Hades-Rakete

Die nukleare Kurzstreckenrakete »Hades« wurde in den 1980er Jahren von Frankreich als Nachfolgemodell für die veraltete »Pluton« entwickelt. Trotz des gewandelten politischen Klimas in Europa nach Ende des Kalten Krieges hielt Frankreich an der nuklearen Abschreckung fest und begann die Serienfertigung der »Hades«. Allerdings wurde die Stückzahl von 120 auf 30 gekürzt. Die Waffe sollte mit einem Nuklearsprengkopf vom Typ TM-90 mit einer maximalen Sprengkraft von 80 KT ausgestattet werden.  Mit einer Reichweite von nur 480 km konnte von Frankreich aus kein Territorium jenseits der neuen Demokratien (in Mittel- und Osteuropa) erreicht werden. Dennoch glaubte Frankreich nicht, auf die Waffe als letzte Warnung verzichten zu können, zumal weder die USA noch die Sowjetunion bis dahin eine wirkliche Reduzierung ihrer Nuklearpotentiale vorgenommen hatten. (Quelle: SZ 16.7.90)

Die Hades-Rakete war auf Lastkraftwagen montiert und damit hochmobil. Zudem konnte noch während des Fluges ein Zielwechsel vorgenommen werden. Insgesamt sollten 30 Hades-Raketen und 15 Startfahrzeuge beschafft werden. Noch während der Produktionsphase fiel die Entscheidung, das System nicht in Dienst zu stellen. Die bereits gefertigten Systeme wurden vorübergehend eingelagert und ab 1996 endgültig verschrottet. (LL)

Bearbeitungsstand: Oktober 2008

Hahn

ehem. Atomwaffenstandort Deutschland

Das ehemalige US-Atomwaffenlager Hahn (49°57'15“N, 7°17'01“O) lag im östlichen Bereich der Air Base Hahn in Rheinland-Pfalz.

In der Zeit von 1954 bis 1962 wurde dort der Marschflugkörper Matador für den Einsatz bereitgehalten. Dieser verfügte in der Regel über den Gefechtskopf W5 mit einer Sprengkraft von 50 KT. Ab 1962 begann die Ausmusterung der Matador, die durch die Pershing 1 Rakete ersetzt wurde.

Im Jahr 1987 erfolgte die vorübergehende Einlagerung von 96 Sprengköpfen für Cruise Missiles, da der eigentliche Stationierungsort Pydna nicht zeitgerecht fertiggestellt werden konnte. (LL)

Bearbeitungsstand: Januar 2012

Weitere Informationen über Atomwaffenstandorte in Deutschland

siehe auch: Matador Marschflugkörper
siehe auch: Pydna

H-Bombe

engl.: H-Bomb; hydrogen bomb

Nukleare Waffen sind der Oberbegriff für alle Waffen, die Kernenergie zur Zerstörung nutzen, sei es durch Spaltung (Fission) oder Verschmelzung (Fusion) von Atomkernen. Die Thermonuklearen Waffen sind die Weiterentwicklung aus der „normalen” Atombombe, sie sind durchweg mehrstufig und der Fissionssprengkopf dient als „Zünder” für eine Kernfusion, da thermonukleare Reaktionen nur bei sehr hohen Temperaturen ablaufen. Dabei verschmelzen zwei Kerne ineinander und bilden einen neuen Kern, wobei große Mengen Energie frei werden. Wenn die Implosionszündung detoniert, wird der mit Schaumkunststoff gefüllte Raum mit Röntgenstrahlen (also energiereichen Photonen) überflutet. So wird der Zylinder mit dem Fusionsmaterial stark erhitzt. Durch den entstehenden Druck wird der Zylinder implodiert, wodurch der Plutonium-Kern den kritischen Zustand erreicht und detoniert. Der sich weiter aufbauende Druck und die enorme Hitze setzen schließlich den thermonuklearen Prozess in Gang.

Dieses Verfahren wurde in der ersten jemals explodierten Wasserstoffbombe (Ivy Mike) eingesetzt. Die 1952 getestete Bombe wog 65t und war daher noch nicht abwurffähig. 1954 aber wurde eine nach demselben Prinzip gebaute Bombe (Castle-Bravo) über dem Eniwetok-Atoll abgeworfen. (Quelle: Donati: »ChemGlobe-Atomwaffen«)

Die größten Wasserstoffbomben im US-Arsenal waren Bomben mit einer Sprengkraft von jeweils 24 Megatonnen, die nie in ihrer vollen Stärke getestet wurden. Die Mark-21 gehörte nur von 1955 bis 1957 zum Bestand; das Nachfolgemodell Mark-36 war von 1956 bis 1962 in Verwendung. Auf dem Reißbrett wurden noch stärkere Kaliber erdacht: So plante die US-Regierung zeitweilig die Entwicklung einer 200 Megatonnen-Bombe, die von einem ferngesteuerten Bomber QB-52 Stratofortress abgeworfen werden sollte. Den Rekord hält der Ingenieur Bruno Augenstein von der amerikanischen RAND Corporation in Kalifornien. Er schlug den Bau einer Bombe mit einer Sprengkraft von 1 Gigatonne (1000 Megatonnen) vor. Auch spezielle Wasserstoffbomben mit einem Mantel aus Kobalt wurden vorgeschlagen. Kobalt-60 ist ein enorm starker Gammastrahler. Mit einer einzigen Kobaltbombe ließe sich die gesamte Erdatmosphäre über Jahre hinweg verstrahlen. Durch Zündung einer Wasserstoffbombe über der Arktis würde die polare Eiskappe schmelzen und eine riesige Welle freisetzen, die zahlreiche Länder überfluten würde. Auch ließe sich durch die Detonation mehrerer Wasserstoffbomben vor der kalifornischen Küste eine Tsunami-Welle auslösen, die den Westen der USA bis zu den Rocky Mountains überschwemmen würde. (Quelle: Gerhard Piper in antimilitarismus information (ami) 10/2002, S. 18-23)

Bearbeitungsstand: August 2012

siehe auch: Eniwetok-Atoll
siehe auch: Ivy Mike

HAHN Otto

1879 - 1968

Am 8. März 1879 wird Otto Hahn in Frankfurt/Main als Sohn eines Geschäftsmannes geboren. Nach dem Studium der Chemie in Marburg und München promoviert Hahn zum Dr. phil. und wird anschließend Assistent an der Universität in Marburg. Bei seiner Forschungstätigkeit in London, Montreal (1905) und später Berlin (1906) konzentriert er sich auf radiochemische Forschung. 1905 entdeckt Hahn ein neues radioaktives Element, das Radiothor genannt wird. Gemeinsam mit Lise Meitner und Otto von Baeyer gelingt es ihm zum ersten Mal, Betastrahl-Spektren von einer Reihe radioaktiver Strahlen zu erhalten. Dieses Verfahren spielt in der modernen Atomforschung eine wesentliche Rolle.

1938 gelingt Hahn in seinem berühmt gewordenen Versuch erstmals die Spaltung des Uran-Kerns durch Neutronen. Bei dieser Kernspaltung werden bisher nicht vorstellbare Mengen von Energie freigesetzt. Damit sind die Voraussetzungen zur technischen Nutzung der Kernenergie, aber auch zur Herstellung von Atomwaffen gelegt. Während des Zweiten Weltkrieges konzentriert sich die Arbeit Otto Hahns auf die Isolierung und Identifizierung neuer unbekannter Atomarten, die bei der Urankernzertrümmerung als radioaktive "Spaltprodukte" entstehen.

Nach Ende des Krieges wird Hahn in England interniert, wo er 1944 den Nobelpreis für Chemie verliehen bekommt. Als Präsident der "Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften" (1948-1960) fordert Hahn immer wieder ein Atomwaffenverbot. So ist er auch Mitunterzeichner der Göttinger "Erklärung der 18 Atomwissenschaftler" gegen die Aufrüstung der Bundeswehr mit Atomwaffen. Otto Hahn stirbt am 28. Juli 1968 in Göttingen. (Quelle: Deutsches Historisches Institut)

Bearbeitungsstand: März 2007

Siehe auch: Göttinger Erklärung

Halbwertsschicht

engl.: half-value layer

Die Schichtdicke eines Stoffes, die nötig ist, um die Dosisleistung einfallender Gammastrahlen auf die Hälfte zu verringern, wird als Halbwertsschicht bezeichnet. Ihre Stärke hängt von der Dichte des Materials und von der Energie der Gammastrahlen ab. Sie ist bei Anfangs- und Rückstandsstrahlung verschieden. Nach zwei, drei ... Halbwertsschichten geht die Strahlung auf 1/4, 1/8, ... ihres Anfangswerts zurück. (LL)

Bearbeitungsstand: Dezember 2004

siehe auch: Dosisleistung
siehe auch: Gammastrahlen

Halbwertszeit

engl.: half-life

Die physikalische Halbwertszeit gibt an, wann die Hälfte der Kerne einer radioaktiven Substanz zerfallen ist. Sie schwankt von Sekundenbruchteilen bis zu Milliarden von Jahren. Zum Beispiel: Jod-131 hat eine Halbwertzeit von acht Tagen, und nach dieser Zeit ist von einem Kilo immer noch ein Pfund vorhanden. Plutonium-239 hat eine Halbwertzeit von 24390 Jahren, Uran-235 von 4,47 Milliarden Jahren. (Quelle: nicht bekannt)

Bearbeitungsstand: Oktober 2004

siehe auch: Plutonium

Hanau-Erlensee

ehem. Atomwaffenstandort Deutschland

Das ehemalige US-Sondermunitionslager Hanau-Erlensee (US Site #5) war das einzig bekannte Doppellager [Lager 1: (50°09'44“N, 08°56'39“O), Lager 2: (50°09'45“N, 08°56'57“O)] in Deutschland. Es lag ca. 4 km nordöstlich von der Stadtmitte Hanaus in Hessen. Zu unterschiedlichen Zeiten waren dort Atomsprengköpfe für das Waffensystem Honest John sowie Atomgranaten für die Rohrartillerie gelagert.

Ab 1976 Hier lagerten hier auch thermonukleare Sprengköpfe für die Kurzstreckenrakete Lance. Dabei handelte es sich um den Nukleargefechtskopf W-70, der über eine variable Sprengleistung von 1-100 KT verfügt:
Version Mod.0: 1.000 t
Version Mod.1: 10.000 t
Version Mod.2: 100.000 t
Version Mod.3: 750 t
Version Mod.4: 1.250 t (LL)

In den Jahren 1969/1970 erfolgte die Verlegung von Atomminen aus den Depots nahe der Grenze zur DDR und zur Tschechoslowakei in den weiter westlich gelegenen amerikanischen Verantwortungsbereich. Dabei handelte es sich um mehr als 200 ADMs, die bis zu ihrem entgültigen Abzug in die USA (bis 1984) in Hanau, Aschaffenburg, Darmstadt-Breitefeld, Dexheim, Eschborn, Ettlingen auf dem Militärflugplatz Kornwestheim und Wildflecken eingelagert wurden (Bald, Politik der Verantwortung, S. 121). Über die genauen Stückzahlen sind bis heute keine Daten zugänglich. (LL)

Ein vor Ort tätigen Zeitzeuge beschreibt die damalige Situation: " ... Nachdem wir die Wachen davon in Kenntnis gesetzt hatten, dass wir den Sperrbereich betreten würden, fuhren wir weiter zu dem ersten Bunker. Wir entriegelten das Tor und rollten es soweit zurück, das wir hindurch kamen. Als ich erkannte, was in diesem Bunker lag, begannen meine Knie zu zittern; es war ein Gefühl, das ich bis dahin nicht kannte. Der Bunker war komplett voll gestellt mit ordentlichen Reihen von Magazinen mit nuklearer Munition: 8" und 155mm Artilleriegranaten, nuklearer Sprengköpfe für Honest John, und Atomic Demolition Munition. Alle Artilleriegranaten waren mit dem PAL Gerät ausgestattet (Permissive action link), welches ein zünden bzw. verschießen ohne Erlaubnis verhinderte. Allerdings waren die Magazine bereits für den Verschuss vorbereitet, es fehlte lediglich noch der Zünder. Ich habe keine Ahnung wie viele davon in diesen Bunkern lagen. Ich war erschüttert von der enormen Zerstörungskraft, die hier lagerte. Der Gedanke der mir, der ich bevor ich zur Army kam vier jahrelang Physik gelehrt hatte in diesem Moment durch den Kopf schoss war: Heilige Scheiße, hier drinnen ist genügend um die Erde aus ihrer Umlaufbahn zu sprengen". (Quelle: Entwicklungsgesellschaft Fulda-GAP e.V. (EFG e.V.))
Die NATO Site #5 wurde bereits 1986 aufgegeben.

