von zentraler Bedeutung für Experimente und Simulationen, die zum besseren Verständnis von Atomexplosionen beitragen. jk

(Quellen: LLNL, LLNSLLC)

Bearbeitungsstand: August 2012

siehe auch: Atomwaffenkomplex der USA
siehe auch: Babcock & Wilcox
siehe auch: Bechtel
siehe auch: Hydrodynamischer Test
siehe auch: Laserfusion
siehe auch: Los Alamos
siehe auch: Tritium

Lebensdauerverlängerung

engl.: Life Extension Program (LEP)

Die USA unterhalten seit mehreren Jahren ein Programm zur Verlängerung der Lebensdauer ihrer Atomwaffen, das sogenannte "Life Extension Program" (LEP). Die dem US-Energieministerium unterstellte National Nuclear Security Administration (NNSA) will veraltete Komponenten modernisieren, neue Sicherheitsvorrichtungen sowie neue Zünder einbauen und zugleich die gesamte Konstruktion verbessern. Insgesamt soll das Programm zur Modernisierung ca. sechs Milliarden US-Dollar (4,6 Milliarden Euro) kosten und würde auch die in Deutschland auf dem Fliegerhorst Büchel stationierten B-61-Bomben betreffen.

Wegen der enormen Kosten hatten mehrere US-Senatoren gefordert, das B61 Modernisierungsprojekt zu stoppen. Sollte das Projekt trotz finanzieller und technischer Probleme dennoch verwirklicht werden, wäre die neue B61-Atombombe eine völlig neue Waffe, die ab 2019 in europa einsatzbereit sein könnte.

Es ist geplant, vier bisherige Typen ("Mod") der B61-Bombe - 3, 4, 7 und 10 - zu einer neuen Bombe zusammenzufassen, der B61 Mod. 12. Die neue B61-12 soll mit vier Gefechtsköpfen bestückbar sein, die über eine variable Sprengkraft von 0,3 bis 45 KT (Kilotonnen) verfügen. (Die Hiroshima-Atombombe besaß eine Sprengkraft von etwa 15 Kilotonnen). Vor allem wegen ihrer verbesserten Präzision muss die  B61 Mod. 12 zukünftig als strategische Waffe eingestuft werden. Als Trägersystem ist der kommende Tarnkappen-Kampfjet F-35 vorgesehen.

Insgesamt stellt das geplante Waffensystem eine durchaus reale Bedrohung für Russland dar. Aus diesem Grund lassen sich neben finanziellen und technischen Schwierigkeiten auch politische Spannungen nicht ausschließen. Vielleicht ist die jüngste Initiative von US-Präsident Obama (Berlin, Juni 2013) zur Reduzierung der Nuklearwaffen ja eine Möglichkeit, das "Life Extension Program" (LEP) deutlich zu reduzieren oder noch ganz zu stoppen. (LL)

Bearbeitungsstand: Mai 2013

»Weitere Informationen über US-Atomwaffen

 

 

Lechfeld

ehem. Atomwaffenstandort Deutschland

Der Fliegerhorst Lechfeld (48°11'07“N, 10°51'40“O) - ca. 20 km südlich der Stadt Augsburg in Bayern gelegen - verfügte über zwei unterschiedliche Atomwaffenlagerorte:

1.Das Jagdbombergeschwader 32 wurde ab Juni 1958 auf dem Fliegerhorst Lechfeld in Dienst gestellt. Seine Erstausstattung bestand aus Jagdbombern des amerikanischen Musters F-84F Thunderstreak. Ab 1964 erfolgte die Umrüstung auf das Waffensystem F-104 G Starfighter, welches wiederum 1984 durch das Waffensystem Tornado abgelöst wurde.

In jedem Jagdbombergeschwader standen jeweils zwei Alarmrotten mit Atombomben startklar. Diese Maschinen waren betankt und bewaffnet in einem besonders gesicherten Bereich des Flugplatzes am Rande der Startbahn positioniert. Der Sicherheitsbereich war durch eine weiße Linie markiert und wurde durch amerikanische Soldaten; die auf jeden Unbefugten, der die Linie überschritt, sofort zu schießen hatten, bewacht. US-Offiziere hatten die Schlüsselgewalt und verfügten über die Codes zur Schärfung der Bomben. Die deutschen Piloten befanden sich in unmittelbarer Nähe ihrer Flugzeuge. Bei Alarmierung mussten sie innerhalb von fünf Minuten mit ihren Maschinen in der Luft sein. In versiegelten Umschlägen befanden sich die anzufliegenden Zielkoordinaten.

Im nördlichen Bereich der Landebahn lag das Atomwaffenlager (48°11'45“N, 10°51'59“O) des Jagdbombergeschwaders 32. Die atomare Bewaffnung der F84F Thunderstreak bestand aus einer freifallenden Fliegerbombe mit einer Sprengkraft von 8 Kilotonnen.

Der Starfighter F-104G war anfangs mit einer Mk.28 Atombombe ausgerüstet. Dabei handelte es sich um die erste amerikanische Waffe dieser Art. Nach einem Baukastenprinzip konnte diese Waffe in 5 verschiedenen Abwurfvarianten zusammengesetzt werden, um verschiedenen Trägersystemen gerecht zu werden. Bei der Version für die F-104G handelte es sich um die Version Mk.28 FUFO, die den gebremsten Abwurf von schnellen Jet's im Tiefflug erlaubte und weiter über eine Sprengkraft von 1100 Kilotonnen (KT) verfügte. Die Abwurfhöhe lag zwischen 91 und 183 Metern. Diese Version wurde ab 1968 von der Mk.43 Atombombe des Tactical Air Command abgelöst. Die Waffe verfügte über ein Gewicht von knapp 1000 kg und einer unveränderlichen Sprengwirkung von 1 Megatonne (MT). Sie war als Außenlast speziell für den Abwurf von schnell und tieffliegenden Jagdbombern entwickelt worden.

Die Ausbildung in den einzelnen Abwurfverfahren erfolgte mit der Übungsbombe MK-106, die von den Abwurfbehältern / Übungsbombenträgern getragen wurden. Diese amerikanische Übungsbombe wurde etwa ab 1975 von der DM18 aus deutscher Produktion abgelöst. Erst wenn der Pilot sich in allen Verfahren qualifiziert hatte, erhielt er die Möglichkeit die Profilübungsbombe BDU-8/B/BDU-12B (Bomb Dummy Unit) bei einem Übungseinsatz auf dem NATO-Schießplatz Decimomannu (Deci) abzuwerfen.

Ständige Weiterentwicklungen und Erprobungen fügte als Ergänzung ab 1968 die Mk.57 Atombombe mit einer vergleichsweise minimalen Sprengkraft von 5-20 KT dem A-Waffenarsenal der deutschen "F-104" hinzu. Ab dem Jahr 1975 wurde die Version Mk.43 von der Mk/B 61 Abwurfwaffe abgelöst. Dies war eine optimierte und fortschrittlichere Bombe für den Abwurf von schnell und unter 90 Metern fliegenden Kampfflugzeugen, zu denen die F-104G gehörte, die als Mehrzweckwaffe für taktische und strategische Einsätze gedacht.

Der Einsatz der mit A-Waffen beladenen Jagdbomber war nur möglich, wenn die Bomben zuvor vom amerikanischen Personal geschärft worden waren. Das geschah erst unmittelbar vor dem befohlenen Einsatz. War der Kode an der Bombe von den Amerikanern nicht korrekt eingestellt, konnte diese nicht zum Einsatz gebracht werden. (Rolf Ferch: www.rolfferch.de/F104G/html/strikebeladeschema.html)

Ab 1968 wurde bei den Jagdbombergeschwadern die Wasserstoffbombe vom Typ B-61 für den Einsatz bereitgehalten. Dabei handelte es sich um eine frei fallende Fliegerbombe, von der fünf verschiedenen Modelle existierten (B-61-3, -4, -7, -10 und -11). Die B-61-11 ist auch als nuklearer "Bunker Buster" bekannt. Alle Modelle besaßen eine variable Sprengkraft: Modell 3 bis zu 45 Kilotonnen, Modell 4 bis zu 170 Kilotonnen, bis hin zu maximal 340 Kilotonnen, was mehr als der 26-fachen Zerstörungskraft der Hiroshima-Bombe entspricht. (LL)

2. In einem auf dem Fliegerhorst östlich der Startbahn befindlichen Sondermunitionslager (SAS) ( 48°10'34“N, 10°51'45“O) waren Raketen des Typs Pershing I mit den dazu gehörenden atomaren Gefechtsköpfen stationiert. In der Version I/IA (MGM-31A) verfügte die Rakete über eine maximale Reichweite von 740 km. Der atomare Sprengkopf vom Typ W-50 wurde in den Versionen Y1 (60 KT), Y2 (200KT) und Y3 (460 KT) für den Einsatz bereitgehalten.

Das zugehörige US Personal von der 74th US Army Field Artillery Detachment der 512th US Army Artillery Group war in der Schwabstadl in einem gesonderten „Custodial“ Bereich untergebracht. Zur Bewachung des SAS wurde von Seiten der Bundeswehr  die Luftwaffensicherungsstaffel des Flugkörpergeschwaders 1 aus Klosterlechfeld gestellt.

Bearbeitungsstand: Januar 2012

Weitere Informationen über Atomwaffenstandorte in Deutschland

siehe auch: B-61-Bombe
siehe auch: KT (Kilotonne)
siehe auch: Starfigther

Leichtwasserreaktor

engl. Light Water Reactor

Ein Leichtwasserreaktor ist ein Kernreaktor, der herkömmliches Wasser (sogenanntes leichtes Wasser) sowohl als Moderator, als auch zur Kühlung des Reaktors verwendet. Moderatoren dienen dazu, freie Neutronen, die sich durch die Freisetzung schnell bewegen auf eine nutzbare Geschwindigkeit abzubremsen. Es gibt zwei Bauarten des Leichtwasserreaktors: den Druckwasserreaktor und den Siedewasserreaktor, die sich in der Anzahl ihrer Wasserdampfkreisläufe unterscheiden. Der Druckreaktor hat zwei Kreisläufe, der Siedewasserreaktor nur einen.

