Dallau

ehem.Atomwaffenstandort, Deutschland

Im Rahmen der großräumigen Luftverteidigung Europas während der Zeit des Kalten Krieges waren auch die US-Streitkräfte an dem quer durch Deutschland verlaufenden Nike-Herkules Flugabwehrgürtel mit insgesamt sechs in Bayern, Baden-Württemberg, Hessen und Rheinland-Pfalz stationierten Bataillonen beteiligt. Das 1thMissile Battailon, 67thUS-Arty-Group, verfügte über atomare Feuerstellungen in den Standorten Griesheim, Mainbullau, Hardheim und Dallau.

Die Nike-Feuerstellung (Launching Area) Dallau (49°23'37“N, 9°12'19“O) lag auf einer Anhöhe oberhalb von Elztal-Dallau ca. 28 km nördlich von Heilbronn im Odenwald in Baden-Württemberg.  Die dort stationierte D-Battery, 1thMissile Battailon, 67thUS-Arty-Group bestand aus drei getrennten Bereichen: der Unterkunft, dem Feuerleitbereich in günstiger topografischer Lage mit bis zu 5 Radargeräten für Überwachung, Zielerfassung, Zielverfolgung und Flugkörperverfolgung und dem Abschussbereich mit jeweils 3 Abschussflächen und dazugehörigen Bunkern. In diesem Bereich befanden sich auch die Atomsprengköpfe.

In der Stellung Dallau waren von 1961 bis 1970 atomare Flugabwehrraketen vom Typ Nike stationiert. An Atomsprengköpfen waren zwei Versionen verfügbar. Die kleinere mit der Bezeichnung B-XS hatte eine Sprengkraft von 2 Kilotonnen. Die größere B-XL besaß ursprünglich 40 kT Sprengkraft. Letztere wurden in den 1970er Jahren gegen Sprengköpfe zu 20 kT ausgetauscht. Maximal waren je Stellung zehn Nuklear-Sprengköpfe vorhanden, acht mit der Stärke XS mit 2 Kilotonnen und zwei XL mit 40/20 Kilotonnen Sprengkraft. Für den Einsatz der Gefechtsköpfe gab es genau festgelegte Prioritäten. Beim Anflug eines einzelnen feindlichen Zielobjektes wurde ein kleiner atomarer Gefechtskopf (B-XS) eingesetzt. Beim Anflug mehrerer feindlicher Zielobjekte wurde soweit verfügbar ein großer atomarer Gefechtskopf (B-XL) eingesetzt. Die ebenfalls vorhandenen konventionellen Gefechtsköpfe dienten lediglich als Munitionsreserve.

Die NIKEs waren bis Ende der 1970er Jahre hier stationiert. Danach wurde die Stellung umgebaut und bis ca. 1983 für nicht atomare HAWK-Flugabwehrraketen genutzt. Heute wird die ehemalige Nike-Feuerstellung als Pferde- und Rinderranch genutzt. (LL)

(Quellen:  Jürgen Dreifke, Michael Juhls)

Weitere Informationen über Atomwaffenstandorte in Deutschland

siehe auch: Nike Herkules
siehe auch: KT(Kilotonne)

Bearbeitungsstand: September 2010

Datteln

ehem. Atomwaffenstandort Deutschland

Das Flugabwehrraketenbataillon 21 wurde 1959 auf dem Fliegerhorst Köln-Wahn in Dienst gestellt. Es folgte eine Dislozierung des Verbandes in den Räumen Iserlohn, Soest, Warendorf und Dülmen. Als erster Verband der Luftwaffe wurde das neu aufgestellte FlaRakBtl 21 mit dem Waffensystem NIKE ausgerüstet.

Die Nike-Feuerstellung (Launching Area) Datteln (51°41’59“N, 07°16’42“O) der 4. Batterie des FlaRakBtl 21 lag ca. 5 km nordwestlich der Stadt Datteln in Nordrhein-Westfalen. Die Batterie bestand aus drei getrennten Bereichen: der Unterkunft, dem Feuerleitbereich in günstiger topografischer Lage mit bis zu 5 Radargeräten für Überwachung, Zielerfassung, Zielverfolgung und Flugkörperverfolgung und dem Abschussbereich mit jeweils 3 Abschussflächen und dazugehörigen Bunkern. In diesem Bereich befanden sich auch die Atomsprengköpfe. Während die Raketen in Montagebunkern oder auf durch Erdwälle geschützten  Abschussschienen bereit gehalten wurden, lagen die Radaranlagen in exponierter Stellung und konnten nur mit Sandsäcken oder Konturen verwischender Tarnung ungenügend geschützt werden. Zum Eigenschutz vor allem gegen angreifende Tiefflieger, wurden die Stellungen später zusätzlich mit 20mm Zwillingsgeschützen ausgestattet.

In der Stellung Datteln waren bis 1987 atomare Flugabwehrraketen vom Typ Nike stationiert. An Atomsprengköpfen waren zwei Versionen verfügbar. Die kleinere mit der Bezeichnung B-XS hatte eine Sprengkraft von 2 Kilotonnen. Die größere B-XL besaß ursprünglich 40 KT Sprengkraft. Letztere wurden in den 1970er Jahren gegen Sprengköpfe zu 20 KT ausgetauscht.

Maximal waren je Stellung zehn Nuklear-Sprengköpfe vorhanden, acht mit der Stärke XS mit 2 Kilotonnen und zwei XL mit 40/20 Kilotonnen Sprengkraft. (Quelle: Jürgen Dreifke)

Ein Zeitzeuge erinnert sich: «Die vier Batterien des FlaRakBtls 21 [mit den Feuerstellungen Westkirchen, Büecke, Opherdicke und Datteln] befanden sich in unterschiedlichen Bereitschaftsstufen mit einer Reaktionszeit von maximal 30 Minuten, maximal 3 Stunden, maximal 12 Stunden und mehr als 12 Stunden. Innerhalb einer Batterie hatten mindestens zwei Abschussplätze den selben Bereitschaftsgrad. Konnte eine der Batterien aus technischen Gründen den Bereitschaftsgrad nicht einhalten, dann rückten die anderen Batterien eine Einsatzstufe nach oben. Abhängig vom Bereitschaftsgrad war die Stellung im Schichtbetrieb ständig besetzt und einsatzbereit. Dazu gab es in der Batterie drei Kampfbesatzungen für den Feuerleit- und Abschussbereich, die sich in einem System von 48-Std-Schichten während der Woche und 72-Std-Schichten am Wochenende abwechselten.

«Für den Einsatz der Gefechtsköpfe gab es genau festgelegte Prioritäten. Beim Anflug eines einzelnen feindlichen Zielobjektes wurde ein kleiner atomarer Gefechtskopf (B-XS) eingesetzt. Beim Anflug mehrerer feindlicher Zielobjekte wurde ein großer atomarer Gefechtskopf (B-XL) eingesetzt. Die ebenfalls vorhandenen konventionellen Gefechtsköpfe dienten lediglich als Munitionsreserve.

«Soweit mir bekannt, befanden sich in allen Nike-Stellungen der Bundesluftwaffe atomare Gefechtsköpfe.» (Quelle: Michael Juhls)

Bearbeitungsstand: Februar 2010

Weitere Informationen über Atomwaffenstandorte in Deutschland

siehe auch: KT (Kilotonne)

siehe auch: Nike Hercules

Davy Crockett

Die Davy Crockett oder M-368 war eine taktische Kernwaffe der USA, die von der US-Armee während des Kalten Krieges entwickelt und in Deutschland stationiert wurde. Der Name bezieht sich auf den amerikanischen Kongressabgeordneten und Volkshelden Davy Crockett (1786-1836).

Die Davy Crockett war die kleinste je gebaute Rakete mit Atomsprengkopf. Sie wurde in den Kalibern 120 Millimeter (M-28) und 155 Millimeter (M-29) gebaut und besaß eine Reichweite von 2 km (M-28) bis 4 km (M-29). Der nukleare Fissionssprengkopf (W54) wog ca. 23 kg, und hatte eine einstellbare Sprengkraft von 20-250 Tonnen TNT bis maximal etwa 1 KT. Diese Rakete war für einen Gefechtsfeldeinsatz der US-Infanterie gegen Truppen des Warschauer Pakts in Deutschland vorgesehen. Der Einsatz der Davy Crockett Rakete erfolgte von einem Dreibeingestell aus oder von Startgestellen, die auf Radfahrzeugen oder Schützenpanzern montiert waren.

Die Produktion der Davy Crockett begann 1956. Es wurden insgesamt 2.100 Raketen hergestellt. Die Waffe befand sich von 1961 bis 1971 im Truppeneinsatz.

Im Juli 1962 wurde ein Abschuss der Davy Crockett mit Zündung des Nuklearsprengsatzes erprobt. Dies war der letzte oberirdische Test einer Nuklearwaffe auf dem Nevada-Testgelände. (Übersetzung LL) (Quelle in Englisch: www.brook.edu)

Bearbeitungsstand: September 2007

Dekontamination

engl.: decontamination

Zur Dekontamination zählen technische Verfahren zur Beseitigung oder Verringerung einer radioaktiven Kontamination (Verschmutzung) mittels chemischer oder physikalischer Hilfsmittel. Die Dekontamination von Material erfolgt in der Regel durch Abwaschen oder Reinigung mit Chemikalien. Die Dekontamination von Luft und Wasser erfolgt durch Filtern bzw. Verdampfen und Ausfällen. (LL)

Bearbeitungsstand: April 2006

Delmenhorst-Adelheide

ehem. Atomwaffenstandort, Deutschland

ehem. Atomwaffenstandort Delmenhorst-Adelheide. Bild: Digital GlobeTemporäre atomare Feuerstellung der Bundesluftwaffe für die 2./FlaRakBtl 24 auf dem ehemaligen Flugfeld Delmenhorst-Adelheide (53°00'05“N, 8°35'50“O).

Die Stellung lag ca. 6 km südwestlich der Stadt Delmenhorst in Niedersachsen. Hier waren in der Zeit von Juli 1962 bis Mai 1973 atomare Flugabwehrraketen vom Typ Nike stationiert. Die Stellung bestand aus drei getrennten Bereichen: der Unterkunft, dem Feuerleitbereich in günstiger topografischer Lage mit bis zu 5 Radargeräten für Überwachung, Zielerfassung, Zielverfolgung und Flugkörperverfolgung und dem Abschussbereich mit jeweils 3 Abschussflächen und dazugehörigen Bunkern. In diesem Bereich befanden sich auch die Atomsprengköpfe. Während die Raketen in Montagebunkern oder auf, durch Erdwälle geschützten, Abschussschienen bereit gehalten wurden, lagen die Radaranlagen in exponierter Stellung und konnten nur mit Sandsäcken oder Konturen verwischender Tarnung ungenügend geschützt werden. Zum Eigenschutz vor allem gegen angreifende Tiefflieger, wurden die Stellungen später zusätzlich mit 20mm Zwillingsgeschützen ausgestattet.