Bearbeitungsstand: Januar 2012

Weitere Informationen über Atomwaffenstandorte in Deutschland

Siehe auch: Honest John-Rakete
siehe auch: ADM
siehe auch: PAL

Hanford

Atomwaffenfabrik, USA

Plakatwand im Kalten Krieg vor Hanford-Gelände. Foto: DoE

Im Atomkomplex Hanford produzierten die USA während des Kalten Krieges den größten Teil ihres waffenfähigen Plutoniums. Obwohl der Komplex 1988 stillgelegt wurde, handelt es sich weiterhin um den am stärksten radioaktiv verseuchten Ort der westlichen Hemisphäre.

Hintergrund
Der Atomkomplex Hanford wurde 1940 mit dem Ziel errichtet, Plutonium für das zukünftige Atomwaffenprogramm der USA zu produzieren. In der Nähe der Stadt Richland im US-Bundesstaat Washington gelegen, erstreckt sich der Komplex über eine Fläche von mehr als 1.500 km² und besteht aus über 500 Gebäuden, darunter neun Atomreaktoren. Hanford erzeugte das Material für den Trinity Test im Juli 1945, die weltweit erste Explosion einer Atombombe. Sie lieferte auch das Plutonium für 'Fat Man', die Bombe, die im August 1945 die Stadt Nagasaki zerstörte. In den folgenden 40 Jahren produzierte die Anlage über 67 Tonnen Plutonium für das US-Atomwaffenarsenal.

1986 gab das Energieministerium der USA als Reaktion auf öffentlichen Druck 19.000 Dokumentenseiten frei. Diese belegten unter anderem, dass radioaktive Lecks aus Hanford Luft, Böden, Grundwasser und den Columbia River verseucht hatten. Auch wurde enthüllt, dass im Zuge von Unfällen über 200 radioaktive Isotope in Form von atomarem Niederschlag über Oregon, Idaho, Kalifornien, Montana und Kanada niedergegangen waren. Im Dezember 1949 hatten die Forscher in Hanford sogar absichtlich zwischen 259 und 444 TBq (Tera = Billion) radioaktives Jod-131 freigesetzt um Messgeräte für radioaktive Luftbelastung zu testen. Die Menge an Jod-131, die bei diesen 'Experimenten' freigesetzt wurde, war 350- bis 600-mal höher als diejenige, die bei der Kernschmelze von Three Mile Island in die Umwelt gelangte (0,74 TBq).


Folgen für Umwelt und Gesundheit

Über die Jahre waren Arbeiter in Hanford durch Lecks und Unfälle mehr als 200 radioaktiven Isotopen ausgesetzt, darunter ca. 0,07 TBq Plutonium-239, 1,55 TBq Cäsium-137 und 28,3 TBq Strontium. Plutonium, Ruthenium und andere Radionuklide wurden auch weit entfernt vom Atomkomplex noch in der Umgebung nachgewiesen, etwa in Spokane oder auf Mount Rainier. Die Hauptgefahr für die Normalbevölkerung ging jedoch von den mehr als 25.000 TBq radioaktivem Jod-131 aus, die zwischen 1944 und 1972 freigesetzt wurden und Luft, Böden und Lebensmittel verseuchten.

Die US-amerikanischen Centers for Disease Control (CDC) konnten in einem aufwändigen Umweltdosis-Rekonstruktionsprojekt nachweisen, dass die Schilddrüse eines Kindes, das in unmittelbarer Nähe zum Atomkomplex lebte, eine Kumulativdosis von etwa 2.350 mSv (Konfidenzintervall 540-8.700 mSv) erhalten haben muss – dies entspricht in etwa der Schilddrüsenverstrahlung durch 670 CT-Thorax Untersuchungen (Schilddrüsendosis von ca. 3,5 mSv pro Untersuchung). Besonders betroffen von der Verseuchung waren neun Stämme der indigenen Bevölkerung, die im Windschatten oder flussabwärts von Hanford leben: die Colville, Coeur d'Alene, Kalispel, Kooten-ai, Nez Perce, Spokane, Umatilla, Warm Springs und Yakama. Die etwa 7.400.000 TBq atomarer Abfall, die bis heute in Hanford lagern, machen etwa 60% der Gesamtmenge an hoch radioaktivem Müll der USA aus. Dem US- Energieministerium zufolge befinden sich in Hanford über 200 Millionen Liter radioaktiver und chemischer Müll in undichten Erdtanks. Aufgrund unsachgemäßer Lagerung sind bereits etwa 3,5 Millionen Liter ins Grundwasser gelangt und haben Reservoirs und Grundwasserleiter in einem Gebiet von über 500 km radioaktiv kontaminiert. Es ist unklar, ob dieses verseuchte Wasser schon den Columbia River erreicht hat. Da allerdings bis 1971 kontaminiertes Wasser absichtlich in den Fluss gepumpt wurde, fand man bereits jetzt flussabwärts des Atomkomplexes erhebliche Mengen von radioaktivem Zink-65, Arsen-76, Phosphor-32, Natrium-24 und Neptunium-239.

Ausblick
Seit die Plutoniumproduktion in Hanford 1988 beendet wurde, kostet die Sanierung (in den USA als 'größte öffentliche Baumaßnahme in der Geschichte der Menschheit' betitelt) jährlich mehr als 2 Milliarden US-Dollar und soll noch bis 2052 andauern. Eine zusätzliche Sicherheitsbedrohung geht von den veralteten Atomreaktoren in Hanford aus. Erstaunlicherweise wurde bislang wenig epidemiologische Forschung in der von Radioaktivität betroffenen Bevölkerung betrieben. Das vollständige Ausmaß der gesundheitliche Folgen
für die Bevölkerung wird möglicherweise nie bekannt werden. Die Menschen um Hanford herum, vor allem die am Rande der Gesellschaft lebenden indigenen Stämme gehören zur Gruppe der Hibakusha, denn auch ihr Leben wurde vom Wahn immer größerer und zerstörerischer Atomwaffenarsenale beeinträchtigt. (Quelle: Ausstellung “Hibakusha weltweit”)
Bearbeitungsstand: April 2014

Hardheim

ehem. Atomwaffenstandort, Deutschland

Im Rahmen der großräumigen Luftverteidigung Europas während der Zeit des Kalten Krieges waren auch die US-Streitkräfte an dem quer durch Deutschland verlaufenden Nike-Herkules Flugabwehrgürtel mit insgesamt sechs in Bayern, Baden-Württemberg, Hessen und Rheinland-Pfalz, stationierten Bataillonen beteiligt. Das 1thMissile Battailon, 67thUS-Arty-Group verfügte über atomare Feuerstellungen in den Standorten Griesheim, Mainbullau, Hardheim und Dallau.
Die Nike-Feuerstellung (Launching Area) Hardheim (49°37'25“N, 9°27'42“O) lag ca. 38 km südwestlich von Würzburg im fränkischen Odenwald. Die Errichtung der meisten Gebäude und Infrastruktureinrichtungen im Abschussbereich erfolgte ab 1960 bis Juli 1961. Die NIKE-Raketenstellung wurde am 12. Juli 1961 zur Nutzung an die US-Army übergeben.

Die dort stationierte C-Battery, 1thMissile Battailon, 67thUS-Arty-Group bestand aus drei getrennten Bereichen: der Unterkunft, dem Feuerleitbereich in günstiger topografischer Lage mit bis zu 5 Radargeräten für Überwachung, Zielerfassung, Zielverfolgung und Flugkörperverfolgung und dem Abschussbereich mit jeweils 3 Abschussflächen und dazugehörigen Bunkern. In diesem Bereich befanden sich auch die Atomsprengköpfe.

In der Stellung Hardheim waren von 1961 bis 1970 atomare Flugabwehrraketen vom Typ Nike stationiert. An Atomsprengköpfen waren zwei Versionen verfügbar. Die kleinere mit der Bezeichnung B-XS hatte eine Sprengkraft von 2 Kilotonnen. Die größere B-XL besaß ursprünglich 40 kT Sprengkraft. Letztere wurden in den 1970er Jahren gegen Sprengköpfe zu 20 kT ausgetauscht. Maximal waren je Stellung zehn Nuklear-Sprengköpfe vorhanden, acht mit der Stärke XS mit 2 Kilotonnen und zwei XL mit 40/20 Kilotonnen Sprengkraft. Für den Einsatz der Gefechtsköpfe gab es genau festgelegte Prioritäten. Beim Anflug eines einzelnen feindlichen Zielobjektes wurde ein kleiner atomarer Gefechtskopf (B-XS) eingesetzt. Beim Anflug mehrerer feindlicher Zielobjekte wurde soweit verfügbar ein großer atomarer Gefechtskopf (B-XL) eingesetzt. Die ebenfalls vorhandenen konventionellen Gefechtsköpfe dienten lediglich als Munitionsreserve.Die NIKEs waren bis Ende der 1970er Jahre hier stationiert. Danach wurde die Stellung umgebaut und bis ca. 1983 für nicht atomare HAWK-Flugabwehrraketen genutzt. (LL)

(Quellen:  Jürgen Dreifke, Michael Juhls)

Bearbeitungsstand: Oktober 2010

Weitere Informationen über Atomwaffenstandorte in Deutschland

siehe auch: Nike Herkules
siehe auch: KT( Kilotonne)

Hartzielzerstörungsfähigkeit

engl.: hard-target kill capability

Eine sehr wichtige Modernisierungsrichtung der strategischen Nuklearpotentiale drückt sich in der Steigerung der so genannten Hartzielzerstörungsfähigkeit aus. Die Härtung von strategischen Zielen wie Raketensilos, Kommandozentralen und U-Boot-Bunkern soll sicherstellen, dass diese einen nuklearen Angriff des Gegners überstehen können und danach für einen Vergeltungsschlag zur Verfügung stehen. Die geringe Verwundbarkeit dieser Ziele wurde in der Vergangenheit als wesentliches Element der Abschreckungsfähigkeit beider Seiten und als wichtig für die Stabilität der strategischen Balance [im Kalten Krieg] angesehen. Die technische Entwicklung hat jedoch Waffensysteme hervorgebracht, die auch gegen die bestgehärteten Ziele hohe Zerstörungswahrscheinlichkeiten haben. Dazu zählen auch Bomber und Cruise Missiles, die aber wegen ihrer langen Flugzeit bis zum Ziel und der entsprechend längeren Vorwarnzeit nicht so brisant sind. Das Problem bildet vor allem die so genannt »prompte« Hartzielzerstörungsfähigkeit von ballistischen Raketen.

Die Zielzerstörungsfähigkeit, die ein nuklearer Gefechtskopf einer ballistischen Rakete gegen ein gehärtetes Ziel hat – seine »Letalität« hängt von den beiden Parametern Zielgenauigkeit und Sprengkraft ab. Der wesentlich wichtigere davon ist die Zielgenauigkeit. Zum einen geht sie mit dreifach größerer Potenz als die Sprengkraft in die Letalität ein, und zum anderen werden Nuklearsprengköpfe umso schwerer militärisch rational einsetzbar, je größer ihre Detonationsstärke ist. Ferner bedeuten große Sprengköpfe, dass pro Rakete weniger MIRV-Gefechtsköpfe transportiert werden können. (Quelle: Udo Schelb: Zur Modernisierung der strategischen Potentiale, in Rüstungsmodernisierung und Rüstungskontrolle, Baden-Baden 1992, S.115f.)

Bearbeitungsstand: Dezember 2007

Siehe auch: Cruise Missile
Siehe auch: Gefechtskopf
Siehe auch: Sprengkraft

Hasselbach

Im Rahmen der großräumigen Luftverteidigung Europas während der Zeit des Kalten Krieges waren auch die US-Streitkräfte an dem quer durch Deutschland verlaufenden Nike-Herkules Flugabwehrgürtel mit insgesamt sechs in Bayern, Baden-Württemberg, Hessen und Rheinland-Pfalz, stationierten Bataillonen beteiligt.

Die ehemalige US Nike Feuerstellung (Launching Area) Hasselbach (50°02'36“N, 7°25'29“O) lag ca. 3 km südlich der Stadt Kastellaun im Hunsrück. Die dort stationierte B-Battery, 5thMissile Battailon, 6thUS-Arty-Group bestand aus drei getrennten Bereichen: der Unterkunft, dem Feuerleitbereich in günstiger topografischer Lage mit bis zu 5 Radargeräten für Überwachung, Zielerfassung, Zielverfolgung und Flugkörperverfolgung und dem Abschussbereich mit jeweils 3 Abschussflächen und dazugehörigen Bunkern. In diesem Bereich befanden sich auch die Atomsprengköpfe.

