Canberra-Kommission

engl.: Canberra Commission

Am 26. November 1995 kündigte der damalige Premierminister Australiens Paul Keating die Gründung der 15-köpfigen „Canberra Commission on the Elimination of Nuclear Weapons“ an. Die Aufgabe der hochrangig besetzten Expertenkommission sollte es sein, „praktische Wege in eine nuklearwaffenfreie Welt aufzuzeigen, unter Berücksichtigung der damit verbundenen Probleme der Erhaltung von Stabilität und Sicherheit während der Übergangsphase und nachdem dieses Ziel erreicht ist“.

Unter den Kommissionsmitglieder waren u.a. Friedensnobelpreisträger Professor Joseph Rotblat, ehem. US-Verteidigungsminister Robert McNamara, ehem. Commandeur der US nukleare Streitkräfte General Lee Butler und Meeresforscher Jacques Cousteau.

In ihrem am 14. August 1996 vorgelegten Bericht schlägt die Canberra-Kommission, ausgehend von einer umfassenden Auseinandersetzung mit der Abschreckung und der gegen die NWFW (Nuklearwaffenfreie Welt) vorgebrachten Argumente, eine Reihe konkreter Schritte vor, mit denen der Prozess der Atomwaffenbeseitigung unverzüglich eingeleitet werden kann. Als unmittelbar realisierbar werden folgende Sofortmaßnahmen vorgeschlagen:

  • Beendigung des höchsten Alarmbereitschaft (LOW) für Atomwaffen.
  • Trennung der Sprengköpfe von den Trägersysteme.
  • Beendigung der Stationierung substrategischer (taktischer) Atomwaffen.
  • Stopp der Atomwaffentests.
  • Beginn von Verhandlungen zur weiteren Reduzierung der Atomwaffenarsenale der Vereinigten Staaten und Russlands.
  • Abkommen zwischen den Atomwaffenstaaten über einen gegenseitigen Verzicht auf Ersteinsatz und über den Verzicht auf Atomwaffeneinsatz gegen die Nicht-Atomwaffenstaaten (negative Sicherheitsgarantien).

Mit der Canberra Commission ist es gelungen, VertreterInnen von Regierungen und Nicht-Regierungsorganisationen zu einer bis dahin im Abrüstungsbereich nicht gekannten Zusammenarbeit zu bringen. Der Bericht der Kommission hatte eine erhebliche Bedeutung, um den wissenschaftlichen Diskussionsstand zur nuklearwaffenfreien Welt zusammenzufassen und in konkrete Vorschläge umzusetzen, die in den folgenden internationalen politischen Diskussionsprozess eingeflossen sind. (Jürgen Scheffran in: Bender/Liebert: Wege zu einer nuklearwaffenfreien Welt, Münster 2001, S. 47f.)

»Bericht der Canberra Commission im Wortlaut (engl.)

Bearbeitungsstand: Juli 2016

Cäsium (Cs)

engl.: Caesium (brit.), Cesium (amerik.)

Leere Schule in Pripyat nach der Tschernobyl-Katastrophe. Foto: Stuck in Customs

Es wird unterschieden zwischen Cäsium-137 (Cs) und Cäsium-134 (Cs).

Cäsium-137 (137Cs) ist ein Betastrahler mit einer Halbwertszeit (HWZ) von 30,2 Jahren. Es zerfällt in „angeregtes“, metastabiles Barium-137m (Ba), das sich mit kurzer HWZ von 2,55 min unter starker Gammastrahlung in stabiles Ba-137 umwandelt. Die Aktivitätsbestimmung von Cs-137 mit dem Geigerzähler erfolgt direkt über diese Gammastrahlung.

Cäsium verteilt sich sehr leicht in der Umwelt; durch die oberirdischen Atomtests sind weltweit noch kleine Mengen zu finden. Die Forschung unterscheidet zwischen externer und interner Exposition: Eine externe Exposition findet statt, wenn man z.B. auf kontaminierter Erde geht oder Kontakt mit verseuchtem Material hat. Bei einer internen Exposition werden radioaktive Stoffe durch Atmen, Essen und Trinken in den Körper aufgenommen. Lebewesen verarbeiten Cs-137 wie Kalium. Aufgenommenes Cs-137 verteilt sich gleichmäßig im Körper, vor allem in weichem Gewebe, ganz besonders in der Muskulatur, auch im Herzmuskel. Wegen der guten Wasserlöslichkeit der meisten Cäsiumsalze werden diese im Magen-Darm-Trakt vollständig resorbiert. Es kommt zu hohen Konzentrationen in den Muskeln, etwas weniger konzentriert wird Cäsium im Knochen und Fettgewebe eingelagert. Die biologische Halbwertszeit beträgt 40 bis 200 Tage. Eine hohe externe Exposition kann Verbrennungen führen, je nach Dosis kann die Exposition auch tödlich sein. Interne Exposition kann zu Herzmuskelstörungen führen, ferner zu Krebserkrankungen wie z.B. Karzinomen der Lungen und des Enddarms.

Cäsium-134 (134Cs) ist ein Beta- und (schwacher) Gammastrahler mit einer Halbwertszeit von 2,1 Jahren. Nach der Katastrophe von Tschernobyl im Jahr 1986 trug Cäsium-134 in den ersten zwei Jahrzehnten erheblich zu den dort gemessenen Strahlendosen bei. Heute sind wegen der im Vergleich zu Cs-137 kürzeren HWZ nur noch relativ geringe Mengen nachweisbar. Cs-134 verhält sich im Körper wie Cs-137. (Quelle: IPPNW-Factsheet)

Bearbeitungsstand: März 2011

»Weitere Informationen zur Radioaktivität und Strahlengefahr

Carbon Blazer

Militärübung

In der Zeit vom 5. bis 15. Mai 1987 fand unter der Bezeichnung „Carbon Blazer“ das größte Manöver mit Pershing II-Raketen in Europa statt. Der in Südwestdeutschland gelegene Übungsraum umfasste folgende Landkreise:

  • Im Regierungsbezirk Tübingen: Alb-Donau-Kreis, Reutlingen, Tübingen
  • Im Regierungsbezirk Karsruhe: Calw, Enzkreis, Freudenstadt, Karsruhe, Neckar-Odenwald-Kreis, Rastatt, Rhein-Neckar-Kreis
  • Im Regierungsbezirk Stuttgart: Böblingen, Esslingen, Göppingen, Heidenheim, Heilbronn, Hohelohekreis, Ludwigsburg, Ostalbkreis, Rems-Murr-Kreis, Schwäbisch Hall, Main-Tauber-Kreis

Insgesamt waren ca. 4000 US-Soldaten mit 1500 Radfahrzeugen und 12 Hubschraubern  beteiligt. 100 Radfahrzeuge mit über 21,7 Tonnen waren angekündigt. Zu Beginn der Übung fuhren aus dem Standort Heilbronn (Waldheide) drei Konvois mit jeweils 3 Raketen aus und bezogen Stellung im Raum Sinsheim. Ebenfalls 9 Raketen fuhren aus der Wiley-Kaserne in Neu-Ulm aus. Sechs Raketen bezogen eine Stellung bei Straß und drei fuhren nach Suppingen (westl. Blaubeuren). Aus den Kasernen in Schwäbisch Gmünd fuhren Führungs-, Versorgungs- und Fernmeldeeinheiten aus. Eine große Komandostellung wurde im Wald von Simmisweiler bei Aalen errichtet.In der Nacht zum 6. Mai verließen alle dort stationierten Raketen das Mutlanger Depot und bezogen Stellungen im Viereck Schwäbsich Gmünd, Schwäbisch Hall, Aalen und Crailsheim. Aus Heilbronn fuhren weitere 9 Raketen in Bereitstellungsräume im Main-Tauber-Kreis. Weitere 9 Raketen aus Neu-Ulm bezogen Stellungen westlich von Blaubeuren. Die Mutlanger Raketen blieben bis zum 8. Mai in ihren ersten Bereitstellungsräumen und wurden am 10 . Mai in den Rems-Murr-Kreis verlegt. Am gleichen Tag erfolgte eine Verlegung in den Raum Karlsruhe, Pforzheim, Bretten, Eppingen, wo die Raketen bis zur Rückfahrt am 14. Mai blieben.Die 18 Raketen aus Heilbronn blieben bis zum 8. Mai im Raum Kraichgau (Sinsheim) und im Main-Tauber-Kreis und wurden dann im Landkreis Heilbronn zusammengezogen. Am 10. Mai wurden diese Raketen in den Raum Eppingen, Heidelberg, Sinsheim, Bad Rappenau verlegt, wo sie bis zum Rückmarsch am 15. Mai blieben. Von den 18 Raketen aus Neu-Ulm wurden 9 von ihrem ersten Bereitstellungsraum am 7. Mai in den Landkreis Calw verlegt, weitere 9 Raketen am 8. Mai in den Raum Freudenstadt. Weitere Verlegungen erfolgten auch hier bis zum 15. Mai nicht mehr. An den Raketentransporten und Verlegeübungen waren keine atomaren Sprengköpfe beteiligt.

