Jacobs Engineering

Waffenproduzent, USA

Die Jacobs Engineering Group mit Sitz in den Vereinigten Staaten bietet technische, Konstruktions- und Fachdienste an. Zu ihren Primärmärkten gehören Raumfahrt und Verteidigung, Energie, Öl- und Gasinfrastruktur.

Im Dezember 2008 erwarb Jacobs Engineering ein Drittel der Anteile am AWE-ML-Jointventure, dem Unternehmen, das Großbritanniens Atomic Weapons Establishment (AWE) leitet. Das AWE liefert und wartet die Gefechtsköpfe für das Trident-Nuklearwaffenarsenal des Landes. Trident ist ein U-Boot-gestütztes, interkontinentales ballistisches Raketensystem, mit dem die U-Boot-Flotte vom Typ Vanguard ausgestattet ist.

Die anderen Partner in diesem Jointventure sind Lockheed Martin und Serco. AWE ist am gesamten Lebenszyklus einer Trident-Rakete beteiligt, vom ersten Entwurf über die Prüfung, das Design, Komponentenherstellung und -zusammenbau, Wartungsarbeiten, Außerdienststellung bis hin zur Entsorgung. AWE-ML hat einen unaufkündbaren 25-Jahres-Vertrag – überarbeitet im Jahr 2003 – über den Betrieb des AWE. (Quelle: van Gelder, Jan Willem/Spaargaren, Petra/Wright, Tim: Divestment Report. ICAN 2012)

Bearbeitungsstand: April 2012

Weitere Informationen zu Atomwaffenherstellern

 

Jars-Atomrakete (RS-24)

engl.: Yars missile (NATO SS-27 mod 2)

Die Jars-Rakete (russische Designation (RS-24) ist eine landgestützte Interkontinentalrakete (ICBM) und soll die älteren mobilen Topol SS-25-Raketen ersetzen, wobei es auch eine Version gibt, die statisch von einem Silo gestartet wird. Die Jars-Rakete wurde entwickelt, um die US-Raketenabwehr zu überwinden und hoch geschützte Ziele einzudringen. 

Jars ist eine Modifizierung der SS-27 Topol-M. Die Testreihe war im Jahr 2010 fertiggestellt worden und die ersten Raketen wurden im gleichen Jahr stationiert. Inzwischen haben geschätzte vier Regimenter die neuen Raketen erhalten: Tejkowo (285. und 773. Regimenter), Nowosibirsk (428. Regiment) und Nizhnij Tagil (804. Regiment). Pavel Podvig schätzt die Gesamtzahl auf 45 Raketen, wobei nicht alle dieser Raketen stationiert sind, da die Konstruktion der Schutzgebäude anscheinend noch nicht fertig ist. Geplant ist es, die silogestützte Version in Kozelsk zu stationieren.

Technische Daten:
Beginn der Entwicklung: 2004
Testreihe: 2007-2010
Vorgesehene Lebensdauer: ?
Vorgesehene Startplatform: Mobil (LKW) oder Silo
Anzahl der Sprengköpfe pro Rakete: bis zu 10, mehrfach unabhängig zielprogrammierbare Wiedereintrittskörper (MIRV)
Sprengkraft je Sprengkopf: 150-250 KT (insgesamt pro Rakete 1,5-2,5 MT)
Antriebstufen: drei
Treibstoff: Feststoffantrieb
Lenksystem: Trägheitsnavigation, mit Glonass
Länge: 20,9 m
Durchmesser: 2 m
Startgewicht: 49.000 kg
Reichweite: 2.000-10.500 km
Treffergenauigkeit (CEP) je nach Typ: 150-250 m
NATO-Designation: SS-27 mod 2

(Quellen:Army Recognition, Nuclear Notebook, Pavel Podvig)

Bearbeitungsstand: Dezember 2016

» Weitere Informationen zu russischen Atomwaffen

Japan

Japan ist bisher das einzige Land, das durch die Abwürfe US-amerikanischer Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki 1945 Opfer eines nuklearen Angriffs wurde. An den Folgen des Abwurfs der Atombombe durch die USA am 6. August 1945 auf Hiroshima starben bis heute mehr als 250.000 Menschen. Mit der Kapitulation Japans am 2. September 1945 endete der Zweite Weltkrieg.

