Hibakusha

Als Hibakusha werden in Japan die heute noch lebenden, etwa 340.000 Überlebenden der Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki im August 1945 bezeichnet. Da die Strahlenkrankheit anfangs als ansteckend galt, wurden Hibakusha in der Nachkriegszeit, hauptsächlich aufgrund mangelnden Wissens über die tatsächlichen Spätfolgen radioaktiver Verstrahlung, gesellschaftlich diskriminiert. Selbst zu Beginn des 21. Jahrhunderts gibt es immer noch Hibakusha-Neuregistrierungen, da manche Betroffenen erst jetzt mit ihrer persönlichen Geschichte an die Öffentlichkeit gehen.

Hunderttausende Hibakusha litten an Verletzungen, sie litten auch an ihrer Heimatlosigkeit und waren und sind auf Jahrzehnte hin von schweren Erkrankungen und seelischen Schmerzen gezeichnet. Und die Kinder der Menschen, die der Strahlung ausgesetzt waren, erkranken oft an den Spätfolgen durch genetische Fehlentwicklungen. Auch heute, 60 Jahre danach, gibt es noch Überlebende der atomaren Angriffe, die an den Verletzungen und Folgekrankheiten durch die Bombenexplosion leiden. Und noch heute sterben Atombombenopfer an Krankheiten wie Karzinomen, chronischen Leberschäden, Knochenmarksentzündungen, Blutkrankheiten?

Die Hibakusha haben nicht nur unmittelbar die Schrecken des atomaren Infernos erlebt und erlitten, sondern auch die nachfolgende Ausgrenzung aus dem gesellschaftlichen Leben - aufgrund von Arbeitslosigkeit, Krankheit, Behinderung und ihrem Sonderstatus als Hibakusha. Japanische Hibakusha waren lange Jahre sich selber überlassen. Erst 1956 wurden medizinische Aufwendungen für Atombombenopfer als Ausgabe des japanischen Staates festgeschrieben. Wer bestimmte Kriterien erfüllte, konnte sich als Atombombenopfer anerkennen lassen. Heute bezahlt der japanische Staat bedürftigen Überlebenden je nach Schwere der Erkrankung 150 bis 550 Euro im Monat. Ein Betrag, mit dem sich in Japan die Unterhaltskosten nicht bestreiten lassen. Noch schlechter ging es aber jenen über Jahrzehnte fast völlig in Vergessenheit geratenen und ausgegrenzten koreanischen Zwangsarbeitern, die ebenfalls Opfer der Atombomben wurden. Koreaner machten zum Zeitpunkt des Atombombenabwurfs vermutlich 10 % der Bevölkerung in Hiroshima aus. Diese koreanischen Hibakusha wurden als Opfer zweiter Klasse marginalisiert und stigmatisiert und erst in den 90er Jahren offiziell anerkannt.

Nicht alle Hibakusha haben sich stillschweigend mit ihrer Opferrolle abgefunden. Es ist eine Hibakusha-Bewegung entstanden, ein Zusammenschluss der überlebenden Strahlenopfer. Eine Bewegung der Ausgegrenzten und Geächteten. Eine Reihe Hibakusha haben ihr Leben dem Kampf gegen die Bombe gewidmet: “Nie wieder Opfer von Atombomben” ist das Motto des japanischen Verbandes der Atombombenopfer. Auch in Korea haben sich Hibakusha zu einem Atombombenopferverband zusammengeschlossen. (Quelle: www.lebenshaus-alb.de)

Bearbeitungsstand: Juni 2007


Siehe auch: Hiroshima
Siehe auch: Nagasaki

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