(Unterlagen der Presshütte Mutlangen)

Bearbeitungsstand: Juli 2010

Carte Blanche

Militärübung

Eine taktisch-nukleare Planübung der NATO im Juni 1955. In dieser Übung, die in der Bundesrepublik Deutschland, den Niederlanden und in Nordostfrankreich abgehalten wurde, wurde der begrenzte taktisch-nukleare Einsatz der NATO simuliert. Angenommen wurden insgesamt 335 nukleare Einsätze, davon 268 auf deutschem Territorium. Als Ergebnis des radioaktiven Niederschlages und der Explosionen wurden zwischen 1,5 bis 1,7 Millionen Deutsche „getötet“ und 3,5 Millionen „außer Gefecht gesetzt“. Als Ergebnis der Übung gewann die Annahme an Raum, dass der Einsatz taktischer Nuklearwaffen „Europa nicht verteidigen sondern zerstören“ werde. (Neuman, Kernwaffen in Europa, Bonn 1982, S. 66)

Bearbeitungsstand: Oktober 2006

siehe auch: NATO
siehe auch: Radioaktiver Niederschlag

Castle-Bravo

US-Atomtest

Castle Bravo Atomtest. Foto: US-Regierung

Am 1. März 1954 um 06.45 Uhr Lokalzeit (18.45 Uhr am 28. Februar GMT) detonierte auf dem Bikini-Atoll in den Marshall-Inseln eine 15 MT (Megatonnen) große Wasserstoffbombe. Es war die größte von den USA initiierte oberirdische Nuklearexplosion - 1.000-fach stärker als die Hiroshima-Bombe. Die Bombe hatte den Codenamen »Castle Bravo« und war zweieinhalb mal stärker als vorausberechnet war. Die Explosion riss einen 76 Meter tiefen Krater mit zwei Kilometern Durchmesser in die Atollinsel Nam. Der Atompilz war nach einer Minute 15 km hoch und erreichte nach sechs Minuten eine Höhe von 40 km. Zwei Minuten später hatte der Atompilz einen Durchmesser von rund hundert Kilometern. Millionen Tonnen von Gestein, Korallen und Sand wurden bis zu 30 Kilometer hoch geschleudert und regneten Stunden später als radioaktive Asche auf die Bewohner der östlich gelegenen Atolle, auf 25 Mitarbeiter einer US-Wetterstation und einen japanischen Fischkutter nieder.

Anders als die Bewohner von Bikini waren die Menschen auf den östlichen Atollen weder evakuiert noch gewarnt worden. Auf den noch bewohnten Atollen Rongelap und Rongelik spielten Kinder in dem atomar verseuchten Pulver, schmierten es sich auf Arme und Beine. Sie hielten es für den Schnee, von dem die Missionare erzählt hatten. Ihre Haut begann zu jucken und es bildeten sich schmerzhafte Blasen. Erst 48 Stunden nach der Detonation begann die Zwangsevakuierung der Inseln. Aber das war zu spät, die Menschen waren schwer verseucht.

Die Wetterstation hatte rechtzeitig davor gewarnt, dass der Wind gedreht hatte. Trotzdem wurde der Befehl vom wissenschaftlichen Leiter der Testreihe »Operation Castle« Dr. Alvin C. Graves gegeben, die Bombe zu zünden. »Bravo« wurde so auch zum Verstrahlungstest - vorsätzlich, wie inzwischen freigegebene Akten nahe legen.

Der radioaktive Niederschlag ging um die halbe Welt – nach Australien, Europa und in die USA.

Bearbeitungsstand: Februar 2014

»Weitere Informationen zur Geschichte von Atomtests

CEA AN-52 Bombe

Die CEA AN-52 war der erste taktische Nuklearsprengkopf der französischen Armee. Es handelte sich um eine frei fallende Bombe, die erstmals am 28. August 1972 getestet wurde und Frankreich vor einer Bedrohung durch die Sowjetunion schützen sollte. Sie befand sich bis 2001 im Arsenal der Armee. Diese Nuklearbombe existierte in zwei verschiedenen Versionen mit 8 KT bzw. 25 KT Sprengkraft. Es wurden 80-100 dieser 455 kg schweren, 4,2 m langen und 60 cm breiten Bomben hergestellt. Im Ernstfall wären diese Bomben von den Mirage-Flugzeugen der Force de frappe abgeworfen worden. (Quelle: www.economy-point.org/c/cea-an-52.html)

Bearbeitungsstand: September 2007

siehe auch: Force de frappe
siehe auch: KT (Kilotonne)

CEP France

Centre d´expérimentation du Pacifique

Bis zu 15.000 Polynesier arbeiteten von 1962 bis heute mit am französischen Atomtestprogramm CEP, euphemistisch verharmlosend »Centre d`expérimentation du Pacifique«, Versuchszentrum im Pazifik genannt. Meist waren sie für untergeordnete Tätigkeiten wie Bauarbeiten oder Küchendienst zuständig, einige mussten aber auch hochgefährliche Dekontaminierungsarbeiten ausführen oder auf Bohrplattformen die Detonationskammern graben und nach der Explosion dort Proben entnehmen. Stationiert waren die Arbeiter auf den Atominseln Moruroa und Fangataufa, der Garnisonsinsel Hao oder in den Labors und Einrichtungen auf der Hauptinsel Tahiti. Viele von ihnen kamen während ihrer Arbeit mit Radioaktivität in Berührung, wussten aber offenbar nicht Bescheid über diese Gefahr. Es waren oftmals einfache, landwirtschaftlich geprägte Menschen, die kein Französisch verstanden. Begriffe wie "Strahlung" und "Kontaminierung" gab es in ihrem von der Natur geprägten Erfahrungsschatz nicht.

Von 1966 bis 1996 hat Frankreich auf dem Atomversuchsgelände Moruroa im Südpazifik 46 Atombomben in der Atmosphäre und 147 Atombomben unterirdisch gezündet. Nach massiven weltweiten Protesten lief das Testprogramm 1996 aus, heute werden die Explosionen am Computer simuliert.