Nach Kriegsende gab sich Japan eine Demokratische Verfassung. Darin verzichtete das Land für alle Zeit auf das Recht zur Kriegführung:

Art. 9, Abs. 1: »In aufrichtigem Streben nach einem auf Gerechtigkeit und Ordnung gegründeten internationalen Frieden verzichtet das japanische Volk für alle Zeiten auf den Krieg als ein souveränes Recht der Nation und auf die Androhung oder Ausübung von Gewalt als Mittel zur Beilegung internationaler Streitigkeiten«.

Art. 9, Abs. 2: »Um das Ziel des vorhergehenden Absatzes zu erreichen, werden keine Land-, See- und Luftstreitkräfte oder sonstige Kriegsmittel unterhalten. Ein Recht des Staates zur Kriegsführung wird nicht anerkannt«.

Obwohl Japan auf Grund seiner Verfassung auf Streitkräfte verzichtet hat, betrachtet es der Staat als legitim, so genannte »Selbstverteidigungskräfte« zu unterhalten. Seit 2007 unterstehen alle Soldaten dem neu gegründeten Verteidigungsministerium. Die Truppen haben sich bis heute an keinen militärischen Aktionen beteiligt. In jüngster Zeit mehren sich die Stimmen, die eine Änderung bzw. Aufhebung des Artikels 9 fordern, um die Aufgaben und Fähigkeiten der japanischen Armee deutlich auszuweiten. Dabei argumentiert die Regierung in Tokio folgendermaßen: »Die Verfassung verbietet Japan nicht notwendigerweise den Besitz jedweder Art von Waffen, selbst wenn diese nuklearer Art sein sollten, wenn diese zur Verteidigung des Landes das erforderliche Minimum sind« (Antwort des Kabinetts auf eine Abgeordnetenanfrage). In dem Bericht erklärte die Regierung weiter, dass Japan aber niemals Atomwaffen besitzen werde, und verwies damit auf seine seit Jahrzehnten geltende Anti-Nuklearwaffenpolitik. Tokio hatte sich 1967 einem Kurs verpflichtet, nach dem weder der Besitz oder die Herstellung noch die Stationierung von Atomwaffen auf japanischem Boden erlaubt sind. (LL)

Bearbeitungsstand: Oktober 2008

siehe auch: Atombombe
siehe auch: Hiroshima
siehe auch: Kalter Krieg
siehe auch: Nagasaki

Jever

ehem. Atomwaffenstandort, Deutschland

ehem. Atomwaffenstandort Jever. Bild: Digital GlobeDie Nike Feuerstellung Stellung auf dem Fliegerhorst Jever (53°32'5"N, 7°52'58"O) lag ca. 15 km westlich der Stadt Wilhelmshaven in Niedersachsen. Dort waren von 1962 bis 1965 vorübergehend atomare Flugabwehrraketen vom Typ Nike stationiert.

 

 


