F-84 Thunderstreak

Die F-84 war das erste Jagdflugzeug der USA, das taktische Atomwaffen zum Einsatz bringen konnte. Wegen des hohen Gewichts der Maschine und der vergleichsweise schwachen Triebwerke konnte es bei bestimmten Flugmanövern zu einem Strömungsabriss kommen, so dass im Einsatz ein hohes Unfallrisiko bestand. Tatsächlich verlor die US Air Force beinahe ein Drittel der beschafften F-84 durch Unfälle.

Die Bundesluftwaffe schaffte innerhalb von 5 Jahren insgesamt 450 Maschinen dieses Typs an. Die ersten 20 Jets wurden am 13. November 1956 auf dem Fliegerhorst Fürstenfeldbruck offiziell an die Luftwaffe übergeben. Bis 1961 wurden 6 Geschwader  mit  je 2 Staffeln a 25 Flugzeugen  vom Typ F-84F ausgerüstet. Das waren die JaboG 31 in Nörvenich, 32 in Lechfeld, 34 in Faßberg, 35 in Husum und 36 in Hopsten. Die atomare Bewaffnung bestand aus einer frei fallenden Fliegerbombe mit einer Sprengkraft von 8 KT.

Die F-84F stand bis 1966 im Einsatz und wurde nach der Außerdienststellung für einige Zeit als Reserve "eingemottet". Die Bundesluftwaffe ersetzte die F-84F zwischen 1961 und 1966 durch das Modell F-104G Starfighter. (LL)

Bearbeitungsstand: Mai 2011

siehe auch: KT (Kilotonne)
siehe auch: taktische Atomwaffen

Falkenberg an der Elster

ehem. Atomwaffenstandort in Deutschland

ehem. Atomwaffenstandort Falkenberg an der Elster. Bild: Digital GlobeWährend des Kalten Krieges unterhielten die sowjetische Luftstreitkräfte in Ergänzung zu ihren aktiven Kernwaffenlagern auf den Flugplätzen (Altenburg, Brand, Finsterwalde, Groß Dölln, Großenhain, Lärz und Werneuchen) auch sogenannte “temporäre Kernwaffenlager” vermutlich in Falkenberg-Elster, Jüterbog, Köthen, Merseburg, Neuruppin, Parchim, Ribnitz-Damgarten und Wittstock.

Das temporäre Kernwaffenlager Falkenberg/Elster (51°33'34“N, 13°12'21“O) vom Typ Granit lag ca. 1,5 km nördlich des gleichnamigen sowjetischen Flugplatzes und ca. 63 km nordwestlich von Leipzig. Auf dem Flugplatz war das 31.sowjetische Garde-Jagdfliegerregiment mit atomwaffenfähigen MiG-29 stationiert. Der Einsatz von atomaren Fliegerbomben des Typs RN-42 wäre möglich gewesen. Zu welchen Zeiten und ob überhaupt Kernwaffen vor Ort bereitgehalten wurden, lässt sich nicht zweifelsfrei nachweisen. (LL)

Bearbeitungsstand: Dezember 2012

Weitere Informationen über Atomwaffenstandorte in Deutschland

Fallout

Fallout (dt.: radioaktiver Niederschlag) entsteht hauptsächlich durch verstrahltes Erdreich bei niedrigen Luft- oder Bodendetonationen. Eine Bodendetonation erzeugt immer radioaktive Teilchen. Dabei fallen die großen und schweren Teilchen innerhalb weniger Minuten nach der Detonation dicht am Nullpunkt zu Boden, so dass hier eine hohe für Menschen tödliche Strahlenbelastung entsteht.

Die leichteren und kleineren Teilchen steigen mit dem Feuerball und der Explosionswolke zunächst nach oben und fallen dann nach und nach in Windrichtung wieder zu Boden. In der Regel beginnt der radioaktive Niederschlag (Fallout) nach weniger als einer Stunde wieder zu Boden zu fallen und hält ein bis zwei Tage lang an, je nach der Entfernung zum Nullpunkt. Bei Explosionen mit einem hohen Detonationswert werden kleinste verstrahlte Teilchen bis in die Stratosphäre geschleudert und können dort monate- oder jahrelang verbleiben, bevor sie wieder auf den Erdboden sinken.

Über Ausmaß und Intensität des radioaktiven Niederschlags entscheiden verschiedene Faktoren, deren wichtigster die Wetterlage ist. Bei unsteten oder umlaufenden Winden in unterschiedlichen Höhen nimmt das Gebiet radioaktiven Niederschlags sehr komplexe Formen an, möglicherweise mit Stellen hoher Konzentration (hot spots) und strahlungsfreien Bereichen, so dass es in der Regel unmöglich ist, eine verlässliche Vorhersage über das Niederschlagsgebiet zu erstellen. Auch kann bei Regen oder Schnee eine Luftdetonation unter den Wolken, die bei klarem Wetter einen unerheblichen radioaktiven Niederschlag verursacht hätte, zu einem beträchtlichen nicht vorhersehbaren lokalen Niederschlag führen, weil die radioaktiven Teilchen durch den Regen oder Schnee konzentriert zu Boden fallen.

Der natürliche Zerfall der Radioaktivität ist der wichtigste Vorgang, um ein verstrahltes Gebiet wieder zugänglich (bewohnbar) zu machen. Auch Regen und Wind verkürzen diese Zeitspanne, indem sie radioaktive Teilchen ins Wasser und in den Erdboden schwemmen, wo sie im Allgemeinen weniger gefährlich sind, als auf der Erdoberfläche. Allerdings wird dadurch eine unkontrollierte Ausbreitung der Rückstandsstrahlung verursacht. Schließlich kann in begrenzten Gebieten auch durch Dekontamination (Entstrahlung) die Radioaktivität verringert oder ganz beseitigt werden. (Die UNO-Studie »Kernwaffen«, München 1982, S. 224.)

Bearbeitungsstand: Januar 2006

siehe auch: Detonationswert

Fangataufa und Moruroa

NASA Johnson Space Center - Earth Sciences and Image Analysis

Auf den Atollen Fangataufa und Moruroa fanden insgesamt 197 Atomwaffentests statt, welche die Umwelt des Archipels radioaktiv versuchten und seine Bevölkerung gefährlichen Strahlendosen aussetzten.


Hintergrund
Zwischen 1966 und 1996 führte die französische Regierung trotz internationaler Kritik 197 Atomwaffentests auf Atollen in Französisch-Polynesien durch: 42 atmosphärische und 141 unterirdische Tests auf Moruroa, 5 atmosphärische und 9 unterirdische Tests auf Fangataufa. Während man anfangs die Bomben noch auf Booten in der Lagune zur Detonation gebracht hatte, wurden spätere Tests aufgrund der erheblichen Mengen an radioaktivem Niederschlag, die dabei entstanden waren, mit Sprengköpfen durchgeführt, die unter Ballons hingen. Zudem ging man ab 1975 zu Detonationen in Bohrschächten über, die tief in das Basaltgestein der Atolle getrieben wurden. Während der dreißigjährigen Ära der Atomwaffentests auf den Atollen lebten im Umkreis etwa 5.000 Menschen. Am stärksten von den Tests betroffen waren die nur 100 km entfernten Inseln Mangareva und Tureia, welche 1968 wegen des hohen radioaktiven Niederschlags evakuiert werden mussten. Mehrere Unfälle erhöhten zudem die Exposition der Bevölkerung: Im Juli 1966 brach eine Atombombe auf der Oberfläche des Moruroa-Atolls auseinander und setzte große Mengen Plutonium-239 frei.
Die Explosion einer 120 Kilotonnen-Bombe im Juli 1979 auf Moruroa verursachte einen Erdrutsch, setzte große Mengen an Strahlung in den Ozean frei und löste einen gigantischen Tsunami aus, der viele Inseln des Archipels schwer verwüstete. Im Frühling 1981 wurde Moruroa zudem von Wirbelstürmen heimgesucht, die radioaktiven Müll und einen Großteil des 1966 freigesetzten Plutoniums ins Meer spülten.


Folgen für Umwelt und Gesundheit
Moruroa und Fangataufa wurden durch die Atomwaffentests mit hoch radioaktivem Niederschlag überzogen, dem sogenannten 'Fallout'. Auch umliegende Inseln wurden davon schwer in Mitleidenschaft gezogen. Wissenschaftler des französischen Militärs fanden auf Mangareva hohe Strahlenwerte in Fischbeständen, sowie Wasser-, Luft- und Bodenproben. Auf der Insel kultivierter Salat wies eine Radioaktivität von bis zu 650.000 Bq/kg auf. Je nach vorherrschender Isotope würde ein Erwachsenerdurch den Verzehr eines Kilo dieses Salats eine interne Strahlendosis von etwa 40-70 mSv aufnehmen, also mehr als das 100- bis 200-fache der normalen Strahlendosis, die ein Mensch pro Jahr durch Nahrungsmittel zu sich nimmt (ca. 0,3 mSv/a). Ein Kind würde durch die selbe Menge Salat etwa die doppelte interne Strahlendosis erhalten.Zwischen 1966 und 1975 wurde zudem an allen Strahlenmesstationen in Neuseeland, Fiji, Samoa, Tonga und Tahiti und bis nach Peru und Mexiko erhöhte Werte an Radioaktivität gemessen.
Nach der Detonation einer 120 Kilotonnen-Bombe auf Moruroa im Jahr 1966 fiel zudem radioaktiver Niederschlag auf Samoa, was kurzfristig zu einer Erhöhung der dortigen Strahlenkonzentration auf das 1.850-fache führte (von 0,2 Gbq/km2 auf 370 GBq/km2).
Ein ähnlicher radioaktiver Niederschlag ereignete sich 1974 auf Tahiti. Dennoch wurden aufgrund strikter militärischer Sperrmaßnahmen kaum Gesundheitsdaten erhoben oder publiziert. Nur vier wissenschaftliche Studien geringen Umfangs wurden in den letzten Jahren genehmigt. Diese fanden hohe Mengen der radioaktiven Stoffe Tritium, Jod-131 und Cäsium-134 in Sediment- und Wasserproben und sogar noch höhere Werte im Plankton, so dass eine Anreicherung in der marinen Nahrungskette zu befürchten ist.
Während schwere Stoffe wie Uran oder Plutonium in unmittelbarer Nähe zum Ort der Detonation gefunden wurden, waren leichte Radionuklide wie Tritium, Cäsium-137 und Strontium-90 mit der Strömung aufs offene Meer verteilt worden. Eine Studie der Internationalen Atomenergie Organisation (IAEO) fand im Sediment der beiden Lagunen allein für Plutonium eine Gesamtaktivität von 30.000 GBq (Giga = Milliarde), also schätzungsweise eine Menge von 15 kg.
Bereits einige Milligramm sind für den Menschen tödlich, ein Mikogram kann zu Nierenschäden, Lungen- und Leberkrebs führen. Mit der Zeit wurde ein graduelles Absinken der Strahlenkonzentration gezeigt. Dies legt nahe, dass über unterirdische Erdspalte ein Verteilungseffekt in den Ozean stattfindet. Es wird geschätzt, dass ca. 20 GBq Plutonium (etwa 10 g) pro Jahr ins Meer gelangen - gute Nachrichten für Moruroa und Fangataufa, aber böse Vorboten für den Rest der Region.