Der Druckreaktor ist der auf der Welt am meisten gebaute Reaktortyp. Im primären Wasserkreislauf wird das Wasser in den Reaktor eingebracht und durch die Wärme von Uranbrennstäben erhitzt. Der hohe Druck, unter dem das Wasser erhitzt wird, verhindert die Bildung von Wasserdampf.
Das erhitzte Wasser wird über einen Wärmetauscher geführt. Von diesem nimmt das nicht radioaktiv belastete Wasser im zweiten Kreislauf die Wärme des Wassers aus dem ersten Kreislauf auf und wird zu Dampf umgewandelt. Dieser Dampf wird dann über die Turbinen des Reaktors geleitet. Da er nicht radioaktiv belastet ist, kann er anschließend in die Atmosphäre entlassen werden.

Beim Siedewasserreaktor gibt es hingegen nur einen Wasserdampfkreislauf. Dort wird das Wasser im Reaktorkern unter weniger Druck sehr heiß erhitzt. Es entsteht sehr heißer Wasserdampf, der aufgrund seiner hohen Temperatur viel Kraft hat, um die Turbinen anzutreiben. Der heiße Wasserdampf wird in die Turbinen geleitet und treibt diese an. Es entsteht Energie, die durch einen Generator in elektrische Energie umgewandelt wird. Nachdem der Wasserdampf die Turbine durchlaufen hat, kondensiert er im Kondensator zu wasser und wird wieder in den Druckreaktorkern zurückgeführt.

Leichtwasserreaktoren dienen ausschließlich zur Stromerzeugung. In Deutschland werden alle Kernkraftwerke mit Leichtwasserreaktoren betrieben.

Stand: Juli 2017

(Quelle: Kernkraftwerke.net, energiequellen.net)

Lemberg-Salzwoog

ehem. Atomwaffenstandort, Deutschland

Im Rahmen der großräumigen Luftverteidigung Europas während der Zeit des Kalten Krieges waren auch die US-Streitkräfte an dem quer durch Deutschland verlaufenden Nike-Herkules Flugabwehrgürtel mit insgesamt sechs in Bayern, Baden-Württemberg, Hessen und Rheinland-Pfalz, stationierten Bataillonen beteiligt. Das 2thMissile Battailon, 56thUS-Arty-Group verfügte über atomare Feuerstellungen in den Standorten Geinsheim, Landau, Lemberg-Salzwoog und Oberauerbach.

Die Nike-Feuerstellung (Launching Area) Lemberg-Salzwoog (49°07'45”N,  07°41'22”O) lag ca. 10 km südöstlich der Stadt Pirmasens in Rheinland-Pfalz Die dort stationierte C-Battery, 2thMissile Battailon, 56thUS-Arty-Group bestand aus drei getrennten Bereichen: der Unterkunft, dem Feuerleitbereich in günstiger topografischer Lage mit bis zu 5 Radargeräten für Überwachung, Zielerfassung, Zielverfolgung und Flugkörperverfolgung und dem Abschussbereich mit jeweils 3 Abschussflächen und dazugehörigen Bunkern. In diesem Bereich befanden sich auch die Atomsprengköpfe.

In der Stellung Lemberg-Dalswoog waren bis 1983 atomare Flugabwehrraketen vom Typ Nike stationiert. An Atomsprengköpfen waren zwei Versionen verfügbar. Die kleinere mit der Bezeichnung B-XS hatte eine Sprengkraft von 2 Kilotonnen. Die größere B-XL besaß ursprünglich 40 kT Sprengkraft. Letztere wurden in den 1970er Jahren gegen Sprengköpfe zu 20 kT ausgetauscht. Maximal waren je Stellung zehn Nuklear-Sprengköpfe vorhanden, acht mit der Stärke XS mit 2 Kilotonnen und zwei XL mit 40/20 Kilotonnen Sprengkraft. Für den Einsatz der Gefechtsköpfe gab es genau festgelegte Prioritäten. Beim Anflug eines einzelnen feindlichen Zielobjektes wurde ein kleiner atomarer Gefechtskopf (B-XS) eingesetzt. Beim Anflug mehrerer feindlicher Zielobjekte wurde soweit verfügbar ein großer atomarer Gefechtskopf (B-XL) eingesetzt. Die ebenfalls vorhandenen konventionellen Gefechtsköpfe dienten lediglich als Munitionsreserve.

(Quellen:  Jürgen Dreifke, Michael Juhls)

Das Gebiet ist heute rückgebaut und renaturiert. (LL)

Bearbeitungsstand: Oktober 2010

Weitere Informationen über Atomwaffenstandorte in Deutschland

siehe auch: Nike Herkules
siehe auch: KT(Kilotonne)

Lennestadt

ehem. Atomwaffenstandort, Deutschland

Die Nike-Feuerstellung (Launching Area) Lennestadt (51°12’07“N, 08°06’34“O) der 1. Batterie des FlaRakBtl 22 lag ca. 33 km östlich der Stadt Lüdenscheid im Sauerland in Nordrhein-Westfalen. Die Batterie bestand aus drei getrennten Bereichen: der Unterkunft, dem Feuerleitbereich in günstiger topografischer Lage mit bis zu 5 Radargeräten für Überwachung, Zielerfassung, Zielverfolgung und Flugkörperverfolgung und dem Abschussbereich mit jeweils 3 Abschussflächen und dazugehörigen Bunkern. In diesem Bereich befanden sich auch die Atomsprengköpfe. Während die Raketen in Montagebunkern oder auf durch Erdwälle geschützten  Abschussschienen bereit gehalten wurden, lagen die Radaranlagen in exponierter Stellung und konnten nur mit Sandsäcken oder Konturen verwischender Tarnung ungenügend geschützt werden. Zum Eigenschutz vor allem gegen angreifende Tiefflieger, wurden die Stellungen später zusätzlich mit 20mm Zwillingsgeschützen ausgestattet.

In der Stellung Lennestadt waren bis 1987 atomare Flugabwehrraketen vom Typ Nike stationiert. An Atomsprengköpfen waren zwei Versionen verfügbar. Die kleinere mit der Bezeichnung B-XS hatte eine Sprengkraft von 2 Kilotonnen. Die größere B-XL besaß ursprünglich 40 kT Sprengkraft. Letztere wurden in den 1970er Jahren gegen Sprengköpfe zu 20 kT ausgetauscht.
Maximal waren je Stellung zehn Nuklear-Sprengköpfe vorhanden, acht mit der Stärke XS mit 2 Kilotonnen und zwei XL mit 40/20 Kilotonnen Sprengkraft. (Jürgen Dreifke)

Ein Zeitzeuge erinnert sich: „Die vier Batterien des FlaRakBtls 22 befanden sich in unterschiedlichen Bereitschaftsstufen mit einer Reaktionszeit von maximal 30 Minuten, maximal 3 Stunden, maximal 12 Stunden und mehr als 12 Stunden. Innerhalb einer Batterie hatten mindestens zwei Abschussplätze den selben Bereitschaftsgrad. Konnte eine der Batterien aus technischen Gründen den Bereitschaftsgrad nicht einhalten, dann rückten die anderen Batterien eine Einsatzstufe nach oben. Abhängig vom Bereitschaftsgrad war die Stellung im Schichtbetrieb ständig besetzt und einsatzbereit. Dazu gab es in der Batterie drei Kampfbesatzungen für den Feuerleit- und Abschussbereich, die sich in einem System von 48-Std-Schichten während der Woche und 72-Std-Schichten am Wochenende abwechselten.

Für den Einsatz der Gefechtsköpfe gab es genau festgelegte Prioritäten. Beim Anflug eines einzelnen feindlichen Zielobjektes wurde ein kleiner atomarer Gefechtskopf (B-XS) eingesetzt. Beim Anflug mehrerer feindlicher Zielobjekte wurde ein großer atomarer Gefechtskopf (B-XL) eingesetzt. Die ebenfalls vorhandenen konventionellen Gefechtsköpfe dienten lediglich als Munitionsreserve.

"Soweit mir bekannt, befanden sich in allen Nike-Stellungen der Bundesluftwaffe atomare Gefechtsköpfe.“ (Michael Juhls)

Bearbeitungsstand: Dezember 2011

Weitere Informationen über Atomwaffenstandorte in Deutschland

siehe auch: KT-Wert
siehe auch: Nike Herkules

LET

engl.: linear energy transfer

Der Begriff LET bedeutet »linear energy transfer« (lineares Energieübertragungsvermögen). Er stammt aus der Dosimetrie ionisierender Strahlen und beschreibt die Energieabgabe eines ionisierenden Teilchens an die durchstrahlte Materie. Das lineare Energieübertragungsvermögen ist gleich der Energie dE, die ein geladenes Teilchen auf einer Wegstrecke dl verliert. L= dE/dl. Die Maßeinheit der LET ist keV/µm. Da diese Größe mit messtechnischen Mitteln schwer zu erfassen ist, wird der Energieverlust dE entlang der Strecke dS des ionisierenden Teilchens erfasst. Somit erhält man ein indirektes Maß für die Anzahl der erzeugten geladenen Teilchen. Am besten lässt sich die Wirkung der Energieleitung anhand von Molekülen in wässriger Lösung erklären. Dieses Beispiel ist auch daher wichtig, da biologisches Gewebe, ob pflanzlich oder tierisch, zu einem hohen Anteil aus Wasser besteht. In der wässrigen Lösung wird dieser Vorgang über die Radiolyse des Wassers bewirkt.