-1./ FlaRakBtl 26 von 1962 bis September 1964
-2./ FlaRakBtl 26 von 1962 bis Mai 1963
-3./ FlaRakBtl 26 von 1962 bis Januar 1964
-4./ FlaRakBtl 26 von 1962 bis 1965
Die Stellung bestand aus drei getrennten Bereichen: der Unterkunft, dem Feuerleitbereich in günstiger topografischer Lage mit bis zu 5 Radargeräten für Überwachung, Zielerfassung, Zielverfolgung und Flugkörperverfolgung und dem Abschussbereich mit jeweils 3 Abschussflächen und dazugehörigen Bunkern. In diesem Bereich befanden sich auch die Atomsprengköpfe. Während die Raketen in Montagebunkern oder auf durch Erdwälle geschützten  Abschussschienen bereit gehalten wurden, lagen die Radaranlagen in exponierter Stellung und konnten nur mit Sandsäcken oder Konturen verwischender Tarnung ungenügend geschützt werden. Zum Eigenschutz vor allem gegen angreifende Tiefflieger, wurden die Stellungen später zusätzlich mit 20mm Zwillingsgeschützen ausgestattet.
An Atomsprengköpfen waren zwei Versionen verfügbar. Die kleinere mit der Bezeichnung B-XS hatte eine Sprengkraft von 2 Kilotonnen. Die größere B-XL besaß ursprünglich 40 kT Sprengkraft. Maximal waren je Stellung zehn Nuklear-Sprengköpfe vorhanden, acht mit der Stärke XS mit 2 Kilotonnen und zwei XL mit 40/20 Kilotonnen Sprengkraft. (Jürgen Dreifke)
Ein Zeitzeuge erinnert sich: „Die Batterien befanden sich in unterschiedlichen Bereitschaftsstufen mit einer Reaktionszeit von maximal 30 Minuten, maximal 3 Stunden, maximal 12 Stunden und mehr als 12 Stunden. Innerhalb einer Batterie hatten mindestens zwei Abschussplätze den selben Bereitschaftsgrad. Konnte eine der Batterien aus technischen Gründen den Bereitschaftsgrad nicht einhalten, dann rückten die anderen Batterien eine Einsatzstufe nach oben. Abhängig vom Bereitschaftsgrad war die Stellung im Schichtbetrieb ständig besetzt und einsatzbereit. Dazu gab es in der Batterie drei Kampfbesatzungen für den Feuerleit- und Abschussbereich, die sich in einem System von 48-Std-Schichten während der Woche und 72-Std-Schichten am Wochenende abwechselten.
Für den Einsatz der Gefechtsköpfe gab es genau festgelegte Prioritäten. Beim Anflug eines einzelnen feindlichen Zielobjektes wurde ein kleiner atomarer Gefechtskopf (B-XS) eingesetzt. Beim Anflug mehrerer feindlicher Zielobjekte wurde ein großer atomarer Gefechtskopf (B-XL) eingesetzt. Die ebenfalls vorhandenen konventionellen Gefechtsköpfe dienten lediglich als Munitionsreserve. Soweit mir bekannt, befanden sich in allen Nike-Stellungen der Bundesluftwaffe atomare Gefechtsköpfe.“ (Michael Juhls)


Bearbeitungsstand: Januar 2013

Weitere Informationen über Atomwaffenstandorte in Deutschland

siehe auch: KT-Wert

siehe auch: Nike Herkules

 

 

Joint Comprehensive Plan of Action (JCPOA)

dt.: Wiener Vereinbarung

Unterschriften auf dem Dokument Am 14.7.2015 erzielten die P5+1 (China, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Russland, USA) und der Iran in Wien eine Einigung, die den Konflikt um das iranische Atomprogramm langfristig lösen könnte. Der gemeinsame umfassende Aktionsplan sieht technische Beschränkungen und Kontrollmechanismen vor, die gewährleisten, dass das iranische Atomprogramm ausschließlich friedlichen Zwecken dient und nicht für die Entwicklung von Nuklearwaffen verwendet werden kann. Im Gegenzug sollen die seit 2006 gegen den Iran verhängten Sanktionen schrittweise aufgehoben werden.

Kernpunkte:

  • 15 Jahre lang wird ausschließlich in der Natans-Anlage Uran auf maximal 3,67% angereichert. Niedrigangereicherte Uranbestände werden in dieser Zeit auf 300 kg beschränkt.
  • Der Schwerwasserreaktor Arak wird umgebaut, so dass er nicht mehr zur Herstellung waffentauglichen Plutoniums verwendbar ist.
  • Über 2/3 der Zentrifugen werden eingemottet und unter Aufsicht der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO) gestellt. 95% des angereicherten Urans werden außer Landes gebracht oder vernichtet, sein Bestand bleibt für 15 Jahre streng begrenzt.
  • Die Vereinbarung wird lückenlos überwacht. Ein robuster Mechanismus wurde implementiert, welcher der IAEO 25 Jahre lang überall Zugang gewährt, wo sie ihn benötigt.

