Gammastrahlen

engl.: gamma rays

Bei der Strahlung unterscheidet man Teilchenstrahlung (Neutronen-, Beta- und Alphastrahlen) und Wellenstrahlung (Gamma- und Röntgenstrahlen).

Bei den Gammastrahlen handelt es sich um elektromagnetische Wellen höherer Energie (Energiequanten), die im Gegensatz zu Alpha- und Betastrahlen sogar teilweise Beton, Blei und Stahl zu durchdringen vermögen. Sie entstehen auch fast immer zugleich mit Alpha- und Betastrahlen. (LL)

Bearbeitungsstand: Januar 2006

siehe auch: Alphastrahlen
siehe auch: Betastrahlen

Gasdiffusionsverfahren

engl.: gaseous diffusion method

Gebäude K-25 in Oak Ridge, Foto: atomicheritage.org

Natur-Uran besteht nur zu 0,7 Prozent aus dem spaltbaren Uran-Isotop U-235, zu 99,3 Prozent aus dem schwer spaltbaren Isotop U-238. Diese beiden Isotope sind zwar chemisch identisch, doch von verschiedenem Atomgewicht und unterschiedlichem Verhalten hinsichtlich der Kernspaltung. Sie müssen daher in ein günstigeres Mischungsverhältnis gebracht werden, bevor sie als Reaktor- oder Bomben-Brennstoff verwendet werden können, es sei denn, man reichert das zur so genannten Moderation verwendete Wasser an und verwendet Schwerwasserreaktoren.

Der Anteil des Uran-235 muss auf drei bis vier Prozent gesteigert werden, wenn das Uran als Stoff für eine AKW der häufigsten Art (Leichtwasserreaktor) verwendet werden soll, auf bis zu 90 Prozent, wenn es für eine Atombomben bestimmt ist.

Früher hat man für die Anreicherung kostspielige und komplizierte "Isotopen-Trennanlagen" gebaut, die sich nur reiche Nationen leisten konnten. Zwei Techniken wurden genutzt, um das spaltbare Uran-235 vom Natur-Uran zu trennen: das Gasdiffusions- und das Zentrifugalverfahren.

 Für beide Verfahren wird das Uranoxid in Konversionsanlagen in Gasform aufbereitet, indem man es zu Uran-Hexafluorid konvertiert (UF6). Beim Gasdiffusionsverfahren wird das UF6 durch poröse Membranen gefiltert; die Moleküle des Uran-Isotops U-235 durchwandern die Filter einen winzigen Bruchteil schneller als die schwereren U-238-Moleküle.

Für mehr als zwei Milliarden Euro bauten die Amerikaner in Oak Ridge (US-Staat Tennessee) eine Diffusionsanlage von gigantischen Ausmaßen. Ihr Bedarf an elektrischer Energie entspricht fast einem Drittel des gesamten Stromverbrauchs der Bundesrepublik Deutschlands. Nach dem Diffusionsprinzip errichteten auch Großbritannien (in Capenhurst) und Frankreich (in Pierrelatte) Isotopen-Trennanlagen. (XH)

Bearbeitungsstand: September 2009

siehe auch: Isotope
siehe auch: Uran-235
siehe auch: Urananreicherung
siehe auch: Zentrifugalverfahren

GAU

engl.: maximum credible accident (MCA)

Die Abkürzung GAU steht für "Größter anzunehmende Unfall" beim Betrieb eines Atomkraftwerkes. Der erste offiziell dokumentierte GAU ereignete sich im Jahr 1979 im amerikanischen im Bundesstaat Pennsylvania. Nachdem die Kühlung für die Brennstäbe ausgefallen war, begann die sogenannte „Kernschmelze“. Dabei können sich die Brennstäbe des Reaktors so stark erhitzen, dass eine Explosion der gesamten Anlage eintreten kann. Diese kritische Situation wurde im Atomkraftwerk nicht erreicht.

Anders verlief die Entwicklung im April 1986 in Tschernobyl. Auch hier kam es zunächst wie in "Three Mile Island" zu einer Kernschmelze. Wegen der enormen Hitze geriet die Situation außer Kontrolle. Innerhalb des Reaktorblocks 4 gerieten ca. 1500 Tonnen Grafit in Brand. Die darauf folgende Explosion schleuderte große Mengen stark verstrahltes Material mehrere tausend Meter hoch in die Atmosphäre. Dort wurde die radioaktive Wolke durch den Wind über weite Teile Mittel- und Westeuropas verteilt. Obwohl die Zahl der betroffenen Menschen bis heute nicht genau bestimmt ist, kann davon ausgegangen werden, dass über 600.000 Personen einer starken Strahlenbelastung ausgesetzt waren. Allein unter den eingesetzten Bergungsmannschaften gab es über 7000 Tote. Als Folge der starken Verstrahlung mussten ca. 400.000 Menschen aus dem betroffenen Gebiet ausgesiedelt werden.

Die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl war nicht mehr beherrschbar. In einem solchen Fall spricht man von einem Super-GAU. Ursachen dafür waren unter anderem individuellen Fehler der Bedienmannschaften wie auch das Fehlen einer Schutzhülle um das Reaktorgebäude, wodurch das Austreten von Radioaktivität hätte zumindest stark eingeschränkt werden können. (LL)

Bearbeitungsstand: April 2010

Gefechtskopf

engl.: warhead

Der Gefechts-/Sprengkopf ist Teil eines Flugkörpers oder Torpedos, der den Sprengsatz und den erforderlichen Zünder enthält. Man unterscheidet zwischen konventionellen Gefechtsköpfen und solchen für Massenvernichtungswaffen. (LL)

Bearbeitungsstand: Januar 2005

siehe auch: Massenvernichtungswaffe

Gegenseitige gesicherte Zerstörung

engl.: Mutual assured destruction (MAD)

Die gegenseitig gesicherte Zerstörung bezeichnet eine Situation, in der die Nuklearmächte vom Ersteinsatz von Nuklearwaffen dadurch abgeschreckt werden, dass der potentielle Gegner - selbst nach einem Erstschlag - noch vernichtend zurückschlagen könnte (gesicherte Zweitschlagsfähigkeit). Die Doktrin der MAD sieht in einem möglichen »Enthauptungsschlag« ein strategisch destabilisierendes Element. Diese Erstschlagsfähigkeit bestand in den 1950er Jahren für einige Zeit.

Angenommen wurde, dass keine Seite so irrational ist, die Zerstörung des eigenen Landes zu riskieren. Deswegen würde ein atomarer Erstschlag nicht gewagt werden. Dies führt zu einem zwar spannungsgeladenen, aber dennoch stabilen Frieden. Von besonderer Wichtigkeit bei dieser Abschreckungsdoktrin ist die Dislozierung strategischer Atomwaffen an Bord von strategischen U-Booten, deren Standorte dem potentiellen Gegner nicht bekannt sind. Die Doktrin fand ihre erste Anwendung in der Zeit des Kalten Krieges zwischen den USA und der Sowjetunion. MAD wurde als Garant dafür gesehen, dass es zu keinen direkten, umfassenden Konflikten zwischen den Supermächten kam, sondern beide Nationen sich in so genannten Stellvertreterkriegen indirekt gegenüberstanden. MAD war Teil der US-Strategie, die davon ausging, dass ein Atomkrieg zwischen der Sowjetunion und den Vereinigten Staaten am erfolgreichsten verhindert werden konnte, wenn keine Seite sich gegen die Atomraketen des Gegners verteidigen konnte. So wurde der ABM-Vertrag zu einem Garanten der MAD, begrenzte er doch wirkungsvoll die Raketenabwehranlagen, mit deren Aufbau USA und SU in den 1950er Jahren begonnen hatten.

Das MAD-Szenario wurde mit dem beschönigenden Begriff der »nuklearen Abschreckung« umschrieben. Bekannter ist jedoch der Begriff »Gleichgewicht des Schreckens«. Kritiker der MAD-Doktrin führten an, dass die Abkürzung »MAD« zum englischen Begriff mad (verrückt, geisteskrank) passt, weil die Doktrin auf mehreren anfechtbaren Annahmen beruhe:
Perfekte Erkennung: Es darf keine Möglichkeit geben, einen Raketenstart zu verdecken
Absolute Rationalität: Alle Nuklearmächte verhalten sich rational und verzichten auf jedes Risiko

Unfähigkeit zur Verteidigung: alle Staaten verpflichten sich, keine Anti-Raketen-Technologie oder Schutzausrüstung zu entwickeln
Es wird angenommen, dass die Abkehr von MAD im Juli 1980 von US-Präsident Jimmy Carter eingeleitet wurde, der in der Presidential Directive 59 von einer Ausgleichsstrategie (countervailing strategy) sprach. Ziel der US-Sicherheitspolitik war fortan einen Nuklearkrieg zu gewinnen. Ziel der Nuklearsprengköpfe waren nicht länger die sowjetische Bevölkerung, sondern zuerst die Führungsschicht, dann militärische Ziele. Damit verband sich die Hoffnung, die Russen würden aufgeben, bevor es zu einer totalen Zerstörung der UdSSR und der USA käme.

US-Präsident Ronald Reagan setzte diese neue Marschrichtung fort und plante mit seiner Strategic Defense Initiative (SDI) das Prinzip der MAD durch eine neue Strategie zu ersetzen. Durch den Aufbau einer umfassenden, absoluten Raketenabwehr sollte die Welt langfristig atomwaffenfrei werden. Anhänger dieser sicherheitspolitischen Richtung sprachen denn auch von »Mutual assured security«. Doch letztlich scheiterten das SDI-Projekt und damit die Unterminierung der gesicherten Zerstörung an technologischen und finanziellen Hürden.