An Atomsprengköpfen waren zwei Versionen verfügbar. Die kleinere mit der Bezeichnung B-XS hatte eine Sprengkraft von 2 Kilotonnen. Die größere B-XL besaß ursprünglich 40 KT Sprengkraft. Letztere wurden in den 1970er Jahren gegen Sprengköpfe zu 20 KT ausgetauscht. Maximal waren je Stellung zehn Nuklearsprengköpfe vorhanden, acht mit der Stärke XS mit 2 KT und zwei XL mit 40/20 KT Sprengkraft. (Quelle: Jürgen Dreifke)

Ein Zeitzeuge erinnert sich: „Die vier Batterien des FlaRakBtls 24 befanden sich in unterschiedlichen Bereitschaftsstufen mit einer Reaktionszeit von maximal 30 Minuten, maximal 3 Stunden, maximal 12 Stunden und mehr als 12 Stunden. Innerhalb einer Batterie hatten mindestens zwei Abschussplätze den selben Bereitschaftsgrad. Konnte eine der Batterien aus technischen Gründen den Bereitschaftsgrad nicht einhalten, dann rückten die anderen Batterien eine Einsatzstufe nach oben. Abhängig vom Bereitschaftsgrad war die Stellung im Schichtbetrieb ständig besetzt und einsatzbereit. Dazu gab es in der Batterie drei Kampfbesatzungen für den Feuerleit- und Abschussbereich, die sich in einem System von 48-Std-Schichten während der Woche und 72-Std-Schichten am Wochenende abwechselten.

Für den Einsatz der Gefechtsköpfe gab es genau festgelegte Prioritäten. Beim Anflug eines einzelnen feindlichen Zielobjektes wurde ein kleiner atomarer Gefechtskopf (B-XS) eingesetzt. Beim Anflug mehrerer feindlicher Zielobjekte wurde ein großer atomarer Gefechtskopf (B-XL) eingesetzt. Die ebenfalls vorhandenen konventionellen Gefechtsköpfe dienten lediglich als Munitionsreserve.

Soweit mir bekannt, befanden sich in allen Nike-Stellungen der Bundesluftwaffe atomare Gefechtsköpfe.“ (Quelle: Michael Juhls)

Bearbeitungsstand: August 2011

Weitere Informationen über Atomwaffenstandorte in Deutschland

"Der Tag danach" (Film)

engl.: "The Day After"

Der 120 Minuten lange US-amerikanische Film „Der Tag danach“ wurde weltweit zum ersten Mal am 20. November 1983 ausgestrahlt. Alleine in den USA hatte er mehr als 100 Millionen Fernsehzuschauer. Er galt als der bis dahin erfolgreichste TV-Film überhaupt. Erst im Jahr 1987 wurde „The Day After“ auch im sowjetischen Staatsfernsehen ausgestrahlt.

Der Film handelt von den Tagen nach einem Atomkrieg und zeigt die fiktiven Auswirkungen eines nuklearen Schlagabtausches der beiden Supermächte: Die radioaktive Verseuchung des Landes, der langsame Tod aller Protagonisten, das Ende der Zivilisation. Der Film spielt in einem kleinen Ort in Kansas und beginnt ein paar Wochen vor dem Atomschlag auf die USA. Im Zentrum des Filmes stehen die Erlebnisse der Menschen, nicht die politischen Geschehnisse. Ungeklärt blieb in der Erzählung des Filmes, wer die Raketen zuerst abfeuerte. Verglichen mit dem britischen Film Threads, ist der Film vergleichsweise optimistisch, weil einige Menschen den Atomkrieg überleben.

Die Premiere des Films hatte damals weltweit eine sehr große Wirkung. Er wurde in einer Zeit ausgestrahlt, wo die Menschen ohnehin große Angst vor einem Atomkrieg hatten. US-Präsident Ronald Reagan notierte in seinem Tagebuch, der Film habe ihn tief deprimiert. Es gibt die Legende, dass der Film Reagans Umdenken veranlasste, da er danach mit Gorbatschow Abrüstungsgespräche führte. Nach der Erstausstrahlung gab es TV-Debatten über den Sinn nuklearer Abrüstung oder Aufrüstung, an denen unter anderem Ex-US-Außenminister Henry Kissinger und der Wissenschaftler Carl Sagan teilnahmen. ABC richtete Notfall-Hotlines für besorgte Zuschauer ein.

Das Pentagon lehnte eine Unterstützung von „The Day After“ ab. Im Vorfeld des Films hatte es diverse Zensurversuche seitens des Senders gegeben, auch Ronald Reagan schickte angeblich ein Memo an Regisseur Nicholas Meyer, wie er den Film zu schneiden habe. Es wurde im Sender heftig über die Endfassung gestritten. Meyer verließ zwischenzeitlich sogar das Projekt. Wegen dieser Streitigkeiten verzögerte sich die Ausstrahlung um mindestens ein halbes Jahr.

Der Generalstab erhielt ein Screening und soll anschließend wie versteinert gewesen sein, weil er die Darstellung als zutreffend einschätzte. Die New York Post kritisierte Meyer als „Verräter“, der Sender habe 7 Millionen Dollar ausgegeben, um das Land zu entwaffnen. Konservative Aktivisten unterstellten den Machern von „The Day After“, der Film sei als Kampagne für nukleare Abrüstung konzipiert und nicht tragbar. xh (Quellen: Telepolis; Rolling Stone) Bearbeitungsstand: November 2013

Detonationsarten

engl.: explosion types

Atomdetonationen werden üblicherweise nicht nach ihrer Wirkung im Ziel sondern nach ihrem Abstand zum Nullpunkt unterschieden:

  • Höhendetonation
  • Luftdetonation
  • Bodendetonation
  • Unterirdische Detonation
  • Unterwasserdetonation

Die nahe liegende Vermutung, dass eine Atombombe ihre größte Wirkung erzielt, wenn sie direkt im Ziel, also in der Regel an der Erdoberfläche gezündet wird, ist nicht zutreffend. Eine Atomdetonation entwickelt ihre größte Zerstörungskraft bei einer niedrigen Luftdetonation, weil dabei sowohl die Druckwelle als auch die Hitzewelle ihre optimale Wirkung im Zielgebiet entfalten können. Boden- und unterirdische Detonationen werden nur zur Zerstörung bestimmter Ziele angewendet. (LL)

Bearbeitungsstand: Oktober 2006

siehe auch: Bodendetonation
siehe auch: Höhendetonation
siehe auch: Luftdetonation
siehe auch: Nullpunkt
siehe auch: Unterirdische Detonation
siehe auch: Unterwasserdetonation

Detonationshöhe

engl.: height of detonation

 

Bei Luftdetonationen ist die Wirkung auf Bodenziele im Wesentlichen vom Kilotonnen-Wert (KT-Wert) der Bombe und von der Detonationshöhe abhängig. Als Detonationshöhe bezeichnet man den Abstand zwischen der Erdoberfläche (normal Null) und dem Mittelpunkt der Detonation. Je größer die Detonationshöhe, desto schwächer ist die Druckwelle, die den Boden erreicht. Bei optimaler Detonationshöhe entsteht der größte Macheffekt, wodurch der größtmögliche Wirkungsradius (WR) erreicht wird.

Andererseits vergrößert sich die betroffene Bodenfläche mit zunehmender Detonationshöhe. Um eine größt mögliche Schadenswirkung im Ziel zu erreichen, müssen KT-Wert und Detonationshöhe optimal aufeinander abgestimmt werden. Bei Luftdetonationen ist die Wirkung durch Wärmestrahlung am größten. Auch hierbei ist die Detonationshöhe von entscheidender Bedeutung. (LL)

Bearbeitungsstand: April 2010

siehe auch: KT (Kilotonne)
siehe auch: Macheffekt
siehe auch: Wirkungsradius

Detonationspunkt

engl.: point of detonation

Der Detonationspunkt bezeichnet den Ort, an dem ein Atomsprengkörper detoniert. Dieser Punkt kann abhängig von der Detonationsart in der Luft, an der Erdoberfläche, unter der Erdoberfläche oder unter Wasser liegen. (LL)

Bearbeitungsstand: April 2006

Detonationswert

engl.: explosive force, yield

Die Explosionsenergie (Detonationswert, dt.: Sprengkraft) wird in den Maßeinheiten Kilotonne (KT) und Megatonne (MT) angegeben. Diese Maßeinheiten bezeichnen die Energie, die von 1000 bzw. 1. Million Tonnen TNT (Trinitrotoluol) freigesetzt wird. Die über Hiroshima abgeworfene Atombombe hatte einen Detonationswert von 12,5 KT. Die Nagasaki-Bombe hatte einen Detonationswert von 22 KT. (Anmerkung: 200 g TNT reichen aus, um einen Menschen zu töten!) (LL)

Bearbeitungsstand: Oktober 2004

siehe auch: KT (Kilotonne)
siehe auch: TNT (Trinitrotoluol)

Deutschland

engl.: Germany

Bereits im Jahr 1953 kamen die ersten US-amerikanischen Atomwaffen nach Deutschland. Dabei handelte es sich um Artilleriegranaten mit einem Kaliber von 280 Millimeter. Das dabei verwendete Geschütz mit einer Reichweite von ca. 32 km wurde unter der Bezeichnung »Atom-Annie« bekannt. Im März 1955 kamen die ersten atomaren Fliegerbomben in die Bundesrepublik. Es folgten Sprengköpfe für atomare Marschflugkörper vom Typ Matador und im Mai 1955 wurden die ersten atomaren Kurzstreckenraketen vom Typ Honest John stationiert. Später kamen Corporal-Raketen und atomare Landminen hinzu. Zu Beginn des Jahres 1960 lagerten in Deutschland bereits 10 unterschiedliche Typen von Atomwaffen aus den USA. Jede einzelne dieser Waffen besaß eine größere maximale Sprengkraft als jene Waffe, die Hiroshima zerstört hatte.

Erst im April 1957 erfuhr die Bevölkerung von der Existenz US-amerikanischer Atomwaffen auf deutschem Boden. Beiläufig erklärte Adenauer den bis dato gültigen Atomwaffenverzicht der Bundesrepublik für obsolet. Bundeskanzler Adenauer erklärte, Atomwaffen seien »im Grunde nichts weiter als die Weiterentwicklung der Artillerie. Selbstverständlich können wir nicht darauf verzichten, dass unsere Truppen auch in der normalen Bewaffnung die neueste Entwicklung mitmachen«. Mit Widerstand hatte Adenauer gerechnet, doch einen Proteststurm wie in den folgenden eineinhalb Jahren hatte die Bundesrepublik noch nicht gesehen.

Während des Kalten Krieges war die Masse der in Europa stationierten US-eigenen Atombomben, die für einen möglichen Einsatz durch die NATO vorgesehen waren, in so genannten Sondermunitionslagern (Special Ammunition Site = SAS) eingelagert. In der Bundesrepublik Deutschland beispielsweise verfügte jeder militärische Großverband (Korps, Division) über ein eigenes Atomwaffenlager. Die Bundeswehr schaffte die dazu erforderlichen Geschütze, Raketen und Flugzeuge an, um die tödliche Fracht ins Ziel zu bringen. Im Osten Deutschlands übten Soldaten der Nationalen Volksarmee seit den 1960er Jahren den Umgang mit Atommunition. Das geteilte Deutschland wurde zum größten Atomwaffenlager der Welt.

Der NATO-Doppelbeschluss zur Modernisierung der NATO-Atomwaffenarsenale in Europa vom Dezember 1979 bedeutete eine weitere signifikante Aufrüstung und Erweiterung der bereits vorhandenen nuklearen Arsenale, vor allem in der Bundesrepublik Deutschland. Diese Entscheidung bewirkte zwischen 1980 und 1983 eine in der Nachkriegsgeschichte beispiellose öffentliche Auseinandersetzung, die mit gesellschafts-, friedens- und parteipolitischen Argumenten bestritten wurde. Im Oktober 1981 demonstrierten im Bonner Hofgarten über 300.000 Menschen gegen die Aufstellung neuer Atomraketen (Pershing II und Cruise Missile) in Deutschland. Die Öffentlichkeit war beeindruckt von Kraft und Friedlichkeit dieser Demonstration. Davon unbeeindruckt wurden die neuen Waffensysteme mit Zustimmung der Bundesregierung im Hunsrück stationiert.