In der Stellung Hasselbach waren bis 1983 atomare Flugabwehrraketen vom Typ Nike stationiert. An Atomsprengköpfen waren zwei Versionen verfügbar. Die kleinere mit der Bezeichnung B-XS hatte eine Sprengkraft von 2 Kilotonnen. Die größere B-XL besaß ursprünglich 40 kT Sprengkraft. Letztere wurden in den 1970er Jahren gegen Sprengköpfe zu 20 kT ausgetauscht. Maximal waren je Stellung zehn Nuklear-Sprengköpfe vorhanden, acht mit der Stärke XS mit 2 Kilotonnen und zwei XL mit 40/20 Kilotonnen Sprengkraft. Für den Einsatz der Gefechtsköpfe gab es genau festgelegte Prioritäten. Beim Anflug eines einzelnen feindlichen Zielobjektes wurde ein kleiner atomarer Gefechtskopf (B-XS) eingesetzt. Beim Anflug mehrerer feindlicher Zielobjekte wurde soweit verfügbar ein großer atomarer Gefechtskopf (B-XL) eingesetzt. Die ebenfalls vorhandenen konventionellen Gefechtsköpfe dienten lediglich als Munitionsreserve. (Quellen:  Jürgen Dreifke, Michael Juhls)

Mitte der 1980er Jahre wurde die Raketenstellung Hasselbach mit über 180 Millionen DM ausgebaut, um die im  Rahmen des NATO Doppelbeschlusses beschlossene Stationierung von insgesamt 96 Cruise Missiles Marschflugkörpern sicherzustellen. Seit dieser Zeit wurde der Standort unter der Bezeichnung „Pydna“ geführt. Hiergegen formierte sich ein bundesweiter Widerstand. Höhepunkt war am 10. Oktober 1986 die größte politische Demonstration in der Geschichte von Rheinland-Pfalz mit ca. 180.000 Teilnehmern  in Hasselbach. (LL)

Bearbeitungsstand: Januar 2012

Weitere Informationen über Atomwaffenstandorte in Deutschland

siehe auch: Nike Herkules
siehe auch: KT-Wert
siehe auch: Cruise Missile
siehe auch: Pydna

Haßloch

ehem. Atomwaffenstandort Deutschland

Im Rahmen der großräumigen Luftverteidigung Europas während der Zeit des Kalten Krieges waren auch die US-Streitkräfte an dem quer durch Deutschland verlaufenden Nike-Herkules Flugabwehrgürtel mit insgesamt sechs in Bayern, Baden-Württemberg, Hessen und Rheinland-Pfalz, stationierten Bataillonen beteiligt.

Die ehemalige US Nike-Feuerstellung (Launching Area) Haßloch (49°19’32“N, 08°16’09“O) lag ca. 12 km westlich der Stadt Speyer in Rheinland-Pfalz. Die dort stationierte A-Battery, 2th Missile Battailon, 56th US-Arty-Group bestand aus drei getrennten Bereichen: der Unterkunft, dem Feuerleitbereich in günstiger topografischer Lage mit bis zu 5 Radargeräten für Überwachung, Zielerfassung, Zielverfolgung und Flugkörperverfolgung und dem Abschussbereich mit jeweils 3 Abschussflächen und dazugehörigen Bunkern. In diesem Bereich befanden sich auch die Atomsprengköpfe.

In der Stellung Haßloch waren bis von Mai 1961 bis Dezember 1983 atomare Flugabwehrraketen vom Typ Nike stationiert. An Atomsprengköpfen waren zwei Versionen verfügbar. Die kleinere mit der Bezeichnung B-XS hatte eine Sprengkraft von 2 Kilotonnen. Die größere B-XL besaß ursprünglich 40 kT Sprengkraft. Letztere wurden in den 1970er Jahren gegen Sprengköpfe zu 20 kT ausgetauscht. Maximal waren je Stellung zehn Nuklear-Sprengköpfe vorhanden, acht mit der Stärke XS mit 2 Kilotonnen und zwei XL mit 40/20 Kilotonnen Sprengkraft. Für den Einsatz der Gefechtsköpfe gab es genau festgelegte Prioritäten. Beim Anflug eines einzelnen feindlichen Zielobjektes wurde ein kleiner atomarer Gefechtskopf (B-XS) eingesetzt. Beim Anflug mehrerer feindlicher Zielobjekte wurde soweit verfügbar ein großer atomarer Gefechtskopf (B-XL) eingesetzt. Die ebenfalls vorhandenen konventionellen Gefechtsköpfe dienten lediglich als Munitionsreserve.
(Quellen:  Jürgen Dreifke, Michael Juhls)

Bearbeitungsstand: Januar 2012

Weitere Informationen über Atomwaffenstandorte in Deutschland

siehe auch: Nike Herkules
siehe auch: KT-Wert
siehe auch: Kalter Krieg

Hecken

ehem. Atomwaffenstandort, Deutschland

Hecken Sonderwaffenlager, Foto: DigitalGlobe 2000Die Stellung Hecken (49°54'43”N, 7°24'41”O) gehörte zum Einsatzbereich Hahn und lag ca. 11 km südöstlich vom Flugplatz Hahn entfernt. Sie war ab 1959 die Abschussanlage Nr. 6 für den mobilen Einsatz des Mace-Marschflugkörpers. Insgesamt wurden für die Stellung 12 Flugkörper vom Typ TM-76A bereitgehalten, die über den atomaren Gefechtskopf W-28 mit einer Sprengkraft von 1,1 MT verfügten.

Weitere mobile Stellungen befanden sich in Mehlingen, Enkenbach, Grünstadt, Wüschheim und Kirchberg, in denen ab 1960 insgesamt 72 Mace-Marschflugkörper verfügbar waren. Jede Stellung verfügte über mindestens zwei Abschussbereiche (complex) mit je vier Abschussplätzen, wodurch mindestens acht Flugkörper individuell für den Abschuss vorbereitet werden konnten.

In Ergänzung zu den mobilen Stellungen gab es zwei stationäre unterirdisch verbunkerte Abschussanlagen in der Eifel bei Rittersdorf („Launch site 7“) und bei Idenheim („Launch site 8“). Diese waren mit jeweils acht Flugkörpern des modifizierten Typs TM-76B bestückt.

Ab Oktober 1966 begann die Rückverlegung der „Mace“ in die USA. (LL)

Stand: Dezember 2010

Weitere Informationen über Atomwaffenstandorte in Deutschland

siehe auch: MACE-Marschflugkörper
siehe auch: MT (Megatonne)

Heidelberger Thesen (1959)

Die Heidelberger Thesen von 1959, an denen der Physiker Carl Friedrich von Weizsäcker maßgeblich mitwirkte, beschreiben die friedensethische Position der Evangelischen Kirche Westdeutschlands in der Zeit der massiven atomaren Aufrüstung. Dabei ging es wesentlich auch um die ethische Bewertung von Massenvernichtungsmitteln, vor allem von Atomwaffen. Zusammengefasst fordern die Thesen dazu auf, "die Zeit der Abschreckung zu nutzen, um die Logik und den Geist der Kriegsführung zu überwinden".
"These 8: Die Kirche muss die Beteiligung an dem Versuch, durch das Dasein von Atomwaffen einen Frieden in Freiheit zu sichern, als eine heute noch mögliche christliche Handlungsweise anerkennen.
These 9: Für den Soldaten einer atomar bewaffneten Armee gilt: Wer A gesagt hat, muss damit rechnen, B sagen zu müssen; aber wehe den Leichtfertigen!
These 10: Wenn die Kirche überhaupt zur großen Politik das Wort nimmt, sollte sie den atomar gerüsteten Staaten die Notwendigkeit einer Friedensordnung nahe bringen und den nicht atomar gerüsteten raten, diese Rüstung nicht anzustreben" (LL)

Bearbeitungsstand: Mai 2012

siehe auch: Abschreckung
siehe auch: Zweitschlagfähigkeit

Heilbronn-Waldheide

ehem. Atomwaffenstandort, Deutschland

Demonstration bei Heilbronn-Waldheide, Foto: Heilbronner Stimme

Die Bereitschaftsstellung Heilbronn-Waldheide (49°07’44”N, 09°16’30”O) befand sich etwa 4km östlich der Stadt Heilbronn in Baden-Württemberg. Sie wurde in der Zeit des Kalten Krieges als QRA-Stellung (Quick Reaction Alert)  der US-Armee genutzt. Im so genannten “Camp Redleg” befand sich zunächst von 1969 bis Juli 1983 eine Pershing-IA-Raketenstellung des 81. Field Artillery Regiments der US-Armee mit neun einsatzbereiten Raketen, bestückt mit atomaren Gefechtsköpfen. Die Sprengköpfe vom Typ W50 verfügten über unterschiedliche KT-Werte von 60, 200 oder 400 KT.

Als Folge des NATO-Doppelbeschlusses wurde “Camp Redleg” ab 1983 eine von drei Stellungen in Deutschland, in denen stets einsatzbereite, mit nuklearen Gefechtsköpfen bestückte Pershing-II-Raketen stationiert waren, die innerhalb kürzester Zeit hätten gestartet werden können. Die Sprengköpfe vom Typ W85 verfügten über variabel einstellbare KT-Werte von 5 bis 80 KT.

Von den jeweils 36 stationieren Raketen waren 12 in der QRA-Stellung ständig abschussbereit, 12 weitere wurden auf mobilen Lafetten von LKWs gezogen und konnten beliebig in der Landschaft bewegt werden und nach dem Feuerbefehl des SACEUR (Supreme Allied Commander in Europe) über das mitgeführte Feuerleitstellenfahrzeug abgeschossen werden. 12 weitere Raketen waren in Reserve im Bunker der Basis untergebracht. (LL)

Bearbeitungsstand: Dezember 2009

Weitere Informationen über Atomwaffenstandorte in Deutschland

siehe auch: KT (Kilotonne)
siehe auch: NATO-Doppelbeschluss
siehe auch: Pershing-Rakete
siehe auch: Pershing-II-Rakete
siehe auch: QRA-Stellung
siehe auch: SACEUR

HEISENBERG Werner

1901 - 1976

Werner Karl Heisenberg wurde am 5. Dezember 1901 in Würzburg als Sohn des Universitätsprofessors und Byzantinisten August Heisenberg geboren. 1920 begann er sein Physikstudium in München und promovierte 1923 bei Arnold Johannes Wilhelm Sommerfeld. Bis 1923 studierte er zudem Physik in Göttingen bei Max Born, bei dem er ein Jahr später Assistent wurde.

Nachdem er zwei Jahre an der Universität in Kopenhagen mit Niels Bohr zusammengearbeitet hatte, begründete Heisenberg 1927 mit Bohr und Pasqual Jordan die Quantenmechanik. Er veröffentlichte seine Theorie »Über den anschaulichen Inhalt der quantentheoretischen Kinematik und Mechanik«. Die »Heisenberg'sche Unbestimmtheitsrelation«, nach der es physikalisch unmöglich ist, Ort und Impuls z.B. eines Elektrons für den gleichen Zeitpunkt mit absoluter Genauigkeit zu bestimmen, wurde zu einer der größten Entdeckungen seit Bestehen der Quantentheorie.

Nach der Veröffentlichung seines Buches »Die physikalischen Prinzipien der Quantentheorie« war Heisenberg bis 1941 Professor an der Universität Leipzig und Leiter des Theoretisch-Physikalischen Institutes in Leipzig. In dieser Zeit ging er auf Vortragsreisen in die USA, nach Japan und nach Indien. 1933 erhielt er nachträglich den Physik-Nobelpreis für seine Arbeiten an der Quantenmechanik.

Die Nationalsozialisten diffamierten ihn aufgrund seiner Anerkennung und Verteidigung der Forschungsergebnisse u.a. von Lise Meitner und Albert Einstein. Er konnte unbehelligt weiter arbeiten, durfte aber den Lehrstuhl nicht mehr besetzen.

1945 bis 1946 wurde Heisenberg mit anderen Atomforschern in England interniert. Seit Kriegsende widmete sich Heisenberg dem Thema der Atomspaltungen im Weltall und der daraus entstehenden kosmischen Strahlung. 1948 wurde er Gastdozent in Cambridge/England. Seine Karriere als Forscher erreichte 1949 seinen Höhepunkt als er Präsident des Deutschen Forschungsrates und der Akademie der Wissenschaften in München wurde. 1952 wird er dann Vizepräsident des »Europäischen Rates für kernphysikalische Forschung«.

Zwei Jahre später widmete sich Heisenberg einem schwierigen Thema: der Suche nach der »Weltformel« - eine Formel, die alle Grundgesetze der Natur erfassen soll. Daneben hielt er weiterhin als Gastdozent Vorträge an Universitäten weltweit, u.a. in England und den USA.

Werner Heisenberg setzte 1957 seine Unterschrift auf die Göttinger »Erklärung der 18 Atomwissenschaftler«, welche auf die Gefahren der Atomwaffen hinweist und sprach sich so gegen die Ausrüstung der Bundeswehr mit Atomwaffen aus. Im gleichen Jahr bekam er den Orden »Pour le Mérite« verliehen.