Ausblick

Im Jahr 1996 wurden die Atomwaffentests auf Moruroa und Fangataufa nach großen internationalem Druck eingestellt. Beide Atolle gelten bis heute als militärisches Sperrgebiet. Aufgrund ihrer langen Halbwertszeit von etwa 30 Jahren befindet sich noch immer mehr als die Hälfte des freigesetzten Strontium-90 und Cäsium-137, sowie fast das gesamte Plutonium in der Umgebung der Atolle. Auch lagert eine noch unbekannte Menge an radioaktivem Material in den Bohrschächten. 1998 gab der damalige französische Gesundheitsminister zu, dass die Bevölkerung der Inseln Tureia, Reao, Pukarua, Mangareva und Tahiti von radioaktivem Niederschlag der Atomtests betroffen waren.
Infolgedessen verabschiedete das französische Parlament im Juni 2010 ein Gesetz zur Kompensation von Inselbewohnern, bei denen Krebserkrankungen aufgetreten waren. An aussagekräftigen wissenschaftlichen Studien mangelt es jedoch weiterhin. Nur unabhängige epidemiologische Untersuchungen bei uneingeschränktem Zugang zu bislang geheimen Dokumenten, sowie die Entnahme von Luft-, Wasser- und Bodenproben auf Moruroa und Fangataufa könnten dazu beitragen, die tatsächlichen Folgen der Atomwaffentests für die Umwelt und die Menschen des Archipels festzustellen. Auch diese Menschen sind Hibakusha an – auch sie sind Opfer von Atombomben. (Quelle: Ausstellung “Hibakusha weltweit”)
Bearbeitungsstand: April 2014

Faslane

Ort in Schottland, ca. 45 km nordwestlich von Glasgow gelegen.Hier lagern alle britischen Nuklearsprengköpfe. Seit 1998 verfügt Großbritannien nur noch über ein Atomwaffensystem: eine Flotte von vier atombetriebenen Trident-U-Booten, die mit ballistischen Raketen bestückt sind. Das jetzige Trident-System ist nur noch bis etwa 2020 einsatzfähig. Deshalb hat die Britische Regierung im März 2007 beschlossen, die vorhandenen U-Boote und Raketen mit einem Kostenaufwand von ca. 20 Milliarden Euro zu modernisieren. Die offizielle Begründung dafür lautet, dass die vorhandenen Atomraketen nicht nur für massive Vergeltungsschläge zur Verfügung stehen, sondern auch für hochpräzise Einsätze verwendet werden können.

Nach Meinung von Dr. Hans Blix, dem früheren Chef der UN-Waffenkontrolleure, raubt die geplante Modernisierung der Tridentraketen Großbritannien jede moralische Integrität, die nötig ist, um andere Nationen davon abzuhalten zur Atommacht aufzusteigen. Xanthe Hall, Abrüstungsexpertin von IPPNW-Deutschland erklärte: »Wenn es nach Tony Blair geht, wird Großbritannien seine Atomwaffen bis in alle Ewigkeit behalten«. Vor diesem Hintergrund finden bereits seit Oktober 2006 immer wieder Demonstrationen und Blockaden von Atomwaffengegnern vor dem U-Bootstützpunkt Faslane statt. (Quelle: Sven Hessmann, Pressereferent der IPPNW)

Der britische Premierminister Gordon Brown kündigte Ende September 2009 an, die Zahl der britischen Atom-U-Boote von vier auf drei zu reduzieren. Allerdings soll der Bestand von 160 Atomsprengköpfe beibehalten werden. (LL)

Bearbeitungsstand: Januar 2011

siehe auch: Massive Vergeltung
siehe auch: Trident

Fat Man

Fat Man (dt.: dicker Mann) war die zweite und bis heute letzte Atombombe, die in einem Krieg eingesetzt wurde. Die Bombe wurde am 9. August 1945 um 11:02 Uhr über der japanischen Stadt Nagasaki abgeworfen und detonierte in einer Höhe von 550 m über dem Erdboden.

Fat Man besaß eine Zerstörungswirkung von ca. 22 KT und war nach dem gleichen Konstruktionsprinzip wie die Trinity-Bombe aufgebaut, die am 16. Juli 1945 als erste Test-Atombombe gezündet wurde.

Über die Opfer liegen unterschiedliche Angaben vor. Die japanische Regierung veröffentlichte 1960 die Zahlen von ca. 20.000 Toten und ca. 50.000 Verletzten. Andere Quellen berichten von ca. 35.000 - 40.000 Toten.

Technische Daten:
Gewicht 4670 kg
Länge 3,66 m
Durchmesser 1,52 m
Spaltmaterial 6,2 kg Delta-Phase Plutonium-Legierung
Explosionskraft ca. 22 KT
Explosionshöhe 500 m
(LL)

Bearbeitungsstand: November 2005.

siehe auch: Hiroshima
siehe auch: KT (Kilotonne)
siehe auch: Little Boy
siehe auch: Nagasaki
siehe auch: Plutonium
siehe auch: Trinity

Fenster der Verwundbarkeit

engl.: window of vulnerability

„Fenster der Verwundbarkeit“ ist ein militärstrategischer Ausdruck. Es entsteht, wenn ein Verteidigungssystem vorübergehend unzureichend ist und dem Gegner eine erfolgversprechende Angriffsmöglichkeit eröffnet. In Verbindung mit Nuklearwaffen gab es wiederholt Phasen, in denen das Fenster der Verwundbarkeit geöffnet war. Erstmalig trat diese Situation bereits Ende der 1940er Jahre ein, als die USA gegenüber der Sowjetunion über einsatzfähige Nuklearwaffensysteme verfügten. Die Sowjetunion schloss diese Lücke, indem sie eigene Nuklearwaffen entwickelte.

In den folgenden Jahrzehnten kam es für beide Supermächte darauf an, ein nukleares Gleichgewicht sicherzustellen, auch bekannt unter dem Begriff „Gleichgewicht des Schreckens“. Beide Seiten verfügten zu diesem Zweck über umfassende Erst- und Zweitschlagkapazitäten. Die Argumentation lautete etwa folgendermaßen: Die beiden Parteien werden sich nicht angreifen, denn in diesem Falle hätte der Angegriffene immer noch genügend verbleibende Kernwaffen, um zu einem flächendeckenden Gegenschlag auszuholen. Folglich würde der Angreifer gleichzeitig sein eigenes Todesurteil unterschreiben. Man spekulierte, den Frieden auf diese Weise zu sichern und einen Atomkrieg verhindern zu können.

Es gab wiederholt Versuche, das Fenster der Verwundbarkeit zu öffnen. Besonders kritische Situationen entstanden während der Kubakrise 1962 und in der Zeit der sogenannten Nachrüstung Anfang der 1980er Jahre.

Während der sogenannten Kubakrise im Herbst 1962 versuchte die Sowjetunion durch die Stationierung von atomaren Mittelstreckenraketen auf Kuba die Zweitschlagfähigkeit der USA zu unterlaufen und damit das atomare Patt zu ihren Gunsten aufzuheben. Der damalige US Präsident Kennedy verfügte eine totale Blockade der Insel Kuba, wodurch der Raketennachschub aus der Sowjetunion unterbunden wurde und die Sowjets sich gezwungen sahen, bereits stationierte Raketen wieder abzuziehen.

Zu Beginn der 1980er Jahre stationierte die Sowjetunion atomare Mittelstreckenraketen vom Typ SS-20 in den Warschauer Pakt Staaten, wodurch sich die NATO-Verbündeten in Europa bedroht fühlten. Sie reagierten mit dem sogenannten NATO Doppelbeschluss und beschlossen als Gegenmaßnahme Pershing-II-Raketen und Marschflugkörper (Cruise Missiles) in Europa, vornehmlich in Deutschland zu stationieren. Im  INF-Vertrag von 1987 verpflichteten sich die Vertragspartner Sowjetunion und USA, sowohl die SS-20 als auch die Pershing-II-Raketen und Marschflugkörper (Cruise Missiles) vollständig abzurüsten. (LL)
Bearbeitungsstand: April 2013

siehe auch: GGleichgewicht des Schreckens
siehe auch: Kubakrise
siehe auch: NATO-Doppelbeschluss
siehe auch: INF-Vertrag

FEOKTISTOW Lew

1928 - 2002

Lew Feoktistow wurde am 14. Februar 1928 in Moskau geboren, wo er an seinem 74. Geburtstag starb. Er war einer der Väter der sowjetischen Wasserstoffbombe. Als 23jähriger Physikabsolvent kam Lew Feoktistow 1951 in die geheime sowjetische Atomstadt Arsamas-16. Hier arbeitete auch Andrei Sacharow, der später Friedensnobelpreisträger werden sollte, an der Entwicklung der Wasserstoffbombe.