(Quelle: www.goethe.lb.bw.schule.de )

Bearbeitungsstand: Oktober 2008

Letaldosis

engl.: lethal dose

Als Letaldosis bezeichnet man die Dosis ionisierender Strahlung, die zum Tode des bestrahlten Individuums infolge akuter Strahlenschäden führt. Die mittlere Letaldosis (LD50) ist die Dosis, bei der die Hälfte der Individuen, die vergleichbare Strahlenmengen aufgenommen haben, stirbt. Mit LD1 wird die Dosis bezeichnet, die zu einer Mortalität von 1% der bestrahlten Personen führt, entsprechend führt die LD99 bei fast allen (99%) verstrahlten Personen zum Tod. (Forschungszentrum Karlsruhe)

Bearbeitungsstand: April 2012

siehe auch: Strahlenkrankheit
siehe auch: Strahlenwirkung auf Menschen
siehe auch: Verstrahlung

Letalität

engl.: kill capability

Die Vernichtungswirkung einer Waffe auf ein Ziel wird als Letalität oder »kill capability« bezeichnet. Sie ergibt sich aus zwei Faktoren: Der Treff- und Zielgenauigkeit (CEP) der Waffe einerseits und ihrer Sprengkraft (yield) andererseits. (Dieter S. Lutz: Weltkrieg wider Willen?, Hamburg 1981, S. 368.) In jedem Fall hat der CEP-Wert einen größeren Einfluss auf die Letalität als die Sprengkraft. Als weitere wichtige Faktoren gelten geologische Formationen, Wetterverhältnisse, Detonationshöhe aber auch die Verbunkerung der Zielobjekte. Wegen der zahlreichen Einflussfaktoren ist eine genaue Vorhersage der Letalität nicht möglich. (LL)

Bearbeitungsstand: März 2012

siehe auch: CEP-Wert
siehe auch: Sprengkraft

Libyen

Die Bestrebungen Libyens, sich in den Besitz von Massenvernichtungswaffen und Trägertechnologien zu bringen, rühren weniger als bei anderen Staaten der Region, wie zum Beispiel Ägypten, dem Iran oder Israel von einer tatsächlichen oder zumindest angenommen strategischen Notwendigkeit oder gar Zwangslage her. Vielmehr dürfte die Person Muammar Al Gaddafis bei diesen Bestrebungen eine entscheidende Rolle spielen. Gaddafi, der das Land seit 1996 regiert, sieht sich selbst als visionären Führer mal der arabischen Welt, mal Afrikas oder der Dritten Welt im Ganzen. Der Versuch, Massenvernichtungswaffen zu entwickeln, führte, verbunden mit der Unterstützung des internationalen Terrorismus, zu einer wachsenden Isolation des Landes unter Führung der Vereinigten Staaten. Isolierung und Sanktionen erschwerten den für Libyen unverzichtbaren Technologietransfer und brachten alle Programme recht schnell zum Stocken. Seit Aufhebung der UN-Sanktionen bemüht sich Libyen nach US-Geheimdienstangaben wieder verstärkt um den Erwerb von ausländischer Technologie, die für die diversen Massenvernichtungsentwicklungsprogramme des Landes eingesetzt werden könnten.

1970 scheiterte der Versuch, von China fertige Atomwaffen zu kaufen. 1977 bot Libyen Pakistan nigerianisches Uran und Finanzhilfe an, offenbar um im Gegenzug am pakistanischen Nuklearwaffenprogramm teilnehmen zu können. Auch dieser Versuch scheiterte. Nach der Ratifizierung des Nichtverbreitungsvertrags 1975, lieferte die Sowjetunion Libyen einen Forschungsreaktor, der 1979 in Tajoura in Betrieb genommen wurde. Der 10 Megawatt Versuchsreaktor steht unter der Kontrolle der IAEO (Internationalen Atomenergiebehörde). Es ist nicht davon auszugehen, dass Libyen derzeit an der Entwicklung von Nuklearwaffen arbeitet. Auf politischer Ebene sind die Signale der libyschen Regierung jedoch widersprüchlich. Zwar unterzeichnete das Land 1995 die unbestimmte Verlängerung des Atomwaffensperrvertrags und 1996 den Vertrag über eine atomwaffenfreie Zone in Afrika. Auf der anderen Seite äußerte sich Oberst Gaddafi mehrfach in dem Sinne, dass arabische Staaten Atomwaffen erwerben sollten, um das israelische Monopol auf diesem Gebiet zu brechen. (Quelle: www.weltpolitik.netl)

Im Dezember 2003 hatte der libysche Revolutionsführer Muammar el Gaddafi angekündigt, seine Massenvernichtungsprogramme aufzugeben und sein Atomprogramm unter die Kontrolle der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA zu stellen. Im Frühjahr 2004 lieferte Libyen 16 Kilogramm hoch angereichertes Uran nach Russland zurück. Die ehemalige Sowjetunion hatte das Uran zwischen 1980 und 1984 an Libyen geliefert. Die USA und Großbritannien feierten die Entscheidung Libyens, auf die Entwicklung von ABC-Waffen zu verzichten, als Erfolg im Sinne des Atomwaffensperrvertrages. (Quelle: libyen.com/Militaer/Atomwaffen-Kernwaffen, Seite nicht mehr verfügbar)

Libyen verfügte vor der Beendigung seines heimlichen Atomprogramms im Jahr 2004 über technische Pläne zur Produktion von bis zu zehn Kilogramm Plutonium pro Jahr. Dies geht aus einem vertraulichen Bericht der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA hervor, den die Wiener UN-Behörde am 12. September 2008 den Mitgliedern des Gouverneursrats übermittelt hat. Diese Menge an Plutonium hätte zum Bau einer Atombombe ausgereicht, deren Sprengkraft die Bombe von Nagasaki 1945 deutlich übertroffen hätte. IAEA-Inspekteure fanden laut dem Report jedoch keine Gebäude oder Einrichtungen, die auf eine konkrete Umsetzung der Pläne hindeuteten. Außerdem hätten in den gefundenen Plänen einige technische Informationen gefehlt, die für deren Umsetzung nötig gewesen wären. Offenbar stammten die meisten Pläne, darunter auch Blaupausen für den Bau eines Raketensprengkopfs und für Atombomben, von dem Atomschmuggelring des pakistanischen Wissenschaftlers Abdul Kadir Khan. Dessen Kontakte zu dem nordafrikanischen Land reichten nach den Recherchen der IAEA-Inspekteure bis ins Jahr 1984 zurück, zehn Jahre früher, als bisher angenommen. IAEA-Chef Mohammed el Baradei bestätigte in seinem Bericht, dass die Untersuchung im Zusammenhang mit dem heimlichen Atomprogramm Libyens mit dem Report abgeschlossen sei. Die Inspekteure würden jedoch ihre routinemäßigen Kontrollen fortsetzen.(Quelle dpa, 13.09.2008)

Bearbeitungsstand: Oktober 2008

siehe auch: Atomwaffensperrvertrag
siehe auch: Plutonium

Lichtblitz

engl.: flash

In Bruchteilen einer Sekunde entfaltete der Atomblitz Energien und Temperaturen, wie sie sonst nur in der Sonne auftreten. Das Aufgehen einer neuen Sonne (Beispiel Hiroshima), tausendmal heller als die alte, war im Umkreis von Kilometern für jedes Leben zu viel. Zehntausende Lebewesen gingen in Flammen auf, verdampften zu Schattenbildern auf Wänden. Wer weit genug entfernt war, um nicht sofort zu sterben, hatte Verbrennungen der schlimmsten Art, war von radioaktiver Strahlung durchlöchert. Die atomare Sonne war schnell verschwunden. (Quelle: Jürgen Scheffran in W&F, Heft 4/95)

Bearbeitungsstand: Oktober 2006

siehe auch: Hiroshima

Liebenau

ehem. Atomwaffenstandort, Deutschland

SW-Lager Liebenau vom zentralen Beton-Wachturm, Foto: bildergalerie-diepholz.de

Das Sondermunitionslager Liebenau (52°36’05“N, 09°04’14“O) lag ca. 1,5 km westlich der Stadt Liebenau in Niedersachsen. Es war das Sonderwaffenlager des in Nienburg-Langendamm stationierten RakArtBtl 12 des 1. Artillerieregimentes der 1.Panzergrenadierdivision. Das Bataillon führte bis 1979  die Artillerie-Rakete “Honest John”. Sie hatte eine Reichweite von 40 km und sollte im Kriegsfall mit Nuklearsprengköpfen ausgerüstet werden.

Außer den Honest-John-Sprengköpfen wurde in Liebenau die nukleare Rohrartillerie-Munition der Division gelagert. Ob dieses von Anfang an oder erst ab Ende der 1970er Jahre der Fall war, ist nicht bekannt.

Insgesamt waren zu unterschiedlichen Zeiten folgende Sprengköpfe eingelagert:

  • Gefechtsköpfe für die taktische Kurzstreckenrakete »Honest John« (bis 1979);
  • Artilleriegranaten Kaliber 203 mm für die »schwere« Panzerhaubitze der Divisionsartillerie (ab 1960 atomar);
  • Artilleriegranaten Kaliber 155 mm für die Panzerhaubitze der Brigadeartillerie (ab 1972 atomar) (LL).

Bis in die 1980er Jahre lagerten im SW-Lager Liebenau auch Atomminen für die in Minden ansässige “SpezSperrKP 100” der Bundeswehr. Die dafür zuständige US-Einheit war die “4th Plt/567th Engr Co (ADM)” in Nienburg-Langendamm.

Das eigentliche Atomwaffenlager befand sich im östlichen Teil des Eibia-Geländes westlich von Liebenau. Das Atomwaffenlager hatte etwa die Größe eines Fußballfeldes. In der Mitte befanden sich zwei große, erdummantelte Betonbunker, in denen die Atomwaffen eingelagert waren. Die Sicherung bestand aus einem Doppelzaun, hell erleuchtetem, geharktem Feld mit freier Sicht und zunächst je einem hölzernen Wachturm an den vier Ecken der Anlage. Ein kleines Gebäude diente der Freiwache als Unterkunft und als Sozialgebäude. Die Bewachung erfolgte bis in die 1980er Jahre durch die 5./12 (1980 in 4./12 umbenannt), ab 1985 durch die “Begleitbatterie 1”. Zusätzlich ging nachts ein ziviler Hundeführer im Umfeld der Anlage Streife. Die Atmosphäre hatte besonders nachts in der Stille des völlig unzugänglichen Sperrgebietes auf dem historischen Boden einer verschwiegenen NS-Vergangenheit etwas Unheimliches. Zu dem inneren Bereich des Atomwaffenlagers mit den Bunkern hatten nur die Amerikaner Zutritt. Einige US-Soldaten hielten sich ständig in einem Wachhäuschen am inneren Bereich der Anlage auf. Die Amerikaner gehörten dem in Nienburg-Langendamm stationierten “32nd US-Army Field Artillerie Detachement” (32nd USAFAD) an. Ihr einziger Auftrag war die Verwaltung und die Schlüsselgewalt über die Atomwaffen in Liebenau.

