AAM

engl.: air-to-air missile/dt.: Luft-Luft-Rakete

Bereits im Ersten Weltkrieg wurden Luft-Luft-Raketen zur Abwehr von gegnerischen Luftschiffen eingesetzt. Sie waren allerdings sehr ungenau und verfügten nur über eine kurze Reichweite. Im zweiten Weltkrieg kam auf deutscher Seite die ungelenkte Luft-Luft-Rakete vom Typ R4/M-Orkan zum Einsatz. Von diesem Typ wurden bis Kriegende ca. 12.000 Stück hergestellt.
Eine Luft-Luft-Rakete besteht aus einem Antriebsteil, einem Lenksystem, einem Suchkopf und einem Gefechtskopf.

Die meisten Luft-Luft-Raketen verfügen über ein Feststofftriebwerk und können dadurch leichter gelagert und montiert werden. Allerdings besteht keine Möglichkeit, Raketen mit Feststofftriebwerk nach dem Abschuss nachzusteuern. Flugkörper mit Flüssigtreibstofftriebwerken können hingegen während des gesamten Fluges durch Veränderung der Treibstoffzufuhr in ihrem Flugverhalten beeinflusst werden.

Luft-Luft-Raketen erreichen Geschwindigkeiten zwischen Mach 2 und Mach 5. Dies ist abhängig von der Antriebsart, dem Gewicht und dem Einsatzzweck. Bei den Suchköpfen unterscheidet man:

  • passive Suchköpfe: Bei diesem Verfahren reagiert der Suchkopf auf die Wärmeabstrahlung, die vom Ziel ausgeht. Dieses Zielsuchsystem wird allgemein »fire-and-forget« ("Feuern und vergessen") genannt und kommt zum Beispiel bei der US-amerikanischen Sidewinder-Rakete vom Typ AIM zur Anwendung.

  • halbaktive Suchköpfe: Hierbei wird das Ziel von einem Radarstrahl des angreifenden Flugzeugs erfasst und der Suchkopf der Rakete folgt dem von der Oberfläche des Zieles reflektierten Radarstrahl.
  • aktive Suchköpfe: Hierbei kommt ein aktives Zielsuchsystem zum Einsatz, bei dem ein Radarsender und ein Radarempfänger in der Rakete vorhanden sind. Auch hierbei handelt es sich um ein »fire-and-forget« System.
  • Hybrid-Suchköpfe: Bei diesem Verfahren wird ein passiver Infrarot-Suchkopf mit einem scharfen optischen Suchkopf kombiniert. Ein Computer sorgt für eine optische Zielerfassung, wodurch Gegenmaßnahmen (z.B. Ablenkung durch Scheinziele) unwirksam werden.

Der Sprengkopf wird entweder durch einen Annäherungs- oder durch einen Aufschlagzünder ausgelöst. Heute kommen nur noch konventionelle Sprengköpfe zum Einsatz. In den 1960er Jahren verfügten die Vereinigten Staaten jedoch über eine ungelenkte nukleare Luft-Luft-Rakete, vom Typ „AIR-2 Genie“ mit einem ca. 1,5-KT-Sprengkopf zur Zerstörung gegnerischer Bomberverbände. (LL)

Bearbeitungsstand: Oktober 2006

siehe auch: Luft-Luft-Rakete
siehe auch: Abgereichertes Uran

ABELSON Philip Hauge

1913-2004

Philip Abelson, Foto: US-Energieministerium

Philip Hauge Abelson wurde am 27. April 1913 in Tacoma, USA, geboren. Er war studierter Physiker und Chemiker und hatte wesentlichen Anteil an der Entwicklung der Atombombe im Rahmen des Manhattan-Projekts. Er entwickelte den so genannten »Thermophoreseprozess« zur Uran-Anreicherung aus Uranhexafluorid. Damit schuf er die Voraussetzungen zur Entwicklung von Kernreaktoren und Kernwaffen. Nach Ende des 2. Weltkrieges befasste sich Abelson unter anderem mit der Entwicklung nukleargetriebener U-Boote. Von 1962 bis 1984 war er Chefredakteur der Wissenschaftszeitschrift Science. Er starb am 1. August 2004 in Bethesda, Maryland.

Bearbeitungsstand: September 2007

Weitere Informationen zur Entwicklung der Atombombe

siehe auch: Atombombe
siehe auch: Kernenergie
siehe auch: Kernwaffe
siehe auch: Manhattan-Projekt
siehe auch: UranhexafluoridM-Texte

Abgereichertes Uran

engl.: depleted uranium

Abgereichertes Uran in Form von DU-Munition (engl. depleted uranium) wurde zum ersten Mal im Golfkrieg 1991 durch US- und britische Truppen breitflächig eingesetzt. Es folgte der Einsatz von ca. 12 Tonnen durch die NATO in Bosnien und Jugoslawien Ende der 1990er. Im Jahr 2003 wurden sie abermals durch US- und britische Truppen im Irakkrieg benutzt. Aktuelle Schätzungen rangieren zwischen 110-165 Tonnen, die hauptsächlich in der Nähe von urbanen Zentren abgefeuert wurden. Es besteht ein begründeter Verdacht, dass die USA diese Munition auch in Afghanistan im Jahr 2001 eingesetzt haben, da dort Waffensysteme, die Uranmunition verwenden, zum Einsatz kamen. Zurzeit besitzen mindestens 16 Länder Uranwaffen in ihren Arsenalen.

DU-Munition enthält abgereichertes Uran (Uran-238). Dieser Abfallstoff entsteht bei der Uranaufbereitung für die Energiegewinnung und den Atomwaffenbau. Durch Uran-238 wird die Munition bei bleibender Durchschlagskraft kleiner und gewinnt an Geschwindigkeit und Reichweite. Bei einem Treffer kommt es zur Feinverteilung des Urans; es entzündet sich und Uranoxid wird freigesetzt.

Uran-238 ist sowohl ein radioaktiver Alphapartikel-Strahler als auch ein chemisches Gift. Gelangt es in den Körper, bewirkt es bei hoher Dosis eine Schwermetallvergiftung, bei niedriger Dosis schädigt es die Nieren.

Eingeatmete Isotope setzen das Lungengewebe der Strahlung aus, was zu Krebs führen kann. Es wird vermutet, dass im Irak aufgetretene Fehlgeburten und Missbildungen bei Neugeborenen mit der Verwendung von Uranmunition im Zusammenhang stehen.

Bei der Einatmung von Partikeln von unlöslichem Uran werden etwa 60% davon verschluckt, entweder sofort oder nach vorübergehendem Aufenthalt in Nase, Rachen, Luftröhre, Bronchien und Lunge. Nur ein kleiner Anteil von 0,2% des verschluckten Urans kann die Darmwand durchdringen und ins Blut gelangen. Der Rest wird einfach mit den Exkrementen ausgeschieden, ohne irgendeinen Schaden anzurichten.

Eigenschaften des abgereicherten Urans (DU)
Uranmetall hat mehrere Eigenschaften, die es sehr interessant für die Herstellung von Geschossen machen. Dabei ist es unwesentlich, ob es sich um natürliches oder abgereichertes Uran handelt.

Uran hat eine hohe Dichte von 19,1 g/cm³. Daher können Geschosse aus diesem Material Stahl besonders gut durchdringen. Zum Vergleich: Die Dichte von Eisen beträgt 7,9 g/cm³, die von Blei 11,35 g/cm³.

Uran entzündet sich selbst, wenn es fein verteilt wird. Wenn ein Urangeschoss eine Stahlpanzerung durchdringt, werden feine Uranpartikel abgetrennt, die dann hinter der Panzerung einen Brand auslösen können. (Quelle: IPPNW)

Bearbeitungsstand: März 2006

siehe auch: Alphastrahlen
siehe auch: Dosis

Abkommen zur Verhinderung eines Atomkrieges (AVA)

engl.: Agreement on the Prevention of Nuclear War

Am 22. Juni 1973 unterzeichneten die USA und die Sowjetunion ein Abkommen zur Verhinderung eines Atomkrieges. Damit gingen die beiden Vertragspartner über technisch-praktische Maßnahmen zur Verminderung des Kriegsrisikos hinaus und erweiterten ihre Sicherheitsmechanismen um das politische Instrument einer Konsultationsverpflichtung in Fällen nuklearer Konfliktgefahr. Sie erklärten, dass es das Ziel ihrer Politik sei, die Gefahr eines Atomkrieges und der Anwendung von Kernwaffen zu beseitigen und sofort in "dringende Konsultationen" einzutreten, wenn das "Risiko eines nuklearen Konflikts" drohe - sei es als Folge einer Verschlechterung der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen oder aufgrund einer Konfrontation zwischen anderen Ländern. (LL)

Bearbeitungsstand: Mai 2007

Stichworte: Kubakrise

ABM

engl.: anti-ballistic missile

Mit der Entwicklung moderner Großraketen entstand der Wunsch, diese mit Raketen oder anderen Technologien am Weiterflug zu hindern. Ballistische Raketen können große Nutzlasten auf einer vorausberechenbaren Flugbahn über weite Distanzen tragen. Anstrengungen zur Einführung von strategischer Raketenabwehr wurden bereits von den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion in den 1960er Jahren unternommen. Entsprechende Raketenabwehrsysteme werden auch als Anti-Ballistic Missile oder ABM-Systeme bezeichnet. Allgemein unterscheidet man zwischen Punktverteidigungssystemen, die kleine Flächen von einigen Dutzend Quadratkilometern abdecken und Flächenverteidigungssystemen, die einige hundert Quadratkilometer schützen sollen.

Das ABM-System Safeguard unter Präsident Nixon war 1975 einige wenige Monate in Betrieb und wurde 1978 demontiert, da das russische Nukleararsenal und insbesondere die Einführung von Mehrfachsprengköpfen wegen Überforderung des Systems eine Verteidigung obsolet machte. 1983 initiierte Präsident Reagan mit seiner »Star Wars«-Rede die »Strategic Defense Initiative« (SDI), die die USA durch boden- und weltraumgestützte Waffen gegen anfliegende Sprengköpfe schützen und die Abschreckung überwinden sollte. Die Sowjetunion begann in den späten 1950er Jahren mit den Planungen für einen Raketenabwehrgürtel, der Moskau schützen sollte. Die nuklear bestückten Galosh-Abfangraketen wurden 1978 in Dienst gestellt.

Bisher wurde kein zuverlässiges Abwehrsystem stationiert. Dies lag zum einen an den technischen Schwierigkeiten der Systeme, zum anderen an der Option für einen potenziellen Gegner durch verstärkte Rüstung seine Offensivarsenale auszuweiten und das System zu übersättigen. 1972 schlossen die USA und die Sowjetunion den ABM-Vertrag, der alle Formen einer territorialen Raketenverteidigung in der Erkenntnis verbot, dass eine nationale Raketenabwehr das Wettrüsten nur beschleunigte und dass ein ABM-System in einer akuten Krise gefährlich sein kann. Der ABM-Vertrag erlaubt jedoch die Beibehaltung einer begrenzten Abwehrfähigkeit zum Zweck einer Schadensbegrenzung. Inzwischen erklärte Präsident Bush die Kündigung des ABM-Vertrages. Der Vertrag ist seit dem 13.6.2002 obsolet. (Quelle: armscontrol.de)

Bearbeitungsstand: September 2007

siehe auch: ABM-Vertrag
siehe auch: Raketenabwehr
A-Texte

ABM-Vertrag

engl.: Anti-Ballistic Missile Treaty (ABM)

1972 schlossen die USA und die damalige Sowjetunion den ABM-Vertrag (zu dt.: Raketenabwehrvertrag). Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion wurden Russland, Kasachstan, Belarus (Weißrussland) und die Ukraine Rechtsnachfolger des Vertrags.

Der Vertrag spielte eine wichtige Rolle beim Versuch, das Wettrüsten im Kalten Krieg einzudämmen. Inhaltlich verbot er den Aufbau von nationalen (d.h. das Territorium von Russland oder den USA schützenden) Abwehrsystemen gegen ballistische Raketen. Außerdem schloss das Abkommen die Stationierung von Systemkomponenten für Raketenabwehr auf dem Meer, in Flugzeugen und im Weltraum aus.

Dahinter stand die Grundüberlegung, dass solch ein Abwehrsystem den Gegner nur zur Entwicklung neuer oder zur Stationierung von immer mehr Atomraketen provozieren würde, in der Hoffnung, das System so überwinden zu können. Der ABM-Vertrag zielte daher darauf ab, die gegenseitige Abschreckung zu erhalten, d.h. die uneingeschränkte gegenseitige Bedrohung der damaligen Supermächte mit ihren jeweiligen Langstreckenraketen.

Seit mehreren Jahren wollen die USA jedoch ein weltumspannendes Raketenabwehrsystem aufbauen, das auch Weltraumkomponenten umfasst. Dieses besonders von der Regierung unter George W. Bush verstärkte Programm hätte die Vereinbarungen des ABM-Vertrages verletzt. Daher haben die USA den Vertrag im Dezember 2001 gekündigt. Die Kündigung trat nach einer Frist von sechs Monaten im Juni 2002 in Kraft.

Präsident Bush begründete den Schritt mit seiner Wahrnehmung einer geänderten Welt, in der die Bedrohung nicht mehr länger von Russland oder anderen Großmächten ausginge, sondern das Land sich gegen Terroristen oder "Schurkenstaaten" schützen müsse. (LL)

Bearbeitungsstand: Juni 2016

»Weitere Informationen zum ABM-Vertrag

Abolition 2000

Abolition 2000 ist ein globales Netzwerk zur Abschaffung aller Atomwaffen (das englische Wort »abolition« heißt »Abschaffung«). Es entstand aus einem Ratschlag von BürgerInnengruppen, die sich für die Abschaffung der Atomwaffen einsetzen. Der Ratschlag verfolgte die NPT-Konferenz (Nuclear Non-Proliferation Treaty Renewal and Extension Conference) in New York im April 1995, bei der über die Verlängerung und Überarbeitung des Nichtverbreitungsvertrages (NPT) beraten wurde.

Als Hauptziel hatte Abolition 2000 angestrebt, dass mit Beginn des neuen Jahrtausends eine Atomwaffenkonvention in Kraft treten solle, in der sich die Atomwaffenmächte zur vollständigen Abschaffung ihrer Atomwaffenarsenale zu einem vorgegebenen Zeitpunkt verpflichten. Obwohl das Ziel nicht erreicht wurde, ist ein Modellentwurf für die Atomwaffenkonvention von Abolition-2000-Gruppen ausgearbeitet worden, der als offizielles UN-Dokument 1997 veröffentlicht wurde.

Bei einem Strategietreffen im November 1995 in Den Haag wurde vereinbart, mehrere Arbeitsgruppen einzurichten, die sich unter anderem mit folgenden Schwerpunktthemen befassen sollen:

  • Überwindung der Drohung mit Atomwaffen/juristische Themen
  • Vertragsentwurf einer Atomwaffenkonvention
  • Nato
  • Erneuerbare Energien
  • Gesundheitliche Auswirkungen von Strahlung
  • Waffenfähige Spaltmaterialien
  • Abgereichertes Uran
  • Nutzung von Kernenergie bei Weltraummissionen

Inzwischen hat Abolition 2000 über 2000 Unterstützergruppen. Es haben sich nationale Netzwerke gegründet. In Europa existiert auch ein länderübergreifendes Netzwerk. Das Abolition-2000-Netzwerk trägt die Kampagne »Abolition Now«!, die eine Aufnahme der Verhandlungen über die Abschaffung aller Atomwaffen bei der Überprüfungskonferenz des Atomwaffensperrvertrags im Jahr 2005 anstrebt. (XH)

Bearbeitungsstand: November 2004

Homepage Abolition 2000

siehe auch: Middle Powers Initiative
siehe auch: Nichtverbreitungsvertrag

Abrüstung

engl.: disarmament

Die Entstehung der klassischen Rüstungskontrolle ist auf die Problemlage der Ost-West-Konfrontation zurückzuführen. Abrüstung bildet das ältere Konzept, um den Gebrauch von Waffen durch deren Eliminierung einzuschränken.

Während sich Rüstungskontrolle nach dem 2. Weltkrieg eher auf die Steuerung von Rüstungsprozessen bzw. auf die Krisenprävention der Supermächte und den ungewollten Gebrauch von Waffen in bestimmten Gebieten und Situationen bezog, meint Abrüstung ganz konkret die Reduktion von verfügbaren, militärischen Instrumenten. Angesichts der technologischen Rüstungsdynamik ist zu unterscheiden, ob sich Abrüstung und Rüstungskontrolle auf vorhandene oder zu erwartende Rüstungspotentiale richten. Tatsächliche Abrüstung findet statt, wenn vorhandene Waffen verschrottet werden, vorbeugende Rüstungskontrolle, wenn die Forschung an noch im Labor- oder Erprobungsstadium befindlichen Waffensystemen vorzeitig beendet wird.

So wurden im Rahmen des INF-Vertrages sowohl stationierte Mittelstreckensysteme (Marschflugkörper, Raketen) verschrottet als auch für die Produktion benötigte Systeme verboten bzw. nicht mehr hergestellt.

Vollständige Abrüstung im eigentlichen Sinne des Wortes bedeutet streng genommen den Verzicht auf sämtliche militärischen Fähigkeiten. Rüstungskontrolle hingegen beschäftigt sich in erster Linie mit der rationalen Planung zur Verringerung des Kriegsrisikos. (Quelle: www.armscontrol.de)

Bearbeitungsstand: Januar 2006

siehe auch: ABM-Vertrag
siehe auch: Abschreckung
siehe auch: Atomteststopp
siehe auch: Atomwaffensperrvertrag
siehe auch: INF-Vertrag
siehe auch: Interkontinentalrakete
siehe auch: Mittelstreckenrakete
siehe auch: NATO-Doppelbeschluss

Abschreckung

engl.: deterrence

Das Konzept der Abschreckung ist kennzeichnend für das Atomwaffenzeitalter. Abschreckung zielt darauf, unerwünschtes Verhalten oder gar einen Angriff des Gegners dadurch zu verhindern, dass dieser mit dem Einsatz von Atomwaffen bedroht wird. Die atomare Abschreckung soll eine Art "Versicherungspolice" darstellen, falls Diplomatie oder andere Formen der Kriegsprävention versagen. Dabei wird davon ausgegangen, dass der Gegner vernünftig handelt, die Zerstörung seines Landes durch Atomwaffen um jeden Preis verhindern will und sich demgemäß abschrecken lässt.

Ausgangspunkt der Abschreckung ist die gegenseitige Verwundbarkeit. Beide Seiten streben danach, sich im Rüstungswettlauf Vorteile zu sichern, um notfalls stärker zu sein, auf jeden Fall aber eine gesicherte Zweitschlagskapazität zu behalten. Diese Bestrebungen führen zwangsläufig zu Hochrüstung und immer leistungsfähigeren Waffensystemen. Die verhängnisvolle Rüstungsspirale wird immer höher geschraubt. Unter den Bedingungen des atomaren Patts gibt es jedoch keinen entwaffnenden Erstschlag, weil selbst bei Einsatz aller verfügbaren Mittel nicht alle Atomwaffen des Gegners ausgeschaltet werden könnten. Das Dilemma dieses Konzepts ist, dass es auf Dauer funktionieren muss ‑ es kann aber nicht ausprobiert werden, ob es tatsächlich funktioniert.

Die atomare Abschreckung gilt den Atomwaffenstaaten und ihren Verbündeten seit Beginn des Atomwaffenzeitalters als Eckpfeiler ihrer Sicherheitsdoktrin. Viele glauben, die Abschreckung hätte einen Angriff auf den eigenen Staat oder sogar einen Dritten Weltkrieg verhindert. Das ist aber fraglich. Obgleich seit dem Zweiten Weltkrieg keiner der Atomwaffenstaaten selbst angegriffen wurde, waren sie doch alle in Kriege verwickelt und haben sie manchmal sogar verloren, trotz ihrer Atomwaffen.

Inzwischen gibt es immer mehr Zweifel an der Wirksamkeit der Abschreckung, besonders gegenüber einem verzweifelten Regime, religiösen Extremisten oder terroristischen Gruppen. In solchen Fällen wäre eine Drohung mit Atomwaffen absolut nutzlos.

Dabei gab und gibt es noch immer Bestrebungen, das Prinzip der atomaren Abschreckung zu verlassen, um aus einem atomaren Schlagabtausch als Sieger hervorzugehen. Für einen entwaffnenden oder nicht vergeltbaren Erstschlag wurden entsprechende Technologien und Geräte entwickelt. Dazu gehören die Verbesserung der Zielgenauigkeit von Raketen, Interkontinentalraketen mit Mehrfachsprengköpfen, die U-Boot-Bekämpfung und Raketenabwehrsysteme.

Im Mai 1982 veröffentlichte der spätere Berater des US-Präsidenten Ronald Reagan, Colin S. Gray, einen Artikel in der Washington Post, in dem er ausführt: »Im Kontext eines Atomkriegs über die Sowjetunion sprechen, heißt, über einen bestimmten Zielkatalog sprechen… Nehmen wir an, es handelt sich um hundert Ziele. Wenn wir all diese hundert Ziele treffen könnten, würden wir jedes Mitglied des Politbüros erwischen, jedes Mitglied des Zentralkomitees, wir würden alle entscheidend wichtigen Bürokraten töten, wir würden also dem sowjetischen Huhn den Kopf abschneiden«. Und in den Verteidigungsrichtlinien von Caspar Weinberger, US-Verteidigungsminister von 1984 bis 1988, heißt es: »Sollte die Abschreckung versagen und ein strategischer Atomkrieg mit der UdSSR [Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken] ausbrechen, dann müssen die USA die Oberhand behalten und in der Lage sein, die UdSSR dazu zu zwingen, die Feindseligkeiten zum frühest möglichen Zeitpunkt zu für die USA vorteilhaften Bedingungen zu beenden.«

Natürlich versuchte auch die Sowjetunion, mit den waffentechnologischen Entwicklungen der USA Schritt zu halten.

Probleme der Abschreckungsdoktrin

Neben der Gefahr eines tatsächlichen Einsatzes von Atomwaffen bringt die atomare Abschreckung weitere Probleme mit sich:

  • Die Abschreckungsideologie führt zur Weiterverbreitung von Atomwaffen, weil andere Staaten diese Politik nachahmen.
  • Es gibt stets Druck, die Arsenale zu modernisieren und damit das Wettrüsten weiter zu treiben.
  • Atomwaffen gefährden die ganze Welt, nicht nur einen Staat, und verletzen damit das humanitäre Völkerrecht.
  • Abschreckung fördert eine feindliche Einstellung zwischen Staaten, verhindert die Zusammenarbeit für wirkliche Sicherheit und erhöht damit die Instabilität.
  • Atomwaffen verursachen Gesundheits- und Umweltschäden bereits durch ihre Entwicklung und Herstellung.

General Lee Butler, ehemaliger Oberbefehlshaber der Nuklearstreitkräfte der USA, bewertete nach seinem Rücktritt von diesem Posten 1998 die atomare Abschreckung folgendermaßen:

„Der Glaube an Abschreckung brachte immer neue Generationen immer noch zerstörerischer Atomsprengköpfe und Trägersysteme hervor. Er führte zum Aufbau eines monströsen Verwaltungsapparates mit einem gigantischen Appetit und einer globalen Agenda. Er entzündete tiefste Gefühle, entfachte Fanatismus und Demagogie und setzte unkontrollierbare Kräfte in Gang. Und vor allem lebt im Namen dieses fortwährenden Glaubens und der Furcht, die mit ihm einhergeht, die Politik des Kalten Krieges fort und ihre Umsetzung, die strategisch überhaupt keinen Sinn macht. Dieser Glaube verursacht nach wie vor enorme Kosten und setzt die gesamte Menschheit unerhörten Gefahren aus. Ich finde das unerträglich.“ (Frankfurter Rundschau, 1.9.1999, S. 9.) (LL)

Bearbeitungsstand: Oktober 2004

siehe auch: Atomares Patt
siehe auch: Baruch-Plan
siehe auch: Erstschlag
siehe auch: Flexible Reaktion
siehe auch: Wettrüsten
siehe auch: Zweitschlagsfähigkeit

ADM

engl: Atomic Demolition Munition (ADM)

ADM mit Wissenschaftler, Foto: US-Verteidigungsministerium

Atomare Bodensprengkörper (ADM) sind so konstruiert, dass sie, unter der Erdoberfläche gezündet, ähnlich wie konventionelle Sprengmittel Krater und andere Hindernisse für vorrückende Bodentruppen schaffen. Es ist nur von den USA bekannt, dass sie über derartige Nuklearwaffen verfügen. Allerdings kann prinzipiell jede nukleare Sprengladung von geeigneter Stärke in relativ kurzer Zeit als Bodensprengkörper eingesetzt werden. Während des Kalten Krieges war der Einsatz von ADM im Rahmen der Vorneverteidigung an der innerdeutschen Grenze vorgesehen. (LL)

 

ADM unterscheiden sich im Rahmen der nuklearen Teilhabe von allen anderen Waffen dadurch, dass sich Trägersystem und Sprengsatz selbst nicht trennen lassen, dass also das übliche Verfahren durchbrochen wird, wonach sich der Träger im Besitz von NATO-Alliierten, der nukleare Sprengsatz selbst aber unter der Aufsicht der Amerikaner befindet. Stattdessen blieben die ADM als Ganzes in US-Obhut, auch Verlegen und Zünden wäre von US-Pionierzügen erledigt worden, die man zu diesem Zweck entsprechenden NATO-Armeekorps zugeteilt hätte. Alliierte Unterstützungseinheiten waren lediglich für Erdarbeiten und Sicherungsaufgaben zuständig. (Michael Grube)

In der Bundesrepublik lagerten ab Mitte der 1960er Jahre bis zu 200 ADM, die die USA der NATO zum Einsatz an der innerdeutschen Grenze zur Verfügung gestellt hatten. Über die Existenz der offiziell geheim gehaltenen Atomminen existieren verschiedenen Dokumente, die die atomare Aufrüstung zweifelsfrei belegen. Der Historiker Detlef Bald, der unter anderem Zugriff auf das Privatarchiv von Alt-Bundeskanzler Helmut Schmidt (SPD) hatte, geht davon aus, dass »nur etwa zwei Dutzend Menschen damals in die Pläne eingeweiht waren […] Die Atombomben sollten gezündet werden, wenn Deutschland angegriffen wird. Sie waren für den nuklearen Ersteinsatz geplant«. Damit widerlegt Detlef Bald die bisher unwidersprochene Auffassung von Forschern, Politikern und Generälen, die diese geheimen Atombomben in Deutschland als »Gerüchte« oder »Hirngespinste« der Friedensbewegung abgetan hatten.