Nach Beendigung des Kalten Krieges reduzierten sich die Spannungen zwischen Russland und den USA und zwischen den USA und China deutlich. In beiden Fällen wurde MAD als Modell für Stabilität zwischen den Atommächten abgelöst, dennoch halten diese Länder noch ein Potential an Kernwaffen vor, welches als ausreichend zur Aufrechterhaltung einer Grundabschreckung angesehen wird. Obwohl die Regierung unter Präsident Bush vom ABM-Vertrag zurücktrat, betont sie, dass das von ihr geplante Raketenabwehrsystem gegen nukleare Erpressung durch Staaten mit geringer nuklearer Kapazität (wie etwa Nordkorea) aufgebaut werde. Dieses Prinzip der asymmetrischen Kriegsführung schließe, anders als MAD, die Geiselnahme ganzer Bevölkerungen aus. Die russische Regierung blieb dem Werben der USA um diese Strategie aber reserviert, vor allem weil sie befürchtet, die USA würden davon mehr profitieren als Russland. (Quelle: militaer.wisotoday.de, Seite nicht mehr verfügbar)

Bearbeitungsstand: März 2008

siehe auch: ABM-Vertrag
siehe auch: Dislozierung
siehe auch: Ersteinsatz
siehe auch: Kalter Krieg
siehe auch: SDI

Gegenseitige Verwundbarkeit

In der Geschichte der Sicherheitspolitik hat es immer wieder Versuche gegeben, mit technischen Mitteln die eigene Verwundbarkeit zu reduzieren. Seit der Existenz von Massenvernichtungswaffen ist dieses Problem unlösbar geworden, weil selbst Staaten, die über Nuklearwaffen oder andere Massenvernichtungswaffen verfügen, verwundbar bleiben. Bestenfalls kann ein Zustand gegenseitiger Verwundbarkeit erreicht werden. Der Einsatz von Nuklearwaffen im Zustand gegenseitiger Verwundbarkeit kann, wenn es zu einem Gegenschlag kommt, schweren Schaden für die eigene Bevölkerung haben, wenn nicht sogar die Vernichtung der eigenen Existenz nach sich ziehen. Folgerichtig beruhte in der Ära des Kalten Krieges die Sicherheit der USA und der Sowjetunion sowie der jeweiligen Verbündeten auf dem Prinzip der gegenseitigen Verwundbarkeit.
An Versuchen, die eigene Verwundbarkeit durch eine wirkungsvolle Raketenabwehr zu reduzieren, hat es nicht gefehlt. Bekanntestes Beispiel sind die von den USA 1983 ins Leben gerufenen »Strategic Defence Initiative (SDI)« und die 1999 begonnene »National Missile Defence (NMD)«. Bis heute gibt es keinen wirksamen Schutzschirm gegen Interkontinentalraketen, so dass das Prinzip der gegenseitigen Verwundbarkeit unter veränderten Bedingungen weiterhin Gültigkeit hat. (LL)

(Quelle: Dieter Dettke: Zur Problematik der äußeren Sicherheit, in Frieden und Sicherheit im 21. Jahrhundert, S. 12)

Bearbeitungsstand: November 2008

siehe auch: SDI

Geigerzähler

engl.: geiger counter

Von dem deutschen Physiker Johannes Wilhelm Geiger entwickeltes und nach ihm benanntes Gerät zur Messung der radioaktiven Strahlung. Es besteht aus einem dünnen Metallzylinder, durch dessen Achse ein feiner Draht gespannt ist. Zwischen Draht und Zylinder besteht eine hohe elektrische Spannung. Wird die Luft im Inneren des Zylinders durch radioaktive Strahlung ionisiert und dadurch elektrisch leitfähig, kommt es zu einem kurzen Stromstoß, der von einem Zählwerk registriert werden kann. (Robert Jungk: Der Atomstaat, München 1977, S. 221.)

Bearbeitungsstand: Mai 2007

Geilenkirchen

ehem. Atomwaffenstandort Deutschland

Das ehemalige Atomwaffenlager Geilenkirchen-Teveren (50°58’19“N, 06°03’15“O) lag  ca. 5 km westlich von Geilenkirchen und unmittelbar nördlich der Air Base. Hier waren die atomaren Gefechtsköpfe für das in Geilenkirchen-Niederheid stationierte  Flugkörpergeschwader (FKG) 2 gelagert.

Zunächst war das Geschwader mit der von Martin Marietta entwickelten Pershing-I (MGM-31A) ausgerüstet. Das System bestand insgesamt nur aus vier Fahrzeugen auf modifizierten M113-Kettenfahrgestellen (XM 474 E1): dem Feuerleitfahrzeug, dem Fernmeldefahrzeug, dem Montagefahrzeug mit Gefechtskopf und dem Abschussfahrzeug. Mit Blick auf die Quick-Reaction-Alert-Fähigkeit (QRA) ließ das US-amerikanische Militär die Pershing ab 1967 zur Version Ia (MGM-31B) weiterentwickeln. Die Verkürzung der Alarmzeiten ging mit der Umrüstung auf Radfahrzeuge, der Optimierung des Abschuss-Systems und der Digitalisierung der Elektronik einher. Ab 1971 führte auch die Bundeswehr das erneuerte System umfassend ein. Das System erhielt die Bezeichnung Pershing-Ia. Es war mit atomaren Sprengköpfen vom Typ W-50 bestückt, die über festgelegte KT-Werte von 60, 200 oder 400 KT verfügten.

Der Auftrag der Flugkörpergeschwader bestand darin, im Frieden einen sichtbaren Beitrag zur Abschreckung gegenüber den Warschauer Vertragsstaaten unter Führung der Sowjetunion zu leisten. Dazu wurde ein Teil der Waffensysteme der Verbände das ganze Jahr über in einer Sofortbereitschaft gehalten. Im Verteidigungsfall lautete der Auftrag, alle verfügbaren Kräfte so bereitzuhalten, dass sie für jegliche nukleare Reaktion der NATO herangezogen werden konnten. Nach der Außerdienststellung der Flugkörpergeschwader 1991 wurden sowohl die in der Bundesrepublik Deutschland als auch die in den USA gelagerten deutschen Pershing-Ia- Raketenstufen - infolge der einsetzenden gesellschaftlichen Umwälzungen in den Staaten des Ostblocks und der damit verbundenen Beendigung des Ost-West-Konflikts zwischen NATO und Warschauer Pakt - vernichtet. (LL)

Bearbeitungsstand: April 2012

Weitere Informationen über Atomwaffenstandorte in Deutschland

siehe auch: Atomwaffenlager
siehe auch: KT-Wert
siehe auch: NATO
siehe auch: Pershing-II-Rakete
siehe auch: QRA-Stellung
siehe auch: Warschauer Pakt

Geinsheim

ehem. Atomwaffenstandort, Deutschland

Im Rahmen der großräumigen Luftverteidigung Europas während der Zeit des Kalten Krieges waren auch die US-Streitkräfte an dem quer durch Deutschland verlaufenden Nike-Herkules Flugabwehrgürtel mit insgesamt sechs in Bayern, Baden-Württemberg, Hessen und Rheinland-Pfalz, stationierten Bataillonen beteiligt. Das 2thMissile Battailon, 56thUS-Arty-Group verfügte über atomare Feuerstellungen in den Standorten Geinsheim, Landau, Lemberg-Salzwoog und Oberauerbach.

Die Nike-Feuerstellung (Launching Area) Geinsheim (49°19'27“N, 08°16'10“O)  lag ca. 12 km westlich von Speyer in Rheinland-Pfalz. Die dort stationierte A-Battery, 2thMissile Battailon, 56thUS-Arty-Group bestand aus drei getrennten Bereichen: der Unterkunft, dem Feuerleitbereich in günstiger topografischer Lage mit bis zu 5 Radargeräten für Überwachung, Zielerfassung, Zielverfolgung und Flugkörperverfolgung und dem Abschussbereich mit jeweils 3 Abschussflächen und dazugehörigen Bunkern. In diesem Bereich befanden sich auch die Atomsprengköpfe.

In der Stellung Geinsheim waren bis 1983 atomare Flugabwehrraketen vom Typ Nike stationiert. An Atomsprengköpfen waren zwei Versionen verfügbar. Die kleinere mit der Bezeichnung B-XS hatte eine Sprengkraft von 2 Kilotonnen. Die größere B-XL besaß ursprünglich 40 kT Sprengkraft. Letztere wurden in den 1970er Jahren gegen Sprengköpfe zu 20 kT ausgetauscht. Maximal waren je Stellung zehn Nuklear-Sprengköpfe vorhanden, acht mit der Stärke XS mit 2 Kilotonnen und zwei XL mit 40/20 Kilotonnen Sprengkraft. Für den Einsatz der Gefechtsköpfe gab es genau festgelegte Prioritäten. Beim Anflug eines einzelnen feindlichen Zielobjektes wurde ein kleiner atomarer Gefechtskopf (B-XS) eingesetzt. Beim Anflug mehrerer feindlicher Zielobjekte wurde soweit verfügbar ein großer atomarer Gefechtskopf (B-XL) eingesetzt. Die ebenfalls vorhandenen konventionellen Gefechtsköpfe dienten lediglich als Munitionsreserve.
Nach dem Abzug der Raketenbatterie wurden die Einrichtungen unbrauchbar gemacht, teilweise gesprengt. (LL)

(Quellen:  Jürgen Dreifke, Michael Juhls)

Bearbeitungsstand: Oktober 2010

Weitere Informationen über Atomwaffenstandorte in Deutschland

siehe auch: Nike Herkules
siehe auch: KT(Kilotonne)

GenCorp

Waffenproduzent, USA

Die in den USA beheimatete Firma GenCorp ist ein bedeutender Technologiehersteller, der zwei Geschäftsteile umfasst: Easton und Aerojet.

