Bitburg

ehem. Atomwaffenstandort Deutschland

Der ehemalige Atomwaffenstandort Bitburg (49°57'19“N, 06°33'54“O) lag im Bereich des Flughafens Bitburg unmittelbar südöstlich der Stadt in der Eifel. Hier war ab 1954 die 1st Pilotless Bomber Squadron (Light) stationiert, die ab März 1956 in 1st Tactical Missile Squadron umbenannt wurde. Die Staffel verfügte über 357 Soldaten mit insgesamt 24 Atomwaffen Matador, die auf drei Abschussbasen verteilt waren: Steinborn, Rittersdorf und Idenheim. Weitere Stationierungsorte waren Sembach und Hahn (Rheinland-Pfalz). Somit waren bis einschließlich 1962 insgesamt 72 Matador-Flugkörper in ständiger Gefechtsbereitschaft. Ab 1962 begann die Ausmusterung der Matador, die durch die Pershing 1 Rakete ersetzt wurde.

Der Marschflugkörper Matador verfügte auch über einen konventionellen Sprengkopf,  war aber in der Regel für den atomaren Einsatz vorgesehen. Dafür wurde der atomare Gefechtskopf W5 mit einer Sprengkraft von 50 KT vor Ort bereitgehalten. (LL)

 

Ab 1956 waren auf der Airbase auch ständig atomwaffenfähige Flugstaffeln der US-Airforce stationiert. Dabei handelte es sich zunächst um Maschinen vom Typ F-100 Super Sabre. Ab Mai 1961 folgten modernere Jagdbomber vom Typ F-105 Thunderchief, die ausschließlich für den atomaren Einsatz vorgesehen waren. Dazu verfügten sie über taktische Atombomben vom Typ Mk 28 und Mk 43 .

Bei der Mk 28 handelte es sich um die erste amerikanische Waffe dieser Art. Nach einem Baukastenprinzip konnte diese Waffe in 5 verschiedenen Abwurfvarianten zusammengesetzt werden, um verschiedenen Trägersystemen gerecht zu werden. Bei der Version für die F-104 handelte es sich um die 'full fuzed' Version Mk.28 FUFO, die den gebremsten Abwurf von schnellen Jet's im Tiefflug erlaubte und weiter über eine Sprengkraft von 1100 Kilotonnen verfügte. Die Abwurfhöhe lag zwischen 91 und 183 Metern.

Ab 1966 erfolgte die Umrüstung auf den Jagdbomber F-4 Phantom. Diese Waffensystem wurde ab 1968 mit der Mk.43 Atombombe ausgestattet. Die Waffe verfügte über ein Gewicht von knapp 1000 kg und einer unveränderlichen Sprengwirkung von 1 Megatonne. Sie war als Außenlast speziell für den Abwurf von schnell und tieffliegenden Jagdbombern entwickelt worden. Ebenso wie bei der Mk.28 sprach man von einer "sauberen" Atomwaffe, weil deren Sprengkraft zu über 50% aus der Kernverschmelzung resultierte, d.h. die radioaktive Verseuchung war dabei geringer. Ständige Weiterentwicklungen und Erprobungen fügten ab 1968 die Mk.57 Atombombe mit einer vergleichsweise minimalen Sprengkraft von 5-20 Kt als Ergänzung dem A-Waffenarsenal hinzu.

Ab dem Jahr 1975 wurde die Version Mk.43 von der Mk/B 61 Abwurfwaffe abgelöst. Dabei handelte es sich um eine frei fallende Fliegerbombe, von der fünf verschiedenen Modelle existierten (B-61-3, -4, -7, -10 und -11). Die B-61-11 ist auch als nuklearer "Bunker Buster" bekannt. Alle Modelle besaßen eine variable Sprengkraft: Modell 3 bis zu 45 Kilotonnen, Modell 4 bis zu 170 Kilotonnen, bis hin zu maximal 340 Kilotonnen, was mehr als der 26-fachen Zerstörungskraft der Hiroshima-Bombe entspricht.

Über die Anzahl und den Zeitraum der am Standort Bitburg eingelagerten Atombomben gibt es keine näheren Angaben. (LL)

Bearbeitungsstand: August 2012

Weitere Informationen über Atomwaffenstandorte in Deutschland

siehe auch: Matador Marschflugkörper
siehe auch: KT-Wert
siehe auch: Sprengkopf

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