Von offizieller Seite wurde alles unternommen, um die Existenz von ADM auf deutschem Boden zu verschleiern. Dies beweist auch der Offene Brief des Bundesministers der Verteidigung, Kai-Uwe von Hassel, vom 3. Mai 1965 an die DDR-Bevölkerung: »…Die Bundeswehr hat weder Atomwaffen noch ‚Atomminen’ zu ihrer eigenen Verfügung. Deshalb habe ich zu diesem angeblichen ‚Atomminengürtel’ am 20. Januar 1965 vor dem Deutschen Bundestag unmissverständlich erklärt: ‚Es gibt keine einzige Atommine im Einsatz. Es gibt kein Atomminenfeld, es gibt keinen Atomminengürtel, es gab keinen Plan, und die Bundesregierung hat nicht die Absicht, einen solchen Plan aufzustellen. Ich meine, es ist gut, wenn heute der Deutsche Bundestag feststellt, dass es derartige Pläne nicht gegeben hat, nicht gibt und nicht geben wird«. (Quelle: Dirk Drews: Die Psychologische Kampfführung, Mainz 2006, S. 130)

Tatsächlich waren die Atomminen an der innerdeutschen Grenze Realität. Die Sprengkraft der ADMs (Atomic Demolition Munition) und deren kleinerer Version, SADM (Special Atomic Demolition Munition), betrug 0,2 bis 45 Kilotonnen. Jede einzelne der großen so genannten Atomminen besaß damit die mindestens dreifache Zerstörungskraft der Hiroshima-Bombe.
Als Helmut Schmidt (SPD) 1969 Verteidigungsminister wurde, stoppte er den »todbringenden Unsinn«. Zusammen mit seinem US-Kollegen Melvin Laird erreichte er eine Rückverlegung der ADM in grenzferne US-Atomwaffendepots. Eine entsprechende Vereinbarung wurde in dem Dokument »Deutsche Einsatzbeschränkungen für ADM (National Constrains)« am 23. Oktober 1973 festgeschrieben.

Anfang 1984, vor dem Abzug der letzten ADM, waren noch 372 Exemplare in Westeuropa stationiert. (Quelle: Bald, Politik der Verantwortung, Berlin 2008)

Bearbeitungstand: Februar 2009

siehe auch: Kalter Krieg

AGM-28-Marschflugkörper

engl.: AGM Hound Dog cruise missile

AGM-28B Hound Dog, Foto: USAF Museum

Die AGM-28 war der erste atomare Marschflugkörper der US-Luftwaffe. Ab 1959 wurden B-52-Bomber mit dieser Luft-Boden-Rakete ausgerüstet. Jedes Flugzeug konnte zwei Marschflugkörper zum Einsatz bringen. Die Entwicklung hatte bereits 1957 mit dem Ziel begonnen, einen atomaren Marschflugkörper zu entwickeln, durch dessen Einsatz aus der Luft der Überflug über das gegnerische Ziel vermieden werden konnte. Es wurden ungefähr 700 AGM-28 produziert.

Die Flugkörper konnten einen vorprogrammierten Weg von maximal 1.100 km zurücklegen.

Durch eine weitere Modifizierung wurde eine Navigation per Bodenverfolgung möglich. Der verbesserte Flugkörper erhielt die Bezeichnung AGM-28A. Ab 1972 wurde die AGM-28 nach und nach durch die AGM-69 SRAM ersetzt. Noch bis 1976 befanden sich AGM-28 Flugkörper bei den Einsatzverbänden.

Technische Daten:
Länge: 12,95 m
Spannweite: 3,66 m
Rumpfdurchmesser 0,71 m
Gewicht: 4.500 kg
Flughöhe im Einsatz: 300-17.000 m
Geschwindigkeit: 2,1 Mach
Sprengkopf: W-28 mit 1 MT Sprengkraft (LL)

Bearbeitungsstand: November 2007

siehe auch: Marschflugkörper

AGM-129-Marschflugkörper

engl.: Advanced Cruise Missile (ACM)

Die AGM-129 ist ein strategischer Langstrecken-Marschflugkörper der US-Luftwaffe mit Tarnkappentechnik. Er ist mit einem nuklearen Sprengkopf ausgestattet und für den Einsatz auf B-52-Bombern vorgesehen, die jeweils bis zu zwölf Stück tragen können.

Die AGM-129 ist der erste Marschflugkörper, der über eine Tarnkappen-(Stealth-)Technologie verfügt. Die Entwicklung begann 1982, als durch neue russische Radarverfahren anzunehmen war, dass die bisherigen Marschflugkörper relativ leicht abzufangen seien. Der Erstflug war 1985, jedoch wurde bereits 1993 die Herstellung nach nur 460 produzierten Stück eingestellt. Gemäß dem 2002 ausgelaufenen START-II-Abkommen durften Stealth-Lenkwaffen nicht von Stealth-Bombern getragen werden, weshalb die AGM-129 bisher nur mit der B-52 eingesetzt wurde.

Technische Daten:
Länge: 6,3 m
Rumpfbreite: 0,7 m
Spannweite: 3,1 m
Masse: 1.680 kg
Geschwindigkeit: 800 km/h
Reichweite: 3.000 km
Lenkung: Trägheitsnavigation
Sprengkopf: W80-1 thermonuklear mit 5 bis 150 KT Sprengkraft.
Indienststellung: 1990

(Quelle: United States Air Force)

siehe auch: Marschflugkörper
siehe auch: Trägheitslenkung

Bearbeitungsstand: September 2007

Agni-Rakete

engl.: Agni missile

Agni-III-Rakete

Die von Indien entwickelt Agni-Rakete existiert in fünf Versionen. Bis 2006 war die Agni-III-Rakete Indiens wichtigstes atomares Einsatzmittel. Die MIttelstreckenrakete verfügte über eine maximale Reichweite von ca. 5000 km. Damit können vor allem wichtige chinesische Städte, darunter Peking und Shanghai, bedroht werden. Die Rakete verfügt über ein zweistufiges Feststofftriebwerk und kann sowohl von landgestützten Abschussrampen als auch von U-Booten abgeschossen werden. Die Steuerung erfolgt unter anderem über GPS. Indien testete die Agni-III-Rakete erstmals erfolgreich im Juli 2006.

Technische Daten:
Nutzlast: 600-1800 kg
Gefechtskopf: nuklear 15-200 KT
Länge: 13,0 m
Durchmesser: 1,8 m
Startgewicht:  34.000 kg
Antrieb: zweistufig, Feststoff
Reichweite: 5.000 km mit 1200 kg Nutzlast
(Quelle: bharat-rakshak.com)

Am 19. April 2012 hat Indien seine neue Agni-V-Rakete erstmals erfolgreich getestet. Damit verfügt Indien über seine erste atomwaffenfähige Interkontinentalrakete aus eigener Produktion. Die 17 Meter lange und 50 Tonnen schwere Rakete hat eine Reichweite von mehr als 6400 Kilometer und kann damit ganz China sowie theoretisch auch Ziele in Europa und im Nahen Osten erreichen.

Bislang verfügten nach gesicherten Erkenntnissen nur die fünf ständigen Mitglieder des UN-Sicherheitsrats - die USA, Russland, China, Frankreich und Großbritannien - über atomwaffenfähige Interkontinentalraketen. Die Agni-V muss nach Angaben des Verteidigungsministeriums in Neu Delhi mindestens vier Mal erfolgreich getestet werden, bevor sie voraussichtlich 2014 oder 2015 in den Streitkräften eingeführt werden soll. Die Rakete kann einen Nuklearsprengkopf mit einem Gewicht von über einer Tonne zum Einsatz bringen. Ob auch Mehrfachsprengköpfe verfügbar sind, ist nicht bekannt. (LL)

Bearbeitungsstand: Mai 2012

siehe auch: Mittelstreckenrakete

Ahlhorn

ehem. Atomwaffenstandort, Deutschland

Ahlhorn Sonderwaffenlager, Foto: Google Earth 2000Auf dem Fliegerhorst Ahlhorn (52°52'56“N, 08°14'10“O) waren von 1961 bis 1963 vorübergehend die 1./FlaRak 25 (endgültiger Standort Varrelbusch) und 4./FlaRakBtl 25 (endgültiger Standort Lohne) mit atomaren Flugabwehrraketen vom Typ Nike stationiert.

Jede FlaRakBatterie bestand aus drei getrennten Bereichen: der Unterkunft, dem Feuerleitbereich in günstiger topografischer Lage mit bis zu 5 Radargeräten für Überwachung, Zielerfassung, Zielverfolgung und Flugkörperverfolgung und dem Abschussbereich mit jeweils drei Abschussflächen und dazugehörigen Bunkern. In diesem Bereich befanden sich auch die Atomsprengköpfe. Während die Raketen in Montagebunkern oder auf durch Erdwälle geschützten Abschussschienen bereit gehalten wurden, lagen die Radaranlagen in exponierter Stellung und konnten nur mit Sandsäcken oder Konturen verwischender Tarnung ungenügend geschützt werden.
In der Stellung Wiemoor waren von 1963 bis 1989 atomare Flugabwehrraketen vom Typ Nike stationiert. An Atomsprengköpfen waren zwei Versionen verfügbar. Die kleinere mit der Bezeichnung B-XS hatte eine Sprengkraft von 2 Kilotonnen. Die größere B-XL besaß ursprünglich 40 KT Sprengkraft. Letztere wurden in den 1970er Jahren gegen Sprengköpfe zu je 20 KT ausgetauscht. Maximal waren je Stellung zehn Nuklearsprengköpfe vorhanden, acht mit der Stärke XS mit 2 Kilotonnen und zwei XL mit 40/20 Kilotonnen Sprengkraft. (Jürgen Dreifke)

Ein Zeitzeuge erinnert sich: "Die vier Batterien des FlaRakBtls 25 befanden sich in unterschiedlichen Bereitschaftsstufen mit einer Reaktionszeit von maximal 30 Minuten, maximal 3 Stunden, maximal 12 Stunden und mehr als 12 Stunden. Innerhalb einer Batterie hatten mindestens zwei Abschussplätze den selben Bereitschaftsgrad. Konnte eine der Batterien aus technischen Gründen den Bereitschaftsgrad nicht einhalten, dann rückten die anderen Batterien eine Einsatzstufe nach oben. Abhängig vom Bereitschaftsgrad war die Stellung im Schichtbetrieb ständig besetzt und einsatzbereit. Dazu gab es in der Batterie drei Kampfbesatzungen für den Feuerleit- und Abschussbereich, die sich in einem System von 48-Stunden-Schichten während der Woche und 72-Stunden-Schichten am Wochenende abwechselten.
Für den Einsatz der Gefechtsköpfe gab es genau festgelegte Prioritäten. Beim Anflug eines einzelnen feindlichen Zielobjektes wurde ein kleiner atomarer Gefechtskopf (B-XS) eingesetzt. Beim Anflug mehrerer feindlicher Zielobjekte wurde ein großer atomarer Gefechtskopf (B-XL) eingesetzt. Die ebenfalls vorhandenen, konventionellen Gefechtsköpfe dienten lediglich als Munitionsreserve.
Soweit mir bekannt, befanden sich in allen Nike-Stellungen der Bundesluftwaffe atomare Gefechtsköpfe." (Quelle: Michael Juhls)

Bearbeitungsstand: Juli 2010

Weitere Informationen über Atomwaffenstandorte in Deutschland

siehe auch: KT (Kilotonne)
siehe auch: Nike Hercules

Ahrweiler Erklärung

engl.: Declaration of Ahrweil

Forderungen der Deutschen Sektion der IALANA (International Association of Lawyers against Nuclear Arms) anlässlich der 8. Überprüfungskonferenz des Nichtverbreitungsvertrages im Jahr 2010.


1. Nationale Ebene

1.1 Beendigung jeder Form der „Nuklearen Teilhabe“ Deutschlands
innerhalb der NATO

(1) Deutschland muss auf jede Form atomwaffenfähiger Trägersysteme (z.Zt. TORNADO-Kampflugzeuge) verzichten.
(2) Das Einüben des potenziellen militärischen Einsatzes von Atomwaffen (z.Zt. durch Jagdbomber-Geschwader 33 in Büchel/Pfalz) muss sofort gestoppt werden.
(3) Die Mitwirkung Deutschlands an allen Beratungen und Aktivitäten der Nuklearen Planungsgruppe der NATO, die nicht auf die atomare Abrüstung, sondern auf den Einsatz von Atomwaffen und dessen Androhung gerichtet sind, muss eingestellt werden.

1.2 Atomwaffenfreiheit Deutschlands

(1) Alle verbliebenen ausländischen Atomwaffen müssen aus Deutschland unverzüglich abgezogen werden.
(2) Die Atomwaffenfreiheit Deutschlands muss nicht nur – wie bisher im 2+4 Vertrag - für die 5 neuen Bundesländer (Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen) und Berlin, sondern für das gesamte Bundesgebiet völkerrechtlich wirksam festgeschrieben werden.
(3) Die Benutzung deutschen Hoheitsgebietes (Territorium, Luftraum, Küstengewässer), ausländischer Stützpunkte und Einrichtungen in Deutschland für die Lagerung, den Transport oder den Transfer von Atomwaffen einschließlich der Erteilung entsprechender Überflugrechte muss ausdrücklich gesetzlich verboten werden.
(4) Ein vollständiger und unbedingter Atomwaffenverzicht Deutschlands muss im Grundgesetz verankert werden.
(5) Das deutsche Kriegswaffenkontrollgesetz muss in den §§ 16 ff novelliert werden:
Beseitigung aller Ausnahmen für das strafbewehrte Verbot des Besitzes, des Erwerbs und der Herstellung sowie des Umgangs mit Nuklearwaffen sowie jeder Forschung an und Entwicklung von Atomwaffen.
(6) In das Soldatengesetz muss eine Regelung aufgenommen werden, wonach jede Beteiligung deutscher Soldaten am Einsatz von Atomwaffen sowie an dessen Planung und Vorbereitung ausnahmslos - auch in ausländischen Staaten sowie in internationalen Bündnissen und Organisationen - verboten ist.

1.3 Reduzierung der Gefahren und Risiken der Weiterverbreitung von
nuklearwaffenfähigem Material in und aus Deutschland

(1) Auflösung und Vernichtung aller atomwaffenfähigen Bestände an Plutonium und von hoch angereichertem waffenfähigem Uran
(2) Urananreicherungsanlage URENCO in Gronau/ Emsland: Schließung oder Übernahme in die Trägerschaft einer internationalen Instanz
(3) Verzicht auf die Ausstattung und das Betreiben von Forschungsreaktoren mit hochangereichertem Uran oder anderen atomwaffenfähigen Brennstoffen
(4) gesetzliches Verbot des Exports von atomwaffenfähigen Trägersystemen (wie z.B. der – von Deutschland u.a. an Israel gelieferten – U-Boote der Dolphin-Klasse)
(5) Verbot und strikte Überwachung des bestehenden gesetzlichen Verbots des Exports atomwaffenfähiger Technologien
(6) wirksamer Schutz von Whistleblowern, die Verstöße gegen innerstaatliche und/oder völkerrechtliche Regelungen gegenüber den zuständigen Stellen und/oder öffentlich aufdecken („societal verification“)

1.4 Festhalten am Atomausstieg

Ein großes Hindernis für die globale Reduzierung und Abschaffung der Atomwaffen ist die zivile Nutzung der Kernkraft, die in Verkennung der damit verbundenen Gefahren allen Vertragsstaaten des NPT gewährleistet worden ist. Jeder Staat, der die Kernkraft zivil nutzt, besitzt auch das Potential zur Entwicklung waffenfähigen nuklearen Spaltstoffes. Das gilt nicht nur für den Iran, sondern für alle Staaten, die Atomkraftwerke und Urananreicherungsanlagen betreiben, auch für Deutschland.
Die Verminderung der zivilen Nutzung der Kernkraft – und erst recht ein Ausstieg - dienen der Verminderung von Proliferationsgefahren und helfen die Gefahren einer militärischen Nutzung der Nuklearanlagen abzubauen. IALANA fordert deshalb von der deutschen Bundesregierung, von der Verlängerung der Laufzeiten der Kernkraftwerke in Deutschland („Brückentechnologie“) Abstand zu nehmen, am bereits beschlossenen Ausstieg bis zum Jahre 2020 festzuhalten und alternative Energien sowie eine deutliche Verbesserung der Energieeffizienz in allen Bereichen verstärkt zu fördern.


2. Auf EU-Ebene

2.1 Beitritt der EU als Völkerrechtssubjekt zum Nichtverbreitungsvertrag

Mit dem – überfälligen - Beitritt der EU zum Nichtverbreitungsvertrag wäre  eine „europäische Option“ auf „europäische Atomwaffen“ entgültig gegenstandslos.

2.2 Forschungspolitik

Die EU muss ausreichende Mittel zur Erforschung und Förderung der verifizierbaren Eliminierung aller Atomwaffen („atomare Nulllösung“) bereitstellen. Dies wäre ein wichtiges politisches Signal für die Ernsthaftigkeit ihrer Bereitschaft, den nuklearen Abrüstungsprozess in Gang zu bringen. [...]

2.3 Nuklearwaffen-Konventions-Initiative

Die EU sollte eine gemeinsame Initiative der EU und aller EU-Staaten im Rahmen der UN und gegenüber den Atomwaffenstaaten für die Aufnahme von Verhandlungen über weitere Schritte zur nuklearen Abrüstung mit dem Ziel einer „Nuklearwaffen-Konvention“ ergreifen.


3. Auf NATO-Ebene

3.1 Verzicht auf den „Kriegsvorbehalt“ („War-Clause“)

Die NATO-Staaten und die NATO sollten eine völkerrechtlich verbindliche Erklärung abgeben, dass sie auf den von ihnen im Zusammenhang mit dem Abschluss des Nichtverbreitungsvertrages abgegebenen sog. Kriegsvorbehalt verzichten, mit dem sie bisher in Anspruch nehmen, an den NPT dann nicht mehr gebunden zu sein, wenn „die Entscheidung, Krieg zu führen, gefallen ist“.

3.2 Atomwaffen-Abzug

Atomwaffen sollten aus allen NATO-Staaten, die nicht Atomwaffenstaaten im Sinne des Nichtweiterverbreitungsvertrages sind, binnen eines Jahres abgezogen werden. Auf eine künftige Neustationierung sollte völkerrechtlich wirksam verzichtet werden.

3.3 Änderung der NATO-Nuklearstrategie

Die NATO-Nuklearstrategie muss unverzüglich geändert werden. Dies betrifft v.a. folgende Bereiche:

  • völkerrechtlich wirksamer Verzicht auf jede Option eines Einsatzes von Atomwaffen oder dessen Androhung gegen einen Nichtatomwaffenstaat oder nicht-staatliche Akteure
  • ölkerrechtlich wirksamer Verzicht auf jede Form eines Ersteinsatzes von Atomwaffen oder dessen Androhung
  • ausdrückliche Anerkennung des im Rechtsgutachten des Internationalen Gerichtshofs vom 6. Juli 1996 festgestellten grundsätzlichen völkerrechtlichen Verbots jedes Einsatzes von Atomwaffen und der Androhung eines solchen Einsatzes, da ein solcher Einsatz und auch bereits seine Androhung u.a. mit den Geboten des humanitären Völkerrechts unvereinbar ist
  • Bekräftigung der bestehenden völkerrechtlichen Verpflichtung zu vollständiger nuklearer Abrüstung in allen ihren Aspekten (Art. VI NPT)

3.4 CTBT

Der Vertrag über das vollständige Nukleartest-Verbot (CTBT) muss unverzüglich durch alle NATO-Staaten, insbesondere die USA, ratifiziert werden.

3.5 Nukleare Kooperation

Alle NATO-Staaten müssen künftig auf jede nukleare Kooperation mit und nukleare Unterstützungen von Staaten verzichten, die den Nichtverbreitungsvertrag nicht ratifiziert haben, insbesondere bei der Entwicklung von atomwaffenrelevanten Technologien und Ausrüstungen.

3.6 NATO-Initiative zur Nuklearwaffen-Konvention

Im NATO-Rat sollte ein Grundsatzbeschlusses über die Bereitschaft der NATO und aller Atomwaffen- und Nicht-Atomwaffen-Staaten der NATO darüber herbeigeführt werden, dass sie unverzüglich in redlicher Absicht und gutem Glauben Verhandlungen über wirksame Schritte zu einer nuklearen Abrüstung mit dem Ziel einer umfassenden und kontrollierten "atomaren Nulllösung"/"Global Zero" aufnehmen und zum Abschluss bringen.

4. auf globaler Ebene

[...]

4.2 Stärkung und Umbau der IAEA

Die Kontrollen der Internationalen Atomenergieorganisation IAEO sind bisher unzureichend. Die Einrichtung eines wirksamen Kontrollsystems ist bei den Verhandlungen über den Nichtverbreitungsvertrag und die Verifikationsabkommen durch Vertragsparteien wie Deutschland, Italien und Japan mit dem damaligen Hinweis auf den Ost-West-Konflikt und die Gefahren von „Industrie-Spionage“ (auch durch befreundete Staaten) verhindert worden. In erster Linie wird bis heute durch die IAEA der sog. nukleare Spaltstofffluss auf der Grundlage von Eigenberichten und Materialbilanzen (und deren Fortschreibung) der zu Kontrollierenden verifiziert. Das 1997 beschlossene Zusatzprotokoll zum Verifikationsabkommen, das jedoch viele Staaten noch nicht ratifiziert haben, hat zwar Fortschritte gebracht.
Verdachtskontrollen gibt es bisher jedoch nach wie vor nur in sehr eingeschränktem Maße und zudem nur nach "kurzfristig" (zwischen 2 und 24 Stunden zuvor) angekündigter Voranmeldung. Wirksame unangekündigte Vor-Ort-Kontrollen und unbehinderte freie Inspektions- und Ermittlungsrechte fehlen. Die  Atomwaffenstaaten sind von den Verifikationsmaßnahmen bisher weithin ausgenommen. Außerdem gibt es bisher keinen hinreichenden Schutz für Personen, die Verstöße oder Kontrolldefizite aufdecken. Diese strukturellen Defizite des Verifikationsregimes der IAEA müssen mit großer Dringlichkeit abgebaut werden.
Auch die personelle Ausstattung der IAEA muss drastisch verbessert werden. Die IAEA hat zur Zeit etwa 350 Inspektoren. Das ist für ihre globalen Aufgaben der Überwachung des Nichtverbreitungsregimes bei der weltweit sehr großen Zahl von Nuklearanlagen bei weitem zu gering. Das reguläre Budget der IAEA für alle Abteilungen für 2009 belief sich lediglich auf rund 293.7 Millionen US-Dollar; auf die Verifikationsabteilung entfällt davon nur ein relativ kleiner Teil. Das Gesamtbudget der IAEA entspricht dem Gegenwert von etwa 30 Schützenpanzern. Die Forderung der IAEA, das Budget und die Zahl der Inspektoren deutlich aufzustocken, verdient jede Unterstützung und muss endlich realisiert werden.

4.3 Nuklearwaffenstaaten im Sinne des NPT

Die Nuklearwaffenstaaten müssen sich zu einer drastischen Reduzierung der bestehenden Nuklearwaffenpotenziale (auch der sog. nicht-strategischen)
völkerrechtlich verbindlich verpflichten.
Alle Atomwaffenstaaten müssen sich endlich (wie alle Nicht-Atomwaffenstaaten) demVerifikationsregime der IAEA unterwerfen.
Alle Atomwaffenstaaten müssen auf die Entwicklung und Indienststellung neuer Atomwaffen und atomwaffenfähiger Trägersysteme völkerrechtlich verbindlich verzichten.

4.4 Indien, Israel, Pakistan und Nordkorea

Diese neuen Atomwaffenstaaten müssen endlich dem Nichtverbreitungsvertrag beitreten und die Verpflichtungen aus Art. VI NPT erfüllen.

4.5 Irans Nuklearprogramm

In dem Konflikt um die mutmaßliche Entwicklung eigener Atomwaffen durch den Iran verhalten sich die meisten westlichen Staaten widersprüchlich. Sie verlangen vom Iran die Einhaltung eines Vertrages, gegen den sie insbesondere durch die Nichterfüllung der in Art. VI NPT verankerten völkerrechtlichen Verpflichtung zur Aufnahme von Verhandlungen über die eigene vollständige nukleare Abrüstung ständig verstoßen.
Mit der Androhung von – letztlich auch militärischen - Sanktionen gegen den Iran setzen sie sich zudem über das für alle Staaten verbindliche Gewaltverbot in Art. II Nr. 4 UN-Charta hinweg. Das „Recht des Stärkeren“ gibt dafür keine völkerrechtliche Legitimation. Aber auch der UN-Sicherheitsrat sollte keine militärischen Sanktionen beschließen oder sich nicht in eine dahin führende Sanktionsspirale verwickeln  lassen. Die Konflikte um die angebliche oder tatsächlich drohende nukleare Bewaffnung des Iran und/oder weiterer Staaten können nicht militärisch, sondern nur im Verhandlungswege und durch Zusammenarbeit zwischen allen Konfliktparteien gelöst werden. Dafür könnte nach dem erfolgreichen Modell der KSZE, die wesentlich zum friedlichen Ende des Kalten Krieges beigetragen hat, die Einrichtung einer „Konferenz für Sicherheit und Abrüstung im Nahen und Mittleren Osten“ eine hilfreiche
Perspektive sein. Grundlage dafür muss der Grundansatz der gemeinsamen Sicherheit aller Staaten der Region sein. Niemand kann hineichende und nachhaltige Sicherheit gegen und auf Kosten anderer erlangen.
Wer – zu Recht – die Atomwaffenfreiheit des Iran fordert, muss auch für die
Atomwaffenfreiheit Israels, Pakistans und Indiens eintreten und die zwingenden völkerrechtlichen Verpflichtungen der Atomwaffenstaaten aus Art. VI NPT erfüllen. Auf „doppelte Standards“ lässt sich die Sicherheit vor nuklearer Vernichtung nicht gründen.

(Quelle:  IALANA, Ahrweiler Erklärung 2010)

Bearbeitungsstand: August 2010

siehe auch: Homepage der deutschen IALANA-Sektion
siehe auch: Nichtverbreitungsvertrag

AIR-2A-Marschflugkörper

engl.: AIR-2A cruise missile

Die Atomrakete der Firma Douglas mit dem Codenamen »Genie« war die erste mit einem nuklearen Sprengkopf bestückte Luft-Luft-Rakete. Der Atomsprengkopf vom Typ W25 besaß eine Sprengkraft von maximal 2 Kilotonnen. Mit einer Reichweite von nur 9,6 km bei einer maximalen Fluggeschwindigkeit von Mach 3,3 sollte die AIR-2A gegen feindliche Bomberformationen eingesetzt werden. Als Einsatzmittel waren die Flugzeugtypen McDonnell F-101B, Scorpion F-89J und F-106A Delta Dart vorgesehen.

Am 19. Juli 1957 fand der erste und einzige Atomtest einer nuklearen Luft-Luft-Rakete in Nevada statt. Dabei wurde eine scharfe AIR-2A -Rakete zur Explosion gebracht. Bis 1962 wurden insgesamt mehrere tausend AIR-2A-Rakete produziert. Die Raketen befanden sich bis 1982 bei der US Air Force im Einsatz.

