Gegenseitige Verwundbarkeit

In der Geschichte der Sicherheitspolitik hat es immer wieder Versuche gegeben, mit technischen Mitteln die eigene Verwundbarkeit zu reduzieren. Seit der Existenz von Massenvernichtungswaffen ist dieses Problem unlösbar geworden, weil selbst Staaten, die über Nuklearwaffen oder andere Massenvernichtungswaffen verfügen, verwundbar bleiben. Bestenfalls kann ein Zustand gegenseitiger Verwundbarkeit erreicht werden. Der Einsatz von Nuklearwaffen im Zustand gegenseitiger Verwundbarkeit kann, wenn es zu einem Gegenschlag kommt, schweren Schaden für die eigene Bevölkerung haben, wenn nicht sogar die Vernichtung der eigenen Existenz nach sich ziehen. Folgerichtig beruhte in der Ära des Kalten Krieges die Sicherheit der USA und der Sowjetunion sowie der jeweiligen Verbündeten auf dem Prinzip der gegenseitigen Verwundbarkeit.
An Versuchen, die eigene Verwundbarkeit durch eine wirkungsvolle Raketenabwehr zu reduzieren, hat es nicht gefehlt. Bekanntestes Beispiel sind die von den USA 1983 ins Leben gerufenen »Strategic Defence Initiative (SDI)« und die 1999 begonnene »National Missile Defence (NMD)«. Bis heute gibt es keinen wirksamen Schutzschirm gegen Interkontinentalraketen, so dass das Prinzip der gegenseitigen Verwundbarkeit unter veränderten Bedingungen weiterhin Gültigkeit hat. (LL)

(Quelle: Dieter Dettke: Zur Problematik der äußeren Sicherheit, in Frieden und Sicherheit im 21. Jahrhundert, S. 12)

Bearbeitungsstand: November 2008

siehe auch: SDI

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