Nach Beendigung des Kalten Krieges begann der Abtransport der Massenvernichtungswaffen auf beiden Seiten des ehemaligen Eisernen Vorhangs.

Unter dem Namen » Operation Silent Echo « koordinierten die Amerikaner den Abtransport ihrer Atomsprengköpfe aus Europa, nachdem sie zuvor bereits die gesamte chemische Munition abgezogen hatten. Wahrscheinlich war dies die größte und aufwändigste Transportaktion von Atomwaffen, die es je in der Geschichte gegeben hat. Aus über 100 Lagerstätten in Westeuropa wurden die Sprengköpfe eingesammelt und per Lufttransport in die USA verbracht. Der Abzug von Tausenden von Atomsprengköpfen erfolgte weitgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Am 2. Juli 1992 verkündete US-Präsident Bush den erfolgreichen Abschluss der Mission.

Dennoch sind bis heute Atombomben in Deutschland gelagert und unsere Regierung beteiligt sich weiterhin an der nuklearen Teilhabe der NATO. Diese besteht aus zwei Komponenten: Zum einen aus der technischen Teilhabe, mittels derer Piloten und Flugzeuge der nichtnuklearen NATO-Staaten (z.B. Deutschland) im Kriegsfall US-Atomwaffen einsetzen können und dies im Frieden üben. Zum anderen aus der politischen Teilhabe, d.h. dem Recht, über Nuklearstrategie, Nuklearwaffenstationierung und Nuklearwaffeneinsatzplanung in der NATO mitdiskutieren zu können (Nukleare Planungsgruppe der NATO). Im Rahmen der so genannten » nuklearen Teilhabe « sind in fünf europäischen Ländern (Belgien, Deutschland, Italien, Niederlande, Türkei) taktische Atomwaffen stationiert. In Deutschland werden Bundeswehrsoldaten für den Einsatz dieser Waffen im Ernstfall ausgebildet. Als Trägersysteme stehen in Büchel in der Eifel deutsche Tornados zur Verfügung. Viele Experten halten die nukleare Teilhabe für einen Verstoß gegen Artikel II des Nichtverbreitungsvertrags, in dem sich die Nicht-Atomwaffenstaaten verpflichten, Atomwaffen von niemandem anzunehmen. (RH)

Nachdem vermutlich bereits im Jahr 2006 die Atomwaffen vom US-Stützpunkt Ramstein in der Pfalz abgezogen wurden, sind nur noch im Bundeswehr Luftwaffenstandort Büchel in der Eifel wenige atomare Fliegerbomben gelagert. (LL)

»Weitere Informationen über Atomwaffen in Deutschland

Bearbeitungsstand: Februar 2008

siehe auch:
»Atom-Annie
»Büchel
»Corporal-Rakete
»Cruise Missile
»Honest John
»Kurzstreckenrakete
»Marschflugkörper
»Matador-Marschflugkörper
»NATO-Doppelbeschluss
»Nichtverbreitungsvertrag
»nukleare Planungsgruppe
»nukleare Teilhabe
»Operation Silent Echo
»Pershing-II-Rakete
»Ramstein
»Sondermunitionslager

Dexheim

ehem. Atomwaffenstandort, Deutschland

Im Rahmen der großräumigen Luftverteidigung Europas während der Zeit des Kalten Krieges waren auch die US-Streitkräfte an dem quer durch Deutschland verlaufenden Nike-Herkules Flugabwehrgürtel mit insgesamt sechs in Bayern, Baden-Württemberg, Hessen und Rheinland-Pfalz, stationierten Bataillonen beteiligt. Das 5thMissile Battailon, 1thUS-Arty-Group verfügte über atomare Feuerstellungen in den Standorten Wackernheim, Dexheim, Quirnheim und Dichtelbach.

Die Nike-Feuerstellung (Launching Area) Dexheim (49°51'12“N, 8°17'58“O) lag ca. 16 km südlich der Stadt Mainz in Rheinland-Pfalz. Die dort stationierte B-Battery, 5thMissile Battailon, 1thUS-Arty-Group bestand aus drei getrennten Bereichen: der Unterkunft, dem Feuerleitbereich in günstiger topografischer Lage mit bis zu 5 Radargeräten für Überwachung, Zielerfassung, Zielverfolgung und Flugkörperverfolgung und dem Abschussbereich mit jeweils 3 Abschussflächen und dazugehörigen Bunkern. In diesem Bereich befanden sich auch die Atomsprengköpfe.

In der Stellung Dexheim waren bis 1983 atomare Flugabwehrraketen vom Typ Nike stationiert. An Atomsprengköpfen waren zwei Versionen verfügbar. Die kleinere mit der Bezeichnung B-XS hatte eine Sprengkraft von 2 Kilotonnen. Die größere B-XL besaß ursprünglich 40 kT Sprengkraft. Letztere wurden in den 1970er Jahren gegen Sprengköpfe zu 20 kT ausgetauscht. Maximal waren je Stellung zehn Nuklear-Sprengköpfe vorhanden, acht mit der Stärke XS mit 2 Kilotonnen und zwei XL mit 40/20 Kilotonnen Sprengkraft. Für den Einsatz der Gefechtsköpfe gab es genau festgelegte Prioritäten. Beim Anflug eines einzelnen feindlichen Zielobjektes wurde ein kleiner atomarer Gefechtskopf (B-XS) eingesetzt. Beim Anflug mehrerer feindlicher Zielobjekte wurde soweit verfügbar ein großer atomarer Gefechtskopf (B-XL) eingesetzt. Die ebenfalls vorhandenen konventionellen Gefechtsköpfe dienten lediglich als Munitionsreserve. (LL)

(Quellen:  Jürgen Dreifke, Michael Juhls)

In den Jahren 1969/1970 erfolgte die Verlegung von Atomminen aus den Depots nahe der Grenze zur DDR und zur Tschechoslowakei in den weiter westlich gelegenen amerikanischen Verantwortungsbereich. Dabei handelte es sich um mehr als 200 ADMs, die bis zu ihrem entgültigen Abzug in die USA (bis 1984) in Dexheim, Aschaffenburg, Darmstadt-Breitefeld, Hanau, Eschborn, Ettlingen, auf dem Militärflugplatz Kornwestheim und Wildflecken eingelagert wurden (Bald, Politik der Verantwortung, S. 121). Über die genauen Stückzahlen sind bis heute keine Daten zugänglich.

Bearbeitungsstand: Oktober 2010

siehe auch. Atomminengürtel
siehe auch: Nike Herkules
siehe auch: KT(Kilotonne)

Dichtelbach

ehem. Atomwaffenstandort, Deutschland

Dichtelbach Sonderwaffenlager, Bild: Google Earth

Im Rahmen der großräumigen Luftverteidigung Europas während der Zeit des Kalten Krieges waren auch die US-Streitkräfte an dem quer durch Deutschland verlaufenden Nike-Herkules Flugabwehrgürtel, mit insgesamt sechs in Bayern, Baden-Württemberg, Hessen und Rheinland-Pfalz, stationierten Bataillonen, beteiligt. Das 5thMissile Bataillon, 1thUS-Arty-Group verfügte über atomare Feuerstellungen in den Standorten Wackernheim, Dexheim, Quirnheim und Dichtelbach.

Die Nike-Feuerstellung (Launching Area) Dichtelbach (50°00'37“N, 7°43'03“O) lag ca. 20 km nordwestlich von Bad Kreuznach im Hunsrück.  Die dort stationierte C-Battery, 5thMissile Bataillon, 1thUS-Arty-Group bestand aus drei getrennten Bereichen:

 

  • der Unterkunft,
  • dem Feuerleitbereich in günstiger topografischer Lage mit bis zu 5 Radargeräten für Überwachung, Zielerfassung, Zielverfolgung und Flugkörperverfolgung,
  • dem Abschussbereich mit jeweils 3 Abschussflächen und dazugehörigen Bunkern. In diesem Bereich befanden sich auch die Atomsprengköpfe.

In der Stellung Dichtelbach waren bis 1983 atomare Flugabwehrraketen vom Typ Nike stationiert. An Atomsprengköpfen waren zwei Versionen verfügbar. Die kleinere mit der Bezeichnung B-XS hatte eine Sprengkraft von 2 Kilotonnen. Die größere B-XL besaß ursprünglich 40 kT Sprengkraft. Letztere wurden in den 1970er Jahren gegen Sprengköpfe zu 20 kT ausgetauscht. Maximal waren je Stellung zehn Nuklear-Sprengköpfe vorhanden, acht mit der Stärke XS mit 2 Kilotonnen und zwei XL mit 40/20 Kilotonnen Sprengkraft. Für den Einsatz der Gefechtsköpfe gab es genau festgelegte Prioritäten. Beim Anflug eines einzelnen feindlichen Zielobjektes wurde ein kleiner atomarer Gefechtskopf (B-XS) eingesetzt. Beim Anflug mehrerer feindlicher Zielobjekte wurde soweit verfügbar ein großer atomarer Gefechtskopf (B-XL) eingesetzt. Die ebenfalls vorhandenen konventionellen Gefechtsköpfe dienten lediglich als Munitionsreserve.
Im Jahr 1983 endete der atomare Nike Einsatz. Vermutlich waren zu diese Zeit noch eine nicht bekannte Anzahl von ADM (Atomare Bodensprengkörper) im Depot eingelagert, bevor diese 1984 in die USA zurück verlegt wurden. (LL)
(Quellen: Jürgen Dreifke, Michael Juhls)