Technische Daten:
Ungelenkte Luft-Luft-Rakete mit nuklearem Sprengkopf
Länge: 2,95 m
Durchmesser: 0,44 m
Spannweite: 1,02 m
Startgewicht: 373 kg
Höchstgeschwindigkeit: Mach 3,3 (ca. 4000 km/h)
Reichweite: 9,6 km
Gefechtskopf: W25-Fissionsbombe, 2 KT Sprengkraft
Indienststellung: 1957
Außerdienststellung: 1982

(Quelle: Andreas Parsch, Directory of US Military Rockets and Missiles)

Bearbeitungsstand: April 2008

siehe auch: KT (Kilotonne)

Airbus Group (ehemals EADS)

Rüstungskonzerne, Niederlande

Logo von Airbus Group. Bild: Wikimedia / Public Domain

Die Airbus Group (ehemals EADS) ist ein europäischer Konzern, der aus der Fusion der deutschen DaimlerChrysler Aerospace AG, der französischen Aerospatiale Matra und der spanischen CASA entstanden ist. Die Airbus Group gilt als Europas größtes Luft- und Raumfahrtunternehmen sowie als einer der größten Rüstungskonzerne weltweit. Das Unternehmen ist in der zivilen Luftfahrt, im Bereich der Verteidigungstechnologie, beim Bau von Hubschraubern, in der Raumfahrt, bei der Konstruktion und Fertigung von Transport- und Kampfflugzeugen sowie den dazugehörigen Dienstleistungen tätig. Zur Airbus Group gehören unter anderem der zivile Flugzeugbauer Airbus, der Hubschrauber-Hersteller Eurocopter und das Raumfahrtunternehmen Astrium.

EADS war von Anfang an in das französische Nuklearwaffenprogramm involviert. Die Tochtergesellschaft EADS Space Transportation/Astrium entwickelte und produzierte die neue M4-Generation ballistischer Raketen, welche mehrere Gefechtsköpfe und eine Reichweite von mehr als 4000 Kilometern besitzen. EADS Space Transportation entwickelte auch eine verbesserte Version, die M45, die nukleare TN75-Gefechtsköpfe mit einer höheren Leistung trägt. Die M45 wurde 1997 an Bord des Triomphant-U-Bootes in Dienst gestellt. Die Firma ist auch für die Instandhaltung dieser Raketen verantwortlich.

Im Dezember 2004 schloss EADS Space Transportation einen Vertrag über die Herstellung der neuen M51-Atomrakete für die neuen französischen U-Boote. Dieser Auftrag hat ein geschätztes Volumen von mehr als drei Milliarden Euro. Die M51 besitzt mehrere Gefechtsköpfe mit wesentlich größerer Nutzlast und größerem Nutzvolumen als die M4. Sie bietet auch eine höhere Reichweite, wodurch U-Boote in der Lage sind, ihre Patrouillengebiete auszudehnen. Die Atom-U-Boote „Le Terrible“, „Le Vigilant“ und „Triomphant“ wurden bereits zwischen 2010 und 2013 mit der M51 ausgerüstet.

Die Rakete wird 2015 auch an Bord der anderen U-Boote der neuen Generation – „Téméraire“ – ihren Dienst antreten. Eine zweite Version (M51.2) mit neuen Atomsprengköpfen wird ab 2016 in Dienst genommen. Airbus kündigte 2014 an, dass die Firma den Auftrag für die Entwicklung der dritten Version der ballistischen Rakete (M51.3) bekommen hat.

Airbus hält auch einen Anteil von 37,5 Prozent an MBDA, einem Joint Venture mit BAE Systems (37,5%) und Finmeccanica (25%). MBDA produzierte im Jahr 2010 über 3000 Raketen. Es baute für die französische Luftwaffe die ASMPA-Atomraketen, welche vom Mirage-2000-N-Kampfflugzeug und den neuen Rafale-Kampfflugzeugen abgefeuert werden können. Die Rakete ist seit 2011 betriebsbereit. Im Juli 2014 begann MBDA die Arbeit an der Entwicklung eines Upgrades der ASMPA, um die Betriebsdauer bis 2035 zu verlängern. Der Auftrag ist 57,3 Millionen Euro wert. Es wird berichtet, dass MDBA auch die ASN4G-Nachfolgerrakete entwickeln wird, die ab 2035 in Betrieb genommen wird.

(Quellen: Airbus Group, ICAN/PAX-Studie „Don't Bank on the Bomb“)

Bearbeitungsstand: Oktober 2015

» Weitere Informationen zu Atomwaffenherstellern

Alamogordo

Atomtestgelände, USA

Trinity-Turm, Foto: US-DTRA

Die weltweit erste atomare Explosion fand am 16. Juli 1945 in der Nähe der US-amerikanischen Kleinstadt Alamogordo statt. Dies war der Startschuss des Atomzeitalters und der Beginn von großflächigen radioaktiven Kontamination des Erdballs.

Hintergrund
Alamogordo ist eine kleine Stadt im US-Bundesstaat New Mexico. In der nahe gelegenen Wüste „Jornada del Muerto” liegt die „White Sands Missile Range” der US-Armee, das Testgelände der ersten Atombombe der Geschichte. Der sogenannte „Trinity Test” war Teil des Manhattan Projekts, dem 1939 begonnenen Atomwaffenforschungs-Programm der USA. Das Projekt wurde an mehreren Standorten gleichzeitig betrieben: Während die Atombomben in Los Alamos, New Mexiko entwickelt wurden, fand die Anreicherung von Uran-235 in Oak Ridge, Tennessee statt. Plutonium-239 wurde in Hanford, Washington produziert, die Wüste nahe Alamogordo, New Mexiko wurde als Testgelände ausgewählt.

Nach mehrjährigen Vorbereitungen wurde am 14. Juli 1945 die erste Atomwaffe der Welt, eine Plutonium-Implosionsbombe mit dem Codenamen „Gadget”, auf ein 30 m hohes Gerüst gehievt. Die Konstruktion entsprach der Bombe „Fat Man”, die nur wenige Wochen später über Nagasaki abgeworfenen werden sollte. Wissenschaftler und Militärangehörige beobachteten die erste Atomexplosion aus einer Entfernung von 16 Kilometern. Am 16. Juli 1945 um 5:30 Uhr wurde die Bombe gezündet. Nach einem grellen Lichtblitz schoss eine pilzförmige Wolke 15-20 Kilometer in die Höhe. Die Druckwelle der Detonation war noch in 250 Kilometer Entfernung zu spüren. „Nun bin ich zum Tod geworden, zum Zerstörer von Welten” waren die berühmten Worte des Atomwissenschaftlers J. Robert Oppenheimer, als er die Explosion sah. Trinity war der erste von mehr als 2.000 Atomtests, die die Erdatmosphäre mit radioaktivem Niederschlag verseuchten, dem atomaren „Fallout”.

Folgen für Umwelt und Gesundheit
Die Explosion der Bombe, deren spaltbares Inventar aus ca. 6kg Plutonium bestand, verursachte eine radioaktive Wolke, die mit etwa 16 km/h nordostwärts zog und ein Gebiet von ca. 160 x 50 km mit mehlartigem radioaktivem Niederschlag überzog. Die Spur der strahlenden Partikel konnte bis in die Großstädte Albuquerque und Santa Fé nachgewiesen werden. Weil der Trinity-Test als Militärgeheimnis behandelt wurde, fand weder eine Evakuierung noch eine Information der Bevölkerung statt. Fünf Messtrupps zeichneten nach der Detonation das Ausmaß der Strahlung in der Region auf. In Wohngebieten wurden mit primitiven Messgeräten, die lediglich Gamma-Strahlung erfassen konnten, Strahlendosen von bis zu 20 Röntgen pro Stunde gemessen, was in etwa 175 mSv pro Stunde entspricht, also mehr als dem 600.000-fachen der natürlichen Hintergrundstrahlung (0,00027 mSv/h) oder dem Strahlenäquivalent von mehr als 8.700 Röntgenuntersuchungen pro Stunde. Zusätzlich zur äußerlichen Verstrahlung wurden ca. 4,8 kg Plutonium in Bodenproben, Pflanzen und Tieren des Umlands gefunden. Plutonium ist sowohl wegen seines toxikologischen Profils als Schwermetall wie auch aufgrund der emittierten Alpha-Strahlung nach Aufnahme mit der Nahrung oder Einatmung ein gefährliches Zellgift.

Im Jahr 2010 veröffentlichte das „Los Alamos Historical Document Retrieval and Assessment (LAHDRA) Project” seinen abschließenden Bericht über die radioaktive Exposition durch den Trinity-Test. Die Wissenschaftler stellten fest, dass die Menschen in der Umgebung von Alamogordo in den ersten zwei Wochen nach der Explosion einer externen Strahlendosis von bis zu 1.000 mSv ausgesetzt wurden, also dem 10.000-fachen der üblichen Hintergrundstrahlung. Die vermutlich ebenso bedeutsame interne Strahlenbelastung durch den Verzehr von kontaminierter Nahrung und radioaktiv belastetem Wasser wurde jedoch nie adäquat untersucht. Auch wurden von der US-Regierung keinerlei epidemiologischen Studien in Auftrag gegeben, um den Zusammenhang zwischen radioaktivem Niederschlag und den immer wieder berichteten hohen Krebsraten und Häufungen autoimmunologischer Erkrankungen in den betroffenen Gebieten zu untersuchen.

Ausblick
Während die US-Regierung den von radioaktivem Niederschlag betroffenen Menschen in der Umgebung des Nevada-Atomtestgeländes nach jahrzehntelangem Ringen finanzielle Kompensation zugestehen musste, wurde den Anwohnern der Region um Alamogordo jegliche staatliche Anerkennung verweigert. Organisationen wie das „Tularosa Basin Downwinders Consortium” versuchen, auf das erhöhte Auftreten von Krebs und Autoimmunerkrankungen in der Region aufmerksam zu machen und arbeiten daran, dass die Downwinder, also die Menschen, die in Windrichtung der Atomexplosion lebten, in die Kompensationsprogramme der Regierung einbezogen werden. Auch sie gehören zur Gruppe der Hibakusha, auch sie sind Opfer von Atomwaffen. (Quelle: IPPNW-Ausstellung “Hibakusha weltweit”)

Bearbeitungsstand: August 2013

»Weitere Informationen zum "Trinity"-Atomtest

 

 

Alaska (Atomtests)

engl.: Alaska (nuclear tests)

Im Jahr 1969 führte die amerikanische Regierung auf der Alaska vorgelagerten Aleuten-Insel Amchitka unterirdische Atomtests durch, die die Öffentlichkeit erschütterten. Um gegen diese Tests zu protestieren, demonstrierten 6000 Studenten, indem sie die Grenze zwischen Kanada und den USA blockierten. Der erste Atomtest in Alaska konnte dadurch allerdings nicht verhindert werden.

Als die US-Regierung für November 1971 einen weiteren Atomtest ankündigte entsandte die inzwischen gegründete Umweltorganisation Greenpeace ein Beobachtungsschiff in die Gewässer vor den Aleuten, um gegen den Testversuch zu protestieren. Die Medienresonanz war gewaltig. Greenpeace konnte den Atombombentest am 6. November 1971 zwar nicht verhindern, löste aber eine Welle öffentlicher Empörung und Sympathie mit den „Regenbogenkämpfern“ aus. Demonstrationen, Streik- und Boykottdrohungen in Kanada und den USA folgten. Nach viermonatigem Schweigen verkündet die amerikanische Atomenergie-Kommission im Frühjahr 1972 den Abbruch der Testserien auf den Aleuten „aus politischen und anderen Gründen“. (Quelle: Greenpeace)

Bearbeitungsstand: März 2007

Albach

ehem. Atomwaffenstandort, Deutschland

Albach Sonderwaffenlager, Foto: Google Earth 2000Die Nike-Feuerstellung (Launching Area) Albach (50°33'39“N, 08°48'43“O) der 1. Batterie des FlaRakBtl 23 lag ca. 4 km nördlich der Stadt Lich in Hessen.

Interessant ist, dass diese Nike-Stellung Mitte der 1960er-Jahre sowohl von der 1./FlaRakBtl 23 genutzt wurde als auch von der 4./FlaRakBtl 23. Deren temporärer Feuerleitbereich befand sich südwestlich von Fernwald-Steinbach auf dem »Hohen Rod«. Am 05.09.1966 schließlich verlegte man die 4./FlaRakBtl 23 in die Wäller-Kaserne nach Westerburg bzw. in die neu errichtete Stellung bei Obersayn.

Beide FlaRakBatterien bestanden aus jeweils drei getrennten Bereichen: der Unterkunft, dem Feuerleitbereich in günstiger topografischer Lage mit bis zu fünf Radargeräten für Überwachung, Zielerfassung, Zielverfolgung und Flugkörperverfolgung und dem Abschussbereich mit jeweils drei Abschussflächen und dazugehörigen Bunkern. In diesem Bereich befanden sich auch die Atomsprengköpfe. Während die Raketen in Montagebunkern oder auf durch Erdwälle geschützten Abschussschienen bereit gehalten wurden, lagen die Radaranlagen in exponierter Stellung und konnten nur mit Sandsäcken oder Konturen verwischender Tarnung ungenügend geschützt werden. Zum Schutz insbesondere vor angreifenden Tieffliegern wurden die Stellungen später zusätzlich mit 20mm Zwillingsgeschützen ausgestattet.
In der Stellung Albach waren vermutlich von 1964 bis 1987 atomare Flugabwehrraketen vom Typ Nike stationiert. An Atomsprengköpfen waren zwei Versionen verfügbar. Die kleinere mit der Bezeichnung B-XS hatte eine Sprengkraft von 2 Kilotonnen. Die größere B-XL besaß ursprünglich 40 KT Sprengkraft. Letztere wurden in den 1970er Jahren gegen Sprengköpfe zu 20 KT ausgetauscht.
Maximal waren je Stellung zehn Nuklearsprengköpfe vorhanden, acht mit der Stärke XS mit 2 Kilotonnen und zwei XL mit 40/20 Kilotonnen Sprengkraft. (Jürgen Dreifke)

Ein Zeitzeuge erinnert sich: "Die vier Batterien des FlaRakBtls 23 [mit den Feuerstellungen Albach, Schöneck, Kemel und Obersayn] befanden sich in unterschiedlichen Bereitschaftsstufen mit einer Reaktionszeit von maximal 30 Minuten, maximal 3 Stunden, maximal 12 Stunden und mehr als 12 Stunden. Innerhalb einer Batterie hatten mindestens zwei Abschussplätze den selben Bereitschaftsgrad. Konnte eine der Batterien aus technischen Gründen den Bereitschaftsgrad nicht einhalten, dann rückten die anderen Batterien eine Einsatzstufe nach oben. Abhängig vom Bereitschaftsgrad war die Stellung im Schichtbetrieb ständig besetzt und einsatzbereit. Dazu gab es in der Batterie drei Kampfbesatzungen für den Feuerleit- und Abschussbereich, die sich in einem System von 48-Stunden-Schichten während der Woche und 72-Stunden-Schichten am Wochenende abwechselten.
Für den Einsatz der Gefechtsköpfe gab es genau festgelegte Prioritäten. Beim Anflug eines einzelnen feindlichen Zielobjektes wurde ein kleiner atomarer Gefechtskopf (B-XS) eingesetzt. Beim Anflug mehrerer feindlicher Zielobjekte wurde ein großer atomarer Gefechtskopf (B-XL) eingesetzt. Die ebenfalls vorhandenen konventionellen Gefechtsköpfe dienten lediglich als Munitionsreserve. Soweit mir bekannt, befanden sich in allen Nike-Stellungen der Bundesluftwaffe atomare Gefechtsköpfe." (Quelle: Michael Juhls).

Am 31.03.1987 wurde die NIKE-Stellung Albach deaktiviert. Der ehemalige Feuerleitbereich auf dem »Lutherberg« wurde renaturiert. Das Gelände auf dem »Hohen Rod« wird u.a. vom Lahnfunkhilfsdienst genutzt. Der einstige Abschussbereich im »Buchwald« dient u.a. als Erddeponie der Gemeinde Fernwald.

Bearbeitungsstand: Juli 2010

Weitere Informationen über Atomwaffenstandorte in Deutschland

siehe auch: KT (Kilotonne)
siehe auch: Nike Hercules

Aldermaston

engl.: Aldermaston

Seit 1950 trägt das Atomic Weapons Establishment (AWE) die Verantwortung für alle Stadien von der Forschung und Entwicklung bis hin zur Demontage und Entsorgung der Atomwaffen. Diese werden in Aldermaston, Berkshire, entworfen und in Burghfield, wenige Kilometer östlich entfernt, gebaut. Das AWE ist ein "Joint Venture" von Lockheed Martin, Serco Ltd. und British Nuclear Fuels Ltd. (BNFL), das einen 25-jährigen Vertrag mit dem britischen Verteidigungsministerium abgeschlossen hat. Dieser Vertrag läuft 2025 aus.

Nun gibt es Pläne, mehr als 1,75 Milliarden US-Dollar für eine Verbesserung der Anlagen und Personalerweiterungen in Aldermaston und Burghfield auszugeben. Momentan arbeiten rund 4000 Menschen beim AWE und über 1000 mehr werden nach diesen Plänen neu eingestellt. Eine neue Laseranlage, Supercomputer und Laboreinrichtungen werden gebaut. Obwohl die Regierung dementiert, dass die Entscheidung für die Entwicklung neuer Atomwaffen damit gefallen ist, werden die Weichen hiermit offensichtlich gestellt.

Im Dezember 2008 wurde in der Zeitung "The Independent" berichtet, dass die Atomwaffenfabrik in Aldermaston an eine US-amerikanische Firma in einer meist bietenden Ausschreibung verkauft wurde. Nachdem die Regierung den Geheimverkauf ihrer Anteile an der Atomwaffenfabrik beschlossen hat, wird Großbritannien keinen Einfluss mehr auf die Produktion ihrer Atomsprengköpfe haben. (XH)

Bearbeitungsstand: Dezember 2008

Weitere Informationen zum britischen Atomwaffenprogramm

Algerien (Atomtests)

engl: Algeria (nuclear tests)

Am 13. Februar 1960 führte Frankreich in der zu Algerien gehörenden südlichen Sahara, in dem Gebiet um Reggane, dem Stammesgebiet der Tuarek seinen ersten Atomwaffentest (Code-Name: Gerboise Bleue) durch. Die Bombe hatte eine Sprengkraft von 70 Kilotonnen (mehr als die 5fache Sprengkraft der Hiroshimabombe) Insgesamt wurden bis 1967 vier oberirdische und im Hoggar-Gebirge 13 unterirdische Atomtests durchgeführt. (LL)

Von einem der unterirdischen Versuche, der den Decknamen "Beryl" trug, ist bekannt, dass er misslang: Er setzte am 1. Mai 1962 eine riesige radioaktive Wolke frei, die (zumindest) sämtliche auf dem Versuchsgelände von In-Eker, ca. 100 km südlich von Reggane anwesenden französischen Soldaten, Arbeiter und Bewohner des Raumes verstrahlte. Dennoch wurden die Versuche bis in die Jahre 1966 bzw. 1967 fortgesetzt. Insgesamt hat Frankreich 17 Versuche in der Sahara offiziell zugegeben, tatsächlich wurden aber weitere 35 "ergänzende" Versuche durchgeführt, so genannte "kalte Versuche". Ihr Ziel war es, chemische Explosivstoffe an kleinen Mengen Plutonium zu testen, die pulverisiert und in der Umwelt freigesetzt wurden. Simuliert wurde auch der Absturz eines mit einer Atombombe bestückten Flugzeugs, wodurch große Flächen mit pulverisiertem Plutonium verseucht wurden. Durch die sporadischen Regenfälle dürfte die Radioaktivität auch in das Grundwasser geschwemmt worden sein, wo es sich in unterirdischen Wasserläufen unkontrolliert verbreitet. Die Grundwasser-Reserven unter der Wüste sind die Voraussetzung für das Überleben der Bevölkerung nicht nur in Algerien, sondern auch in den angrenzenden Sahel-Staaten.
Als Frankreich im Frühjahr 1964 die Region um Reggane verließ und seine Truppen nach In Eker verlegte, wurde der Stützpunkt Hamoudia (20 km südlich von Reggane), wo die "heißen" Versuche stattgefunden hatten, dem Erdboden gleichgemacht, die verbliebenen Reste notdürftig von Bulldozern mit Sand und Geröll bedeckt. Nun setzte eine wahre Wanderung von "Schrotthändlern" ein, die z. T. aus weit entfernten Gebieten kamen, um metallische Gegenstände jeder Art auszugraben, einzusammeln und weiter zu verkaufen. Besonders gesucht waren Kabel, deren Isolierung an Ort und Stelle verbrannt wurde, damit das Kupfer verkauft werden konnte. Diese Ware gelangte bis auf Märkte in Marokko, Mali, teilweise sogar nach Europa.
Bis heute wurde nicht festgestellt, ob die Klagen der Bevölkerung über häufige Krebserkrankungen, die Zunahme von Missbildungen, taubstummen und blind geborenen Kindern, die Häufung von Fehlgeburten, Deformationen auch bei neugeborenen Tieren zutreffend sind. Die Produktion von Tomaten und deren Export nach Europa wie auch die Dattelproduktion, die hauptsächlich nach Niger und Mali exportiert wurde, sind zum Stillstand gekommen, weil die Pflanzen nicht mehr wachsen. Doch es wurden und werden keinerlei Untersuchungen durchgeführt, die eine kausale Relation zwischen diesen Veränderungen und der Verstrahlung belegen, nicht zuletzt fehlen Vergleichsuntersuchungen aus der Zeit vor den Nuklearversuchen.
Bis 2008 hatte die französische Regierung jede Diskussion über Entschädigungen mit der Behauptung abgelehnt, es habe sich um "saubere Versuche" gehandelt. Erst im November 2008 gab die französische Regierung dem Druck zahlreicher Opfer-Organisationen auch aufgrund einer wachsenden Zahl von Berichten und Untersuchungen nach und kündigte eine individuelle Entschädigung der Opfer an. In der Gesetzesvorlage ist allerdings keine Dekontamination der verseuchten Gebiete vorgesehen, so dass die dort noch immer vorhandene Strahlenbelastung bestehen bleibt. (Quelle: Werner Ruf: Frankreichs strahlendes Erbe in der Sahara)

siehe auch: Unterirdische Detonation

Bearbeitungsstand: Januar 2012

All-in-One-Atombombe

Die B61-12 wird die erste einsatzfähige „All in One“-Bombe sein. Sie soll sechs vorhandene Atombombentypen der USA ablösen und deren unterschiedliche militärische Funktionen mit ihren Fähigkeiten vereinen. Die geplante neue Variante einer alten Atombombe, der B61, soll nicht nur vier derzeitigen Typen der B61, die Modelle -3, -4, -7 und -10 ersetzen, sondern alle sechs Atombomben ablösen, die es im Arsenal der USA heute noch gibt. Wenn die neue Bombe eingeführt sei, könne man zusätzlich gleich auch die nuklearen Bunkerknacker vom Typ B61-11 und die strategische atomare Bombe B-83 mit ihren 1,2 Megatonnen Sprengkraft außer Dienst stellen.

Bis 2020 soll die erste der B61-12 fertiggestellt sein. Weitere vier Jahre später, 2024, soll die Produktion abgeschlossen sein und die alten Bomben abgelöst werden. In den USA, in Europa und auch in dem deutschen Eifel-Dörfchen Büchel, auf dessen Fliegerhorst noch immer bis zu 20 US-Atombomben vom Typ B61 gelagert sind. Dann, so der Plan, kann die neue Bombe sowohl mit taktischen Kampfflugzeugen wie der F-16, dem deutschen Tornado, der F-15E oder dem neuen Jagdbomber F-35 eingesetzt werden als auch von strategischen Bombern wie der B-2 „Spirit“ oder dem geplanten Zukunftsbomber vom Typ LRS-B.

Damit das möglich wird, soll die Waffe zwei Funktionsmodi bekommen: Als „System 1“ wird sie als analoge, ballistische Gleitbombe mit älteren Trägerflugzeugen wie der F16 oder dem Tornado zum Einsatz kommen, deren Systeme nicht ausreichend digitalisiert werden können. Als „System 2“ wird sie zur modernen, digitalisierten Lenkwaffe, zur einer atomaren Präzisionswaffe, wenn sie an Bord von digitalisierten Trägern wie der F-35, dem Joint Strike Fighter, verwendet wird. Zwecks präziser Lenkung wird die Waffe über ein modernes Heckleitwerk, ein sogenanntes Tail Kit Assembly, verfügen, das derzeit zeitgleich zu der B61-12 von der Firma Boeing entwickelt wird und für rund 1,6 Milliarden Dollar in mehr als 800 Exemplaren beschafft werden soll.

Vor allem von diesem Leitwerk und der digitalisierten Lenkwaffe versprechen sich Entwickler und Militärs eine kleine Revolution: Aufgrund der deutlich höheren Zielgenauigkeit benötigt die Waffe künftig eine viel geringere Sprengkraft als die meisten Vorgängerwaffen. Die Zerstörungskraft der kleinsten bisherigen B61, der B61-4, ist mit 50 Kilotonnen, also der vierfachen Sprengkraft der Hiroshima-Bombe, ausreichend, um auch die Ziele bekämpfen zu können, für die bislang Waffen mit einer Sprengkraft von 300, 400 oder mehr Kilotonnen eingeplant wurden. Deshalb soll die entscheidende Nuklearkomponente der B61-4, das sogenannte Secondary, dessen Konfiguration die Wahlmöglichkeiten für die Sprengkraftstärke bestimmt, als Basis für die B61-12 genutzt werden. Als Gleitbombe fliegt die Waffe zudem in beiden Versionen die letzten Kilometer bis zu ihrem Ziel eigenständig. Dabei ist die Zielgenauigkeit im digitalisierten Modus „System 2“ noch größer als jene des Systems 1.

Die US-Administration betont, die neue Waffe helfe, den Gesamtbestand luftgestützter Atomwaffen in den USA künftig deutlich zu reduzieren. Rund die Hälfte der heute noch vorhandenen Waffen werde verzichtbar. Das betreffe nicht nur die anderen alten Versionen der B61 sondern auch die schwere strategische Bombe B-83 und den nuklearen Bunkerknacker der USA, die B61-11. Beide sollen außer Dienst gestellt werden, wenn die B61-12 einmal eingeführt ist.

Die neue Bombe wird also alle drei bisherigen taktischen Atombomben der USA (B61-3, B61-4 und B61-10) und ebenso alle bisherigen strategischen Waffen dieser Bauart (B61-7, B61-11 und B83) ersetzen. Die größere Leistungsfähigkeit wirft eine entscheidende Frage auf: Verstößt das Vorhaben B61-12 gegen die politische Vorgabe von US-Präsident Barack Obama, keine neuen atomaren Waffen und auch keine Waffen mit neuen militärischen Fähigkeiten mehr zu entwickeln? Die zuständige Nationale Nukleare Sicherheitsbehörde (NNSA) bestreitet das: Man benutze für die B61-12 überarbeitete nukleare Komponenten einer vorhandenen Bombe und schaffe auch keine neuen militärischen Fähigkeiten, weil alle Ziele, für die die B61-12 gedacht sei, ja auch in der Vergangenheit bereits bekämpft werden konnten – mit Waffen, die eine wesentlich größere Sprengkraft besaßen.