Doch jetzt melden sich erstmals die früheren Arbeiter von Moruroa zu Wort, die mit ihren Strahlenkrankheiten von Frankreich alleine gelassen werden. Der französische Staat hat - möglicherweise absichtlich - versäumt, die Arbeiter systematisch bei der Einstellung und beim Ausscheiden aus den Arbeitsverhältnissen medizinisch zu untersuchen. 50% der Arbeiter wissen nicht, was ein Dosimeter ist, oder haben nie eines getragen. Die vorhandenen medizinischen Daten werden von den Militärs nicht herausgegeben, die Strahlenbelastung kann von den Betroffenen nachträglich nicht mehr bewiesen werden. Anfragen nach Entschädigung werden deshalb von den französischen Behörden abgewiesen, weil offiziell kein Strahlenrisiko bestand. Viele Strahlenkranke sind nicht oder unzureichend krankenversichert und können sich nicht einmal medizinisch behandeln lassen. (Quelle: Wolfgang Kleiner)

Bearbeitungsstand: Mai 2007

Siehe auch: Moruroa

CEP-Wert

Circular Error Probable (CEP), Streukreisradius

Der Streukreisradius ist das Maß der Genauigkeit, mit der eine Waffe in ein vorgeplantes Ziel gebracht werden kann. Die Maßeinheit ist der Radius des Kreises um ein Ziel, innerhalb dessen die auf das Ziel gerichtete Waffe mit 50%iger Wahrscheinlichkeit auftrifft. Die Zerstörungskraft einer Atombombe hängt wesentlich von drei Faktoren ab:

  • Treffgenauigkeit des Gefechtskopfes,
  • Sprengkraft des Gefechtskopfes,
  • Beschaffenheit des Zieles

Eine niedrige Treffgenauigkeit (d.h. Gefechtsköpfe mit einem großen CEP) kann durch eine größere Sprengkraft ausgeglichen werden. Eine höhere Sprengkraft führt in der Regel zu höheren Kollateralschäden. (Neuman: Kernwaffen in Europa, Bonn 1982, S. 134)

Bearbeitungsstand: Oktober 2005

siehe auch: Gefechtskopf
siehe auch: Kollateralschaden
siehe auch: Sprengkraft
siehe auch: Unbeabsichtiger Einsatz

CERN

Conseil européen pour la recherche nucléaire

Am 1.7.1953 zeichneten zwölf Staaten in Paris den Vertrag zur Schaffung des CERN nahe Genf. Der Schweiz wurde zugesichert, dass die nukleare Forschung rein wissenschaftlicher Art sein sollte und, dass alle Ergebnisse veröffentlicht würden. Das Forschungszentrum sollte sich jeglicher politischer Aktivität enthalten. Sollte es zu einer internationalen Krise kommen, so habe der Schweizer Bundesrat das Recht, alle für die Sicherheit notwendigen Maßnahmen zu treffen.

Im Oktober 1954 nahm das Forschungszentrum seine Arbeit auf. In den folgenden Jahren wurde das CERN, das offen ist für wissenschaftliche Zusammenarbeit, stetig erweitert; zurzeit zählte es 20 Teilnehmerstaaten. Das Jahresbudget beträgt nahezu 1 Mrd. Schweizer Franken, wovon die Schweiz 4 % übernimmt.

Außer Tausenden von auswärtigen Physikern und Physikerinnen, die jedes Jahr die Einrichtungen benutzen, arbeiten 3.500 Personen ständig im Zentrum. Ein riesiger Teilchenbeschleuniger mit einem Kreisumfang von 27 km, der sog. LEP (Large Electron-Positron Collider), macht aus der Genfer Forschungsstelle eines der wichtigsten Zentren physikalischer Forschung der Welt. Weitere Einrichtungen zur Erhöhung der Kapazität wurden im Jahr 2004 in Betrieb genommen. (Schweizer Gesetzestexte, Online Ausgabe 9/2004, SR 0.424.091)

Bearbeitungsstand: Juni 2006

CHADWICK James

1891 - 1974

Sir James Chadwick wurde, am 20. Oktober 1891 in Cheshire, England geboren. Er besuchte die Manchester Universität und war von 1923 bis 1935 stellvertretender Direktor des Cavendish Research Laboratory in Cambridge, wo er mit Ernest Rutherford über Radioaktivität und künstliche Kernumwandlungen forschte. 1932 entdeckte er bei Beschuss von Beryllium mit Alphateilchen das Neutron, dessen Existenz schon 1921 von Rutherford vorhergesagt worden war. Neutronen sind grundlegende Partikel leer von irgendeiner elektrischen Ladung. Eine Möglichkeit zur Bestimmung der Masse des Neutrons aus der Masse und Bindungsenergie des Deuterons wurde 1934 von ihm angegeben. Diese Entdeckung ebnete den Weg für die Kernspaltung und den Bau der Atombombe. Er erhielt 1935 den Nobelpreis für Physik.

Zwischen 1943 und 1945 arbeitete er in den USA, hauptsächlich im Los Alamos Scientific Laboratory (heute Los Alamos National Laboratory) in New Mexico, am Manhattanprojekt zur Entwicklung einer Atombombe. Chadwick gehörte in Großbritannien zu den ersten, die die Möglichkeit hatten, eine Atombombe zu entwickeln, und er unterstützte maßgeblich die Bemühungen der Briten um eine Atombombe. Er starb am 23.07.1974 in Pinehurst, England. (Quelle: Martin Greussing)

Bearbeitungsstand: April 2008

Weitere Informationen zur Entwicklung der Atombombe

siehe auch: Manhattan-Projekt

Chevaline Projekt

engl.: chevaline

Als Chevaline Projekt bezeichnete Großbritannien die Weiterentwicklung der Polaris Rakete, mit der die britischen Atom-U-Boote ausgestattet waren. Diese wurde 1961 für nötig gehalten, nachdem die Sowjetunion begonnen hatte, das Galosh ABM-System (Anti ballistic missile System) zu entwickeln, welches die britischen Polaris Raketen nicht überwinden konnten. Die britische Strategie war darauf ausgerichtet, im Falle eines Zweitschlages Moskau mit seinen Raketen treffen zu können. Die neu entwickelten Raketen mussten also in der Lage sein, das Galosh-System zumindest teilweise zu überwinden, um so entweder mindestens die industriellen Anlagen um Moskau zu zerstören, oder 10-15 Millionen sowjetische Bürger zu töten. So sollte nach britischem Verständnis eine hinreichende, wenn auch „minimale“ nukleare Abschreckung gegenüber der Sowjetunion aufrecht erhalten werden.

Die Raketen, die aus dem Projekt hervorgingen, sind die Polaris A-3TK. Von ihren Vorgängern unterschieden sich die A-3TK Raketen durch eine geringere Anzahl an Sprengköpfen (2 und nicht mehr 3), extrem gehärteten Wiedereintrittskörpern und verschiedene Durchschlagshilfen (Täuschziele, höhere Materialhärte). Die Reduzierung der Sprengköpfe war nötig um in den Raketen Platz für die Durchschlagshilfen zu schaffen. Die neu entwickelten Sprengköpfe entsprachen nicht mehr den ursprünglichen Polaris Sprengköpfen, sondern ähnelten den US-amerikanischen MK.58. Die Entwicklung des Systems war 1980 abgeschlossen und von 1982 bis 1996 im Einsatz. (mfh)

Bearbeitungsstand: November 2011

Siehe auch: ABM
Siehe auch: Polaris-Rakete
Siehe auch: Sprengkopf
Siehe auch: Wiedereintrittskörper

Chicago 1942

Am 2. Dezember 1942 wurde unter Leitung des italienischen Kernphysikers Enrico Fermi der erste Atomreaktor für eine Kettenreaktion mit dem Ziel der Herstellung einer Atombombe in Betrieb genommen. Der dabei benutzte Kernreaktor war aus Geheimhaltungsgründen unter der Tribüne des Football-Stadions der University of Chicago ("Chicago Pile-1") aufgebaut worden. Darin wurden Uran und Uranoxid mit Graphitblöcken zu einem Meiler aufgeschichtet, in den Kadmiumstäbe eingefahren wurden, die verhindern sollten, dass der Meiler schon während des Aufschichtens aktiv wurde. Beim Herausziehen der Stäbe wurden mehr Neutronen produziert, als das Kadmium auffangen konnte. Damit begann die erste nukleare Kettenreaktion, die das Material zum Bau der ersten Atombomben lieferte.

Bearbeitungsstand: Mai 2007

Siehe auch: FERMI Enrico
Siehe auch: Kettenreaktion

China

Atomwaffenstaat | Nuclear Weapon State

China ist der einzige Atomwaffenstaat mit einer Politik des Nichtersteinsatzes aber auch der einzige offizielle Atomwaffenstaat, der derzeit sein Arsenal erweitert. China unterhält nur ein relativ kleines atomares Atomwaffenarsenal im Vergleich zu den USA und Russland, rüstet aber auch nicht ab und modernisiert seine Atomstreitkräfte, angeblich als Reaktion auf die US-Raketenabwehrpläne. Es entwickelt Interkontinentalraketen und Raketen für die chinesischen U-Boot-Streitkräfte, um die alten zu ersetzen.