Bearbeitungsstand: November 2011

Siehe auch: Nike Hercules
Siehe auch: KT-Wert
Siehe auch: ADM

Diepholz

ehem. Atomwaffenstandort, Deutschland

Am 1. Oktober 1961 begann auf dem Fliegerhorst Diepholz (52°34'52“N, 08°20'13“O) die Aufstellung des FlaRakBtl 25. Dieser mit Nike-Flugabwehrraketen ausgerüstete Verband sollte von vorne herein hier nur eine vorübergehende Bleibe erhalten. Bis zum Jahresende trafen das Raketensystem und die in den USA ausgebildeten Mannschaften in Deutschland ein. Zeitgleich damit verlegte man die 1. und 4. Batterie des Bataillons auf den Fliegerhorst Ahlhorn. Die 2. und 3. verblieben in Diepholz. Für diese wurde auf dem Fliegerhorst eine temporäre Einsatzstellung der Nike mit Feuerleitbereich und Abschußbereich eingerichtet. Im Sommer 1964 wurden die letzten Teile des Verbandes in die neu gebaute Hülsmeyer-Kaserne nach Barnstorf verlegt, die provisorische Stellung konnte in die Endstandorte verlegt werden.
Jede FlaRakBatterie bestand aus drei getrennten Bereichen: der Unterkunft, dem Feuerleitbereich in günstiger topografischer Lage mit bis zu 5 Radargeräten für Überwachung, Zielerfassung, Zielverfolgung und Flugkörperverfolgung und dem Abschussbereich mit jeweils 3 Abschussflächen und dazugehörigen Bunkern. In diesem Bereich befanden sich auch die Atomsprengköpfe. Während die Raketen in Montagebunkern oder auf durch Erdwälle geschützten Abschussschienen bereit gehalten wurden, lagen die Radaranlagen in exponierter Stellung und konnten nur mit Sandsäcken oder Konturen verwischender Tarnung ungenügend geschützt werden. (Manfred Tegge)
An Atomsprengköpfen waren zwei Versionen verfügbar. Die kleinere mit der Bezeichnung B-XS hatte eine Sprengkraft von 2 Kilotonnen. Die größere B-XL besaß ursprünglich 40 kT Sprengkraft. Letztere wurden in den 1970er Jahren gegen Sprengköpfe zu je 20 kT ausgetauscht. Maximal waren je Stellung zehn Nuklear-Sprengköpfe vorhanden, acht mit der Stärke XS mit 2 Kilotonnen und zwei XL mit 40/20 Kilotonnen Sprengkraft. (Jürgen Dreifke)
Ein Zeitzeuge erinnert sich: „Die vier Batterien des FlaRakBtls 25 befanden sich in unterschiedlichen Bereitschaftsstufen mit einer Reaktionszeit von maximal 30 Minuten, maximal 3 Stunden, maximal 12 Stunden und mehr als 12 Stunden. Innerhalb einer Batterie hatten mindestens zwei Abschussplätze den selben Bereitschaftsgrad. Konnte eine der Batterien aus technischen Gründen den Bereitschaftsgrad nicht einhalten, dann rückten die anderen Batterien eine Einsatzstufe nach oben. Abhängig vom Bereitschaftsgrad war die Stellung im Schichtbetrieb ständig besetzt und einsatzbereit. Dazu gab es in der Batterie drei Kampfbesatzungen für den Feuerleit- und Abschussbereich, die sich in einem System von 48-Std-Schichten während der Woche und 72-Std-Schichten am Wochenende abwechselten.
Für den Einsatz der Gefechtsköpfe gab es genau festgelegte Prioritäten. Beim Anflug eines einzelnen feindlichen Zielobjektes wurde ein kleiner atomarer Gefechtskopf (B-XS) eingesetzt. Beim Anflug mehrerer feindlicher Zielobjekte wurde ein großer atomarer Gefechtskopf (B-XL) eingesetzt. Die ebenfalls vorhandenen, konventionellen Gefechtsköpfe dienten lediglich als Munitionsreserve.
Soweit mir bekannt, befanden sich in allen Nike-Stellungen der Bundesluftwaffe atomare Gefechtsköpfe.“ (Michael Juhls)

Bearbeitungsstand: Juni 2010

Weitere Informationen über Atomwaffenstandorte in Deutschland

siehe auch: KT-Wert
siehe auch: Nike Hercules

Diersfordt

ehem. Atomwaffenstandort, Deutschland

Das Sondermunitionslager Diersfordt befand sich ca. 8 km nordwestlich von der Stadt Wesel am Niederrhein (51°42’59“N, 06°32’38“O). In diesem Lager waren ausschließlich die atomaren Sprengköpfe für das in Hamminkeln stationierte Raketenartilleriebataillon 150 gelagert. Dabei handelte es sich ab 1961 zunächst um Sprengköpfe für die Kurzstreckenrakete »Sergeant« und ab 1977 um Sprengköpfe für die Kurzstreckenrakete »Lance«.

Die Sergeant war mit dem Nukleargefechtskopf W52 ausgerüstet, der über eine Sprengleistung von 200 KT verfügte.

Die Lance war mit dem Nukleargefechtskopf W70 ausgerüstet, der über eine variable Sprengleistung von 1-100 KT verfügte.

Das Lager wurde vermutlich im Jahr 1991 geräumt. (LL)

Bearbeitungsstand: Oktober 2009

Weitere Informationen über Atomwaffenstandorte in Deutschland

siehe auch: KT (Kilotonne)
siehe auch: Lance-Rakete
siehe auch: Sergeant-Rakete
siehe auch: Sondermunitionslager
K-Texte

Dimona

Dimona-Atomanlage in Israel. Foto: Wikimapia

Der Kern des israelischen Atomwaffenprogramms befindet sich im Negev Atomforschungszentrum in der Nähe des Wüstenortes Dimona und wird daher meistens als „Dimona“ bezeichnet. Hier werden alle Atommaterialien hergestellt.

Obwohl es nie von der israelischen Regierung offiziell zugegeben wurde, besitzt Israel laut Schätzungen von Experten das größte und am höchsten entwickelte nukleare Arsenal außerhalb der fünf offiziell anerkannten Atomwaffenstaaten. Die meisten Schätzungen über die Zahl der Atomsprengköpfe im Besitz von Israel (80-200) wurden auf der Grundlage der geschätzten Plutoniummenge grob kalkuliert, die in der Dimona-Atomanlage über die Dauer seines Betriebes hergestellt werden könnte.

Die Bauarbeiten an der Dimona-Atomanlage nach einem französischen Design (wie Marcoule) begannen bereits 1957. Der Reaktor, der mit Natururan und Deuterium betrieben wird, ging 1963 in Betrieb. Israel baut kleine Mengen Urans in der Negev-Wüste ab und erhielt in der Anfangzeit des Betriebs 10 Tonnen Uran aus Südafrika.

Laut dem israelischen Atomtechniker Mordechai Vanunu arbeiteten im Jahr 1986 2.700 Arbeiter im Dimona-Komplex in neun Gebäuden (Machon). Machon-1 ist der Reaktor mit einem 30 Meter hohen silbernen Dom. Über Machon-2 gibt es die meisten Informationen, weil Mordechai Vanunu dort arbeitete. Die oberirdischen Gebäude von Machon-2 scheinen nur Büros, eine Kantine, Lager usw. zu beinhalten. Der unterirdische Bau habe sechs Ebenen, wo eine Plutoniumtrennungs- und eine -herstellungsanlage und eine Fabrik für Bombenkomponenten untergebracht seien. Die Trennungsanlage befinde sich in einer Halle, die über vier Ebenen reiche. Eine Herstellungsphase dauere 34 Wochen lang und würde einmal im Jahr stattfinden. Dabei würden ca. 40 kg Plutonium für Waffenzwecke hergestellt. Ansonsten bleibe die Anlage geschlossen.

Der International Panel on Fissile Materials (IPFM) schätzt die Gesamtmenge des hergestellten Plutoniums über die letzten 50 Jahren auf 840 Kilogramm, genug für 168 bis 210 Atomsprengköpfe (bei fortschrittlichem Design). Allerdings sind Hans Kristensen und Robert Norris, Autoren vom Nuclear Notebook, der Meinung, dass Israel nicht die gesamte Menge des hergestellten Plutoniums für Waffen verwendet, sondern einiges Material in Reserve bleibe. Sie glauben, dass Israel nicht mehr Atomwaffen herstellen würde, als das Land dafür Trägersysteme hat.

In Machon-8 und -9 wird laut Vanunu Uran mit Zentrifugentechnologie oder Laserisotopentechnologie angereichert. Die anderen Gebäude enthielten u.a. Anlagen für die Herstellung von Brennelementen, für Urankonversion, für Müllverarbeitung sowie für die Herstellung von Munition mit abgereichertem Uran. Das Tritium für die Erhöhung der Explosivkraft der Atombombe werde ebenfalls in Dimona hergestellt. Israel hätte zwischen 1977 und 1979 30g Tritium an Südafrika geliefert.

Es gibt Berichte über einige Unfälle in Dimona. Im Jahr 1957 während der Bauzeit soll ein Wissenschaftler bei einem Unfall schwer mit Polonium kontaminiert worden sein. Angeblich ereignete sich im Jahr 1966 ein kritischer Unfall, bei dem ein Mitarbeiter starb und ein Areal stark kontaminiert wurde. Das darauf folgende Aufräumen dauerte Wochen an und der Reaktor blieb monatelang geschlossen. In den frühen 1990er Jahren brach auf dem Reaktorgelände ein großes Feuer aus. 1994 soll nach schwerem Regen das Wasser aus den Reaktorpools übergelaufen sein. Zudem gibt es Berichte über mehr als 120 Krebsfälle unter den Anlagenmitarbeitern, über 50 Fälle stehen momentan vor dem Gericht. Manche einigten sich außergerichtlich und erhielten Geld, solange sie bereit waren, eine Verbindung mit Dimona zu leugnen.

Es gibt außerdem Berichte über Atomtests in der Negev-Wüste und die Beteiligung Israels an den Atomtests von Frankreich und Südafrika.

Es ist nicht bekannt, was mit dem Atommüll aus der Dimona-Anlagenkomplex geschieht. Menschen in der Umgebung befürchten, dass bereits eine Umweltverseuchung stattgefunden hat. Experten schätzen die Menge des gefährlichen Mülls auf ca. 200 qm pro Jahr, d.h. über 8.000 qm Atommüll sind über die Betriebsdauer der Anlage eventuell angefallen. Vermutlich wurde dieser Atommüll in Stahlfässer in der Nähe des Reaktors begraben. Atommüll ist aber stark ätzend und über die Zeit kann es – wie in der Asse in Deutschland – zu unterirdischen Lecks gekommen sein. xh (Quellen: Nuclear Notebook, Avner Cohen; Michael Karpin, Anas Abu Arqoub)

Bearbeitungsstand: Juni 2016

Dislozierung

engl.: deployment

Dislozierung beschreibt die räumliche Verteilung von Streitkräften, Rüstungsdepots und sonstigen militärischen Einrichtungen, um günstige Voraussetzungen für ständige oder kurzfristig zu realisierende Gefechtsbereitschaft in den für militärische Gewaltanwendung vorgesehenen Gebieten zu schaffen. (Lorenz/Knorr: Rüstung, Abrüstung, Frieden, Köln 1981, S. 51.)

Bearbeitungsstand: Mai 2006

Dispersionsbombe

Dieser Bombentyp enthält normalen Explosivstoff und radioaktives Material (XH).

Leichter kann eine Gruppe zu einer "Dispersionsbombe" kommen, wenn sie radioaktiver Materialien, wie z.B. Atommüll, habhaft werden kann. Dieser Bombentyp enthält normalen Explosivstoff (TNT) und radioaktives Material. Bei der Zündung wird eine größere Fläche durch Radioaktivität verseucht, mit entsprechend vielen Toten je dichter die Bevölkerungszahl pro Quadratkilometer ist. Die Meldungen aus Italien, dass Brennelemente aus einem AKW verschwunden sind, und aus der Türkei, wo im Dezember zwei Männer beim Verkauf von 1,16 kg hochangereichertem Uran gefasst wurden, sind jüngste Beispiele illegaler Transfers. Selbst wenn es noch nicht passiert ist, ist es nur eine Frage der Zeit, bis eine terroristische Gruppe eine Dispersionsbombe bauen kann.
Zur Eindämmung der Gefahr terroristischer Nutzung wäre die Einführung eines zügigen Produktionsstopps für militärische und zivile Spaltmaterialien konsequent. Zudem muss die Kontrolle des durch den Abbau der Atomwaffenarsenale obsoleten Waffenmaterials international geregelt werden. (Quelle: IPPNW)

Bearbeitungsstand: Dezember 2007

siehe auch: Eniwetok-Atoll
siehe auch: Ivy Mike

Divine Strake

US-Atomtest

Mit Divine Strake sollen die Auswirkungen einer kleinen Atomwaffe auf unterirdische, verbunkerte Strukturen getestet werden. Der Test ist Teil eines Programms zur Verbesserung der Möglichkeiten, tief verbunkerte unterirdische Bunker- und Tunnel-Anlagen zu zerstören. Deshalb wird der Sprengstoff bei Divine Strake quasi »auf dem Dach« einer relativ typischen unterirdischen Bunkeranlage gezündet. Ein entsprechender Testtunnel befindet sich in relativ typischen Gesteinsformationen auf dem Testgelände in Nevada. Sechs bis sieben Meter unter der Erdoberfläche soll die Zündung erfolgen. So tief können vorhandene bunkerbrechende Waffen schon heute in die Erde eindringen. Die Auswirkungen der Druckwelle der Explosion auf den darunter liegenden Tunnelkomplex sollen von der Southern Methodist University genau protokolliert werden. Gerechnet wird mit der Bildung einer großen Staubwolke, die den Pilzwolken nach atomaren Explosionen ähnelt. Dem amerikanischen Kongress wurde mitgeteilt, man entwickle ein – so wörtlich – "Planungsinstrument, das das Vertrauen der Kriegsplaner in die Auswahl der kleinsten geeigneten nuklearen Sprengkraft stärken werde, die nötig ist, um unterirdische Anlagen bei gleichzeitiger Minimierung der Kollateralschäden zu zerstören".