Feoktistow war den sowjetischen Headhuntern wegen seiner herausragenden Studienleistungen aufgefallen, die Entsendung nach Arsamas-16 war wie ein Befehl aufzufassen. Die sowjetische Wissenschaft, angetrieben von der Parteiführung in Moskau, arbeitete fieberhaft an der H-Bombe, die von den USA 1954 erstmals getestet werden sollte. Zwei Jahre zuvor hatten die Amerikaner mit der Detonation der Testanlage »Mike« allerdings schon bewiesen, dass eine Wasserstoffbombe prinzipiell möglich ist. Dieses Monopol galt es zu brechen. Moskau war überzeugt, als Nichtbesitzer dieser schrecklichsten aller Waffen den Amerikanern auf Gedeih und Verderb ausgeliefert zu sein. Physiker und Geheimagenten standen unter Hochdruck.

Für den jungen Physiker war die Arbeit an der thermonuklearen Reaktion, der Fusion von Wasserstoffatomen, die gewaltige Energien freisetzt, zunächst vor allem ein aufregendes wissenschaftliches Abenteuer. »Wir alle dachten anfangs nicht über den tatsächlichen Sinn dessen nach, was wir da taten«, erinnerte er sich Jahrzehnte später. »Alles war so außerordentlich interessant vom Standpunkt der Wissenschaft aus«.

Doch in den siebziger Jahren beschlichen Feoktistow Zweifel am Sinn des ganzen Unternehmens. Da arbeitete eine ganze Industrie mit voller Leistungsfähigkeit, 40.000 Sprengköpfe hatten sich angesammelt. »Ich selbst sah für keinen einzigen eine Anwendungsmöglichkeit«.

1977 schrieb Feoktistow an die sowjetische Regierung. Die UdSSR sollte einseitig die Kerntests beenden. Die Kosten für die 15 bis 17 Tests pro Jahr seien einfach zu groß, der Nutzen "minimal". Darauf ging in der sowjetischen Führung in der Zeit des Kalten Krieges niemand ein.

Feoktistow wählte indes nicht den Weg von Sacharow, der in dieser Phase zum entschlossenen Gegner der sowjetischen Hochrüstung und zum Dissidenten wurde. Feoktistow zog sich aus der militärischen Forschung zurück und ging nach Moskau ans Kurtschatow-Institut. Die "seelische Unruhe über die unnütz vergeudeten Anstrengungen" trieben ihn schließlich am Ende einer großen Wissenschaftskarriere dazu, das Durchlebte in einem Buch aufzuarbeiten. Alle, die an der Schaffung von Kernwaffen beteiligt waren, so seine Überzeugung, sollten ihre Verantwortung gegenüber der Menschheit nicht vergessen, die durch die radioaktive Gefahr schutzlos geworden und praktisch an die Grenze des Aussterbens getrieben wurde, resümierte Lew Feoktistow die - wenn auch späte - Erkenntnis seines Lebens. (Quelle: Manfred Quiring: Vom Waffenschmied zum Pazifisten, DIE WELT, 02.03.2002.)

Bearbeitungsstand: März 2007

siehe auch: Kalter Krieg
siehe auch: Wasserstoffbombe

FERMI Enrico

1901-1954, italienischer Physiker

Enrico Fermi leistete maßgebliche Beiträge zur Entwicklung der Kernphysik und der Quantentheorie. Enrico Fermi wurde am 29.9.1901 in Rom geboren. Er starb am 28.11.1954 in Chicago.

1938 erhält Enrico Fermi den Physik-Nobelpreis "für seinen Nachweis neuer radioaktiver Elemente, die durch Neutronenbeschuss entstehen, und für die damit verwandte Entdeckung von Kernreaktionen mit Hilfe langsamer Neutronen."

Das Manhattan-Projekt profitierte ungemein von Wissenschaftlern, die wie Enrico Fermi vor faschistischen Regimes aus Europa hatten fliehen müssen. (LL)

Bearbeitungsstand: März 2007

»Weitere Informationen zur Entwicklung der Atombombe

Siehe auch:
»Manhattan-Projekt


Feucht

ehem. Atomwaffenstandort Deutschland

Das ehemalige US Atomwaffenlager Feucht, (49°22’42“N, 11°09’48“O) südlich des Army Airfield Feucht, lag ca. 9 km südöstlich der Stadt Nürnberg in Bayern. Derzeit sind keine Angaben darüber zugänglich, in welchem Zeitraum das SAS betrieben und welche atomare Munition dort eingelagert wurde. (LL)

Bearbeitungsstand: Juli 2012

 

Weitere Informationen über Atomwaffenstandorte in Deutschland

 

Feuerball

engl.: Fireball

Bei der Detonation eines Atomsprengkörpers in der Atmosphäre entsteht aus dem Material des Sprengkörpers in sehr kurzer Zeit (Millisekunden) durch die freigesetzte Energie ein Feuerball von sehr hoher Temperatur, der sich rasch ausdehnt. Dabei erzeugt er je nach Detonationsart eine Druckwelle in der Luft, in der Erde oder im Wasser. Berührt der Feuerball die Erd- oder Wasseroberfläche, kommt es zu radioaktiven Niederschlag (Fallout). (LL)

Bearbeitungsstand: Januar 2006

Mehr zu Auswirkungen der Atombombe

siehe auch: Druckwelle
siehe auch: Fallout

Feuerblase

Sofort nach Abschluss der Kernspaltung steigen die Temperaturen im Innern der Bombe als Folge der außergewöhnlich hohen Energiedichte bis auf 100 Millionen Grad Celsius. Im Vergleich dazu beträgt die Oberflächentemperatur der Sonne ca. 5500 Grad. Das Gemisch aus den Überresten des Bombenmantels, der Spaltprodukte und der umgebenden Luft wird als »Feuerblase« oder auch als »Feuerball« bezeichnet. Die Feuerblase hat zunächst nur einen Durchmesser von einigen Metern und dehnt sich schlagartig aus.

Bereits innerhalb von 100 Mikrosekunden kühlt die sich ausdehnende Feuerblase auf etwa 300.000 Grad Celsius ab. An der Oberfläche der Feuerblase bildet sich eine Schockwelle, die sich mit ca. 30 Kilometer pro Sekunde ausdehnt. Der ersten Schockwelle folgt eine zweite, die durch die Ausdehnung des ursprünglichen Bombenmaterials entsteht und sich wegen ihrer höheren Ausdehnungsgeschwindigkeit sehr schnell mit der ersten Schockwelle vereinigt. Der Zeitpunkt der Vereinigung ist abhängig von der Masse und der Bauweise der Atombombe.

Je nach Detonationsart (Luft- oder Bodendetonation) treten unterschiedliche Effekte auf. Bei einer Luftdetonation vermischt sich das wegen der Hitze verdampfte Bombenmaterial mit der es umgebenden Lufthülle. Bei einer Bodendetonation wird das verdampfte Bombenmaterial zusätzlich mit verdampftem Erdreich angereichert, was zu einer starken Abkühlung der Feuerblase führt. (LL)

Bearbeitungsstand: November 2008

siehe auch: Bodendetonation
siehe auch: Luftdetonation

FEYNMAN Richard

1918 - 1988

Richard Feynman wurde am 11. Mai 1918 in Far Rockaway nahe New York geboren. Von 1935-1939 studierte er Physik und war danach bis 1943 als Assistent von J. A. Wheeler an der Universität von Princeton. Als Mitarbeiter am Bau der ersten Atombombe (Manhatten-Projekt) war es seine Aufgabe die erforderlichen umfangreichen mathematischen Berechnungen zu koordinieren. Nach Ende des Krieges beschäftigte er sich vermehrt mit der Quantenelektrodynamik und der Festkörperphysik. Im Jahr 1965 wurde ihm für seine Beiträge zur Entwicklung der Quantenelektrodynamik der Nobelpreis verliehen.

Nach der Challenger-Katastrophe 1986 wurde er in die Untersuchungskommission (Rogers-Kommission) zur Aufklärung der Unfallursache versetzt. Er untersuchte die Folgen von Frost an den Dichtringen der Feststoff-Treibstofftanks mit einem Glas Eiswasser und bewies damit die Konstruktionsmängel der Trägerrakete. Sein Bericht äußerte sich kritisch zur bürokratischen Organisation der NASA. Gegen erheblichen Widerstand der Behörden- und Firmenvertreter wurde sein Bericht schließlich dem offiziellen als Anhang beigefügt. Er starb am 15. Februar 1988 an einer Krebserkrankung. (LL)

Bearbeitungsstand: November 2007

Film "Der Tag danach"

engl.: The Day After

Der 120 Minuten lange US-amerikanische Film „Der Tag danach“ wurde weltweit zum ersten Mal am 20. November 1983 ausgestrahlt. Alleine in den USA hatte er mehr als 100 Millionen Fernsehzuschauer. Er galt als der bis dahin erfolgreichsten TV-Film überhaupt. Erst im Jahr 1987 wurde „The Day After“ auch im sowjetischen Staatsfernsehen ausgestrahlt.

Der Film handelt von den Tagen nach einem Atomkrieg und zeigt die fiktiven Auswirkungen eines nuklearen Schlagabtausches der beiden Supermächte: Die radioaktive Verseuchung des Landes, der langsame Tod aller Protagonisten, das Ende der Zivilisation. Der Film spielt in einem kleinen Ort in Kansas und beginnt ein paar Wochen vor dem Atomschlag auf die USA. Im Zentrum des Filmes stehen die Erlebnisse der Menschen spielen, nicht die politischen Geschehnisse. Ungeklärt blieb in der Erzählung des Filmes, wer die Raketen zuerst abfeuerte. Verglichen mit dem britischen Film Threads, war der Film vergleichsweise optimistisch, weil einige Menschen den Atomkrieg überlebten.