Aerojet – GenCorps Raumfahrt- und Verteidigungsunternehmen – baut seit 50 Jahren Atomwaffen und behauptet, führend im Design, der Entwicklung und Herstellung von US-amerikanischen land- und seegestützten, nuklearen ballistischen Raketensystemen zu sein (einschließlich der Raketen Polaris, Minuteman, Peacekeeper und D5).

Aerojet produziert sowohl für die Minuteman-III-Raketen der US-Luftwaffe als auch für die D5-Trident-Raketen der Navy Antriebssysteme mit Flüssig- oder Festtreibstoff. Das Unternehmen ist auch Hersteller von Antriebskontrollsystemen für kritische Raketenabwehranlagen , die die US-Raketenabwehragentur (US Missile Defense Agency) unterstützen.

Laut dem Gesundheitsministerium von Tennessee ist Aerojet Ordnance Tennessee – ein Tochterunternehmen von Aerojet – ein führender Produzent von Wolframmunition und Munition mit abgereichertem Uran (sog. DU-Munition, für „depleted uranium“) für das US-Militär. (Quelle: van Gelder, Jan Willem/Spaargaren, Petra/Wright, Tim: Divestment Report. ICAN 2012)

Bearbeitungsstand: April 2012

Weitere Informationen zu Atomwaffenherstellern

 

General Dynamics

Waffenproduzent, USA

General Dynamics, das in den Vereinigten Staaten ansässig ist, liefert Geschäftsflugzeuge, Land- und Amphibienkampfsysteme, Bewaffnung und Munition, Schiffbau und Marinesysteme, sowie missionskritische Informationssysteme und Technologie.

General Dynamics Electric Boat, ein Tochterunternehmen von General Dynamics, baute für die US-Marine die Atom-U-Boote vom Typ „Ohio“, welche mit Trident-Raketen ausgerüstet sind. Wie die Webseite von General Dynamics Electric Boat behauptet, sind diese U-Boote „die mächtigsten Schiffe, die je zu Wasser gelassen wurden“, womit sich das Unternehmen auf deren atomare Sprengkraft bezieht.

Im Jahr 2011 wurde General Dynamics Electric Boat eine 429 Millionen US-Dollar schwere Vertragsänderung vonseiten der amerikanischen Marine zuteil, in der Wartung und ingenieurstechnische sowie mechanische Unterstützung geregelt werden. Ein anderer Vertrag, der mit Kerntechnik zu tun hat, und ebenfalls 2011 mit der US-Navy geschlossen wurde, ist ein 16,6-Millionen-Dollar-Kontrakt über Reparaturen an einem Flugzeugträger in der Norfolk-Marine-Werft.

Seit 2005 ist Advanced Information Systems – ein weiteres General-Dynamics-Unternehmen – zusammen mit seinen Partnern Honeywell International und Raytheon an einem Projek beteiligt, das die Lebensdauer des Lenksystems der nuklearen Trident-II-D5-Rakete der US-Navy verlängern soll. (Quelle: van Gelder, Jan Willem/Spaargaren, Petra/Wright, Tim: Divestment Report. ICAN 2012)

Bearbeitungsstand: April 2012

Weitere Informationen zu Atomwaffenherstellern

 

Generäle gegen Atomwaffen

Es gibt keine Alternative zu einer atomwaffenfreien Welt.
Auszüge aus der öffentlichen Erklärung von 57 Generälen und Admirälen aus 17 Ländern vom 4. Dezember 1996:

„(...) Aufgrund unserer Berufserfahrung mit Waffen und Kriegen in den Streitkräften vieler Nationen haben wir uns eine eingehende, vielleicht sogar einzigartige Kenntnis der gegenwärtigen Sicherheits- bzw. Unsicherheitslage unserer Länder und Völker erworben. (...)

Das Ende des Kalten Krieges hat Bedingungen geschaffen, die eine Abrüstung der Kernwaffen begünstigen. (...) Die unbeschränkte Verlängerung des Vertrages über die Nichtverbreitung von Kernwaffen im Jahre 1995, sowie die Annahme des Vertrages über ein umfassendes Verbot von Kernwaffenversuchen durch die Vollversammlung der Vereinten Nationen im Jahr 1996 bilden (...) wichtige Fortschritte auf dem Weg zu einer kernwaffenfreien Welt. (...)

Unglücklicherweise ist jedoch eine echte Kernwaffenabrüstung trotz der erwähnten positiven Schritte nicht erreicht worden. Die Verträge schreiben lediglich die Vernichtung der Trägersysteme, nicht jedoch der Kernsprengköpfe vor. (...)

Wir sind zutiefst davon überzeugt, dass die folgenden Maßnahmen dringend notwendig sind und jetzt eingeleitet werden müssen:
Erstens, die bereits vorhandenen und in der Planung vorgesehenen Kernwaffenvorräte sind bei weitem zu groß und sollten entschieden reduziert werden.

Zweitens, die dann noch verbleibenden Kernwaffen sollten stufenweise und in voller Transparenz aus der Alarmbereitschaft herausgenommen sowie ihre Einsatzbereitschaft wesentlich verringert werden, sowohl in den offiziellen als auch in den de facto Kernwaffenstaaten.

Drittens, die langfristige Nuklearpolitik muss auf dem Grundsatz beruhen, Kernwaffen kontinuierlich, vollständig und unwiderruflich abzuschaffen.
Die Vereinigen Staaten und Russland sollten – ohne jegliche Herabsetzung ihrer militärischen Sicherheit – den von START bereits begonnenen Reduktionsprozess vorantreiben. (...) Die Verteidigung der territorialen Integrität einzelner Länder ist mit dem Fortschritt auf dem Weg zur Abschaffung der Kernwaffen durchaus vereinbar.

Man kann heute die genauen Ursachen und Bedingungen für die endgültige Abschaffung dieser Waffen nicht vorhersehen oder vorschreiben. Eine Voraussetzung wäre zweifellos ein weltweites Programm der Überwachung und Inspektion, das Maßnahmen zur Buchführung und Kontrolle des Inventars an Kernwaffenmaterial einschließt. (...) Wesentlich ist auch ein abgesprochenes Vorgehen, um – wenn nötig – zwangsweise international intervenieren und geheime Aktivitäten zuverlässig und rechtzeitig unterbinden zu können.

Des Weiteren ist es wichtig, atomwaffenfreie Zonen in verschiedenen Teilen der Welt zu schaffen, sowie Maßnahmen der Vertrauensbildung und der Transparenz auf dem Gebiet der Verteidigung im Allgemeinen zu ergreifen. Schließlich ist es äußerst wichtig, alle Abrüstungs- und Rüstungskontrollverträge strikt zu erfüllen und sich beim Abrüstungsprozess gegenseitig zu unterstützen, um auf diese Weise eine atomwaffenfreie Welt zustande zu bringen. Der Aufbau regionaler Systeme kollektiver Sicherheit unter Einschluss praktischer Maßnahmen zur Zusammenarbeit, Partnerschaft, Interaktion und Kommunikation sind wesentlich für die örtliche Stabilität und Sicherheit.

(...) Klar ist (...), dass Nationen, die im Besitz von Kernwaffen sind, nicht bereit sein werden, diese preiszugeben, solange sie nicht davon überzeugt sein können, dass es zuverlässigere und weniger gefährliche Mittel zur Gewährleistung ihrer Sicherheit gibt. Als Konsequenz daraus ist ebenfalls klar, dass die Atomwaffenmächte im Augenblick nicht bereit sein werden, einem festgelegten Zeitplan für die Abschaffung zuzustimmen.

Ähnlich klar ist auch, dass es unter den Nationen, die gegenwärtig keine Atomwaffen besitzen, einige geben wird, die nicht für immer auf deren Beschaffung und Bereitstellung verzichten wollen, es sei denn, ihre Sicherheit wird auf andere Weise gewährleistet. Und sie werden auch nicht darauf verzichten, sie zu beschaffen, sollten die derzeitigen Atomwaffenmächte ihr nukleares Monopol für immer und ewig aufrechterhalten wollen.
Schritte in Richtung auf die Abschaffung müssen in erster Linie von den offiziellen Atomwaffenstaaten (...) in gemeinsamer Verantwortung unternommen werden. Sie sollen aber auch von den de facto Atomwaffenstaaten (...) mitgetragen werden. sowie von den größeren Nichtatomwaffenstaaten wie Deutschland und Japan. (...)