Seit 2003 arbeitet die internationale Gemeinschaft daran, eine Einigung mit Teheran zu erzielen. Die JCPOA ist eine Sammlung freiwilliger Maßnahmen auf beiden Seiten, die durch die Resolution 2231 des UN-Sicherheitsrates am 20.7.2015 rechtsverbindlich wurde. Der Sicherheitsrat beschloss zudem eine Reihe von Umsetzungsschritten, inklusive dem so genannten „snap-back“-Mechanismus, durch welchen die gelockerten UN-Sanktionen schnell und unkompliziert wieder eingesetzt werden können, falls Teheran gegen die Vereinbarung verstoßen sollte.

Am 19.10.2015 trat die Vereinbarung in Kraft. Nachdem der Iran seine Vorgaben zur Begrenzung seines Atomprogramms erfüllt hatte und die IAEO dies bestätigte, haben die USA und die EU am 16.1.2016 ihre Sanktionen, die im Zusammenhang mit dem Atomprogramm verhängt wurden, aufgehoben.

Der Iran kann nun wieder Öl und Gas exportieren und erhält Zugang zu seinen eingefrorenen Exporterlösen sowie zu internationalen Finanzkanälen. Das US-Embargo gegen den Iran bleibt dagegen in Kraft, mit Ausnahmen für Lebensmittel, Teppiche und Flugzeuge sowie für ausländische Töchter von US-Unternehmen. Sonstige US-Maßnahmen gegen den Iran wegen der Unterstützung von Terrorismus, Menschenrechtsverletzungen und Geldwäsche bleiben unberührt. Das Waffenembargo sowie die Handelsbeschränkungen für Güter für das iranische Raketenprogramm bleiben in Kraft. Auch jeglicher Handel mit Nukleartechnologie wird künftig durch einen internationalen Beschaffungskanal ("Procurement Channel") überwacht.

Spätestens nach acht Jahren oder aber wenn die IAEO zum sicheren Ergebnis kommt, dass sämtliches Nuklearmaterial im Iran ausschließlich zu friedlichen Zwecken verwendet wird und geheime Aktivitäten auszuschließen sind, sollen fast alle EU- und US-Sanktionen aufgehoben werden.

Unabhängig davon sieht Resolution 2231 vor, dass die bestehenden Restriktionen in Bezug auf die Lieferung schwerer, konventioneller Waffen, spätestens in fünf und von Raketentechnologie in acht Jahren aufgehoben werden.

Nach zehn Jahren endet die Laufzeit von Resolution 2231. Bis dahin sollen alle Sanktionen aufgehoben und die Verfahren zur Umsetzung des JCPOA beendet sein. Einige Beschränkungen iranischer Atomaktivitäten gelten jedoch bis maximal 2030 und bestimmte Transparenzmaßnahmen gar bis maximal 2040.

Designierter US-Präsident Donald Trump hat in seinem Wahlkampf erklärt, das Abkommen sei „desaströs“ und, er möchte es „demontieren“. (Quellen: SWP, UN, Auswärtiges Amt)

Bearbeitungsstand: Dezember 2016

»UNSR_Resolution 2231 im Wortlaut

»Weitere Informationen zum Iran und sein Atomprogramm

Jod (I)

engl.: Iodine

Schilddrüsenkrebs. Foto: KGH

Es wird unterschieden zwischen Jod 131 (I) und Jod 129 (I).

Jod-131 (131I) ist ein Beta- und Gammastrahler mit einer Halbwertszeit von 8,02 Tagen, wobei die Gammastrahlung nur 10 % der Gesamtstrahlung ausmacht. Die von Jod-131 ausgehenden Betateilchen haben im Gewebe eine Reichweite von maximal 2 mm.

