Gibt es heute noch bei Nachgeborenen genetische Defekte und Missbildungen, die auf den Atombombenabwurf zurückzuführen sind?

Diese Frage ist nur sehr schwer zu beantworten. Die offiziellen Studien geben keinen Hinweis darauf, dass in Hiroshima und Nagasaki häufiger Kinder mit Missbildungen geboren werden als in anderen japanischen Städten. Das heißt aber nicht, dass Eizellen und Spermien der Eltern nicht durch die Strahlung genetisch verändert wurden. Aber: Die Natur hat hier nur eine hohe Hürde eingebaut: Eizellen mit defekten Genen nisten sich haüfig erst gar nicht in die Gebärmutterschleimhaut ein oder werden sehr früh abgestoßen. Die betroffene Frau könnte im günstigen Fall nicht einmal bemerken, dass sie schwanger war und bekommt ihre scheinbar übliche Blutung.


Allerdings: Trotz dieser möglichen Erklärung zweifelt man das Datenmaterial aus Japan heute an vielen Punkten an. Die Auswahl der Studienteilnehmer an den von den USA finanzierten Studien gilt als nicht als repräsentativ. Viele Betroffene wurden im Nachhinein wegen unglaubwürdiger Aussagen wieder ausgeschlossen. Es wurden nur Betroffene bis zu einer Entfernung von 2,5 Kilometern vom Hypozentrum für die Studie zugelassen. Und die Untersuchungen starteten zudem erst Jahre nach dem Abwurf. Entscheidende Zeit wurde als verpasst. Häufig wurden auch falsche Todesursachen angegeben, weil es als Makel galt, Hiroshima-Überlebender zu sein. Denn: Hiroshima-Überlebende waren verstrahlt, man konnte sie der langläufigen Meinung nach nicht heiraten oder Kinder mit Ihnen bekommen. Aus diesem Grund ist auch zu vermuten, dass Hebammen oder Eltern Behinderungen bzw. Totgeburten nicht anzeigten.

Und: Die Kinder der Überlebenden klagen über vermehrte Krebserkrankungen und andere Krankheiten. Untersucht worden sind diese Phänomene lange Jahre nicht. Erst heute fängt man heute erneut an zu untersuchen, ob Kinder von Hiroshima-Überlebenden, Schäden entwickelt haben.


Eines allerdings wissen wir schon heute genau: Als Folge der Abwürfe kam es unmittelbar danach zu einer nicht genau bekannten Anzahl von Fehl- und Todgeburten. Und: Ungeborene Kinder, die im Mutterleib die Katastrophe erlebt haben, haben durchschnittlich einen geringeren Intelligenzquotienten als unbestrahlte Kinder und entwickelten sich langsamer. Viele Kinder wurden mit schweren geistigen Behinderungen geboren – in Abhängigkeit von der Höhe der Strahlendosis und dem zeitlichen Stadium ihrer embryonalen Entwicklung. Heute gibt es Hinweise darauf, dass bei diesen mittlerweile erwachsenen Überlebenden auch die Krebsrate erhöht ist. Allerdings ist das diesbezügliche Zahlenmaterial noch gering. (UW)

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