Dülmen-Visbeck

ehem. Atomwaffenstandort, Deutschland

Leerstehender Sondermunitionslager Dülmen-Visbeck 2003, Foto: bw-duelmen.de

Das Sondermunitionslager Dülmen-Visbeck (51°47’40“N, 07°19’24“O) befand sich ca. 4,5 km südlich der Stadt Dülmen in Nordrhein-Westfalen. Mit dem Bau des Sondermunitionslagers wurde am 25. April 1963 begonnen. Das Lager wurde am 22. September 1965 fertig gestellt. Die Baukosten betrugen ca. 800.000 DM. Das ursprüngliche Lager besaß nur vier Holzwachhäuschen auf ebener Erde, von denen die Wachsoldaten, ungeschützt vor möglicher gegnerischer Waffenwirkung, das umliegende Gelände zu beobachten hatten. Da das Lager auch kein Stellungssystem besaß, wäre es schwierig gewesen, das Lager gegen Angriffe zu verteidigen. Erst 1972 wurden an Stelle der hölzernen Wachhäuschen Wachtürme aus Betonrohr mit einem Holzaufbau errichtet. Ab diesem Zeitpunkt konnten die Wachen auch das umliegende Gelände beobachten. Diese Wachtürme blieben bis 1979 stehen. Im Dezember 1979 wurde der Bau eines neuen Wachgebäudes mit neuem Wachturm abgeschlossen. Der Um- und Neubau der Umzäunung dauerte noch bis Mai 1985. Es folgten der Einbau zusätzlicher elektrischer und elektronischer Absicherungsmaßnahmen sowie das Anbringen von Metallkäfigen vor den Bunkertoren. Erst im Jahr 1989 wurde das aus Betonmauern bestehende Stellungssystem des Lagers fertig gestellt. Bis dahin hatte man nur Sandsackstellungen für die Verteidigung des Lagers zur Verfügung.

Im Mai 1968 wurde das Lager Dülmen-Visbeck erstmalig einem atomaren Prüfprogramm unterzogen. Die atomare Sicherheitsinspektion (Nuclear Safety Inspection-NSI) wurde bestanden. Die Wiederholungsinspektionen erfolgten im jährlichen Rhythmus. Ab dem 1. Juni 1969 war das Lager Dülmen-Visbeck erstmals »scharf«, das heißt, es waren Atomsprengköpfe eingelagert. Der bauliche Zustand des Sondermunitionslagers wurde in einer jährlichen Wartungsinspektion (Annual Maintenance Inspection – AMI) durch Vertreter der Armeegruppen und der Benutzerstaaten überprüft.

Eingelagerte Munition
Im Lager Dülmen-Visbeck wurde die gesamte atomare Munition der 7. deutschen Panzerdivision bevorratet. Dabei handelte es sich um:

  • Gefechtsköpfe für die taktische Kurzstreckenrakete »Honest John« (bis 1980)
  • Artilleriegranaten Kaliber 203 mm für die »schwere« Panzerhaubitze der Divisionsartillerie (ab 1960 atomar)
  • Artilleriegranaten Kaliber 155 mm für die Panzerhaubitze der Brigadeartillerie (ab 1972 atomar).

Mit dem Abzug der Honest John Gefechtsköpfe wurde das Lager von Juni – Oktober 1980 komplett geräumt. Die Honest John Gefechtsköpfe wurden auf dem Flugplatz Wildenrath zwischengelagert und von dort in die USA abtransportiert. Die Sondermunition der Kaliber 155 mm und 203 mm wurde vorübergehend im Lager Werlte eingelagert. Nach dem Rücktransport im Oktober 1980 lagerte dann nur noch die Sondermunition der Kaliber 155 mm und 203 mm in Dülmen-Visbeck. Der endgültige Abzug der Sondermunition erfolgte im Rahmen einer Luftlandeübung in der Zeit vom 26.-29. November 1991. Ab diesem Zeitpunkt war das Sondermunitionslager Dülmen-Visbeck aufgelöst. (Quelle: Chronik der Begleitbatterie 7, o.O., o. D.)


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Bearbeitungsstand: November 2009

Weitere Informationen zu den Atomwaffenstandorte in Deutschland

siehe auch: Honest John
siehe auch: Sondermunitionslager

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