Uns hat sich eine Herausforderung von höchster historischer Bedeutung geboten: Die Schaffung einer kernwaffenfreien Welt. Das Ende des Kalten Krieges macht es möglich. Die Gefahren, die der Welt durch Verbreitung von Atomwaffen, durch den Nuklearterrorismus und durch ein erneutes Atomwaffenwettrüsten drohen, machen es notwendig. Wir dürfen es nicht versäumen, unsere Chance zu nutzen. Es gibt keine Alternative.“ (Übersetzung: Dr. Wolfgang Sternstein, (Ohne Rüstung Leben))

Bearbeitungsstand: Januar 2006

siehe auch: Atomwaffenstaaten
siehe auch: Kalter Krieg
siehe auch: Kernwaffe
siehe auch: Trägersysteme

Genetische Schäden

Natürliche und künstliche Radioaktivität können bei Lebewesen genetische Schäden hervorrufen. Künstliche Radioaktivität kommt in großen Mengen bei Atomwaffeneinsätzen (Hiroshima, Nagasaki), Atomwaffentests, Reaktorunglücken, radioaktiven Mineralien, im Abraum des Uranbergbaus, in Baustoffen oder in der Abluft von Kohlekraftwerken vor. Bei der Eindringung in Lebendgewebe verändert die radioaktive Strahlung darin die Atome der chemischen Verbindungen. Dabei schießen die Strahlen aus den Atomhüllen die Elektronen heraus, so dass Ionen entstehen (Ionisation der Moleküle). Beim Mensch, der dieses angegriffene Lebendgewebe hat, können somatische Schäden (Sofort- und Spätschäden) oder genetische Schäden auftreten. Bei Sofortschäden handelt es sich um Schäden, die direkt nach einer starken Bestrahlung auftreten, wie Appetitlosigkeit, Übelkeit und Haarausfall. Bei sehr hoher Belastung tritt der Tod ein. Besonders betroffen sind Knochenmark und Haarwurzeln.

Die Spätschäden (stochastische Schäden) sind Leukämie und Krebs, die oft erst nach mehreren Jahren auftreten. Bei Treffern im Kern der Atome wird die Zelle sogar abgetötet oder wuchert aus, d.h. sie bekommt Krebs. Diese Schäden müssen nicht auftreten, tun es aber mit hoher Wahrscheinlichkeit, die bei größerer Belastung noch steigt. Die Stärke der Krankheit hängt aber nicht davon ab. 3% aller Krebstode wurden sogar durch natürliche Belastung hervorgerufen.

Genetische Schäden wirken sich erst bei den Nachkommen aus. In Keimzellen werden Erbinformationen verändert, so dass es bei Nachkommen zu Missbildungen kommt. Es kommt aber nicht oft zu diesen Mutationen, da die betroffene Zelle meist abstirbt. Die so genannte Letaldosis LD 50/30 (d.h. 50% Todesfälle bei der bestrahlten Population innerhalb von 30 Tagen beträgt für den Menschen 4,5 Gray = 4,5J/kg. (Quelle: www.hausarbeiten.de)

Bearbeitungsstand: November 2008

Genfer Abrüstungskonferenz

engl.: Conference on Disarmament/CD

Genfer Abrsütungskonferenz, Foto: UN

Die Genfer Abrüstungskonferenz (CD) ist das einzige ständige und weltweit repräsentative Verhandlungsforum für Fragen der Abrüstung, Rüstungskontrolle und Nichtverbreitung. Sie ist formal von den Vereinten Nationen (VN) unabhängig, faktisch jedoch eng mit diesen verbunden. Ihr Generalsekretär wird vom UN-Generalsekretär eingesetzt. Die Konferenz berät Empfehlungen der UN-Generalversammlung und sie erstattet dieser mindestens einmal jährlich Bericht.

In ihrer gegenwärtigen Form besteht sie seit 1979. Gemeinsam mit dem Ersten Ausschuss der VN-Generalversammlung und der VN-Abrüstungskommission bildet sie das Instrumentarium des globalen Abrüstungs- und Rüstungskontrolldialogs, wie er in der ersten VN-Sondergeneralversammlung für Abrüstung 1978 beschlossen wurde. 1978 ist sie aus der Conference of the Committee on Disarmament (CCD) hervorgegangen, die ihrerseits erst im Jahr 1969 aus dem Eighteen Nation Disarmament Committee (ENDC; 1962 eingerichtet) entstanden war. Die CD entscheidet selbst im Konsens über Mitgliedschaft, Tagesordnung, Arbeitsprogramm und Verfahrensfragen.

Trotz der formalen Unabhängigkeit und des eingeschränkten Teilnehmerkreises stellt die Genfer Abrüstungskonferenz in ihrer jetzigen Form das eigentliche Verhandlungsgremium der Vereinten Nationen für Abrüstungsverträge dar. Die permanente Agenda für die CD wurde 1979 festgelegt und wird jährlich aktualisiert.

Ihre augenblickliche Agenda beinhaltet:

 

  • Beendigung des nuklearen Wettrüstens und nukleare Abrüstung;
  • Verhinderung eines Nuklearkriegs, einschließlich aller damit zusammenhängender Fragen;
  • Verhinderung eines Wettrüstens im Weltraum (PAROS = Prevention of an Arms Race in Outer Space);
  • Effektive internationale Vereinbarungen, die die Nichtnuklearwaffenstaaten gegen die Anwendung oder die Androhung der Anwendung von Nuklearwaffen schützen;
  • Neue Arten von Massenvernichtungswaffen und neue Systeme von Massenvernichtungswaffen inklusive radiologische Waffen;
  • Umfassendes Abrüstungsprogramm;
  • Transparenz der Rüstungen;
  • Erörterung anderer Themen, die mit der Beendigung des Wettrüstens und mit der Abrüstung zusammenhängen;
  • Beratung, Annahme und Weiterleitung des jährlichen Berichts der Konferenz und - soweit angebracht - jedes anderen Berichts an die Generalversammlung der Vereinten Nationen.«

Nicht zu allen, aber zu den meisten dieser Punkte, sind Ad-hoc-Kommissionen eingerichtet worden. So auch bereits im Jahr 1993 zu den Beratungen des ein Jahr zuvor in die Agenda aufgenommenen Bereichs ´Transparency in armaments´ (TIA). (Quelle: www.armscontrol.de)

Die CD und ihre Vorgängergremien haben multilaterale Rüstungskontroll- und Abrüstungsverträge wie z.B. den Vertrag über die Nichtverbreitung von Kernwaffen (NVV), das Übereinkommen über biologische Waffen (BWÜ), das Übereinkommen über das Verbot chemischer Waffen (CWÜ) und den Vertrag über das umfassende Verbot von Nuklearversuchen (CTBT) ausgehandelt.

Derzeit gehören der CD 65 Staaten an. Die Bundesrepublik Deutschland ist seit 1974 Mitglied. Die CD nahm 1979 im Anschluss an die 1. VN-Sondergeneralversammlung für Abrüstung im Jahre 1978 in Fortsetzung der multilateralen Verhandlungsbemühungen ihrer Vorgänger ihre Arbeit in der jetzigen Form auf. (Quelle: Ständige deutsche Vertretung bei der Abrüstungskonferenz)

Bearbeitungsstand: Mai 2010
G-Texte

Germersheim

ehem. Atomwaffenstandort Deutschland

 

Im Rahmen der großräumigen Luftverteidigung Europas während der Zeit des Kalten Krieges waren auch die US-Streitkräfte an dem, quer durch Deutschland verlaufenden, Nike-Herkules Flugabwehrgürtel, mit insgesamt sechs in Bayern, Baden-Württemberg, Hessen und Rheinland-Pfalz, stationierten Bataillonen beteiligt.

Die ehemalige vorläufige US-Nike Feuerstellung (Launching Area) Germersheim (49°13'03”N, 8°20'48”O) lag ca. 13 km südwestlich der Stadt Speyer in Baden-Württemberg. Die dort stationierte Battery, zugehörig zur 6thUS-Arty-Group, bestand aus drei getrennten Bereichen: der Unterkunft, dem Feuerleitbereich in günstiger topografischer Lage, mit bis zu 5 Radargeräten für Überwachung, Zielerfassung, Zielverfolgung und Flugkörperverfolgung und dem Abschussbereich mit jeweils 3 Abschussflächen und dazugehörigen Bunkern. In diesem Bereich befanden sich auch die Atomsprengköpfe.

In der Stellung Germersheim waren atomare Flugabwehrraketen vom Typ Nike stationiert. An Atomsprengköpfen waren zwei Versionen verfügbar. Die kleinere mit der Bezeichnung B-XS hatte eine Sprengkraft von 2 Kilotonnen. Die größere B-XL besaß ursprünglich 40 kT Sprengkraft. Letztere wurden in den 1970er Jahren gegen Sprengköpfe zu 20 kT ausgetauscht. Maximal waren je Stellung zehn Nuklear-Sprengköpfe vorhanden, acht mit der Stärke XS mit 2 Kilotonnen und zwei XL mit 40/20 Kilotonnen Sprengkraft. Für den Einsatz der Gefechtsköpfe gab es genau festgelegte Prioritäten. Beim Anflug eines einzelnen feindlichen Zielobjektes wurde ein kleiner atomarer Gefechtskopf (B-XS) eingesetzt. Beim Anflug mehrerer feindlicher Zielobjekte wurde soweit verfügbar ein großer atomarer Gefechtskopf (B-XL) eingesetzt. Die ebenfalls vorhandenen konventionellen Gefechtsköpfe dienten lediglich als Munitionsreserve. (LL)

(Quellen: Jürgen Dreifke, Michael Juhls)

siehe auch: Nike Herkules
siehe auch: KT-Wert

Bearbeitungsstand: August 2012

Gesicherte Zerstörung

engl.: assured destruction

Die Doktrin der gesicherten Zerstörung (assured destruction) verlangte von den USA die Aufrechterhaltung eines Nuklearpotentials, das auch noch nach einem nuklearen Überraschungsangriff in der Lage und fähig war, dem Gegner einen »untragbaren Schaden« zuzufügen. Nach dem ehemaligen US-Verteidigungsminister McNamara sollte ein derartiger Schaden im Falle der UdSSR bei der Vernichtung eines Fünftels bis eines Viertels der sowjetischen Bevölkerung und bei einer Zerstörung der Hälfte ihrer Industriekapazität liegen. (Dieter S. Lutz: Weltkrieg wider Willen?, Hamburg 1981, S. 368.)