Kritiker sehen das ganz anders. Hans Kristensen von der Federation of American Scientists kommentiert die gesteigerte Leistungsfähigkeit der Bombe mit kaum überhörbarer Ironie: “Nicht schlecht für eine simple Lebensdauerverlängerung“ sagt er. Stephen Young von der Union of Concerned Scientists weist darauf hin, dass eine verbesserte militärische Leistungsfähigkeit der Waffe von der NNSA für 15 der 16 genauer beschriebenen Verbesserungen an den nicht-nuklearen und nuklearen Komponenten als Zweck und Motiv der Modernisierung genannt wird, während verbesserte Sicherheitsstandards oder der Ersatz veralteter Komponenten nur bei ganz wenigen Verbesserungen erwähnt werde. Schon das mache deutlich, dass die Verbesserung der Leistung die „treibende Kraft“ bei diesem Modernisierungsvorhaben sei.  

(Quelle: BITS Research Report 12.1Ottfried Nassauer)

Bearbeitungsstand: November 2014

Alliant Techsystems

Waffenproduzent, USA

Die Raumfahrtsparte von Alliant Techsystems (ATK) stellt Raketenantriebssysteme für die ballistische, seegestützte Trident-II-D5-Rakete her. Die Trident-II-D5 ist ein dreistufiges, mit Feststoffantrieb ausgestattetes und trägheitsgelenktes Raketensystem. Es stellt das primäre strategische Waffenprogramm des ballistischen US-Navy-Raketensystems dar. Die erstmals 1990 eingesetzte Trident-II-D5 ist das einzige strategische und U-Boot-gestützte Raketensystem der Vereinigten Staaten, das noch produziert wird. Die D5-Raketen werden unter Wasser von Trident-U-Booten abgefeuert, welche 24 Raketenschächte besitzen.

Lockheed Martin ist der Hauptunternehmer für Raketenantriebssysteme. Im November 2009 erhielt Alliant Techsystems von Lockheed Martin einen 100 Millionen US-Dollar schweren Auftrag: Das Unternehmen soll im Jahr 2013 Raketenantriebssysteme für alle drei Stufen der Trident-II-D5 produzieren.

Darüber hinaus baut die ATK-Raumfahrtsparte Raketenantriebssysteme für die ballistische Minuteman-III-Interkontinentalrakete, das Herzstück des US-Nuklearwaffenarsenals während der vergangenen 40 Jahre. ATK ist für die Überholung aller drei mit Festtreibstoff ausgestatteten Antriebsstufen der Rakete verantwortlich, wobei Northrop Grumman das Projekt führt.

Im Laufe des Jahres 2010 wurde das auf zehn Jahre angelegte „Minuteman Propulsion Replacement Program“ (zu deutsch etwa: Programm für den Austausch des Minuteman-Antriebs) abgeschlossen. ATK produzierte fast 1800 Austauschantriebe. Die Produktion wurde bzw. wird in den Jahren 2011 und 2012 auf niedrigerem Niveau im Rahmen des „Minuteman Solid Rocket Motor Warm Line“-Programms fortgeführt, welches ebenfalls von Northrop Grumman geführt wird. ATK wird in diesen zwei Jahren bis zu zehn Antriebssätze bauen. (Quelle: van Gelder, Jan Willem/Spaargaren, Petra/Wright, Tim: Divestment Report. ICAN 2012)

Bearbeitungsstand: April 2012

Weitere Informationen zu Atomwaffenherstellern

Alphastrahlen

engl.: alpha rays

Bei der Strahlung unterscheidet man Teilchenstrahlung (Neutronen-, Beta- und Alphastrahlen) und Wellenstrahlung (Gamma- und Röntgenstrahlen). Alphastrahlen (a-Strahlen) sind eine Teilchenstrahlung von hoher Geschwindigkeit aus dem zerfallenden Kern (schnelle Heliumkerne). Ein Alpha-Teilchen ist relativ langsam und hat in Gasen eine Reichweite von wenigen Zentimetern. Die Strahlung kann etwa 0,05 Millimeter tief in das Körpergewebe eindringen. Schon ein Blatt Papier ist undurchlässig für Alpha-Teilchen. Dringen sie in einen Zellkern ein, wirken sie strukturzerstörend. (XH)

Bearbeitungsstand: Januar 2006

siehe auch: Betastrahlen
siehe auch: Gammastrahlen

Altenburg-Nobitz

ehem. Atomwaffenstandort, Deutschland

Altenburg-Nobitz. Bild: Google EarthWährend der Zeit des Kalten Krieges betrieben die sowjetischen Luftstreitkräfte auf dem Gebiet der damaligen DDR insgesamt sieben aktive Kernwaffenlager im Bereich der Flugplätze Altenburg, Brand, Finsterwalde, Groß Dölln, Großenhain, Lärz und Werneuchen. Auf dem ehemaligen sowjetischen Militärflugplatz Altenburg war das 296. Jagdfliegerregiment der sowjetischen Streitkräfte in Deutschland stationiert. Ab Beginn der 1980er Jahre wurde dieser Verband mit dem atomwaffenfähigen Flugzeugtyp MiG-27 ausgestattet. Nach Aussage von Andreas Grüner lagerten ab dieser Zeit Kernwaffenbomben am Rand des Flugplatzes. (LL)

Das Kernwaffenlager (KWL) Altenburg (50° 58' 19" N, 12° 32' 07" O) lag ca. 42 km südlich von Leipzig in Thüringen. Es befand sich gut getarnt im Wald ca. 2,5 km vom Flugplatz entfernt. Die beiden Lagerbunker der sowjetischen Bunkerbaureihe mit der Bezeichnung GRANIT-3, Typ VI entstanden in den Jahren 1981/82. Je nach Ausstattung und Bauweise konnten diese Bunker für Sonderwaffen (Atomwaffen) genutzt werden. Zum Umschlagen der Waffen mittels Laufkränen fuhren die Militärtransporter in den Bunker hinein, zusammengefügt aus Bogensegmenten hatte sie eine Gesamtlänge inkl. Erdüberdeckung ca. 82 m und Breite ca. 44 m. Im unteren Teil des auf 2 Ebenen geteilten Lagerbunkers befanden sich die beiden Kernwaffenlagerräume, der Verladeplatz, die Netzersatzanlage, Anlagen zur Wasser- und Druckluftversorgung. Im Obergeschoss befand sich der Lagerraum für die Zünder (Initialzünder, um den Kernspaltungs- oder Fusionsprozess in Gang zu setzten), Klima- und Filteranlage zum herausfiltern von chemischen-, bakteriologischen- und radioaktiven Giftstoffen aus der angesaugten Außenluft, sowie die Personalräume. Der Kraftstofftank und Schmutzwasserbehälter befanden sich außerhalb des Schutzbauwerkes. (Quelle: Abenteuer Heimat)

Für die MiG-27 wurde als Bewaffnung unter anderem die taktische Freifall-Nuklearbombe vom Typ TN-1000 mit einer Sprengkraft von 30 Kilotonnen bereitgehalten. Über Anzahl und Dauer der eingelagerten Kernwaffen sind keine Angaben zugänglich. (LL)

Bearbeutungsstand: November 2012

Weitere Informationen über Atomwaffenstandorte in Deutschland
Fotodokumentation bei sperrgebiet.eu

siehe auch: KT (Kilotonne)
siehe auch: Sprengkraft

Alten-Buseck

ehem. Atomwaffenstandort, Deutschland

Hauptbeobachtungsturm, Foto: fulda-gap.de

Das Sondermunitionslager Alten-Buseck (50°38’20“N, 08°45’01“O), auch als Daubringen bekannt, befand sich ca. 8 km nordöstlich der Stadt Gießen in Hessen. Das Lager vermittelt bis heute einen sehr authentischen Eindruck der damaligen Verhältnisse. Es war festungsartiger ausgebaut, sicher nicht zuletzt wegen der Abgeschiedenheit. So gibt es feste, massive Kampfstände, die nur durch Laufgräben erreichbar sind. Das 3- fach umzäunte Gelände wurde mittels Mikrowellensensoren überwacht und nachts durch etliche Scheinwerfer der Bereich der Umzäunung erhellt. Außen warnten Schilder, im Umkreis von 500 Metern fotografieren und "Skizzenzeichnen" zu unterlassen. Auf den beiden Betontürmen waren sehr starke, drehbare Suchscheinwerfer installiert. Das Wachgebäude selbst glich einer Festung, jede Tür ist durch eine abknickende Betonwand und zusätzliche Alarmmelder gesichert, außerdem sind überall Schießscharten angebracht. Auch die Türme waren zumindest mit einfachen Mitteln nicht im Handstreich zu nehmen. Sie verfügen über schusssichere Scheiben sowie Schartenklappen, durch die im Bedarfsfall gefeuert werden konnte. Nach unten zur Treppe wurde der "kleine" Tower durch eine schusssichere, schwere Stahlplatte vom Beobachtungsraum getrennt. Die Special Weapon Bunker selbst waren 3-fach gesichert; einmal durch eine Art Drahtkäfig als Vorbau, dann durch ein normales, Bunkerübliches Stahlschott und im Inneren dann nochmals durch ein massives Stahlschott. (Quelle: www.fulda-gap.de/alten.htm)

ehem Atomwaffenstandort Alten-Busek, Bild: Digital GlobeDort lagerte die gesamte atomare Munition der 5. Panzerdivision mit Sitz in Diez. Das waren im Einzelnen die Atomwaffen für das Artillerieregiement 5 in Diez an der Lahn, dem das FeldArtBtl 51 (Lehrbataillon an der Artillerieschule in Idar-Oberstein) und das RakArtBtl 52 in Gießen unterstanden. Das FeldArtBtl 51 verfügte über eine Batterie atomwaffenfähiger Panzerhaubitzen M110 vom Kaliber 203 mm. Das RakArtBtl 52 verfügte ab 1960 über  3 Batterien und insgesamt 6 Raketenwerfern der Kurzstreckenrakete "Honest John". Später wurden 2 Raketenwerfer "Honest John" je Bataillon außer Dienst gestellt.

Zusätzlich verfügte die PzBrig 6 in Neustadt/Hessen über eine Batterie mit atomwaffenfähigen Panzerhaubitzen M 109 vom Kaliber 155 mm.

Zu unterschiedlichen Zeiten lagerten im Sondermunitionslager Alten-Buseck atomare Sprengköpfe für die Waffensysteme Honest John, PzHaubitze M109 (ab 1972 atomar) und M110 (ab 1960 atomar). (LL)

Bearbeitungsstand: November 2009

Weitere Informationen über Atomwaffenstandorte in Deutschland

siehe auch: Honest John
siehe auch: Panzerhaubitze M 109
siehe auch: Panzerhaubitze M 110
siehe auch: Sondermunitionslager

Amchitka

Atomtestgelände, Alaska/USA (Nordpazifik)

Cannikin Sprengladung. Foto: LANL

Auf der kleinen nordpazifischen Insel Amchitka (51°10'N, 178°55'O) wurden insgesamt drei unterirdische Atombombentests durchgeführt. Vor allem der umstrittene „Cannikin-Test” führte zu großem Widerstand, da man befürchtete, er könne Erdbeben oder Tsunamis auslösen. Im Zuge der Proteste gegen die Atomdetonationen auf Amchitka entstand die Anti-Atombewegung Greenpeace.

Hintergrund
Um Atombomben testen zu können, deren Sprengkraft zu groß für das Testgelände in Nevada war, wählte die US-amerikanische Atomenergiekommission (AEC) die kleine Alëuteninsel Amchitka aus – einen militärischen Außenposten des Zweiten Weltkrieges, nur etwa 140 Kilometer entfernt vom sowjetischen Marinestützpunkt Petropawlowsk in Sibirien. Die Insel war zwar unbewohnt, aufgrund ihres vulkanischen Ursprungs jedoch tektonisch höchst instabil. Dennoch zündeten die US-Streitkräfte am 29. Oktober 1965 die Atombombe „Long Shot” mit einer Sprengkraft von 80 KT (Kilotonnen) in einem 700 m tiefen Loch. Es sollten so Daten gewonnen werden, um künftige unterirdische Atombombentests der UdSSR besser aufspüren zu können.

„Milrow”, eine zweite Testexplosion mit einer MT (Megatonne) Sprengkraft folgte am 2. Oktober 1969. Die Nachricht, dass ein dritter Test mit einer noch größeren Bombe auf Amchitka durchgeführt werden sollte, rief rasch internationale Kritik hervor. Viele befürchteten, dass eine unterirdische Explosion dieses Ausmaßes möglicherweise Erdbeben und Tsunamis auslösen könnte. In Vancouver gründete eine Gruppe von Antiatom-Aktivisten das „Don’t Make A Wave”-Komitee, aus dem später die Organisation Greenpeace hervorging. Trotz massiver Proteste setzten die USA ihre Testreihe fort und zündeten am 6. November 1971 eine 5 MT-Bombe in einem 1,8 km tiefen Schacht. Der sogenannte „Cannikin”-Test schuf eine gigantische unterirdische Höhle und einen 1,6 km großen Krater. Die Explosion hob den Boden um etwa sechs Meter, löste Erdrutsche aus und riss riesige Schneisen durch das gesamte Testgelände. Die Explosion wurde mit einem Wert von sieben auf der Richterskala registriert.

Folgen für Umwelt und Gesundheit
Das „International Institute of Concern for Public Health” (IICPH) gibt an, dass etwa 2.000 Arbeitskräfte an den Atombombentests auf Amchitka beteiligt waren. Sie alle waren nicht mit wirksamer Schutzkleidung ausgestattet und wurden radioaktiven Partikeln wie Tritium oder Cäsium-137 ausgesetzt. Es erfolgte lediglich eine beschränkte Überwachung der Strahlendosen. Aufzeichnungen über Strahlenexpositionen wurden rasch vernichtet, sodass es bis heute nicht möglich ist, das Ausmaß der Strahlenbelastung zu beziffern, dem die Belegschaft ausgesetzt war. Krebsraten in dieser Gruppe, insbesondere die von Leukämien und Lymphomen, sind Berichten zufolge jedoch hoch. Bis heute wurden allerdings keine umfassenden Studien oder groß angelegte medizinische Nachuntersuchungen durchgeführt. Radioaktives Material verbreitete sich in unterirdischen Höhlen, die durch die Explosion entstanden waren, sowie im Grundwasser, von wo es möglicherweise ins Meer gelangte. Die Annahme, dass tiefe Gesteinsschichten die freigesetzte Radioaktivität zurückhalten würde, erwies sich, wie Feldstudien zeigten, als optimistische Illusion. So fanden Greenpeace Biologen auf Amchitka in den Jahren 1996 und 1997 Plutonium-239/240 und dessen Zerfallsprodukt Americium-241 in Proben von Süßwasserpflanzen und Bächen. Greenpeace schloss daraus, dass es zu umfangreichen radioaktiven Lecks ins Grundwasser und in den Ozean gekommen sein musste. Die Region ist seismologisch instabil und beherbergt aktive Vulkane. Dadurch ist das langfristige Risiko eines Übertritts von Radioaktivität in den Pazifik relativ hoch. Betroffen wäre hiervon vor allem die indigene Bevölkerung der Alëuten, die Unangan, da sie ihren Nahrungsbedarf in hohem Maße durch Meerestiere deckt.

Ausblick
Aufgrund des beträchtlichen Expositionsrisikos und der nachweislich inadäquaten Überwachung der Strahlendosen erhielt die Amchitka-Belegschaft im Entschädigungsgesetz für Berufserkrankungen von Angestellten im Energiebereich aus dem Jahre 2000 den Status einer „Speziellen Expositionskohorte”. So haben sie zwar theoretisch einen Kompensationsanspruch, wenn sie an strahleninduzierten Erkrankungen wie Krebs erkranken. In der Praxis hat sich jedoch gezeigt, dass die Bewilligung von Leistungen nicht einfach ist. Auch sind die Rufe nach einer angemessenen Aufarbeitung der Folgen der Atombombentests auf Amchitka für die Umwelt und Gesundheit, vor allem der indigenen Bevölkerung der Nachbarinseln, nie abgeebbt. Auch sie sind Hibakusha. (Quelle: IPPNW-Ausstellung “Hibakusha weltweit“)

Bearbeitungsstand: August 2013

»Weitere Informationen zur Geschichte von Atomtests

 

 

Amsterdamer Aufruf

engl.: Amsterdam Appeal

Der »Aufruf der Internationalen Ärzte zur Beendigung des atomaren Rüstungs-Wettlaufs« (engl.: »Call for an end to the nuclear arms race«) wurde während des 3. IPPNW-Welt-Kongresses (1983) in Amsterdam entwickelt. Die Petition wurde von den 219 Kongress-Delegierten aus 43 Ländern unterstützt.

»Als Ärzte möchten wir unserer beruflichen Besorgnis über die historisch beispiellose Bedrohung des Lebens und der Gesundheit, die von Atomwaffen ausgeht, Ausdruck verleihen – eine Bedrohung, die über hunderten Millionen von Menschen schwebt. Die zunehmende Anhäufung von zerstörender Kraft und die Entwicklung immer ausgeklügelter Waffen erhöhen das Risiko eines Atomkrieges immens.

Wenn nur eine einzige Atombombe über einer unserer großen Städte gezündet wird, so werden Hunderttausende getötet. Sollten viele Atombomben gezündet werden, dann werden radioaktiver Fallout und die Störung der Biosphäre Leiden und Tod verursachen – vor allem durch Hungersnot, Strahlenkrankheit, ansteckende Krankheiten und Krebs – ohne Rücksicht auf nationale Grenzen. Die verbleibenden ärztlichen Einrichtungen und ihr Personal werden nicht ausreichen, um den Verwundeten zu helfen. Ein totaler Atomkrieg würde das Ende unserer gegenwärtigen Zivilisation bedeuten.

Die Kosten des Rüstungs-Wettlaufs bestehen nicht nur aus den riesigen Summen, die der Rüstung in einer Welt zugeführt werden, in der zehntausende Menschen täglich an behandelbaren Krankheiten sterben. Die Kosten bestehen auch aus dem großen psychischen Schaden, der vor allem junge Menschen und Kindern zugefügt wird, die um ihre Zukunft bangen müssen.

Nach unserer Erkenntnis liegt in dem Bemühen um ein Abkommen zur Beendigung des atomaren Rüstungs-Wettlaufs und zur Verhinderung eines Gebrauchs von Atomwaffen in allen Konflikt-Situationen eine Hauptaufgabe der Politik. Wir erachten ein solches Abkommen als notwendig und dringlich, denn die Bedrohung durch einen Atomkrieg stellt die größte Herausforderung an die Gesundheit und das Überleben dar, der die Menschheit jemals ausgesetzt war. Als Ärzte sind wir davon überzeugt, dass ein Atomkrieg die letzte Epidemie wäre«. (Quelle: IPPNW)

Bearbeitungsstand: April 2008

siehe auch: Atombombe
siehe auch: Atomkrieg

Anadyr-Operation

Anadyr (Fluss in Sibirien) war der Codename für eine sowjetische Militäroperation Anfang der 1960er Jahre zur Verlegung von sowjetischen Kampftruppen und mehrerer atomarer Mittelstreckensysteme auf die Insel Kuba. Der Plan sah eine gigantische Aufrüstung Kubas vor: 24 Mittelstreckenraketen mit einer Reichweite von 1.600 Kilometern, 16 Interkontinentalraketen mit einer Reichweite von 3.200 Kilometern, jeweils bestückt mit einem Atomsprengkopf. Mit ihrer Aufstellung in Kuba würde sich die Zahl der Atomraketen, die die USA treffen könnten, verdoppeln. Außerdem sollten zwei Bataillone mit T-55-Panzern auf Kuba stationiert werden, eine Staffel der modernsten Kampfjäger, 70 Atombomber und 80 Marschflugkörper mit je 60 Kilometer Reichweite. Auch eine Basis für Atom-U-Boote sollte es geben. Etwa 51.000 Soldaten waren vorgesehen, davon 10.000 Mann Kampftruppen.

Ende Juli 1962 begann das Unternehmen. Es war die größte amphibische Operation in der Geschichte der UdSSR und gleichzeitig die größte sowjetische Geheimoperation während  des Kalten Krieges. 85 Schiffe standen zur Verfügung, die in sechs Häfen von Sewastopol bis Murmansk beladen wurden. Kapitäne und Mannschaften kannten bis zum Atlantik das Ziel noch nicht. Sie mussten Winterkleidung und Skier mit sich führen, um den Eindruck zu vermeiden, es gehe in die Karibik. Die Schiffe selbst waren als Holzfrachter getarnt, die Raketenteile in den Laderäumen versteckt. Jeder Kapitän bekam einen Briefumschlag, der erst  auf hoher See geöffnet werden durfte. Es gab die Anweisung, dass bei einem Angriff ein Ausweichmanöver durchgeführt, der Dokumentenbestand vernichtet und notfalls das Schiff versenkt werden sollte. 

Zur weiteren Erhöhung der Schlagkraft entschied der sowjetische Ministerpräsident Chruschtschow im August 1962 weitere Einheiten nach Kuba zu verlegen. Dabei handelte es sich um eine Staffel mittlerer Bombenflugzeuge vom Typ Il-28 mit sechs Nuklearsprengköpfen von 8 bis 12 KT und bis zu drei Abteilungen mit taktischen ballistischen Raketen vom Typ 3R9 Luna-1 (FROG-4). Personal und Material erreichten im Oktober auf mehreren Schiffen die Insel Kuba. Als die im Bau befindlichen Abschussbasen am 14. Oktober 1962 von einem US-amerikanischen U-2-Aufklärungsflugzeug entdeckt wurden, begann die sogenannte Kubakrise. (LL | Quelle: Rolf Steininger , DIE ZEIT Nº 41/201222. Oktober 2012)

Bearbeitungsstand: September 2014

Anfangsstrahlung

engl.: initial radiation

Anfangsstrahlung ist die Kernstrahlung, die innerhalb der ersten Minute nach der Detonation eines Atomsprengkörpers ausgesandt wird. Sie besteht im Wesentlichen aus Beta-, Gamma- und Neutronenstrahlung.Als Faustregel gilt, dass bei oberirdischen Detonationen ca. 5% der gesamten Strahlenmenge als Anfangsstrahlung auftreten. Der Hauptteil der freigesetzten Radioaktivität wird als Rückstandsstrahlung und auf lange Sicht als Reststrahlung bezeichnet. (LL)

Bearbeitungsstand: Mai 2010

siehe auch: Betastrahlen
siehe auch: Gammastrahlen
siehe auch: Neutronenstrahlen

Antarktis-Vertrag

engl.: Antarctic Treaty

Der Antarktis-Vertrag wurde am 1. Dezember 1959 in Washington unterzeichnet und trat am 23. Juni 1961 in Kraft. Der Antarktis-Vertrag regelt die Nutzung der Antarktis ausschließlich zu friedlichen Zwecken. Gleichzeitig untersagt er die Einrichtung "jeglicher Maßnahmen mit militärischem Charakter" und verbietet alle Atomwaffenexplosionen sowie die Entsorgung radioaktiven Mülls. Stattdessen erlaubt der Vertrag die Nutzung der Antarktis zur internationalen Kooperation für wissenschaftliche Forschung zum Fortschritt und zur Weiterentwicklung der Menschheit. Der Vertrag beinhaltet ein Kontrollsystem auf der Grundlage nationaler Verifikation mittels Inspektion durch nationale, von den Vertragsparteien benannte Beobachter. Der Vertrag erlaubt die Luftbeobachtung zu jeder Zeit in jedem Gebiet der Antarktis. Die Beobachter haben jederzeit freien Zutritt zu allen Gebieten und Einrichtungen in der Antarktis. Die Bestimmungen dieses Vertrages gelten in dem Gebiet südlich des 60. Breitengrades. Sie beschränken in keiner Weise die Rechte auf hoher See innerhalb dieses Gebietes. (LL)

Bearbeitungsstand. Oktober 2004

Antarktis-Vertrag im Wortlaut

Mehr zu Rüstungskontrolle

Appell für eine atomwaffenfreie Welt

engl.: »A Nuclear Weapon-Free World«

Shultz, Kissinger und Nunn bei der Konferenz "Rekjavik revisited", Foto: Hoover Institution

Im Januar 2007 richteten vier namhafte Veteranen der amerikanischen Politikszene – Henry Kissinger, Georg Shultz, William Perry und Sam Nunn – einen dramatischen Appell an ihre Nation: Amerika stehe vor einem neuen Nuklearzeitalter, gefährlicher und kostspieliger als der Kalte Krieg. Sie empfahlen entschiedene Anstrengungen der Rüstungskontrolle als den einzigen Weg, um der Fehlentwicklung entgegenzuwirken.

„Wenn nicht dringlich gehandelt wird“, schrieben sie, „so werden die USA alsbald gezwungen sein, in ein neues Nuklearzeitalter einzutreten, das gefährlicher, seelisch belastender und ökonomisch noch kostspieliger sein wird als zu Zeiten des Kalten Krieges.“ […] Der Appell enthält acht konkrete Vorschläge. Sie reichen von einer parteiübergreifenden Initiative im Kongress zur Ratifizierung des umfassenden atomaren Teststoppvertrages (Comprehensive Test Ban, CTB) bis zur weltweiten Kontrolle der Urananreicherung und zur globalen Beendigung der Herstellung von waffenfähigem spaltbarem Material (Cut-Off). Der Aufruf der vier ist im amerikanischen Interesse ergangen. Er liegt zugleich im Interesse jener 188 Staaten der Welt, die den Atomwaffensperrvertrag (Non-Proliferation Treaty, NPT) ratifiziert haben. (Quelle: Helmut Schmidt in DIE ZEIT, Nr. 11 vom 8.3. 2007)

Im Januar 2008 veröffentlichten die vier namhaften Staatsmänner wieder einen Meinungsartikel im Wall Street Journal in dem sie erneut für eine atomwaffenfreie Welt plädieren. Aufbauend auf dem Artikel von Januar 2007 nennt die Gruppe zusätzlich namhafte Persönlichkeiten in der US-amerikanischen politischen Klasse, die diese Vision mit ihnen teilen. Die meisten davon sind ehemalige Außenminister oder Verteidigungsminister, z.B. Madeleine Albright, Colin Powell und Robert McNamara. 

Im Januar 2009 haben die vier deutsche Staatsmänner Egon Bahr, Hans-Dietrich Genscher, Helmut Schmidt und Richard von Weizsäcker in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung eine Erklärung für die Abrüstung veröffentlicht.