Erstmals werden also bei Divine Strake die Auswirkungen der Explosion einer kleinen atomaren Waffe auf unterirdische Anlagen mit Hilfe einer konventionellen Explosion simuliert. Damit steht das Experiment im Kontext des Global-Strike-Konzeptes, das seit einigen Jahren vom Strategischen Kommando der US-Streitkräfte entwickelt wird. Mit dem Global-Strike-Konzept sollen die konventionellen und nuklearen Mittel und Fähigkeiten der USA, strategische sowie wichtige taktische gegnerische Ziele weltweit zu zerstören, in einen einzigen Operationsplan zusammengeführt werden. Dieser trägt die Bezeichnung OPLAN 8022 und wird seit einigen Jahren ständig weiterentwickelt. Gegenüber der Öffentlichkeit argumentiert das Pentagon, durch die Integration der konventionellen und nuklearen Bekämpfungsmöglichkeiten werde die Wahrscheinlichkeit eines Nuklearwaffeneinsatzes verringert.

Kritiker sehen das anders: Sie befürchten, dass die Hemmschwelle für den Einsatz kleiner Atomwaffen sinken wird, wenn er gemeinsam mit dem konventioneller Waffen geplant wird. Diese Befürchtungen erhalten durch den Divine Strake-Test neue Nahrung. Denn der Test kann die militärischen Planer geradezu ermutigen, ernsthaft über den wirksamen Einsatz kleinerer Nuklearwaffen nachzudenken. Er kann dazu führen, dass der Einsatz taktischer Atomwaffen zu einer realen Option wird.

Daneben ist ein weiterer Effekt denkbar: Durch Divine Strake können militärische Planer und Waffenentwickler lernen, welche Schäden ein kleiner Atomsprengsatz bei typischen unterirdischen Bunkeranlagen anrichtet. Daraus lassen sich Folgerungen ziehen für den Einsatz vorhandener Atomwaffen und die wünschenswerten Charakteristika neuer Nuklearsprengköpfe. (Quelle: www.bits.de )

Bearbeitungsstand: September 2007

siehe auch: Druckwelle
siehe auch: Taktische Atomwaffen

Dolphin-U-Boote

engl.: Dolphin class submarine

Israelisches Dolphin-U-Boot "Tanin", gebaut in Kiel. Foto: von Marco Kuntzsch / CC-BY-3.0 / Wikimedia Commons

Seit 1999 liefert Deutschland U-Boote an Israel, womit seit 2003 die israelische Kriegsmarine auch die Fähigkeit zum Nuklearwaffeneinsatz besitzt. Insgesamt hat Israel sechs Dolphin-U-Boote bestellt, drei davon wurden in den Jahren 1999 und 2000 geliefert, ein weiteres U-Boot namens "Tanin" wurde im Juni 2014 in Kiel an die israelische Marine übergeben. 2015 und 2017 sollen zwei weitere U-Boote an Israel ausgeliefert werden.

Die 1999 und 2000 von Deutschland gelieferten drei Dolphin-U-Boote sind vermutlich mit Atomsprengkopf bestückten Marschflugkörpern (Bezeichnung Popeye Turbo II bzw. Deliah) ausgestattet, deren Reichweite nach Beobachtungen der U.S. Navy im Verlaufe von Flugkörpertests vor Sri Lanka im Mai 2000 mindestens 1500 Kilometer beträgt. Die ersten drei U-Boote hatten einen Gesamtwert von rund 655 Millionen Euro und wurden nahezu komplett vom deutschen Steuerzahler finanziert. 

Thyssen-Krupp baut weitere U-Boote für Israel

Unter Ausschluss der Öffentlichkeit wurde am 30. Juni 2014 Boot Nr. 4 offiziell an die israelische Marine übergeben. Die Übergabe des U-Boots namens "Tanin" fand in der hintersten Ecke des Ausrüstungskais der großen U-Boot-Halle der ThyssenKrupp Marine Systems GmbH (TKMS) in Kiel statt. Details über die Ausstattung des U-Boots wurden offiziell nicht bekannt gegeben. Experten gehen davon aus, dass es mit atomaren Marschflugkörpern ausgestattet werden kann. Damit stellt es einen wichtigen Faktor für Israels "Abschreckung" gegenüber dem Iran dar. 2015 und 2017 sollen zwei weitere U-Boote des gleichen Typs wie "Tanin" an Israel ausgeliefert werden.

Das von ThyssenKrupp Marine Systems 2014 übergebene "Tanin" U-Boot ist das größte je in Deutschland gebaute U-Boot. In der deutschen Öffentlichkeit und Politik wird kritisiert, dass die Bundesregierung gut ein Drittel der Baukosten übernimmt, und zwar für dieses und zwei weitere Boote, die 2015 und 2017 an Israel ausgeliefert werden sollen. Die Baukosten für die drei U-Boote werden auf insgesamt 1,2 Milliarden Euro geschätzt.

Die Konstruktion der U-Boote erfolgte gemäß israelischen Design-Spezifikationen: Es werden israelische Kommando-, Kontroll-, und Kampfsysteme eingebaut. Medienberichten zufolge werden diese U-Boote mit Bodenraketen und Marschflugkörpern ausgestattet, die mit nuklearen Sprengköpfen bestückt werden können. Insgesamt sechs U-Boote sollen bis 2017 geliefert werden. Atlas Elektronik – gehört Thyssen Krupp zu 60% und EADS (jetzt Airbus Group) zu 40% – liefert die Angriff- und Lenksysteme für die U-Boote. 

Die U-Boote sind das Resultat von zwei Jahrzehnten strategischer Zusammenarbeit zwischen Israel und Deutschland. Die deutsche Regierung beharrt darauf, von der Atomwaffenfähigkeit der U-Boote nichts zu wissen. Ehemalige hochrangige Beamte bestätigen jedoch, dass die U-Boote von Anfang an gebaut wurden, um Atomwaffen zu tragen. Die Verwendung von Popeye Turbo-Raketen als Trägersysteme für Atomwaffen wird durch die vier 650mm Schussrohren in den Dolphin-Klasse U-Booten ermöglicht.

Die "Tanin" ist das erste israelische U-Boot das über einen von der Kieler Werft HDW entwickelten, außenluftunabhängigen Brennstoffzellenantrieb verfügt. Mit diesem Antrieb kann das Boot fast drei Wochen ohne Hafenstopp unter Wasser operieren. Die "Tanin" ist 68 Meter lang und verdrängt getaucht zwischen 2.300 und 2.400 Tonnen. Das Boot verfügt über sechs Torpedorohre vom Kaliber 533 mm zum Verschuss konventioneller Torpedos. Daneben existieren weitere vier Torpedorohre vom Kaliber 650 mm, die mit großer Wahrscheinlichkeit zum Einsatz von Marschflugkörpern mit einem Nuklearsprengkopf vorgesehen sind. Der HDW stattete die israelischen U-Boote mit einem neu entwickelten hydraulischen Abschusssystem statt dem herkömmlichen System aus, um eine stärkere Abschussleistung zu erzielen. Genaue Angaben dazu machen weder die Kieler Werft noch die israelische Marine. Zur Ausstattung gehört auch eine Ausstiegsschleuse für das Absetzen von Kampfschwimmern.

Die Leistungsfähigkeit hat das U-Boot bei Testfahrten im Sommer 2014 in der Eckernförder Bucht sowie im Skagerrak nachgewiesen. Nach der Einweisung der Besatzung hat die "Tanin" im September 2014 ihre Überführung nach Israel angetreten. Bei der Kieler Werft ist inzwischen mit der "Rahav" das nächste U-Boot für Israel in der Erprobung. Das dritte Boot soll bis 2017 folgen. Alle fertiggestellten Boote haben den Heimathafen Haifa. (LL)

(Quellen: Jürgen Rose in W&F, 4/2004, S. 51-54, Kieler Nachrichten vom 03.05.2012, NDR vom 30.6.2014, Der Standard vom 08.09.2014, IPPNW)

Bearbeitungsstand: September 2014

Weitere Informationen über Israels Atomwaffen

Donaueschingen-Weisswald

ehem. Atomwaffenstandort Deutschland

ehem. Atomwaffenstandort Donaueschingen-Weisswald, Bild: Digital GlobeDas Sondermunitionslager Donaueschingen-Weisswald (47°58’40“N, 08°29’20“O) lag ca. 3 km nördlich der Stadt Donaueschingen in Baden Württemberg. Ab 1960 wurden hier atomare Gefechtsköpfe für die in Donaueschingen stationierte Artillerieeinheit 32° Groupe d'Artillerie des II. Korps (FR) gelagert. Der Verband war mit der Kurzstreckenrakete Honest John ausgerüstet. Die Gefechtsköpfe vom Typ W-31 hatten folgende Sprengkraft:

  • Version Mod.0 Y1: 2KT
  • Version Mod.0 Y2: 40KT
  • Version Mod.3 Y3: 20KT

Für Lagerung und Wartung war das 15th US-MSLDet zuständig. Mit dem Austritt Frankreichs aus der integrierten Befehlsstruktur der NATO am 1. Juli 1966 wurde das Lager geräumt. (LL)

Bearbeitungsstand: Mai 2012

Weitere Informationen über Atomwaffenstandorte in Deutschland

siehe auch: Honest-John-Rakete

Doomsday Clock

dt.: Weltuntergangsuhr

Doomsday Clock der Bulletin of Atomic Scientists

Die Weltuntergangsuhr ist eine symbolische Uhr, welche die Zeitschrift „Bulletin of the Atomic Scientists“ verwendet, um der Öffentlichkeit zu verdeutlichen, wie groß - nach Meinung der Wissenschaftler - das derzeitige Risiko eines Atomkrieges ist. Sie spielt auf die Metapher an, es sei „fünf Minuten vor Zwölf“, sprichwörtlich für wenn ein äußerst nachteiliges Ereignis unmittelbar droht.

1947 wurde die Atomkriegsuhr mit der Zeigerstellung sieben Minuten vor Zwölf gestartet und seither in Abhängigkeit von der Weltlage vor- oder zurückgestellt. Am knappsten vor einem Atomkrieg stand die Welt, jeweils nach Meinung der Wissenschaftlervereinigung, zwischen 1953 und 1960, als die Uhr bei zwei Minuten vor Zwölf stand. Am weitesten entfernt von einer nuklearen Auseinandersetzung schien die Erde zwischen 1991 und 1995, als es siebzehn Minuten vor Zwölf stand.