Jod-131 ist ein flüchtiges Radionuklid, das sich über die Luft schnell und großflächig verbreitet und von den Menschen eingeatmet werden kann. Es ist auch stark wasserlöslich. Da sich Jod auf Pflanzen ablagert und von Tieren aufgenommen wird, gelangt es in konzentrierter Form schnell in Milch, Fleisch und Fisch und so in die Nahrungskette des Menschen. Die Schilddrüse nimmt Jod so lange auf, bis ihre Aufnahmekapazität gesättigt ist – im Normalfall ist die Schilddrüse nicht gesättigt. Daher führt eine Exposition mit radioaktivem Jod durch einen Atomunfall dazu, dass es in der Schilddrüse gespeichert wird. Es wird dort nur langsam abgebaut. Insbesondere bei Kindern – aber auch bei Erwachsenen – wurde nach einer Radiojod-Exposition ein stark erhöhtes Schilddrüsenkrebsrisiko nachgewiesen. Niedrigere Dosen können Schilddrüsenfunktionsstörungen verursachen, z. B. Hypothyreose (Schilddrüsen-Unterfunktion).

Um die Risiken von Schilddrüsenerkrankungen nach einem Atomunfall zu mindern, sollten Tabletten mit Kaliumjodid an die Bevölkerung verteilt werden. Diese Jod-Tabletten enthalten ungefährliches, nicht radioaktives Jod-127, das die Transportwege in der Schilddrüse für das radioaktive Jod blockiert. Die Jodprophylaxe kann jedoch nur gelingen, wenn das Kaliumjodid vor dem Kontakt mit radioaktivem Jod eingenommen wird. Die biologische Halbwertszeit von Jod-131 ist in den verschiedenen Organen unterschiedlich: In der Schilddrüse beträgt sie 100 Tage, in Knochen 14 Tage, in Nieren, Milz und Gonaden 7 Tage.

Jod-129 (129I) ist ein schwächerer Beta- und Gammastrahler mit einer Halbwertszeit von 15,7 Mio. Jahren (!!). Jod-129 kommt hauptsächlich in Atomkraftwerken vor. In die Umwelt gelangte es vor allem aber durch die oberirdischen Atomtests. Jod-129 verhält sich wie Jod-131 und ist ebenfalls schädlich für die Schilddrüse. Es verteilt sich wie Jod-131 in der Umwelt. Seine biologische Halbwertszeit im Körper beträgt ca. 120 Tage. (Quelle: IPPNW-Factsheet)

Bearbeitungsstand: März 2011

»Weitere Informationen zur Radioaktivität

Johnston Atoll

Luftbild vom Johnston Atoll, Foto: US Navy

Das Johnston Atoll liegt im nördlichen Pazifik, 1.150 km südwestlich von Hawaii. Die Inselgruppe gehört politisch zu den Vereinigten Staaten. Die Hauptinsel Johnstoninsel zählte bis 2004 noch etwa 317 Einwohner, hauptsächlich US-Militärs. Die 2,67 km² große Inselgruppe besteht aus den beiden stark durch den Menschen veränderten Inseln Johnston Island und Sand Island sowie den zwei künstlichen Inseln Akau im Norden und Hikina im Osten. Den Inseln ist im Nordwesten ein Korallenriff vorgelagert. Auf dem Atoll gibt es keine natürlichen Süßwasserquellen.

Die Inseln wurden von den USA für insgesamt 12 Atomwaffentests benutzt und dabei 1962 bei der Explosion eines Flugkörpers stark mit Plutonium verseucht. Bis 2000 dienten die Inseln als Lagerstätten für radioaktives Material sowie für die Vernichtung chemischer und biologischer Waffen wie Sarin-Nervengas und Agent Orange. Im Jahr 2000 begannen Aufräumarbeiten.

Von der Johnstoninsel wurden auch Raketen für hochatmosphärische Tests von »Starfish Prime« (als Teil der Operation Dominic)) gestartet, wobei der auftretende EMP zahlreiche elektrische und elektronische Geräte auf Hawaii störte. Bei einem Raketenstart am 20. Juni 1962 explodierte die Rakete in einer Höhe von ca. 10 Kilometern. Hierbei wurde die benachbarte Sand Island mit Plutonium kontaminiert. Bei einem weiteren Startversuch am 26. Juli 1962 explodierte die Rakete mit dem Atomsprengkopf auf der Abschussrampe, wodurch diese zerstört und das umliegende Areal mit Plutonium kontaminiert wurde. Dies führte zu einer fast vierteljährigen Pause der Experimente. Diese wurden am 16. Oktober 1962 wieder aufgenommen, wobei es wieder zu einem Fehlschlag kam. Die Rakete vom Typ Thor DSV-2E explodierte in einer Höhe von 10 Kilometern, wobei auf der Johnstoninsel auch etwas radioaktiver Niederschlag fiel.

