Irak

Das geheime Atomwaffenprogramm des Irak begann bereits in den 1970er Jahren und wurde durch einen Angriff der Israelis auf den Osiris-Reaktor 1981 jäh unterbrochen.

Schlüsselfrage in jedem Atomwaffenprogramm ist die Fähigkeit zur Produktion oder zum Erwerb von geeignetem spaltbarem Material (Uran 235 = HEU = Highly Enriched Uranium oder Plutonium 239). Der Irak bezog hiefür Ausrüstung aus dem Westen (vor allem aus Deutschland und Frankreich) und bediente sich in erster Linie der Elektromagnetischen Isotopenseparation (EMIS), einer zu dieser Zeit vom Westen bereits deklassifizierten Technik. Später bediente man sich der Gaszentrifugentechnik. Die Inspektoren der IAEA konnten bei Beginn der Inspektionen 1991 auf erhebliches Vorwissen zurückgreifen, da der Irak seit 1968 Mitglied des Nuklearen Nichtweiterverbreitungsvertrages war und an den Nuclear Safeguards (Sicherungsmaßnahmen der IAEA) teilgenommen hatte. Auch der Zeitraum der Untersuchungen ist ein wesentlicher Faktor: Vergleichsweise benötigte die IAEA volle zwei Jahre für Inspektionen zur Verifizierung, nachdem Südafrika sein Atomwaffenprogramm zugegeben hatte und die IAEA über die Einstellung desselben informierte. Südafrika kooperierte dabei uneingeschränkt mit den IAEA-Kontrollören.

Das Regime Saddam Husseins umging diese Sicherheitsvorkehrungen, indem es ein paralleles Atomwaffenprogramm in die Wege leitete. Demzufolge gab der Irak in seinen ersten Erklärungen nicht zu, ein Atomwaffenprogramm zu unterhalten. Die IAEA hatte das Mandat, deklariertes Nuklearmaterial zu sichern, war aber nicht autorisiert, nach geheimen Anlagen zu suchen. Auf Basis der UNSCR 687 (UN-Security Council Resolution) wurde seitens der IAEA ein Action Team geschaffen, welches die irakischen Angaben überprüfen und relevante Anlagen zerstören oder konvertieren sollte, um dann ein System zur dauerhaften Überwachung (Monitoring) zu unterhalten.

Gegen Ende 1990 hatte der Irak Kapazitäten zur Produktion von genügend HEU zum Bau einer Atombombe (etwa 10 bis 15 kg/Jahr) - Ziel war der Bau einer Implosionsbombe pro Jahr. Für eine Bombe dieser Bauart wird weniger spaltbares Material benötigt. Die Waffeninspektionen 1991 bis 1998, die durch die Internationale Atomenergiebehörde durchgeführt wurden, deckten alle relevanten Bemühungen des Irak auf. Die IAEA kam zum Schluss, dass der Irak am Ende des Golf-Krieges II nicht über Atomwaffen verfügte. Es wurde auch kein Hinweis auf Import von spaltbarem Material gefunden. Das gefundene angereicherte, aber nicht waffenfähige HEU (etwa 50 kg) wurde außer Landes gebracht, alle relevanten Einrichtungen des Atomwaffenprogramms identifiziert, inspiziert und zerstört.

Der Irak unternahm ab 1998 weitere Anstrengungen, Atombomben zu entwickeln und zu bauen, erzielte Fortschritte bei der (theoretischen) Konstruktion von Atomwaffen und beschaffte weiter Dual-Use-Ausrüstungen (hier: Einrichtungen, die eine vordergründig zivile, harmlose Funktion haben, jedoch zu militärischen Zwecken genutzt werden), die für den Bau einer Atombombe wichtig sind.

Im Rahmen der UNMOVIC (United Nations Monitoring, Verification and Inspection Commission)- Untersuchungen 2002/03 waren dann die CIA (Central Intelligence Agency) und der britische Geheimdienst der Ansicht, dass abgefangene Importe spezieller Aluminiumröhren ein eindeutiges Indiz für das irakische Atomwaffenprogramm seien. Führende Nuklearexperten hielten dies jedoch nicht für einen Beleg dieser Behauptung. Später stellte sich heraus, dass diese Aluminiumröhren für die Verwendung in einem Atomprogramm gänzlich unbrauchbar waren. Ebenso als Fälschung entpuppte sich ein Papier, mit welchem die US-Administration und Großbritannien dem Irak einen versuchten Ankauf von Uran aus Afrika beweisen wollten. Der Vorsitzende der IAEA, Mohammed El-Baradei, berichtete dem UN-Sicherheitsrat zu Beginn des Jahres 2003 und wiederholte die Feststellung, dass es keinen Beweis für den Besitz einer Atombombe im Irak gebe. Diesen Beweis sind die US-Amerikaner und Briten bis heute schuldig geblieben. (Quelle: www.bmlv.gv.at)

Bearbeitungsstand: November 2008

siehe auch: Atombombe
siehe auch: IAEO
siehe auch: Plutonium 239

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