Ende der 1970er Jahre wurden die Sicherungsanlagen am Sonderwaffenlager deutlich verschärft. Ein Zeitzeuge berichtete im Dezember 2006, dass Anfang der 1980er Jahre dort ein zentraler Wachturm aus Beton (“Hauptbeobachtungsturm”) mit Panzerglas und Schießscharten stand. Er war tagsüber mit zwei, und nachts mit drei Personen besetzt. Hinzu kam diagonal ein Wachturm aus Metall, der mit einer Person besetzt war. Nachts oder bei Nebel wurden zusätzlich noch zwei der alten hölzernen Wachtürme genutzt. Über die Regelungen der Wache des SW-Lagers Anfang der 90er Jahre, schrieb im Jahre 2008 ein Zeitzeuge: „Die permanente Bewachung des Lagers setzte sich zusammen aus den drei Amerikanern und einer 22-köpfigen deutschen Wachmannschaft. Je ein Unteroffizier und fünf Mannschaften bildeten eine Gruppe, die im zwei Stunden Wach/4 Stunden Bereitschaftsrhythmus die Türme besetzten. Gruppenführer und zwei Mann auf dem HBT (Hauptbeobachtungsturm), zwei Mann auf dem NBT (Nebenbeobachtungsturm und ein Mann als Schließer (zuständig für das Eingangsdrehkreuz und die Eintragung der ein- und ausgehenden Personen, z.B. die Amis). Im Wachgebäude waren außer den beiden Freischichten noch der Wachhabende, ein Mannschaftsdienstgrad als  Melder, zuständig für Feldtelefon und den Kaffee, und zwei Mann als AAT-Bereitschaft. Die letzten drei wurden alle 12 h, der Rest alle 24 h ausgetauscht“.

Ein anderer Zeitzeuge berichtete im Herbst 2006, dass in den 1980er Jahren in Liebenau atomare Rohrartillerie-Munition vom Kaliber 155 und 203 mm lagerte. Diese Munition war für die Spezialzüge des 1. Artillerie-Regimentes, den “ArtSpezZg I/I” (Neustadt-Luttmersen) und den “ArtSpezZg II/I” (Hannover Bothfeld) der 1. Panzerdivision vorgesehen. Das Personal dieser Züge hatte eine spezielle Ausbildung im Verschießen von Atom-Granaten und sollte im Kriegsfall die entsprechende Artillerie von den regulären Artillerie-Feuereinheiten übernehmen. Der Zeitzeuge berichtet, dass am Sonderwaffenlager Liebenau jährlich 4 bis 5 Übungen des ArtSpezZg II/I abgehalten wurden, bei denen die Übernahme und Auslagerung der atomaren Munition geübt wurde. Die Übungen fanden zumeist mit Übungsmunition (Attrappen) statt, es gab aber auch - gemeinsam mit den Amerikanern - sogenannte “scharfe” Übungen, bei denen die atomare Munition tatsächlich aus den Bunkern des Sonderwaffenlagers geholt und auf dem Eibia-Gelände herum gefahren wurde. Der Zeitzeuge berichtet weiter, dass sich die atomaren Komponenten der Munition in etwa maurerkübelgroßen zylindrischen Stahlbehältern mit Tragegriffen und gelber Beschriftung befanden. In dem Einen der beiden Bunker (vermutlich dem, der für den ArtSpezZg II/I vorgesehen war), sollen sich neben schätzungsweise 30 Artilleriegranaten etwa 10 solcher nuklearer Komponenten befunden haben. Die Behälter seien mehr als handwarm gewesen. Bei diesen Übungen hätten die amerikanischen Soldaten auf dem Lkw die nuklearen Sprengköpfe aus den Behältern in die Granaten eingebaut, wobei kein deutscher Soldat zugegen sein durfte, während die Deutschen für den Einbau der Zünder zuständig waren. Die Zünder wurden bei den Übungen allerdings nicht eingebaut. Nach der standardmäßigen Planung war vorgesehen, dass die Bundeswehreinheit im Spannungs- bzw. Kriegsfall die Atomgranaten mit fertig montierten Sprengköpfen von den Amerikanern übernehmen sollte. Das eilige Montieren durch die Amerikaner auf dem Bundeswehr-Lkw war nur für den Fall eines Alarmes bei einem Überraschungsangriff aus dem Osten vorgesehen.

1992 wurde das Atomwaffenlager in Liebenau endgültig aufgegeben, Es wurde vollständig bis auf die Erdhügel mit den Bunkern demontiert und dem Erdboden gleichgemacht, auch die erst rund 20 Jahre alten, modernen Kasernenbauten verschwanden restlos. Nur das Wachhäuschen am Tor und eine alte Fahrzeughalle blieben bis heute stehen. (Quelle: Bildergalerie Liebenau)

Bearbeitungsstand: Oktober 2009

Weitere Informationen über Atomwaffenstandorte in Deutschland

siehe auch: Honest John
siehe auch: Panzerhaubitze M 109
siehe auch: Panzerhaubitze M 110
siehe auch: Sondermunitionslager

Little Boy

„Little Boy“-Atombombe. Auf Tinian-Inseln, bevor die Bombe auf dem Flugzeug Enola Gay aufgeladen wurde. August 1945. Foto: US-Regierung / gemeinfrei

Little Boy (Kleiner Junge) war der Codename der ersten Atombombe, die jemals in einem Krieg eingesetzt wurde. Am 6. August 1945 wurde Little Boy über Hiroshima (Japan) von dem US-Bomber Enola Gay abgeworfen und detonierte in ca. 600 m Höhe über der Erdoberfläche. Die Bombe besaß eine Vernichtungskraft von ca. 13 KT (Kilotonnen).

Die Atombombe wurde nach dem „Kanonenprinzip“ gebaut. Auf einem vorigen Test der Bombe wurde verzichtet, weil das Prinzip im Manhattan Projekt schon ausprobiert wurde und funktionsfähig war. Mindestens ein Teil des Urans in der Bombe stammte aus Deutschland (Staßfurt, Sachsen-Anhalt), das von der US-Army in den letzten Wochen des 2. Weltkrieges erbeutete.

Technische Daten:

Gewicht 4040 kg
Länge 3,20 m
Durchmesser 0,71 m
Spaltmaterial 64 kg Uran, U-235 Anteil 80%
Explosionskraft ca. 13 KT
Explosionshöhe ca. 600 m

ll/xh (Quelle: Richard Rhodes)

Bearbeitungsstand: Januar 2017

Bild oben: „Little Boy“-Atombombe. Auf Tinian-Inseln, bevor die Bombe auf dem Flugzeug Enola Gay aufgeladen wurde. August 1945. Foto: US-Regierung / gemeinfrei

Lockheed Martin

Waffenproduzent, USA

Lockheed Martin, mit Sitz in den USA, konzentriert sich auf Luftfahrt sowie Weltraum-, Informations- und elektrische Systeme.

Lockheed Martin produziert eine große Auswahl sowohl von konventionellen als auch von Kernwaffen für die Vereinigten Staaten und das Vereinigte Königreich. Das Unternehmen ist für die Konstruktion der atomaren Trident-II-D5-Raketen für die US-U-Boote der Ohio-Klasse und die britischen U-Boote der Vanguard-Klasse verantwortlich. Die USA planen, die Trident-II-Raketen bis 2042 in Dienst zu halten.

Lockheed Martin hält außerdem ein Drittel der Anteile am Jointventure AWE-ML, dem Unternehmen, das Großbritanniens Atomic Weapons Establishment (AWE) leitet. Das AWE liefert und wartet die Gefechtsköpfe für die atombewaffneten Vanguard-U-Boote. Die anderen Partner in diesem Jointventure sind Jacobs Engineering und Serco. AWE-ML hat einen unaufkündbaren 25-Jahres-Vertrag – überarbeitet im Jahr 2003 – über den Betrieb des AWE.

Als Mitglied des von Northrop Grumman geführten ICBM-Prime-Integration-Teams ist Lockheed Martin an der Produktion und Wartung der ballistischen Minuteman-III-Interkontinentalraketen beteiligt. Lockheed Martin ist für die Waffen-, Kontroll- und Wiedereintrittssysteme verantwortlich.

Im März 2011 schloss das Unternehmen einen 12,5 Millionen US-Dollar schweren Vertrag über die Modernisierung von Komponenten für Wiedereintrittskörper von Minuteman-III-Raketen. Laut neuesten Plänen werden diese Atomraketen mindestens bis zum Jahr 2030 Teil des amerikanischen Nuklearverteidigungsprogramms bleiben. Im Mai 2009 erwarb Lockheed Martin das schottische Unternehmen Imes Strategic Support, einen Anbieter von Schlüsselkomponenten für die britischen Kernwaffen. (Quelle: van Gelder, Jan Willem/Spaargaren, Petra/Wright, Tim: Divestment Report. ICAN 2012)

Bearbeitungsstand: April 2012

Weitere Informationen zu Atomwaffenherstellern

siehe auch: Atomwaffenkomplex der USA
siehe auch: Northrop Grumman
siehe auch: Sandia National Laboratories (SNL)

 