Die Premiere des Films hatte damals eine sehr große Wirkung weltweit. Er wurde in einer Zeit ausgestrahlt, wo die Menschen ohnehin große Angst vor einem Atomkrieg hatten. US-Präsident Ronald Reagan notierte in sein Tagebuch, der Film habe ihn tief deprimiert. Es gibt die Legende, dass der Film Reagans Umdenken veranlasste, danach führte er mit Gorbatschow Abrüstungsgespräche. Nach der Erstausstrahlung gab es TV-Debatten über den Sinn nuklearer Abrüstung oder Aufrüstung, an denen unter anderem Ex-US-Außenminister Henry Kissinger und der Wissenschaftler Carl Sagan teilnahmen. ABC richtete auch Notfall-Hotlines für besorgte Zuschauer ein.

Das Pentagon lehnte eine Unterstützung von „The Day After“ ab. Im Vorfeld des Films hatte es diverse Zensurversuche seitens des Senders gegeben, auch Ronald Reagan schickte angeblich ein Memo an Regisseur Nicholas Meyer, wie er den Film zu schneiden habe. Es wurde im Sender heftig über die Endfassung gestritten. Meyer verließ zwischenzeitlich sogar das Projekt. Wegen dieser Streitigkeiten verzögerte sich die Ausstrahlung um mindestens ein halbes Jahr.

Der Generalstab erhielt ein Screening und soll anschließend wie versteinert gewesen sein, weil er die Darstellung als zutreffend einschätzte. Die New York Post kritisierte Meyer als „Verräter“, der Sender habe 7 Millionen Dollar ausgegeben, um das Land zu entwaffnen. Konservative Aktivisten unterstellten den Machern von „The Day After“, der Film sei als Kampagne für nukleare Abrüstung konzipiert und nicht tragbar. xh (Quellen: Telepolis; Rolling Stone)

Bearbeitungsstand: November 2013

Finmeccanica

Waffenproduzent, Italien

Finmeccanica – in Italien ansässig – arbeitet hauptsächlich an der Entwicklung und Herstellung von Hubschraubern, Verteidigungs- und Sicherheitselektronik, und Flugtechnik.

Finmeccanica hält einen Anteil von 25 Prozent an MBDA, einem Jointventure mit EADS und BAE Systems. MBDA ist ein weltweit führendes Unternehmen in den Bereichen Raketen und Raketensysteme, das im Jahr 2010 über 3000 Raketen produzierte. Es baut für die französische Luftwaffe die ASMPA-Atomraketen, welche vom Mirage-2000-N-Kampfflugzeug und den neuen Rafale-Kampfflugzeugen abgefeuert werden können. Die Herstellung der Raketen beinhaltet nicht die der Atomsprengköpfe selbst, was von der Regierungsagentur „Commissariat à l’énergie atomique“ durchgeführt wird. Die ASMPA wurde im November 2010 in Dienst gestellt. (Quelle: van Gelder, Jan Willem/Spaargaren, Petra/Wright, Tim: Divestment Report. ICAN 2012)

Bearbeitungsstand: April 2012

Weitere Informationen zu Atomwaffenherstellern

 

Finsterwalde

ehem. Atomwaffenstandort, Deutschland

MiG-27K, stationiert in Finsterwalde, Foto: D.Peisker

 

Während der Zeit des Kalten Krieges betrieben die sowjetischen Luftstreitkräfte auf dem Gebiet der damaligen DDR insgesamt sechs aktive Kernwaffenlager im Bereich der Flugplätze Altenburg, Finsterwalde, Groß Dölln, Großenhain, Lärz und Werneuchen.

 

Auf dem Gelände des Militär-Flugplatzes Finsterwalde lagerten mit großer Wahrscheinlichkeit Kernwaffen sowjetischer Bauart. Der Kernwaffenbunker (51°35'40“N, 13°45'12“O), ca. 5 km südöstlich der Stadt Finsterwalde, befindet sich südlich der Rollbahn und ist heute noch vorhanden. Die Anlage wurde zwischen 1961 und 1964 errichtet. Es handelt sich um einen erdangedeckten Lagerbunker für Sonderwaffen als monolithisches Bauwerk. Der Bunker besteht aus einem zweigeschossigen technischen Bereich, an dem sich hinter einem zweiten Tor der ca. 40 x 9 m große Lagerraum anschließt. Das Bauwerk war durchgehend per Lkw befahrbar. Die massiven Drucktore wiegen ca. 25 Tonnen.

Wie viele Waffen genau auf dem Militär-Flugplatz Finsterwalde lagerten, konnte nicht recherchiert werden. Es heißt lediglich, dass das dortige 559. sowjetische Jagdbombenflieger-Regiment ein «gehärtetes» Sonderwaffenlager «GRANIT» zur Aufnahme von jeweils bis zu 40 Atombomben gestellt bekam. In Finsterwalde waren zu dieser Zeit Jagdbomber Suchoj Su-7 Jagdbomber stationiert, die technisch dazu in der Lage waren, Nuklearwaffen einzusetzen. Später wurden auch Jagdbomber des Typs MiG-23 und MiG-27 dort eingesetzt. In den 1980er Jahren sei die Lagerkapazität in Finsterwalde dann bis auf 80 Atomsprengköpfe gestiegen.

Das Lager trug die unauffällige Bezeichnung «2952 Reparatur-Technische Basis». Das war eine Tarnbezeichnung innerhalb des militärischen Sprachgebrauchs und sollte über die tatsächlichen Aufgabe hinweg täuschen. Die Angehörigen der um dieses Lager stationierten Einheiten wurden die «Taubstummen» genannt. Sie waren direkt höchsten Entscheidungsgremien in Moskau unterstellt und durften über ihre Tätigkeit nicht sprechen.

Noch ein weiteres Indiz spricht nach Recherchen der Zeitschrift «FLiEGERREVUE eXtra» dafür, dass im Ernstfall Düsenjets mit Atomwaffen an Bord von Finsterwalde aus Richtung Westen gestartet wären. Denn in Finsterwalde sowie auf dem Nachbarflugplatz Großenhain seien entsprechende Einsätze trainiert worden. So berichten Augenzeugen in der Fliegerrevue: «Am 7. Oktober flogen in Finsterwalde stationierte Fitter (NATO-Bezeichnung der Su-7) mindestens vier LABS-Übungsangriffe (Anflüge auf niedriger Höhe). Die Flugzeuge überflogen den Flugplatz in zirka 650 Meter, gingen dann in einen senkrechten Steigflug bis auf 1200 Meter, drehten für einige Sekunden in Rückenlage, um danach in Normallage weiter zudrehen und in Richtung Westen davon weiter zufliegen». Diese als «Schleuderwurf» bekannte Flugbewegung wird an späterer Stelle im Heft als typisch für Atomwaffenangriffe beschrieben. Die Bomben wurden abgeworfen, sobald sich das Flugzeug in einem 45-Grad-Winkel im Steigflug befand, wodurch die Bombe erst nach oben geschleudert wurde und dann wieder nach unten fiel. «Das Schleuderverfahren gewährleistete dem Piloten eine gewisse Sicherheit beim Zielanflug und steigerte seine Überlebenschance nach dem Abwurf der brisanten Waffenlast, bedingt durch die relativ lange Fallzeit der Bombe» , so der Bericht der Fliegerrevue. (Quelle: Lausitzer Rundschau, 12.09.2008)

Bearbeitungsstand: November 2009

Weitere Informationen über Atomwaffenstandorte in Deutschland

siehe auch: Sondermunitionslager

Fischbach bei Dahn

ehem. Atomwaffenstandort, Deutschland

ehem. Atomwaffenstandort Fischbach bei Dahn. Bild: Digital GlobeDas ehemalige atomare „Versorgungslager Munition“ (VLM) Fischbach bei Dahn (49°03’52“N, 07°39’50“O) lag ca. 16 km südlich der Stadt Pirmasens in Rheinland-Pfalz.

Es gehörte zu den zehn großen Hauptlagern für atomare Munition, die von den US-Streitkräften während des Kalten Krieges in der Bundesrepublik Deutschland betrieben wurden. Dazu gehörten die Standorte Kellinghusen, Lahn, Telgte/Schirlheide, Büren/Paderborn, Herborn/Seelbach (Bellersdorf), Münster-Dieburg, Siegelsbach, Riedheim, Fischbach und Kriegsfeld.

In Fischbach lagerten vorwiegend nukleare Gefechtsköpfe W-80 und W-85 für die Pershing-II-Rakete. Der W-85 Gefechtskopf verfügte über eine variable Sprengkraft von 0,3 bis 80 Kilotonnen.  Ferner lagerte dort auch nukleare Haubitzenmunition, und zwar für das Kaliber 155 mm der Gefechtskopf W-48 mit einer Sprengkraft von 0,7 KT und für das Kaliber 203 mm der Gefechtskopf W-33 in den Versionen Mod.0 Y1, (Sprengkraft 0,5 KT) und Mod.1 Y2, (Sprengkraft 40 KT).

Der Weitertransport dieser Nuklearmunition in die Sondermunitionslager der einzelnen Truppenteile erfolgte in der Regel mit Hubschraubern der US Army. (LL)

Weitere Informationen über Atomwaffenstandorte in Deutschland

Bearbeitungsstand: März 2012

siehe auch: KT-Wert
siehe auch: Pershing-II-Rakete

Flexible response

Die zu deutsch übersetzte angemessene bzw. flexible Reaktion, trat Ende 1967 offiziell als NATO-Strategie an die Stelle der gegenseitig gesicherte Zerstörung (mutually assured destruction). Sie zielte darauf, einen konventionellen Angriff zunächst mit konventionellen Mitteln abzuwehren, verbunden mit der Bereitschaft, den Konflikt nuklear zu eskalieren.

