COHEN Samuel

1921 -

Der Physiker Samuel T. Cohen wurde 1921 in New York geboren. Er gilt als der Erfinder der Neutronenbombe. Ab 1944 gehörte er zu den Mitarbeitern des so genannten Manhattan-Projekts. Er war verantwortlich für die Berechnungen des Verhaltens von Neutronen in der Atombombe »Fat Man«, die am 9. August über Nagasaki gezündet wurde.

Samuel Cohen war überzeugt von der Idee der Neutronenbombe als einer, im Vergleich zu anderen Kernwaffen, sauberen Bombe (clean bomb). Die Idee einer »sauberen Bombe« ging davon aus, dass Neutronenbomben bis zu 95% der von ihnen freigesetzten Energie aus der Kernfusion beziehen, was den radioaktiven Fallout und damit die langfristige Kontamination des Einsatzgebietes stark reduzieren würde.

Cohen plante eine Kernwaffe auf Fusionsbasis, die idealerweise ihre gesamte Energie in Form von Neutronen-Strahlung freigibt. Die so freigesetzte Strahlung würde alles biologische Leben in unmittelbarer Umgebung töten und im Gegensatz zu herkömmlichen Atomwaffen nur kurzlebige Sekundärstrahlung zurück lassen. Die Sprengkraft der Bombe sollte einem Zehntel der Hiroshima-Bombe entsprechen, die, wenn sie in einer Höhe von 1 km (3000 Fuß) gezündet würde, alles Leben im Umkreis von ca. 1,6 km töten sollte, ohne schwere Explosionsschäden zu verursachen.

Cohen vertrat die Meinung, dass eine solche Bombe zivilisierter sei als zum Beispiel eine Wasserstoffbombe mit ihrem riesigen Zerstörungspotential. Die Opfer wären entweder sofort tot oder würden sich nach einer Phase der Übelkeit wieder erholen. Somit war die Neutronenbombe in seinen Augen eine moralisch vertretbare Waffe. (Zitat: »Die Neutronenbombe wird die moralischste Waffe sein, die jemals erfunden wurde«.)

Während des Vietnamkrieges setzte sich Cohen erfolglos für den Einsatz kleiner Neutronenbomben ein, um den Krieg schneller zu beenden und amerikanischen Verluste zu vermeiden. Seiner Meinung nach war die Neutronenbombe für den Kampf gegen den Vietkong besonders geeignet, dessen Taktik darin bestand, sich in Höhlen und Wäldern Zuflucht zu suchen. Der damalige Verteidigungsminister McNamara ordnete allerdings an, keine Nuklearwaffen, egal welchen Typs, im Vietnamkrieg einzusetzen.

Erst in den 1980er Jahren begannen die USA unter Präsident Ronald Reagan mit dem Bau von Neutronenbomben. Insgesamt wurden 700 Neutronenbomben, 350 Granaten und 350 Sprengköpfe vom Typ W70 für Raketen vom Typ Lance gebaut.

Im Gegensatz zu Cohens ursprünglicher Planung, die Waffen in großer Höhe detonieren zu lassen, wurden diese aber so gebaut, dass sie in unmittelbarer Bodennähe detonieren. Damit sollte eine vom Militär gewünschte Maximierung des Explosivschadens erreicht werden. Insgesamt wurden zwei verschiedene Gefechtskopftypen entwickelt. Selbst nach Cohens eigenen Berechnungen hatte der größere der beiden Typen eine höhere Sprengkraft als die Hiroshimabombe.

Die entwickelten Waffen waren ausschließlich für den Einsatz in Europa, im Falle einer sowjetischen Invasion, eingeplant. Sie sollten auf dem Territorium verbündeter Staaten eingesetzt werden und waren entgegen Cohens ursprünglichen Entwürfen auf die Erzeugung von maximalen Explosivschäden hin ausgerichtet. Diese Planung stand im Widerspruch zu Cohens selbst erklärtem Bestreben, Schäden zu minimieren und Opfer unter der Zivilbevölkerung durch kleinräumige Wirkung zu vermeiden.

Die ablehnende Haltung der europäischen Verbündeten gegenüber dieser Waffenform führten dazu, dass diese niemals in Europa stationiert wurden und damit strategisch wertlos waren, da sie als taktische Atomwaffen, also für den Einsatz im Gefechtsfeld, geplant waren. Unter Reagans Nachfolger Präsident George Bush wurde das komplette Arsenal an Neutronenbomben vernichtet. (LL)

Bearbeitungsstand: März 2007

siehe auch: Fallout
siehe auch: Fat Man
siehe auch: Manhattan-Projekt

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