Lohne

ehem. Atomwaffenstandort, Deutschland

Die Nike-Feuerstellung (Launching Area) Lohne (52°40’50“N, 08°18’15“O) der 4. Batterie des FlaRakBtl 25 lag ca. 5 km südlich der Stadt Vechta in Niedersachsen.
Die dort stationierte FlaRakBatterie bestand aus drei getrennten Bereichen: der Unterkunft, dem Feuerleitbereich in günstiger topografischer Lage mit bis zu 5 Radargeräten für Überwachung, Zielerfassung, Zielverfolgung und Flugkörperverfolgung und dem Abschussbereich mit jeweils 3 Abschussflächen und dazugehörigen Bunkern. In diesem Bereich befanden sich auch die Atomsprengköpfe. Während die Raketen in Montagebunkern oder auf durch Erdwälle geschützten Abschussschienen bereit gehalten wurden, lagen die Radaranlagen in exponierter Stellung und konnten nur mit Sandsäcken oder Konturen verwischender Tarnung ungenügend geschützt werden. Zum Eigenschutz, vor allem gegen angreifende Tiefflieger, wurden die Stellungen später zusätzlich mit 20mm Zwillingsgeschützen ausgestattet.
In der Stellung Lohne waren von 1963 bis vermutlich 1988 atomare Flugabwehrraketen vom Typ Nike stationiert. An Atomsprengköpfen waren zwei Versionen verfügbar. Die kleinere mit der Bezeichnung B-XS hatte eine Sprengkraft von 2 Kilotonnen. Die größere B-XL besaß ursprünglich 40 kT Sprengkraft. Letztere wurden in den 1970er Jahren gegen Sprengköpfe zu je 20 kT ausgetauscht.
Maximal waren je Stellung zehn Nuklear-Sprengköpfe vorhanden, acht mit der Stärke XS mit 2 Kilotonnen und zwei XL mit 40/20 Kilotonnen Sprengkraft. (Jürgen Dreifke)
Ein Zeitzeuge erinnert sich: „Die vier Batterien des FlaRakBtls 25 [mit den Feuerstellungen Varrelbusch, Wuthenau, Wagenfeld und Lohne] befanden sich in unterschiedlichen Bereitschaftsstufen mit einer Reaktionszeit von maximal 30 Minuten, maximal 3 Stunden, maximal 12 Stunden und mehr als 12 Stunden. Innerhalb einer Batterie hatten mindestens zwei Abschussplätze den selben Bereitschaftsgrad. Konnte eine der Batterien aus technischen Gründen den Bereitschaftsgrad nicht einhalten, dann rückten die anderen Batterien eine Einsatzstufe nach oben. Abhängig vom Bereitschaftsgrad war die Stellung im Schichtbetrieb ständig besetzt und einsatzbereit. Dazu gab es in der Batterie drei Kampfbesatzungen für den Feuerleit- und Abschussbereich, die sich in einem System von 48-Std-Schichten während der Woche und 72-Std-Schichten am Wochenende abwechselten.
Für den Einsatz der Gefechtsköpfe gab es genau festgelegte Prioritäten. Beim Anflug eines einzelnen feindlichen Zielobjektes wurde ein kleiner atomarer Gefechtskopf (B-XS) eingesetzt. Beim Anflug mehrerer feindlicher Zielobjekte wurde ein großer atomarer Gefechtskopf (B-XL) eingesetzt. Die ebenfalls vorhandenen, konventionellen Gefechtsköpfe dienten lediglich als Munitionsreserve.
Soweit mir bekannt, befanden sich in allen Nike-Stellungen der Bundesluftwaffe atomare Gefechtsköpfe.“ (Michael Juhls)

Bearbeitungsstand: Juni 2010

Weitere Informationen über Atomwaffenstandorte in Deutschland

siehe auch: KT-Wert
siehe auch: Nike Hercules

Londoner Club

engl.: London Club oder London Suppliers Group

Als Folge der von Indien im Jahr 1974 durchgeführten unterirdischen Nukleartest trafen sich auf Initiative der USA erstmals die sieben wichtigsten nuklearen Hauptlieferanten in London, um Richtlinien für den Transfer von Nukleargütern aufzustellen. Die Teilnehmerstaaten waren die USA, die Sowjetunion, Großbritannien, Frankreich, die Bundesrepublik Deutschland, Japan und Kanada. Die Richtlinien des so genannten »Londoner Club« traten 1976 in Kraft. Sie betreffen den Export in allen Nichtkernwaffenstaaten, unabhängig von einer Mitgliedschaft im NVV, und enthalten Regelungen, die sowohl den Weiterexport in Kernwaffenstaaten als auch für den Handel zwischen den Mitgliedsstaaten selbst, angewandt werden.

In Kenntnis, dass der Irak den Aufbau eines umfangreichen geheimen atomaren Waffenprogramms verfolgte, traf sich der Londoner Club, nun unter der Bezeichnung »Nuclear Suppliers Group (NSG)« erneut im Jahre 1992, um seine Richtlinien zu aktualisieren. Die NSG-Vorschriften bestehen seitdem aus einem mehrteiligen Regelwerk. Teil I enthält Richtlinien für den Export von nuklearen Gütern, Teil II die Richtlinien für den Export von Dual-Use-Gütern.

Der Export von Gütern des NSG Teil I – diese Liste enthält ausschließlich Güter, die zur Herstellung von Atomwaffen, Urananreicherung oder dem Bau und Betrieb von Kernkraftwerken dienen – kann nur unter drei Voraussetzungen erfolgen. Es muss eine Endverbleibserklärung des Empfängerlandes, welches die friedliche Nutzung garantiert, vorliegen. Der physische Schutz der Güter muss gewährleistet werden und nicht nur der gesamte Materialfluss, sondern auch alle Anlagen des Empfängerlandes müssen unter der IAEO-Kontrolle stehen. (Quelle: Veronika Vornholt: Export von Nukleartechnologie unter den Voraussetzungen des europäischen und nationalen Rechts, Wolfenbüttel 2005)

Inzwischen ist die Gruppe um mehr als das Sechsfache angewachsen, die Exportkontrollen wurden mehrfach erweitert und präzisiert, aber die Probleme sind geblieben. Sie haben sich aus mehreren Gründen noch verschärft. Erstens haben die Nichtkernwaffenstaaten im Atomwaffensperrvertrag ihren Minderstatus nicht bedingungslos und für alle Zeiten akzeptiert, sondern den Verzicht an die nukleare Abrüstung der Kernwaffenmächte geknüpft. Diese jedoch haben ihre vertragliche Verpflichtung mit permanentem Zynismus ignoriert und die Rolle von Nuklearwaffen in Ihren Sicherheitsdoktrinen sogar wieder aufgewertet. Als Konsequenz scheint ein weltweiter "Run" auf Kernwaffen einzusetzen, zumindest aber will man sich die nukleare Option offen halten. Hierfür bildet die Meisterung des geschlossenen nuklearen Brennstoffkreislaufs die materielle Basis. Das bedeutet, die Uranförderung, Anreicherung, Herstellung der Kernbrennstäbe, Wiederaufbereitung und Endlagerung in eigener Hand zu haben. Wer immer - ungeachtet der Motive im Einzelnen - danach strebt, setzt sich deshalb dem internationalen Verdacht aus, er trachte unter dem Deckmantel der zivilen Nutzung nach dem Besitz von Atomwaffen. Verstärkte Exporteinschränkungen durch die Industriestaaten wiederum kritisieren die Entwicklungsländer als diskriminierende Willkürakte des reichen Nuklear-Kartells. (Quelle: Wolfgang Kötter, "Neues Deutschland" vom 29. Mai 2006)

Bearbeitungsstand: Dezember 2007

Lop Nor

Atomtestgelände, China

Erster chinesische Atomtest in Lop Nur, 1964. Foto: CTBTO

Zwischen 1964 und 1996 führte die Volksrepublik China 45 Atombomben-Explosionen im westchinesischen Lop Nor durch. Für die dort lebende ethnische Gruppe der Uiguren sind die durch radioaktiven Niederschlag herbeigeführten Krankheiten und Missbildungen zu einem relevanten Gesundheitsproblem geworden.

Hintergrund
China detonierte am 16. Oktober 1964 seine erste Atombombe auf dem Versuchsgelände Lop Nor, ca. 265 km südwestlich der Provinzhaupstadt Ürümqi. In den darauf folgenden Jahren wurden 22 weitere überirdische sowie 22 unterirdische Tests durchgeführt, deren Sprengkraft sich von ungefähr einer KT (Kilotonne) bis zu vier MT (Megatonnen) TNT-Äquivalent erstreckten. Dieser größte chinesische Atombombentest fand am 17. November 1976 statt.

Die Region um Lop Nor ist die Heimat von 20 Millionen Menschen. Von ihnen leben viele in relativ naher Umgebung zum hoch radioaktiv kontaminierten Testgebiet. Die Einwohner der Region stammen aus unterschiedlichen Ethnien, vor allem aus der Gruppe der Uiguren. Nach dem letzten Atomwaffentest vom 29. Juli 1996 gab die chinesische Regierung bekannt, dass ihr Atomwaffentestprogramm beendet sei und dass sie bereit wäre, dem Vertrag über das umfassende Verbot von Nuklearversuchen beizutreten. Seitdem haben in Lop Nor keine Atomwaffentests mehr stattgefunden. Ratifiziert hat China den Vertrag übrigens, ähnlich wie der Iran, Israel und die USA, noch nicht.

Folgen für Umwelt und Gesundheit
Einem Artikel in der Zeitschrift „Scientific American” zufolge liegt die Krebsrate in der Region rund um Lop Nor um 30 bis 35% höher als im restlichen China, mit einer unverhältnismäßig großen Zahl an malignen Lymphomen, Leukämien, Fällen von Lungenkrebs, degenerativen Störungen und Missbildungen unter Neugeborenen. So hat ein Einheimischer die Ära der Atomwaffentests in Erinnerung: „Wir wurden tagelang dazu aufgefordert, unsere Fenster geschlossen zu halten und in den Häusern zu bleiben. Monatelang konnten wir kein Gemüse oder Obst essen. Dann, nach einer Weile, haben sie sich damit nicht mehr abgegeben. Aber sie machten trotzdem weiter mit den Tests.“

Einige der Bomben, die in Lop Nor explodierten, waren mehr als 300 mal stärker als „Little Boy”, die Atombombe, welche 1945 über Hiroshima abgeworfen wurden. Die Studie „Radioaktive Verseuchung von Himmel und Erde” der Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkriegs (IPPNW) gibt die geschätzte Menge an radioaktivem Material an, welche in Lop Nor in die Atmosphäre freigesetzt wurden: Stoffe wie Plutonium-239, Cäsium-137 oder Strontium-90 mit einer Gesamtradioaktivität von mehr als 111 PBq (Petabecqerel = Billiarde).

Konkret bedeutet dies, dass etwa 48 kg Plutoniumstaub über der Region verstreut wurden, wobei bereits ein Mikrogramm dieses hoch giftigen Stoffes ausreicht, um Nierenschädigungen, Lungen- oder Leberkrebs zu verursachen.
Eine Studie aus dem Jahr 2008, die von der Internationalen Atomenergieorganisation (IAEO) und der Organisation des Vertrags über das umfassende Verbot von Nuklearversuchen (CTBTO) zitiert wird, stellte fest, dass die Menge an radioaktivem Niederschlag in Städten nahe des Testgeländes hoch genug sei, um bei Neugeborenen Missbildungen und Krebs zu verursachen.