Weitere Raketen zum Zweck hochatmosphärischer Atombombentests wurden gestartet:

  • Oktober 1962 (Startrakete: Strypi, Sprengkopf: 60 KT, Explosionshöhe: 147 km)
  • Oktober 1962 (Startrakete: Thor DSV-2E, Sprengkopf: 300 KT, Explosionshöhe: 50 km)
  • November 1962 (Startrakete: Thor DSV-2E, Sprengkopf: 300 KT, Explosionshöhe: 98 km)
  • November 1962 (Startrakete: Nike Herkules, Sprengkopf: ? KT, Explosionshöhe: 21 km).

Nachdem keine oberirdischen Kernwaffentests mehr möglich waren, wurden von der Johnstoninsel bis 1975 zahlreiche Forschungsraketen (auch für die zivile Forschung) in Höhen von bis zu 1148 Kilometern gestartet. Ende der 1980er Jahre wurde auf der Insel eine Anlage für die Verbrennung chemischer Kampfstoffe errichtet. Ende 2003 wurden die Inseln vom Militär geräumt und die Verwaltung dem U.S. Fish and Wildlife Service übertragen. Dieser schuf das Naturschutzgebiet Johnston Atoll National Wildlife Refuge und gliederte es in den Pacific Remote Islands National Wildlife Refuge Complex ein. (Quelle: www.studipilot.de)

Bearbeitungsstand: Mai 2008

siehe auch: EMP
siehe auch: KT (Kilotonne)
siehe auch: Plutonium
siehe auch: Radioaktiver Niederschlag

Jornada

Im US-Bundesstaat New Mexico liegt östlich des Rio Grande und nördlich der Organ Mountains ein Tal mit der Bezeichnung »Jornada del Muerto« (Reise des Todes). Am 16. Juli 1945 explodierte auf dem dortigen Alamogordo-Testgelände die erste Atomwaffe der Geschichte. Dabei handelte es sich um eine in Los Alamos neu entwickelte Implosionswaffe, durch deren Einsatz der Zweite Weltkrieg beendet werden sollte. Die Plutoniumbombe, die beim Atomtest »Trinity« explodierte, war der gleiche Typ Bombe, die am 9. August 1945 auf Nagasaki abgeworfen wurde und binnen 4 Monaten 64.000 Menschen tötete. (Quelle: IPPNW)

Bearbeitungsstand: April 2008

siehe auch: Alamogordo
siehe auch: Los Alamos
siehe auch: Nagasaki
siehe auch: Trinity

JUNGK Robert

1913 - 1994

Robert Jungk, Träger des Alternativen Nobelpreises, der ihm im Jahre 1986 in Stockholm verliehen wurde, war und ist prägend für Generationen. Sein Vermächtnis, die »Internationale Bibliothek für Zukunftsfragen« arbeitet in seinem besten Sinne weiter und findet internationale Beachtung. NGOs und ungezählte Gruppen und Personen in aller Welt sind dabei, im Sinne Robert Jungks an der Gestaltung zukunftsfähiger Gesellschaften mitzuwirken.

Robert Jungk, 1913 als Jude in Berlin geboren, nahm sehr früh als Jugendlicher die heraufziehende Gefahr des Naziterrors wahr. Seine humanistische und an Gerechtigkeit orientierte Persönlichkeit brachte ihn deshalb schon mit 19 Jahren in den Widerstand. Trotz aller persönlichen Gefährdungen riss er nach dem Reichstagsbrand Naziparolen in der Berliner Humboldt-Universität ab. Einen Tag später wurde er verhaftet und kam unter glücklichen Umständen bald wieder frei ─ auch, weil der Rechtsstaat noch ein paar Stunden funktionierte.