Der Vorstand der Zeitschrift „Bulletin of Atomic Scientists“ (BAS) hat im Januar 2015 die sogenannte Weltuntergangsuhr (Doomsday Clock) neu gestellt: Es ist jetzt drei Minuten vor Zwölf. Das letzte Mal, dass die Gefahr eines Weltuntergangs so hoch eingeschätzt wurde, war 1984 – als die Beziehung zwischen den beiden Supermächten USA und Sowjetunion einen Tiefpunkt erreicht hatte. Die Begründung der Uhrumstellung: Der Klimawandel und das neue atomare Wettrüsten bedrohen das Leben auf der Erde in einem neuen Ausmaß. Die Kombination von Klimawandel auf der einen Seite und massiven Programmen zur Atomwaffenmodernisierung und einem Stillstand in der Abrüstung auf der anderen Seite, erhöhten die Wahrscheinlichkeit eines Atomkrieges. xh (Quelle: Bulletin of Atomic Scientists)

» Chronik der Weltuntergangsuhr seit 1947

Bearbeitungsstand: Januar 2015

Doppelte Nulllösung

engl.: zero-zero option / zero solution

Schlagwort für den 1987 geschlossenen amerikanisch-sowjetischen Vertrag zur vollständigen und vor Ort überwachten Vernichtung aller INF-Flugkörper (Raketen) mit größerer (1000-5500 km) und mittlerer (500-1000 km) Reichweite.

Der von der Reagan-Administration zunächst aus propagandistischen Zwecken eingeführte Begriff „Nulllösung“ bedeutet – im Gegensatz zu anderen Rüstungskontrollvereinbarungen, wo in der Regel nur niedrigere Höchstgrenzen vereinbart wurden - eine Reduzierung auf Null; doppelte Nulllösung bezieht sich auf die beiden vom Vertrag erfassten Raketenkategorien.

Trotz anfänglicher militärischer Bedenken in Westeuropa, insbesondere in der Bundesrepublik Deutschland; Großbritannien und Frankreich, stellte das Abkommen den Einstieg in echte Rüstungskontrolle und Abrüstung in Europa dar und schuf wesentliche Voraussetzungen für das KSE-I-Abkommen von 1990. Die Verschrottung der INF-Raketen wurde 1991 abgeschlossen.

Die doppelte Nulllösung muss im Zusammenhang mit der im START-Vertrag vereinbarten Reduzierung (nicht Nulllösung) für strategische Raketen (Reichweite ab 5500 km) gesehen werden. (Drechsler/Hilligen/Neumann: Gesellschaft und Staat, 8. Aufl., München 1992, S. 206.)

Bearbeitungsstand: Juni 2006

siehe auch: INF-Vertrag

Dornum

ehem. Atomwaffenstandort, Deutschland

Nike-Feuerstellung in Dornum, Foto: nikesystem.deDie Nike-Feuerstellung (Launching Area) Dornum (53°39’13“N, 07°24’18“O) der 4. Batterie des FlaRakBtl 26 lag 8 km südlich der Nordseeinsel Baltrum in  Niedersachsen.

Die dort stationierte FlaRakBatterie bestand aus drei getrennten Bereichen: der Unterkunft, dem Feuerleitbereich in günstiger topografischer Lage mit bis zu 5 Radargeräten für Überwachung, Zielerfassung, Zielverfolgung und Flugkörperverfolgung und dem Abschussbereich mit jeweils 3 Abschussflächen und dazugehörigen Bunkern. In diesem Bereich befanden sich auch die Atomsprengköpfe. Während die Raketen in Montagebunkern oder auf durch Erdwälle geschützten  Abschussschienen bereit gehalten wurden, lagen die Radaranlagen in exponierter Stellung und konnten nur mit Sandsäcken oder Konturen verwischender Tarnung ungenügend geschützt werden. Zum Eigenschutz vor allem gegen angreifende Tiefflieger, wurden die Stellungen später zusätzlich mit 20mm Zwillingsgeschützen ausgestattet.

In der Stellung Dornum waren von 1963 bis 1989 atomare Flugabwehrraketen vom Typ Nike stationiert. An Atomsprengköpfen waren zwei Versionen verfügbar. Die kleinere mit der Bezeichnung B-XS hatte eine Sprengkraft von 2 Kilotonnen. Die größere B-XL besaß ursprünglich 40 kT Sprengkraft. Letztere wurden in den 1970er Jahren gegen Sprengköpfe zu 20 kT ausgetauscht.

Maximal waren je Stellung zehn Nuklear-Sprengköpfe vorhanden, acht mit der Stärke XS mit 2 Kilotonnen und zwei XL mit 40/20 Kilotonnen Sprengkraft. (Quelle: Jürgen Dreifke)

Ein Zeitzeuge erinnert sich: „Die vier Batterien des FlaRakBtls 26 [mit den Feuerstellungen Holzkirchen-Mederns, Rodenkirchen, Wiesmoor, Dornum] befanden sich in unterschiedlichen Bereitschaftsstufen mit einer Reaktionszeit von maximal 30 Minuten, maximal 3 Stunden, maximal 12 Stunden und mehr als 12 Stunden. Innerhalb einer Batterie hatten mindestens zwei Abschussplätze den selben Bereitschaftsgrad. Konnte eine der Batterien aus technischen Gründen den Bereitschaftsgrad nicht einhalten, dann rückten die anderen Batterien eine Einsatzstufe nach oben. Abhängig vom Bereitschaftsgrad war die Stellung im Schichtbetrieb ständig besetzt und einsatzbereit. Dazu gab es in der Batterie drei Kampfbesatzungen für den Feuerleit- und Abschussbereich, die sich in einem System von 48-Std-Schichten während der Woche und 72-Std-Schichten am Wochenende abwechselten.

Für den Einsatz der Gefechtsköpfe gab es genau festgelegte Prioritäten. Beim Anflug eines einzelnen feindlichen Zielobjektes wurde ein kleiner atomarer Gefechtskopf (B-XS) eingesetzt. Beim Anflug mehrerer feindlicher Zielobjekte wurde ein großer atomarer Gefechtskopf (B-XL) eingesetzt. Die ebenfalls vorhandenen konventionellen Gefechtsköpfe dienten lediglich als Munitionsreserve.

Soweit mir bekannt, befanden sich in allen Nike-Stellungen der Bundesluftwaffe atomare Gefechtsköpfe.“ (Quelle: Michael Juhls)

Bearbeitungsstand: Januar 2010

Weitere Informationen über Atomwaffenstandorte in Deutschland

siehe auch: Gefechtskopf
siehe auch: KT (Kilotonne)
siehe auch: Nike Herkules

Dortmund

ehem. Atomwaffenstandort Deutschland

Das ehemalige Atomwaffenlager Dortmund (51°32'38“N, 7°34'08“O) lag ca. 7 km nordöstlich vom Stadtkern entfernt im Ortsteil Brakel. Hier betrieb die Britische Rheinarmee bis 1995 eine Kasernenanlage (Napier Barracks). Im östlichen Teil des Militärgeländes wurden während der Zeit des Kalten Krieges Atomwaffen für die Britische Rheinarmee bevorratet. Soweit bekannt, hatten die Briten zwischen 1960 und 1986 insgesamt drei Artillerieregimenter auf deutschem Boden mit atomarer Munition ausgestattet. Die Munition wurde von den US-Streitkräften bereitgestellt und stand auch unter deren Kontrolle:

von 1960-1976 Honest-John-Gefechtsköpfe vom Typ W-31 mit folgender Sprengkraft:
Version Mod.0 Y1: 2.000 t
Version Mod.0 Y2: 40.000 t
Version Mod.3 Y3: 20.000 t

von 1977-1992 Lance-Gefechtsköpfe vom Typ W-70 mit folgender Sprengkraft:
Version Mod.0: 1.000 t
Version Mod.1: 10.000 t
Version Mod.2: 100.000 t
Version Mod.3: 750 t
Version Mod.4: 1.250 t

von 1960-1971 Gefechtsköpfe vom Typ W-33 für die Haubitze 203 mm mit folgender Sprengkraft:
Version Mod.0 Y1: 500 t
Version Mod.1 Y2: 40.000 t
Version Mod.1 Y3: 10.000 t
Version Mod.1 Y4: 5.000 t

Über Art und Anzahl der im SAS Dortmund eingelagerten Gefechtsköpfe gibt es keine konkreten Angaben. (LL)

Bearbeitungsstand: April 2012

Weitere Informationen über Atomwaffenstandorte in Deutschland

siehe auch: Honest-John-Rakete
siehe auch: Lance-Rakete

Dörverden-Diensthop

ehem. Atomwaffenstandort, Deutschland

Die beiden Atomwaffen-Bunker und ein hölzerner Wachturm an einer der Ecken der Anlage SAS Diensthop, Foto: bildergalerie-diepholz.de

Das Sondermunitionslager Dörverden-Diensthop (52°49’31“N, 09°16’47“O) befand sich ca. 11 km südlich der Stadt Verden an der Aller in Niedersachsen.

Nahe der kleinen Ortschaft Diensthop lag ein Munitionslager der Bundeswehr mit besonderer Funktion. Zum einen befindet sich dort eine gewöhnliche Standortmunitionsniederlage für die Garnison Dörverden. Zum anderen waren im hinteren Teil der Anlage Atomwaffen für den Bedarf der 3. Panzerdivision (Buxtehude) der Bundeswehr eingelagert. Das Sonderwaffenlager im hinteren Teil des Areals verfügte über lediglich zwei große Munitionslagerhäuser in denen Nuklearwaffen für den Einsatz in der 3. Panzerdidision bereitgehalten wurden. In dieser Division wurde 1961 das schwere Raketenartilleriesystem Honest John eingeführt, der Verband war das RakArtBtl 32 mit Standort Dörverden. Die Honest John konnte mit nuklearen Sprengköpfen bewaffnet werden. Diese Sprengköpfe blieben unter der Hoheit der USArmy, hier war das 25th USArmy-FieldArtilleryDetachment zuständig. Die Wachmannschaft stellte dagegen die Bundeswehr. Es wurde aber auch Sondermunition für andere Verbände und Systeme der Division eingelagert. So konnten die Artilleriegeschütze der Kaliber 155 mm (ab 1972 atomar) und 203 mm (ab 1960 atomar) in den Artilleriebataillonen der Division und nachgeordneten Brigaden ebenfalls Atomgranaten verschießen.

Die ersten 10 Jahre nach Aufstellung des RakArtBtl 32 musste die Sondermunition im Munitionsdepot WAL, der früheren Muna Walsrode, eingelagert werden. Das 25th USAFAD und als Wacheinheit die 5. Batterie des RakArtBtl 32 waren dort untergebracht und eingesetzt. Erst 1971 wurde das hiesige SW-Lager fertiggestellt und sowohl die Munition als auch die Einheiten konnten nach Diensthop bzw. Dörverden verlegt werden.

In Dörverden wurde dem 25th USArmy-FieldArtilleryDetachment als Unterkunft ein besonders abgetrennter Bereich in der Niedersachsen-Kaserne zur Verfügung gestellt. Dieser Teil ist noch heute schon von weitem an einem typischen rot/weiß-gestrichenen hohen Gittermast-Funkturm zu erkennen.

Die grundlegendste Änderung für die Sondermunition des RakArtBtl 32 folge 1980. Das Waffensystem Honest John wurde ausgemustert, der Verband war ab da nur noch mit leichten Raketenwerfern ausgestattet. Damit gab es im Bataillon keine Trägersysteme für Nuklearmunition mehr. Somit blieb die Aufgabe des Sondermunitionslagers die Bevorratung von Atomgranaten für die Rohrwaffensysteme der Division. Folgerichtig wurde im Rahmen der Artilleriestruktur 85 am 1.10.1987 die Wachbatterie aus dem Verband des Bataillons ausgegliedert und in die selbstständige Begleitbatterie 3 umgewandelt. Sie unterstand nun unmittelbar dem Artillerieregiment 3 in Stade.

