Hohenstein

ehem. Atomwaffenstandort, Deutschland

Die ehemaligen Atombunker in Hohenstein, Foto: eberhard-finckh-kaserne.de

Das Sondermunitionslager Hohenstein befand sich ca. 16 km südlich der Stadt Reutlingen in Baden Württemberg (48°21’11“N, 09°16’52“O). In diesem Lager waren ausschließlich die atomaren Sprengköpfe für das in  Großengstingen stationierte Raketenartilleriebataillon 250 gelagert. Dabei handelte es sich zunächst ab 1965 um Sprengköpfe für die Kurzstreckenrakete »Sergeant« und ab 1977 um Sprengköpfe für die Kurzstreckenrakete »Lance«.

Die Sergeant-Rakete war mit dem Nukleargefechtskopf W52 ausgerüstet, der über eine Sprengkraft von 200 KT verfügte.

Die Lance-Rakete war mit dem Nukleargefechtskopf W70 ausgerüstet, der über eine variable Sprengkraft von 1-100 KT verfügte.

Das Lager wurde vermutlich im Jahr 1991 geräumt.

Rückblick: Mitte der 1960er Jahre fällt im Bonner Verteidigungsministerium die Entscheidung. Das neue Sondermunitionslager mit dem Namen »Golf« entsteht nicht weit von der Engstinger Eberhard-Finckh-Kaserne im Haider Gemeindewald. Die knapp 15 Hektar Fläche befinden auch den Gemarkungen von Trochtelfingen und Meidelstetten auf der Schwäbischen Alb in Baden-Württemberg.

Am 20. November 1967 kauft die Bundesvermögensstelle Tübingen das Waldstück den beiden Kommunen für insgesamt 240.000 D-Mark ab. In den Verträgen steht unter anderem geschrieben, dass das Gelände »für militärische Zwecke der Verteidigung« genutzt werde. Kurz danach beginnt der Bau der so genannten Munitionsniederlage.

Neben dem Wachgebäude gibt es zwei Wachtürme. Links neben dem Eingang die Heizzentrale, dahinter das »Maintenance & Assembly«-Gebäude, in dem kleinere Reparaturen an den Sprengköpfen vorgesehen sind. Ein paar Meter weiter sind zwei in den Hang gebaute Bunker. Das ganze Areal umgibt eine dreifache Umzäunung, Panzersperren und betonierte Unterständen.

Das Lager ist so konstruiert, dass in den »inneren Sperrbereich« nur die amerikanischen Soldaten des 84th US Army Fieldartillery Detachments kommen konnten. Den »äußeren Sperrbereich« bewacht die so genannte »Host Nation«, die Soldaten der in der Eberhard-Finckh-Kaserne stationierten fünften Batterie des Raketenartilleriebataillons 250.

Als in den 1970er Jahren die Gefahr von terroristischen Anschlägen größer wird, bestehen die Militärs auf noch bessere Sicherheitsmaßnahmen. An den dicken Bunker-Toren aus Stahl werden mit Zement verstärkte Gitter angebracht, die panzerdurchdringende Munition frühzeitig zur Explosion bringen. Im Inneren der Bunker lagern etwa 30 Sprengköpfe in ihren Containern, ist hinter vorgehaltener Hand in Großengstingen zu hören. Ende der 1980er Jahre gleicht das Lager einer uneinnehmbaren Festung. Eine Folge der stärker werdenden Friedensbewegung und der Tatsache, dass der sowjetische Geheimdienst immer wieder Versuche unternimmt, das Lager auszuspionieren. Zwischen Ende der 1960er Jahre und Anfang der 1990er Jahre gehörte der Inhalt des Sondermunitionslagers Golf zu den best gehüteten Geheimnissen in Deutschland.

Im Herbst 1991 kommt es zu zahlreichen Aktivitäten im Lager »J«. Immer wieder starten und landen dort große Transporthubschrauber der US- Armee. Die US-Soldaten transportieren auf dem Luftweg die atomaren Sprengköpfe ab.
Während des Auflösungsappells des Raketenartilleriebataillons 250 am 22. März 1993 bestätigt zum ersten Mal ein hochrangiger deutscher Offizier, der Kommandeur des Artilleriekommandos 2, Oberst Ullrich Schröter, dass im Lager Golf „bis Ende 1991 nukleare Sprengköpfe gelagert waren“.

Nach der Schließung der Eberhard-Finckh- Kaserne übernimmt Ende 1993 die Bundesvermögensverwaltung das ehemalige Atomwaffenlager auf der Schwäbischen Alb. Drei Jahre später machen Hohenstein und die Stadt Trochtelfingen Gebrauch von ihrem Rückkaufsrecht. (Quelle: Webseite der Eberhard-Finckh-Kaserne)

Bearbeitungsstand: Oktober 2009

Weitere Informationen über Atomwaffenstandorte in Deutschland

siehe auch: KT (Kilotonne)
siehe auch: Lance-Rakete
siehe auch: Sergeant-Rakete
siehe auch: Sondermunitionslager

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