Diepholz

ehem. Atomwaffenstandort, Deutschland

Am 1. Oktober 1961 begann auf dem Fliegerhorst Diepholz (52°34'52“N, 08°20'13“O) die Aufstellung des FlaRakBtl 25. Dieser mit Nike-Flugabwehrraketen ausgerüstete Verband sollte von vorne herein hier nur eine vorübergehende Bleibe erhalten. Bis zum Jahresende trafen das Raketensystem und die in den USA ausgebildeten Mannschaften in Deutschland ein. Zeitgleich damit verlegte man die 1. und 4. Batterie des Bataillons auf den Fliegerhorst Ahlhorn. Die 2. und 3. verblieben in Diepholz. Für diese wurde auf dem Fliegerhorst eine temporäre Einsatzstellung der Nike mit Feuerleitbereich und Abschußbereich eingerichtet. Im Sommer 1964 wurden die letzten Teile des Verbandes in die neu gebaute Hülsmeyer-Kaserne nach Barnstorf verlegt, die provisorische Stellung konnte in die Endstandorte verlegt werden.
Jede FlaRakBatterie bestand aus drei getrennten Bereichen: der Unterkunft, dem Feuerleitbereich in günstiger topografischer Lage mit bis zu 5 Radargeräten für Überwachung, Zielerfassung, Zielverfolgung und Flugkörperverfolgung und dem Abschussbereich mit jeweils 3 Abschussflächen und dazugehörigen Bunkern. In diesem Bereich befanden sich auch die Atomsprengköpfe. Während die Raketen in Montagebunkern oder auf durch Erdwälle geschützten Abschussschienen bereit gehalten wurden, lagen die Radaranlagen in exponierter Stellung und konnten nur mit Sandsäcken oder Konturen verwischender Tarnung ungenügend geschützt werden. (Manfred Tegge)
An Atomsprengköpfen waren zwei Versionen verfügbar. Die kleinere mit der Bezeichnung B-XS hatte eine Sprengkraft von 2 Kilotonnen. Die größere B-XL besaß ursprünglich 40 kT Sprengkraft. Letztere wurden in den 1970er Jahren gegen Sprengköpfe zu je 20 kT ausgetauscht. Maximal waren je Stellung zehn Nuklear-Sprengköpfe vorhanden, acht mit der Stärke XS mit 2 Kilotonnen und zwei XL mit 40/20 Kilotonnen Sprengkraft. (Jürgen Dreifke)
Ein Zeitzeuge erinnert sich: „Die vier Batterien des FlaRakBtls 25 befanden sich in unterschiedlichen Bereitschaftsstufen mit einer Reaktionszeit von maximal 30 Minuten, maximal 3 Stunden, maximal 12 Stunden und mehr als 12 Stunden. Innerhalb einer Batterie hatten mindestens zwei Abschussplätze den selben Bereitschaftsgrad. Konnte eine der Batterien aus technischen Gründen den Bereitschaftsgrad nicht einhalten, dann rückten die anderen Batterien eine Einsatzstufe nach oben. Abhängig vom Bereitschaftsgrad war die Stellung im Schichtbetrieb ständig besetzt und einsatzbereit. Dazu gab es in der Batterie drei Kampfbesatzungen für den Feuerleit- und Abschussbereich, die sich in einem System von 48-Std-Schichten während der Woche und 72-Std-Schichten am Wochenende abwechselten.
Für den Einsatz der Gefechtsköpfe gab es genau festgelegte Prioritäten. Beim Anflug eines einzelnen feindlichen Zielobjektes wurde ein kleiner atomarer Gefechtskopf (B-XS) eingesetzt. Beim Anflug mehrerer feindlicher Zielobjekte wurde ein großer atomarer Gefechtskopf (B-XL) eingesetzt. Die ebenfalls vorhandenen, konventionellen Gefechtsköpfe dienten lediglich als Munitionsreserve.
Soweit mir bekannt, befanden sich in allen Nike-Stellungen der Bundesluftwaffe atomare Gefechtsköpfe.“ (Michael Juhls)

Bearbeitungsstand: Juni 2010

Weitere Informationen über Atomwaffenstandorte in Deutschland

siehe auch: KT-Wert
siehe auch: Nike Hercules

zurück