Bearbeitungsstand: Dezember 2016

»Appell vom 4. Januar 2007 im Wortlaut (deutsch)

»Artikel vom 15. Januar 2008 im Wortlaut (deutsch)

Bild oben: George Shultz und Henry Kissinger in der American Academy, Berlin, am 2.4.2009. Foto: Xanthe Hall / IPPNW

Arak

engl.: Arak

Arak Schwerwasserreaktor im Iran. Foto: Nanking2012

Der iranische Präsident Mahmud Ahmadinejad weihte in der Nähe von Arak, 230 Kilometer südwestlich der Hauptstadt Teheran, eine Anlage zur Herstellung von so genanntem Schwerwasser ein. Schwerwasser wird als Kühl- und Bremsmittel in Schwerwasserreaktoren verwendet. Bei dieser Art von Reaktoren fällt Plutonium als Abfallprodukt an, das zum Bau von Atomwaffen verwendet werden kann.

In Arak existiert nach Angaben der Internationalen Atomenergie- Organisation IAEO (IAEA) bereits ein kleiner Schwerwasser-Forschungsreaktor, der am 22. April 2006 inspiziert worden sei. Die IAEO stellte dabei Arbeiten zum Ausbau der Reaktoranlage fest. Dort soll ein großer Schwerwasser-Reaktor gebaut werden.

Nach offiziellen iranischen Angaben dient die Anlage vor allem medizinischen Zwecken. Der Sprecher des Außenministeriums Hamid-Reza Azefi sagte, die Anlage in Arak stelle einen weiteren großen Schritt iranischer Wissenschaftler dar.  (Quelle: apa-Meldung, 26.08.2006)

Bearbeitungsstand: Oktober 2009

»Weitere Informationen zum iranischen Atomprogramm

Archangelsk

Russische Werft für Atom-U-Boote

Das Gebiet Archangelsk liegt im Norden Russlands. Von besonderer militärischer Bedeutung ist die am Weißen Meer gelegene Stadt Sewerodwinsk mit ca. 200.000 Einwohnern. Die dort ansässige Sewmasch-Werft ist die einzige in Russland, in der Atom-U-Boote für die russische Marine gebaut werden. Zu nennen sind hier die bekannten Serien von der November- bis zur Typhoon-Klasse. Bis heute sind ca. 130 Atom-U-Boote in Sewerodwinsk vom Stapel gelaufen. Dazu gehört auch der weltgrößte U-Boot-Kreuzer, der je gebaut wurde mit der Typenbezeichnung „Taifun“.
Die Entwicklung und der Bau modernster Unterwasser-Kreuzer wird zwar mit begrenzten Mitteln, aber kontinuierlich fortgesetzt. So wurde das erste Boot einer neuen Serie, das Atom-U-Boot „Juri Dolgoruki“, im Februar 2008 nach 12 jähriger Bauzeit zu Wasser gelassen.
Es folgte der Stapellauf der „Alexander Newski im November 2010. Zwei weitere Boote befinden sich derzeit im Bau. Insgesamt sollen acht Boote dieses Typs an die russische Marine ausgeliefert werden. Diese Boote sollen ab 2018 bis ca. 2040 die Basis für Russlands seegestützte Atomwaffen bilden. (LL)

Bearbeitungsstand: Oktober 2011

siehe auch: Borej-U-Boot
siehe auch: Typhoon U-Boot

Argentinien

engl.: Argentina

Bereits im Jahr 1950 gründete Argentinien eine nationale Atomenergiebehörde (Comision Nacional de Energia Atomica) zum Zwecke der friedlichen Nutzung von Atomenergie. Während der Zeit der Militärdiktatur (1976-1983) startete das Land 1978 ein geheimes Programm zur Entwicklung von Atomwaffen. Unmittelbar nach Beendigung der Militärdiktatur wurde dieses Programm wieder gestoppt. US-amerikanische Geheimdienstinformationen beinhalten Hinweise, dass Argentinien noch in den 1980er Jahren den Bau eines Atom-U-Bootes vorantrieb. Anlass für diese Planungen waren die Spannungen mit dem Nachbarland Brasilien, das ebenfalls ein geheimes Atomwaffenprogramm vorantrieb.

Argentinien und Brasilien verständigten sich 1991 auf die Beendigung ihrer geheimen Kernwaffenprogramme. Sie gründeten eine gemeinsame Behörde, deren Aufgabe es ist, mittels beiderseitiger Kontrollen sicherzustellen, dass beide Staaten ihre Atomenergie nur zur friedlichen Energiegewinnung nutzen. Argentinien trat im Februar 1995 dem Atomwaffensperrvertrag bei. (LL)

siehe auch: Atomwaffensperrvertrag

Bearbeitungsstand: April 2008

Arsamas-16

Als Josef Stalin im Frühsommer 1945 von Präsident Truman über die ersten amerikanischen Kernwaffentests unterrichtet wurde, verzichtete er nach außen hin auf jede Reaktion. Er hoffe, die Amerikaner würden es verstehen, von der Waffe »einen guten Gebrauch zu machen« - mehr soll er nicht gesagt haben.

Hinter den Kulissen allerdings erhielt das Forscherkollektiv unter dem Kernphysiker Igor Kortschatow Order, das eigene Kernwaffenprogramm »maximal zu beschleunigen«. Mit einem gigantischen Aufwand an Personal und Material wurde das Projekt in Arsamas-16, dem Geburtsort der sowjetischen Atombombe südlich von Nishni Nowgorod, vorangetrieben. Am 29. September 1949 meldete die Nachrichtenagentur TASS, ein Kernsprengsatz sei erfolgreich getestet worden. (Quelle: Wolfgang Kötter, Freitag, Nr. 39, 17. 09 2004)

Da Stalin die Bombe so schnell wie möglich wollte, beachtete niemand den unverhältnismäßig hohen Aufwand für Material, Geld und Ressourcen. In der geforderten Menge konnten diese nur mit Hilfe von Zwangsarbeit gewonnen werden. Die Ressourcen fehlten dem Land außerdem beim Wiederaufbau nach dem Krieg.

Mit der Atomindustrie breiteten sich das Projekt, und damit auch die Verbindung von Wissenschaft und Zwangsarbeit, schnell über den europäischen Teil der Sowjetunion aus. Da die Entwicklung der Bombe die gesamte Zeit über ein sehr sensibles Projekt war, entstanden ganze Geheimstädte, darunter auch Arsamas-16 (heute Sarow). Die Städte lagen tief im Innern der Sowjetunion, um sie gegen Angriff und Spionage zu schützen. Arsamas-16 selbst wurde unweit eines Arbeitslagers gegründet. Mit Hilfe von Zwangsarbeitern baute man in kurzer Zeit die gesamte Infrastruktur auf, so zum Beispiel das Konstruktionsbüro-11, in dem man die Experimentalphysiker sammelte. In Arsamas-16 lebten die Forscher auf einem 250 qkm von Stacheldraht umzäunten Gelände unter strengem Ausgangsverbot. Sie wurden bewacht und überwacht: Das Atomprojekt bediente sich einer ungeheuren Masse von Zwangsarbeitern, Männern und Frauen. Es wird geschätzt, dass in der Atomindustrie insgesamt zwischen 300.000 und 460.000 Menschen beschäftigt wurden, etwa drei Viertel davon in den Minen – doch auch in der Konstruktion, in der Produktion und in der Forschung. (Quelle: Andreas Heinemann-Grüder: Die erste sowjetische Atombombe, Münster 1992)

Bearbeitungsstand: September 2007

Siehe auch: KURTSCHATOW Igor

Arsbeck-Wegberg

ehem. Atomwaffenstandort, Deutschland

Arsbeck Sonderwaffenlager, Foto: Google Earth 2000Die Bereitschaftsstellung Arsbeck-Wegberg (51°09'49“N, 06°12'54“O) lag ca. 16 km westlich der Stadt Mönchengladbach in Nordrhein-Westfalen. Ab 1976 war hier die Flugkörpergruppe 21 stationiert, die dem Flugkörpergeschwader 2 in Geilenkirchen unterstand. Die Stellung verfügte über feste Unterkünfte, ein Wirtschaftsgebäude und einen technischen Bereich. Die gesamte Anlage war durch einen Zaun gesichert und als militärisches Sperrgebiet gekennzeichnet. Der "Innere Bereich" auch "Limited Area" genannt, wurde zusätzlich  durch einen Doppelzaun gesichert. Dieser Bereich war vom äußeren Bereich nur durch das, von amerikanischen Soldaten besetzte, CGH (Custodial Gate House) erreichbar. Die US Custodial-Einheit hatte die Aufgabe, die Bewachung der Gefechtsköpfe wahrzunehmen.

Über asphaltierte Wege wurden die drei Abschussbereiche erreicht. Auf der A-, B- und C-Plattform schließlich befanden sich je ein Abschussbereich mit je drei Waffensystem Pershing-IA. Diese waren mit  atomaren Sprengköpfen vom Typ W50 bestückt, die über festgelegte KT-Werte von 60, 200 oder 400 KT verfügten.

Ab November 1986 wurde die Bereitschaftsstellung Arsbeck-Wegberg vom Flugkörpergeschwader 2 nicht mehr genutzt. Damit endete die Einsatzzeit der Pershing-1A in dieser Stellung. (Quelle: Stephan Olessak)

Bearbeitungsstand: Dezember 2009

Weitere Informationen über Atomwaffenstandorte in Deutschland

siehe auch: KT (Kilotonne)
siehe auch: Pershing-Rakete

Artikel IV (NVV)

engl.: Article IV (NPT)

Artikel IV des Nichtverbreitungsvertrags

Im Wortlaut:

(1) Dieser Vertrag ist nicht so auszulegen, als werde dadurch das unveräußerliche Recht aller Vertragsparteien beeinträchtigt, unter Wahrung der Gleichbehandlung und in Übereinstimmung mit den Artikeln I und II die Erforschung, Erzeugung und Verwendung der Kernenergie für friedliche Zwecke zu entwickeln.

(2) Alle Vertragsparteien verpflichten sich, den weitestmöglichen Austausch von Ausrüstungen, Material und wissenschaftlichen und technologischen Informationen zur friedlichen Nutzung der Kernenergie zu erleichtern, und sind berechtigt, daran teilzunehmen. Vertragsparteien, die hierzu in der Lage sind, arbeiten ferner zusammen, um allein oder gemeinsam mit anderen Staaten oder internationalen Organisationen zur Weiterentwicklung der Anwendung der Kernenergie für friedliche Zwecke, besonders im Hoheitsgebiet von Nichtkernwaffenstaaten, die Vertragspartei sind, unter gebührender Berücksichtigung der Bedürfnisse der Entwicklungsgebiete der Welt beizutragen.

Bearbeitungsstand: Mai 2010

Artikel VI (NVV)

engl.: Article VI (NPT)

Artikel VI des Nichtverbreitungsvertrags (auch als Atomwaffensperrvertrag bekannt)

Das Versprechen der fünf offiziell als Atomwaffenstaaten anerkannten Länder unter Artikel VI des Nichtverbreitungsvertrag (NVV), Verhandlungen zu führen, über wirksame Maßnahmen zur Beendigung des nuklearen Wettrüstens in naher Zukunft und zur nuklearen Abrüstung, war Voraussetzung für die Zustimmung der Nicht-Atomwaffenstaaten zur im Artikel II enthaltenen Verpflichtung, keine Atomwaffen oder die Verfügungsgewalt darüber anzunehmen, herzustellen oder zu erwerben.

Die im Artikel VI enthaltene Abrüstungsverpflichtung wird nicht im Detail konkretisiert. Weder sind die einzelnen Schritte zu einer vollständigen Abschaffung von Atomwaffen festgelegt, noch wird ein Zeitplan definiert.

Der Internationale Gerichtshof erklärte jedoch in einem Rechtsgutachten vom 8. Juli 1996: „Es besteht eine völkerrechtliche Verpflichtung, in redlicher Absicht Verhandlungen zu führen und zum Abschluss zu bringen, die zu nuklearer Abrüstung in allen ihren Aspekten unter strikter und wirksamer internationaler Kontrolle führen“.

Die Republik der Marshallinseln hat am 24. April 2014 ein Klageverfahren beim Internationalen Gerichtshof (IGH) in Den Haag eingeleitet. Den Staaten USA, Russland, Großbritannien, Frankreich, China, Israel, Indien, Pakistan und Nordkorea wird im Kern vorgeworfen, ihre Verpflichtungen zur nuklearen Abrüstung, die aus Art. VI des Atomwaffensperrvertrags und dem Völkergewohnheitsrecht hervorgehen, nachhaltig zu verletzen.

Im Wortlaut

„Jede Vertragspartei verpflichtet sich, in redlicher Absicht Verhandlungen zu führen über wirksame Maßnahmen zur Beendigung des nuklearen Wettrüstens in naher Zukunft und zur nuklearen Abrüstung sowie über einen Vertrag zur allgemeinen und vollständigen Abrüstung unter strenger und wirksamer internationaler Kontrolle.“

Bearbeitungsstand: Mai 2015

» Weitere Information zum Atomwaffensperrvertrag

Artilleriespezialzug

engl.: special artillery division

Panzerhaubitze M110 203mm, Foto: militaryphotos.net

Die Artillerieverbände der Bundeswehr verfügten auf Brigadeebene über Panzerartillerie vom Kaliber 155 mm und auf Divisionsebene über Feldartillerie vom Kaliber 203 mm. Mit diesen Waffensystemen konnten prinzipiell auch Atomgranaten verschossen werden. Dazu standen in jeder Division speziell ausbebildete Soldaten in sogenannten Artilleriespezialzügen bereit. Die Soldaten dieser Spezialzüge sollten nach Freigabe der atomaren Munition die für den Verschuss vorgesehenen Artilleriegeschütze von den regulären Artillerieverbänden übernehmen. Dabei war ein Zug für das schwere Feldartillereibattaillon (M110, Kaliber 203 mm) der Division zuständig, während der zweite Zug das jeweilge Brigadeartilleriebataillon (M109, Kaliber 155 mm) unterstützte.

Es war vorgesehen, dass die Artilleriespezialzüge der Bundeswehr im Kriegsfall die Atomgranaten mit fertig montierten Sprengköpfen von den Amerikanern übernehmen sollten. Die deutschen Soldaten waren dann für den Einbau der Zünder, das Laden der Granaten in das Geschütz und das Abfeuern verantwortlich. Dieses Verfahren wurde in Friedenszeiten regelmäßig mit Atrappen geübt. (LL)

Bearbeitungsstand: April 2010

siehe auch: Panzerhaubitze M 109
siehe auch: Panzerhaubitze M 110

Aschaffenburg

ehem. Atomwaffenstandort Deutschland

Das Sondermunitionslager Aschaffenburg (49°56'23“N, 9°11'00“O) lag ca. 4 km südöstlich der Stadt Aschaffenburg in Nordbayern. Das Lager wurde ausschließlich von der US-Army betrieben und bewacht.

Hier lagerten vermutlich ca. 50 Atomsprengköpfe verschiedener Kaliber, die im sogenannten „Fulda Gap“ zum Einsatz kommen sollten.

In den Jahren 1969/1970 erfolgte zudem die Verlegung von Atomminen aus den Depots nahe der Grenze zur DDR und zur Tschechoslowakei in den weiter westlich gelegenen amerikanischen Verantwortungsbereich. Dabei handelte es sich um mehr als 200 ADMs (Atomic Demolition Munition), die bis zu ihrem endgültigen Abzug in die USA (bis 1984) auf dem Militärflugplatz Kornwestheim, in Aschaffenburg, Darmstadt-Breitefeld, Dexheim, Hanau, Eschborn, Ettlingen und Wildflecken eingelagert wurden (Bald, Politik der Verantwortung, S. 121). Über die genauen Stückzahlen sind bis heute keine Daten zugänglich.

Ab 1976 lagerten hier auch thermonukleare Sprengköpfe für die Kurzstreckenrakete Lance. Dabei handelte es sich um den Nukleargefechtskopf W-70, der über eine variable Sprengleistung von 0,7-100 KT verfügt:

  • Version Mod.0: 1.000 t
  • Version Mod.1: 10.000 t
  • Version Mod.2: 100.000 t
  • Version Mod.3: 750 t
  • Version Mod.4: 1.250 t (LL)

Die Anlage ist (April 2007) in einem noch verhältnismäßig guten Zustand. (Quelle: www.fulda-gap.de/Depots/schweinsheim.htm) Insgesamt gab es sechs US-Batallione mit "Lance"-Raketen in Deutschland: V. Corps: Hanau, Wiesbaden, Gießen. VII. Corps: Aschaffenburg, Crailsheim und Herzogenaurach. (LL)

Weitere Informationen zu Atomwaffenstandorten in Deutschland

Bearbeitungsstand: Februar 2012

siehe auch: ADM
siehe auch: Fulda Gap
siehe auch: KT (Kilotonne)
siehe auch: Lance-Rakete
A-Texte

Athener Richtlinien

engl.: Athens Guidelines

Die Athener Richtlinien stammen aus dem Jahr 1962. Sie beinhalten – soweit Zeit und Umstände es erlaubten – eine Konsultationsmöglichkeit vor einem NATO-Nuklearwaffeneinsatz. Die USA waren zu dieser Zeit zu einer neuen Strategie, der »flexiblen Antwort«, übergegangen und drängten auf eine entsprechende Anpassung der NATO-Strategie. (Quelle: Berliner Informationszentrum für transatlantische Sicherheit (BITS))

Inwieweit Einsatzbefugnisse an amerikanische nationale und Bündnisbefehlshaber delegiert wurden, ist aus den Richtlinien nicht ersichtlich. In so genannten »Notfällen« und bei »drohender Vernichtung« der eigenen Verbände scheinen die amerikanischen Befehlshaber auch im europäischen Vertragsgebiet der NATO eine gewisse Handlungsfreiheit besessen zu haben. Dass die amerikanischen Befehlshaber in Europa grundsätzlich die »sofortige Entscheidungsgewalt« der ihnen zur Verfügung stehenden Nuklearwaffen haben mussten, ergab sich aus der massiven konventionellen Überlegenheit der Warschauer Paktstaaten, deren Bekämpfung im Falle eines Angriffs unverzüglich erfolgen musste. Nur so war zu verhindern, dass das europäische Vertragsgebiet »überrannt« wurde und die eigenen konventionellen Kräfte einer sofortigen Vernichtung ausgesetzt waren.
(Quelle: Christian Greiner: Die NATO als Militärallianz)

Bearbeitungsstand: Februar 2009

Atlas-Rakete

engl.: Atlas missile

Die Geschichte der Atlas begann am 29. März 1946, als die Firma Convair mit der Entwicklung einer ballistischen Fernrakete mit 8.000 Kilometer Reichweite beauftragt wurde. Entwicklungschef war der aus Belgien stammende Karel Bossart. Mit dem erfolgreichen Test der ersten sowjetischen Atombombe im Jahre 1949 und dem Ausbruch des Koreakrieges, bekam die Entwicklung neuer Waffensysteme höchste Priorität. Am 11. Juni 1957 startete die erste Atlas-Rakete. Da sie aber nach einer Flugzeit von 51 Sekunden zerstört werden musste, waren es die Sowjets, denen im August 1957 der erste Flug einer Interkontinentalrakete über die volle Distanz gelang. Aber schon am 17. Dezember 1957 gelang der amerikanischen Luftwaffe der erste erfolgreiche Flug einer Atlas-Rakete.

Die Basisversion der Atlas verfügte über ein kardanisch aufgehängtes Haupt- und zwei zusätzliche Starttriebwerke, die nach Brennschluss abgeworfen wurden, während das Haupttriebwerk weiterarbeitete. Die Außenhaut der silberfarbenen Atlas war so dünnwandig, dass sie beim Leertransport durch Innendruck versteift werden musste. Die Stahlbleche hatten nur eine maximale Stärke von einem Millimeter. Der selbsttragende Rumpf war gleichzeitig Treibstoffbehälter. Der Vorteil dieser Bauweise lag in einem extrem niedrigen Leergewicht. Neben dem Haupttriebwerk wurden beim Start gleichzeitig zwei äußere Booster-Triebwerke gezündet. Nach einer Brenndauer von 131 Sekunden wurden diese abgeschaltet. Danach wurden diese mitsamt ihrer aerodynamischen Verkleidung abgestoßen. Das Haupttriebwerk brannte noch 271 Sekunden lang weiter. Als Brennstoff kam Petroleum zum Einsatz, das unter einem Druck von 4,2 bar stand. Der Sauerstoffbehälter stand unter einem Druck von 2,1 bar. (Quelle: urbin.de)

Bearbeitungsstand: November 2007

siehe auch: Interkontinentalrakete

Atom

Einheit chemischer Elemente. Besteht aus dem Atomkern, in dem fast die ganze Masse des Atoms konzentriert ist, und den Hüllenelektronen, die den Atomkern in einer oder mehreren Schalen umkreisen. Der Atomkern setzt sich aus zwei Arten von Kernteilchen von etwa gleicher Masse zusammen, den positiv geladenen Protonen und den ungeladenen Neutronen. Die Massezahl des Atoms entspricht der Zahl aller Kernteilchen, die Kernladung der Zahl der Protonen. In einem nicht ionisierten (elektrisch neutralen) Atom entspricht die Zahl der negativ geladenen Hüllenelektronen der Kernladung, also der Zahl der Protonen. Die Zahl und Anordnung der Hüllenelektronen bestimmt die chemischen Eigenschaften des Atoms. (Robert Jungk: Der Atomstaat, München 1977, S. 221.)

Bearbeitungsstand: September 2007

Siehe auch: Neutronen
Siehe auch: Protonen

Atom-Annie

engl.: Atomic Annie

Am 25. Mai 1953 testet die US-amerikanische Armee in der Wüste von Nevada erstmals ein Artilleriegeschoss mit atomarer Sprengladung. Das dabei verwendete Geschütz hatte ein Kaliber von 280 mm und wurde unter der Bezeichnung »Atom-Annie« bekannt. Soweit bekannt, wurde nur ein einziger Test mit einem scharfen Gefechtskopf durchgeführt. Die Sprengkraft der Bombe betrug ca. 16 KT und entsprach damit in etwa der Hiroschimabombe. Noch im selben Jahr wurden insgesamt sechszehn dieser Atomgeschütze mit einer Reichweite von ca. 32 km in Westdeutschland an den Standorten Mainz, Nürnberg, Bamberg-Breitenberg und Grafenwöhr stationiert. (LL)

Bearbeitungsstand: März 2011

Siehe auch: Atomgranaten

Atomarer Schutzschild

engl.: nuclear shield

Jubiläums-Tornado, 50 Jahre JaboG 33. Foto: orig. Quelle unbekannt

Während des Kalten Krieges wurden von den USA und der damaligen Sowjetunion Atomwaffen außerhalb ihres eigenen Territoriums stationiert. Dieser sogenannte „atomare Schutzschild“ sollte die jeweiligen Verbündeten vor einem nuklearen Angriff der Gegenseite schützen. Gleichzeitig wurde diese Maßnahme sowohl von der NATO als auch vom Warschauer Pakt als strategischer Schutz des eigenen Territoriums betrachtet. Mit Beendigung des Kalten Krieges begann aufgrund von Vereinbarungen zwischen US-Präsidenten George H.W. Bush und dem sowjetischen Präsidenten Michail Gorbatschow ab 1989 die Rückverlegung dieser Waffen aus dem europäischen Raum.

Während Russland alle Kernwaffen sowohl aus den ehemaligen verbündeten Staaten als auch aus den Sowjetrepubliken abzog, beließen die USA bis heute einige taktische Atomwaffen (Wasserstoffbomben vom Typ B-61) bei den NATO Partnern in Europa. Geregelt wird dieses Verfahren durch die sogenannte „Nukleare Teilhabe“, wonach die betroffenen Staaten, wie zum Beispiel Deutschland und die Türkei sich als Mitglieder des Atomwaffensperrvertrages verpflichtet haben, selbst auf Atomwaffen zu verzichten. Allerdings ist dieses Verfahren sowohl rechtlich als auch politisch umstritten, zumal es keine stichhaltigen Gründe gibt, weiterhin atomare Fliegerbomben in Europa zu lagern. (LL)

Bearbeitungsstand: April 2013

»Weitere Informationen zu US-Atomwaffen in Europa

 

 

Atomarer Winter

engl.: nuclear winter

Ein großflächiger Einsatz nuklearer Waffen durch mehrere Staaten könnte wahrscheinlich katastrophale Auswirkungen auf das globale Klima haben. Diese Möglichkeit, die in einem im Dezember 1983 von einer internationalen Gruppe von Wissenschaftlern veröffentlichten Papier vorgebracht wurde, ist als Theorie vom »Nuklearen Winter« bekannt geworden: Ein großer nuklearer Schlagabtausch führt zu ausgedehnten Bränden von Städten und Wäldern. Unmengen von Staub und Rauch gelangen in die Atmosphäre und bilden eine lastende, dunkle Decke. Die Sonne schimmert höchstens noch als undeutliche, helle Scheibe durch die dichte Rauchdecke. Es wird kalt. Die einschneidenden Temperaturveränderungen führen zu großräumigen Luftbewegungen. Eisstürme verwüsten in überlangen Nächten das Land. Zum unablässigen radioaktiven Niederschlag entsteht giftiger Smog. Pflanzen erfrieren, die Landwirtschaft steht still. Die Ernährungslage wird weltweit prekär, denn die Rauch- und Staubdecke verteilt sich allmählich über den ganzen Planeten. Hoffnung auf Nahrungsmittelimporte gibt es nicht mehr. Die Erdkruste vereist bis zu einem Meter Tiefe. Die Wasserversorgung ist gefährdet. So geht es über Monate. Wer bisher nicht durch Verletzungen, Verbrennungen oder Verstrahlungen umkam, dem droht jetzt der Tod durch Seuchen und Verhungern. Die Zahl der Opfer wird sich dadurch mehr als verdoppeln. Nach Monaten lichtet sich die Decke. Jetzt ist die Welt plötzlich der erhöhten Ultraviolett-Strahlung ausgesetzt. Die Stickoxyde haben die Ozonschicht zerfressen. Diejenigen landwirtschaftlichen Pflanzen, die immer noch überlebt haben, werden jetzt in ihrem Wachstum weiter beeinträchtigt. Die Sonne scheint auf eine Erde, die nie mehr sein wird wie sie war. Insekten werden überleben; sie sind gegenüber radioaktiver Strahlung und Temperaturschwankungen widerstandsfähiger. Sie werden unter den Überlebenden ausgerottet geglaubte Seuchen verbreiten. Den noch lebenden Menschen drohen Krankheiten wie Tuberkulose, Cholera, Pest, Diphtherie, Typhus oder andere Epidemien. Strahlenkrebs und strahlenbedingte Erbschäden sind weitere Folgen für Menschen, die in dieser biologisch kaputten und sozial zerrissenen Welt weiterleben müssen. Die heute weltweit eingelagerten Atomwaffen würden mehr als genügen, um jedes Leben auf unserem Planeten auszulöschen. (Quelle IPPNW)

Bearbeitungsstand: Januar 2006

Atomare Schwellenländer

engl.: nuclear threshold states

Neben den offiziellen Atomwaffenstaaten USA, Russland, China, Großbritannien und Frankreich gibt es weitere Staaten, die im Besitz von Atomwaffen sind oder an der Entwicklung von Atomwaffen arbeiten. Diese Staaten bezeichnet man als »atomare Schwellenländer«. Ursprünglich handelte es sich dabei um Argentinien, Brasilien, Indien, Israel, Pakistan und Südafrika. Seit 1998 sind Indien und Pakistan nachweislich im Besitz von Atomwaffen, haben aber bisher den Atomwaffensperrvertrag nicht unterzeichnet. Israel verfügt mit Sicherheit über mehrere hundert einsatzbereite Atomsprengkörper, ohne dies offiziell einzugestehen. Argentinien, Brasilien und Südafrika haben ihre Atomwaffenprogramme eingestellt und unterliegen regelmäßigen Kontrollen der Internationale Atomenergie Organisation (IAEO). Auch der Irak zählt nicht mehr zu den »atomaren Schwellenländern«, nachdem eine unabhängige US-Kommission festgestellt hat, dass das Land über keine biologischen und chemischen Waffen mehr verfügt und sein Atomprogramm untauglich ist. Ungeklärt ist die Lage zurzeit im Fall Iran, der von den westlichen Ländern verdächtigt wird, an der Entwicklung von Atomwaffen zu arbeiten. Spätestens seit 1992 gehört auch Nordkorea zu den atomaren Schwellenländern. Auch hier ist die Lage derzeit ungeklärt. (LL)

Bearbeitungsstand: April 2008

Atomare Sicherheitsüberprüfung

engl.: Nuclear Surety Inspection (NSI)

Die Sondermunitionslager der NATO wurden alle 15-18 Monate einer atomaren Sicherheitsprüfung durch eine NATO-Prüfgruppe unterzogen. Während der Besichtigung wurde alles geprüft, was mit der Handhabung, der Absicherung und der Munitionssicherheit der atomaren Munition zu tun hatte. Ein wichtiger Schwerpunkt war die Verfügbarkeit und Beachtung der US-Sicherheitsvorschriften für atomare Munition. Im Einzelnen wurde geprüft:

  • ob die Soldaten der NATO-Partner in Zusammenarbeit mit den zuständigen US-amerikanischen Soldaten die Richtlinien für die Sicherung des Sondermunitionslagers, das Verladen und Verzurren von Atomsprengkörpern, die Durchführung von Sondermunitionstransporten, sowie den Betrieb und die Sicherung des Sondermunitionsversorgungspunktes (Field Storage               Location-FSL) beherrschen und anwenden konnten,
  • ob die für den Auftrag benötigten US-Vorschriften vollständig und gültig waren,
  • ob die für den Transport von Sondermunition vorgesehen Geräte und Fahrzeuge in einem einwandfreien Zustand waren.