Drei militärische Reaktionsarten waren möglich:

  • Die Direktverteidigung soll dem Angreifer verwehren, sein Ziel auf der von ihm gewählten Stufe des militärischen Konflikts zu erreichen. Sie schließt auch den Einsatz von Atomwaffen ein, wenn sie der Gegner als erster eingesetzt hat.

  • Die vorbedachte Eskalation beinhaltet auch den selektiven Einsatz von Atomwaffen und soll den Gegner dazu bewegen, seine Kriegshandlungen einzustellen, weil Erfolgschancen und Risiken in keinem für ihn tragbarem Verhältnis stehen.

  • Die allgemeine nukleare Reaktion als stärkstes Abschreckungsmittel beinhaltet die Androhung und den Einsatz strategischer Atomwaffen.

  • Die flexible Reaktion lässt bewusst offen, zu welchem Zeitpunkt welche Reaktion in welchem Umfang und Ausmaß erfolgen soll. Auf dem NATO-Gipfel im November 1991 in Rom wurde diese Strategie außer Kraft gesetzt. Bis dahin wurde sie mehrmals modifiziert und es wurden Einsatzvarianten entwickelt, die den jeweiligen Gegebenheiten entsprechen sollten. Letztlich ging es dabei immer darum, eine Kriegsführungsstrategie zu entwickeln, die das Grunddilemma atomarer Massenvernichtungsmittel überwindet – den Selbstabschreckungseffekt.

Die Sowjetunion hatte den Begriff der flexiblen Reaktion zwar nicht benutzt, aber man kann davon ausgehen, dass ihre Vorstellungen ähnlich waren, nämlich einen Krieg, wäre er ausgebrochen, ‚zu ihren Gunsten’ zu entscheiden. Seit Mitte der 1980er Jahre betonte die Sowjetunion, dass sie zu einer umfassenden Politik der Kriegsverhinderung übergehen und damit die Politik der militärischen Abschreckung überwinden wolle. Seit 1987 setzte sich die Erkenntnis durch, dass in einem Nuklearkrieg nicht die vollständige Zerstörung der gegnerischen Streitkräfte anzustreben war, sondern die Verhinderung gegnerischer Anfangserfolge. (Quelle: nicht bekannt)

Bearbeitungsstand: Oktober 2005

siehe auch: Abschreckung

FOBS

engl.: Fractional Orbital Bombardment System

FOBS ist die Bezeichnung für einen Atomsprengkopf, der mit einer Interkontinentalrakete in eine niedrige Erdumlaufbahn gebracht wird, um von dort zu jedem beliebigen Zeitpunkt eingesetzt zu werden. Dazu muss der Sprengkopf zunächst die erste kosmische Geschwindigkeit von rund 8 km/s (28.000 km/h) erreichen, was mit Hilfe einer leistungsstarken Interkontinentalrakete möglich ist. Nach Erreichen der Umlaufbahn kann jedes Ziel angesteuert werden, das unterhalb der Umlaufbahn liegt. Dazu muss der Gefechtskopf zum richtigen Zeitpunkt durch Bremsraketen abgebremst werden. Da die Zeitspanne zwischen der Abbremsung und dem Zünden des Sprengkopfs im Zielgebiet nur wenige Minuten beträgt, ist die Vorwarnzeit sehr gering, was später zum Verbot dieser Waffen führte.

Als erstes Land hat die Sowjetunion bereits in den 1960er Jahren FOBS erfolgreich erprobt. Nach Abschluss der Tests wurden 1969 die ersten FOBS-Raketen in Dienst gestellt. Dazu wurden in der Region Baikonur insgesamt 18 Startsilos errichtet. Nach dem Verbot von FOBS-Waffensystemen durch den SALT-II-Vertrag wurden die Startanlagen ab 1982 zunächst stillgelegt und später einschließlich der Trägerraketen zerstört. (Quelle: home.earthlink.net, Seite nicht mehr verfügbar)

Bearbeitungsstand: September 2007

Siehe auch: Gefechtskopf
Siehe auch: Interkontinentalrakete
Siehe auch: SALT-II-Vertrag

Force de Frappe

engl.: French nuclear strike force

Unter der im Deutschen als Bezeichnung für französische Atomstreitmacht hat Frankreich in der Vergangenheit 204 Atomtests durchgeführt (davon 159 unterirdische). Das sind fünfmal so viele wie China oder Großbritannien. Die Tests dienten offenbar dazu, kleinere, zielgenauere Sprengköpfe für die auf U-Booten stationierten strategischen Raketen und die luftgestützte »Abstandswaffe« ASLP zu testen. Frankreich hat damit einem qualitativen Rüstungswettlauf weiteren Schub verliehen, der in Richtung miniaturisierter Atomwaffen geht, die gegen unterirdische Bunker eingesetzt werden sollen. Wenn die französischen Tests, wovon Fachleute ausgehen, zur Gewinnung von Daten für Miniatursprengköpfe dienten, dann ist das auch der Beleg für eine neue Atomstrategie, die nicht mehr der Abschreckung eines möglichen Gegners dient, sondern den Krieg mit Atomwaffen wieder führbar machen soll.

Interessant sind die Begleitumstände der französischen Atomwaffentests vom Herbst 1995. Die Pariser Regierung hatte nämlich nach Meinung von Experten gegen den EURATOM-Vertrag verstoßen, weil sie keine vorherige Zustimmung der Brüsseler EU-Kommission eingeholt hat. Dennoch hat die Kommission keine Anstalten gemacht, Frankreich von seinem Vorhaben abzubringen oder nachträglich zu sanktionieren. Offensichtlich gab es eine stillschweigende Kumpanei zwischen Frankreich und der EU.
Nach einer Entscheidung des Präsidenten Jacques Chirac vom Februar 1996 wurden die landgestützten Atomwaffen inzwischen aus dem Verkehr gezogen. Die 18 Raketen, die auf dem Plateau Albion stationiert waren, wurden deaktiviert und die Abschussrampen und Basen abmontiert. Auch hat Frankreich im Jahre 1992 die Produktion von Waffenplutonium und 1996 von waffenfähigem Uran (HEU) gestoppt.

Frankreich verfügt dennoch laut SIPRI Yearbook 2002 über ein Arsenal von 348 Atomsprengköpfen. Und die Modernisierung der Atomstreitmacht ist in vollem Gange. Dazu gehören der Bau von zwei weiteren U-Booten der Triomphant-Klasse, die M51-Rakete (SLBM = Submarine Launched Ballistic Missile) mit einem neuen Gefechtskopf, Marschflugkörper vom Typ ASMP-A und das Kampfflugzeug Rafale als Atomwaffenträger.

Die Luftwaffe unterhält drei Staffeln mit 60 Mirage 2000N (=Nuclear) für den Atomwaffeneinsatz. Sie sollen voraussichtlich durch die Rafale (B-301) ersetzt werden, die künftig bei Luftwaffe und Marine fliegen wird. Die Marine-Version (Rafale M) war an Bord des französischen Flugzeugträgers Charles de Gaulle, der zur Unterstützung des US-Krieges gegen Afghanistan im Frühjahr 2002 entsendet worden war.

Im Dezember 2000 wurde dem Rüstungskonzern EADS ein Auftrag zur Verlängerung der Reichweite der ASMP-Marschflugkörper erteilt. Die neue Rakete soll 500 statt bisher 300 Kilometer weit fliegen und 2007 als Bewaffnung der Mirage 2000N und ab 2008 der Rafale zur Verfügung stehen. Auftragswert 117,5 Millionen Dollar.

Der französischen Marine unterstehen derzeit vier U-Boote für den Atomwaffeneinsatz, von denen eines oder zwei ständig auf See sind. Die drei Boote der neueren Triomphant-Klasse sind mit jeweils 16 Raketen (SLBM) vom Typ M45 ausgerüstet, die wiederum sechs Sprengköpfe TN-75 tragen, ein Typ, der vermutlich 1995 im Mururoa-Atoll getestet wurde. Ein weiteres Boot der Triomphant-Klasse soll 2010 in Dienst gestellt werden.

Eine neue Rakete (SLBM) M51 soll ab 2010 die älteren Typen M45 und M4 ersetzen. Sie soll sechs atomare Sprengköpfe 6000-8000 Kilometer weit tragen können. Entwickelt und gebaut wird die neue Waffe vom europäischen Rüstungsriesen EADS. Im Rüstungsprogramm 2003-2008 sind 17 Mrd. Euro nur für die Modernisierung der Atomstreitmacht vorgesehen (FR 28.10.03).
Die französische Atommacht versteht sich längst nicht mehr nur als Verteidigungswaffe gegen Angriffe auf französisches Territorium, sondern soll es Frankreich auch »ermöglichen, den Bedrohungen seitens regionaler Mächte, die über Massenvernichtungswaffen verfügen und unsere vitalen Interessen gefährden könnten, standzuhalten«, wie Präsident Jaques Chirac in einer Grundsatzrede vor dem Institut für nationale Verteidigung (IHEDN) am 8.6.2001 in Paris betonte. (www.ambafrance-de, Seite nicht mehr verfügbar)

Für Chirac sind die Modernisierung der Atomstreitmacht zur See und in der Luft und der Aufbau eines Simulationsprogramms (Kosten rund 388 Millionen Euro), das den Ausstieg aus Atomversuchen ermöglichen soll, »die Hauptziele des nächsten militärischen Planungsgesetzes«. Für das gesamte Atomwaffenprogramm wies der Staatshaushalt 2005 rund 3,1 Milliarden Euro aus.