Im jetzigen Arsenal befinden sich rund 190 einsatzbereite Atomwaffen, stationiert auf U-Booten, Flugzeugen und landgestützten ballistischen Raketen. Die Gesamtzahl der Atomsprengköpfe im chinesischen Arsenal wird geheim gehalten. Wenn die ca. 60 Atomwaffen in Reserve mit eingeschlossen sind, dann besitzt China insgesamt. ca. 250 Atomwaffen

China verfügt über fast 150 einsatzbereite landgestützte „Dong Feng“ (DF) ballistische Raketen mit jeweils einem atomaren Sprengkopf. Die Sprengköpfe sind nicht auf den Raketen montiert und werden getrennt gelagert. Derzeit sind sechs verschiedene Raketensysteme im Dienst:

  • ca. 8 DF-3A Mittelstreckenraketen
  • ca. 12 DF-4 zweistufige, flüssigkeitsgetriebene Langstreckenraketen mit einer Reichweite von mehr als 5.500 km
  • DF-5A Interkontinentalrakete mit einer Reichweite von ca. 13.000 km
  • 80-90 zweistufige DF-21- und D-21A-Mittelstreckenraketen
  • Weniger als 10 DF-31 feststoffgetriebene dreistufige Langstreckenraketen mit einer Reichweite von über 7.000 km
  • Ca. 20 DF-31A interkontinentale Raketen mit einer Reichweite von über 11.000 km.
  • zwei seegestützte ballistische Raketentypen: JL-1 und JL-2, die noch nicht stationiert sind
  • 20 strategische Mittelstreckenbomber vom Typ H-6 zum Einsatz von Atombomben

Viele sind besorgt darüber, dass China seine Raketenstreitkräfte mit großem Aufwand modernisiert. Diese "Modernisierung" geht aber nur sehr langsam voran. (xh)

Bearbeitungsstand: November 2013

»Weitere Informationen über Chinas Atomwaffen

Siehe auch:
»Lop Nor

Circular error probable

CEP-Wert, Streukreisradius

Der Streukreisradius ist das Maß der Genauigkeit, mit der eine Waffe in ein vorgeplantes Ziel gebracht werden kann. Die Maßeinheit ist der Radius des Kreises um ein Ziel, innerhalb dessen die auf das Ziel gerichtete Waffe mit 50%iger Wahrscheinlichkeit auftrifft. Die Zerstörungskraft einer Atombombe hängt wesentlich von drei Faktoren ab:

  • Treffgenauigkeit des Gefechtskopfes,
  • Sprengkraft des Gefechtskopfes,
  • Beschaffenheit des Zieles.

Eine niedrige Treffgenauigkeit (d.h. Gefechtsköpfe mit einem großen CEP) kann durch eine größere Sprengkraft ausgeglichen werden. Eine höhere Sprengkraft führt in der Regel zu höheren Kollateralschäden. (Neuman: Kernwaffen in Europa, Bonn 1982, S. 134)

Bearbeitungsstand: Oktober 2005

siehe auch: Gefechtskopf
siehe auch: Kollateralschaden
siehe auch: Sprengkraft
siehe auch: Unbeabsichtigter Einsatz

Cobaltbombe

engl.: cobalt bomb

Bei einer Cobaltbombe handelt es sich um eine modifizierte Wasserstoffbombe. Die Idee besteht darin, eine Bombe herzustellen, deren Mantel aus 59Co besteht. Durch die Explosion wird das natürliche 59Co durch Neutroneneinfang in stark radioaktives 60Co umgewandelt und kann als Fallout große Gebiete verseuchen. Die entstehende Gammastrahlung hat eine Halbwertszeit von 5,27 Jahren, was eine jahrzehntelange Verseuchung des betroffenen Gebietes zur Folge hat. Die lange Halbwertszeit macht es für Menschen unmöglich, so lange in Bunkern auszuharren. Andererseits führt ein Aufenthalt im Freien wegen der starken Strahlung unausweichlich zum Tode.

Wegen der hohen Menge an freigesetzter atomarer Strahlung spricht man bei der Cobaltbombe stets von einer »schmutzigen« Bombe. Soweit bekannt, wurde eine solche Bombe nie gebaut. (LL)

Bearbeitungsstand: Februar 2008

siehe auch: Fallout
siehe auch: Halbwertszeit

Cochemer Appell

Der Trägerkreis „Atomwaffen abschaffen ‑ bei uns anfangen!“ verabschiedete am 17. Oktober 1999 bei seiner Jahrestagung in Cochem in der Nähe von Büchel den folgenden Appell:

"Nicht länger Atomwaffen auf deutschem Boden

Zehn Jahre nach Ende des Kalten Krieges lagern noch immer Atomwaffen auf deutschem Boden. Gegen wen sind sie gerichtet?

Atomare Massenvernichtungswaffen bedrohen die Menschheit. Sie müssen unverzüglich abgeschafft werden. Die Bundesrepublik Deutschland soll mit gutem Beispiel vorangehen. Wir fordern die Bundesregierung auf, von den Verbündeten zu verlangen, die Lagerung von Atomwaffen auf deutschem Boden zu beenden, die nukleare Teilhabe in Büchel aufzukündigen und sich international für die Abschaffung aller Atomwaffen einzusetzen.

Eine Welt ohne Atomwaffen ist ein visionäres aber politisch erreichbares Ziel".

18.000 BürgerInnen unterzeichneten diesen Aufruf. Die Unterschriften wurden am 16. Januar 2001 an den Staatssekretär im Auswärtigen Amt Ludger Volmer übergeben. (Kampagne »Atomwaffen abschaffen – bei uns anfangen«)

Bearbeitungsstand: Dezember 2005

siehe auch: Büchel
siehe auch: Nukleare Teilhabe

Codierte Sicherungsvorrichtung

engl.: Permissive Action Link; Abk.: PAL

Es handelt sich um eine Vorrichtung, die an einer Atombombe angebracht oder in sie eingebaut wird, um ein unbefugtes Schärfen oder Abschießen der Waffe ohne Eingabe eines vorprogrammierten Codes oder einer entsprechenden Kombination zu verhindern. Das PAL-System kann gegebenenfalls auch eingebaute Vorrichtungen zur Selbstzerstörung auslösen, sollte ein unbefugter Versuch unternommen werden, die Waffe zu schärfen oder abzuschießen. (Neuman: Kernwaffen in Europa, Bonn 1982, S. 66.)

Bearbeitungsstand: Mai 2006

COHEN Samuel

1921 -

Der Physiker Samuel T. Cohen wurde 1921 in New York geboren. Er gilt als der Erfinder der Neutronenbombe. Ab 1944 gehörte er zu den Mitarbeitern des so genannten Manhattan-Projekts. Er war verantwortlich für die Berechnungen des Verhaltens von Neutronen in der Atombombe »Fat Man«, die am 9. August über Nagasaki gezündet wurde.

Samuel Cohen war überzeugt von der Idee der Neutronenbombe als einer, im Vergleich zu anderen Kernwaffen, sauberen Bombe (clean bomb). Die Idee einer »sauberen Bombe« ging davon aus, dass Neutronenbomben bis zu 95% der von ihnen freigesetzten Energie aus der Kernfusion beziehen, was den radioaktiven Fallout und damit die langfristige Kontamination des Einsatzgebietes stark reduzieren würde.

Cohen plante eine Kernwaffe auf Fusionsbasis, die idealerweise ihre gesamte Energie in Form von Neutronen-Strahlung freigibt. Die so freigesetzte Strahlung würde alles biologische Leben in unmittelbarer Umgebung töten und im Gegensatz zu herkömmlichen Atomwaffen nur kurzlebige Sekundärstrahlung zurück lassen. Die Sprengkraft der Bombe sollte einem Zehntel der Hiroshima-Bombe entsprechen, die, wenn sie in einer Höhe von 1 km (3000 Fuß) gezündet würde, alles Leben im Umkreis von ca. 1,6 km töten sollte, ohne schwere Explosionsschäden zu verursachen.

Cohen vertrat die Meinung, dass eine solche Bombe zivilisierter sei als zum Beispiel eine Wasserstoffbombe mit ihrem riesigen Zerstörungspotential. Die Opfer wären entweder sofort tot oder würden sich nach einer Phase der Übelkeit wieder erholen. Somit war die Neutronenbombe in seinen Augen eine moralisch vertretbare Waffe. (Zitat: »Die Neutronenbombe wird die moralischste Waffe sein, die jemals erfunden wurde«.)

