Buschehr (Iran)

engl.: Bushehr

Im Februar 2009 wurde in der Hafenstadt Buschehr das erste iranische Atomkraftwerk fertig gestellt. Die Planung begann bereits in den 1970er Jahren, als der damalige Schah Mohammed Resa Pahlewi den Bau eines Atomkraftwerkes mit zwei 1200-Megawatt-Reaktoren an den deutschen Siemenskonzern erteilte. Doch wegen der Islamischen Revolution 1979 und dem darauf folgenden Krieg zwischen Iran und Irak (1980 bis 1989) verfolgte Teheran das Projekt zunächst nicht weiter. Erst nach dem Tod des Ayatollah Khomeini 1989 wandte sich die iranische Regierung wieder dem Großprojekt zu. Da Teheran inzwischen die Unterstützung des Westens verloren hatte, erklärte sich Russland 1994 bereit, die Anlage fertig zu stellen. Nach langen Verhandlungen unterzeichneten beide Seiten 1995 einen Vertrag über eine Milliarde Dollar für die Wiederaufnahme der Bauarbeiten.

Das Projekt sah jetzt nur noch einen Druckwasserreaktor mit einer Leistung von 1000 Megawatt vor. Für dessen Betrieb ist angereichertes Uran erforderlich, das auch zum Bau von Atomwaffen verwendet werden kann. Gemäß Vertrag soll Russland den nuklearen Brennstoff für die Anlage liefern und der Iran das gebrauchte Material nach Russland zurückschicken. Insgesamt waren über 2000 russische Ingenieure und Arbeiter in Buschehr im Einsatz. Bei den Bauarbeiten kam es immer wieder zu Verzögerungen, da die vorhandene Siemenstechnik an die russischen Standards angepasst werden musste. Zusätzlich gab es finanzielle und vor allem zunehmend politische Schwierigkeiten, insbesondere der Streit um das iranische Atomprogramm verzögerte die Baumaßnahmen. Westliche Beobachter vermuteten, dass Moskau die Fertigstellung der Anlage systematisch verzögerte, um den Iran zu mehr Transparenz in seinem Atomprogramm zu zwingen. Die USA aber auch Staaten der EU verdächtigen den Iran, unter dem Deckmantel eines zivilen Programms die Entwicklung von Atomwaffen voranzutreiben.

Nach einem ersten Testbetrieb ohne atomare Brennstäbe soll das Atomkraftwerk Buschehr im Laufe des Jahres 2009 seinen regulären Betrieb aufnehmen. (Quelle: Giessener Allgemeine Zeitung, 26.2.2009, S. 4)

Bearbeitungsstand: März 2009

Weitere Informationen zum iranischen Atomprogramm

zurück