Mit dem Ende des Kalten Krieges kam auch das Ende für die Einbindung von Atomwaffen in die Bundeswehr. Alle Sonderwaffenlager wurden aufgelöst, die Munition in die USA zurückverlegt. In den 1990er Jahre ist auch das SW-Lager Diensthop aufgelöst worden, bald folgte ebenso die StOMunNdl. Nunmehr befindet sich dieser Komplex schon seit vielen Jahren nicht mehr in militärischer Nutzung. Heute werden einige Munitionslagerhäuser von Landwirten als Lagerraum verwendet. (Quelle: Relikte.com)

Bearbeitungsstand: Oktober 2009

Weitere Informationen über Atomwaffenstandorte in Deutschland

Weitere Bilder von Dörverden-Diensthop

siehe auch: Honest John
siehe auch: Panzerhaubitze M 109
siehe auch: Panzerhaubitze M 110
siehe auch: Sondermunitionslager

Dosis

engl.: dose

Maß für die aufgenommene Strahlenmenge. Die Dosis für Kernstrahlung wird in der NATO einheitlich mit Centigray (cGy) angegeben. Zentrale Dosisgrößen im Strahlenschutz sind die "Organdosis" und die "effektive Dosis". Als Sammelbegriff wird die Bezeichnung "Körperdosis" verwendet. Die Maßeinheit dieser Dosisgrößen ist das Sievert (Sv) (LL)

Bearbeitungsstand: März 2012

siehe auch: Gray
siehe auch: NATO

Dosisleistung

 

Unter Dosisleistung versteht man die vom Körper pro Zeiteinheit aufgenommene Strahlungsdosis. Zur Bestimmung der Dosisleistung wird ein Dosisleistungsmessgerät verwendet. Das Messergebnis wird in Gy/h bzw. cGy/h (früher in Rad/h) angegeben. Die Dosisleistung, die beispielsweise als Folge von radioaktivem Niederschlag festgestellt werden kann, ermöglicht die Berechnung der vom menschlichen Körper aufgenommenen Strahlendosis. Daraus können Rückschlüsse auf bereits entstandene oder zukünftig zu erwartende biologische Schäden gezogen werden. (LL)

Bearbeitungsstand: September 2010

Siehe auch: Dosis
Siehe auch: Gray
Siehe auch: Rad

Dreiphasenbombe

engl.: triple-stage weapon

Am 01.März 1954 gelang es den Amerikanern erstmals auf der Insel Bikini eine so genannte Dreiphasenbombe zu zünden. Dieses weiterentwickelte Prinzip eines thermonuklearen Sprengkörpers benutzte als Fusionsmaterial Lithiumdeuterid und darüber hinaus wurde die Energieausbeute durch einen Mantel aus Uran-238 wesentlich gesteigert. Man hatte festgestellt, dass die hochenergetischen Neutronen, die bei der Fusionsreaktion entstehen, Uran-238 spalten können. Es tritt dabei keine Kettenreaktion auf.

Trotzdem kommt es zu einer sehr hohen Energieausbeute, da eine ungeheuer große Anzahl von schnellen Neutronen bei der Fusion gebildet wird.

Bei der Detonation eines solchen Sprengkörpers laufen drei Phasen ab:

  • 1. Phase: Spaltung von Uran-235 zur Erzeugung der Temperatur von 5*107 °C und der Neutronen für die 2.Phase
  • 2. Phase: Fusion beim Lithiumdeuterid mit der Erzeugung von schnellen Neutronen für die 3. Phase
  • 3. Phase: Spaltung von Uran-238 (keine Kettenreaktion)


Für die 1. Phase eignet sich als Spaltmaterial in der Regel nur Uran-235, da Plutonium-239 die Temperatur von 5*107 °C nicht lange genug liefert. Infolge seiner kürzeren Generationszeit detoniert es zu brisant.

Die Neutronen der dritten Phase haben eine Geschwindigkeit von ca. 20 000 km/s und stellen - wie bei einer Spaltungsdetonation - eine gefährliche Neutronenstrahlung dar.

Betrachtet man die Energieausbeute der drei Phasen, so ergibt sich am Beispiel eines modernen 20 MT-Sprengkörpers folgendes Bild:

  • 1. Phase: 100 KT
  • 2. Phase: 1 MT
  • 3. Phase: 18,9 MT

Man erkennt, dass der überwiegende Anteil der Energie aus dem billigen Uran-238 gewonnen wird. Da die Spaltprodukte des Uran-238 hochgradig radioaktiv sind, spricht man auch von der „schmutzigen“ Bombe.

Für kleinere Detonationswerte bei thermonuklearen Sprengkörpern kann man die Menge des Uran-238 reduzieren bzw. ganz weglassen. Die Bombe wird dabei „sauberer“. Im letzteren Fall kommt man zu einem reinen Fusionssprengkörper, dessen Detonationswert im Bereich der Megatonne liegt. (Quelle: Gerd Hartmut Lorenz: „Aufbau und Wirkung Nuklearer Sprengkörper, München 2005)

Bearbeitungsstand: Januar 2006

siehe auch: KT (Kilotonne)

siehe auch: MT (Megatonne)

siehe auch: Schmutzige Bombe

Dreizehn praktische Schritte

engl.: 13 practical steps

Bei der Überprüfungskonferenz zum Nichtverbreitungsvertrag (NVV) 2000 wurden 13 praktische Schritte vereinbart, damit „systematische und progressive Bemühungen zur kompletten Abrüstung im Sinne des von allen Regierungen unterzeichneten Nichtverbreitungsvertrags in Gang gesetzt werden“. Die Atomwaffenstaaten erklärten sich in diesem Aktionsplan bereit, die vollständige Beseitigung ihrer Atomwaffenarsenale zu vollenden, um die Zielsetzung der Abschaffung von Atomwaffen unmissverständlich zu übernehmen (so genannte unequivocal undertaking).

Diese eindeutige Zusicherung, alle Arsenale abzurüsten schien zwar nur eine Wiederholung der Verpflichtung unter Artikel VI zu sein, hinter der diplomatische Sprache verbirgt sich jedoch ein Meilenstein in den Abrüstungsbemühungen. Sie schließt aus, dass die Atomwaffenstaaten in Zukunft behaupten können, die vollständige Abrüstung sei nur ein Fernziel oder werde von irgendetwas anderem bedingt.

Einige Schritte sind jedoch bereits Makulatur geworden. So wurde der Beibehaltung des ABM-Vertrages zwar zugestimmt, auch seine „Stärkung“ wurde gefordert. Allerdings sind die USA 2001 aus dem Vertrag ausgestiegen und auch der START-II-Vertrag steht seitdem nicht mehr zur Debatte. Stattdessen ist 2002 ein neuer Vertrag zur Reduzierung von strategischen Atomwaffen zustande gekommen, der SORT-Vertrag. SORT widerspricht der im Dokument „dreizehn praktische Schritte“ festgehaltenen „Grundregel“ der Irreversibilität in der atomaren Abrüstung, da die Atomwaffen statt zerstört zu werden, teilweise nur eingelagert wurden. Zurzeit laufen noch die Verhandlungen über einen neuen Vertrag als Ersatz für den im Dezember 2009 auslaufenden START-I-Vertrag. Sollte dieser nicht zustande kommen, könnte dies zu einem neuen Wettrüsten führen.

Die in den dreizehn Schritten festgehaltene Formulierung zu „konkreten vereinbarten Maßnahmen, den Betriebszustand der Atomwaffensysteme weiter zu verringern“ bezog sich auf dem Wunsch der blockfreien Staaten (NAM, Non-Aligned Movement) sowie der New Agenda Coalition (NAC), nach welcher die Sprengköpfe von den Trägersystemen entfernt werden sollten, um die Alarmbereitschaft zu reduzieren. Dieser Schritt wäre wichtig, um die Gefahr eines unbeabsichtigten Atomkriegs durch Fehlalarm zu vermeiden.

Deklariert wird weiterhin „ein verminderter Stellenwert der Atomwaffen in der Sicherheitspolitik“: Dieses Problem steht im krassen Widerspruch zu den Atomwaffen-Doktrinen Russlands, der USA und der NATO, die die Schwelle zum Einsatz von Atomwaffen immer wieder herabgesetzt haben. Es wird erwartet, dass US-Präsident Obama die Atomwaffendoktrin der Bush-Administration von 2002, die unter anderem den „präventiven“ Einsatz von Atomwaffen (auch gegen atomwaffenfreie Staaten) erlaubt, grundlegend verändert.

Auch eine Reduzierung „nicht-strategischer“ oder taktischer Atomwaffen wird im Dokument angesprochen. Russland weigert sich jedoch über eine Reduzierung seiner taktischen Atomwaffen zu verhandeln, solange die ca. 200 US-Atombomben nicht aus Europa abgezogen werden. Erwähnt werden im Dokument dazu „einseitige Initiativen“. Die Zurücknahme der US-Atomwaffen aus Europa wäre also ein wichtiger Schritt, um Verhandlungen über den Abbau der taktischen Atomwaffen zu ermöglichen.

„Alle Atomwaffenstaaten sollen sich dafür einsetzen, sobald wie möglich in den Prozess einzusteigen, der zur völligen Abschaffung ihrer Atomwaffen führt“. Die Forderung eines Vorbereitungsprozesses für eine Nuklearwaffenkonvention wächst unter den NVV-Unterzeichnerstaaten und wird von der Zivilgesellschaft kräftig unterstützt. (xh)

13 Schritte im Wortlaut

Bearbeitungsstand: März 2010

siehe auch: ABM-Vertrag
siehe auch: Nichtverbreitungsvertrag
siehe auch: Nuklearwaffenkonvention
siehe auch: SORT-Vertrag
siehe auch: START-I-Vertrag
siehe auch: START-II-Vertrag
siehe auch: strategische Atomwaffen
siehe auch: taktische Atomwaffen
siehe auch: Überprüfungskonferenz des Nichtverbreitungsvertrags

Druckwelle

engl.: shock wave

Bei der Detonation eines Atomsprengkörpers entsteht aus dem Material des Sprengkörpers in sehr kurzer Zeit durch die freigesetzte Energie ein Feuerball, der sich rasch ausdehnt. Dabei wird je nach Detonationsart in der Luft, in der Erde oder im Wasser eine Druckwelle erzeugt. Speziell bei Luftdetonationen schiebt der sich schnell ausdehnende Feuerball die ihn umgebend Luft vor sich her und verdichtet sie, so dass eine Druckwelle entsteht. Diese breitet sich vom Detonationspunkt nach allen Seiten zunächst ebenso schnell aus, wie sich der Feuerball ausdehnt. Nach Bruchteilen einer Sekunde löst sich die Druckwelle vom Feuerball und dringt zunächst mit Überschallgeschwindigkeit, schließlich mit Schallgeschwindigkeit nach allen Richtungen vor. Als mittlere Ausbreitungsgeschwindigkeit nimmt man 350 m/s an.

Die Dauer der Druckphase hängt ab von der Detonationshöhe und dem Detonationswert sowie dem Abstand vom Nullpunkt und vom Gelände (Geländeform und –bedeckung). Bei ihrer Ausbreitung setzt die Druckwelle Luftmassen in Bewegung. Dadurch entsteht ein Windstoß. Während der Druckphase kommt der Windstoß vom Nullpunkt her, seine Geschwindigkeit nimmt rasch ab. Er wechselt beim Übergang zur Sogphase die Richtung und ist dann zum Nullpunkt gerichtet.

