Brüggen

ehem. Atomwaffenstandort Deutschland

Die Air Base Brüggen wurde von der Royal Air Force betrieben. Dazu standen von 1969 bis 1975 F-4 Phantom II als Jagdbomber zur Verfügung. Ab 1975 wurden diese durch SEPECAT Jaguar ersetzt. Beide Waffensysteme waren atomwaffenfähig. Die entsprechenden Atombomben waren im ehemaligen Atomwaffenlager Brüggen gelagert, das sich auf der Air Base Brüggen (51°11’41“N, 06°08’08“O) ca. 22 km westlich der Stadt Mönchengladbach in Nordrhein-Westfalen befand. Über Anzahl und Sprengkraft der Bomben gibt es keine Angaben.

Ab 1984 wurde die Royal Air Force auf den Tornado GR1 umgerüstet. Gleichzeitig wurde die Air Base mit dem amerikanischen Weapon Storage and Security System (WS3) ausgerüstet. Die gehärteten Flugzeugunterstände QRA (Quick Reaction Alert) befanden sich im westlichen Bereich der Air Base Brüggen (51°11’43“N, 06°07’02“O). In den 10 sogenannten “Grüften” konnten insgesamt maximal 40 atomare Fliegerbomben eingelagert werden. (LL)

Dabei handelte es sich um britische Atomwaffen vom Typ WE-177. Diese Bomben waren taktische Wasserstoffbomben, die in den Versionen A (0.5-10 KT), B (450 KT) und C (200 KT) zur Verfügung standen. Sie wurden von Mitte der 1960er Jahre bis Ende der 1970er Jahre produziert. Seit dem Jahr 1982 benutzt die britische Luftwaffe Bomben des Typs WE-177A zur Bewaffnung ihrer Tornado-Jagdbomber.

Befürchtungen, die WE-177 Atombomben besäßen eine unzureichende Sicherheit, könnten dazu beigetragen haben, dass die britische Regierung entschied, diese Waffen früher als geplant außer Dienst zu stellen. Am 4. April 1995 wurde bekannt gegeben, dass bis zum Jahre 1998 alle WE-177 außer Dienst gestellt werden. Gerüchten zufolge sollen bis Ende 1996 alle WE-177 nach Großbritannien zurückverlegt worden sein. (Quelle: Otfried Nassauer, Amerikanische Nuklearwaffen in Europa 1996-97)

Am 2. Mai 1984 ereignete sich auf der Air Base ein Unfall, wobei eine Atombombe von einem Transportwagen stürzte und beschädigt wurde. Dabei handelte es sich um eine Nuklearwaffe vom Typ WE-177C, die aus ca. 40 Zentimeter Höhe auf den Betonboden schlug, so dass der Transportbehälter verbeult wurde. Der Fliegerhorst wurde sofort abgeriegelt. Der Sprengkopf wurde geröntgt und dann zur Reparatur nach Großbritannien ausgeflogen. Der Zwischenfall wurde von der Royal Air Force als einer der schwerwiegendsten Unfälle mit Atomwaffen in den 1980er Jahren eingestuft. (LL)

Bearbeitungsstand: Februar 2012

Weitere Informationen über Atomwaffenstandorte in Deutschland


siehe auch: KT-Wert
siehe auch: QRA-Stellung
siehe auch: Wasserstoffbombe
siehe auch: WE-177-Bombe

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