Bearbeitungsstand: September 2007

Gewollter Einsatz

engl.: deliberate use

Die Abschreckung beruht auf einer ‚glaubwürdigen’ Drohung mit dem Einsatz von Atomwaffen, um einem Angriff des Gegners zuvorzukommen. In einem Konflikt könnte eine Partei entscheiden, dass der Zeitpunkt gekommen ist, mit Atomwaffen anzugreifen, bevor die Gegenseite ihr nukleares Zerstörungspotential einsetzt. Allein die Existenz von Atomwaffen provoziert solche Gedanken. Ein Beispiel dafür ist die Kuba-Krise von 1962.

Die nach 1990 entwickelte Politik der ‚Counter-Proliferation’ (nämlich Atomwaffen nicht nur gegen Atomwaffen, sondern auch gegen einen Angriff mit Bio- oder Chemiewaffen ‚präventiv’ einzusetzen) setzt ebenfalls einen gewollten Ersteinsatz voraus. (RH)

Bearbeitungsstand: August 2005

siehe auch: Abschreckung

Giessen (US-Site #4)

ehem. Atomwaffenstandort, Deutschland

Foto: Fuldagap.de

Die US-Site #4 (50°36'00“N, 8°43'53“O) befand sich im US-Depot Gießen am östlichen Stadtrand. Dieser Bereich wurde ab 15.4.1979 von der 202 MP- (Militärpolizei) Abteilung bewacht und allgemein als "NATO-Site 4" bezeichnet. (Insgesamt gab es sechs solcher Depots in der Bundesrepublik Deutschland). Ab 1979 waren hier thermonukleare Sprengköpfe für die Kurzstreckenrakete Lance gelagert. Dabei handelte es sich um den atomaren Gefechtskopf W-70, der über eine variable Sprengkraft von 1-100 KT verfügte. Außerdem wurden spezielle „Neutronen“ Sprengköpfe aufbewahrt.

Ebenfalls ab 1979 wurden größere Umbauten im Bereich der NATO-Site 4 vorgenommen. Es wurde ein mit schusssicherem Glas ausgestatteter markanter Betonturm errichtet, sowie eine Mikrowellen-Alarmanlage und spezielle Beleuchtung eingebaut. Diese zusätzlichen Sicherungsmaßnahmen resultieren wohl daraus, dass die beginnende Friedensbewegung die meisten dieser Atomwaffendepots lokalisiert hatte und es kein Geheimnis mehr war, wo sich diese befanden. Allerdings ist bis heute unklar, welche und wieviele atomaren Sprengköpfe in der Site #4 in Gießen gelagert waren.

Das Lager wurde ausschließlich von der US-Army betrieben und bewacht. Das US-Wachpersonal (202. US-Unit) war in der Pendleton Kaserne in Gießen zusammen mit einem Zug der 564. MP untergebracht und dem V. Corps zugeteilt. Sergeant Jeff Mack (von 1979 bis 1982 bei der 202 MP) gab folgende Beschreibung der NATO-Site 4 und von seiner Arbeit: „Unsere Aufgabe war der Schutz von Lance Warheads im Depot. Es gab drei Türme; einer aus Stahlbeton und zwei aus Stahl. Alle hatten schusssicheres Glas, Schießscharten und Suchscheinwerfer. Die Sicherungszonen bestanden aus dem dreifach umzäunten innersten Bereich, in dem sich die zwei Bunker befanden. Im innersten Bereich war die Anwendung von Schusswaffen auch mit tödlichem Ergebnis befohlen. Jeder Bunker enthielt Lance Warheads in Transportbehältern. Als ältester Sergeant war es meine Aufgabe, jeden Morgen die Sprengköpfe zu zählen sowie die speziellen Verriegelungen der Bunkertore zu überprüfen.“

Vermutlich ab 1988 war die Site #4 nicht mehr mit Atomsprengköpfen belegt.(Quelle: fulda-gap.de)

Bearbeitungsstand: Januar 2012

Weitere Informationen über Atomwaffenstandorte in Deutschland

siehe auch: Lance-Rakete
siehe auch: Nike Hercules

GLCM

engl.: Ground-Launched Cruise Missile

GLCM sind nach der Definition des SALT-II-Abkommens Marschflugkörper „unbemannte gelenkte Trägersysteme mit eigenem Antrieb, die ihre Flugbewegungen für den größten Teil ihres Fluges auf aerodynamischen Antrieb stützen“. Ausgestattet mit einem Navigations- und Lenksystem haben die Marschflugkörper vermutlich einen CEP-Wert (Treffergenauigkeit) von unter 100 m. Mit einem Atomsprengkopf mittlerer Detonationsstärke können sie auch jedes harte Ziel zerstören. Die Geschwindigkeit von Marschflugkörpern liegt unter der Schallgeschwindigkeit. Der Flug kann mehrere Stunden dauern. (Die UNO-Studie Kernwaffen, München 1982, S. 28.)

Bearbeitungsstand: Juli 2005

siehe auch: CEP-Wert

Gleichgewicht des Schreckens

engl.: balance of terror

Unter Gleichgewicht des Schreckens wird umgangssprachlich die hinter der Doktrin der Mutual Assured Destruction (MAD, zu Deutsch: wechselseitig zugesicherte Zerstörung) stehende Idee verstanden. Ein Konzept, das zur massiven nuklearen Aufrüstung vor allem der USA und der Sowjetunion mit Kernwaffen führte.

Die Argumentation lautete etwa folgendermaßen: Die beiden Parteien werden sich nicht angreifen, denn in diesem Falle hätte der Angegriffene immer noch genügend verbleibende Kernwaffen, um zu einem flächendeckenden Gegenschlag auszuholen. Folglich würde der Angreifer gleichzeitig sein eigenes Todesurteil unterschreiben. Man spekulierte, den Frieden auf diese Weise zu sichern und einen Atomkrieg verhindern zu können.

Erst später setzte sich zunehmend das Bewusstsein durch, dass derselbe Zustand auch erreicht wäre, wenn keine Partei nukleare Waffen besäße. Hingegen bergen die Nukleararsenale stets das Risiko eines unbeabsichtigten Zwischenfalls (zufällige Zündung, Fehlinformationen, einfache Missverständnisse, etc.), der schließlich den Atomkrieg zur Folge haben könnte. Und damit unbeabsichtigt die Vernichtung beider Nationen. Um dem entgegenzuwirken, wurden Abrüstungsverhandlungen (z.B. START, SALT) durchgeführt und Kommunikationsmechanismen installiert (z.B. rotes Telefon nach der Kubakrise).

Spätestens in den 1980er Jahren wurde das Konzept des Gleichgewichts des Schreckens in der öffentlichen Debatte immer stärker hinterfragt. So wurde im Zusammenhang mit dem NATO-Doppelbeschluss in der Bundesrepublik von der Gefahr des »atomaren Holocaust« gesprochen. (Quelle: militaer.wisotoday.de, Seite nicht mehr verfügbar)

Bearbeitungsstand.: August 2005

Global-Strike-Konzept

engl.: Global Strike Concept

Mit dem Global-Strike-Konzept sollen die konventionellen und nuklearen Mittel und Fähigkeiten der USA, strategische sowie wichtige taktische gegnerische Ziele weltweit zu zerstören, in einen einzigen Operationsplan zusammengeführt werden. Dieser trägt die Bezeichnung OPLAN 8022 und wird seit einigen Jahren ständig weiterentwickelt. Gegenüber der Öffentlichkeit argumentiert das Pentagon, durch die Integration der konventionellen und nuklearen Bekämpfungsmöglichkeiten werde die Wahrscheinlichkeit eines Nuklearwaffeneinsatzes verringert.

Kritiker sehen das anders: Sie befürchten, dass die Hemmschwelle für den Einsatz kleiner Atomwaffen sinken wird, wenn er gemeinsam mit dem konventioneller Waffen geplant wird. Diese Befürchtungen erhalten durch den Divine Strake-Test neue Nahrung. Denn der Test kann die militärischen Planer geradezu ermutigen, ernsthaft über den wirksamen Einsatz kleinerer Nuklearwaffen nachzudenken. Er kann dazu führen, dass der Einsatz taktischer Atomwaffen zu einer realen Option wird. (Quelle: www.bits.de)

Bearbeitungsstand: September 2007

siehe auch: Divine Strike

Global Zero-Kampagne

engl.: Global Zero Campaign

Global Zero Logo

Ziel von der Kampagne "Global Zero" ist es, führende Persönlichkeiten der Weltpolitik bei der Forderung nach der Abschaffung aller Atomwaffen mit weltweiter Öffentlichkeitsarbeit zu unterstützen und eine Strategie zu entwickeln, die Anzahl der Atomwaffen schrittweise bis zur vollständigen und nachweislichen Abschaffung - Zero - zu verringern.