Während des Vietnamkrieges setzte sich Cohen erfolglos für den Einsatz kleiner Neutronenbomben ein, um den Krieg schneller zu beenden und amerikanischen Verluste zu vermeiden. Seiner Meinung nach war die Neutronenbombe für den Kampf gegen den Vietkong besonders geeignet, dessen Taktik darin bestand, sich in Höhlen und Wäldern Zuflucht zu suchen. Der damalige Verteidigungsminister McNamara ordnete allerdings an, keine Nuklearwaffen, egal welchen Typs, im Vietnamkrieg einzusetzen.

Erst in den 1980er Jahren begannen die USA unter Präsident Ronald Reagan mit dem Bau von Neutronenbomben. Insgesamt wurden 700 Neutronenbomben, 350 Granaten und 350 Sprengköpfe vom Typ W70 für Raketen vom Typ Lance gebaut.

Im Gegensatz zu Cohens ursprünglicher Planung, die Waffen in großer Höhe detonieren zu lassen, wurden diese aber so gebaut, dass sie in unmittelbarer Bodennähe detonieren. Damit sollte eine vom Militär gewünschte Maximierung des Explosivschadens erreicht werden. Insgesamt wurden zwei verschiedene Gefechtskopftypen entwickelt. Selbst nach Cohens eigenen Berechnungen hatte der größere der beiden Typen eine höhere Sprengkraft als die Hiroshimabombe.

Die entwickelten Waffen waren ausschließlich für den Einsatz in Europa, im Falle einer sowjetischen Invasion, eingeplant. Sie sollten auf dem Territorium verbündeter Staaten eingesetzt werden und waren entgegen Cohens ursprünglichen Entwürfen auf die Erzeugung von maximalen Explosivschäden hin ausgerichtet. Diese Planung stand im Widerspruch zu Cohens selbst erklärtem Bestreben, Schäden zu minimieren und Opfer unter der Zivilbevölkerung durch kleinräumige Wirkung zu vermeiden.

Die ablehnende Haltung der europäischen Verbündeten gegenüber dieser Waffenform führten dazu, dass diese niemals in Europa stationiert wurden und damit strategisch wertlos waren, da sie als taktische Atomwaffen, also für den Einsatz im Gefechtsfeld, geplant waren. Unter Reagans Nachfolger Präsident George Bush wurde das komplette Arsenal an Neutronenbomben vernichtet. (LL)

Bearbeitungsstand: März 2007

siehe auch: Fallout
siehe auch: Fat Man
siehe auch: Manhattan-Projekt

Complex 2030

Unter dem Namen »Complex 2030« fassen die beteiligten Ministerien der Vereinigten Staaten – das für alle Nuklearangelegenheiten zuständige Energieministerium, vertreten durch die ihm untergeordnete National Nuclear Security Administration (NNSA), sowie das Verteidigungsministerium – ihre Pläne für eine Runderneuerung des Nuklearwaffenkomplexes bis zum Jahr 2030 zusammen. Fester Bestandteil des Planungsszenarios ist der komplette Austausch des bestehenden US-Atomwaffenarsenals durch den so genannten Reliable Replacement Warhead (RRW, zuverlässiger Ersatz-Sprengkopf). Wird das Projekt realisiert, so belaufen sich die Kosten in den nächsten 25 Jahren auf mehr als 150 Milliarden US$, legen sich die Vereinigten Staaten auf die Aufrechterhaltung eines Nuklearwaffenarsenals auf unabsehbare Zeit fest.

Bei einer Anhörung des US-Kongresses im April 2006 begründete Thomas D’Agustino, der stellvertretende NNSA-Direktor für Verteidigungsprogramme, warum das Szenario von Complex 2030 Unterstützung verdient. Den Plan beschreibt die NNSA wie folgt: „Der Zukunftspfad der NNSA liegt im Aufbau eines kleineren, effizienteren Nuklearwaffenkomplexes, der sich an die veränderlichen nationalen und globalen Sicherheitsprobleme anpassen kann.“ Das RRW-Programm wird als Kernelement von Complex 2030 bezeichnet, „um die langfristige Zuverlässigkeit und Sicherheit des Atomwaffenarsenals sicher zu stellen und eine reaktivere Unterstützungsstruktur zu ermöglichen und gleichzeitig die Wahrscheinlichkeit zu senken, dass die Vereinigten Staaten jemals wieder unterirdische Tests durchführen müssen.“

Der Haushaltsplan der NNSA für das Finanzjahr 2007 listete »Life Extension Programs« auf, also Programme zur Verlängerung der Betriebszeit von Sprengköpfen, um ein zuverlässiges Nuklearwaffenarsenal für die nächsten Jahrzehnte zu gewährleisten. Betroffen sind die Fliegerbombe B-61, der Sprengkörper W-76 für U-Boot-gestützte Raketen und der Atomsprengkopf W-80 für Marschflugkörper.

Bei der Aufstellung des Haushalts orientierte sich die NNSA am Nuclear Posture Review (NPR) von 2001. Als Teile des geheimen Dokuments im Frühjahr 2002 über die New York Times an die Öffentlichkeit drangen, taten Rüstungskontrollexperten die dort aufgelisteten Vorhaben noch als »Wunschzettel« ab. Jetzt aber ist der Aufbau einer „Nuklearwaffeninfrastruktur, die sich an künftige Anforderungen anpassen kann“, erklärtes Ziel – diese Formulierung wird im Haushaltsplan 2007 wie in Complex 2030 verwendet – und im Budget werden die Mittel für das RRW-Programm erhöht. Das RRW-Programm sieht die Neuentwicklung von buchstäblich jeder einzelnen Sprengkopfkomponente vor, wahrscheinlich auch des »physics package«, also der Plutoniumhohlkugel (Plutoniumkern). Es ist nicht geplant, die neuen Nuklearsprengköpfe zu testen; um aber für alle Fälle gerüstet zu sein, sieht das Budget Mittel für die Betriebsbereitschaft des Atomtestgeländes in der Wüste von Nevada vor.

Überdies sind in den Haushalt Gelder eingestellt, um bis 2007 den Nachweis zu erbringen, dass die USA weiterhin Tritium produzieren können. Tritium, ein radioaktives Wasserstoffisotop, ist das »H« in der H-Bombe. Und tatsächlich: Am 4. Dezember 2006 ließ die NNSA verlauten, dass in der Atomfabrik von Savannah River Site (South Carolina) eine neue Anlage zur Extraktion von Tritium „den Betrieb aufgenommen hat, so dass jetzt Tritium aus Targets gewonnen werden kann und eine nachhaltige Tritiumversorgung für das Nuklearwaffenarsenal der Nation sichergestellt ist.“ Somit werden in den USA jetzt wieder Tritium und Plutoniumkerne gefertigt, nachdem aus Umwelt- und Gesundheitserwägungen die Produktion 1988 (Tritium) bzw. 1989 (Plutoniumkerne) eingestellt worden war. (Quelle: Cabasso, Jackie: Complex 2030: US-Atomwaffen für das 21. Jahrhundert, W & F 2007-1)

Bearbeitungsstand: Oktober 2009

Weitere Informationen zum US-amerikanischen Atomwaffenprogramm

siehe auch: B-61-Bombe
siehe auch: Marschflugkörper
siehe auch: Plutonium
siehe auch: Reliable Replacement Warhead (RRW) Program
siehe auch: Stockpile Stewardship Program
siehe auch: Tritium

Comprehensive Test Ban Treaty (CTBT)

dt.: Vertrag über das umfassende Verbot von Nuklearversuchen

Verhandlungen über den Atomteststoppvertrag 1995, Foto: CTBTO

Der Vertrag über das umfassende Verbot von Nuklearversuchen wurde durch eine mehrheitliche Abstimmung am 10. September 1996 in der UN-Vollversammlung (A/RES/50/245) angenommen, nachdem keine einstimmige Verabschiedung in der Genfer Abrüstungskonferenz erreicht werden konnte. Indien, Bhutan und Libyen stimmten dagegen. Allerdings kann der Vertrag erst in Kraft treten, wenn ihn 44, im Annex 2 des Vertrages namentlich aufgeführte, Staaten ratifiziert haben.