Ein Jahr später hielt er an der Göttinger Universität einen Vortrag über seine »Einheitliche Theorie der Elementarteilchen«, später besser bekannt als die »Weltformel«. Er wird Professor an der Universität München und Leiter des Max-Planck-Instituts. Das blieb er bis 1970. Im Jahre 1964 wurde er mit dem Großen Bundesverdienstkreuz mit Stern und Schulterband ausgezeichnet. Am 1. Februar 1976 starb Werner Heisenberg in München. (Quelle: www.heisenberg-weltformel.de)

Bearbeitungsstand: September 2008

siehe auch: Göttinger Erklärung

Hemau

ehem. Atomwaffenstandort, Deutschland

Teststart einer Honest John-Rakete, Foto: US-Army

Hemau war von 1. April 1966 bis 29. Juni 2003 Bundeswehrstandort. Zu den dort stationierten Einheiten gehörten auch das Raketenartilleriebataillon 42 und die Begleitbatterie 4.

 

Das Sondermunitionslager Hemau (49°02’09“N, 11°44’52“O)  befand sich ca. 3 km südwestlich von Hemau in Bayern. Dort lagerte die gesamte atomare Munition der 4. PzGrenDiv mit Sitz in Regensburg. Das waren im Einzelnen die Atomwaffen für das Artillerieregiement 4 in Weiden in der Oberpfalz, dem das FeldArtBtl 41 und das RakArtBtl 42 in Hemau unterstanden. Das FeldArtBtl 41 verfügte über eine Batterie atomwaffenfähiger Panzerhaubitzen M110 vom Kaliber 203 mm. Das RakArtBtl 42 verfügte ab 1960 über 3 Batterien und insgesamt 6 Raketenwerfern der Kurzstreckenrakete "Honest John". Später wurden 2 Raketenwerfer "Honest John" je Bataillon außer Dienst gestellt.
Zusätzlich verfügte ein Brigadeartilleriebataillon der Division über eine Batterie mit atomwaffenfähigen Panzerhaubitzen M 109 vom Kaliber 155 mm.

ehem. Atomwaffenstandort Hemau. Bild: Digital GlobeZu unterschiedlichen Zeiten lagerten im Sondermunitionslager Hemau atomare Sprengköpfe für die Waffensysteme Honest John, PzHaubitze M109 (ab 1972 atomar) und M110 (ab 1960 atomar). (LL)

Bearbeitungsstand: November 2009

Weitere Informationen über Atomwaffenstandorte in Deutschland

 

siehe auch: Honest John
siehe auch: Panzerhaubitze M 109
siehe auch: Panzerhaubitze M 110
siehe auch: Sondermunitionslager

Herzogenaurach

ehem. Atomwaffenstandort Deutschland

ehem. Atomwaffenstandort Herzogenaurach. Bild: Digital GlobeDas ehemalige Atomwaffendepot Herzogenaurach lag vermutlich in der inzwischen geschlossenen „HERZO ARTILLERY BASE“ (49°34'53“N, 10°54'34“O) unmittelbar nordöstlich der Stadt in Bayern. Hier war die 2nd US Bn, 377th Field Artillery stationiert, die ab 1974 mit der Kurzstreckenrakete „Lance“ ausgestattet war. Das Lager wurde ausschließlich von der US-Army betrieben und bewacht.

Hier lagerten auch die thermonukleare Sprengköpfe für das Waffensystem Lance. Dabei handelte es sich um den Nukleargefechtskopf W-70, der über eine variable Sprengleistung von 1-100 KT verfügt:

Version Mod.0: 1.000 t
Version Mod.1: 10.000 t
Version Mod.2: 100.000 t
Version Mod.3: 750 t
Version Mod.4: 1.250 t

Insgesamt gab es sechs US-Batallione mit "Lance"-Raketen in Deutschland:

V. Corps: Hanau, Wiesbaden, Gießen.
VII. Corps: Aschaffenburg, Crailsheim und Herzogenaurach. (LL)

Weitere Informationen über Atomwaffenstandorte in Deutschland

Bearbeitungsstand: Februar 2012

siehe auch: Atomwaffenlager
siehe auch: Lance-Rakete

HEU

engl.: Highly Enriched Uranium; dt.: hochangereichertes Uran

Hochangereichertes Uran (HEU) ist ein waffenfähiges Material, das sowohl im zivilen als auch im militärischen Bereich verwendet wird. Viele Forschungsreaktoren sowie Reaktoren zur Herstellung medizinischer Isotope wurden und werden mit waffenfähigem, hochangereicherten Uran (HEU) betrieben. HEU kommt ferner noch in den Reaktoren von atomgetriebenen U-Booten und Schiffen zum Einsatz. Insgesamt wird heute noch in 24 Ländern mit HEU gearbeitet – zum Glück mit abnehmender Tendenz. Dadurch ist eine besonders hohe Gefahr der illegalen Abzweigung zum Atomwaffenbau gegeben.

Seit über 15 Jahren bemüht sich die internationale Gemeinschaft deshalb, hochangereichertes Uran aus dem Forschungsbereich zurückzudrängen. Dank technischer Alternativen besteht heute die Möglichkeit, die zivile Verwendung und damit den Handel mit hochangereichertem Uran vollständig abzuschaffen.

Das spaltbare Isotop Uran-235 kommt im natürlichen Uran nur in einer Konzentration von 0,7% vor. Um es für zivile Zwecke in Leichtwasserreaktoren nutzen zu können, muss es auf 3 bis 4% angereichert werden.

Nach der von der Europäischen Gemeinschaft verwendeten Definition spricht man von hochangereichertem Uran (HEU), wenn es mindestens 20% Uran-235 enthält. Prinzipiell könnte Uran-235 in einer Konzentration ab 20% bereits zur Herstellung einer Nuklearwaffe verwendet werden. Ein solcher Sprengsatz würde allerdings große Mengen Uran erfordern und wäre sehr ineffizient. Daher spricht man erst ab einem Anreicherungsgrad von 85% von waffentauglichem Material. Die am 6. August 1945 auf Hiroshima abgeworfene Bombe »Little Boy« enthielt knapp 60 kg auf 93% angereichertes HEU.

Während weltweit seit Jahrzehnten internationale Anstrengungen zur Umrüstung von Forschungsreaktoren auf niedrig angereicherte, nicht waffentaugliche Brennstoffe laufen, setzte die Bayerische Landesregierung mit der TU München noch vor wenigen Jahren gegen massive Proteste den Bau eines neuen, mit HEU betriebenen Forschungsreaktors durch: der FRM-II in Garching. Jedes Jahr kommen dort 40 Kilogramm HEU zum Einsatz, viele unbestrahlte HEU-Brennelemente werden am Reaktorstandort mitten auf dem Campus gelagert. Selbst die bestrahlten Brennelemente, die ins Atommüll-Zwischenlager Ahaus verfrachtet werden sollen, enthalten noch waffenfähiges HEU.

ExpertInnen befürchten, dass andere Betreiber von Forschungsreaktoren unter Verweis auf den FRM-II die Umrüstung auf niedrig angereichertes Uran verweigern oder, wie die TU München, gar neue mit waffenfähigem Material betriebene Reaktoren bauen. Für die internationalen Bemühungen, HEU aus allen Anwendungen zu verbannen, ist der FRM-II daher ein schwerer Rückschlag.

Laut Schätzung im Januar 2015 des International Panel on Fissile Materials gibt es mehr als 1.300 Tonnen HEU weltweit. Davon sind 93% in Russland und den USA. 32 Staaten haben mittlerweile auf die Verwendung von HEU verzichtet. (Quellen: IPPNW, Wikipedia, IPFM)

Bearbeitungsstand: Dezember 2016

Hibakusha

Als Hibakusha werden in Japan die heute noch lebenden, etwa 340.000 Überlebenden der Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki im August 1945 bezeichnet. Da die Strahlenkrankheit anfangs als ansteckend galt, wurden Hibakusha in der Nachkriegszeit, hauptsächlich aufgrund mangelnden Wissens über die tatsächlichen Spätfolgen radioaktiver Verstrahlung, gesellschaftlich diskriminiert. Selbst zu Beginn des 21. Jahrhunderts gibt es immer noch Hibakusha-Neuregistrierungen, da manche Betroffenen erst jetzt mit ihrer persönlichen Geschichte an die Öffentlichkeit gehen.

Hunderttausende Hibakusha litten an Verletzungen, sie litten auch an ihrer Heimatlosigkeit und waren und sind auf Jahrzehnte hin von schweren Erkrankungen und seelischen Schmerzen gezeichnet. Und die Kinder der Menschen, die der Strahlung ausgesetzt waren, erkranken oft an den Spätfolgen durch genetische Fehlentwicklungen. Auch heute, 60 Jahre danach, gibt es noch Überlebende der atomaren Angriffe, die an den Verletzungen und Folgekrankheiten durch die Bombenexplosion leiden. Und noch heute sterben Atombombenopfer an Krankheiten wie Karzinomen, chronischen Leberschäden, Knochenmarksentzündungen, Blutkrankheiten?

Die Hibakusha haben nicht nur unmittelbar die Schrecken des atomaren Infernos erlebt und erlitten, sondern auch die nachfolgende Ausgrenzung aus dem gesellschaftlichen Leben - aufgrund von Arbeitslosigkeit, Krankheit, Behinderung und ihrem Sonderstatus als Hibakusha. Japanische Hibakusha waren lange Jahre sich selber überlassen. Erst 1956 wurden medizinische Aufwendungen für Atombombenopfer als Ausgabe des japanischen Staates festgeschrieben. Wer bestimmte Kriterien erfüllte, konnte sich als Atombombenopfer anerkennen lassen. Heute bezahlt der japanische Staat bedürftigen Überlebenden je nach Schwere der Erkrankung 150 bis 550 Euro im Monat. Ein Betrag, mit dem sich in Japan die Unterhaltskosten nicht bestreiten lassen. Noch schlechter ging es aber jenen über Jahrzehnte fast völlig in Vergessenheit geratenen und ausgegrenzten koreanischen Zwangsarbeitern, die ebenfalls Opfer der Atombomben wurden. Koreaner machten zum Zeitpunkt des Atombombenabwurfs vermutlich 10 % der Bevölkerung in Hiroshima aus. Diese koreanischen Hibakusha wurden als Opfer zweiter Klasse marginalisiert und stigmatisiert und erst in den 90er Jahren offiziell anerkannt.

Nicht alle Hibakusha haben sich stillschweigend mit ihrer Opferrolle abgefunden. Es ist eine Hibakusha-Bewegung entstanden, ein Zusammenschluss der überlebenden Strahlenopfer. Eine Bewegung der Ausgegrenzten und Geächteten. Eine Reihe Hibakusha haben ihr Leben dem Kampf gegen die Bombe gewidmet: “Nie wieder Opfer von Atombomben” ist das Motto des japanischen Verbandes der Atombombenopfer. Auch in Korea haben sich Hibakusha zu einem Atombombenopferverband zusammengeschlossen. (Quelle: www.lebenshaus-alb.de)

Bearbeitungsstand: Juni 2007


Siehe auch: Hiroshima
Siehe auch: Nagasaki

High-Level Group (HLG)

Im Oktober 1977 wurde die High-Level Group (HLG), ein Gremium hoher Beamter aus zwölf NATO-Staaten, mit dem Auftrag eingerichtet, die nuklearen Aspekte des Long Term Defence Program (Langzeitverteidigungsprogramm) zu prüfen und den langfristigen zukünftigen Modernisierungsbedarf der NATO bei nuklearen Waffen in und für Europa festzustellen. Das Gremium befasste sich mit Fragen, die mit diesen Waffensystemen in Verbindung standen: Rolle dieser Waffen für die Strategie der NATO, Auswirkungen der Stationierung neuer sowjetischer Nuklearwaffen, Notwendigkeit den NATO-Bestand an Mittelstreckenwaffen großer Reichweite zu modernisieren, neue Konzepte für Waffen und Waffensysteme aus diesem Bereich. Die HLG kam zu dem Ergebnis, dass die NATO ihren LRTNF-Bestand (Longer-Range Theatre Nuclear Forces = Nukleare Mittelstreckenwaffen großer Reichweite) nach oben anpassen solle. Es wurde eine Kombination von ballistischen Flugkörpern und Marschflugkörpern vorgeschlagen, die in Europa stationiert sein und von dort die Sowjetunion erreichen sollten. Die Empfehlung der HGL von September 1979 umfasste die Stationierung von 108 Startvorrichtungen für Pershing II in Westdeutschland und von insgesamt 464 bodengestützten Marschflugkörpern (GLCM) in Großbritannien, Westdeutschland, Italien, Belgien und den Niederlanden. Diese Vorschläge wurden im Dezember 1979 mit dem so genannten NATO-Doppelbeschluss von den Bündnismitgliedern angenommen. (Neuman: Kernwaffen in Europa, Bonn 1982, S. 81.)