Wieweit Frankreich bereit sein wird, seine Atomwaffen zu »europäisieren« wird die Zukunft zeigen. Auch welche Auswirkungen eine solche Entwicklung auf den Atomwaffensperrvertrag haben wird. Zum einen erlaubt der Vertrag Frankreich nicht, seine Atomwaffen an andere "weiterzugeben" oder die Kontrolle über sie mit anderen zu teilen. Zum Zweiten ist die EU nicht Vertragsunterzeichner und zum Dritten war der deutsche Atomwaffenverzicht immer mit einem europäischen Hintertürchen versehen. Die italienische Zeitung La Republica kommentierte jedenfalls Ende Oktober 2003: »Frankreich und Deutschland scheinen entschlossen, den Weg einer immer engeren politisch-militärischen Zusammenarbeit fortzusetzen, in der Paris zweifellos die führende Rolle spielt, aber bei der am Ende der ständige Sitz Frankreichs im UN-Sicherheitsrat und die (französische) Atommacht auf dem Spiel stehen werden«. (Zitiert nach TAZ vom 20.10.03)

(Quelle: Arno Neuber, www.imi-online.de)

Bearbeitungsstand: März 2007

Fordow (bei Qom)

Iranische Urananreicherungsanlage

Qom-Anlage, Bild: GeoEyeAm 21. September 2009 hat der Iran laut einem Sprecher der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEO) die Konstruktion einer bislang nicht deklarierten, zweiten Anlage zur Urananreicherung in einem Brief an die IAEO erklärt. Die Fordow-Anlage bei Qom soll eine Pilotanlage sein und nur bis zu einem Grad von fünf Prozent anreichern können. Dies reicht für eine zivile Nutzung aus, nicht jedoch für den Bau einer Atombombe.

Die Anlage ist ca. 160 Kilometer südwestlich von Teheran in der Nähe der Schi’itischen Heiligen Stadt Qom in einem Berg gebaut.

Am 25. September warfen die Präsidenten Obama und Sarkozy, sowie Premierminister Brown dem Iran vor, eine geheime Nuklearanlage gebaut zu haben. Sie forderten Iran auf, der IAEO umgehend Zugang zur Anlage zu gewähr leisten, um zu prüfen, ob sie für militärische Zwecke genützt wird. Sie verdächtigen Iran, ein Atomwaffenprogramm zu verbergen.

Im September 2011 erklärte der Iran, er habe die Urananreicherung in Höhe von 20% von Natans nach Fordow verlegt. Die Anreicherung soll im Dezember 2011 begonnen haben.

Bearbeitungsstand: Dezember 2011

Weitere Informationen zum iranischen Atomprogramm

Forward-Based-System

Pershing-II-Rakete, Foto: US Military

Von der Sowjetunion eingeführter Begriff für die nuklearen oder nuklearfähigen US-Systeme, die zwar keine interkontinentale Einsatzreichweite besaßen, wegen ihrer Stationierung in oder nahe Europa aber Ziele in der Sowjetunion bekämpfen konnten. (Neuman: Kernwaffen in Europa, S. 137).

Aus Sicht der Sowjetunion war das US-amerikanische »forward-based-system« gegen die sozialistischen Länder in Europa gerichtet. Die USA begannen im Sommer 1948 mit dem Aufbau des Systems, indem sie strategische Bomber nach England verlegten. Anfang der 1950er Jahre fand eine sprunghafte Verstärkung dieses vorgelagerten Waffensystems in Europa statt; viele Kernwaffen wurden in Europa stationiert; die atomaren U-Boote, die den NATO-Befehlshabern unterstanden, wurden in europäische Gewässer verlegt.

Im Laufe der 1960er und 1970er Jahre, also in einem Zeitraum von knapp 20 Jahren, haben die USA, Frankreich und England das militärische Potential in und um Europa wesentlich modernisiert mit Reston- und Matador-Raketen. Diese wurden dann später durch die besseren Pershing-I-A-Raketen abgelöst. Zusätzlich wurden 6 Atom-U-Boote unter dem europäischen NATO-Kommando mit Polaris-Raketen bestückt, die Ende der 1970er Jahre durch Poseidon-Raketen mit Kassetten-Sprengköpfen ersetzt wurden. Ende der 1970er Jahre wurde eine Einheit der strategischen Bomber F 3 nach Europa verlegt, die ihren Stützpunkt hauptsächlich in England hatten. Es folgten die F15 und F16 Flugzeuge und schließlich die Tornados. Gleichzeitig wurden auch die französischen Atomstreitkräfte umgerüstet und ihr Kernwaffenpotential fast um das Vierfache vergrößert. (www.koerber-stiftung.de, Seite nicht mehr verfügbar)

Bearbeitungsstand: September 2008

siehe auch: Pershing-II-Rakete
siehe auch: Polaris-Rakete

Franck-Report

Der Franck-Report datiert vom 11. Juni 1945 und ist an den US-amerikanischen Kriegsminister Stimson gerichtet. Neben dem Vorsitzenden James Franck wurde der Report von folgenden Personen unterzeichnet: Donald J. Hughes, James Joseph Nickson, Eugene Rabinowitch, Glenn Theodore Saeborg, J. C. Stearns, Leo Szilard. Die Wissenschaftler sprachen sich gegen die Anwendung der Atombombe im Krieg gegen Japan aus, da dadurch die USA den »öffentlichen Beistand in der Welt verlieren« und »das Wettrüsten heraufbeschwören« würden. Der Report sagt voraus, dass ohne das Zustandekommen einer internationalen Übereinkunft ein nuklearer Rüstungswettlauf beginnen wird. Und in einem daraus wahrscheinlich resultierenden Krieg werden die USA sowie alle anderen Staaten mit einer konzentrierten Industrie benachteiligt sein. Deshalb verhindere nur ein Mangel an Vertrauen und nicht ein Mangel an Notwendigkeit eine internationale Übereinkunft.

Da die Art, wie nukleare Waffen der Welt vorgestellt werden, für die Ausbildung dieses Vertrauens von entscheidender Bedeutung sei, schlägt der Franck-Report eine öffentliche Demonstration vor geladenen Vertretern anderer Nationen vor. Nach einer solchen Demonstration und einem letzten Ultimatum an Japan könne die Atombombe immer noch militärisch eingesetzt werden. Für all jene, die nichts von internationalen Verträgen halten, gibt er auch gleich einen anderen Grund an, die Bombe nicht im gegenwärtigen Krieg einzusetzen:

Wenn ein Rüstungswettlauf unvermeidlich ist, sollte man seinen Beginn so lange wie möglich hinauszögern, um einen möglichst großen Vorsprung vor anderen Nationen zu haben.

Am Ende fordert der Franck-Report nicht konkret, den Einsatz der Bombe zu unterlassen. Aber er rät dringend, die Atombombe nicht nur als militärisches Problem sondern auch als eine Angelegenheit der Langzeit-Politik zu sehen.

Diese Politik sollte auf eine internationale Kontrolle nuklearer Waffen abzielen.
Der Report geht im Großen und Ganzen nicht moralisch an dieses Problem heran, sondern aus praktischen Erwägungen heraus. Dies sagt aber natürlich nichts über die Initiatoren des Reports aus. In diesem Fall hatten praktische Erwägungen wohl auch mehr Aussicht auf Erfolg. Alles in allem ist der Franck-Report was die moralischen Probleme der Bombe betrifft nicht so konkret wie z.B. die spätere Szilard-Petition. Aber er ist eine eindeutige Stellungnahme maßgeblicher Wissenschaftler, die hier ausdrücklich Verantwortung für die Verwendung ihrer Entdeckungen übernehmen. James Franck kam selbst nach Washington und übergab den Report Arthur H. Compton, der ihn wiederum an Kriegsminister Stimson weiterreichte. Aufgrund des hohen Ansehens der Mitglieder der Franck-Kommission gab Stimson das Dokument sofort an den Wissenschaftlichen Ausschuss weiter. Dieser aber konnte sich nicht dazu durchringen, dem Franck-Report zuzustimmen. (Quelle: www.jonas-hinz.de/atom.htm)

Bearbeitungsstand: Juni 2007

Frankfurter Erklärung

New Physicians' Oath

Verfasst am 8. Mai 1982 von Horst-Eberhard Richter und unterzeichnet von 14 Gründungsmitglieder der bundesdeutschen IPPNW, die Frankfurter Erklärung ist eine persönliche Willenserklärung alle kriegsmedizinische Vorbereitungs-Maßnahmen abzulehnen und sich daran nicht zu beteiligen:

"Ich halte alle Maßnahmen und Vorkehrungen für gefährlich, die auf das Verhalten im Kriegsfall vorbereiten sollen. Ich lehne deshalb als Arzt jede Schulung oder Fortbildung in Kriegsmedizin ab und werde mich daran nicht beteiligen. Das ändert nichts an meiner Verpflichtung und Bereitschaft, in allen Notfällen medizinischer Art meine Hilfe zur Verfügung zu stellen und auch weiterhin meine Hilfe zur Verfügung zu stellen und auch weiterhin meine Kenntnisse in der Notfallmedizin zu verbessern.

Da ein Krieg in Europa nach überwiegender Experten-Meinung unter Benutzung der modernen Massenvernichtungs-Waffen geführt werden würde, muss er absolut unmöglich gemacht werden. Jede Vorbereitungs-Maßnahme indessen, die von seiner Möglichkeit ausgeht, fördert indirekt die Bereitschaft, sich auf etwas einzustellen, was um jeden Preis verhindert werden muss. Deshalb erkenne ich als Arzt nur eine einzige auf den Kriegsfall bezogene Form der Prävention an, nämlich die Verhütung des Krieges selbst mit allen Anstrengungen, zu denen ich mein Teil beizusteuern entschlossen bin."