Ausblick
Auch wenn seit 1996 keine neuen Atomwaffentests mehr in China durchgeführt wurden, wird die verbleibende Strahlung radioaktiver Isotope wie Cäsium-137, Strontium-90 und Plutonium-239 die Menschen in der Region für weitere Generationen beeinflussen. Bislang verweigert China jegliche unabhängige Untersuchung hinsichtlich der Auswirkungen des Atomwaffentestprogramms auf Umwelt und Gesundheit, so dass die Betroffenen weiterhin um Anerkennung und Gerechtigkeit ringen müssen. Wie Hunderttausende andere Menschen weltweit sind auch sie zu Opfern der Atomwaffen geworden – auch sie sind Hibakusha.

Weiterführende Informationen
Für eine gute Einführung ins Thema, ist die britische Dokumentation „Death on the Silk Road” sehr empfehlenswert:. Ebenso aufschlussreich ist das Buch „China builds the Bomb” von John Wilson Lewis, erschienen bei Stanford University Press 1991. (Quelle: IPPNW-Ausstellung “Hibakusha weltweit”)

Bearbeitungsstand: März 2014

»Weitere Informationen zur Geschichte der Atomtests

Los Alamos

Los Alamos ist eine Stadt im US-Bundesstaat New Mexico. Hier konzentrierten die USA während des 2. Weltkrieges ihre Bemühungen, eine Atombombe zu entwickeln. Der Aufbau der Forschungseinrichtungen begann, nachdem Albert Einstein den US-amerikanischen Präsidenten Roosevelt in einem Brief darauf hingewiesen hatte, dass Nazi-Deutschland offensichtlich dabei war, eine Atombombe zu entwickeln.

Das gesamte Unternehmen lief unter der Bezeichnung "Manhattan-Projekt" und zählt zu den größten technischen Forschungs- und Entwicklungsprojekten der Menschheitsgeschichte. Zeitweise arbeiteten und wohnten bis zu 60.000 Forscher und Techniker, sowie 70.000 weitere Personen auf dem Plateau in der Sierra Nevada. Dieses Hochplateau (ca. 2200 m) etwa 60 km nördlich von Santa Fe (New Mexico) gelegen, wurde ausgesucht, weil im Umkreis von vielen Kilometern keine größeren Dörfer und Städte waren, die vom Projekt hätten erfahren können bzw. bei einem Unfall hätten zerstört bzw. verstrahlt werden können.

Heute zählt Los Alamos ca. 11.500 Einwohner und beherbergt verschiedene Forschungseinrichtungen mit mehr als 6000 Mitarbeitern. Neben dem Stockpile Stewardship Program zur Erhaltung der vorhandenen Nuklearwaffen wird auch Grundlagenforschung auf naturwissenschaftlichen Gebieten betrieben. (LL)

»Weitere Informationen über die Entwicklung der Atombombe

Bearbeitungsstand: März 2007

siehe auch: EINSTEIN Albert
siehe auch: Manhattan-Projekt
siehe auch: Stockpile Stewardship Program

Los Alamos National Laboratory (LANL)

Einrichtung des Atomwaffenkomplexes, New Mexico, USA

Das LANL ist die älteste Forschungsstätte für Atomwaffen in den USA. Es wurde 1943 für das Manhattanprojekt gegründet und noch heute ist es eine der wichtigsten Forschungs- und Entwicklungseinrichtungen für Atomwaffen in den Vereinigten Staaten. In der Nähe fand 1945 auch der erste Atomwaffentest der Geschichte statt. Es wurde nach seinem Sitz Los Alamos im Bundesstaat New Mexico benannt. Als Subunternehmer betreibt die Los Alamos National Security, LLC das LANL, im Auftrag des DOE. Diese Firma ist einen Kooperation von, unter Anderen, der University of California, Bechtel, URS und Babcock & Wilcox. Neben dem LLNL wurden alle Atomwaffendesigns der USA hier entwickelt, auch die Bomben, die über Hiroshima und Nagasaki abgeworfen wurden. Auch heute findet wichtige Entwicklungs- und Grundlagenforschung zu Atomwaffen hier statt. Zwar wird hier auch zivile Forschung aus vielen Bereichen betrieben, sowie Forschung zu konventioneller Rüstung und nationaler Sicherheit; allerdings ist seine zentrale Aufgabe traditionell die Entwicklung und Weiterentwicklung von Atomwaffen. Etwa zwei Drittel des Jahresbudgets (circa 2,1 Millarden US-Dollar) waren 2009 für Atomwaffenforschung vorgesehen.
Betrieben wird in Los Alamos Forschung und Entwicklung zur Sicherung der Sicherheit, Verlässlichkeit und Leistungsfähigkeit von Atomwaffen, besonders der nuklearen Komponenten, sowie der Überwachung und Modernisierung bestehender Arsenale (Stockpile Stewardship Program) und Tritiumforschung. Im LANL werden auch Plutoniumkomponenten und Zündmechanismen hergestellt. Auch angereichertes Uran und abgereichertes Uran (depleted Uranium – DU) werden hier produziert. Laut eigenen Angaben werden im LANL subkritische Atomtests durchgeführt. Auch hydrodynamische Tests und Simulationen mit Supercomputern finden hier statt. Geforscht wird auch an chemischen Sprengstoffen.
Die Abteilung für Metallurgie ist die wichtigste des gesamten Atomwaffenkomplex, die Produktionsstätte für Plutoniumkerne die einzige funktionsfähige der USA. Es verfügt über eine einzigartige Anlage zur Neutronenforschung, die wertvolle Beiträge zur Grundlagenforschung liefert, und die einen hohen Nutzen für die Entwicklung von Atomwaffen haben. jk

(Quellen: LANL, LANSLLC)

Bearbeitungsstand: August 2012

siehe auch: abgereichertes Uran
siehe auch: Atomwaffenkomplex der USA
siehe auch: Babcock & Wilcox
siehe auch: Bechtel
siehe auch: hydrodynamischer Test
siehe auch: Los Alamos
siehe auch: Manhattan-Projekt
siehe auch: Stockpile Stewardship Program
siehe auch: subkritischer Atomtest
siehe auch: Trinity-Atomtest
siehe auch: Tritium
siehe auch: Urananreicherung

LOWN Bernard

1921 -

Bernard Lown wurde am 7. Juni 1921 als Boruch Latz in Litauen geboren. Sein Vater war Schuhmacher, seine Mutter brachte nach Boruch noch drei Kinder zur Welt. 1935 emigrierte die jüdische Familie nach Maine in die USA, wo sie den Namen Lown annahm. Bernard begann ein Medizinstudium, zunächst an der University of Maine, später an der Johns Hopkins University School of Medicine.

In Baltimore erlebte der junge Student, den der Antisemitismus aus seiner Heimat vertrieben hatte, Rassismus aus nächster Nähe. "Im Krankenhaus gab es Toiletten für Schwarze und Toiletten für Weiße", erinnert sich Lown im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung". "Es war 1942, Krieg, in Europa kämpften wir für Freiheit und Demokratie, aber hier, im Johns-Hopkins-Krankenhaus, herrschte Rassentrennung."

Lown engagiert sich. Für die Zulassung schwarzer Studenten, für Gleichberechtigung von Minderheiten. Bald gilt er als links und ist damit verdächtig. Zu jener Zeit ist er unter anderem für die Blutkonserven des Krankenhauses zuständig. Jene sind separiert in "White" für weiße Patienten und "Coloured" für Farbige. Eines Tages ändert Lown das C in ein W, was ihm eine vorübergehende Suspendierung vom akademischen Unterricht einbringt. Später nimmt er sein Studium wieder auf, 1945 promoviert er, arbeitet in der Folge an verschiedenen Kliniken und wechselt 1950 ans Peter Bent Brigham Hospital in Boston, um sich der kardiologischen Forschung zu widmen.

Hier wird Lown immer wieder mit Patienten konfrontiert, denen auch mit Medikamenten nicht zu helfen ist. 1959 behandelt der damals 37-jährige Kardiologe Mr. C., einen Schotten, der an einer Herzinsuffizienz leidet. Eines Tages verschlimmert sich dessen Zustand. Lown gibt ihm verschiedene Arzneien, ohne Erfolg. Im Gegenteil: Dem Mann geht es immer schlechter. Plötzlich erinnert sich der Arzt an einen Artikel, in dem es um eine elektrische Schockbehandlung ging. Lown fasst einen Entschluss. Er erklärt der Frau des Patienten, was er vorhat und dass ihr Mann unbehandelt in wenigen Stunden sterben wird. Sie stimmt zu. Auch die Klinikleitung gibt ihr Okay. Die Medikamente werden abgesetzt, der Patient anästhesiert und geschockt - am nächsten Tag kann er die Klinik verlassen.

Seither hat die von Lown erfundene Methode der Elektrodefibrillation weltweit Hunderttausenden von Menschen mit Kammerflimmern das Leben gerettet.

Zwei Jahre nach jenen Ereignissen hört Lown einen Vortrag des britischen Parlamentsabgeordneten Philip Noel-Baker, der 1959 den Friedensnobelpreis erhalten hat. Sein Thema: der atomare Rüstungswettlauf. "Ein merkwürdiger Widerspruch rüttelte mich wach", erinnert sich der US-Kardiologe. "Ich verwandte jede freie Minute darauf, den plötzlichen Herztod zu besiegen. Nun wurde mir klar, dass die größte Gefahr für das menschliche Überleben nicht der Herztod war, sondern die nukleare Katastrophe."

Lown sammelt eine Gruppe von Ärzten um sich. Sie entwickeln eine Idee: Am Beispiel Bostons wollen sie die Folgen einer atomaren Explosion analysieren und die Ergebnisse im "New England Journal of Medicine" veröffentlichen. Die Ergebnisse sind schockierend: Von den knapp 2,9 Millionen Einwohnern Bostons würden durch einen Atomschlag eine Million auf der Stelle getötet. Auch wenn zehn Prozent der 6500 Ärzte unverletzt blieben, wäre keine sinnvolle medizinische Antwort auf eine solche Katastrophe möglich.

Als die Artikel erscheinen, hallt das Echo bis in die Spitzen des US-Militärs wider. Es ist die Geburtsstunde einer Bewegung, die unter dem Namen Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkriegs weltweit Beachtung findet. Zusammen mit seinem russischen Kollegen Jewgenij Tschasow, mit dem er die Organisation 1980 gegründet hat, nimmt Lown 1985 stellvertretend für die 145 000 IPPNW-Ärzte aus 41 Ländern den Friedensnobelpreis entgegen.