Der Vertrag verbietet jegliche Art von Atomwaffentests als auch alle anderen Formen von Nuklearexplosionen. Er soll damit der Entwicklung neuer Arten von Atomwaffen ein Ende setzen und die Weiterentwicklung von Atomwaffen beschränken sowie die Entwicklung von Atomwaffen durch neue Staaten erschweren.

Neben dem Testverbot ist im Vertrag die Einrichtung eines internationalen Überwachungssystems (International Monitoring System, IMS) geregelt, damit die Vertragserfüllung auch überprüft werden kann. Obwohl der Vertrag nicht in Kraft getreten ist, existiert bereits heute der Vorbereitungsausschuss der CTBT-Organisation (CTBTO Prep Com). Die umfangreiche Website der CTBTO informiert über die Arbeit der Kommission. Hier ist sowohl das Netz der aktiven als auch der im Aufbau befindlichen Monitoring-Stationen zu finden sowie auch die verwendeten Verifikationstechnologien (Hydroakustik, Infraschall, Radionuklide und Seismik). Die CTBTO Prep Com hat das Mandat, das International Monitoring System (IMS) aufzubauen und ein Provisional Technical Secretariat (PTS) in Wien zu unterhalten. Das PTS hat seine Arbeit bereits aufgenommen, ist also bereits vor Inkrafttreten des Vertrags aktiv. Durch das Netz von 337 Messstationen (von denen bereits 85 Prozent in Betrieb sind) und 16 Laboratorien hat die CTBTO schon heute die Fähigkeit, selbst kleinere unterirdische Nukleardetonationen weltweit nachzuweisen. Das Internationale Datenzentrum analysiert die Daten des IMS und erstellt Produkte, mit denen schon jetzt die Überwachung des Abkommens (Treaty Monitoring) möglich ist.

183 Staaten haben bisher den Vertrag unterschrieben, davon haben ihn 166 ratifiziert. Von den im Annex 2 aufgeführten Staaten, haben 36 den Vertrag ratifiziert. Acht Staaten müssen sich dem Vertrag noch anschließen, bevor ein Inkrafttreten des Vertrags erfolgt. Noch notwendig ist die Ratifizierung folgender Staaten: Ägypten, China, Iran, Israel, und USA. Indien, Nordkorea und Pakistan haben den Vertrag ebenfalls noch nicht unterzeichnet.

Eine Konferenz zur Ermöglichung des Inkrafttretens des Vertrages, auch als Artikel-XIV-Konferenz nach dem relevanten Vertragsartikel benannt, findet alle zwei Jahre statt. xh (Quellen: armscontrol.de; Auswärtiges Amt)

Bearbeitungsstand: Dezember 2016

» Weitere Informationen über die Atomteststoppverträge

» Geschichte und Chronik der Atomteststoppverträge

COMPTON Arthur

1892 - 1962

Arthur Compton wurde am 10. September 1892 in Wooster, Ohio geboren. Er starb am 15. März 1962 in Berkeley, Kalifornien. Compton war 1923 bis 1945 Professor an der Universität Chicago und von 1945 bis 1954 Kanzler der Washington University in St. Louis. Sein Hauptarbeitsgebiet war die Röntgenspektroskopie. 1922 entdeckte er den Compton-Effekt, der von ihm kurz darauf theoretisch gedeutet wurde. Er erhielt dafür 1927 den Nobelpreis.

Nach Abschluss der Schule besuchte er das College von Wooster, wo sein Vater, Elias Compton, als Dekan und Professor tätig war. Nach erfolgreicher Graduierung (1913) wechselte Compton an die Princeton University, um dort Physik zu studieren. Hier erwarb er 1914 seinen Master Degree, zwei Jahre später folgte der Doktortitel. Nach einer Tätigkeit in der freien Wirtschaft arbeitete er für ein Jahr (1919) an der Cambridge University (Massachusetts). 1920 erhielt Compton den Ruf der Washington University (Saint Louis, Missouri). Er wechselte 1923 an die Universität von Chicago. Von 1942 bis 1945 war Compton im Rahmen des Manhattan Projektes Leiter der Plutoniumforschungsabteilung (zur Erstellung von Atomwaffen). Nach dem 2. Weltkrieg kehrte er nach Saint Louis (Missouri) zurück.

Compton untersuchte um 1922 die Streuung von monochromatischen Röntgenstrahlen an Kristallen und machte folgende Beobachtung: Die gestreute Strahlung wies eine geringere Energie und eine größere Wellenlänge auf, als die Strahlung vor der Streuung. Dieses Versuchsergebnis deutete er, dass die Wellenlänge hochenergetischer elektromagnetischer Strahlung sich ändert, wenn sie an Elektronen gestreut wird. Demzufolge, so folgerte Compton weiter, muss die Strahlung Teilchencharakter besitzen. Er fand schließlich folgende Erklärung: Röntgenstrahlen setzen sich, wie andere elektromagnetische Strahlen, aus Lichtquanten oder Photonen zusammen. Trifft ein Photon, mit einer bestimmten Energie und einem bestimmten Impuls, auf ein Elektron, dann überträgt es beim Zusammenprall einen geringen Anteil seiner Energie und seines Impulses auf das Elektron. Das Photon wird unter einem bestimmten Winkel gegen die Einfallsrichtung abgelenkt, während das Elektron unter einem anderen Winkel ausweicht (Rückstoßelektron). Er hatte hiermit den später nach ihm benannten Compton-Effekt entdeckt. Nur wenig später gelang es seinem schottischen Kollegen Charles T.R. Wilson die »ausweichenden« Elektronen mit einer Nebelkammer nachzuweisen. Für diese Arbeiten teilten sich Compton und Wilson 1927 den Nobelpreis für Physik. Neben den Arbeiten mit Röntgenstrahlung und Gammastrahlung beschäftigte sich Compton auch mit Kettenreaktionen und kosmischen Strahlen. (Quelle: leifi.physik.uni-muenchen.de)

Bearbeitungsstand: Februar 2008

Weitere Informationen zur Entwicklung der Atombombe

siehe auch: Gammastrahlen
siehe auch: Kettenreaktion
siehe auch: Manhattan-Projekt

Corporal-Rakete

engl.: Corporal missile

Die Corporal-Rakete (MGM-5) war die erste Boden-Boden-Rakete der amerikanischen Streitkräfte, die über einen atomaren Sprengkopf (W-7) verfügte. Die Sprengkraft variierte je nach Gefechtskopftyp von 8-61 KT. Die Höchstreichweite des Waffensystems Corporal lag bei ca. 140 km. Bereits bei ihrer Einführung erwies sich die Corporal bei Testschießen in Schottland als wenig zuverlässig. Die Trefferwahrscheinlichkeit lag bei weniger als 50 Prozent, weswegen ihr Einsatz gegen Truppen des Warschauer Pakts als unzweckmäßig eingestuft wurde. Erst die nachfolgenden Waffensysteme „Honest John“ und „Sergeant“ erreichten die geforderte Zielgenauigkeit.

Während der Zeit des Kalten Krieges waren ab Mitte der 1950er Jahre bis 1964 insgesamt sechs US-amerikanische Artillerieeinheiten mit der Corporal-Rakete in Deutschland stationiert:

-1st Bn, 39th Arty (Stationierungsort Augsburg)
-1st Bn, 38th Arty (Stationierungsort Babenhausen)
-2nd Bn, 81st Arty (Stationierungsort Erlangen)
-2nd Bn, 82nd Arty (Stationierungsort nicht bekannt)
-2nd Bn, 84th Arty (Stationierungsort nicht bekannt)
-2nd Bn, 40th Arty (Stationierungsort nicht bekannt.) (LL)

Bearbeitungsstand: März 2012

siehe auch: Honest-John-Rakete
siehe auch: KT-Wert
siehe auch: Sergeant-Rakete

Counterproliferation

Ende 1993 veröffentlichte das US-amerikanische Verteidigungsministerium eine neue Strategie zum Umgang mit der Weiterverbreitung von ABC-Waffen. Sie basierte auf der geheimen von Bill Clinton erlassenen Direktive PDD/NSC 18. Die neue Strategie zielte u. a. auf:

  • die Entdeckung von Programmen zur Herstellung von Atom-, Bio- und Chemiewaffen und deren Trägersystemen;
  • die Überarbeitung der Einsatzplanung mit dem Ziel, dass US-Truppen auch gegen einen mit ABC-Waffen ausgerüsteten Gegner bestehen können;
  • die Beschaffung neuer Waffensysteme, mit denen auch unterirdisch gelegene Lagerstätten zerstört werden können;
  • den forcierten Aufbau der Raketenabwehr.