Bedingt durch seine Ausbürgerung im Jahre 1934 betrieb er seine Widerstandsarbeit größtenteils aus dem Exil. Während des Krieges lebte er in der Schweizer Emigration. Viele seiner jüdischen Freunde kamen in Konzentrationslagern ums Leben. Sein eigenes Überleben war ihm Verpflichtung, sein Leben dem Kampf für eine bessere Zukunft zu widmen, in der Menschen ihre sozialen und humanen Fähigkeiten zur Entwicklung toleranter und gerechter Gesellschaften entfalten. Jungks Zukunftsdenken war begleitet von engagierten Warnungen vor Faschismus und Intoleranz.

Tief bewegt wurde er außerdem durch die Nachrichten über die Abwürfe der Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki. Seinen Weltbestseller »Strahlen aus der Asche« (1963), in dem er über die Wiederauferstehung der Stadt Hiroshima nach dem Abwurf der ersten Atombombe am 6. August 1945 berichtet und zahlreiche Einzelschicksale der Überlebenden in beklemmender und beeindruckender Weise schildert, beendet er so: »Als ich nach Hiroshima reiste, kam ich als Reporter, der die interessante Geschichte einer fremden Stadt aufschreiben wollte. Aber je länger ich mich mit dieser Story beschäftigte, umso klarer wurde mir, dass ich nicht außerhalb und über ihr stand, sondern ein Teil von ihr war. Auch ich bin nämlich ein ›Überlebender‹, der, wenn es das Schicksal nicht zufällig anders gewollt hätte, in einem der Massenvernichtungslager des Dritten Reiches umgekommen wäre. Und nun suchte ich am anderen Ende der Welt, am Rande Ostasiens, Antwort auf eine Frage, die mir mein eigenes Leben gestellt hatte. Diese Frage heißt: ›Was haben wir, die Überlebenden des Zweiten Weltkriegs, bisher getan, um unsere Rettung zu rechtfertigen?‹ Ich hatte die Tatsache, verschont geblieben zu sein, jahrelang genauso gedankenlos hingenommen wie viele andere. Dann aber traf ich die Atomopfer von Hiroshima und erhielt durch sie eine Vorahnung des neuen Unheils, das auf uns zukommt. Seither weiß ich, dass wir, die Generation derer, die ›noch einmal davongekommen sind‹, unsere ganze Kraft darauf verwenden müssen, dass unsere Kinder nicht nur so zufällig überleben wie wir.
Finde jeder seinen Weg, für die Bewahrung des Lebens zu kämpfen. Nur ernst muss es ihm sein.«

Robert Jungk nahm sich, dem Zitat folgend, bescheiden zurück, denn er hatte sich schon viele Jahre, bevor er dieses Buch schrieb, intensiv für die Zukunft der Menschheit engagiert und schon lange davor Bücher wie »Die Zukunft hat schon begonnen« (1952) und »Heller als tausend Sonnen« (1956) geschrieben und darin vehement für eine menschliche Zukunft mit einer zukunftsfähigen Wissenschaft und Technik plädiert.

Jungk kritisierte stets die bestehenden Trends in Wissenschaft und Technik scharf. Er war einer der großen Visionäre des 20. Jahrhunderts, der gerne utopische Ideen in Diskussionen einbrachte. In seinen zahlreichen Publikationen verband er Kritik an den bestehenden Verhältnissen (Technikkritik, Politik- und Gesellschaftskritik) konsequent mit konstruktiven Visionen einer lebenswerten und zukunftsfähigen Welt. Er war kein Theoretiker und engagierte sich weltweit dort, wo ihn die Alternativbewegungen, Atomkraftgegner, die Friedens- und Umweltbewegung, die Zukunftsforschung und andere Neue Soziale Bewegungen brauchten. Er hatte den festen Glauben, dass Veränderungen von »unten« beginnen und spürte ihre Potentiale weltweit auf.