Ein internationales Team von Strategieexperten hat sich mit der Ausarbeitung eines Schritt-für-Schritt-Plans befasst, der alle Maßnahmen berücksichtigt, die zum Erreichen des Ziels Zero nötig sind.

Global Zero hat es sich zur Aufgabe gemacht, eine breite gesellschaftliche Unterstützung für das Anliegen zu mobilisieren, das Ziel einer atomwaffenfreien Welt zu erreichen - durch weltweite Berichterstattung auch in Online-Medien und den Aufbau von Graswurzelinitiativen. Beim öffentlichen Start der Kampagne in Paris im Dezember 2008 präsentierte Global Zero die Ergebnisse seiner jüngst in 21 Ländern durchgeführten Umfrage: sie zeigen eine überwältigende Unterstützung für ein internationales Abkommen zur kontrollierten Abschaffung aller Atomwaffen.

An der Spitze von Global Zero stehen mehr als 100 führende Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft, Militär und Zivilgesellschaft aus den verschiedensten Ländern und politischen Lagern.  (Quelle: Global Zero)

Empfehlenswert: Bericht der Global Zero NATO-Russland-Kommission zum Abzug taktischer Nuklearwaffen aus Europa, Februar 2012)

Mehr Informationen über "Global Zero" bei Initiativen heute

Bearbeitungstand: März 2012

siehe auch: B61-Bombe
siehe auch: Taktische Atomwaffen

Görisried-Ochsenhof

ehem. Atomwaffenstandort, Deutschland

Start einer Pershing-11-Rakete

Die Bereitschaftsstellung Görisried-Ochsenkopf (47°41’38“N, 10°27’56“O) lag ca. 12 km ost südost von der Stadt Kempten im Allgäu. Sie wurde am 15. März 1976 an das Flugkörpergeschwader 1 übergeben und diente seit der Zeit als Einsatzort für die Flugkörpergruppe 13.

Die Stellung Ochsenhof verfügte über feste Unterkünfte, ein Wirtschaftsgebäude und einen technischen Bereich. Die Zahl der eingesetzten Soldaten variierte und wurde durch die Stärke der jeweiligen Einsatzstaffel, welche sich anfänglich in der 14tägigen Sofortbereitschaft in der Stellung aufhielt, bestimmt. Fünf Wachtürme und ein Maschenzaun rahmten den gesamten Stellungsbereich ein. Der "Innere Bereich" auch "Innerer Ring" oder "Limited Area" genannt, wurde nochmals durch einen Doppelzaun gesichert, der äußere Zaun mit S-Draht bewacht: Zur nächtlichen Sicherung wurde am Rande dieses Zaunes eine Beleuchtungsanlage installiert, welche den ganzen Bereich in ein gleißendes gelbes Licht tauchte. Der innere Bereich war nur vom äußeren Bereich durch das, von US-amerikanischen Soldaten besetzte, CGH (Custodial Gate House) erreichbar. Die 74th USAFAD der 512th USA Artillery Group verfügte über ein eigenes Unterkunftsgebäude. Die US Custodial-Einheit hatte die Aufgabe, die Bewachung der Gefechtsköpfe wahrzunehmen.

Über asphaltierte Wege, aufgrund ihrer Formgebung auch "Spinne" genannt, wurden die drei Abschussbereiche erreicht. Auf der A-, B- und C-Plattform schließlich befanden sich je ein Abschussbereich mit je drei Waffensystem Pershing-IA. Diese waren mit atomaren Sprengköpfen vom Typ W50 bestückt, die über festgelegte KT-Werte von 60, 200 oder 400 KT verfügten.

Die Stellung Ochsenhof wurde ständig verbessert und ausgebaut. So kamen im Verlaufe der Jahre weitere Wachtürme sowie ein zentraler Wachturm hinzu, so dass ihre Gesamtzahl auf acht anstieg. Zwischen dem Zentralturm und dem CGH wurde ein Wachgebäude für das deutsche Sicherungspersonal errichtet. Als Sichtschutz wurden um die Abschussbereiche Wälle aufgeschüttet und nach 1986 mit armierten Kampfständen für das Sicherungspersonal versehen. Auch gegen gegnerische Luftlandeoperationen wurden Vorkehrungen getroffen.

Ab 16.11.1986 wurde die Stellung Ochsenhof vom Flugkörpergeschwader 1  nicht mehr als QRA-Stellung genutzt. Damit endete die Einsatzzeit der Pershing-1A in dieser Stellung. (Quelle: Stephan Olessak)

Bearbeitungsstand: Dezember 2009

Weitere Informationen über Atomwaffenstandorte in Deutschland

siehe auch: KT (Kilotonne)
siehe auch: Pershing-Rakete

Göttinger Erklärung

engl.: Göttingen Declaration

Am 12. April 1957 sprachen sich 18 Atomwissenschaftler in der "Göttinger Erklärung" dafür aus, dass sich ein Land wie die Bundesrepublik Deutschland am besten schützt und den Weltfrieden am ehesten fördert, wenn es ausdrücklich und freiwillig auf den Besitz von Atomwaffen jeder Art verzichtet. Sie erklärten, sie seien nicht bereit, sich „an der Herstellung, der Erprobung oder dem Einsatz von Atomwaffen in irgendeiner Weise zu beteiligen“. (LL)

Die Göttinger 18:
Fritz Bopp, Max Born, Rudolf Fleischmann, Walter Gerlach, Otto Hahn, Otto Haxel, Werner Heisenberg, Heinz Meier-Leibnitz, Josef Mattauch, Friedrich-Adolf Panech, Wolfgang Paul, Wolfgang Riezier, Fritz Straßmann, Wilhelm Walcher, Carl-Friedrich von Weizsäcker, Karl Wirtz.

Bearbeitungsstand: Oktober 2004

Die Göttinger Erklärung im Wortlaut (pdf-Datei)

Golfkriegssyndrom

engl.: Gulf War Syndrome

Der Begriff Golfkriegssyndrom fasst eine Summe von medizinischen Problemen zusammen, unter denen Golfkriegsveteranen zwei bis drei Mal häufiger leiden als Veteranen, die aus anderen Kriegen zurückgekehrt sind. Die neuen Beschwerden, die bei den Rückkehrern aus der Golfregion auftauchten, lassen sich nicht auf eine Posttraumatische Belastungsstörung zurückführen. Nicht der Kopf, sondern der Körper ist krank: Gelenk- und Muskelschmerzen, ungewöhnliche Müdigkeit und Erschöpfungszustände, aber auch Gedächtnisprobleme, Depressionen, Störungen der kognitiven und emotionalen Funktionen - das sind die typischen Symptomgruppen, die inzwischen auch durch zahlreiche Studien belegt sind.

Etwa ein Viertel der amerikanischen Golfkriegsveteranen gilt als arbeitsunfähig und ungefähr die Hälfte der Veteranen war in den vergangenen zwölf Jahren wegen seltsamer Symptome in ärztlicher Behandlung. Die Behandlungskosten der erkrankten Rückkehrer hat das Pentagon übernommen. Doch offiziell anerkannt hat das Verteidigungsministerium die mysteriöse Krankheit nicht.

Über die Ursache der Krankheit diskutieren Experten noch heute. War es die DU-Munition mit ihren feinen radioaktiven Staubpartikel, die über irakischem Territorium verschossen wurde? Konnte dieses radioaktive Material über die Atemorgane oder offene Wunden der Soldaten in den Körper der Menschen gelangen? Waren es chemische Kampfstoffe in Verbindung mit den Rauchwolken von brennenden Ölquellen? Oder sorgten die zuvor kaum getesteten Stoffe der Schutzimpfungen gegen biologische Waffen, Infektionskrankheiten und Insektizide für die Beschwerden? - Vermutlich war es das Zusammenspiel dieser Faktoren. Obwohl zwischenzeitlich hohe Geldsummen in Forschungsprojekte gesteckt wurden, kamen Forscher zu keinem endgültigen Ergebnis: Die klare Verbindung zwischen den Krankheitsbildern und den von den Truppen eingenommenen Medikamenten und den chemischen Belastungen, denen die Soldaten während des Kriegs ausgesetzt waren, fehlt. (Quelle: ZDF Sendung: 37 Grad vom 17.02.2003)

Bearbeitungsstand: März 2006

siehe auch: DU-Munition

Grauzonenwaffen

engl.: grey area weapons

Dieser Begriff bezeichnet seit den 1970er Jahren einen bestimmten Bereich der militärischen Raketenrüstung. Im Wesentlichen handelte es sich dabei um Mittelstreckenwaffen, die in einer Grauzone zwischen nuklear-strategischen und nuklearen Kurzstreckenwaffen angesiedelt und nicht von den Abrüstungsverhandlungen - Strategic Arms Limitation Talks (SALT) und Mutual Balanced Forces Reduction (MBFR) - betroffen waren. Später war es unter anderem das Ziel des NATO-Doppelbeschlusses von 1979 Verhandlungen über die Grauzonenwaffen herbeizuführen. (LL)

Bearbeitungsstand: April 2006

siehe auch: Mittelstreckenrakete
siehe auch: NATO-Doppelbeschluss
siehe auch: SALT

Gray

Maßeinheit für die Menge an Strahlung, die eine Person aufgenommen hat. Ein Gray bedeutet, dass in 1 kg eines Stoffes die Energie von 1 Joule stecken geblieben ist. Diese Energiemenge ist sehr klein. Die gleiche Menge, die als radioaktive Strahlung einen Menschen töten würde, 10 Gray, könnte als Wärmeenergie den Körper nur um einige Tausendstel Grad Celsius erwärmen. Gray hat die alte, aber absolut gleichwertige Maßeinheit rad abgelöst; ein Gray entspricht 100 rad. (XH)

Bearbeitungsstand: September 2005

Gravitationsbombe

Als Gravitationsbomben bezeichnet man frei fallende Fliegerbomben, die ohne Lenk- oder Antriebssysteme nach der Loslösung vom Trägersystem (Flugzeug) den Gesetzen der Schwerkraft folgend ihr Ziel erreichen.