Die Druckwelle wird zusätzlich von der Erdoberfläche reflektiert. Die ursprüngliche und die reflektierte Welle überlagern und verstärken sich zur Mach’schen Druckfront. Die Druckwelle erzeugt einen Knall und anhaltenden Donner. Aus der Zeit zwischen Lichtblitz und Eintreffen der Druckwelle, der Knallzeit, lässt sich die Entfernung zum Nullpunkt abschätzen. Bei oberirdischen Atomexplosionen wird ungefähr die Hälfte der gesamten Energie durch die Druckwelle freigesetzt. (LL)

Bearbeitungsstand: Februar 2005

Mehr zu Auswirkungen der Atombombe

siehe auch: Feuerball

Duck and Cover

"Duck and Cover" ist ein Zivilverteidigungsfilm für Kinder aus dem Jahre 1951. Er wurde von Archer Productions, Inc., produziert und von der U.S. Federal Civil Defense Administration gefördert.

Die Schildkröte Bert (the Turtle), zeigt Kindern, wie sie sich bei Atombombenexplosion zu verhalten haben. Im Wesentlichen beschränken sie die Ratschläge dabei darauf, Deckung hinter Mauern und Ähnlichem zu suchen. Der Film verdeutlicht vor allem, wie naiv damals über die Gefahren eines atomaren Angriffs gedacht wurde. (Quelle: militaer.wisotoday.de, Seite nicht mehr online)

Bearbeitungsstand: Dezember 2005

siehe auch: Gefechtskopf
siehe auch: Kollateralschaden
siehe auch: Unbeabsichtigter Einsatz

Dülmen-Visbeck

ehem. Atomwaffenstandort, Deutschland

Leerstehender Sondermunitionslager Dülmen-Visbeck 2003, Foto: bw-duelmen.de

Das Sondermunitionslager Dülmen-Visbeck (51°47’40“N, 07°19’24“O) befand sich ca. 4,5 km südlich der Stadt Dülmen in Nordrhein-Westfalen. Mit dem Bau des Sondermunitionslagers wurde am 25. April 1963 begonnen. Das Lager wurde am 22. September 1965 fertig gestellt. Die Baukosten betrugen ca. 800.000 DM. Das ursprüngliche Lager besaß nur vier Holzwachhäuschen auf ebener Erde, von denen die Wachsoldaten, ungeschützt vor möglicher gegnerischer Waffenwirkung, das umliegende Gelände zu beobachten hatten. Da das Lager auch kein Stellungssystem besaß, wäre es schwierig gewesen, das Lager gegen Angriffe zu verteidigen. Erst 1972 wurden an Stelle der hölzernen Wachhäuschen Wachtürme aus Betonrohr mit einem Holzaufbau errichtet. Ab diesem Zeitpunkt konnten die Wachen auch das umliegende Gelände beobachten. Diese Wachtürme blieben bis 1979 stehen. Im Dezember 1979 wurde der Bau eines neuen Wachgebäudes mit neuem Wachturm abgeschlossen. Der Um- und Neubau der Umzäunung dauerte noch bis Mai 1985. Es folgten der Einbau zusätzlicher elektrischer und elektronischer Absicherungsmaßnahmen sowie das Anbringen von Metallkäfigen vor den Bunkertoren. Erst im Jahr 1989 wurde das aus Betonmauern bestehende Stellungssystem des Lagers fertig gestellt. Bis dahin hatte man nur Sandsackstellungen für die Verteidigung des Lagers zur Verfügung.

Im Mai 1968 wurde das Lager Dülmen-Visbeck erstmalig einem atomaren Prüfprogramm unterzogen. Die atomare Sicherheitsinspektion (Nuclear Safety Inspection-NSI) wurde bestanden. Die Wiederholungsinspektionen erfolgten im jährlichen Rhythmus. Ab dem 1. Juni 1969 war das Lager Dülmen-Visbeck erstmals »scharf«, das heißt, es waren Atomsprengköpfe eingelagert. Der bauliche Zustand des Sondermunitionslagers wurde in einer jährlichen Wartungsinspektion (Annual Maintenance Inspection – AMI) durch Vertreter der Armeegruppen und der Benutzerstaaten überprüft.

Eingelagerte Munition
Im Lager Dülmen-Visbeck wurde die gesamte atomare Munition der 7. deutschen Panzerdivision bevorratet. Dabei handelte es sich um:

  • Gefechtsköpfe für die taktische Kurzstreckenrakete »Honest John« (bis 1980)
  • Artilleriegranaten Kaliber 203 mm für die »schwere« Panzerhaubitze der Divisionsartillerie (ab 1960 atomar)
  • Artilleriegranaten Kaliber 155 mm für die Panzerhaubitze der Brigadeartillerie (ab 1972 atomar).

Mit dem Abzug der Honest John Gefechtsköpfe wurde das Lager von Juni – Oktober 1980 komplett geräumt. Die Honest John Gefechtsköpfe wurden auf dem Flugplatz Wildenrath zwischengelagert und von dort in die USA abtransportiert. Die Sondermunition der Kaliber 155 mm und 203 mm wurde vorübergehend im Lager Werlte eingelagert. Nach dem Rücktransport im Oktober 1980 lagerte dann nur noch die Sondermunition der Kaliber 155 mm und 203 mm in Dülmen-Visbeck. Der endgültige Abzug der Sondermunition erfolgte im Rahmen einer Luftlandeübung in der Zeit vom 26.-29. November 1991. Ab diesem Zeitpunkt war das Sondermunitionslager Dülmen-Visbeck aufgelöst. (Quelle: Chronik der Begleitbatterie 7, o.O., o. D.)


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Bearbeitungsstand: November 2009

Weitere Informationen zu den Atomwaffenstandorte in Deutschland

siehe auch: Honest John
siehe auch: Sondermunitionslager

Dünsen

ehem. Atomwaffenstandort, Deutschland

SAS Dünsen, Foto: verborgene-welten.de

Das Sondermunitionslager Dünsen (52°56’28“N, 08°38’21“O) befand sich ca. 12 km südlich der Stadt Delmenhorst in Niedersachsen. Für die Bewachung des Lagers war die Begleitbatterie 11 zuständig. Diese Einheit arbeitet eng mit dem 5th US Army Field Artillery Detachment der US-Army zusammen. Gemeinsam waren sie für die Sicherheit des Lagers verantwortlich.

Dort lagerte die gesamte atomare Munition der 11. Panzerdivision mit Sitz in Oldenburg. Das waren im Einzelnen die Atomwaffen für das  FeldArtBtl 111  und das RakArtBtl 112. Das FeldArtBtl 111 verfügte über eine Batterie atomwaffenfähiger Panzerhaubitzen M110 vom Kaliber 203 mm. Das RakArtBtl 112 verfügte ab 1960 über  3 Batterien und insgesamt 6 Raketenwerfern der Kurzstreckenrakete "Honest John". Später wurden 2 Raketenwerfer "Honest John" je Bataillon außer Dienst gestellt.

Zusätzlich verfügte das Panzerartilleriebataillon 315 in Wildeshausen über eine Batterie mit atomwaffenfähigen Panzerhaubitzen M 109 vom Kaliber 155 mm.
Zu unterschiedlichen Zeiten lagerten im Sondermunitionslager Dünsen atomare Sprengköpfe für die Waffensysteme Honest John, PzHaubitze M109 (ab 1972 atomar) und M110 (ab 1960 atomar).

Das Sondermunitionslager Dünsen wurde später als Übungslager für die Begleitbatterien verwendet. (LL)

Bearbeitungsstand: November 2009

Weitere Informationen über die Atomwaffenstandorte in Deutschland

Weitere Bilder vom Sonderwaffenlager Dünsen

siehe auch: Honest John
siehe auch: Panzerhaubitze M 109
siehe auch: Panzerhaubitze M 110
siehe auch: Sondermunitionslager

DU-Munition

engl.: depleted uranium

DU-Munition (depleted uranium) wurde zum ersten Mal im Golfkrieg 1991 durch US- und britische Truppen breitflächig eingesetzt. Es folgte der Einsatz von ca. 12 Tonnen durch die NATO in Bosnien und Jugoslawien Ende der 1990er. Im Jahr 2003 wurden sie abermals durch US- und britische Truppen im Irakkrieg benutzt. Aktuelle Schätzungen rangieren zwischen 110-165 Tonnen, die hauptsächlich in der Nähe von urbanen Zentren abgefeuert wurden. Es besteht ein begründeter Verdacht, dass die USA diese Munition auch in Afghanistan im Jahr 2001 eingesetzt haben, da dort Waffensysteme, die Uranmunition verwenden, zum Einsatz kamen. Zurzeit besitzen mindestens 16 Länder Uranwaffen in ihren Arsenalen.

DU-Munition enthält abgereichertes Uran (Uran-238). Dieser Abfallstoff entsteht bei der Uran-Aufbereitung für die Energiegewinnung und den Atomwaffenbau. Durch Uran-238 wird die Munition bei bleibender Durchschlagskraft kleiner und gewinnt an Geschwindigkeit und Reichweite. Bei einem Treffer kommt es zur Feinverteilung des Urans; es entzündet sich und Uranoxid wird freigesetzt.

Uran-238 ist sowohl ein radioaktiver Alphapartikel-Strahler als auch ein chemisches Gift. Gelangt es in den Körper, bewirkt es bei hoher Dosis eine Schwermetallvergiftung, bei niedriger Dosis schädigt es die Nieren. Eingeatmete Isotope setzen das Lungengewebe der Strahlung aus, was zu Krebs führen kann. Es wird vermutet, dass im Irak aufgetretene Fehlgeburten und Missbildungen bei Neugeborenen mit der Verwendung von Uranmunition im Zusammenhang stehen.

Bei der Einatmung von Partikel unlöslichem Uran, werden etwa 60 % davon verschluckt, entweder sofort oder nach vorübergehendem Aufenthalt in Nase, Rachen, Luftröhre, Bronchien und Lunge. Nur ein kleiner Anteil von 0,2 % des verschluckten Urans kann die Darmwand durchdringen und ins Blut gelangen. Der Rest wird einfach mit den Exkrementen ausgeschieden, ohne irgendeinen Schaden anzurichten.

Uranmetall hat mehrere Eigenschaften, die es sehr interessant für die Herstellung von Geschossen machen. Dabei ist es unwesentlich, ob es sich um natürliches oder abgereichertes Uran handelt.

Uran hat eine hohe Dichte von 19,1 g/cm3. Daher können Geschosse aus diesem Material Stahl besonders gut durchdringen.
Zum Vergleich: Die Dichte von Eisen beträgt 7,9 g/cm3, die von Blei 11,35 g/cm3.

Uran entzündet sich selbst, wenn es fein verteilt wird. Wenn ein Uran-Geschoss eine Stahlpanzerung durchdringt, werden feine Uran-Partikel abgetrennt, die dann hinter der Panzerung einen Brand auslösen können. (Quelle: IPPNW)

Bearbeitungsstand: März 2006

siehe auch: Alphastrahlen
siehe auch: Dosis

Durchgangsstrahlung

engl.: transient radiation

Bei Unterwasserdetonationen können Besatzungen von Wasserfahrzeugen oder Personen in küstennahen Einrichtungen, die von der Basiswolke betroffen sind, während des Durchzugs der Wolke einige Minuten lang starker Strahlung, der so genannten Durchgangsstrahlung ausgesetzt sein. Für die Besatzungen von Wasserfahrzeugen stellt nur derjenige Teil des Fallouts eine Gefahr dar, der auf die Fahrzeuge fällt und dort bleibt. Der auf die Wasseroberfläche fallende Fallout vermischt sich rasch mit großen Wassermengen, wodurch die Strahlung stark abgeschwächt wird. (LL)

Bearbeitungsstand: Januar 2006

siehe auch: Fallout