Generäle gegen Atomwaffen

Es gibt keine Alternative zu einer atomwaffenfreien Welt.
Auszüge aus der öffentlichen Erklärung von 57 Generälen und Admirälen aus 17 Ländern vom 4. Dezember 1996:

„(...) Aufgrund unserer Berufserfahrung mit Waffen und Kriegen in den Streitkräften vieler Nationen haben wir uns eine eingehende, vielleicht sogar einzigartige Kenntnis der gegenwärtigen Sicherheits- bzw. Unsicherheitslage unserer Länder und Völker erworben. (...)

Das Ende des Kalten Krieges hat Bedingungen geschaffen, die eine Abrüstung der Kernwaffen begünstigen. (...) Die unbeschränkte Verlängerung des Vertrages über die Nichtverbreitung von Kernwaffen im Jahre 1995, sowie die Annahme des Vertrages über ein umfassendes Verbot von Kernwaffenversuchen durch die Vollversammlung der Vereinten Nationen im Jahr 1996 bilden (...) wichtige Fortschritte auf dem Weg zu einer kernwaffenfreien Welt. (...)

Unglücklicherweise ist jedoch eine echte Kernwaffenabrüstung trotz der erwähnten positiven Schritte nicht erreicht worden. Die Verträge schreiben lediglich die Vernichtung der Trägersysteme, nicht jedoch der Kernsprengköpfe vor. (...)

Wir sind zutiefst davon überzeugt, dass die folgenden Maßnahmen dringend notwendig sind und jetzt eingeleitet werden müssen:
Erstens, die bereits vorhandenen und in der Planung vorgesehenen Kernwaffenvorräte sind bei weitem zu groß und sollten entschieden reduziert werden.

Zweitens, die dann noch verbleibenden Kernwaffen sollten stufenweise und in voller Transparenz aus der Alarmbereitschaft herausgenommen sowie ihre Einsatzbereitschaft wesentlich verringert werden, sowohl in den offiziellen als auch in den de facto Kernwaffenstaaten.

Drittens, die langfristige Nuklearpolitik muss auf dem Grundsatz beruhen, Kernwaffen kontinuierlich, vollständig und unwiderruflich abzuschaffen.
Die Vereinigen Staaten und Russland sollten – ohne jegliche Herabsetzung ihrer militärischen Sicherheit – den von START bereits begonnenen Reduktionsprozess vorantreiben. (...) Die Verteidigung der territorialen Integrität einzelner Länder ist mit dem Fortschritt auf dem Weg zur Abschaffung der Kernwaffen durchaus vereinbar.

Man kann heute die genauen Ursachen und Bedingungen für die endgültige Abschaffung dieser Waffen nicht vorhersehen oder vorschreiben. Eine Voraussetzung wäre zweifellos ein weltweites Programm der Überwachung und Inspektion, das Maßnahmen zur Buchführung und Kontrolle des Inventars an Kernwaffenmaterial einschließt. (...) Wesentlich ist auch ein abgesprochenes Vorgehen, um – wenn nötig – zwangsweise international intervenieren und geheime Aktivitäten zuverlässig und rechtzeitig unterbinden zu können.

Des Weiteren ist es wichtig, atomwaffenfreie Zonen in verschiedenen Teilen der Welt zu schaffen, sowie Maßnahmen der Vertrauensbildung und der Transparenz auf dem Gebiet der Verteidigung im Allgemeinen zu ergreifen. Schließlich ist es äußerst wichtig, alle Abrüstungs- und Rüstungskontrollverträge strikt zu erfüllen und sich beim Abrüstungsprozess gegenseitig zu unterstützen, um auf diese Weise eine atomwaffenfreie Welt zustande zu bringen. Der Aufbau regionaler Systeme kollektiver Sicherheit unter Einschluss praktischer Maßnahmen zur Zusammenarbeit, Partnerschaft, Interaktion und Kommunikation sind wesentlich für die örtliche Stabilität und Sicherheit.

(...) Klar ist (...), dass Nationen, die im Besitz von Kernwaffen sind, nicht bereit sein werden, diese preiszugeben, solange sie nicht davon überzeugt sein können, dass es zuverlässigere und weniger gefährliche Mittel zur Gewährleistung ihrer Sicherheit gibt. Als Konsequenz daraus ist ebenfalls klar, dass die Atomwaffenmächte im Augenblick nicht bereit sein werden, einem festgelegten Zeitplan für die Abschaffung zuzustimmen.

Ähnlich klar ist auch, dass es unter den Nationen, die gegenwärtig keine Atomwaffen besitzen, einige geben wird, die nicht für immer auf deren Beschaffung und Bereitstellung verzichten wollen, es sei denn, ihre Sicherheit wird auf andere Weise gewährleistet. Und sie werden auch nicht darauf verzichten, sie zu beschaffen, sollten die derzeitigen Atomwaffenmächte ihr nukleares Monopol für immer und ewig aufrechterhalten wollen.
Schritte in Richtung auf die Abschaffung müssen in erster Linie von den offiziellen Atomwaffenstaaten (...) in gemeinsamer Verantwortung unternommen werden. Sie sollen aber auch von den de facto Atomwaffenstaaten (...) mitgetragen werden. sowie von den größeren Nichtatomwaffenstaaten wie Deutschland und Japan. (...)

Uns hat sich eine Herausforderung von höchster historischer Bedeutung geboten: Die Schaffung einer kernwaffenfreien Welt. Das Ende des Kalten Krieges macht es möglich. Die Gefahren, die der Welt durch Verbreitung von Atomwaffen, durch den Nuklearterrorismus und durch ein erneutes Atomwaffenwettrüsten drohen, machen es notwendig. Wir dürfen es nicht versäumen, unsere Chance zu nutzen. Es gibt keine Alternative.“ (Übersetzung: Dr. Wolfgang Sternstein, (Ohne Rüstung Leben))

Bearbeitungsstand: Januar 2006

siehe auch: Atomwaffenstaaten
siehe auch: Kalter Krieg
siehe auch: Kernwaffe
siehe auch: Trägersysteme

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