Bearbeitungsstand: Januar 2006

siehe auch: LRTNF
siehe auch: Marschflugkörper
siehe auch: NATO
siehe auch: NATO-Doppelbeschluss
siehe auch: Pershing-II-Rakete

Hinsbeck

ehem. Atomwaffenstandort, Deutschland

Die belgische Luftwaffe betrieb zwischen 1963 und 1989 im Rahmen der NATO-Luftverteidigung insgesamt 8 Nike Feuerstellungen (Launching Area) auf dem Boden der Bundesrepublik Deutschland. Dabei waren dem 9th Missile Battallion die Stellungen bei Xanten, Kappeln, Hinsbeck und Erle und dem 13th Missile Battallion die Stellungen bei Nideggen, Blankenheim, Euskirchen und Bedburg unterstellt.

Die Nike-Feuerstellung (Launching Area) Hinsbeck (N 51°21'55”, O 6°17'22”) der C-Battery des 9th Missile Battallion lag ca. 19 km westlich der Stadt Krefeld. (LL)

In der Stellung Hinsbeck waren atomare Flugabwehrraketen vom Typ Nike stationiert. An Atomsprengköpfen waren zwei Versionen verfügbar. Die kleinere mit der Bezeichnung B-XS hatte eine Sprengkraft von 2 Kilotonnen (KT). Die größere B-XL besaß ursprünglich 40 KT Sprengkraft. Letztere wurden in den 1970er Jahren gegen Sprengköpfe zu 20 KT ausgetauscht. Maximal waren je Stellung zehn Atomsprengköpfe vorhanden, acht mit der Stärke XS mit 2 KT und zwei XL mit 40/20 KT Sprengkraft. (Jürgen Dreifke)

Die ehemalige Feuerstellung mit ihren Gebäuden und Sicherungseinrichtungen ist heute noch gut erkennbar. (LL)

Bearbeitungsstand: Juni 2011

Weitere Informationen über Atomwaffenstandorte in Deutschland

siehe auch: Nike Hercules
siehe auch: KT (Kilotonne)

Hiroshima

Urakami Tenshudo (Katholische Kirche) Jan.7, 1946. Foto: AIHARA, Hidetsugu

Obwohl Hiroshima ein bekannter Militärstützpunkt der japanischen Armee war, blieb die Stadt bis August 1945 von Bomben verschont. Zur Zeit der Bombardierung wird Hiroshimas Wohnbevölkerung auf 280.000-290.000 Menschen geschätzt, das in der Stadt verbliebene Militärpersonal auf 43.000 Menschen. Dazu kommen schätzungsweise 20.000 koreanische und chinesische Zwangsarbeiter und US-amerikanische Kriegsgefangene. Insgesamt muss also von einer Bevölkerung von 340.000-350.000 Menschen ausgegangen werden. 60 Prozent von ihnen befanden sich 2.000 Meter oder weniger vom so genannten Hypozentrum (»Ground Zero«) entfernt.

Die Atombombe von Hiroshima wurde von den US-Amerikanern »Little Boy« (kleiner Junge) genannt. Sie wurde am 6. August um 8 Uhr 15 Minuten und 17 Sekunden Ortszeit aus 9000 m Flughöhe über der Stadt von dem B-29-Flugzeug »Enola Gay« abgeworfen. Die Bombe explodierte in 580 Metern Höhe. Die Explosionskraft der Atombombe entsprach 13,4 Kilotonnen TNT.

In einem Umkreis von 0,5 Kilometer um den ‚Ground Zero’ waren 90 Prozent der Menschen sofort tot. Die Temperatur am Hypozentrum betrug für etwa eine Sekunde ca. 3.000-4.000 Grad Celsius. (Zum Vergleich: Der Siedepunkt von Eisen beträgt 3.070°C). An dieser Stelle verdampfte alles. Menschen, die sich im Explosionszentrum aufhielten, verbrannten vollständig und hinterließen in einigen Fällen ihre Schatten an stehen gebliebenen Hauswänden, die sie für einen Moment von der Hitzestrahlung abgeschirmt hatten.

Eine ungeheure Druckwelle, die auch im Umkreis von 40 Kilometern wahrgenommen wurde, zerstörte die Stadt. Es folgten Feuerstürme mit Windgeschwindigkeiten von über 250 km/h und Bodentemperaturen von über 1.000 Grad Celsius. Glas und Eisen schmolzen, der Asphalt brannte. Bis zum Ende des ersten Tages starben nach konservativen Schätzungen mindestens 45.000 Menschen. In den nächsten Monaten stieg die Zahl der Todesopfer auf 136.000, und bis heute erkranken und sterben Menschen an Krebs infolge der Verstrahlung. (IPPNW: »Hiroshima, Nagasaki«, Broschüre, Juli 2002)

»Weitere Informationen über den Einsatz von Atomwaffen

Bearbeitungsstand: Oktober 2004

Siehe auch:
»Ballistische Rakete

»Druckwelle
»Enola Gay
»Ersteinsatz
»Ground Zero
»Hitzewelle
»Hypozentrum
»Little Boy
»KT (Kilotonne)
»TNT (Trinitrotoluol)

Hiroshima-Nagasaki-Bündnis

engl.: Program to Promote the Solidarity of Cities toward the Total Abolition of Nuclear Weapons

Die Nichtregierungsorganisation »Mayors for Peace« (Bürgermeister für den Frieden) wurde 1982 von Takeshi Araki, Oberbürgermeister von Hiroshima, ins Leben gerufen. »Die vornehmste Aufgabe eines Bürgermeisters ist, das Leben und Eigentum der Bürger zu schützen«, so Araki in dem Wissen, dass es unmöglich für eine Stadt und ihre Bewohner ist, bei einem Atomwaffen-Angriff irgendwelche Schutzmaßnahmen zu ergreifen.

Aus diesem Grund initiierte er das Netzwerk »Mayors for Peace«, um sich für die weltweite Abschaffung aller Atomwaffen einzusetzen. Am 6. und 9. August 1945 wurde der Welt vor Augen geführt, welche Folgen ein Atombombeneinsatz hat: Die Städte Hiroshima und Nagasaki wurden zerstört und mit ihnen über 300 000 Menschen getötet oder verletzt. Trotzdem wurden und werden weltweit Atomwaffen in großer Zahl produziert.

Am 24. Juni, 1982 schlug den damaligen Hiroshima-Oberbürgermeister, Takeshi Araki, der 2. UN-Sondersitzung für Abrüstung, ein Partnerschaftsprogramm der Städte Hiroshima und Nagasaki zur Ächtung aller Atomwaffen in Ost und West vor. Dieser Vorschlag bot Städten eine Möglichkeit an, nationale Grenzen zu überwinden, um für die Abschaffung aller Atomwaffen zusammen zu arbeiten. Danach rief die Bürgermeister von Hiroshima und Nagasaki alle Bürgermeister der Welt auf, das Programm zu unterstützen. Diese Unterstützung war die Grundlage für Mayors for Peace.

Die zentralen Forderungen der »Mayors for Peace« sind deshalb:

  • die verbindliche Einhaltung des Atomwaffensperrvertrags
  • die Fortsetzung von Verhandlungen zur atomaren Abrüstung und deren Kontrolle
  • das Verbot anderer Massenvernichtungswaffen und nuklearer Materialien

2020 Vision
Weltweit sind mehr als 2.700 Bürgermeister aus 134 Ländern dem Netzwerk beigetreten und sprechen sich für ein friedliches und sicheres Zusammenleben aus. Im Oktober 2003 hat das Netzwerk die Kampagne "2020 Vision" (zu Deutsch: Atomwaffenfrei bis 2020) gestartet. Mayors for Peace rief ihre Mitgliedsstädte auf, die Kampagne zu unterstützen, um sich so in die Verhandlungen über Atomwaffen einzumischen. Sie wurden dabei von Friedensgruppen auf der ganzen Welt sowohl auf lokaler als auch internationaler Ebene unterstützt. Ziel war eine verbindliche Vereinbarung eines Zeitplans für die Abschaffung aller Atomwaffen in 2005, mit dem Abschluss einer Atomwaffenkonvention auf der Konferenz in 2010, um eine atomwaffenfreie Welt bis 2020 zu erreichen.

Um diese Vision überzeugend zu machen, hat Mayors for Peace einen Plan entwickelt. Mit dem Atomwaffensperrvertrag als Grundlage, ein Zusatzprotokoll soll zur Verwirklichung der 2020-Vision beitragen. Sie nennen dieses Protokoll "Hiroshima-Nagasaki-Protokoll". Es fordert die Regierungen dazu auf, sich ein für allemal auf die Eliminierung der nuklearen Bedrohung zu konzentrieren.

Am 18. Oktober 2007 erhielten die Bürgermeister für den Frieden die Auszeichnung "Nuclear Free Future Award" in der Kategorie "Lösungen". (Quelle: mayorsforpeace.de)

Bearbeitungsstand: Februar 2009

Siehe auch: Atomwaffensperrvertrag
Siehe auch: Bürgermeister für den Frieden
Siehe auch: Hiroshima

Hitzewelle

engl.: heat wave

Die erste Wirkung einer Atomexplosion ist ein intensiver Lichtblitz. Dabei steigen die Temperaturen ins Unermessliche. In einem bestimmten Umkreis verdampft alles.

Die Wärmeenergiemenge, die in einer bestimmten Entfernung von der Explosion wahrgenommen wird, hängt von der Sprengkraft der Waffe und den Witterungsbedingungen ab.

Die Hitzestrahlung kann trockene, entflammbare Materialien, z.B. Papier und einige Gewebe, spontan entzünden. Bei der Explosion einer 1-Megatonnen-Bombe verbrennt beispielsweise Papier noch in einem Umkreis von 14 Kilometern.

Die direkte Hitze entfacht nicht nur Brände an Gebäuden und in Wäldern, sondern sie verursacht auch schwerste Verbrennungen am Menschen, in Hiroshima und Nagasaki vielfach dokumentiert:

Die Hitzestrahlung rief einerseits direkte Verbrennungen am Körper hervor und führte andererseits zur Entzündung brennbarer Materialien, die dann indirekt für Verbrennungen verantwortlich waren. Direkte Verbrennungen wurden durch die extrem heiße Infrarotstrahlung aus dem Feuerball der Explosion erzeugt. Die Menschen, die sich direkt im Explosionszentrum aufhielten, verbrannten vollständig und hinterließen auf einzelnen Stellen ‚Schatten’ (weil dort die Hausmauer für kurze Zeit von der Hitzestrahlung ausgespart blieb).

Menschen, die sich in einer Entfernung von bis zu einem Kilometer vom Zentrum im Freien aufgehalten hatten, litten unter schweren Verbrennungen dritten Grades mit Verkohlung der Haut.

Wahrscheinlich trugen alle ungeschützten Personen in einer Entfernung von bis zu vier Kilometer vom Explosionszentrum Verbrennungen unterschiedlicher Schweregrade davon.
Indirekt erlitten Menschen, die sich in Gebäuden in der Nähe der Explosion befanden, Verbrennungen durch heiße Gase, heißen Staub oder brennende Hausbalken, sie waren aber den direkten Wirkungen der Hitzestrahlung nicht ausgesetzt. (Quelle: "Atom", Lehrerdokumentation, Arbeitsgruppe Kinder und atomare Bedrohung, PSR Schweiz)

Weitere Informationen zu den Auswirkungen der Atombombe
Weitere Informationen zu den Einsätzen auf Hiroshima und Nagasaki

Bearbeitungsstand: September 2005

siehe auch: Lichtblitz
siehe auch: MT (Megatonne)
siehe auch: Sprengkraft

Hochangereichertes Uran (HEU)

engl.: highly enriched uranium

Hochangereichertes Uran (HEU) ist ein waffenfähiges Material, das sowohl im zivilen als auch im militärischen Bereich verwendet wird. Viele Forschungsreaktoren sowie Reaktoren zur Herstellung medizinischer Isotope wurden und werden mit waffenfähigem, hochangereicherten Uran (HEU) betrieben. HEU kommt ferner noch in den Reaktoren von atomgetriebenen U-Booten und Schiffen zum Einsatz. Insgesamt wird heute noch in 24 Ländern mit HEU gearbeitet – zum Glück mit abnehmender Tendenz. Dadurch ist eine besonders hohe Gefahr der illegalen Abzweigung zum Atomwaffenbau gegeben.

Seit über 15 Jahren bemüht sich die internationale Gemeinschaft deshalb, hochangereichertes Uran aus dem Forschungsbereich zurückzudrängen. Dank technischer Alternativen besteht heute die Möglichkeit, die zivile Verwendung und damit den Handel mit hochangereichertem Uran vollständig abzuschaffen.

Das spaltbare Isotop Uran-235 kommt im natürlichen Uran nur in einer Konzentration von 0,7% vor. Um es für zivile Zwecke in Leichtwasserreaktoren nutzen zu können, muss es auf 3 bis 4% angereichert werden.

