Amchitka

Atomtestgelände, Alaska/USA (Nordpazifik)

Cannikin Sprengladung. Foto: LANL

Auf der kleinen nordpazifischen Insel Amchitka (51°10'N, 178°55'O) wurden insgesamt drei unterirdische Atombombentests durchgeführt. Vor allem der umstrittene „Cannikin-Test” führte zu großem Widerstand, da man befürchtete, er könne Erdbeben oder Tsunamis auslösen. Im Zuge der Proteste gegen die Atomdetonationen auf Amchitka entstand die Anti-Atombewegung Greenpeace.

Hintergrund
Um Atombomben testen zu können, deren Sprengkraft zu groß für das Testgelände in Nevada war, wählte die US-amerikanische Atomenergiekommission (AEC) die kleine Alëuteninsel Amchitka aus – einen militärischen Außenposten des Zweiten Weltkrieges, nur etwa 140 Kilometer entfernt vom sowjetischen Marinestützpunkt Petropawlowsk in Sibirien. Die Insel war zwar unbewohnt, aufgrund ihres vulkanischen Ursprungs jedoch tektonisch höchst instabil. Dennoch zündeten die US-Streitkräfte am 29. Oktober 1965 die Atombombe „Long Shot” mit einer Sprengkraft von 80 KT (Kilotonnen) in einem 700 m tiefen Loch. Es sollten so Daten gewonnen werden, um künftige unterirdische Atombombentests der UdSSR besser aufspüren zu können.

„Milrow”, eine zweite Testexplosion mit einer MT (Megatonne) Sprengkraft folgte am 2. Oktober 1969. Die Nachricht, dass ein dritter Test mit einer noch größeren Bombe auf Amchitka durchgeführt werden sollte, rief rasch internationale Kritik hervor. Viele befürchteten, dass eine unterirdische Explosion dieses Ausmaßes möglicherweise Erdbeben und Tsunamis auslösen könnte. In Vancouver gründete eine Gruppe von Antiatom-Aktivisten das „Don’t Make A Wave”-Komitee, aus dem später die Organisation Greenpeace hervorging. Trotz massiver Proteste setzten die USA ihre Testreihe fort und zündeten am 6. November 1971 eine 5 MT-Bombe in einem 1,8 km tiefen Schacht. Der sogenannte „Cannikin”-Test schuf eine gigantische unterirdische Höhle und einen 1,6 km großen Krater. Die Explosion hob den Boden um etwa sechs Meter, löste Erdrutsche aus und riss riesige Schneisen durch das gesamte Testgelände. Die Explosion wurde mit einem Wert von sieben auf der Richterskala registriert.

Folgen für Umwelt und Gesundheit
Das „International Institute of Concern for Public Health” (IICPH) gibt an, dass etwa 2.000 Arbeitskräfte an den Atombombentests auf Amchitka beteiligt waren. Sie alle waren nicht mit wirksamer Schutzkleidung ausgestattet und wurden radioaktiven Partikeln wie Tritium oder Cäsium-137 ausgesetzt. Es erfolgte lediglich eine beschränkte Überwachung der Strahlendosen. Aufzeichnungen über Strahlenexpositionen wurden rasch vernichtet, sodass es bis heute nicht möglich ist, das Ausmaß der Strahlenbelastung zu beziffern, dem die Belegschaft ausgesetzt war. Krebsraten in dieser Gruppe, insbesondere die von Leukämien und Lymphomen, sind Berichten zufolge jedoch hoch. Bis heute wurden allerdings keine umfassenden Studien oder groß angelegte medizinische Nachuntersuchungen durchgeführt. Radioaktives Material verbreitete sich in unterirdischen Höhlen, die durch die Explosion entstanden waren, sowie im Grundwasser, von wo es möglicherweise ins Meer gelangte. Die Annahme, dass tiefe Gesteinsschichten die freigesetzte Radioaktivität zurückhalten würde, erwies sich, wie Feldstudien zeigten, als optimistische Illusion. So fanden Greenpeace Biologen auf Amchitka in den Jahren 1996 und 1997 Plutonium-239/240 und dessen Zerfallsprodukt Americium-241 in Proben von Süßwasserpflanzen und Bächen. Greenpeace schloss daraus, dass es zu umfangreichen radioaktiven Lecks ins Grundwasser und in den Ozean gekommen sein musste. Die Region ist seismologisch instabil und beherbergt aktive Vulkane. Dadurch ist das langfristige Risiko eines Übertritts von Radioaktivität in den Pazifik relativ hoch. Betroffen wäre hiervon vor allem die indigene Bevölkerung der Alëuten, die Unangan, da sie ihren Nahrungsbedarf in hohem Maße durch Meerestiere deckt.

Ausblick
Aufgrund des beträchtlichen Expositionsrisikos und der nachweislich inadäquaten Überwachung der Strahlendosen erhielt die Amchitka-Belegschaft im Entschädigungsgesetz für Berufserkrankungen von Angestellten im Energiebereich aus dem Jahre 2000 den Status einer „Speziellen Expositionskohorte”. So haben sie zwar theoretisch einen Kompensationsanspruch, wenn sie an strahleninduzierten Erkrankungen wie Krebs erkranken. In der Praxis hat sich jedoch gezeigt, dass die Bewilligung von Leistungen nicht einfach ist. Auch sind die Rufe nach einer angemessenen Aufarbeitung der Folgen der Atombombentests auf Amchitka für die Umwelt und Gesundheit, vor allem der indigenen Bevölkerung der Nachbarinseln, nie abgeebbt. Auch sie sind Hibakusha. (Quelle: IPPNW-Ausstellung “Hibakusha weltweit“)

Bearbeitungsstand: August 2013

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