"Wir Ärzte müssen auch für Generationen sprechen, die noch ungeboren sind", ist Lowns Credo. "Wir werden nur erfolgreich sein, wenn wir Millionen Menschen mit unserer Vision erfüllen, sich für eine Welt ohne die gespenstischen Atomwaffen einzusetzen. Only those who see the invisible can do the impossible." (Quelle: Pete Smith, Ärzte Zeitung)

Bernard Lown: Ein Leben für das Leben. Ein Arzt kämpft gegen den atomaren Wahnsinn. Academia Verlag. Sankt Augustin 2009

Bearbeitungsstand: Januar 2010

LRTNF

engl.: Abk. für Long Range Theatre Nuclear Forces

Die nuklearen Mittelstreckenwaffen mit großer Reichweite können entsprechend ihrer Reichweite in drei Kategorien unterteilt werden:

  • Weit reichende Atomwaffen in und für Europa (LRTNF) sind Kernwaffen mit einer maximalen Reichweite von mehr als 100 km aber weniger als 5500 km (=interkontinentale Reichweite).
  • Atomwaffen in und für Europa (MRTNF) haben eine mittlere Reichweite zwischen 200 und 1000 km.
  • Kurzstreckenatomwaffen in und für Europa (SRTNF) haben eine Reichweite von bis zu 200 km.

Während des Kalten Krieges wurde der Begriff LRTNF oft Synonym für „eurostrategische Waffen“ verwendet. Damit war der Einsatz gegen strategische Ziele in Europa gemeint, also Angriffsziele in der sozio-ökonomischen Struktur des Gegners bzw. seine offensiven und defensiven Rüstungsanlagen und die dazugehörige Infrastruktur.

Bereits Mitte der 1950er Jahre wurden Marschflugkörper vom Typ Mace A/B mit einer Reichweite von bis zu 2500 km in Deutschland stationiert. Ab 1960 folgten die US-amerikanischen Thor- und Jupiter-Raketen, die in Großbritannien, Italien und der Türkei stationiert wurden. Sie hatten eine Reichweite von ca. 3000 km und Gefechtsköpfe mit einer Sprengkraft von 1,5 Megatonnen.

Auf sowjetischer Seite wurden zunächst SS-3-Raketen mit Weiterentwicklungen bis zur SS-20-Rakete stationiert. Damit befand sich ganz Europa innerhalb der Reichweite von sowjetischen Gefechtsköpfen mit Ladungen im Megatonnenbereich. ( SIPRI Atomwaffen in Europa, Rüstungsjahrbuch ´82/83, S. 39f.)

Bearbeitungsstand: Mai 2006

siehe auch: Jupiter
siehe auch: Kalter Krieg
siehe auch: MT (Megatonne)
siehe auch: Thor

Lüdenscheid - Stilleking

ehem. Atomwaffenstandort, Deutschland

Das SAS-Lüdenscheid-Stilleking ( 51°11'30.21"N 7°38'24.82"O) lag ca. 3 km südlich der Stadt Lüdenscheid in der Region Sauerland. In diesem Munitionslager waren ab 1960 atomare Sprengköpfe der belgischen Armee  für die Kurzstreckenrakete Honest John und die Haubitze M 115 Kaliber 203 mm eingelagert.

Folgende Munitionstypen wurden zwischen 1960 und 1963 bevorratet:

John Gefechtsköpfe vom Typ W-31 mit folgender Sprengkraft:
Version Mod.0 Y1: 2 KT
Version Mod.0 Y2: 40 KT
Version Mod.3 Y3: 20 KT

Gefechtsköpfe vom Typ W-33 für die Haubitze 203 mm mit folgender Sprengkraft:
Version Mod.0 Y1: 0,5 KT
Version Mod.1 Y2: 40 KT
Version Mod.1 Y3: 10 KT
Version Mod.1 Y4: 5 KT (LL)

Bearbeitungsstand: August 2011

Weitere Informationen über Atomwaffenstandorte in Deutschland

siehe auch: Honest John-Rakete
siehe auch: Sprengkraft

Luftdetonation

engl.: air burst

Als Luftdetonationen bezeichnet man Atomwaffenexplosionen in der Atmosphäre unterhalb 30 Kilometer, wobei der Feuerball die Erdoberfläche nicht berührt. Die dabei entstehende Druckwelle breitet sich vom Detonationspunkt nach allen Seiten gleichmäßig aus. Durch das Auftreffen der Druckwelle auf der Erdoberfläche entsteht durch die Reflektion eine zweite schnellere Druckwelle. Dort wo sich beide Druckwellen vereinigen, ist der Grad der Zerstörung besonders hoch. Dieser Effekt wird nach Ernst Mach auch Macheffekt genannt.

Bei Luftdetonationen ist die Wirkung auf Bodenziele im Wesentlichen vom Kilotonnen-Wert (KT-Wert) der Bombe und von der Detonationshöhe abhängig. Je größer die Detonationshöhe, desto schwächer ist die Druckwelle, die den Boden erreicht. Andererseits vergrößert sich die betroffene Bodenfläche mit zunehmender Detonationshöhe. Um eine größt mögliche Schadenswirkung im Ziel zu erreichen, müssen KT-Wert und Detonationshöhe optimal aufeinander abgestimmt werden.

Bei Luftdetonationen ist die Wirkung durch Wärmestrahlung am größten. Auch hierbei ist die Detonationshöhe von entscheidender Bedeutung.

Da bei einer Luftdetonation die radioaktiven Rückstände der Bombe nicht den Boden kontaminieren, werden diese Detonationen als »sauber« bezeichnet. Der entstehende Fallout verbreitet sich allerdings über große Flächen und kann bei großen Megatonnen-Werten (MT-Werten) den ganzen Erdball umspannen.

Aus militärischer Sicht sind Luftdetonationen sowohl zur großflächigen Zerstörung ungepanzerter Ziele (Industriegebiete, Luftstützpunkte oder Truppenverbände) als auch zur Ausschaltung von Luftzielen wie Fliegerverbänden oder Raketen besonders geeignet. (LL)

Bearbeitungsstand: September 2006

siehe auch: Detonationsarten
siehe auch: Detonationshöhe
siehe auch: Druckwelle
siehe auch: KT (Kilotonne)
siehe auch: MT (Megatonne)

Luftdetonation bei optimaler Höhe

engl.: optimal burst height

Als Luftdetonationen bezeichnet man Atomwaffenexplosionen in der Atmosphäre unterhalb 30 Kilometer, wobei der Feuerball die Erdoberfläche nicht berührt. Die dabei entstehende Druckwelle breitet sich vom Detonationspunkt nach allen Seiten gleichmäßig aus. Durch das Auftreffen der Druckwelle auf der Erdoberfläche entsteht durch die Reflektion eine zweite schnellere Druckwelle. Dort wo sich beide Druckwellen vereinigen, ist der Grad der Zerstörung besonders hoch. Dieser Effekt wird nach Ernst Mach auch Macheffekt genannt. Dabei kommt der Detonationshöhe eine zentrale Bedeutung zu. Je höher die Detonation, umso geringer die Wirkung der Druckwelle, wenn sie auf das Ziel am Boden auftrifft. Andererseits vergrößert sich die betroffenen Zielfläche. Da die Detonationshöhe vorab exakt festgelegt werden kann (optimale Detonationshöhe) kann man hierduch einen doppelt so großen Schaden bewirken, als dies bei einer gleichstarken Bodendetonation möglich wäre. (LL)

Bearbeitungsstand: Februar 2012

siehe auch: Bodendetonation
siehe auch: Detonationshöhe
siehe auch: Druckwelle
siehe auch: Feuerball

Luft-Luft-Rakete

engl.: air-to-air missile (Abk.: AAM)

Bereits im Ersten Weltkrieg wurden Luft-Luft-Raketen zur Abwehr von gegnerischen Luftschiffen eingesetzt. Sie waren allerdings sehr ungenau und verfügten nur über eine kurze Reichweite. Im zweiten Weltkrieg kam auf deutscher Seite die ungelenkte Luft-Luft-Rakete vom Typ R4/M-Orkan zum Einsatz. Von diesem Typ wurden bis Kriegende ca. 12.000 Stück hergestellt.

Eine Luft-Luft-Rakete besteht aus einem Antriebsteil, einem Lenksystem, einem Suchkopf und einem Gefechtskopf.

Die meisten Luft-Luft-Raketen verfügen über ein Feststofftriebwerk und können dadurch leichter gelagert und montiert werden. Allerdings besteht keine Möglichkeit, Raketen mit Feststofftriebwerk nach dem Abschuss nachzusteuern. Flugkörper mit Flüssigtreibstofftriebwerken können hingegen während des gesamten Fluges durch Veränderung der Treibstoffzufuhr in ihrem Flugverhalten beeinflusst werden.

Luft-Luft-Raketen erreichen Geschwindigkeiten zwischen Mach 2 und Mach 5. Dies ist abhängig von der Antriebsart, dem Gewicht und dem Einsatzzweck.

Bei den Suchköpfen unterscheidet man:

  • passive Suchköpfe: Bei diesem Verfahren reagiert der Suchkopf auf die Wärmeabstrahlung, die vom Ziel ausgeht. Dieses Zielsuchsystem wird allgemein »fire-and-forget« genannt und kommt zum Beispiel bei der US-amerikanischen Sidewinder-Rakete vom Typ AIM zur Anwendung.
  • halbaktive Suchköpfe: hierbei wird das Ziel von einem Radarstrahl des angreifenden Flugzeugs erfasst und der Suchkopf der Rakete folgt dem von der Oberfläche des Zieles reflektierten Radarstrahl.
  • aktive Suchköpfe: hierbei kommt ein aktives Zielsuchsystem zum Einsatz, bei dem ein Radarsender und ein Radarempfänger in der Rakete vorhanden sind.

Auch hierbei handelt es sich um ein »fire-and-forget« System.

Hybrid-Suchköpfe: Bei diesem Verfahren wird ein passiver Infrarot-Suchkopf mit einem scharfen optischen Suchkopf kombiniert. Ein Computer sorgt für eine optische Zielerfassung, wodurch Gegenmaßnahmen (z.B. Ablenkung durch Scheinziele) unwirksam werden.