In seinem Buch »Der Jahrtausendmensch. Bericht aus den Werkstätten der neuen Gesellschaft« (1973) stellte er schon zu Beginn der Umwelt,- Zukunfts- und Friedensbewegungen umfassend den beginnenden Wandel des Strebens der Menschen nach einer gerechten, humanen Welt dar. Vieles, was Robert Jungk in diesem Buch als beispielgebend darstellte, wurde später zum Gedankengut vieler weiterer Projekte der Alternativbewegung und grüner Parteien. In diesem Buch betonte er nicht nur die dringende Notwendigkeit zur Veränderung der Menschen und der Gesellschaft, sondern zeigte auch auf, dass in jedem Menschen genug Phantasie steckt, um Veränderungen zu realisieren.

Schon in seinem frühen Weltbestseller »Heller als tausend Sonnen« (1956) sprach er sich auf der Basis der Geschichte der Atombombe mit erschütternden Hintergrundfakten gegen den blinden Fortschrittsoptimismus aus. Sein »Trotzdem. Mein Leben für die Zukunft« (1993) hinterließ deutliche Spuren im Denken und Handeln bei Millionen von Menschen. Viele Jahrzehnte lang war er unermüdlich auf unzähligen Veranstaltungen in der ganzen Welt durch Vorträge, Diskussionen und Mitarbeit aktiv. Besonders mit seinem Engagement gegen die Nutzung der Atomenergie, verschaffte er sich auch bei Kritikern in Politik, Wirtschaft und Wissenschaft großen Respekt. Dass seit langem (und nicht erst nach Harrisburg und Tschernobyl) die Nutzung der Kernenergie auf sehr breite Ablehnung stößt und der Bau neuer Kraftwerke weltweit zum Teil gestoppt wurde, dazu hat Robert Jungk beigetragen. In dieser Autobiographie berichtet er umfassend über seinen bewegten Lebensweg, seine Antriebe, seinen Optimismus und über viele Projekte und Erfahrungen zur zukunftsfähigen Umgestaltung des Bestehenden. Der Begriff »Atomstaat«, basierend auf seinem gleichnamigen Buch (1977), ist heute Synonym für das Gefahrenpotential und die Unbeherrschbarkeit der Kernenergie und anderer Großtechnologien.

Robert Jungk starb am 14. Juli 1994 in Salzburg im Alter von 81 Jahren. (Quelle: Werner Mittelstaedt)

Bearbeitungsstand: November 2009

Jupiter (bzw. Thor)

US-amerikanischer ballistischer Flugkörper mittlerer Reichweite der frühen 1960er Jahre. Drei NATO-Länder erklärten sich bereit, die Waffensysteme zu stationieren. Großbritannien installierte insgesamt 60 Thor-Flugkörper auf Stützpunkten der Royal Air Force. In Italien und der Türkei wurden jeweils 30 Thor-Flugkörper und 15 Jupiter-Flugkörper stationiert. Die USA behielten die Verfügungsgewalt über die insgesamt 150 in Europa stationierten Systeme.

Die Flugkörper wurden mit Flüssigtreibstoff angetrieben, was eine lange Reaktionszeit bedeutete. Zudem war das Trägheitslenksystem nicht genau genug, um Schläge gegen kleinere militärische Ziele damit führen zu können. Deshalb wurden Gefechtsköpfe im Megatonnen (MT)-Bereich verwendet. Die Zielplanung richtete sich hauptsächlich gegen Städte und Industrieanlagen. Die Reichweite betrug maximal 2400 km, weit genug, um Moskau und andere wichtige sowjetische Städte bedrohen zu können. Die in ortsfesten, ebenerdigen Stellungen installierten Flugkörper waren leicht verwundbar. Die Härtung der Stellungen wurde wegen der hohen Kosten verworfen, zumal sich die Stationierung dadurch verzögert hätte. Deshalb waren die Thor und Jupiter Flugkörper ausschließlich für einen Erstschlag geeignet. 1964 wurden Jupiter und Thor aus Europa abgezogen. (Neuman: Kernwaffen in Europa, Bonn 1982, S. 134f).

Bearbeitungsstand: September 2006

siehe auch: Erstschlag
siehe auch: MT (Megatonne)