Folgende Wertungen konnte der Leiter der NATO-Prüfgruppe vergeben:

  • keine Fehler oder Mängel,
  • keine schwerwiegenden Fehler oder Mängel,
  • schwerwiegende Fehler oder Mängel, deren Beseitigung noch während der Inspektion möglich war und anerkannt wurde,
  • schwerwiegende Fehler oder Mängel, die eine Wiederholung der Inspektion verlangten.

Je nach Anzahl und Schwere der erkannten Fehler oder Mängel wurde dabei festgestellt bzw. festgelegt, ob die Befähigung zum Umgang mit atomaren Waffen:

  • weiterhin uneingeschränkt zuerkannt werden kann,
  • nur unter gewissen, näher bezeichneten Einschränkungen fortbestehen kann,
  • vorübergehend aberkannt werden muss.

Eine nicht bestandene Prüfung musste innerhalb von 60 Tagen wiederholt werden. (Quelle: Chronik der Begleitbatterie 7, o.O., o. D.)

Bearbeitungsstand: November 2008

Atomares Patt

engl.: nuclear balance

Bezeichnung für den ungefähren Gleichstand der nuklearen Massenvernichtungswaffen zwischen den USA und der damaligen Sowjetunion während des Kalten Krieges. Zunächst glaubte man, der Bau und Besitz der Atomwaffen ließe sich auf die USA beschränken. Das erwies sich bald als Illusion: Alle Entwicklungen der USA wurden von der damaligen UdSSR und bald auch von anderen Staaten nachvollzogen: 1949 wurde die erste sowjetische Uranbombe gezündet, 1953 die erste sowjetische Wasserstoffbombe. Es entstand ein atomares Patt, das so genannte Gleichgewicht des Schreckens.

Bearbeitungsstand: Oktober 2006

siehe auch: Kalter Krieg

Atomblitz

engl.: nuclear flash

In Bruchteilen einer Sekunde entfaltete der Atomblitz Energien und Temperaturen, wie sie sonst nur in der Sonne auftreten. Das Aufgehen einer neuen Sonne (Beispiel Hiroshima), tausendmal heller als die alte, war im Umkreis von Kilometern für jedes Leben zu viel. Zehntausende Lebewesen gingen in Flammen auf, verdampften zu Schattenbildern auf Wänden. Wer weit genug entfernt war, um nicht sofort zu sterben, hatte Verbrennungen der schlimmsten Art, war von radioaktiver Strahlung durchlöchert. Die atomare Sonne hatte eine relativ kurze Erscheinungsdauer. (Quelle: Jürgen Scheffran in W&F, Heft 4/95)

Bearbeitungsstand: Oktober 2006

siehe auch: Hiroshima

Atombombe

engl.: atomic bomb

Die erste Atombombe „Little Boy“, bevor sie auf Hiroshima abgeworfen wurde. Foto: US Gov/Public Domain, https://catalog.archives.gov/id/519394?q=519394

Mit der Entwicklung der Atombombe begann ein neues Zeitalter in der Geschichte der Menschheit. Seit dem 6. August 1945 in Hiroshima, dem ersten Atombombeneinsatz gegen Menschen, muss die gesamte Menschheit mit der Aussicht auf Vernichtung als Spezies leben. Zu den Atombomben oder Atomwaffen, auch Kernwaffen oder Nuklearwaffen genannt, gehören alle Waffen, die ihre Explosionsenergie durch Kernspaltung oder Kernfusion gewinnen. Es gibt zwei Haupttypen von Atomwaffen: herkömmliche Atombomben und Wasserstoffbomben.

Bereits die ersten Kernwaffen verfügten über eine Sprengkraft, die mehreren tausend Tonnen konventionellen Sprengstoffs (TNT) entsprachen. Die stärkste jemals gezündete Bombe war die sowjetische Zar-Bombe. Bei ihrer Zündung im Oktober 1961 wurde eine Energie von ca. 57 MT (Megatonnen) TNT-Äquivalent freigesetzt.

Wegen ihrer großen Zerstörungskraft und besonders wegen der bei der Explosion freiwerdenden Radioaktivität, stellen Atombomben eine existenzielle Bedrohung für das Leben auf der Erde dar. Die Gefahr eines Atomkrieges ist auch nach Ende des Ost-West-Konflikts nicht gebannt. Die Weiterverbreitung von Atomwaffen wird von vielen Politikern und Wissenschaftlern als eine der größten Bedrohungen des 21. Jahrhunderts angesehen. (LL)

Bearbeitungsstand: Januar 2016

» Weitere Informationen zum Aufbau einer Atomwaffe

Atombombeneinsatz

Atompilz über Hiroshima, eine Stunde nach dem Abwurf der Atombombe am 6. August 1945. Foto: US-Armee

Am 6. August 1945 zerstörte die erste Atombombe die japanische Stadt Hiroshima. Drei Tage später traf die zweite – und bisher letzte – Atombombe Nagasaki. Über zweihunderttausend Menschen wurden durch diese zwei Bomben getötet und zigtausend leiden noch nach Jahrzehnten an den Spätfolgen. Hiroshima wurde zum Symbol der apokalyptischen Vernichtungskraft der Atomwaffen.

Die Gründe für die Entscheidung der US-Regierung, am Ende des Zweiten Weltkrieges Atomwaffen gegen Japan einzusetzen, sind umstritten. Die Bereitschaft Japans zu Friedensverhandlungen wurde bereits am 9. Juli 1945 der Sowjetunion übermittelt. Gleichzeitig als Truman vom erfolgreichen „Trinity”-Test der ersten Atombombe in den USA am 16. Juli 1945 hörte, erfuhr er vom japanischen Verhandlungsangebot. Eisenhower hatte Truman von dem Einsatz abgeraten, weil die Japaner schon Kapitulationsbereitschaft signalisiert hätten und die Vereinigten Staaten solche Waffen nicht als erste einsetzen sollten. 

Also stand die Niederlage Japans schon fest, auch wenn Japan nicht bereit war die von den USA geforderte bedingungslose Kapitulation zu erklären, in der Hoffnung, günstigere Konditionen aushandeln zu können. Eine Milderung der Kapitulationsbedingungen oder ein demonstrativer Einsatz der Atombombe über unbewohntem Gebiet hätten vielleicht auch zur Kapitulation Japans geführt, wurden aber nicht erwogen. Stattdessen wurde ohne Vorwarnung der Abwurf der Bomben beschlossen.

Die militärische Notwendigkeit war zweifelhaft. Die Mehrheit der japanischen Städte waren bereits zerstört und der Kriegseintritt der Sowjetunion schon mit dem Einmarsch in Manchurien klar. Die USA muss sich also den Vorwurf gefallen lassen, dass andere Gründe für den Einsatz entscheidend waren: Man vermutet, der Abwurf der Bomben war eine Demonstration der Stärke gegenüber der – noch – alliierten Sowjetunion, mit der sich eine Konfrontation nach Ende des Zweiten Weltkriegs bereits abzeichnete.

Gleichzeitig dienten die Städte Hiroshima und Nagasaki einschließlich ihrer Bewohner als Versuchsobjekte, an denen die Wirkung der Atombombe getestet wurde. Die beiden Städte wurden u.a. deshalb ausgesucht, weil sie trotz ihrer militärischen Bedeutung bisher von strategischen Bombardierungen verschont geblieben waren und sie die „richtige” Größe hatten. In der Folgezeit versuchte die US-Regierung, die Berichterstattung über die furchtbaren Folgen der Atombomben zu behindern und sich von der Verantwortung für die Opfer zu befreien. Über Hiroshima und Nagasaki war eine Nachrichtensperre verhängt. Das heißt, dass die Medien keine Berichte über Hiroshima oder Nagasaki veröffentlichen durften. xh (Quellen: IPPNW, Tsuyoshi Hasegawa: Racing the Enemy, Ward Wilson: Five Myths about Nuclear Weapons)

Bearbeitungsstand: Januar 2015

» Weitere Informationen zum Befehl des Atomwaffeneinsätzes

Atome für den Frieden

In einer Rede vor der UNO-Vollversammlung versprach der amerikanische Präsident Dwight D. Eisenhower 1953, dass die Vereinigten Staaten andere Länder bei der Entwicklung der atomaren Technologie unterstützen würden. "Atome für den Frieden" lautete das programmatische Motto: Die kontrollierte Kernspaltung sollte die westlichen Wohlstandsgesellschaften mit praktisch grenzenloser Energie versorgen.
Eisenhower ging auch auf den atomaren Wettlauf zwischen der Sowjetunion und den USA ein. Eine Situation hinzunehmen, in der „zwei Atomkolosse dazu verdammt sind, einander auf unabsehbare Zeit über die zitternde Welt hinweg übelwollend zu beobachten“, hieße sich damit abzufinden, „dass die Menschheit den langwierigen, mühsamen Aufstieg von der Barbarei zu Anstand, Recht und Gerechtigkeit immer wieder von vorn anfangen muss“, erklärte der Präsident. Deshalb wolle er im Namen der Vereinigten Staaten einen Ausweg weisen, „um aus dem dunklen Gruselkabinett wieder ans Licht zu treten und einen Kurs einzuschlagen, bei dem sich Menschen in aller Welt geistig, seelisch und moralisch auf ein Zukunft voller Frieden, Glück und Wohlergehen einstellen können“. Eisenhower schlug vor, das alles solle unter dem Dach einer internationalen Atomenergie-Organisation realisiert werden. Dazu wurde einige Jahre später am 29. Juli 1957 die Internationale Atomenergie-Organisation (IAEA) in Wien gegründet.
Die Vision fand ein enormes Echo, schließlich gründete sie auf Vorstellungen, die seinerzeit alle politischen Lager teilten: Glauben an die Wissenschaft, Wachstumsdenken, Hoffnung auf Frieden. Das Ergebnis war eine regelrechte Atomeuphorie. Wer sich in den fünfziger Jahren irgendwie zukunftsbewusst und fortschrittsorientiert wähnte, der glaubte an das friedliche Atom. LL (Quelle: Stephanie Cooke: Atom. Die Geschichte des nuklearen Zeitalters, S. 139ff.)
Bearbeitungsstand: April 2014

Atomenergiekommission

engl.: Atomic Energy Commission

Die AEC war eine zivile Behörde der Vereinigten Staaten. Ihr unterstand die militärische sowie die zivile Nutzung und Entwicklung der Nukleartechnologie. Entstehung und Struktur dieser Behörde, die die US-amerikanische Atomrüstungspolitik in den ersten drei Nachkriegsjahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg entscheidend bestimmte, hängen eng mit dem Manhattan-Projekt zusammen, das 1945 zum Bau der ersten Atombomben führte. In den 1960er Jahren verlor die AEC zunehmend an Einfluss und wurde 1974 aufgelöst. Ihre Aufgaben wurden an zwei neue Institutionen übergeben: Die Energy Research and Development Administration wurde für Nuklearforschung und –entwicklung zuständig, der Nuclear Regulatory Commission übernahm die Regulierung und Kontrolle. (RH)

Bearbeitungsstand: Januar 2006

Atomgeschütze

Im Jahr 1953 stellte die US-Armee in Westdeutschland erstmals ein Geschütz vor, mit dem Atomgranaten verschossen werden konnten. Das als »Atom-Annie« bezeichnete Geschütz hat eine Reichweite von 32 Kilometern. Die damit verschossenen Atomgranaten sollten eine Explosivkraft von ca. 16 KT haben, und damit etwa so groß sein wie die auf Hiroshima abgeworfene Atombombe. Es wurden insgesamt 16 Geschütze in Westdeutschland stationiert.

Mitte der 1980er Jahre entwickelte die Bundesrepublik gemeinsam mit italienischen und britischen Partnern eine NATO-einheitliche Panzerhaubitze vom Kaliber 155 Millimeter. Das Geschütz war in der Lage Atomgranaten u. Neutronenbomben des gleichen Kalibers zu verschiessen. Mit dem gleichen Fahrgestell gab es noch die langrohrige 155 mm Kanone M107 »Mad Dog«, mit der taktische Atomgranaten über eine Entfernung von 32 km verschossen werden konnten. Hinzu kamen Feldhaubitzen mit dem größten Rohrkaliber der Bundeswehr mit 203 mm, womit ebenfalls Atomgranaten abgefeuert werden konnten. (LL)

Bearbeitungsstand: März 2011

Atomgipfel 2014

engl.: Nuclear Security Summit 2014

Logo Nuclear Security Summit 2014. Copyright by: NSS - CC-BY-3.0

Der Atomgipfel vom 24. bis 25. März 2014 in Den Haag stand im Zeichen der Angst vor einer „schmutzigen Bombe“ in der Hand von Terroristen. Dazu wurde von 35 der 53 Staaten eine unverbindliche Abmachung unterzeichnet, die vorsieht, internationale Richtlinien zur Atomsicherheit und externe Kontrollen in nationales Recht umzusetzen. Russland und China unterzeichneten jedoch nicht. 12 Staaten und 2000 nukleare Einrichtungen verzichteten seit dem letzten Gipfel 2010 vollständig auf den Besitz von hoch angereichertem Uran und Plutonium. Japan und die USA beschlossen darüber hinaus, gemeinsam hoch angereichertes Uran aus einer japanischen Einrichtung zu vernichten. Insgesamt wurden die Ziele, die 2010 vereinbart aber nicht erreicht. Zum Teil sei der Fortschritt ungenügend.

Eine Gruppe von Staaten (Algerien, Argentinien, Brasilien, Chile, Ägypten, Indonesien, Kasachstan, Malaysia, Mexiko, Neuseeland, Philippinen, Singapur, Südafrika, Ukraine und Vietnam) veröffentlichte eine gemeinsame Stellungnahme, in der sie die globale Abrüstung von Nuklearwaffen fordern und den bisherigen Fortschritt kritisieren, da die Vernichtung aller Nuklearwaffen die einzige Garantie dafür sei, die Bedrohung, die von ihnen ausgeht, abzuwenden und ihren Einsatz auszuschließen. Zudem verlangen sie nach mehr Transparenz der Atomwaffenstaaten und fordern einen vergleichbaren Schutz von militärischen und zivilen Nuklearanlagen- und material.

(Quellen: Spiegel online, Deutsche Botschaft Niederlande, inforel)

Bearbeitungsstand: November 2014

Atomgranaten

engl.: nuclear grenades

Am 25. Mai 1953 testet die US-amerikanische Armee in der Wüste von Nevada erstmals ein Artilleriegeschoss mit atomarer Sprengladung. Die mit einem 280-mm-Geschütz abgefeuerte Granate, die etwa die Sprengkraft der über Hiroshima abgeworfenen Uranbombe hatte, explodierte in 10 km Entfernung von der Abschussstelle. Bereits im selben Jahr stellte die US-Armee in Mainz erstmals ein Geschütz der Öffentlichkeit vor, mit dem Atomgranaten verschossen werden konnten. Insgesamt wurden sechs dieser Atomgeschütze mit einer Reichweite von ja 32 km in Westdeutschland stationiert. Die damit einsetzbaren Atomgranaten sollten eine Explosivkraft haben, die etwa halb so groß war wie die auf Hiroshima abgeworfene Atombombe.

Die Masse der in Westdeutschland in den so genannten »Sondermunitionslagern« eingelagerten Atomgranaten hatten das Kaliber 155 mm und wogen ca. 100 Kilogramm. Vermutlich lagerten in der Bundesrepublik ca. 1000 Atomgranaten des entsprechenden Kalibers. Die Granaten wurden aus der Panzerhaubitze M109 verschossen, über die jede Heeresbrigade verfügte. Zusätzlich verfügten die Artilleriekommandos der drei Bundeswehrkorps über langrohrige 155 mm Kanonen M107 »Mad Dog«, mit denen taktische Atomgranaten über eine Entfernung von 32 km verschossen werden konnten. Hinzu kamen Feldhaubitzen mit dem größten Rohrkaliber der Bundeswehr mit 203 mm, womit ebenfalls Atomgranaten abgefeuert werden konnten. (LL)

Bearbeitungsstand: März 2010

Siehe auch: Sondermunitionslager

Atomic Energy Commission (AEC)

dt.: US-Kommission für Atomenergie

Die AEC war eine zivile Behörde der Vereinigten Staaten. Ihr unterstand die militärische sowie die zivile Nutzung und Entwicklung der Nukleartechnologie. Entstehung und Struktur dieser Behörde, die die US-amerikanische Atomrüstungspolitik in den ersten drei Nachkriegsjahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg entscheidend bestimmte, hängen eng mit dem Manhattan-Projekt zusammen, das 1945 zum Bau der ersten Atombomben führte. In den 1960er Jahren verlor die AEC zunehmend an Einfluss und wurde 1974 aufgelöst. Ihre Aufgaben wurden an zwei neue Institutionen übergeben: Die Energy Research and Development Administration wurde für Nuklearforschung und –entwicklung zuständig, der Nuclear Regulatory Commission übernahm die Regulierung und Kontrolle. (RH)

Bearbeitungsstand: Februar 2006

siehe auch: Manhattan-Projekt

 

Atomkoffer

engl.: nuclear football

Der Atomkoffer ist ein besonderer schwarzer Aktenkoffer, der dem US-Präsidenten dazu dient, im Ernstfall den Einsatz von Nuklearwaffen zu autorisieren. Das System bietet dem Präsidenten die Möglichkeit, von jedem beliebigen Ort aus den Einsatz von Atomwaffen freizugeben. Wegen der äußerst strengen Geheimhaltung gibt es keine Angaben über die genaue Funktionsweise des Systems. Fest steht nur, dass eine ständige sichere Verbindung existiert, die es dem Präsidenten ermöglicht, alle erforderlichen Daten auf aktuellem Stand zu erhalten, bevor er eine Entscheidung über einen Nukleareinsatz trifft.

Der Atomkoffer ist sozusagen eine mobile Kommandostelle zum Einsatz des US-Atomwaffenarsenals. Er wird immer von einem bewaffneten Offizier der US-Streitkräfte getragen, der sich in unmittelbarer Nähe des Präsidenten aufhält, um zu jeder Zeit schnell reagieren zu können. Die Idee, einen Atomkoffer für den Präsidenten ständig zur Verfügung zu haben, stammt von Präsident Kennedy als Folge der Kubakrise. Er befürchtete, dass in einer Krisensituation und dem Ausfall der Kommunikationsmöglichkeiten ein Atomwaffeneinsatz vom zuständigen Vorsitzenden der Vereinigten Stabschefs befohlen werden könnte, ohne dass der Präsident über die Entscheidung zuvor informiert worden wäre.(Quelle: globalsecurity.org)

siehe auch: Kubakrise

Bearbeitungsstand: September 2007

Atomkrieg

engl.: nuclear war

Als Atomkrieg bezeichnet man einen Krieg, der mit Atomwaffen geführt wird. Dabei gibt es folgende Unterscheidungen:

- Krieg mit vereinzelter Verwendung von Atomwaffen wie im Zweiten Weltkrieg  (Hiroshima, Nagasaki)

- Krieg, der in wesentlichen Teilen atomar geführt wird

- Totaler atomarer Schlagabtausch von Supermächten(Quelle: uni-protokolle.de)

Die Zerstörungskraft der Atombombe, die vor 60 Jahren Hiroshima zerstörte, war im Verleich zu modernen Massenvernichtungswaffen gering. Ihre Sprengkraft entsprach etwa 12,5 Kilotonnen (12.500 Tonnen) Trinitrotoluol (TNT). Heutige Wasserstoffbomben, wie sie die USA und Russland besitzen, haben eine Zerstörungswirkung bis zu 750 Kilotonnen TNT - also das 50-fache der Hiroshima-Bombe. Derzeit entwickeln die USA so genannte Mini-Nukes, deren Sprengkraft einige Dutzend Tonnen TNT nicht überschreiten soll. Solche Geschosse sollen sich in die Erde bohren und Bunker knacken. Die Miniaturisierung der atomaren Gefechtsköpfe droht die Grenze zwischen herkömmlichen und nuklearen Waffen zu verwischen und die Hemmschwelle zum Atomkrieg zu senken. Zusammen besitzen die Atomwaffenstaaten etwa 22.000 einsatzbereite Atomsprengköpfe - eingemottete oder zur Verschrottung bestimmte Bestände nicht gerechnet. Das Arsenal ist zwar seit dem Höhepunkt des Kalten Krieges, als es 50.000 Atomgefechtsköpfe umfasste, bedeutend verringert worden. Die verbleibenden Sprengköpfe würden aber reichen, um die ganze Menschheit mehrfach zu vernichten.

Trotz ihrer Abkommen über die Reduzierung der strategischen Atomwaffen und die Beseitigung aller nuklearen Mittelstreckenwaffen besitzen allein die USA und Russland jeweils mehr als 10.000 einsatzbereite Atomsprengsätze. Am 10. Januar 2002 kamen US-Präsident George W. Bush und sein russischer Amtskollege Wladimir Putin überein, die Zahl ihrer atomaren Gefechtsköpfe von strategischer Reichweite bis zum Jahre 2012 beiderseits auf 1700 bis 2200 Stück zu verringern. Der US-Senat ratifizierte den Vertrag im Mai 2003 einstimmig.

Das Gleichgewicht des Schreckens bewahrte die Welt vor einer bewaffneten Auseinandersetzung zwischen den USA und der Sowjetunion. Bei einem Konflikt zwischen den inoffiziellen Atommächten Indien und Pakistan wäre aber auf die gegenseitige Abschreckung kein Verlass. Beiden Ländern fehlt die Fähigkeit zum nuklearen Zweitschlag. Wer überraschend angreift, vernichtet den Gegner. Mit diesem Risiko lässt sich keine regionale Stabilität schaffen. Aufsehen erregten kürzlich die Äußerungen eines chinesischen Generals, der den USA die Zerstörung ihrer Großstädte androhte, falls sich Washington in einen Krieg zwischen Festlandschina und Taiwan einmischen würde.

Die Öffentlichkeit hat die Gefahr eines Atomkriegs aus dem Bewusstsein verdrängt. Als größeres Risiko gelten Terroranschläge mit gestohlenem Spaltmaterial oder Atomsprengsätzen. Der vom »Vater der pakistanischen Bombe«, Abdul Kadir Khan, aufgezogene Welthandel mit Zubehör für Atomwaffenprogramme ließ die Alarmglocken schrillen. Immer wieder werden Diebe und Schmuggler radioaktiver Substanzen aus früheren Sowjetrepubliken ertappt. Dass fertige Atombomben gestohlen werden könnten, ist indessen sehr unwahrscheinlich. Diese Objekte sind zu groß und zu schwer, um in Koffer zu passen. (Quelle: PIERRE SIMONITSCH, FR vom 6.8.2005)

Bearbeitungsstand: September 2008

siehe auch: Hiroshima
siehe auch: Nagasaki

Atomkriegsplan

engl.: nuclear war plan

Startschlüssel für Minuteman-Rakete, Foto: US-Regierung

Das Verfahren zur Erstellung eines Atomkriegsplanes wurde von den US-Streitkräften in den letzten Jahrzehnten entwickelt und gilt bis heute, als hätte es das Ende des Kalten Krieges nie gegeben. Im Prinzip wird die Methode von jeder anderen Nuklearmacht in gleicher Weise praktiziert: Zunächst legen die Atomkrieger im Rahmen der so genannte Weapon Allocation [Waffenzuteilung] fest, welche Gefechtsköpfe oder Atombombentypen groß genug sind, um ein bestimmtes Objekt zu zerstören. Die so genannte Lethalität [Tödlichkeit] errechnet sich aus Sprengkraft und Treffgenauigkeit. So kann ein unterirdisches Objekt - je nach Größe - mit einer konventionellen Waffe sowie einer kleineren oder größeren Nuklearwaffe angegriffen werden. Bei der Weapon Application wird jeder Atomwaffe aus dem US-Bestand ein bestimmtes Ziel zugewiesen. Zum Schluss wird festgelegt, wann und in welcher Reihenfolge die Ziele attackiert werden sollen. Im Kriegsfall möchte der US-Präsident auf möglichst viele Optionen zurückgreifen können, die sich danach unterscheiden, wie viele von welchen Zielen angegriffen werden. Für jede Option wird dann eine Schadensabschätzung (Consequences of Execution Analysis) vorgenommen. So unterscheiden die US-Atomkrieger zwischen umfassenden Major Attack Options (MAO) [große Angriffsoptionen] und Limited Nuclear Options (LMO) [begrenzte atomare Optionen], zwischen langfristig vorbereiteten Directed Planning Options (DPO) [gezielte Planungsoptionen] und kurzfristig entwickelten Adaptive Planning Options (ADO) [anpassungsfähige Planungsoptionen].