Frankreich

Atomwaffenstaat | Nuclear Weapon State

Obwohl Frankreich den Atomwaffensperrvertrag unterzeichnet hat und sich damit zur Abrüstung seiner Nuklearwaffen verpflichtet hat, gibt es keine Anzeichen dafür, dass Frankreich auf sein Atomwaffenarsenal künftig verzichten will. Im Gegenteil, Frankreich ist dabei, neue Atomwaffen und U-Boote zu stationieren. Mit 300 Atomwaffen verfügt das Land über das drittgrößte nukleare Arsenal der Welt nach den USA und Russland.

Frankreich verfügt zurzeit über zwei nukleare Waffensysteme: Seegestützte ballistische Raketen (SLBM), die auf atombetriebenen U-Booten stationiert sind und Luft-Boden-Raketen mittlerer Reichweite. Vier mit Atomwaffen bestückte U-Boote (SSBN) vom Typ Le Triomphant sind zurzeit im Betrieb, das Vierte (Le Terrible) wurde 2010 im Dienst gestellt werden. Frankreich besitzt ca. 60 Luft-Boden-Raketen mittlerer Reichweite (ASMP=Air-Sol Moyenne Portée), die bisher von den Flugzeugtypen Mirage 2000N und Super Étendard eingesetzt werden. Ab 2009/10 sollten die Flugzeuge durch Rafale F3 Kampfflugzeuge ersetzt und mit neueren Raketen vom Typ ASMP-A bestückt werden.

Im März 2008 kündigte Präsident Nicolas Sarkozy an, das französische Atomarsenal deutlich zu reduzieren. Im April 2010 meinte Sarkozy am Rande des Nukleargipfels in Washington, dass Frankreich bereits die Zahl der Sprengköpfe um ein Drittel reduziert hätte, womit die Zahl bei 300 liegen würde.

Weitere Informationen zum Frankreichs Atomarsenal

Bearbeitungsstand: Februar 2012

siehe auch: Atomwaffensperrvertrag
siehe auch: ballistische Rakete
siehe auch: SLBM
siehe auch: Triomphant-U-Boot

Friedensbewegung der 1980er Jahre in Deutschland

engl.: peace movement in the eighties in Germany

Die Friedensbewegung richtete sich Anfang der achtziger Jahre zunächst gegen die Stationierungspläne für Cruise Missiles und Pershing II-Atomraketen (NATO-Doppelbeschluss vom 12. Dezember 1979/Nachrüstung) und generell gegen die Blockkonfrontation. Sie wurde die größte Massenbewegung in der Geschichte der Bundesrepublik. Viele der in dieser Bewegung entwickelten Aktionsformen (Ziviler Ungehorsam, Blockaden) gehören heute zum alltäglichen Repertoire sozialer Bewegungen. Diese Bewegung baute auf den in den 1970er Jahren gewachsenen Strukturen einer Friedensbewegung auf.

Beispielsweise gehörten Aktion Sühnezeichen/Friedensdienste (ASF) und die Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden (AGDF), die beide schon in den 1970er Jahren Friedensdienste organisierten, zu den Organisationskernen der damaligen Friedensbewegung. Diese sehr starke Koordination, die sich damit beginnend in der Friedensbewegung herausbildet und zur Gründung des Koordinationsausschusses im Jahre 1983 führte, unterscheidet die Friedensbewegung von den meisten anderen neuen sozialen Bewegungen in der BRD.

Bereits 1980 fand eine bundesweite Friedenswoche statt, in deren Rahmen "tausende Veranstaltungen zum Thema Frieden und Bittgottesdienste für den Frieden" durchgeführt wurden. Die Zeitspanne vom NATO-Doppelbeschluss im Dezember 1979 bis zum Evangelischen Kirchentag im Juni 1981 kann als "Appellationsphase" der neuen Friedensbewegung bezeichnet werden, da hier Appelle an die Bundesregierung und die Aufklärung der Bevölkerung im Vordergrund standen. Die Demonstration während des Evangelischen Kirchentages am 20. Juni 1981 in Hamburg markiert dagegen den Eintritt in die "Demonstrationsphase" der Friedensbewegung, während durch die Blockade in Großengstingen vom 28.07.-12.08.1982 der Beginn der "Aktionsphase" markiert wird.

Der "Koordinationsausschuss" der Friedensbewegung wird schließlich 1983 als ständiges Gremium gegründet und dient der Koordinierung der Aktionen der verschiedenen Spektren der Bewegung und der Vorbereitung gemeinsamer Großaktionen. Zu Ostern 1983 finden in zahlreichen Orten Blockadeaktionen statt, und im September markiert die sogenannte "Prominenten-Blockade" in Mutlangen die breite Akzeptanz dieser Aktionsform. Im Herbst 1983 (Bundestagsdebatte zur Raketen-Stationierung) waren z.B. in vier parallelen Großdemonstrationen nahezu eine Millionen Menschen gleichzeitig auf der Straße.

Nach dem Stationierungsbeschluss vom 21.11.1983 gewann der Protest eine neue Qualität. Er wurde zum massenhaften, gewaltfreien zivilen Ungehorsam und Mutlangen zum Symbolort hierfür.

Die Stationierung von Pershing II und Cruise Missiles wurde als eine Niederlage der Hauptforderung der Friedensbewegung gesehen. Dennoch förderten die Verhandlungen über die Mittelstreckenraketen die Meinung, die Friedensbewegung habe letztlich doch Wirkung gehabt. Ab Frühjahr 1987 begannen außerdem die Verhandlungen über den INF-Vertrag zwischen den USA und der UdSSR über den Abzug der Mittelstreckenraketen, so dass das subjektive Bedrohungsgefühl nachließ.

Friedrichshafen

ehem. Atomwaffenstandort Deutschland

Im Rahmen der großräumigen Luftverteidigung Europas während der Zeit des Kalten Krieges waren auch die französischen Streitkräfte an dem quer durch Deutschland verlaufenden Nike-Herkules Flugabwehrgürtel mit insgesamt sechs in Süddeutschland gelegenen Feuerstellungen beteiligt. Dabei handelte es sich um die Standorte Böttingen, Friedrichshafen, Mengen, Münsingen, Stetten und Inneringen.

Die ehemalige Nike Stellung (Launching Area) Friedrichshafen (47°40'22“N, 09°25'48“O) lag auf dem heutigen Klinikbereich im Stadtteil Friedrichshafen-Manzell in Baden-Württemberg. Die dort stationierte 1./621 war in drei getrennten Bereichen untergliedert: der Unterkunft, dem Feuerleitbereich in günstiger topografischer Lage mit bis zu 5 Radargeräten für Überwachung, Zielerfassung, Zielverfolgung und Flugkörperverfolgung und dem Abschussbereich mit jeweils 3 Abschussflächen und dazugehörigen Bunkern. In diesem Bereich befanden sich auch die Atomsprengköpfe.

In der Stellung Friedrichshafen waren von 1965 bis 1966 atomare Flugabwehrraketen vom Typ Nike stationiert. An Atomsprengköpfen waren zwei Versionen verfügbar. Die kleinere mit der Bezeichnung B-XS hatte eine Sprengkraft von 2 Kilotonnen. Die größere B-XL besaß 40 kT Sprengkraft. Maximal waren je Stellung zehn Nuklear-Sprengköpfe vorhanden, acht mit der Stärke XS mit 2 Kilotonnen und zwei XL mit 40/20 Kilotonnen Sprengkraft. Für den Einsatz der Gefechtsköpfe gab es genau festgelegte Prioritäten. Beim Anflug eines einzelnen feindlichen Zielobjektes wurde ein kleiner atomarer Gefechtskopf (B-XS) eingesetzt. Beim Anflug mehrerer feindlicher Zielobjekte wurde soweit verfügbar ein großer atomarer Gefechtskopf (B-XL) eingesetzt. Die ebenfalls vorhandenen konventionellen Gefechtsköpfe dienten lediglich als Munitionsreserve.  (Quellen:  Jürgen Dreifke, Michael Juhls)

Mit dem Austritt Frankreichs aus der integrierten Befehlsstruktur der NATO am 1. Juli 1966 wurde die Stellung von den französischen Truppen geräumt. (LL)

Bearbeitungsstand: Januar 2012

Weitere Informationen über Atomwaffenstandorte in Deutschland

siehe auch: Nike Herkules
siehe auch: Kalter Krieg
siehe auch: KT-Wert

FRISCH Otto

1904-1979

Der Physiker Otto Robert Frisch wurde am 1. Oktober 1904 in Wien geboren. Gemeinsam mit Otto Stern entdeckte er 1933 das anomale magnetische Moment des Protons. Diese Entdeckung war ein erster Hinweis darauf, dass es sich bei diesem Teilchen nicht um ein Elementarteilchen handelte. Ebenso wie seine Tante, die Physikerin Lise Meitner, war Otto Frisch ab 1934 Mitarbeiter an Niels Bohrs Institut in Kopenhagen. Gemeinsam mit seiner Tante schrieb er die erste theoretische Abhandlung über die »Kernspaltung«, wodurch dieser Begriff in die Physik eingeführt wurde. Otto Frisch emigrierte 1939 nach England und wirkte später am US-amerikanischen Atombombenprojekt in Los Alamos mit. Er starb am 22. September 1979 in Cambridge. (LL)

Bearbeitungsstand: Oktober 2008

Weitere Informationen zur Entwicklung der Atombombe

siehe auch: Los Alamos
siehe auch: MEITNER Lise

Frisch-Peierls-Memorandum

Rudolf Peierls wurde am 5. Juni 1907 als Sohn eines jüdischen Geschäftsmannes in Berlin geboren. Er promovierte auf dem Gebiet der Kernforschung. 1933 emigrierte er nach England, wo er an der Universität Birmingham weiter forschte. 1940 veröffentliche er gemeinsam mit Otto Frisch Überlegungen, aus Uran-235 eine Atombombe zu bauen. In dem sogenannten „Frisch-Peierls-Memorandum“ gingen beide Wissenschaftler davon aus, dass es möglich sei, bereits mit 1 kg Uran-235 eine funktionsfähige Atombombe zu bauen.