Nach der von der Europäischen Gemeinschaft verwendeten Definition spricht man von hochangereichertem Uran (HEU), wenn es mindestens 20% Uran-235 enthält. Prinzipiell könnte Uran-235 in einer Konzentration ab 20% bereits zur Herstellung einer Nuklearwaffe verwendet werden. Ein solcher Sprengsatz würde allerdings große Mengen Uran erfordern und wäre sehr ineffizient. Daher spricht man erst ab einem Anreicherungsgrad von 85% von waffentauglichem Material. Die am 6. August 1945 auf Hiroshima abgeworfene Bombe »Little Boy« enthielt knapp 60 kg auf 93% angereichertes HEU.

Während weltweit seit Jahrzehnten internationale Anstrengungen zur Umrüstung von Forschungsreaktoren auf niedrig angereicherte, nicht waffentaugliche Brennstoffe laufen, setzte die Bayerische Landesregierung mit der TU München noch vor wenigen Jahren gegen massive Proteste den Bau eines neuen, mit HEU betriebenen Forschungsreaktors durch: der FRM-II in Garching. Jedes Jahr kommen dort 40 Kilogramm HEU zum Einsatz, viele unbestrahlte HEU-Brennelemente werden am Reaktorstandort mitten auf dem Campus gelagert. Selbst die bestrahlten Brennelemente, die ins Atommüll-Zwischenlager Ahaus verfrachtet werden sollen, enthalten noch waffenfähiges HEU.

ExpertInnen befürchten, dass andere Betreiber von Forschungsreaktoren unter Verweis auf den FRM-II die Umrüstung auf niedrig angereichertes Uran verweigern oder, wie die TU München, gar neue mit waffenfähigem Material betriebene Reaktoren bauen. Für die internationalen Bemühungen, HEU aus allen Anwendungen zu verbannen, ist der FRM-II daher ein schwerer Rückschlag.

Laut Schätzung im Januar 2015 des International Panel on Fissile Materials gibt es mehr als 1.300 Tonnen HEU weltweit. Davon sind 93% in Russland und den USA. 32 Staaten haben mittlerweile auf die Verwendung von HEU verzichtet. (Quellen: IPPNW, Wikipedia, IPFM)

Bearbeitungsstand: Dezember 2016

Höhendetonation

engl.: high air burst

Der Einsatz von Atombomben in mehr als 30 Kilometer Höhe (Stratosphäre) oder im erdnahen Weltraum soll der Abwehr von gegnerischen Interkontinentalraketen dienen. Zumindest die USA und Russland planen mit diesem Verfahren sowohl angreifende Interkontinentalraketen als auch gegnerische Militärsatelliten zu zerstören. Es reicht aus, wenn die Atombombe in der Nähe der gegnerischen Objekte gezündet wird. Dabei spielt nicht, wie bei anderen Detonationsarten, die Druckwelle die entscheidende Rolle sondern der elektromagnetische Impuls (EMP). Dieser zerstört vor allem elektronische Geräte wie Computer, Funkgeräte oder Fernseher. Bereits schwache EMPs beeinträchtigen den Funkverkehr. Neben der direkten Bekämpfung von Raketen und Militärsatelliten sind daher die Ausschaltung gegnerischer elektronischer Systeme sowie die Störung der Kommunikation weitere bevorzugte Einsatzziele. (LL)

Bearbeitungsstand: Oktober 2006

siehe auch: Atombombe
siehe auch: EMP
siehe auch: Interkontinentalrakete

Hohenkirchen-Mederns

ehem. Atomwaffenstandort, Deutschland

Startbereich bei Hohenkirchen, Foto: GeocontentDie Nike-Feuerstellung (Launching Area) Hohenkirchen-Mederns (53°42’06“N, 07°53’09“O) der 1. Batterie des FlaRakBtl 26 lag ca. 10 km südlich der Nordseeinsel Wangerooge in Niedersachsen. Damit war sie zugleich die nördlichste Stellung des atomaren Flugabwehrgürtels der sich von der Nordsee bis an den Bodensee quer durch Deutschland zog.

Die dort stationierte FlaRakBatterie bestand aus drei getrennten Bereichen: der Unterkunft, dem Feuerleitbereich in günstiger topografischer Lage mit bis zu 5 Radargeräten für Überwachung, Zielerfassung, Zielverfolgung und Flugkörperverfolgung und dem Abschussbereich mit jeweils 3 Abschussflächen und dazugehörigen Bunkern. In diesem Bereich befanden sich auch die Atomsprengköpfe. Während die Raketen in Montagebunkern oder auf durch Erdwälle geschützten  Abschussschienen bereit gehalten wurden, lagen die Radaranlagen in exponierter Stellung und konnten nur mit Sandsäcken oder Konturen verwischender Tarnung ungenügend geschützt werden. Zum Eigenschutz vor allem gegen angreifende Tiefflieger, wurden die Stellungen später zusätzlich mit 20mm Zwillingsgeschützen ausgestattet.

In der Stellung Mederns waren von September 1964 bis 1989 atomare Flugabwehrraketen vom Typ Nike stationiert. An Atomsprengköpfen waren zwei Versionen verfügbar. Die kleinere mit der Bezeichnung B-XS hatte eine Sprengkraft von 2 Kilotonnen. Die größere B-XL besaß ursprünglich 40 kT Sprengkraft. Letztere wurden in den 1970er Jahren gegen Sprengköpfe zu 20 kT ausgetauscht.

Maximal waren je Stellung zehn Nuklear-Sprengköpfe vorhanden, acht mit der Stärke XS mit 2 Kilotonnen und zwei XL mit 40/20 Kilotonnen Sprengkraft. (Quelle: Jürgen Dreifke)

Ein Zeitzeuge erinnert sich: „Die vier Batterien des FlaRakBtls 26 [mit den Feuerstellungen Holzkirchen-Mederns, Rodenkirchen, Wiesmoor, Dornum] befanden sich in unterschiedlichen Bereitschaftsstufen mit einer Reaktionszeit von maximal 30 Minuten, maximal 3 Stunden, maximal 12 Stunden und mehr als 12 Stunden. Innerhalb einer Batterie hatten mindestens zwei Abschussplätze den selben Bereitschaftsgrad. Konnte eine der Batterien aus technischen Gründen den Bereitschaftsgrad nicht einhalten, dann rückten die anderen Batterien eine Einsatzstufe nach oben. Abhängig vom Bereitschaftsgrad war die Stellung im Schichtbetrieb ständig besetzt und einsatzbereit. Dazu gab es in der Batterie drei Kampfbesatzungen für den Feuerleit- und Abschussbereich, die sich in einem System von 48-Std-Schichten während der Woche und 72-Std-Schichten am Wochenende abwechselten.

Für den Einsatz der Gefechtsköpfe gab es genau festgelegte Prioritäten. Beim Anflug eines einzelnen feindlichen Zielobjektes wurde ein kleiner atomarer Gefechtskopf (B-XS) eingesetzt. Beim Anflug mehrerer feindlicher Zielobjekte wurde ein großer atomarer Gefechtskopf (B-XL) eingesetzt. Die ebenfalls vorhandenen konventionellen Gefechtsköpfe dienten lediglich als Munitionsreserve.

Soweit mir bekannt, befanden sich in allen Nike-Stellungen der Bundesluftwaffe atomare Gefechtsköpfe.“ (Quelle: Michael Juhls)

Bearbeitungsstand: Januar 2010

 

Weitere Informationen über Atomwaffenstandorte in Deutschland

siehe auch: Gefechtskopf
siehe auch: KT (Kilotonne)
siehe auch: Nike Herkules

Hohenstein

ehem. Atomwaffenstandort, Deutschland

Die ehemaligen Atombunker in Hohenstein, Foto: eberhard-finckh-kaserne.de

Das Sondermunitionslager Hohenstein befand sich ca. 16 km südlich der Stadt Reutlingen in Baden Württemberg (48°21’11“N, 09°16’52“O). In diesem Lager waren ausschließlich die atomaren Sprengköpfe für das in  Großengstingen stationierte Raketenartilleriebataillon 250 gelagert. Dabei handelte es sich zunächst ab 1965 um Sprengköpfe für die Kurzstreckenrakete »Sergeant« und ab 1977 um Sprengköpfe für die Kurzstreckenrakete »Lance«.

Die Sergeant-Rakete war mit dem Nukleargefechtskopf W52 ausgerüstet, der über eine Sprengkraft von 200 KT verfügte.

Die Lance-Rakete war mit dem Nukleargefechtskopf W70 ausgerüstet, der über eine variable Sprengkraft von 1-100 KT verfügte.

Das Lager wurde vermutlich im Jahr 1991 geräumt.

Rückblick: Mitte der 1960er Jahre fällt im Bonner Verteidigungsministerium die Entscheidung. Das neue Sondermunitionslager mit dem Namen »Golf« entsteht nicht weit von der Engstinger Eberhard-Finckh-Kaserne im Haider Gemeindewald. Die knapp 15 Hektar Fläche befinden auch den Gemarkungen von Trochtelfingen und Meidelstetten auf der Schwäbischen Alb in Baden-Württemberg.

Am 20. November 1967 kauft die Bundesvermögensstelle Tübingen das Waldstück den beiden Kommunen für insgesamt 240.000 D-Mark ab. In den Verträgen steht unter anderem geschrieben, dass das Gelände »für militärische Zwecke der Verteidigung« genutzt werde. Kurz danach beginnt der Bau der so genannten Munitionsniederlage.

Neben dem Wachgebäude gibt es zwei Wachtürme. Links neben dem Eingang die Heizzentrale, dahinter das »Maintenance & Assembly«-Gebäude, in dem kleinere Reparaturen an den Sprengköpfen vorgesehen sind. Ein paar Meter weiter sind zwei in den Hang gebaute Bunker. Das ganze Areal umgibt eine dreifache Umzäunung, Panzersperren und betonierte Unterständen.

Das Lager ist so konstruiert, dass in den »inneren Sperrbereich« nur die amerikanischen Soldaten des 84th US Army Fieldartillery Detachments kommen konnten. Den »äußeren Sperrbereich« bewacht die so genannte »Host Nation«, die Soldaten der in der Eberhard-Finckh-Kaserne stationierten fünften Batterie des Raketenartilleriebataillons 250.

Als in den 1970er Jahren die Gefahr von terroristischen Anschlägen größer wird, bestehen die Militärs auf noch bessere Sicherheitsmaßnahmen. An den dicken Bunker-Toren aus Stahl werden mit Zement verstärkte Gitter angebracht, die panzerdurchdringende Munition frühzeitig zur Explosion bringen. Im Inneren der Bunker lagern etwa 30 Sprengköpfe in ihren Containern, ist hinter vorgehaltener Hand in Großengstingen zu hören. Ende der 1980er Jahre gleicht das Lager einer uneinnehmbaren Festung. Eine Folge der stärker werdenden Friedensbewegung und der Tatsache, dass der sowjetische Geheimdienst immer wieder Versuche unternimmt, das Lager auszuspionieren. Zwischen Ende der 1960er Jahre und Anfang der 1990er Jahre gehörte der Inhalt des Sondermunitionslagers Golf zu den best gehüteten Geheimnissen in Deutschland.

Im Herbst 1991 kommt es zu zahlreichen Aktivitäten im Lager »J«. Immer wieder starten und landen dort große Transporthubschrauber der US- Armee. Die US-Soldaten transportieren auf dem Luftweg die atomaren Sprengköpfe ab.
Während des Auflösungsappells des Raketenartilleriebataillons 250 am 22. März 1993 bestätigt zum ersten Mal ein hochrangiger deutscher Offizier, der Kommandeur des Artilleriekommandos 2, Oberst Ullrich Schröter, dass im Lager Golf „bis Ende 1991 nukleare Sprengköpfe gelagert waren“.

Nach der Schließung der Eberhard-Finckh- Kaserne übernimmt Ende 1993 die Bundesvermögensverwaltung das ehemalige Atomwaffenlager auf der Schwäbischen Alb. Drei Jahre später machen Hohenstein und die Stadt Trochtelfingen Gebrauch von ihrem Rückkaufsrecht. (Quelle: Webseite der Eberhard-Finckh-Kaserne)

Bearbeitungsstand: Oktober 2009

Weitere Informationen über Atomwaffenstandorte in Deutschland

siehe auch: KT (Kilotonne)
siehe auch: Lance-Rakete
siehe auch: Sergeant-Rakete
siehe auch: Sondermunitionslager

Honest-John-Rakete

engl.: Honest John missile

US-Soldaten mit Honest John-Rakete, Foto: US-Army

Die US-amerikanische »Honest John«-Rakete war eine Boden-Boden-Rakete (surface to surface missile). Sie stammte bereits aus dem Jahr 1953 und war mit ca. 320 Exemplaren in Europa stationiert. Ihre Reichweite lag bei maximal 50 km, die Sprengkraft betrug zwischen 1 bis 100 KT. Die Dislozierungsschwerpunkte lagen in den so genannten »Frontstaaten« Bundesrepublik Deutschland und Türkei. In Deutschland wurde die Honest John in insgesamt 11 Bataillonen in den Artillerieregimentern der Heeresdivisionen stationiert. (Dieter S. Lutz: Weltkrieg wider Willen?, Hamburg 1981, S. 140.)