Außer gegen Russland und China entwickelt Stratcom [United States Strategic Command] heutzutage Einsatzpläne für den Global Strike gegen fünf weitere, namentlich nicht genannte Staaten. Gegen jedes dieser Länder wird ein Theater Nuclear Planning Document (TNPD) für den Atomwaffeneinsatz und ein Theater Planning Support Document (TPSD) für konventionelle Angriffe aufgestellt. Auch für den letzten Golf-Krieg (Operation Iraqi Freedom) im Jahre 2003 waren augenscheinlich Atomschläge vorbereitet. Stratcoms Kriegsplanung gegen Schwellenländer ist dabei integraler Bestandteil der SIOP-Planung. Mit seinen Planungen unterstützt Stratcom die jeweiligen Regionalkommandos (Eucom, Centcom, Pacom, Southcom, Northcom und Africom).

Schließlich haben die Regionalbefehlshaber noch mehr als 60 eigene Kriegspläne (Operation Plan - Oplan) für die verschiedenen Zielländer und Einsatzszenarios in ihren Tresoren bereitliegen. Für einen Krieg in Europa sind dies u.a. die Oplans 4102 und 4999 sowie (vermutlich) der Nuclear Operations Plan (NOP). Der Operationsplan Oplan 4999 wurde ursprünglich nach dem Ende des Kalten Krieges im Jahre 1992 ausgearbeitet. Bei der ersten Nato-Osterweiterung 1999 wurde er überarbeitet. Mit der nächsten Erweiterungsrunde im kommenden Jahr müsste er erneut angepasst werden. Da die US-Luftwaffe weiterhin Atomwaffen in Europa bereithält, muss man davon ausgehen, dass der NOP in abgewandelter Form fortbesteht. (Quelle: Gerhard Piper in Frankfurter Rundschau online 19.03.2004)

Bearbeitungsstand: Oktober 2009

Atomminengürtel

engl.: nuclear mine belt

In der Bundesrepublik lagerten ab Mitte der 1960er Jahre bis zu 200 ADM (Atomic Demolition Munition), die die USA der NATO zum Einsatz an der innerdeutschen Grenze zur Verfügung gestellt hatten. Über die Existenz der offiziell geheim gehaltenen Atomminen existieren verschiedene Dokumente, die die atomare Aufrüstung zweifelsfrei belegen. Der Historiker Detlef Bald, der unter anderem Zugriff auf das Privatarchiv von Alt-Bundeskanzler Helmut Schmidt (SPD) hatte, geht davon aus, dass »nur etwa zwei Dutzend Menschen damals in die Pläne eingeweiht waren […] Die Atombomben sollten gezündet werden, wenn Deutschland angegriffen wird. Sie waren für den nuklearen Ersteinsatz geplant«. Damit widerlegt Detlef Bald die bisher unwidersprochene Auffassung von Forschern, Politikern und Generälen, die diese geheimen Atombomben in Deutschland als »Gerüchte« oder »Hirngespinste« der Friedensbewegung abgetan hatten.

Von offizieller Seite wurde alles unternommen, um die Existenz von ADM auf deutschem Boden zu verschleiern. Dies beweist auch der Offene Brief des Bundesministers der Verteidigung, Kai-Uwe von Hassel, vom 3. Mai 1965 an die DDR-Bevölkerung: »[…] Die Bundeswehr hat weder Atomwaffen noch ‚Atomminen’ zu ihrer eigenen Verfügung. Deshalb habe ich zu diesem angeblichen ‚Atomminengürtel’ am 20. Januar 1965 vor dem Deutschen Bundestag unmissverständlich erklärt: ‚Es gibt keine einzige Atommine im Einsatz. Es gibt kein Atomminenfeld, es gibt keinen Atomminengürtel, es gab keinen Plan, und die Bundesregierung hat nicht die Absicht, einen solchen Plan aufzustellen. Ich meine, es ist gut, wenn heute der Deutsche Bundestag feststellt, dass es derartige Pläne nicht gegeben hat, nicht gibt und nicht geben wird«. (Quelle: Dirk Drews: Die Psychologische Kampfführung, Mainz 2006, S. 130)

Tatsächlich waren die Atomminen an der innerdeutschen Grenze Realität. Der Einsatz von ADM-Waffen war Kernbestandteil der Bundeswehr-Planungen bis in die siebziger Jahre. ADM-Waffen sollten mit kleinen Fahrzeugen, Hubschraubern oder Personen zum Einsatzort transportiert werden. Sie entsprachen der erwünschten multifunktionalen Mobilität: Kaum 40 Kilogramm schwer, konnten sie sogar von einem Soldaten im Rucksack transportiert werden. Die Sprengkraft der ADMs und deren kleinerer Version, SADM (Special Atomic Demolition Munition), betrug 0,2 bis 45 Kilotonnen. Jede einzelne der großen so genannten Atomminen besaß damit die mindestens dreifache Zerstörungskraft der Hiroshima-Bombe.

Für den Einsatz der Atomminen wurde ab 1970 im I. deutschen Korps der Spezial-Sperrzug 100 am Standort Minden/Westfalen aufgestellt. Ab 1978 wurde daraus die Spezial-Sperrkompanie 100. Der Auftrag endete im Jahr 1986 mit dem Abzug der letzten Atomminen aus Deutschland. (LL)

Für die Atomminen gab es keine separaten Atomwaffenlager. Die Minen  wurden in bereits vorhandenen Sondermunitionslagern eingelagert. So waren mit Sicherheit Atomminen im SAS Liebenau und mit großer Wahrscheinlichkeit in den SAS Lahn, Ostbevern und Büren eingelagert. (LL)

Als Helmut Schmidt (SPD) 1969 Verteidigungsminister wurde, stoppte er den »todbringenden Unsinn«. Zusammen mit seinem US-Kollegen Melvin Laird erreichte er eine Rückverlegung der ADM in grenzferne US-Atomwaffendepots. Eine entsprechende Vereinbarung wurde in dem Dokument »Deutsche Einsatzbeschränkungen für ADM (National Constrains)« am 23. Oktober 1973 festgeschrieben.

Anfang 1984, vor dem Abzug der letzten ADM, waren noch 372 Exemplare in Westeuropa stationiert. (Quelle: Bald, Politik der Verantwortung, Berlin 2008)

Bearbeitungstand: April 2010

siehe auch: ADM
siehe auch: Atomwaffenlager
siehe auch: Kalter Krieg

Atompilz

engl.: mushroom cloud

Bei jeder Luftdetonation entsteht zunächst ein Feuerball.  Dieser steigt in die Atmosphäre auf und reißt dabei große Mengen Staub und Asche mit nach oben. Daraus ensteht eine Pilzwolke, der Atompilz.

Die Detonationshöhe, die Explosionsenergie und die Witterungsbedingungen bestimmen wesentlich die maximale Höhe der Pilzwolke. In der Regel beträgt die erreichbare Gipfelhöhe bei bodennahen Explosionen nur wenige Kilometer. Eine Ausnahme bildete die "Zar-Bombe" mit einer Stärke von ca. 50 Megatonnen. Bei der Explosion dieser stärksten jemals gezündeten Atombombe erreichte der Atompilz eine unvorstellbare Höhe von ca. 64 Kilometern. Ein weitere Aufstieg wurde durch die Temperaturinversion der bereits erreichten Stratosphäre verhindert.

Nach erreichen der maximalen Höhe stabilisiert sich der Atompilz und kann sich in der Folgezeit nur noch zur Seite hin weiter ausbreiten. (LL)

Bearbeitungsstand: April 2010

siehe auch: KT (Kilotonne)
siehe auch: Luftdetonation
siehe auch: MT (Megatonne)
siehe auch: Zar-Bombe

Atomschwelle

engl.: nuclear threshhold

Im ursprünglichen Sinn des Wortes bedeutet Atomschwelle (auch Atomare Schwelle) das Überschreiten der Schwelle von einem konventionellen Krieg zu einem Krieg unter Einsatz von Atomwaffen. Dabei gehen die britischen und US-amerikanischen Streitkräfte seit einigen Jahren davon aus, dass der Einsatz von Mini-Nukes als taktische Waffen noch unterhalb der Atomschwelle liegt. Allerdings ist diese Klassifizierung umstritten. Ebenfalls unklar ist, ob der Einsatz von Uranmunition (DU-Munition), wie im ersten Golfkrieg von den USA praktiziert, bereits einen atomaren Einsatz darstellt.

Im allgemeinen Sprachgebrauch bezeichnet man bereits den Besitz von Atomwaffen als Überschreitung der Atomschwelle (z.B. »Pakistan hat durch den erfolgreichen Test einer Atombombe die atomare Schwelle überschritten«). Durch die Weiterverbreitung von Atomwaffen (Proliferation) oder durch die Modernisierung der vorhandenen Bestände wird die »Atomare Schwelle« gesenkt, das heißt, die Gefahr eines Atomkrieges wächst. Der aktuelle Stand der atomaren Bedrohung der Menschheit wird symbolisch durch die Weltuntergangsuhr angezeigt. (LL)

Bearbeitungsstand: September 2007

siehe auch: Atomwaffe
siehe auch: DU-Munition
siehe auch: Proliferation
siehe auch: Weltuntergangsuhr

Atomtest

engl.: nuclear weapons test

Am 16. Juli 1945 wurde in Alamogordo in der Wüste Neumexikos der erste Test, Trinity, gezündet. Bis heute haben seitdem weltweit insgesamt 2059 Atomtests, durch acht Staaten stattgefunden. (die fünf Atomwaffenstaaten USA, UdSSR, Frankreich, Großbritannien und China: 2045, sowie Indien, Pakistan und Nordkorea: 14) Die USA und die Sowjetunion haben 85% der Gesamtzahl durchgeführt. Knapp 26% wurden in der Atmosphäre gezündet. Die Sprengkraft aller Atomwaffenversuche kann mit über 1 Milliarde Tonnen TNT angenommen werden.

Seit 1992 halten die USA ein Atomtest-Moratorium ein. Die Sowjetunion bzw. Russland testete zuletzt 1990, Großbritannien 1991. Indien testete eine Atomwaffe bereits 1974. Frankreich führte eine letzte Serie 1995 durch, China 1996, 1998 folgten Indien und Pakistan und schließlich Nordkorea 2006 und 2009.

Von der Gesamtsumme wurden 528 Tests überirdisch oder im Weltraum gezündet. Diese Tests haben zu einer weltweiten Strahlenbelastung der Erde geführt, was die Gesundheit der Menschen und die Umwelt in der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft beeinträchtigte und beeinträchtigen wird. Infolge von mehr als 1500 unterirdischen Atomtests zwischen 1957 und 1998 wurden langlebige Radionuklide in die unterirdische Umwelt eingebracht. In allen Ländern, in denen Tests durchgeführt wurden, kam es zur Freisetzung von Radioaktivität. Die unterirdischen Atomtests förderten zudem die ökonomische und soziale Abhängigkeit von militärischen Einrichtungen.
Die IPPNW-Studie "Radioaktive Verseuchung von Himmel und Erde" schätzt die weltweite Zahl tödlicher Krebsfälle durch oberirdische Atomtests bis zum Jahr 2000 auf 430.000. Der Strahlenbiologe Prof. Roland Scholz von der Universität München geht von einer höheren Opferzahl aus. Nach seinen Berechnungen (nach Hoffman 1989, Köhnlein und Nussbaum 1991 und Straume 1995) führte allein die äußere Strahlenbelastung durch Fallout bis zum Jahr 2000 zu 3 Millionen zusätzlichen Krebstoten. (Quelle IPPNW: Radioaktive Verseuchung von Himmel und Erde, 1992 )

Mehr zum Thema Atomtests (Geschichte) oder Atomtests (Wissen)

Bearbeitungsstand: Juli 2012

siehe auch: Atomteststopp

siehe auch: Atomteststoppvertrag, umfassender

siehe auch: Bikini-Atoll

siehe auch: Trinity-Atomtest

Atomteststopp

engl.: nuclear test ban

Ein erster Vorschlag zu einem Abkommen über ein Atomtestverbot wurde 1954 von Indien unterbreitet. Seither arbeiten die Vollversammlung der Vereinten Nationen und andere internationale Foren wie die Abrüstungskonferenz in Genf (und deren Vorläufer) an der Verwirklichung eines allgemeinen vollständigen Teststoppabkommens.

Am 31. Oktober 1958 wurde von den Vereinigten Staaten, der Sowjetunion (UdSSR) und Großbritannien in Genf eine Atomteststopp-Konferenz eröffnet. Die USA und die UdSSR verständigten sich außerdem auf eine vorübergehende Einstellung ihrer Atomtests (‚Moratorium’). Bis zum Ende der Konferenz hatten sich die beteiligten Staaten fast auf ein Verbot aller Tests in der Atmosphäre, unter Wasser, im All Weltraum und unter der Erde ab einer bestimmten Sprengkraft geeinigt und befürworteten für Atomexplosionen unterhalb dieses Grenzwertes ein Moratorium.

Im Laufe des Jahres 1961 beendeten sowohl die Vereinigten Staaten als auch die Sowjetunion ihr Moratorium und begannen erneut mit Atomwaffenversuchen. Dadurch wurde das öffentliche und politische Interesse an einem Teststoppabkommen wieder geweckt.

Der nächste Versuch zu einer Beschränkung von Atomwaffentests führte am 25. Juli 1963 zwischen den USA und der UdSSR zu einem Abkommen über ein teilweises Testverbot (PTBT = Partial Test Ban Treaty), das alle Atomwaffenversuche in der Atmosphäre, unter Wasser und im All Weltraum ausschloss. Der Vertrag trat am 10. Oktober 1963 in Kraft und brachte für die Vereinigten Staaten, die Sowjetunion und für Großbritannien das Ende aller Tests in der Atmosphäre. (Frankreich und China, die den Vertrag nicht unterzeichnet hatten, setzten ihre Versuchsprogramme in der Atmosphäre noch einige Zeit fort). Inzwischen sind über 130 Staaten dem Abkommen beigetreten. Der Vertrag über das Verbot von Kernwaffenversuchen in der Atmosphäre, im Weltraum und unter Wasser hat zwar die radioaktive Verseuchung vermindert, aber keinesfalls eine Verlangsamung der Testprogramme, geschweige eine Abkehr von Versuchsexplosionen herbeigeführt. Im Gegenteil: Von den etwa 1.300 Atomwaffentests zwischen 1945 und 1982 fanden 833 nach Abschluss des Vertrages statt. In den Jahren 1963 bis 1990 fanden in den USA 204 unterirdische Atomwaffentests statt. Diese Tests verletzten zwar nicht den Teilteststoppvertrag, aber faktisch wurde jeder fünfte Test in der Wüste von Nevada vor der Öffentlichkeit verheimlicht. China und Frankreich, die dem Abkommen nicht beigetreten waren, führten auch in den sechziger und siebziger Jahren Atomtests in der Atmosphäre durch, Frankreich 41 Tests und China 22 Tests. Seit 1975 testete Frankreich „nur“ noch unterirdisch, zuletzt 1995/96, was zu weltweiten Protesten führte. China führte ebenfalls von Mai 1995 bis Juli 1996 weitere Tests durch. Indien und Pakistan, die dem Teilteststoppvertrag auch nicht beigetreten waren, führten im Mai 1998 Atomtests durch.

Während der heißen Phase des Kalten Kriegs in den 1980er Jahren wurde erneut Interesse an Rüstungskontrolle, atomarer Abrüstung und der Verwirklichung eines allgemeinen umfassenden Teststoppabkommen laut. Als eine seiner ersten Abrüstungsinitiativen nach Übernahme der Regierungsgewalt im Jahre 1985 verkündete Michail Gorbatschow, die Sowjetunion werde ab dem 6. August (Hiroshima-Tag) alle Atomwaffentests einstellen, und er lud die anderen Atommächte ein, diesem sowjetischen Moratorium beizutreten. Doch keine der anderen Atommächte reagierte auf Gorbatschows Appell, und nach einem 19-monatigen Moratorium nahm die Sowjetunion ihre Atomwaffenversuche im Februar 1987 wieder auf. Am 5. Oktober verkündete Gorbatschow erneut ein einjähriges Moratorium für Atomwaffentests. Dem Moratorium stimmte am 26. Oktober 1991 auch der neue russische Präsident Boris Jelzin zu. Diesmal reagierten auch die Vereinigten Staaten, Großbritannien und Frankreich und setzten ihre Tests ebenfalls aus.

Dank einer von der Vollversammlung der Vereinten Nationen einstimmig verabschiedeten Resolution erhielt die Abrüstungskonferenz in Genf schließlich am 19. November 1993 ein nachdrückliches Mandat zu Verhandlungen über einen umfassenden Atomteststoppvertrag (CTBT = Comprehensive Test Ban Treaty).

Die Verhandlungen kamen erst voran, nachdem der Atomwaffensperrvertrag (NPT) 1995 unbefristet verlängert wurde. Während der Verhandlungen nahm China seine Atomwaffenversuche wieder auf und Frankreich kündigte eine neue Reihe von Atomtests an. Indien blockierte die Verhandlungen, weil es vorher auf einem Zeitplan für die atomare Abrüstung bestand, den die Atomwaffenstaaten nicht liefern wollten. Bis zum Ende der Sitzungsperiode im Sommer 1995 konnten die Verhandlungsparteien zu keinem Ergebnis kommen, also wurde die ganze Angelegenheit den Vereinten Nationen in New York übergeben. Am 10. September 1996 verabschiedete eine Sondersitzung der Vereinten Nationen die von Australien eingebrachte Resolution A/70/L.78. mit 158 Ja-Stimmen, bei drei Gegenstimmen und fünf Enthaltungen. Damit wurde der aus den Genfer Verhandlungen hervorgegangene und dort nicht im Konsens zu verabschiedende Text des Umfassenden Atomteststoppvertrages angenommen.

Gegen den Vertrag ist einzuwenden, dass

  • er die Entwicklung neuer Technologien zum Testen von Atomwaffen ohne Atomexplosionen (z.B: Subkritische Tests) und damit die qualitative Weiterentwicklung oder „Modifikation“ neuer Atomwaffen nicht verhindert;
  • er als reines Rüstungskontrollabkommen keine Verbindung zur Notwendigkeit weiterer Fortschritte in der Atomwaffenabrüstung herstellt;
  • die Regularien seines Inkrafttretens gemäß Artikel XIV, laut dem alle 44 Staaten mit Atomwaffen oder Atomenergieprogrammen den Vertrag gesondert zu ratifizieren haben, ihn nachhaltig gefährden;
  • er im Endeffekt den atomaren Status quo auf der Welt erhalten und somit selbst zu einem weiteren Wettlauf in der Atomrüstung führen kann.

Der Vertragstext entspricht nicht den gewünschten Zielvorstellungen - aber er gibt eine international gültige Norm vor, mit der zukünftig gegen mögliche Atomtests angegangen werden kann. Die Abstimmung bei den Vereinten Nationen machte deutlich, dass die überwiegende Mehrheit der Staatengemeinschaft mit ihrem Ja zur Resolution die Modernisierung der bestehenden Atomwaffenarsenale verhindern möchte. (XH)

Bearbeitungsstand: August 2005

Weitere Informationen zu den Atomteststoppverträgen heute
Weitere Informationen zu der Geschichte der Atomteststoppverträge

siehe auch: Atomwaffensperrvertrag
siehe auch: Subkritischer Atomtest
siehe auch: Umfassender Teststoppvertrag

Atomteststoppvertrag, umfassender

engl.: Comprehensive Test Ban Treaty (CTBT)

Operationsraum bei der CTBTO, Foto: CTBTO/Creative commons

Der Vertrag über das umfassende Verbot von Nuklearversuchen wurde durch eine mehrheitliche Abstimmung am 10. September 1996 in der UN-Vollversammlung (A/RES/50/245) angenommen, nachdem keine einstimmige Verabschiedung in der Genfer Abrüstungskonferenz erreicht werden konnte. Indien, Bhutan und Libyen stimmten dagegen. Allerdings kann der Vertrag erst in Kraft treten, wenn ihn 44, im Annex 2 des Vertrages namentlich aufgeführte, Staaten ratifiziert haben.

Der Vertrag verbietet jegliche Art von Atomwaffentests als auch alle anderen Formen von Nuklearexplosionen. Er soll damit der Entwicklung neuer Arten von Atomwaffen ein Ende setzen und die Weiterentwicklung von Atomwaffen beschränken sowie die Entwicklung von Atomwaffen durch neue Staaten erschweren.

Neben dem Testverbot ist im Vertrag die Einrichtung eines internationalen Überwachungssystems (International Monitoring System, IMS) geregelt, damit die Vertragserfüllung auch überprüft werden kann. Obwohl der Vertrag nicht in Kraft getreten ist, existiert bereits heute der Vorbereitungsausschuss der CTBT-Organisation (CTBTO Prep Com). Die umfangreiche Website der CTBTO informiert über die Arbeit der Kommission. Hier ist sowohl das Netz der aktiven als auch der im Aufbau befindlichen Monitoring-Stationen zu finden sowie auch die verwendeten Verifikationstechnologien (Hydroakustik, Infraschall, Radionuklide und Seismik). Die CTBTO Prep Com hat das Mandat, das International Monitoring System (IMS) aufzubauen und ein Provisional Technical Secretariat (PTS) in Wien zu unterhalten. Das PTS hat seine Arbeit bereits aufgenommen, ist also bereits vor Inkrafttreten des Vertrags aktiv. Durch das Netz von 337 Messstationen (von denen bereits 85 Prozent in Betrieb sind) und 16 Laboratorien hat die CTBTO schon heute die Fähigkeit, selbst kleinere unterirdische Nukleardetonationen weltweit nachzuweisen. Das Internationale Datenzentrum analysiert die Daten des IMS und erstellt Produkte, mit denen schon jetzt die Überwachung des Abkommens (Treaty Monitoring) möglich ist.

183 Staaten haben bisher den Vertrag unterschrieben, davon haben ihn 166 ratifiziert. Von den im Annex 2 aufgeführten Staaten, haben 36 den Vertrag ratifiziert. Acht Staaten müssen sich dem Vertrag noch anschließen, bevor ein Inkrafttreten des Vertrags erfolgt. Noch notwendig ist die Ratifizierung folgender Staaten: Ägypten, China, Iran, Israel, und USA. Indien, Nordkorea und Pakistan haben den Vertrag ebenfalls noch nicht unterzeichnet.

Eine Konferenz zur Ermöglichung des Inkrafttretens des Vertrages, auch als Artikel-XIV-Konferenz nach dem relevanten Vertragsartikel benannt, findet alle zwei Jahre statt. xh (Quellen: armscontrol.de; Auswärtiges Amt)

Bearbeitungsstand: Dezember 2016

» Weitere Informationen über die Atomteststoppverträge

» Geschichte und Chronik der Atomteststoppverträge

Atomverbrechen

engl.: nuclear crime

Wer eine Explosion durch Kernenergie vorbereitet oder herbeiführt, sowie wer derartige Stoffe vorsätzlich ohne die nach dem Atomgesetz erforderliche Genehmigung ein- oder ausführt, befördert oder außerhalb der staatlichen Verwahrung aufbewahrt sowie wer ohne diese Genehmigung Kernreaktoren oder ähnliche Anlagen errichtet oder ihren Betrieb wesentlich verändert oder Kernbrennstoffe außerhalb derartiger Anlagen verwendet, begeht eine Straftat nach §§ 307ff. StGB (Fassung vom 25. 1. 1998).

Bearbeitungsstand: Mai 2008

Atomwaffe

engl.: nuclear weapon; atomic weapon

Zu den Atomwaffen, auch Kernwaffen oder Nuklearwaffen genannt, gehören alle Waffen, die ihre Explosionsenergie durch Kernspaltung oder Kernfusion gewinnen. Trifft ein Neutron auf einen spaltbaren Kern, so zerfällt dieser unter Freisetzung von großen Mengen Energie. Spaltbare Kerne sind z.B. diejenigen von 235U oder 239Pu. Die Zündung der Reaktion erfolgt durch Zusammenschießen des Sprengstoffs zur kritischen Masse. Eine Kettenreaktion soll dann in Gang gesetzt werden, wenn das Material den optimalen Zustand erreicht hat.

Atomwaffen rufen durch Freisetzung von Atomenergie sehr große zerstörende Wirkung hervor. Von herkömmlichen Waffen unterscheiden sie sich dadurch, dass sie:

  • die bis zu einmilliarden-fache Sprengkraft herkömmlicher Waffen besitzen,
  • bei der Explosion wesentlich höhere Temperaturen entwickeln (Lichtblitz, Hitzestrahlung),
  • durch die Explosion radioaktive Strahlung freisetzen.

Außerdem entstehen radioaktive Spaltprodukte, die zu einer Verseuchung der Umgebung führen.

Atomwaffen können z.B. in Form von Bomben, Geschossen, Raketensprengköpfen oder Torpedogefechtsköpfen eingesetzt werden. (Quelle: Nicht bekannt)

Bearbeitungsstand: November 2006

Atomwaffendoktrin der USA

engl.: US Nuclear Posture

Am 6. April 2010 veröffentlichte die US-Regierung die neu überprüfte US-Atomwaffendoktrin (NPR = Nuclear Posture Review). Die Doktrin wurde bereits Ende 2009 erwartet, durch zähe Verhandlungen zwischen dem Weißem Haus und dem Pentagon jedoch immer wieder verzögert.

Hauptaussage der neuen Doktrin ist: Um eine Welt ohne Atomwaffen erreichen zu können, muss zunächst die Weiterverbreitung von Atomwaffen beendet und nuklearer Terrorismus verhindert werden. Dafür wollen die USA den Atomwaffensperrvertrag und die Internationale Atomenergieorganisation (IAEO) stärken. Letztere kontrolliert die Einhaltung des Vertrags. Darüber hinaus soll der Vertrag auch konsequenter umgesetzt werden.

Währenddessen werden die USA weiterhin im Besitz eines robustes Atomwaffenarsenals bleiben, allerdings mit einer reduzierten Rolle in der Gesamt-Militärstrategie. Sie versprechen zusätzlich, innerhalb der nächsten fünf bis zehn Jahren „nachweisbare Fortschritte“ bei der Erfüllung des Artikel VI des Atomwaffensperrvertrags (Abrüstungsverpflichtung) zu leisten.

Die grundlegende Rolle der US-amerikanischen Atomwaffen ist die Abschreckung nuklearer Angriffe auf die USA oder einen ihrer Bündnispartner. Die Rolle der Atomwaffen bei der Abschreckung konventioneller Angriffe wird künftig weiter reduziert. Allerdings sind die USA momentan nicht bereit, eine Abschreckungspolitik allein gegen Nuklearangriffe zu betreiben, streben jedoch eine Situation an, in welcher solch eine Politik angenommen werden kann.

Mit der überarbeiteten Atomwaffendoktrin haben die USA die so genannten „negativen Sicherheitsgarantien“ verstärkt. Dies bedeutet, dass die USA somit gegenüber Ländern, die keine Atomwaffen besitzen, Vertragsparteien im Atomwaffensperrvertrag sind und ihren Vertragsverpflichtungen nachkommen, garantieren, Atomwaffen weder gegen sie einzusetzen, noch sie mit diesen zu bedrohen.