Vor allem aber ist die Counterproliferation darauf ausgerichtet, US-Interventionstruppen auch vor ABC-Waffen zu schützen - einschließlich der frühzeitigen Zerstörung vermuteter Produktions- oder Lagerstätten. (Quelle: taz Nr. 7227 vom 6.12.2003, Seite 4.)

Bearbeitungsstand: April 2006

siehe auch: Atomwaffe

Crailsheim

ehem. Atomwaffenstandort Deutschland

Das ehemalige US-Atomwaffenlager Crailsheim (genaue Koordinaten sind nicht bekannt) lag vermutlich auf dem ehemaligen Standortübungsplatz bei Crailsheim in Baden-Württemberg. Das Lager wurde ausschließlich von der US-Army betrieben und bewacht. Hier lagerte die atomare Munition für das 2nd US Battalion, 42nd Field Artillery.

Dabei handelte es sich bis in die 1970er Jahre um Atomsprengköpfe für die Kurzstreckenrakete Sergeant. Die Sergeant war mit dem Nukleargefechtskopf W-52 ausgerüstet, der über eine Sprengleistung von 200 KT verfügte.

Ab 1974 folgten die Sprengköpfe für das Nachfolgesystem Lance. Dabei handelte es sich um den Nukleargefechtskopf W-70, der über eine variable Sprengleistung von 1-100 KT verfügte:

Version Mod.0: 1.000 t
Version Mod.1: 10.000 t
Version Mod.2: 100.000 t
Version Mod.3: 750 t
Version Mod.4: 1.250 t

Insgesamt gab es sechs US-Bataillone mit „Lance“-Raketen in Deutschland:

V. Corps: Hanau, Wiesbaden, Gießen.
VII. Corps: Aschaffenburg, Crailsheim und Herzogenaurach. (LL)

Weitere Informationen über Atomwaffenstandorte in Deutschland

Bearbeitungsstand: Februar 2012

siehe auch: Atomwaffenlager
siehe auch: Gefechtskopf
siehe auch: Lance-Rakete
siehe auch: Sergeant-Rakete

Cruise Missile

dt.: Marschflugkörper

Unter dem Begriff »Cruise Missile«(dt.: Marschflugkörper) versteht man grundsätzlich einen land-, luft-, oder seegestützten Flugkörper, der über einen eigenen Antrieb verfügt und sich auf einer aerodynamisch stabilisierten Flugbahn bewegt. Er ist in der Lage, nach dem Abfeuern ein zuvor ohne direkte »Line-of-Sight« Zielzuweisung programmiertes Ziel ohne weitere Einwirkung der Abschussplattform und ohne aktive Handlungen des Gegners (z.B. Abstrahlung von elektromagnetischen Wellen) zu finden und zu treffen. Seine Reichweite liegt dabei im mittleren bis Großen Bereich (d.h. 30 km und mehr).

Gemäß dieser Grunddefinition kann man heute zwei verschiedene Kategorien von Lenkwaffen unterscheiden, welche allgemein unter den Sammelbegriff »Cruise Missiles« zusammengefasst werden. Es sind dies einerseits die Land Attack Cruise Missiles (LACM), die sich zur Bekämpfung von Landzielen in einer komplexen Umgebung eignen, und andererseits die primär zur Schiffsbekämpfung verwendeten Anti-Ship Missiles (AShM). Als vermeintlich dritte Kategorie werden im Zusammenhang mit Cruise Missiles auch immer wieder Unmanned Aerial Vehicles (UAV) respektive Drohnen genannt. Diese Fluggeräte haben zwar zahlreiche Eigenschaften mit Cruise Missiles gemeinsam, da sie sich jedoch bezüglich verschiedener technischer Faktoren und einsatzspezifischer Parameter deutlich von richtigen Cruise Missiles unterscheiden, scheint es zweckmäßig, diese Kategorie separat als UVA zu betrachten.

Marschflugkörper haben erstmals im Golfkrieg von 1991 operationell bewiesen, wie wirkungsvoll sie gegen aufgeklärte statische Landziele verwendet werden können. Später sind sie in fast allen Luftkriegen eingesetzt worden, in welche die US-Luftstreitkräfte involviert gewesen sind, und dies in immer größerer Anzahl. Sie haben somit eine zunehmende Bedeutung für die moderne Land- und Seekriegführung. (Quelle: Thomas Bättig in Air Power Revue der Luftwaffe Nr.4 , 10/2005, S. 1)

Bearbeitungsstand: April 2008

siehe auch: CEP-Wert
siehe auch: Taktische Atomwaffen

CTBTO

Engl. Abkürzung für Comprehensive Test Ban Treaty Organisation, dt.: Organisation des Vertrags über das umfassende Verbot von Nuklearversuchen

Logo der CTBTO

Die zur Umsetzung des umfassenden Atomteststoppvertrages gegründete CTBTO (Comprehensive Nuclear Test Ban Treaty Organization) mit Sitz in Wien arbeitet bis zum Inkrafttreten des Vertrages auf provisorischer Basis. Sie wird in dieser Zeit durch die 1996 gegründete Vorbereitungskomission geleitet, die beauftragt wurde, für die Überprüfung des Testverbots ein weltumspannendes internationales Überwachungssystem (IMS = International Monitoring System) mit Messstationen und Laboren aufzubauen. Diese versetzen die Organisation in die Lage, selbst kleine unterirdische Nukleardetonationen weltweit nachzuweisen.

Bis Anfang 2016 waren 282 von insgesamt 337 Messstationen fertig installiert und funktionsfähig. Es gibt vier Typen von Stationen, um verschiedene Ereignisse zu messen:

  • Seismische Stationen messen Schockwellen im Boden und können zwischen natürlichen und menschengemachten seismischen Bewegungen unterscheiden.
  • Hydroakustische Stationen horchen nach Schallwellen im Meer, die auch von sehr weit weg noch gehört werden können.
  • Infraschallstationen können sehr tiefe Schallwellen aufspüren, die von großen Explosionen verursacht werden und nicht durch das menschliche Ohr zu hören sind.
  • Radionuklide-Stationen messen radioaktive Partikel und Edelgase in der Atmosphäre.


Im Vienna International Centre sitzt das provisorische technische Sekretariat, in dessen Internationalem Datenzentrum alle Daten aus den Überwachungsstationen gesammelt und ausgewertet werden. Das Sekretariat ist zudem beauftragt, Inspektionen vor Ort (On-site Inspections) bei Verdacht auf eine Vertragsverletzung vorzubereiten. Alle verdächtigen Ereignisse sollen untersucht werden, um festzustellen, ob ein Atomtest durchgeführt wurde.

Mit dem Inkrafttreten des Vertrags sollen die Vorbereitungskomission und das provisorische Sekretariat durch die CTBTO aufgelöst werden. xh (Quelle: CTBTO)

Bearbeitungsstand: Januar 2016

»Weitere Informationen über die Atomteststoppverträge

»Geschichte und Chronik der Atomteststoppverträge

Curie (Ci)

Veraltete Maßeinheit für Radioaktivität. Ein Curie steht für 37 Milliarden (37.000.000.000) Atomzerfälle in der Sekunde. Das ist die Menge Radioaktivität, die in einem Gramm Radium-226 vorhanden ist. (IPPNW)

Anmerkung: Marie Curie (7.11.1867-4.7.1934) untersuchte die Strahlung des Urans mittels piezoelektrischer Verfahren, die ihr Ehemann Pierre (15.5.1859-19.4.1906) entwickelt hatte. Marie Curie war die erste, die den Begriff radioaktiv zur Beschreibung von Elementen verwendete, die bei der Spaltung ihrer Atomkerne Strahlung abgeben. Pierre Curie beteiligte sich an den Forschungen seiner Ehefrau, nachdem er seine eigenen Arbeiten zum Magnetismus beendet hatte. Sie entdeckten 1898 gemeinsam die beiden neuen Elemente Radium und Polonium.

