Gegenseitige gesicherte Zerstörung

engl.: Mutual assured destruction (MAD)

Die gegenseitig gesicherte Zerstörung bezeichnet eine Situation, in der die Nuklearmächte vom Ersteinsatz von Nuklearwaffen dadurch abgeschreckt werden, dass der potentielle Gegner - selbst nach einem Erstschlag - noch vernichtend zurückschlagen könnte (gesicherte Zweitschlagsfähigkeit). Die Doktrin der MAD sieht in einem möglichen »Enthauptungsschlag« ein strategisch destabilisierendes Element. Diese Erstschlagsfähigkeit bestand in den 1950er Jahren für einige Zeit.

Angenommen wurde, dass keine Seite so irrational ist, die Zerstörung des eigenen Landes zu riskieren. Deswegen würde ein atomarer Erstschlag nicht gewagt werden. Dies führt zu einem zwar spannungsgeladenen, aber dennoch stabilen Frieden. Von besonderer Wichtigkeit bei dieser Abschreckungsdoktrin ist die Dislozierung strategischer Atomwaffen an Bord von strategischen U-Booten, deren Standorte dem potentiellen Gegner nicht bekannt sind. Die Doktrin fand ihre erste Anwendung in der Zeit des Kalten Krieges zwischen den USA und der Sowjetunion. MAD wurde als Garant dafür gesehen, dass es zu keinen direkten, umfassenden Konflikten zwischen den Supermächten kam, sondern beide Nationen sich in so genannten Stellvertreterkriegen indirekt gegenüberstanden. MAD war Teil der US-Strategie, die davon ausging, dass ein Atomkrieg zwischen der Sowjetunion und den Vereinigten Staaten am erfolgreichsten verhindert werden konnte, wenn keine Seite sich gegen die Atomraketen des Gegners verteidigen konnte. So wurde der ABM-Vertrag zu einem Garanten der MAD, begrenzte er doch wirkungsvoll die Raketenabwehranlagen, mit deren Aufbau USA und SU in den 1950er Jahren begonnen hatten.

Das MAD-Szenario wurde mit dem beschönigenden Begriff der »nuklearen Abschreckung« umschrieben. Bekannter ist jedoch der Begriff »Gleichgewicht des Schreckens«. Kritiker der MAD-Doktrin führten an, dass die Abkürzung »MAD« zum englischen Begriff mad (verrückt, geisteskrank) passt, weil die Doktrin auf mehreren anfechtbaren Annahmen beruhe:
Perfekte Erkennung: Es darf keine Möglichkeit geben, einen Raketenstart zu verdecken
Absolute Rationalität: Alle Nuklearmächte verhalten sich rational und verzichten auf jedes Risiko

Unfähigkeit zur Verteidigung: alle Staaten verpflichten sich, keine Anti-Raketen-Technologie oder Schutzausrüstung zu entwickeln
Es wird angenommen, dass die Abkehr von MAD im Juli 1980 von US-Präsident Jimmy Carter eingeleitet wurde, der in der Presidential Directive 59 von einer Ausgleichsstrategie (countervailing strategy) sprach. Ziel der US-Sicherheitspolitik war fortan einen Nuklearkrieg zu gewinnen. Ziel der Nuklearsprengköpfe waren nicht länger die sowjetische Bevölkerung, sondern zuerst die Führungsschicht, dann militärische Ziele. Damit verband sich die Hoffnung, die Russen würden aufgeben, bevor es zu einer totalen Zerstörung der UdSSR und der USA käme.

US-Präsident Ronald Reagan setzte diese neue Marschrichtung fort und plante mit seiner Strategic Defense Initiative (SDI) das Prinzip der MAD durch eine neue Strategie zu ersetzen. Durch den Aufbau einer umfassenden, absoluten Raketenabwehr sollte die Welt langfristig atomwaffenfrei werden. Anhänger dieser sicherheitspolitischen Richtung sprachen denn auch von »Mutual assured security«. Doch letztlich scheiterten das SDI-Projekt und damit die Unterminierung der gesicherten Zerstörung an technologischen und finanziellen Hürden.

Nach Beendigung des Kalten Krieges reduzierten sich die Spannungen zwischen Russland und den USA und zwischen den USA und China deutlich. In beiden Fällen wurde MAD als Modell für Stabilität zwischen den Atommächten abgelöst, dennoch halten diese Länder noch ein Potential an Kernwaffen vor, welches als ausreichend zur Aufrechterhaltung einer Grundabschreckung angesehen wird. Obwohl die Regierung unter Präsident Bush vom ABM-Vertrag zurücktrat, betont sie, dass das von ihr geplante Raketenabwehrsystem gegen nukleare Erpressung durch Staaten mit geringer nuklearer Kapazität (wie etwa Nordkorea) aufgebaut werde. Dieses Prinzip der asymmetrischen Kriegsführung schließe, anders als MAD, die Geiselnahme ganzer Bevölkerungen aus. Die russische Regierung blieb dem Werben der USA um diese Strategie aber reserviert, vor allem weil sie befürchtet, die USA würden davon mehr profitieren als Russland. (Quelle: militaer.wisotoday.de, Seite nicht mehr verfügbar)

Bearbeitungsstand: März 2008

siehe auch: ABM-Vertrag
siehe auch: Dislozierung
siehe auch: Ersteinsatz
siehe auch: Kalter Krieg
siehe auch: SDI

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