Hopsten

ehem. Atomwaffenlager Deutschland

ehem. Atomwaffenstandort Hopsten. Bild: Digital Globe

Die ehemalige atomare QRA-Stellung (Quick Reaction Alert) Hopsten (52°19'32“N, 07°32'09“O) lag am südlichen Rand des gleichnamigen Fliegerhorstes ca. 8 km südwestlich der Stadt Rheine in Nordrhein-Westfalen. Hier war ab 1961 das Jagdbombergeschwader 36 stationiert.1967 erfolgte die die Umrüstung auf den Starfighter mit insgesamt 52 Maschinen und gleichzeitiger NATO Unterstellung. Zur Anpassung an die neue NATO-Doktrin waren umfangreiche Erweiterungen auf dem Fliegerhorst notwendig. So wurden 100 US-amerikanische Soldaten auf dem Fliegerhorst stationiert, zur Überwachung der in Hopsten eingelagerten US-Atombomben.

Das SAS wurde im 3km entfernten Uthuisen ( 52°18'24“N, 7°30'59“O) eingerichtet, auf dem Fliegerhorst selbst eine den Jagdgeschwadern ähnliche QRA (Quick Reaction Alert = erhöhte Alarmbereitschaft, Alarmrotte) installiert. Dieses Areal war mit zwei Zäunen innerhalb des Fliegerhorstes nochmals geschützt, der Zutritt wurde streng kontrolliert. Auf dem Boden um die Abstellflächen der Flugzeuge gab es so auch farbliche Markierungen welche die Zugangserlaubnis der Flugzeugwarte definierte - nur ausgesuchtes Personal durfte bis direkt an die "Sonderwaffe" heran. Die Bewachung übernahm die rund 300 Mann starke Sicherungsstaffel -S-, die Montage an das Flugzeug die Waffenwarte des Geschwaders. Die US-Soldaten überwachten das ganze und konnten exklusiv die Waffe mit entsprechenden Zündern scharf machen. Eingesetzt worden wären die Atombomben durch die 1. Staffel, anhand der Reichweite des Starfighters kann man sich leicht errechnen dass das Zielgebiet über dem Gelände der DDR oder Polen lag - es waren aber Himmelfahrtskommandos ohne Widerkehr bis kurz vor Moskau denkbar. Glücklicherweise gab es aber nie einen Start eines dt. Starfighters mit einer Atombombe und schon gar keinen Einsatz (geübt wurde mit Attrappen), und 1972 war der Spuk auch schon wieder vorbei. (Internetquelle nicht mehr verfügbar)

Der Starfighter F-104G war anfangs mit einer Mk.28 Atombombe ausgerüstet. Es handelte sich dabei um die erste amerikanische Waffe dieser Art. Nach einem Baukastenprinzip konnte diese Waffe in 5 verschiedenen Abwurfvarianten zusammengesetzt werden, um verschiedenen Trägersystemen gerecht zu werden. Bei der Version für die F-104G handelte es sich um die Version Mk.28 FUFO, die den gebremsten Abwurf von schnellen Jet's im Tiefflug erlaubte und weiter über eine Sprengkraft von 1100 Kilotonnen (KT) verfügte. Die Abwurfhöhe lag zwischen 91 und 183 Metern.

Diese Version wurde ab 1968 von der Mk.43 Atombombe des Tactical Air Command abgelöst. Die Waffe verfügte über ein Gewicht von knapp 1000 kg und einer unveränderlichen Sprengwirkung von 1 Megatonne (MT). Sie war als Außenlast speziell für den Abwurf von schnell und tieffliegenden Jagdbombern entwickelt worden.

Die Ausbildung in den einzelnen Abwurfverfahren erfolgte mit der Übungsbombe MK-106, die von den Abwurfbehältern / Übungsbombenträgern getragen wurden. Diese amerikanische Übungsbombe wurde etwa ab 1975 von der DM18 aus deutscher Produktion abgelöst. Erst wenn der Pilot sich in allen Verfahren qualifiziert hatte, erhielt er die Möglichkeit die Profilübungsbombe BDU-8/B/BDU-12B (Bomb Dummy Unit) bei einem Übungseinsatz auf dem NATO-Schießplatz Decimomannu (Deci) abzuwerfen.

Ständige Weiterentwicklungen und Erprobungen fügte als Ergänzung ab 1968 die Mk.57 Atombombe mit einer vergleichsweise minimalen Sprengkraft von 5-20 KT dem A-Waffenarsenal der deutschen "F-104" hinzu.

Ab dem Jahr 1975 wurde die Version Mk.43 von der Mk/B 61 Abwurfwaffe abgelöst. Dies war eine optimierte und fortschrittlichere Bombe für den Abwurf von schnell und unter 90 Metern fliegenden Kampfflugzeugen, zu denen die F-104G gehörte, und als Mehrzweckwaffe für taktische und strategische Einsätze gedacht.

Der Einsatz der mit A-Waffen beladenen Starfighter war nur möglich, wenn die Bomben zuvor vom amerikanischen Personal geschärft worden waren. Das geschah erst unmittelbar vor dem befohlenen Einsatz. War der Kode an der Bombe von den Amerikanern nicht korrekt eingestellt, konnte diese nicht zum Einsatz gebracht werden. (Rolf Ferch: www.rolfferch.de/F104G/html/strikebeladeschema.html)

Ab 1968 wurde bei den Jagdbombergeschwadern die Wasserstoffbombe vom Typ B-61 für den Einsatz bereitgehalten. Dabei handelte es sich um eine frei fallende Fliegerbombe, von der fünf verschiedenen Modelle existierten (B-61-3, -4, -7, -10 und -11). Die B-61-11 ist auch als nuklearer "Bunker Buster" bekannt. Alle Modelle besaßen eine variable Sprengkraft: Modell 3 bis zu 45 Kilotonnen, Modell 4 bis zu 170 Kilotonnen, bis hin zu maximal 340 Kilotonnen, was mehr als der 26-fachen Zerstörungskraft der Hiroshima-Bombe entspricht. (LL)

Bearbeitungsstand: Januar 2013

Weitere Informationen über Atomwaffenstandorte in Deutschland

siehe auch: B-61-Bombe

siehe auch: KT-Wert

siehe auch: Starfigther

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