Bearbeitungsstand: Februar 2009

siehe auch: KT (Kilotonne)
siehe auch: Sprengkraft

Honeywell International

Waffenproduzent, USA

Honeywell International tritt als vielfältiges Technologie- und Produktionsunternehmen mit Sitz in den USA in Erscheinung. Die Geschäftsbereiche umfassen Raumfahrt, Automatisierungstechnik und Steuerungslösungen, Transportsysteme und Spezialmaterialien.

Honeywell Federal Manufacturing & Technologies verwaltet und betreibt das „Kansas City Plant“ (Kansas-City-Werk), eine Einrichtung der Nationalen Behörde für atomare Sicherheit (National Nuclear Security Administration), wo laut der Organisation Nuclear Watch ungefähr 85 Prozent der nicht-nuklearen Komponenten für die amerikanischen Kernwaffen produziert werden.

Honeywell Technology Solutions Inc. (HTSI) hat einen Vertrag mit der Defense Threat Reduction Agency der US-Regierung. Als Messtechnikanbieter ist HTSI verantwortlich für die Instandhaltung eines ganzen Instrumenteninventars zur Überwachung und Aufzeichnung von Daten, die in simulierten Nuklearwaffentests und Tests mit konventionellen Waffen auf dem White-Sands-Raketentestgelände in New Mexico gewonnen werden.

Gemeinsam mit General Dynamics und Raytheon ist Honeywell an einem Projekt zur Verlängerung der Lebensdauer der nuklearen Trident-II-D5-Raketen der US-Marine beteiligt. Im Dezember 2009 wurde dieser Vertrag verlängert. Honeywell ist der wichtigste Subunternehmer und wird in seinem Werk in Plymouth, Großbritannien, Komponenten für integrierte Schaltkreise produzieren. (Quelle: van Gelder, Jan Willem/Spaargaren, Petra/Wright, Tim: Divestment Report. ICAN 2012)

Bearbeitungsstand: April 2012

Weitere Informationen zu Atomwaffenherstellern

siehe auch: Atomwaffenkomplex der USA
siehe auch: Kansas City Plant (KCP)
siehe auch: National Nuclear Security Agency (NNSA)

 

Hontheim

ehem. Atomwaffenstandort, Deutschland

Im Rahmen der großräumigen Luftverteidigung Europas während der Zeit des Kalten Krieges waren auch die US-Streitkräfte an dem quer durch Deutschland verlaufenden Nike-Herkules Flugabwehrgürtel mit insgesamt sechs in Bayern, Baden-Württemberg, Hessen und Rheinland-Pfalz, stationierten Bataillonen beteiligt. Das 4thMissile Battailon, 6thUS-Arty-Group verfügte über atomare Feuerstellungen in den Standorten Hontheim, Welschbillig, Brimingen und Balesfeld.
Die Nike-Feuerstellung (Launching Area) Hontheim (50°04'01“N, 6°58'24“O) lag ca. 11 km nordöstlich der Kreisstadt Wittlich in Rheinland Pfalz. Die dort stationierte A-Battery, bestand aus drei getrennten Bereichen: der Unterkunft, dem Feuerleitbereich in günstiger topografischer Lage mit bis zu 5 Radargeräten für Überwachung, Zielerfassung, Zielverfolgung und Flugkörperverfolgung und dem Abschussbereich mit jeweils 3 Abschussflächen und dazugehörigen Bunkern. In diesem Bereich befanden sich auch die Atomsprengköpfe.
In der Stellung Hontheim waren bis 1970 atomare Flugabwehrraketen vom Typ Nike stationiert. An Atomsprengköpfen waren zwei Versionen verfügbar. Die kleinere mit der Bezeichnung B-XS hatte eine Sprengkraft von 2 Kilotonnen. Die größere B-XL besaß ursprünglich 40 kT Sprengkraft. Letztere wurden in den 1970er Jahren gegen Sprengköpfe zu 20 kT ausgetauscht. Maximal waren je Stellung zehn Nuklear-Sprengköpfe vorhanden, acht mit der Stärke XS mit 2 Kilotonnen und zwei XL mit 40/20 Kilotonnen Sprengkraft. Für den Einsatz der Gefechtsköpfe gab es genau festgelegte Prioritäten. Beim Anflug eines einzelnen feindlichen Zielobjektes wurde ein kleiner atomarer Gefechtskopf (B-XS) eingesetzt. Beim Anflug mehrerer feindlicher Zielobjekte wurde soweit verfügbar ein großer atomarer Gefechtskopf (B-XL) eingesetzt. Die ebenfalls vorhandenen konventionellen Gefechtsköpfe dienten lediglich als Munitionsreserve. (LL)

(Quellen: Jürgen Dreifke, Michael Juhls)

Bearbeitungsstand: August 2010

Weitere Informationen über Atomwaffenstandorte in Deutschland

siehe auch: KT-Wert
siehe auch: Nike Hercules

Hopsten

ehem. Atomwaffenlager Deutschland

ehem. Atomwaffenstandort Hopsten. Bild: Digital Globe

Die ehemalige atomare QRA-Stellung (Quick Reaction Alert) Hopsten (52°19'32“N, 07°32'09“O) lag am südlichen Rand des gleichnamigen Fliegerhorstes ca. 8 km südwestlich der Stadt Rheine in Nordrhein-Westfalen. Hier war ab 1961 das Jagdbombergeschwader 36 stationiert.1967 erfolgte die die Umrüstung auf den Starfighter mit insgesamt 52 Maschinen und gleichzeitiger NATO Unterstellung. Zur Anpassung an die neue NATO-Doktrin waren umfangreiche Erweiterungen auf dem Fliegerhorst notwendig. So wurden 100 US-amerikanische Soldaten auf dem Fliegerhorst stationiert, zur Überwachung der in Hopsten eingelagerten US-Atombomben.

Das SAS wurde im 3km entfernten Uthuisen ( 52°18'24“N, 7°30'59“O) eingerichtet, auf dem Fliegerhorst selbst eine den Jagdgeschwadern ähnliche QRA (Quick Reaction Alert = erhöhte Alarmbereitschaft, Alarmrotte) installiert. Dieses Areal war mit zwei Zäunen innerhalb des Fliegerhorstes nochmals geschützt, der Zutritt wurde streng kontrolliert. Auf dem Boden um die Abstellflächen der Flugzeuge gab es so auch farbliche Markierungen welche die Zugangserlaubnis der Flugzeugwarte definierte - nur ausgesuchtes Personal durfte bis direkt an die "Sonderwaffe" heran. Die Bewachung übernahm die rund 300 Mann starke Sicherungsstaffel -S-, die Montage an das Flugzeug die Waffenwarte des Geschwaders. Die US-Soldaten überwachten das ganze und konnten exklusiv die Waffe mit entsprechenden Zündern scharf machen. Eingesetzt worden wären die Atombomben durch die 1. Staffel, anhand der Reichweite des Starfighters kann man sich leicht errechnen dass das Zielgebiet über dem Gelände der DDR oder Polen lag - es waren aber Himmelfahrtskommandos ohne Widerkehr bis kurz vor Moskau denkbar. Glücklicherweise gab es aber nie einen Start eines dt. Starfighters mit einer Atombombe und schon gar keinen Einsatz (geübt wurde mit Attrappen), und 1972 war der Spuk auch schon wieder vorbei. (Internetquelle nicht mehr verfügbar)

Der Starfighter F-104G war anfangs mit einer Mk.28 Atombombe ausgerüstet. Es handelte sich dabei um die erste amerikanische Waffe dieser Art. Nach einem Baukastenprinzip konnte diese Waffe in 5 verschiedenen Abwurfvarianten zusammengesetzt werden, um verschiedenen Trägersystemen gerecht zu werden. Bei der Version für die F-104G handelte es sich um die Version Mk.28 FUFO, die den gebremsten Abwurf von schnellen Jet's im Tiefflug erlaubte und weiter über eine Sprengkraft von 1100 Kilotonnen (KT) verfügte. Die Abwurfhöhe lag zwischen 91 und 183 Metern.

Diese Version wurde ab 1968 von der Mk.43 Atombombe des Tactical Air Command abgelöst. Die Waffe verfügte über ein Gewicht von knapp 1000 kg und einer unveränderlichen Sprengwirkung von 1 Megatonne (MT). Sie war als Außenlast speziell für den Abwurf von schnell und tieffliegenden Jagdbombern entwickelt worden.

Die Ausbildung in den einzelnen Abwurfverfahren erfolgte mit der Übungsbombe MK-106, die von den Abwurfbehältern / Übungsbombenträgern getragen wurden. Diese amerikanische Übungsbombe wurde etwa ab 1975 von der DM18 aus deutscher Produktion abgelöst. Erst wenn der Pilot sich in allen Verfahren qualifiziert hatte, erhielt er die Möglichkeit die Profilübungsbombe BDU-8/B/BDU-12B (Bomb Dummy Unit) bei einem Übungseinsatz auf dem NATO-Schießplatz Decimomannu (Deci) abzuwerfen.

Ständige Weiterentwicklungen und Erprobungen fügte als Ergänzung ab 1968 die Mk.57 Atombombe mit einer vergleichsweise minimalen Sprengkraft von 5-20 KT dem A-Waffenarsenal der deutschen "F-104" hinzu.

Ab dem Jahr 1975 wurde die Version Mk.43 von der Mk/B 61 Abwurfwaffe abgelöst. Dies war eine optimierte und fortschrittlichere Bombe für den Abwurf von schnell und unter 90 Metern fliegenden Kampfflugzeugen, zu denen die F-104G gehörte, und als Mehrzweckwaffe für taktische und strategische Einsätze gedacht.

Der Einsatz der mit A-Waffen beladenen Starfighter war nur möglich, wenn die Bomben zuvor vom amerikanischen Personal geschärft worden waren. Das geschah erst unmittelbar vor dem befohlenen Einsatz. War der Kode an der Bombe von den Amerikanern nicht korrekt eingestellt, konnte diese nicht zum Einsatz gebracht werden. (Rolf Ferch: www.rolfferch.de/F104G/html/strikebeladeschema.html)

Ab 1968 wurde bei den Jagdbombergeschwadern die Wasserstoffbombe vom Typ B-61 für den Einsatz bereitgehalten. Dabei handelte es sich um eine frei fallende Fliegerbombe, von der fünf verschiedenen Modelle existierten (B-61-3, -4, -7, -10 und -11). Die B-61-11 ist auch als nuklearer "Bunker Buster" bekannt. Alle Modelle besaßen eine variable Sprengkraft: Modell 3 bis zu 45 Kilotonnen, Modell 4 bis zu 170 Kilotonnen, bis hin zu maximal 340 Kilotonnen, was mehr als der 26-fachen Zerstörungskraft der Hiroshima-Bombe entspricht. (LL)

Bearbeitungsstand: Januar 2013

Weitere Informationen über Atomwaffenstandorte in Deutschland

siehe auch: B-61-Bombe

siehe auch: KT-Wert

siehe auch: Starfigther

Hünfeld

ehem. Atomwaffenstandort Deutschland

 

Das ehemalige Atomwaffenlager Hünfeld (50°40'25“N, 09°47'22“O) lag ca. 15 km nordöstlich der Stadt Fulda in Hessen. Das Lager wurde von der US-Army betrieben und verfügte über vier oberirdische Bunker. Es gibt derzeit keine konkreten Angaben über die dort eingelagerte atomare Munition.

Das SAS Hünfeld diente zeitweise als „grenznahes“ Lager für die in Deutschland stationierten US-amerikanischen ADM (Atomminen). (siehe Detlef Bald: Politik und Verantwortung, S. 121). Wieviele „grenznahe“ ADM Lager insgesamt eingerichtet wurden, ist nicht bekannt. (LL)

S-Texte

Bearbeitungsstand: August 2012

Weitere Informationen über Atomwaffenstandorte in Deutschland

siehe auch: ADM
siehe auch: Special Ammunition Site (SAS)

Hunsrücker Erklärung

Am 11. Oktober 1986 fand auf dem Beller Marktplatz die größte Demonstration im Hunsrück statt. Rund 200.000 Menschen, davon etwa 10.000 aus dem Hunsrück, protestierten gegen die Stationierung der Raketen. Zum Abschluss der Kundgebung wurde die »Hunsrücker Erklärung« verlesen, die sich für eine Umkehr in der Sicherheitspolitik aussprach.