Die wichtigste nukleare Gravitationsbombe im Bestand der US-Streitkräfte ist die auch in Europa lagernde thermonukleare B-61 Bombe

  1. Die B61 existiert in großer Stückzahl. Ab Januar 1968 wurden etwa 3.150 Bomben dieses Typs gebaut, Noch heute sind etliche hundert Exemplare vorhanden. Etwa 300 sollen sich im aktiven Bestand der US-Streitkräfte befinden, weitere als reaktivierbare Reserve eingelagert sein. Diese Bomben stellen einen substantiellen Teil des gesamten Nuklearwaffenpotentials der USA dar. Washington unterhält nach offiziellen Angaben insgesamt noch 5.113 Kernwaffen (Stand: 30.9.2009), davon sind etwa 2.150 im aktiven Dienst. 
  2. Die noch aktiven oder reaktivierbaren Atomwaffen gehören zu sieben verschiedenen Typen. Die Bomben des Typs B61 sind einerseits das älteste Grund-Design, andererseits die einzige Waffe, von der es taktische und strategische Versionen gibt – also auch Versionen für den Einsatz auf regionalen Kriegsschauplätzen. Die Existenz der taktischen Versionen macht die B61 einzigartig innerhalb des US-Arsenals. 
  3. Die B61 ist die einzige Nuklearwaffe, die seitens der USA in Drittländern stationiert wird. Sie ist Teil der nuklearen Abschreckung der NATO. Der aktive Bestand der taktischen Versionen wird in fünf europäischen NATO-Staaten gelagert und dient dort zur Implementierung der rechtlich umstrittenen Nuklearen Teilhabe.Die Länder in denen sie stationiert sind, Belgien, Deutschland, Italien, die Niederlande und die Türkei, halten ihrerseits Kampflugzeuge und Piloten vor, die ausgebildet sind, um Nuklearwaffen einzusetzen. In Ländern außerhalb der NATO stationieren die USA keine Nuklearwaffen mehr. 
  4. Die Bomben des Typs B61 verfügen über ausgeklügelte und dem jeweiligen Stand der Technik entsprechende Sicherungs- und Sicherheitssysteme, die einen Missbrauch durch Unbefugte ebenso unterbinden sollen wie eine Freisetzung radioaktiven Materials im Fall von Unfällen. Sie gelten verglichen mit anderen Nuklearwaffen als sichere Waffen. 
  5. Schließlich ist die B61 eine Atomwaffe, deren Sprengkraft vor dem Einsatz variabel aus vier sehr unterschiedlichen Optionen gewählt werden kann. Damit offeriert diese Waffe vielfältige Möglichkeiten im Einsatz und eine große Flexibilität. Da sie mit Flugzeugen eingesetzt wird, bietet sie zudem die Möglichkeit, einen begonnenen Einsatz doch noch abzubrechen.

(Quelle: BITS Research Report 12.1, September 2012) 

Bearbeitungsstand: Juni 2014 

Griesheim

ehem.Atomwaffenstandort, Deutschland

Im Rahmen der großräumigen Luftverteidigung Europas während der Zeit des Kalten Krieges waren auch die US-Streitkräfte an dem quer durch Deutschland verlaufenden Nike-Herkules Flugabwehrgürtel mit insgesamt sechs in Bayern, Baden-Württemberg, Hessen und Rheinland-Pfalz, stationierten Bataillonen beteiligt. Das 1thMissile Battailon, 67thUS-Arty-Group verfügte über atomare Feuerstellungen in den Standorten Griesheim, Mainbullau, Hardheim und Dallau.

Die Nike-Feuerstellung (Launching Area) Griesheim (49°50'38”N, 08°35'03”O)  lag  ca. 5 km südwestlich von Darmstadt in Hessen. Die dort stationierte A-Battery, 1thMissile Battailon, 67thUS-Arty-Group bestand aus drei getrennten Bereichen: der Unterkunft, dem Feuerleitbereich in günstiger topografischer Lage mit bis zu 5 Radargeräten für Überwachung, Zielerfassung, Zielverfolgung und Flugkörperverfolgung und dem Abschussbereich mit jeweils 3 Abschussflächen und dazugehörigen Bunkern. In diesem Bereich befanden sich auch die Atomsprengköpfe.

In der Stellung Griesheim waren von 1961 bis 1970 atomare Flugabwehrraketen vom Typ Nike stationiert. An Atomsprengköpfen waren zwei Versionen verfügbar. Die kleinere mit der Bezeichnung B-XS hatte eine Sprengkraft von 2 Kilotonnen. Die größere B-XL besaß ursprünglich 40 kT Sprengkraft. Letztere wurden in den 1970er Jahren gegen Sprengköpfe zu 20 kT ausgetauscht. Maximal waren je Stellung zehn Nuklear-Sprengköpfe vorhanden, acht mit der Stärke XS mit 2 Kilotonnen und zwei XL mit 40/20 Kilotonnen Sprengkraft. Für den Einsatz der Gefechtsköpfe gab es genau festgelegte Prioritäten. Beim Anflug eines einzelnen feindlichen Zielobjektes wurde ein kleiner atomarer Gefechtskopf (B-XS) eingesetzt. Beim Anflug mehrerer feindlicher Zielobjekte wurde soweit verfügbar ein großer atomarer Gefechtskopf (B-XL) eingesetzt. Die ebenfalls vorhandenen konventionellen Gefechtsköpfe dienten lediglich als Munitionsreserve.

Die NIKEs waren bis Ende der 1970er Jahre hier stationiert. Danach wurde die Stellung umgebaut und bis ca. 1983 für nicht atomare HAWK-Flugabwehrraketen genutzt. Heute ist das Gelände ein eher unzugängliches und relativ unberührtes Waldstück neben dem August-Euler-Flugplatz. Nach dem Abzug der Raketenbatterie wurden die Einrichtungen unbrauchbar gemacht, teilweise gesprengt. (LL)

(Quellen:  Jürgen Dreifke, Michael Juhls)

Bearbeitungsstand: September 2010

Weitere Informationen über Atomwaffenstandorte in Deutschland

siehe auch: Nike Herkules
siehe auch: KT(Kilotonne)

Großbritannien

Atomwaffenstaat | Nuclear Weapon State

Atom U-Boot "Vanguard" kehrt zurück zum Marinestützpunkt am Clyde, Foto: Tam McDonald, UK MoD

Seit 1998 hat Großbritannien nur noch ein Atomwaffensystem: eine Flotte von atombetriebenen U-Booten, die mit 50 Trident II D5 seegestützten ballistischen Raketen bestückt sind.

Die Trident-Raketen sind von den USA gemietet. Obwohl die U-Boote in Großbritannien gebaut wurden, kommen auch viele Komponenten und Zielsysteme aus den USA. Die Sprengköpfe selbst wurden nach US-Design in Großbritannien bei Aldermaston gebaut. Manche wichtige Teile der Sprengköpfe allerdings werden direkt in den USA entwickelt und hergestellt.

Die Raketen haben eine Reichweite von 7.400 Kilometern und können somit Russland oder den Nahen Osten erreichen. Ununterbrochen patrouilliert  ein U-Boot im Atlantik, während ein weiteres gewartet wird und die zwei übrigen im Hafen bleiben oder für militärische Übungen vorgesehen sind.

Die britische Regierung will Atomwaffen für mindestens die nächsten 50 Jahren beibehalten. Dennoch wird das Trident-II-System, das 1994 in Betrieb genommen wurde, ca. 2025 auslaufen. Die Entscheidung über einen Ersatz musste daher bis zum Jahr 2010 fallen, da es sehr viel Zeit in Anspruch nimmt, ein neues System aufzustellen. Obwohl die bestehende Flotte noch bis 2020 oder länger einsatzfähig bleiben könnte, wurde im März 2007 durch das britische Parlament eine Erneuerung der "Trident" Atomwaffenträger beschlossen. Nach der Wahl in 2010 entfachte wieder die Debatte über Trident, vor allem wegen den hohen Kosten, die laut Greenpeace bis zu 97 Milliarden britische Pfund betragen.

Bearbeitungsstand: Oktober 2011

Weitere Informationen zum britischen Atomwaffenprogramm

siehe auch: Aldermaston
siehe auch: Sprengkopf
siehe auch: Trident-Rakete

Groß Dölln

ehem. Atomwaffenstandort, Deutschland

ehem. Atomwaffenstandort Groß-Dölln. Bild: Digital GlobeWährend der Zeit des Kalten Krieges betrieben die sowjetischen Luftstreitkräfte auf dem Gebiet der damaligen DDR insgesamt sieben aktive Kernwaffenlager im Bereich der Flugplätze Altenburg, Brand, Finsterwalde, Groß Dölln, Großenhain, Lärz und Werneuchen.