Bearbeitungsstand: März 2012

CURIE Marie, Pierre

1867-1934 bzw. 1859-1906

Pierre Curie wurde am 15. Mai 1859 in Paris geboren und studierte an der Sorbonne Physik. Mit seinem Bruder Jacques beobachtete er 1880, dass ein elektrisches Potential entsteht, wenn man einen Quarzkristall mechanisch deformiert. Die Brüder nannten das Phänomen Piezoelektrizität. Außerdem entdeckte er, dass magnetische Substanzen bei bestimmten Temperaturen ihre magnetischen Eigenschaften vom Ferro- zum Paramagnetismus ändern.

Marja Sklodowska (Marie Curie) wurde am 7. November 1867 in Warschau geboren. Bis 1883 besuchte sie das Mädchengymnasium in Warschau. Danach war sie bis 1891 als Gouvernante angestellt, um den Lebensunterhalt für sich und das Medizinstudium ihrer Schwester Bronislawa zu verdienen. Im September 1891 ging sie nach Paris und studierte an der Sorbonne, da für sie als Frau ein Studium in Warschau nicht möglich war. 1893 bestand sie als Jahrgangsbeste die Abschlussprüfung in Physik. Dort lernte sie auch Pierre Curie kennen, den sie 1895 heiratete. In diesem Jahr wurde Pierre Professor an der École de physique et de chimie in Paris.

Marie Curie untersuchte die Strahlung des Urans mittels piezoelektrischer Verfahren, die ihr Ehemann entwickelt hatte. Sie war die erste, die den Begriff radioaktiv zur Beschreibung von Elementen verwendete, die bei der Spaltung ihrer Atomkerne Strahlung abgeben. Pierre Curie beteiligte sich an den Forschungen seiner Ehefrau, nachdem er seine eigenen Arbeiten zum Magnetismus beendet hatte. Sie entdeckten 1898 die beiden neuen Elemente Radium und Polonium (benannt nach Maries Geburtsland Polen).

Als erste Frau in der Geschichte erhielt Marie Curie 1903 gemeinsam mit Ihrem Mann und Antoine Henri Becquerel den Nobelpreis für Physik für ihre Forschungen zur Radioaktivität.

Im folgenden Jahr wurde Pierre Curie als Professor für Physik an die Sorbonne berufen und 1905 als Mitglied der französischen Akademie aufgenommen. Am 19. April 1906 starb er bei einem Verkehrsunfall.

Marie Curie führte die Arbeiten weiter und erhielt 1911 zum ersten Mal in der Geschichte einen zweiten Nobelpreis, dieses Mal in Chemie, für ihre Arbeit zum Radium und zu Radiumverbindungen. 1914 übernahm sie die Leitung des Pariser Radiuminstituts. Durch eine Überdosis Strahlung ausgelöst, erkrankte Marie Curie an perniziöser Anämie. Am 4.Juli 1934 verstarb sie im Sanatorium in Sancellemoz (Schweiz). (Quelle: physik.tu-muenchen.de)

Bearbeitungsstand: September 2007

Cut-Off

engl.: Fissile Material Cut-Off

Verhandlungen über einen Produktionsstopp von Atombombenstoffen

Die Beendigung der Produktion von spaltbaren Materialien - Plutonium und hochangereichertem Uran - für Waffenzwecke (Cut-Off) steht schon seit Jahrzehnten auf der Tagesordnung der Abrüstungskonferenz. Seit den späten 1990er Jahren ist das Vorhaben jedoch in den Hintergrund gerückt. Zwischen 1997 und 2003 wurde ein Fortkommen der Verhandlungen dadurch blockiert, dass keine Einigung über das Problem der Reduzierung von bereits vorhandenen Beständen von Plutonium und hochangereichertem Uran - über die die USA in erheblichem Umfang verfügen - erzielt werden konnte.

Die USA haben im Mai 2006 der Genfer Abrüstungskonferenz einen neuen Vorschlag für einen Produktionsstopp für spaltbare Materialien vorgelegt. Auf diesem Wege könnten die Verhandlungen über ein Verbot der Herstellung von Atomwaffen innerhalb eines Jahres abgeschlossen sein, so die USA. Es sei notwendig, dem Iran und Nordkorea eine atomare Aufrüstung zu verwehren. Gleichzeitig lehnen es die USA ab, ein System zur Überprüfung (Verifikation) der Einhaltung des Produktionsstopps einzurichten. Genau dies ist allerdings für einige andere Staaten unannehmbar, so dass eine Ablehnung des Vorschlags durch die Konferenz wahrscheinlich ist.

Die USA berufen sich bei ihrer Ablehnung eines Verifikationssystems darauf, dass die Überprüfung eines Produktionsstopps nicht durchführbar sei. Hintergrund dieser Haltung ist vermutlich, dass die USA es ablehnen, eigene Produktionsanlagen von internationalen Beobachtern inspizieren zu lassen. Abrüstungsgruppen kritisieren die USA für ihre Position, da das Land damit die Verhandlungen blockieren würde.

Das »International Panel on Fissile Material«, das von dem US-Atomphysiker Frank von Hippel an der Princeton-Universität geleitet wird, hat Anfang 2006 einen Bericht veröffentlicht, in dem eine Lösung der Verhandlungsprobleme skizziert wird. Demnach soll in dem Vertrag eine Staffelung eingefügt werden, damit er nach und nach in seinem Umfang erweitert werden kann und die Verifikation robuster wird.

So könnten anfangs z.B. die Atomwaffenstaaten ihre Anlagen und Materialien bei der IAEO zur Kontrolle lediglich anmelden und den Produktionsstopp im militärischen Sektor erst in einer späteren Phase verifizieren lassen.

Außerdem sollten Materialien für Atomwaffen und Marinereaktoren deklariert werden, später sollten sowohl alle Materialien in militärischen und in zivilen Anlagen, als auch die vorhandenen Bestände mit eingeschlossen werden. Weiterhin sollten verbindliche Verpflichtungen formuliert werden, wonach keine Transfers vom zivilen zum militärischen Bereich durchgeführt werden dürften. Militärische und zivile Bestände müssten nach und nach reduziert werden. Somit könnte ein bloßer Produktionsstopp über einen längeren Zeitraum zu einem breiteren Kontrollsystem für spaltbare Materialien ausgebaut werden.

Israel hat sich eindeutig gegen ein Produktionsverbot positioniert. Israel habe Probleme, Ersatzteile zu besorgen, weil das Land nicht den Atomwaffensperrvertrag unterzeichnet hat. Falls der vorgelegte Entwurf zum Verbot in Kraft treten würde, könnte Israel wegen seines Atomwaffenprogramms, das bisher ca. 200 Atomwaffen unterhält, unter Druck geraten.

Indien, das ebenfalls den Atomwaffensperrvertrag nicht unterzeichnet hat, befürwortet einen verifizierbaren Vertrag. Ein Produktionsstopp für Indien wäre eine wichtige Eindämmung seines Atomwaffenprogramms, das momentan unter gar keiner Kontrolle steht. Auch das sehr umstrittene Abkommen zur nuklearen Kooperation zwischen den USA und Indien tangiert das militärische Programm nicht. Kritiker meinen, Indien sollte erst einen Produktionsstopp für Waffen einführen, bevor die USA einen atomaren Handel mit Indien betreiben, um sicher zu sein, dass ihre Hilfe nicht zur Atomwaffenproduktion beitragen würde. Ein solcher Schritt würde auch gegen das Wettrüsten in der Region helfen.

Frankreich, Russland, die USA und Großbritannien halten sich bereits an ein Produktionsmoratorium für Waffenzwecke, China vermutlich auch. (XH)

Bearbeitungsstand: November 2006