Der Sprengkopf wird entweder durch einen Annäherungs- oder durch einen Aufschlagzünder ausgelöst. Heute kommen nur noch konventionelle Sprengköpfe zum Einsatz. In den 1960er Jahren verfügten die Vereinigten Staaten jedoch über eine ungelenkte nukleare Luft-Luft-Rakete, vom Typ »AIR-2 Genie« mit einem ca. 1,5 KT Sprengkopf zur Zerstörung gegnerischer Bomberverbände. (LL)

Bearbeitungsstand: Oktober 2006

Luftverteidigungsgürtel

engl.: NATO Integrated Air Defence System (NATINADS)

Nike Hercules, Foto: relikte.com

Um die Bundesrepublik Deutschland während des Kalten Krieges vor Luftangriffen durch den Warschauer Pakt zu schützen, installierte die NATO ein umfassendes Abwehrsystem. Die beiden wesentlichen, sich ergänzenden Hauptkomponenten waren dabei Jagdflugzeuge und Flugabwehrraketen. Der aus Boden-Luft-Raketen bestehende Luftverteidigungsgürtel der NATO verlief als Abwehrgürtel von der Nordsee bis zu den Alpen.

Bereits in den 1950er Jahren begannen mehrere NATO-Mitgliedsstaaten mit der Einführung eines FlaRak-Systems für mittlere bis große Höhen, der Nike-Herkules. Natürlich musste auch der Luftraum unterhalb des Wirkungsbereichs der Nike gesichert werden. In der Anfangszeit gab es hierfür lediglich Rohrwaffen, die mit radargestützten Feuerleitgeräten geführt wurden. Die Reichweite und Effektivität dieser Waffe war als Ergänzung der Nike-Herkules nicht ausreichend. So wurde in den 1960er Jahre von mehreren NATO-Partnern die Beschaffung des nicht atomaren FlaRak-Systems Hawk durchgeführt.

Mit den beiden Systemen Nike-Herkules (Reichweite 130 km, maximale Höhe 30 km) und Hawk ( Reichweite 25 km, maximale Höhe 13.700 m) wurde ein dichter Gürtel mit ausgebauten Stellungen errichtet, der parallel zum Eisernen Vorhang  quer durch Deutschland verlief. An dieser Verteidigungslinie beteiligten sich neben der Bundeswehr die NATO-Partner Niederlande, Belgien und USA sowie, bis zum Austritt aus den militärischen Strukturen der NATO, auch Frankreich. Es gab aber auch Schwachpunkte im Gürtel. Das waren Schleswig-Holstein, dort befanden sich keine Nike-Stellungen; an der Grenze der 2. und 4. ATAF zwischen Kassel und Marburg, hier war ein Hawk-Sektor nicht besetzt und der Südrand der Bundesrepublik, dort entstand nach Ausscheren der Franzosen eine große Lücke.

Beide Systeme bekamen dem jeweiligen Einsatzspektrum entsprechend einen Höhenbereich zugewiesen. Die Hawk deckten die „Low Missile Engagement Zone“ ab, die Nike entsprechend die „High Missile Engagement Zone“.

Die FlaRak-Verbände stellten Rund um die Uhr die Abwehrbereitschaft sicher. Von den vier Batterien eines Bataillons befand sich jeweils eine in höchster Bereitschaftsstufe. Dieser Dienst wechselte turnusmäßig zwischen den einzelnen Einheiten. Für den Einsatzdienst befand sich das Personal 48 bis 72 Stunden ununterbrochen in der Stellung.

In den 1980er Jahren stand die Ablösung der inzwischen nicht mehr zeitgemäßen Nike-Herkules an. An ihre Stelle trat das nicht atomare FlaRak-System Patriot. Erst im Juni des Jahres 1989 wurde das erste System an die Luftwaffe übergeben. Noch während die Infrastrukturmaßnahmen für den Umbau der Stellungen liefen, endete der Kalte Krieg mit dem Zusammenbruch des Ostblocks. Die darauf folgende neue geographische Ausdehnung Deutschlands und die allgemeine Abrüstung ließen ursprüngliche Planungen über die Neustrukturierung des FlaRak-Gürtels in weiten Teilen hinfällig werden.
(Quelle: Manfred Tegge, Der NATO-Luftverteidigungsgürtel in Niedersachsen, www.relikte.com)

Bearbeitungsstand: Dezember 2009

siehe auch: Kalter Krieg
siehe auch: NATO
siehe auch: Nike-Herkules

LUGAR Richard

1932 -

Richard Lugar, US-Senator, Foto: US-Regierung

Richard Lugar wurde am 4. April 1932 in Indianapolis geboren. Er studierte Philosophie, Politik- und Wirtschaftswissenschaften. Seit 1977 sitzt er als republikanischer Abgeordneter für Indiana im U.S. amerikanischen Senat. Zur zeit ist er „Ranking Member“ im Senatsausschuss für Auswärtige Angelegenheiten.

Besonders im Bereich der Abrüstung- und Rüstungskontrolle gehen wesentliche Initiativen auf ihn zurück. 1991 gründete Richard Lugar zusammen mit dem demokratischen Abgeordneten Sam Nunn das „Nunn-Lugar Coopertaive Threat Reduction“ Programm. Ziel dieses Programms ist es, die Vernichtung der atomaren, biologischen und chemischen Altlasten der ehemaligen Sowjetunion finanziell zu unterstützen und russischen Atomwissenschaftlern eine Perspektive zu geben, so dass sie nicht gezwungen sind, ihr Fachwissen für Profit zu verkaufen.

Im Januar 2010 wurde Richard Lugar in einer von der Nicht-Regierungsorganisation „Arms Control Association“ initiierten Abstimmung zum „Arms Controller“ des Jahres gewählt. Lugar setzte sich damit gegen neun andere Persönlichkeiten, Staaten oder Gruppen, darunter auch der ehemalige und jetzige deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier und Guido Westerwelle, durch.

Richard Lugar wurde für sein jahrzehntelanges Engagement im Bereich der Abrüstung und Rüstungskontrolle mit der Auszeichnung geehrt (JH).

Lychen II

ehem. Atomwaffenstandort, Deutschland

ehem. Atomwaffenstandort Lychen II. Bild: Digital GlobeDie Gruppe der sowjetischen Streitkräfte in Deutschland (GSSD) verfügte während des Kalten Krieges vermutlich über insgesamt vier Zentrale Kernwaffenlager (Hauptlager) auf dem Boden der ehemaligen DDR und zwar an den Standorten Lychen, Stolzenhain, Waren und Bischofswerda. In den Lagern Lychen II und Stolzenhain waren vorrangig die Atomsprengköpfe für die Raketentruppen der NVA eingelagert.

Das ehemalige Zentrale Kernwaffenlager Lychen II (53°10'29“N, 13°17'04“O) lag ca. 80 km nördlich von Berlin. Es unterstand der Gruppe der sowjetischen Streitkräfte in Deutschland (GSSD) und war mit einer Raketentechnischen Basis (RteB) ausgestattet.

Im Sommer 1967 wurde in der Nähe von Lychen in unmittelbarer Nachbarschaft zu einem sowjetischen Raketenübungsgelände und des sowj. Truppenübungsplatzes „Tangersdorfer Heide“ mitten im Wald eine geheime Liegenschaft errichtet. Sie gliederte sich in voneinander getrennte Wohn-, Kasernen- und Technikbereiche. Die gesamte Anlage wurde am 6.12.1968 an die sowjetischen Nutzer übergeben. Den Kernbereich bildeten zwei identische Bunker, die eine Fläche von 150X150 m umfassten und in einem Winkel von 90° zueinander standen. Durch diese Anordnung wäre bei einer Druckwelle nur ein Bunkertor in Mitleidenschaft gezogen worden. In jedem Bunker befanden sich vier Kavernen von einer Größe 4,5m X 22,9m. In ihnen wurden die nuklearen Gefechtsköpfe für die Atomraketen untergebracht. In jeder Kaverne konnten in vier Reihen jeweils 30 bis 39 Gefechtsköpfe am Boden befestigt werden. Bei vier Kavernen lagerten etwa 120 GK pro Bunker d.h. Insgesamt 240 GK im Lager Lychen II. Die gesamte Lagerkapazität lässt die Vermutung zu, dass auch Gefechtsköpfe für die sowj. Raketentruppen vorhanden gewesen sein können.
Die Einlagerung der ersten Gefechtsköpfe erfolgte vermutlich im Jahr 1969. Sie waren in der Masse vorgesehen für die atomaren Einsatzmittel der 5. Armee.

Die  Ausstattung der NVA mit taktischen und operativ-taktischen Raketen lässt auf folgende atomare Bevorratung schließen:

  • FROG-3: Reichweite 32-45 km, GK: 3, 10, 20 KT
  • FROG-7: Reichweite 68 km, GK: 3-200 KT
  • SS-21: Reichweite 70 km, GK: 5-50 KT
  • SCUD-A: Reichweite 170 km, GK: 10, 20, 40 KT
  • SCUD-B: Reichweite 300 km, GK: 20-100 KT
  • SPIDER (SS-23): Reichweite 400, GK: 200-500 KT

Es gibt keine näheren Angaben über die Anzahl der einzelnen Gefechtskopftypen.

Die Raketentruppen der NVA hatten keinen Zugang zu den beiden Kernwaffendepots „Lychen II“ und „Stolzenhain“. Die Übergabe der atomaren Gefechtsköpfe erfolgte außerhalb der Lagerstätten an einem gemeinem Ort. Dort warteten die NVA-Transportkommandos auf die sowj. Fahrzeuge aus den Kernwaffendepots. Während der gesamten Phase, von der Übergabe bis zum Abschuss, befanden sich die Gefechtsköpfe unter sowj. Kontrolle. Mit Hilfe der sowj. Spezialisten wurde die Raketenmontage und die Eingabe der Zielkoordinaten durchgeführt. Erst danach konnte ein Raketenstart durch NVA-Raketentruppenteile erfolgen.

Die Räumung des Lagers „Lychen II“ war am 30.12.1990 abgeschlossen.
(Quelle: Volker Eckart: Kernwaffendepot LYCHEN II, Broschürenreihe zur deutschen Geschichte Nr. 25)

Bearbeitungsstand: Oktober 2012

Weitere Informationen über Atomwaffenstandorte in Deutschland

siehe auch: FROG
siehe auch: Gefechtskopf
siehe auch: KT (Kilotonne)
siehe auch: Scud-Rakete
siehe auch: SS-4 bis SS-27