Fulda Gap

Der Begriff »Fulda Gap« (Lücke bei Fulda) tauchte erstmals Mitte der 1970er Jahre in einem Reference Book (Taktiklehrbuch) der Ausbildungsstätte für Generalstäbler der US-Armee in Fort Leavenworth (Kansas) auf. Es trug den Titel »Conventional-Nuclear-Operations« (Konventionelle und nukleare Kriegsführung).

Im vierten Kapitel wird die atomare Gefechtsführung im Raum Fulda behandelt: »Das 3. [US-]Armeekorps, aus zwei Divisionen bestehend, sitzt mitten auf der kürzesten Verbindungsroute zwischen der westdeutschen [Ost-]Grenze und dem Rhein. Somit dürfte dies für die in Ostdeutschland stationierten Streitkräfte, die die Bedrohung bilden, das Hauptangriffsgebiet sein. Die wichtigsten Routen für einen Vorstoß in das Gebiet des Armeekorps sind der ‚Hessische Korridor’ längs der Autobahn Bad Hersfeld – Frankfurt und die ‚Fuldaer Lücke’, die im Norden und Süden um die Stadt Fulda herumläuft, und das Tal des Flusses Kinzig über Schlüchtern, Gelnhausen und Hanau nach Frankfurt«.

1982 produzierte die größte amerikanische Fernsehgesellschaft CBS den Film »The Nuclear Battlefield«, der das oben genannte Reference Book inhaltlich aufbereitete. Ausführlich erklärte der Film den Einsatz des »Zebra Package of the 3. US-Corps« im Fulda Gap. Dies ‚Zebra-Paket’ war ein System von 141 Nuklearsprengköpfen mit einer Sprengkraft zwischen 0,1 und 10 Kilotonnen TNT-Äquivalent (Hiroshima: 12,5 Kilotonnen). Von den 141 Atomsprengköpfen sollten im Kriegsfall innerhalb von zwei Stunden 114 im Fulda Gap und 27 im Kinzigtal als nukleares Sperrfeuer’ gezündet werden. (Krusewitz/Maul: Vom Fulda Gap zur UNESCO-Modellregion? Biosphärenreservat Rhön. Niederaula 2001, S. 13.)

Bearbeitungsstand: Juni 2006

siehe auch: KT (Kilotonne)
siehe auch: Sprengkraft
siehe auch: TNT (Trinitrotoluol)

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