Peierls und Frisch befürchteten, dass Hitlerdeutschland auf Grund seiner Fähigkeiten in der Kernforschung in der Lage sein könnte, eine „Super-Bombe“ (Atombombe) zu entwickeln. Im März 1940 verfassten sie das nach ihnen benannte Memorandum, womit sie auf diese Gefahr aufmerksam machen wollten. (LL)

Bearbeitungsstand: Juni 2014

FROG

engl.: Free Rocket Over Ground (FROG)

Free Rocket Over Ground (FROG) ist die NATO-Bezeichnung für eine taktisch-ballistische Boden-Boden-Rakete der Sowjetunion zur Zeit des Kalten Krieges. Es wurden insgesamt sechs unterschiedliche Modelle entwickelt. Die Raketen besaßen kein Lenksystem. Sie verfügten nur über vier Leitflächen am Heck und waren dadurch drallstabilisiert. Wegen des fehlenden Lenksystems war die Treffsicherheit stark eingeschränkt. Punktziele konnten nicht bekämpft werden. Die Raketen wurden mobil auf Rad- oder Kettenfahrzeugen montiert und waren vorwiegend für den Einsatz von Nuklearsprengköpfen oder chemischen Kampfstoffen vorgesehen. FROG-Raketen waren bis in die 1980er Jahre in der Roten Armee im Einsatz und wurden danach durch die SS-21. abgelöst.

FROG-1

Einführungsjahr: 1955
Antrieb: 1 Stufe Feststoff
Reichweite: 25 km
Treffergenauigkeit (CEP): 700 m
Sprengkopf: Nuklear 10 kT oder 1200 kg Splittergefechtskopf

FROG-2

Einführungsjahr: 1959
Antrieb: 1 Stufe Feststoff
Reichweite: 18 km
Treffergenauigkeit (CEP): nicht bekannt
Sprengkopf: Nuklear 10 kT oder 565 kg Splittergefechtskopf

FROG-3

Einführungsjahr: 1961
Antrieb: 2 Stufen Feststoff
Reichweite: 45 km
Treffergenauigkeit (CEP): 800 m
Sprengkopf: 358 kg Splittergefechtskopf oder Bomblets

FROG-4

Einführungsjahr: 1961
Antrieb: 2 Stufen Feststoff
Reichweite: 61 km
Treffergenauigkeit (CEP): 900 m
Sprengkopf: Nuklear 50 kT oder 503 kg Splittergefechtskopf

FROG-5

Einführungsjahr: 1963
Antrieb: 2 Stufen Feststoff
Reichweite: 55 km
Treffergenauigkeit (CEP): 800 m
Sprengkopf: Nuklear 50-100 kT, 450 kg Splittergefechtskopf oder Bomblets

FROG-7

Einführungsjahr: 1965
Antrieb: 1 Stufe Feststoff
Reichweite: 70 km
Treffergenauigkeit (CEP): 700 m
Sprengkopf: Nuklear 5, 10, 20 oder 200 kT, 457 kg Splittergefechtskopf oder Bomblets
(LL)

Bearbeitungsstand: Dezember 2007

Fulda Gap

Der Begriff »Fulda Gap« (Lücke bei Fulda) tauchte erstmals Mitte der 1970er Jahre in einem Reference Book (Taktiklehrbuch) der Ausbildungsstätte für Generalstäbler der US-Armee in Fort Leavenworth (Kansas) auf. Es trug den Titel »Conventional-Nuclear-Operations« (Konventionelle und nukleare Kriegsführung).

Im vierten Kapitel wird die atomare Gefechtsführung im Raum Fulda behandelt: »Das 3. [US-]Armeekorps, aus zwei Divisionen bestehend, sitzt mitten auf der kürzesten Verbindungsroute zwischen der westdeutschen [Ost-]Grenze und dem Rhein. Somit dürfte dies für die in Ostdeutschland stationierten Streitkräfte, die die Bedrohung bilden, das Hauptangriffsgebiet sein. Die wichtigsten Routen für einen Vorstoß in das Gebiet des Armeekorps sind der ‚Hessische Korridor’ längs der Autobahn Bad Hersfeld – Frankfurt und die ‚Fuldaer Lücke’, die im Norden und Süden um die Stadt Fulda herumläuft, und das Tal des Flusses Kinzig über Schlüchtern, Gelnhausen und Hanau nach Frankfurt«.

1982 produzierte die größte amerikanische Fernsehgesellschaft CBS den Film »The Nuclear Battlefield«, der das oben genannte Reference Book inhaltlich aufbereitete. Ausführlich erklärte der Film den Einsatz des »Zebra Package of the 3. US-Corps« im Fulda Gap. Dies ‚Zebra-Paket’ war ein System von 141 Nuklearsprengköpfen mit einer Sprengkraft zwischen 0,1 und 10 Kilotonnen TNT-Äquivalent (Hiroshima: 12,5 Kilotonnen). Von den 141 Atomsprengköpfen sollten im Kriegsfall innerhalb von zwei Stunden 114 im Fulda Gap und 27 im Kinzigtal als nukleares Sperrfeuer’ gezündet werden. (Krusewitz/Maul: Vom Fulda Gap zur UNESCO-Modellregion? Biosphärenreservat Rhön. Niederaula 2001, S. 13.)

Bearbeitungsstand: Juni 2006

siehe auch: KT (Kilotonne)
siehe auch: Sprengkraft
siehe auch: TNT (Trinitrotoluol)

Fulda-Kleinlüder

ehem. Atomwaffenstandort Deutschland

ehem. Atomwaffenstandort Fulda-Kleinlüder. Bild: Digital Globe

Das ehemalige US-Atomwaffenlager Fulda-Kleinlüder (50°33’12“N, 09°32’26“O) lag ca. 9 km westlich der Stadt Fulda in Hessen. Hier solllen zeitweise Gefechtsköpfe für die Kurzstreckenraketen "Sergeant" und "Lance" stationiert gewesen sein. Über den Stationierungszeitraum und die Anzahl der eingelagerten Atomwaffen gibt es keine Angaben. (Quelle: www.fulda-gap.de/hawk.htm)

Fulda-Kleinlüder diente zeitweise auch als "grenznahes" Lager für die in Deutschland stationierten US-amerikanischen ADM (Atomminen). (Siehe Detlef Bald: Politik und Verantwortung, S. 121). Wieviele "grenznahe" ADM Lager insgesamt eingerichete wurden, ist nicht bekannt. (LL)

Bearbeitungsstand: August 2012

Weitere Informationen über Atomwaffenstandorte in Deutschland

siehe auch: ADM
siehe auch: Lance-Rakete
siehe auch: Sergeant-Rakete



 

Fusionsbombe

engl.: nuclear fusion bomb

Bei einer Kernfusion verschmelzen zwei Kerne ineinander und bilden einen neuen Kern. Dabei werden große Mengen Energie frei. Da thermonukleare Reaktionen nur bei sehr hohen Temperaturen ablaufen, stellt sich die Frage, wie eine solche Bombe gezündet werden soll. Um diese Temperaturen zu erzeugen, wird zuerst ein gewöhnlicher Kernspaltungsprozess gestartet, der dann die Kernfusion in Gang setzt.

Wenn die Implosionszündung detoniert, wird der mit Schaumkunststoff gefüllte Raum mit Röntgenstrahlen (also energiereichen Photonen) überflutet. So wird der Zylinder mit dem Fusionsmaterial stark erhitzt. Durch den entstehenden Druck wird der Zylinder implodiert, wodurch der Plutonium-Kern den kritischen Zustand erreicht und detoniert. Der sich weiter aufbauende Druck und die enorme Hitze setzen schließlich den thermonuklearen Prozess in Gang.

Dieses Verfahren wurde in der ersten jemals explodierten Wasserstoffbombe (Ivy Mike) eingesetzt. Die 1952 getestete Bombe wog 65t und war daher noch nicht abwurffähig. 1954 aber wurde eine nach demselben Prinzip gebaute Bombe (Castle-Bravo) über dem Eniwetok-Atoll abgeworfen. (Quelle: Donati: »ChemGlobe-Atomwaffen«)

Die größten Wasserstoffbomben im US-Arsenal waren Bomben mit einer Sprengkraft von jeweils 24 Megatonnen, die nie in ihrer vollen Stärke getestet wurden. Die Mark-21 gehörte nur von 1955 bis 1957 zum Bestand; das Nachfolgemodell Mark-36 war von 1956 bis 1962 in Verwendung. Auf dem Reißbrett wurden noch stärkere Kaliber erdacht: So plante die US-Regierung zeitweilig die Entwicklung einer 200 Megatonnen-Bombe, die von einem ferngesteuerten Bomber QB-52 Stratofortress abgeworfen werden sollte. Den Rekord hält der Ingenieur Bruno Augenstein von der amerikanischen RAND Corporation in Kalifornien. Er schlug den Bau einer Bombe mit einer Sprengkraft von 1 Gigatonne (1000 Megatonnen) vor. Auch spezielle Wasserstoffbomben mit einem Mantel aus Kobalt wurden vorgeschlagen. Kobalt-60 ist ein enorm starker Gammastrahler. Mit einer einzigen Kobaltbombe ließe sich die gesamte Erdatmosphäre über Jahre hinweg verstrahlen. Durch Zündung einer Wasserstoffbombe über der Arktis würde die polare Eiskappe schmelzen und eine riesige Welle freisetzen, die zahlreiche Länder überfluten würde. Auch ließe sich durch die Detonation mehrerer Wasserstoffbomben vor der kalifornischen Küste eine Tsunami-Welle auslösen, die den Westen der USA bis zu den Rocky Mountains überschwemmen würde. (Quelle: Gerhard Piper in antimilitarismus information (ami) 10/2002, S. 18-23)

Bearbeitungsstand: November 2010