Auf dem sowjetischen Militärflugplatz Groß Dölln war das 20. Garde-Jagdbombenflieger-Regiment stationiert. Dieser Verband war mit atomwaffenfähigen Jagdbombern vom Typ Su-17M ausgerüstet. Diese Maschinen stellten neben den MiG-27 in den 1970er und 1980er Jahren das Rückgrat der sowjetischen Frontluftstreitkräfte. Vorübergehend sollen im Bereich des Flugplatzes auch SS-20-Raketen stationiert gewesen sein.
Zusätzlich nahm der Flugplatz die Funktion eines „Umschlag- und Zwischenlagerplatzes“ ein. Dies wird auch an den baulichen Gestaltungen des Umfeldes der beiden Lagerbunker für Kernwaffen sichtbar. Während die Bunker als normales Doppelbauwerk errichtet wurden, verfügt der Verladebereich über einige Besonderheiten. Hier sind mehrere Rampen von beiden Seiten her anzufahren. Daraus kann geschlussfolgert werden, dass es sich um eine Art „Logistikzentrum“ gehandelt hat. Das deckt sich auch mit Aussagen wonach bei der Rückführung der sowjetischen Truppen vorrangig über diesen Flugplatz die sensibleren Element der Bewaffnung (Kernwaffen) ausgeflogen wurden. (Quelle: Paul Bergner: Atombunker, Kalter Krieg, Programm Delphin, Zella-Mehlis 2007)

Das Kernwaffenlager (KWL) Groß Dölln (53°01'14“N, 13°31'07“O) unmittelbar südlich des gleichnamigen Militärflugplatzes lag ca. 55 km nördlich von Berlin in Brandenburg. Hier waren für die SU-17 (Fitter C) Kernwaffen der Typen RN-28 (1 KT), RN-29 (KT-Wert nicht bekannt) und RN-35 (KT-Wert nicht bekannt) eingelagerte. Über Anzahl und Dauer der stationierten Kernwaffen sind keine Angaben verfügbar. (LL)

Bearbeitungsstand: November 2012

Weitere Informationen über Atomwaffenstandorte in Deutschland

siehe auch: KT (Kilotonne)
siehe auch: Sprengkraft

Großenhain

ehem. Atomwaffenstandort, Deutschland

ehem. Atomwaffenstandort Großenhain. Bild: Digital GlobeWährend der Zeit des Kalten Krieges betrieben die sowjetischen Luftstreitkräfte auf dem Gebiet der damaligen DDR insgesamt sieben aktive Kernwaffenlager im Bereich der Flugplätze Altenburg, Brand Finsterwalde, Groß Dölln, Großenhain, Lärz und Werneuchen.

Das Kernwaffenlager (KWL) Großenhain (51°18'16“N, 13°33'07“O) lag auf dem gleichnamigen Militärflugplatz ca. 30 km nordwestlich der Stadt Dresden in Sachsen. Hier war die 105. Jagdbomberfliegerdivision der Gruppe der Sowjetischen Streitkräfte in Deutschland stationiert. Der Verband war ausgestattet mit atomwaffenfähigen Jagdbombern vom Typ Su-17M-2. Diese konnten unter anderem freifallende Nuklearbomben vom Typ RN-28 ( Sprengkraft 1 KT), RN-29 und RN-35 einsetzen. Über die Sprengkraft (KT-Wert) dieser Bomben sind nur teilweise Angaben zugänglich.

Das Kernwaffenlager wurde zwischen 1972 und 1974 errichtet und bestand aus zwei Bunkern vom Typ „Granit 1“ Das Gelände war mehrfach gesichert. Drei Zäune, einer aus aufgestellten Blechen und zwei aus Stacheldraht, umgaben das Gelände. Über den Zeitraum und die Anzahl der eingelagerten Kernwaffen sind keine Angaben zugänglich. Nach Abzug der sowjetischen Truppen (1993) wurde der Bunkerkomplex ab 2004 unter Denkmalschutz gestellt. Er ist seitdem teilweise Bestandteil einer Ausstellung zur Geschichte des Flugplatzes Großenhain. (LL). (Quelle: Fliegerrevue Extra Nr. 22, Atomwaffen in der DDR, September 2008)

Bearbeitungsstand: November 2012

Weitere Informationen über Atomwaffenstandorte in Deutschland

siehe auch: KT (Kilotonne)
siehe auch: Sprengkraft

Ground Zero

dt.: Nullpunkt

Die militärische Bezeichnung "ground zero"(dt.: Nullpunkt) wird im Zusammenhang mit nuklearen Explosionen verwendet. Damit wird der Punkt an der Erdoberfläche bezeichnet, auf, über oder unter dem eine Atombombenexplosion stattgefunden hat. Der Nullpunkt ist in der Regel der Punkt mit den höchsten Schäden durch die Bombenexplosion.

Die bekanntesten Orte, die den Namen Ground Zero tragen, liegen in Hiroshima wo am 6. August 1945 die Atombombe »Little Boy« abgeworfen wurde und in Nagasaki, wo am 9. August 1945 die Atombombe »Fat Man« abgeworfen wurde. (LL)

Bearbeitungsstand: Juni 2006

siehe auch: Fat Man
siehe auch: Hiroshima
siehe auch: Little Boy
siehe auch: Nagasaki

GROVES General Leslie

1896 - 1970

Leslie Groves wurde am 17. August 1896 in Albany (NY) geboren.

1918: Universitätsabschluss

1931: Chief of Engineers in Washington

1936: Abschluss an der Command and General Staff School

1939: Army War College

1940: Während seiner Dienstzeit als stellvertretender Konstruktionsleiter der Truppengattung für Ingenieure war er maßgeblich am Bau des Pentagon beteiligt.

1942: Wurde er der Hauptverantwortliche für eines der gewaltigsten Projekte der US-amerikanischen Militärgeschichte, den Bau der ersten Atombombe. Das von ihm selbst zunächst mit dem Begriff »Manhattan Engineer District (MED)« bezeichnete Projekt, wurde später unter der Bezeichnung »Manhattan Projekt« weltberühmt. Er gab für das Manhattan-Projekt die damals unvorstellbare Summe von über 2 Milliarden US Dollar aus und hatte zeitweise bis zu 125.000 Mitarbeiter unter sich, darunter viele Wissenschaftler.

1945: Entschied er in verschiedenen Ausschüssen mit, wohin die erste Bombe geworfen wurde.

1948: Die Ernennung zum Lieutenant General; kurz danach Abdankung

Am 13.Juli 1970 stirbt er an einem Herzleiden. (Quelle: TU-München, Fakultät für Informatik)

Bearbeitungsstand: November 2007

Siehe auch: Manhattan-Projekt

Grünstadt

ehem. Atomwaffenstandort, Deutschland

Grünstadt Sonderwaffenlager, Foto: DigitalGlobe 2000Die Stellung Grünstadt (49°33'28“N, 8°08'03“O) gehörte zum Einsatzbereich Sembach und lag ca. 18 km südwestlich vom Stadtzentrum Worms entfernt. Sie war ab 1959 die Abschussanlage Nr. 3 für den mobilen Einsatz des Mace-Marschflugkörpers. Insgesamt wurden für die Stellung 12 Flugkörper vom Typ TM-76A bereitgehalten, die über den atomaren Gefechtskopf W-28 mit einer Sprengkraft von 1,1 MT verfügten.

Weitere mobile Stellungen befanden sich in Mehlingen, Enkenbach, Wüschheim, Kirchberg und Hecken, in denen ab 1960 insgesamt 72 Mace-Marschflugkörper verfügbar waren. Jede Stellung verfügte über mindestens zwei Abschussbereiche (complex) mit je vier Abschussplätzen, wodurch mindestens acht Flugkörper individuell für den Abschuss vorbereitet werden konnten. (Bei Google Earth sind die in dieser Stellung betonierten insgesamt 12 Abschussplätze noch gut zu erkennen.)

In Ergänzung zu den mobilen Stellungen gab es zwei stationäre unterirdisch verbunkerte Abschussanlagen in der Eifel bei Rittersdorf („Launch site 7“) und bei Idenheim („Launch site 8“). Diese waren mit jeweils acht Flugkörpern des modifizierten Typs TM-76B bestückt.

Ab Oktober 1966 begann die Rückverlegung der „Mace“ in die USA. (LL)

Weitere Informationen über Atomwaffenstandorte in Deutschland

siehe auch: MACE-Marschflugkörper
siehe auch: MT (Megatonne)

Gun-Design

engl.: gun-type

Um Atombomben zur Explosion zu bringen, kommen im Wesentlichen zwei verschiedene Systeme zum Einsatz. Man unterscheidet dabei das Gun-Design und die Implosion.

Das Gun-Design (Kanonenprinzip) verwendet als Zündung konventionelle Sprengladungen. Damit werden zwei unterkritische spaltbare Massen aufeinander geschossen. In der Regel werden dazu zwei Halbkugeln verwendet, in denen sich das Material getrennt voneinander befindet.

Als Ergebnis kommt es zu einer Verschmelzung der beiden unterkritischen Massen zu einer Überschreitung der kritischen Masse, wodurch die Kettenreaktion ausgelöst wird. Dieses Verfahren wurde erstmals beim Einsatz der Atombombe „Little Boy“ auf die Stadt Hiroshima am 6. August 1945 angewendet. (LL)

Bearbeitungsstand: Dezember 2015

» Weitere Informationen zum Aufbau einer Atomwaffen