Hunsrücker Erklärung im Wortlaut:

»Frieden braucht Bewegung

Wir sind heute an der Raketenbasis Hasselbach, weil wir gelernt haben: Ohne Friedensbewegung, ohne das eigene politische Handeln der Bürgerinnen und Bürger gibt es keinen Ausstieg aus dem Rüstungswahnsinn.

Hasselbach symbolisiert eine Politik der ungebrochenen Aufrüstung mit Massenvernichtungswaffen, betrieben von Politikern, die Frieden mit immer weniger Waffen versprechen und in Wirklichkeit wachsende Kriegsgefahr mit immer mehr Waffen schaffen.

Die Betreiber der Aufrüstung und Verharmloser der tödlichen Gefahren für unser Volk und die Menschheit behaupten, dass unsere Demonstration angesichts des Treffens von Reykjavik unnötig ist. Das ist falsch! Immer wieder sind Verhandlungen missbraucht worden, um die Menschen durch Illusionen einzulullen und von ihrem eigenen Handeln abzubringen. Für uns sind Verhandeln und Weiterrüsten unvereinbare Gegensätze.

Die US-Regierung steht unter großem internationalen und innenpolitischen Druck. Aber sie will keinen Stopp der Atomwaffentests, sondern Zeit gewinnen, bis zum Auslaufen des vielfach verlängerten einseitigen Atomwaffentest-Stopps der Sowjetunion am 1. Januar 1987. Die US-Regierung will ihre Sternkriegswaffen weiter erproben, die frühestens im Jahr 1994 stationiert werden können. Das vermeintliche Zugeständnis, fünf bis sieben Jahre auf eine Stationierung zu verzichten, ist daher nicht mehr als ein Täuschungsmanöver.

Um den wachsenden Druck zu beschwichtigen, erklärt sich US-Präsident Reagan vor der UNO zu einem Zwischenabkommen über Mittelstreckenwaffen bereit. Aber auch darin ist keine Abrüstungsbereitschaft zu sehen, wo doch gerade hier in Hunsrück die Cruise Missiles-Stationierung von US- und Bundesregierung beschleunigt durchgeführt wird, um bis zur Bundestagswahl Fakten zu schaffen. Die vorgeschlagenen Festschreibungen von je 100 Sprengköpfen auf Mittelstreckenraketen beseitigt nicht die atomare Bedrohung für Europa. Angesichts dieser Positionen, die von der Bundesregierung unterstützt werden, bietet das Treffen in Reykiavik keine begründete Hoffnung auf einen Durchbruch in Richtung Abrüstung.

Wir lassen uns nicht täuschen oder durch »Gipfelrhetorik« beruhigen. Wir wollen das sofortige Ende aller Atomwaffenversuche. Wir werden keine Ruhe geben, bis sämtliche Atomwaffen aus Europa verschwunden sind. Es gibt keine Sicherheit mit immer neuen Waffen. Dies zu leugnen, ist ein tödlicher Irrtum. Atomraketen, modernste Kriegstechnik und die Anwendung des Faustrechts gegenüber den Völkern der «Dritten Welt« rücken die Menschheit näher an den Abgrund. »Weiter so, Deutschland«, sagt Bundeskanzler Kohl.

Wir wollen eine andere Politik.

Unsere Friedenserklärung nennt erste unverzichtbare Schritte:

Unser Land darf sich nicht an der Erforschung und Entwicklung von Weltraumwaffen beteiligen – hier und überall. Sie schützen niemanden und bringen die Atomwaffen nicht aus der Welt.

Pershing II und Cruise Missiles müssen alle wieder weg! Der Bundestag muss den Stationierungsbeschluss aufheben!

Die Bundeswehr darf nicht weiter mit offensiven Waffen ausgerüstet werden; der Rüstungshaushalt muss gesenkt werden.

Der Einfluss des Militärs auf unser Leben muss zurückgedrängt, der Militärdienst gekürzt, die illusionäre Zivilschutzplanung zurückgenommen und das Recht auf Kriegsdienstverweigerung darf nicht länger eingeschränkt werden.

Rüstungsexporte müssen eingestellt werden, und unser Land muss sich der Unterdrückung von Völkern der »Dritten Welt« entgegenstellen.

Alle chemischen Kampfstoffe sind zu vernichten. Alle Atomtests müssen sofort eingestellt werden. Alle Atomanlagen müssen sofort stillgelegt werden.

Wir wollen Gerechtigkeit für alle Menschen und Völker, Überwindung von Sexismus und Rassismus, Solidarität mit politisch Verfolgten, Flüchtlingen und Asylsuchenden und Erhaltung der natürlichen Umwelt. Wir wollen unseren Kindern eine friedliche und lebenswerte Welt übergeben. Alle Menschen und Völker sollen ihr Leben frei von Furcht gestalten können: Friedlich und gerecht. Durch Abrüstung und eine neue Friedenspolitik verschaffen wir uns Möglichkeiten, den sozialen und ökologischen Ruin abzuwenden. Wir brauchen Frieden für alle, Arbeit für alle und Brot für alle.

Es ist Zeit zur Umkehr!

Ohne die Verwirklichung unserer Forderungen gibt es keine Friedenspolitik, die diesen Namen verdient und keine Sicherheit vor der Gefahr des Krieges. Wir lassen uns nicht mit schönen Worten beschwichtigen. Regierungen und Parteien werden in den kommenden drei Monaten mit wohlfeilen Versprechungen um Wählerstimmen werben. Wir rufen die Friedensbewegung auf: Konfrontiert Kandidaten und Parteien in den Wahlkampfveranstaltungen mit unserer Friedenserklärung! Messt jede Regierung, alle Parteien und Politiker an ihren Taten – vor und nach den Wahlen. Wir wissen, dass es nicht unwichtig ist, wer in Bonn regiert: aber wir setzen unsere Hoffnungen nicht in diese oder jene Regierung. Wir vertrauen auf unsere eigene Kraft, auf unser gemeinsames Handeln. Unsere Alternative ist klar, einleuchtend und realistisch: Frieden schaffen ohne Waffen«! (Quelle: Hunsrück-Forum Nr.15, Jan-März  87, S. 8)

Bearbeitungsstand: Juli 2007

Humanitäre Initiative

engl.: humanitarian initiative

Die tiefe Besorgnis der gesamten Staatengemeinschaft über die katastrophalen humanitären Folgen eines Atomwaffeneinsatzes wurde bereits 2010 bei der Konferenz zum Atomwaffensperrvertrag formell zum Ausdruck gebracht. Damit wurde eine neue Ausrichtung der internationalen Debatte über Atomwaffen ermöglicht, die 2013 und 2014 durch drei Regierungskonferenzen in Norwegen, Mexiko und Österreich zu den humanitäreren Folgen vertieft wurde.

Gleichzeitig schlossen sich immer mehr Staaten der „Humanitären Initiative“ an, die seit 2012 immer wieder in internationalen Abrüstungsforen ihre gemeinsame Erklärung verliest. Bei der Überprüfungskonferenz zum Atomwaffensperrvertrag 2015 zählten sie 159 – nie zuvor haben sich so viele Staaten auf ein gemeinsames, substanzielles Statement geeinigt.

Österreich lud am Ende der Wiener Konferenz andere Staaten dazu ein, sich der Erklärung unter dem Titel „Austrian Pledge“ anzuschließen. Bis Mai 2015 hat sich weltweit bereits eine Mehrheit der Staaten (über 100) der Erklärung angeschlossen, worauf eine Umbenennung der Erklärung zu „Humanitarian Pledge“ erfolgte.

Die humanitäre Dimension soll demzufolge den Kern des Atomwaffendiskurses bilden. Statt sicherheitspolitischer Theorie werden die tatsächlichen Auswirkungen in den Fokus gerückt. Diese Folgen sind nach Ansicht der Teilnehmerstaaten der Initiative unter humanitären Völkerrecht inakzeptabel; daher müssen die Waffen – wie bereits alle anderen Massenvernichtungswaffen – geächtet werden.

» Mehr Informationen zur Humanitären Initiative

Humanitarian Pledge

dt.: humanitäre Selbstverpflichtung

Österreichischer Botschafter Alexander Kmentt. Foto: Xanthe Hall

Österreich hat am Ende der Wiener Konferenz zu den humanitären Folgen von Atomwaffen am 8. und 9. Dezember 2014 andere Staaten dazu eingeladen, sich der Erklärung mit dem ursprünglichen Titel „Austrian Pledge“ anzuschließen. Als Resultat der Konferenz verpflichtete sich die österreichische Regierung, sich gemeinsam mit allen relevanten Akteuren zeitnah für eine vertragliche Ächtung von Atomwaffen einzusetzen. Österreich sieht im internationalen Vertragswesen eine völkerrechtliche Lücke und formulierte die Notwendigkeit eines neuen Rechtsinstruments, das Atomwaffen „ächten, verbieten und abschaffen“ solle. Andere Massenvernichtungswaffen wie chemische oder biologische Waffen sind durch internationale Konventionen bereits geächtet. Eine vertragliche Ächtung ist meistens der erste notwendige Schritt auf dem Weg zur Eliminierung einer Waffengattung.

Bis zum 18. Mai 2015 hatte sich weltweit bereits eine Mehrheit der Staaten (über 100) der Erklärung angeschlossen, woraufhin diese in „Humanitarian Pledge“ umbenannt wurde. Nach dem Scheitern der Überprüfungskonferenz zum Atomwaffensperrvertrag (NPT) am 22. Mai 2015 und der damit einhergehenden fehlenden Einigung über einen Ächtungsvertrag stellt die Unterstützung für die „Humanitarian Pledge“ einen dringend benötigten Hoffnungsschimmer dar, dass der Prozess der atomaren Abrüstung in Zukunft doch noch zu beschleunigt und vorangetrieben wird.

Bis zur VN-Vollversammlung im Herbst 2015 wuchs die Zahl der Unterstützer auf 121 Staaten an. Daraufhin brachte Österreich die „Humanitarian Pledge“ als Resolution (A/RES/70/48) in der Vollversammlung ein. Sie bekam am 9. Dezember 2015 die Zustimmung einer großen Mehrheit der Staaten: 139 von 168 der anwesenden VN-Mitglieder – und damit 83 Prozent – stimmten für die Pledge. xh (Quellen: IPPNW, UN, ICAN Deutschland)

Bearbeitungsstand: Dezember 2015

Hwaderi

Nordkoreanisches Atomwaffentestgelände nahe der Stadt Kilju. Hier zündete Nordkorea am 9. Oktober 2006 um 10.36 Uhr Ortszeit (3.36 Uhr MESZ) seine erste Atombombe.

Die Bombe hatte internationalen Beobachtungen zu Folge eine Sprengkraft von ca. 550 Tonnen TNT. Die Atombomben, die die Vereinigten Staaten im Zweiten Weltkrieg auf Japan abwarfen, waren wesentlich größer. Die am 6. August 1945 über Hiroshima gezündete Bombe hatte eine Sprengkraft von 15.000 Tonnen TNT, die am 9. August 1945 über Nagasaki abgeworfene Bombe entsprach 21.000 Tonnen TNT. (Quelle: Bulletin of Atomic Scientists, Mai/Juni 2005, Nuclear Notebook)

Bearbeitungsstand: Oktober 2006

siehe auch: Hiroshima
siehe auch: Nagasaki
siehe auch: Sprengkraft
siehe auch: TNT (Trinitrotoluol)

Hydrodynamischer Test

engl.: hydrodynamic test

Hierbei wird bei einem Sprengkopfprototyp das Spaltmaterial durch so genanntes passives Material (Natururan oder abgereichertes Uran) ersetzt. Dann wird der Sprengkopf gezündet, wobei keine Kernenergie freigesetzt wird. Diese Tests sind im Atomwaffensperrvertrag für alle Staaten verboten, die diesen als atomwaffenfreie Staaten unterzeichnet haben, da ein Staat hiermit leicht und unerkannt seine ersten Atomwaffen entwickeln kann. In allen Atomwaffenstaaten finden hydrodynamische Tests des existierenden Arsenals statt, um z.B. den Zündmechanismus zu überprüfen. Mit dieser Technik kann man allerdings auch neue Atomwaffen entwickeln. In Los Alamos in den USA wird zu diesem Zweck die DARHT-Anlage (Dual Axis Radiographic Hydrotest Facility) gebaut. (XH)

Bearbeitungsstand: Juni 2006

siehe auch: Atomwaffensperrvertrag
siehe auch: Stockpile Stewardship Program

Hypozentrum

engl.: hypocentre

Das Hypozentrum ist der Punkt auf der Erdoberfläche, der senkrecht unterhalb der in der Luft explodierten Atombombe liegt. (RH)

Bearbeitungsstand: Juni 2006

siehe auch: Atombombe
siehe auch: Ground Zero