Hier den vollständigen Artikel zur US-Atomwaffendoktrin 2010 lesen

Bearbeitungsstand: April 2010

Atomwaffenfreie Zonen

engl.: nuclear weapon-free zone

Bei atomwaffenfreien Zonen handelt es sich um bestimmte geografische Regionen innerhalb derer die Stationierung, das Testen, der Einsatz und die Entwicklung von Nuklearwaffen verboten ist. Bei diesen Gebieten kann es sich um einen einzelnen Staat, eine ganze Region aber auch um Gebiete handeln, die unter internationaler Kontrolle stehen.

Atomwaffenfreie Staaten entstehen durch die entsprechende Gesetzgebung der nationalen Parlamente oder entsprechende Erklärungen der Staatsführung. Einige Staaten, wie Österreich oder die Mongolei haben sich unabhängig von bereits existierenden atomwaffenfreien Zonen zu atomwaffenfreien Staaten erklärt, während andere wie Neuseeland oder die Philippinen die Bedingungen der regionalen atomwaffenfreien Zonen, zu deren Gebiet diese Staaten gehören, übernommen haben.

Sowohl Österreich als auch die Mongolei haben sich durch ihre Gesetzgebung zu atomwaffenfreien Staaten erklärt, Österreich 1999 und die Mongolei 2000. In beiden Entschließungen werden die Herstellung, die Lagerung, der Transport und das Testen von Nuklearwaffen auf dem Territorium dieser Staaten verboten. Die Gesetze der Mongolei verbieten außerdem den Transport, die Entsorgung und die Lagerung von Nuklearwaffen auf dem Staatsgebiet und verpflichten den nationalen Sicherheitsrat zur Koordinierung aller Maßnahmen zur Einhaltung des NWF-Vertrages.

Neuseelands Erklärung zum atomwaffenfreien Staat verbietet außerdem jedem Schiff mit Atomantrieb oder Schiffen mit atomarer Beladung das Befahren der nationalen Gewässer. Flugzeugen mit Nuklearwaffen an Bord ist es verboten, das Gebiet zu überfliegen oder in Neuseeland zu landen. Diese Einschränkungen ergeben sich aus dem "Vertrag über die Atomwaffenfreie Zone Südpazifik", dem Neuseeland beigetreten ist. Die Philippinen, die ebenfalls dem Vertag beigetreten sind, haben ihr Land durch Verfassungsänderung zum atomwaffenfreien Territorium erklärt.

Regionale Atomwaffenfreie Zonen
Die Bestimmungen für die einzelnen Zonen unterscheiden sich durch die jeweiligen Verträge. Unabhängig davon verbietet jeder Vertrag Entwicklung, Produktion, Testversuche oder Beschaffung von Nuklearwaffen. Die erste regionale Atomwaffenfrei Zonen wurde im Vertrag zum »Verbot von Nuklearwaffen in Lateinamerika und der Karibik« (Treaty of Tlatelolco) im Jahr 1967 festgelegt und trat 1968 in Kraft. Obwohl auch Kuba den Vertrag unterschrieb, hat es ihn als einziges Land nicht ratifiziert.

Der »Vertrag über die atomwaffenfreie Zone im Südpazifik« (Treaty of Rarotonga) wurde 1985 geschlossen und trat bereits 1986 in Kraft. Der Vertrag wurde von den drei betroffenen Staaten unterzeichnet und ratifiziert. Obwohl die Vereinigten Staaten von Amerika die beiden Zusatzprotokolle ebenfalls unterzeichnet hatten, blieben sie das einzige Land, das diese Protokolle nicht ratifizierte.

Der Vertrag über die atomwaffenfreie Zone in Südost Asien (Treaty of Bangkok) wurde 1995 unterzeichnet und trat 1996 in Kraft.

Der Vertrag über die Atomwaffenfreie Zone Afrika (Treaty of Pelindaba) wurde im Jahr 1996 zur Unterzeichnung vorgelegt und ist bisher noch nicht in Kraft getreten. Die Zusatzprotokolle I und II verbieten den Parteien, sich an Vertragsverletzungen zu beteiligen, die Androhung oder den Einsatz von Nuklearwaffen gegen die Zone, sowie nukleare Testversuche innerhalb der Zone. Die Zusatzprotokolle I und II sind von allen Mitgliedsstaaten unterzeichnet und von Frankreich und China auch ratifiziert worden. Spanien hat mit Rücksicht auf seine Gebiete innerhalb der Zone das Zusatzprotokoll III nicht unterzeichnet. Der Vertrag untersagt als einziger jeden Angriff auf eine atomare Einrichtung innerhalb der Zone.

Der Meersbodenvertrag (Sea Bed Treaty, 1971), der Weltraumvertrag (Outer Space Treaty, 1967) und der Antarktisvertrag (Antarctic Treaty, 1959), die speziell jede Art von Nuklearexplosionen untersagen, sowie das Verbot zur Entsorgung radioaktiven Abfalls in der Antarktis sind zusätzliche multilaterale Abkommen mit dem Ziel, die Ausbreitung von Nuklearwaffen in diesen Gebieten zu unterbinden.

Geplante Atomwaffenfreie Zonen
Die internationale Gemeinschaft befasst sich mit der Möglichkeit, weitere atomwaffenfreie Zonen einzurichten, speziell in Zentralasien, im Mittleren Osten, in Südasien, in Nordostasien und in Zentraleuropa. Ferner besteht für bereits existierende Zonen die Möglichkeit, enger zusammenzuarbeiten. So gibt es beispielsweise Bemühungen, die südliche Hemisphäre und angrenzende Regionen zu einer gemeinsamen Atomwaffenfreien Zone zusammenzufassen. Derartige Bemühungen werden durch Resolutionen der Vollversammlung der Vereinten Nationen und durch informelle Beratungen zwischen den einzelnen Zonen unterstützt. (LL)

Mehr zu atomwaffenfreien Zonen

siehe auch: Meeresboden Vertrag

Bearbeitungsstand: September 2007

Atomwaffenkomplex der USA

engl.: US nuclear weapons complex

Alle Labore, Forschungseinrichtungen und Produktionsstätten des Atomwaffenkomplex sind Einrichtungen des US-Energieministeriums (Department of Energy – DOE) und unterstehen dessen Unterbehörde, der National Nuclear Security Administration (NNSA). Sie werden allerdings häufig von privaten Unternehmen betrieben. Der Komplex ist für Grundlagenforschung, sowie Forschung und Entwicklung zu Atomwaffensystemen verantwortlich. Außerdem überwacht er das nukleare Arsenal der USA, um seine Verlässlichkeit und Einsatzbereitschaft zu garantieren.

Die Wichtigsten Einrichtungen sind:

Los Alamos National Laboratory (LANL)

Das LANL wurde 1943 für das Manhattanprojekt gegründet und noch heute ist es eine der wichtigsten Forschungs- und Entwicklungseinrichtungen für Atomwaffen in den Vereinigten Staaten. In der Nähe fand 1945 auch der erste Atomwaffentest der Geschichte statt.

Lawrence Livermore National Laboratory (LLNL)

Das LLNL forscht an der Verbesserung und Modernisierung von Waffendesigns, besonders den radioaktiven Komponenten, sowie an Methoden zur Verbesserung der Überwachung des Atomwaffenarsenals. Außerdem betreibt es Forschung und Entwicklung zu Tritium, und konventionellen Sprengstoffen für Atomwaffenkerne.

Nevada National Security Site (NNSS)

Das NNSS ist Sitz des Hauptbüros der NNSA. Seit den 1950ern fanden auf dem Gelände Atomwaffentests statt, die letzten 1992. Das NNSS hält immer noch Anlagen und Kapazitäten für mögliche unterirdische Atomwaffentests bereit. Auch eine Anlage für subkritische Tests befindet sich auf dem Gelände.

Pantex Plant (Pantex)
Das Pantex ist das einzige Werk der USA, in dem die Endfertigung von Atomwaffen stattfand und in dem an vollständigen Atomwaffen gearbeitet wird. Seit 1991 werden zwar keine neuen Atomwaffen mehr gefertigt, aber hier werden die vorhandenen Waffen gewartet, repariert, oder auch modernisiert.

Sandia National Laboratories (SNL)
Das SNL besteht aus mehreren Forschungseinrichtungen und hat vor allem Aufgaben im Bereich Atomwaffenforschung zu erfüllen. Heute arbeitet das SNL an der Verbesserung von Sicherheit, Verlässlichkeit und Leistung von Atomwaffen, insbesondere deren konventionellen Komponenten, und unterstützt die Modernisierung des bestehenden Atomwaffenarsenals.

Y-12 National Security Complex (Y-12)
Im Y-12 werden Atomwaffenkomponenten hergestellt, besonders Urankomponenten. Diese Komponenten werden im Y-12 auch evaluiert, getestet, montiert und demontiert. Außerdem liefert es hochangereichertes Uran (HEU) für Schiffsreaktoren.

Kansas City Plant (KCP)
In Kansas City, Missouri, steht das KCP, das nichtatomare Komponenten für Atomwaffen, insbesondere elektrische, elektronische und chemische Komponenten produziert. Es liefert bis zu 85% der Teile, die für einen Atomsprengkopf erforderlich sind.

Savannah River Site (SRS)- Tritium Operations
Im SRS wird Tritium, in Atomwaffen unter anderem als Neutronenquelle benötigt, hergestellt, verarbeitet und in Tritiumreservoirs gefüllt. Auch wird Tritium hier aus Komponenten aus nicht mehr benötigten Waffen entfernt.  jk

(Quellen: NNSA, General Accounting Office, Nukewatch)

Bearbeitungsstand: August 2012

siehe auch: Kansas City Plant (KCP)
siehe auch: Lawrence Livermore National Laboratory (LLNL)
siehe auch: Los Alamos National Laboratory (LANL)
siehe auch: Nevada National Security Site (NNSS)
siehe auch: Pantex Plant (Pantex)
siehe auch: Sandia National Laboratories (SNL)
siehe auch: Savannah River Site (SRS)
siehe auch: Y-12 National Security Complex (Y-12)

Atomwaffenkonvention

engl.: Nuclear Weapons Convention (NWC)

Buch: Securing our Survival

Im engeren Sinne handelt es sich bei einer Nuklearwaffenkonvention (NWK) um einen völkerrechtlichen Vertrag, der zwischen den betreffenden Staaten ausgehandelt wird. Der Vertrag würde die Entwicklung, Erprobung, Herstellung, Lagerung, Weitergabe, den Einsatz und Drohung mit dem Einsatz von Atomwaffen verbieten und einen Rahmen für die Abschaffung der vorhandenen Arsenale schaffen.

Noch gibt es keinen solchen Vertrag, obwohl er in den letzten Jahren immer häufiger eingefordert wurde sowie auch zunehmend allgemeinere Forderungen nach einer vollständigen Abrüstung von Atomwaffen geäußert wurden.

Die NWK würde auch Verfahren einschließen, mit denen die Einhaltung der oben genannten Verpflichtungen verifiziert (überprüft) werden kann, einschließlich solcher Maßnahmen wie Bestandsdeklarationen, Inspektionen und technischen Überwachungen. Sie würde auch Vorkehrungen für die Rechte und Verpflichtungen von Bürgern enthalten, Regelungen für die Klärung oder Lösung von Streitfragen sowie Maßnahmen zur Vertragsdurchsetzung im Falle ernsthafter Konventionsverletzungen.

Im weiteren Sinne wäre die NWK ein Ausdruck für die generelle gesellschaftliche Verurteilung von Atomwaffen und die Kodifizierung von Regeln des Gewohnheitsrechts gegen alle Arten von Massenvernichtungswaffen. Daher würden die Auswirkungen weit über den reinen Vertragstext hinausreichen. Ein solcher Vertrag wäre Ausdruck einer breiten sozialen und politischen Bewegung, die sich nicht auf Massenvernichtungswaffen und die militärische Lösung von Konflikten verlassen will. Somit würden die Ansprüche und Verantwortlichkeiten einer weltweiten Zivilgesellschaft für eine Welt mit weniger Militär aufgegriffen.

Ein Entwurf für eine Nuklearwaffenkonvention wurde 1996 von Nichtregierungsorganisationen ausgearbeitet und ist seit 1997 offizielles UN-Dokument (UN Doc.A/C1/52/7). Der vollständige Entwurf sowie ausführliche Erläuterungen sind im Buch »Securing our Survival« abgedruckt. (Quelle: IPPNW, IALANA, INESAP (Hrsg.), »Sicherheit und Überleben. Argumente für eine Nuklearwaffenkonvention«, Berlin 2000)

Bearbeitungsstand: Mai 2007

Weitere Informationen zu Nuklearwaffenkonvention

Atomwaffenlager

Sondermunitionslager

Während des Kalten Krieges war die Masse der in Europa stationierten US-eigenen Atombomben, die für einen möglichen Einsatz durch die NATO vorgesehen waren, in so genannten Sondermunitionslagern (Special Ammunition Site = SAS) eingelagert. In der Bundesrepublik Deutschland beispielsweise verfügte jeder militärische Großverband (Korps, Division) über ein eigenes Atomwaffenlager.

Für diese Lager galten folgende Kriterien:

(1) Sie lagen grundsätzlich abseits von Wohngebieten und außerhalb anderer militärischer Anlagen.

(2) Im Umfeld der Lager galten erweiterte Schutz- und Sicherungsbereiche, in denen Personen- und Fahrzeugkontrollen durchgeführt werden konnten.

(3) Die Lager durften nur von zuvor registrierten Personen betreten werden.

(4) Alle deutschen Wachsoldaten wurden vor ihrem Dienstantritt durch den Militärischen Absicherungsdienst überprüft.

(5) Es existierten ein äußerer und ein innerer Sicherheitsbereich. Im äußeren Bereich hielt sich das nationale Wachpersonal auf. Der innere Bereich unterlag ausschließlich US-amerikanischer Kontrolle, er konnte nur im Beisein von mindestens zwei US-Soldaten betreten werden.

(6) Im inneren Bereich befanden sich mehrere oberirdische Bunker, in denen die atomaren Sprengköpfe und die dazu gehörigen Zündsysteme eingelagert waren.

Die Art der atomaren Munition in den einzelnen Lagern war abhängig von der Bewaffnung des jeweiligen Großverbands. (LL)

Bearbeitungsstand: November 2005

Atomwaffensperrvertrag

engl.: Non-Proliferation Treaty; Abk.: NPT

US-Außenministerin Clinton redet vor der Überprüfungskonferenz 2010. Foto: archiv

Der Nichtverbreitungsvertrag, auch Atomwaffensperrvertrag (NVV) genannt, trat 1970 in Kraft. Damit wurde festgeschrieben: Kein anderes Land außer China, Frankreich, Großbritannien, der UdSSR und den USA darf legal Atomwaffen entwickeln oder erwerben. Israel, Indien, Pakistan und Nordkorea besitzen Atomwaffen und sind nicht Mitglieder des NVV.

Inzwischen gibt es 189 Vertragsstaaten. Im Gegenzug bekommen sie durch Artikel IV, atomare Materialien, wissenschaftliches Know-how und Technologien zur Nutzung der Atomenergie für zivile Zwecke zur Verfügung gestellt. Der Vertrag enthält auch die Verpflichtung unter Artikel VI, alle Atomwaffen „in redlicher Absicht“ durch einen Ächtungsvertrag abzurüsten.

Die Laufzeit des Vertrages betrug zunächst 25 Jahre. Alle fünf Jahre wird der Vertrag bei Überprüfungskonferenzen auf seine Wirksamkeit hin überprüft. Im Mai 1995 wurde der Atomwaffensperrvertrag zeitlich unbegrenzt und ohne Bedingungen verlängert.

Nach einer Überprüfungskonferenz im Mai 2000 entstand ein 13 Schritte Programm zur atomaren Abrüstung. Die fünf offiziellen Atommächte sagten darin die völlige Beseitigung ihrer Arsenale zu - allerdings ohne Terminangabe. Die Unterzeichnerstaaten konnten jedoch bei der Überprüfungskonferenz 2005 keinen Konsens darüber finden, wie man das Abrüstungsprogramm fortführen könnte. 2010 war die Konferenz erfolgreicher und ein Aktionsplan mit 64 Maßnahmen wurde verabredet. Allerdings wurde bis dato wenig von diesem Plan umgesetzt.

Die Überprüfungskonferenz von 2015 gilt als gescheitert, weil es keinen Konsens über ein Abschlussdokument gab. Hauptstreitpunkt war die Umsetzung der 1995 verabschiedeten Resolution zu einer Zone frei von Massenvernichtungswaffen im Nahen und Mittleren Osten durch eine Verhandlungskonferenz. Die Konferenz hätte 2012 in Helsinki stattfinden müssen, wurde aber abgesagt, vermutlich weil Israel nicht teilnehmen wollte. Während der Überprüfungskonferenz kursierte eine Erklärung mit dem Titel "Humanitarian Pledge", die bis Ende der Konferenz 120 Unterzeichnerstaaten hatte. Diese Erklärung war die Grundlage für den weiteren Prozess für einen Vertrag zum Verbot von Atomwaffen, der in einer Verhandlungskonferenz 2017 mündet.

Bearbeitungsstand: Dezember 2016

» Weitere Informationen zum Atomwaffensperrvertrag
» Chronik des Atomwaffensperrvertrags

Im Wortlaut:

» Atomwaffensperrvertrag
» 13 Schritte Programm
» Abschlussdokument der 2010 Überprüufungskonferenz (engl.)

Bild oben: US-Außenministerin Clinton redet vor der Überprüfungskonferenz 2010. Foto: Archiv

Atomwaffenstaaten

engl.: Nuclear Weapon States (NWS) / nuclear powers

Die "offiziellen", also durch den Atomwaffensperrvertrag anerkannten, Atomwaffenstaaten sind:

USA

In den USA werden alle Atomwaffen im Arsenal modernisiert – sogenanntes "Reliable Warhead Replacement Programm". Die überarbeitete Atomwaffendoktrin der USA besagt: Atomwaffen sollen gegen Nicht-Atomwaffenstaaten eingesetzt werden, dies nur auf den Verdacht hin, dass sie Massenvernichtungswaffen besitzen.

Russland

Die russische Regierung hat ihre Atomwaffendoktrin der der USA angepasst und eine Modernisierung ihrer Atomstreitmacht angekündigt. Neue strategische Atomwaffen sollen entwickelt werden.

Großbritannien

Großbritannien erörtert momentan einen Ersatz für seine Trident U-Boote.

Frankreich

Frankreich modernisiert seine gesamte Atomstreitmacht mit neuen Sprengköpfen, Bombern, Raketen und Cruise Missiles.

China

China reagierte auf die US-Raketenabwehrpläne mit einer Beschleunigung der Modernisierung des eigenen Atomwaffenarsenals.

Die "de-facto" Atomwaffenstaaten, die nicht anerkannt sind, sind:

Indien und Pakistan
Als neue Atomwaffenstaaten beteiligen sich Indien und Pakistan seit einiger Zeit an einem atomaren Wettrüsten mit China. Beide Länder drohen einander mit Vernichtung. Pakistans Nukleardoktrin ist auf den frühzeitigen Einsatz von Kernwaffen ausgelegt.

Israel
Israel besitzt nach allgemeiner Einschätzung ein Atomarsenal von ca. 200 Waffen und bedroht die ohnehin explosive Region des Nahen Ostens damit.

Nordkorea

Am 9. Oktober 2006 zündete Nordkorea seine erste Atomwaffe mit einer Sprengkraft vergleichbar mit 550 Tonnen TNT und ist damit eine "de-facto" Atommacht geworden.

In letzter Zeit wurden überdies die nuklearen Ambitionen anderer Staaten wie Syrien und Iran bekannt. (Quelle: www.atomwaffenfrei.de)

Bearbeitungsstand: Oktober 2006

Weitere Informationen zu Atomwaffenstaaten

siehe auch: Atomwaffensperrvertrag
siehe auch: Bunker Buster
siehe auch: Cruise Missile

Atomwaffentests

Am 16. Juli 1945 wurde in Alamogordo in der Wüste Neumexikos der erste Test, Trinity, gezündet. Bis heute haben seitdem weltweit insgesamt 2059 Atomtests, durch acht Staaten stattgefunden. (die fünf Atomwaffenstaaten USA, UdSSR, Frankreich, Großbritannien und China: 2045, sowie Indien, Pakistan und Nordkorea: 14) Die USA und die Sowjetunion haben 85% der Gesamtzahl durchgeführt. Knapp 26% wurden in der Atmosphäre gezündet. Die Sprengkraft aller Atomwaffenversuche kann mit über 1 Milliarde Tonnen TNT angenommen werden.

Seit 1992 halten die USA ein Atomtest-Moratorium ein. Die Sowjetunion bzw. Russland testete zuletzt 1990, Großbritannien 1991. Indien testete eine Atomwaffe bereits 1974. Frankreich führte eine letzte Serie 1995 durch, China 1996, 1998 folgten Indien und Pakistan und schließlich Nordkorea 2006 und 2009.

Von der Gesamtsumme wurden 528 Tests überirdisch oder im Weltraum gezündet. Diese Tests haben zu einer weltweiten Strahlenbelastung der Erde geführt, was die Gesundheit der Menschen und die Umwelt in der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft beeinträchtigte und beeinträchtigen wird. Infolge von mehr als 1500 unterirdischen Atomtests zwischen 1957 und 1998 wurden langlebige Radionuklide in die unterirdische Umwelt eingebracht. In allen Ländern, in denen Tests durchgeführt wurden, kam es zur Freisetzung von Radioaktivität. Die unterirdischen Atomtests förderten zudem die ökonomische und soziale Abhängigkeit von militärischen Einrichtungen.
Die IPPNW-Studie "Radioaktive Verseuchung von Himmel und Erde" schätzt die weltweite Zahl tödlicher Krebsfälle durch oberirdische Atomtests bis zum Jahr 2000 auf 430.000. Der Strahlenbiologe Prof. Roland Scholz von der Universität München geht von einer höheren Opferzahl aus. Nach seinen Berechnungen (nach Hoffman 1989, Köhnlein und Nussbaum 1991 und Straume 1995) führte allein die äußere Strahlenbelastung durch Fallout bis zum Jahr 2000 zu 3 Millionen zusätzlichen Krebstoten. (Quelle IPPNW: Radioaktive Verseuchung von Himmel und Erde, 1992 )

Mehr zum Thema Atomtests (Geschichte) oder Atomtests (Wissen)

Bearbeitungsstand: Juli 2012

siehe auch: Atomteststopp

siehe auch: Atomteststoppvertrag, umfassender

siehe auch: Bikini-Atoll

siehe auch: Trinity-Atomtest

Atomwaffenunfälle

engl.: nuclear weapons' accidents

Das US-Energieministerium definiert einen Atomwaffenunfall als:

  • ein unerwartetes Ereignis, das Atomwaffen oder nukleare Komponenten beinhaltet, aus dem eines der folgenden Ergebnisse entsteht:
  • das unbeabsichtigte oder nichtautorisierte Starten, Zünden oder Einsetzen eines atomfähigen Waffensystems durch US-Streitkräfte oder US-unterstützte alliierte Streitkräfte
  • eine unbeabsichtigte oder nicht autorisierte oder nicht zu erklärende atomare Detonation
  • eine nichtnukleare Detonation oder das Brennen einer Atomwaffe oder nuklearen Komponente
  • radioaktive Verseuchung
  • Abwerfen einer Atomwaffe oder einer nuklearen Komponente
  • eine öffentliche Gefährdung, sei sie echt oder angenommen.

Die Geschichte zeigt, dass Atomwaffenunfälle von Anfang des Atomzeitalters an ein schwerwiegendes Problem darstellen. Öffentliche Informationen sind spärlich, und oft gilt die offizielle Linie "weder zu bestätigen noch zu dementieren", dass Atomwaffen in einen Unfall verwickelt waren.

Die letzte Veröffentlichung des Pentagons aus dem Jahr 1980 (!) führt 32 Unfälle zwischen 1950 und 1980 auf: Das ist mehr als ein schwerer nuklearer Unfall pro Jahr. Diese Liste ist sicher nicht vollständig und enthält auch keine "Zwischenfälle" mit Atomwaffen, sondern nur schwere Unfälle. Der Oberste Rechnungshof (GAO = General Accounting Office) berichtete jedoch, dass die Zahl der Un- und Zwischenfälle mit Atomwaffen alleine bei der Marine in den Jahren von 1965 bis 1983 bei 563 lag, wobei 330 Vorfälle möglicherweise nur Sicherheitsverletzungen waren. Somit liegt nach offiziellen Angaben die Zahl allein für die US-Marine bei mindestens 233 Unfällen. Ein Bericht des Sandia-Atomlabors von 1973 fußte auf einem Geheimdokument des Militärs mit der Aussage, dass es zwischen 1959 und 1973 insgesamt 1.250 Vorfälle mit US-Atomwaffen gegeben hätte, einschließlich 272 Unfällen, bei denen es zu einem Aufprall kam und manchmal sogar eine Explosion des konventionellen Sprengstoffes erfolgte.

Für andere Atomwaffenstaaten liegen noch weniger Informationen vor. Erst 2003 gelang es einem parlamentarischen Ombudsmann, vom britischen Verteidigungsministerium eine Liste von 20 Unfällen für den Zeitraum von 1960 bis 1991 zu erhalten. Bei den Unglücken handelt es sich um Fälle, bei denen Atomwaffen aus größerer Höhe herunterfielen oder ihre Zugmaschinen in Verkehrsunfälle verwickelt waren. In einigen Fällen kollidierten Atomwaffen mit einander und in einem Fall rutschte ein LKW mit Atomwaffen an einem Hügel ab und überschlug sich. Aus der Liste geht hervor, dass LKWs mit Atomwaffen in zwei Fällen auf britischen Straßen umkippten und zwei Nuklearkonvois in schwere Autounfälle verwickelt waren.

Die Geschichte der Marine der beiden Supermächte ist extrem durch Geheimhaltung und Lügen geprägt. Weder die US-amerikanische noch die russische Marine wollen, dass die Wahrheit über den Unfallrekord ans Licht kommt. Dennoch konnten Greenpeace und die norwegische Umweltstiftung Bellona einiges entdecken: mindestens 1.200 schwere Unfälle bis 1989, rund einer alle zwei Wochen. Es waren u.a. Schiffsuntergänge, Kollisionen von Schiffen oder mit U-Booten, Kollisionen mit Eisbergen, Explosionen und Brände. Sie sind auf offenem Meer, in Küstengewässern, in Schiffswerften und in Häfen überall auf der Welt geschehen. Viele Menschen sind dabei ums Leben gekommen. Durch diese Unfälle befinden sich mehr als 50 Atomsprengköpfe und neun Atomreaktoren auf dem Meeresboden.

Alle diese Unfälle hätten sich zu Katastrophen entwickeln können, manche sind es gewesen, ohne dass man genau erfassen kann, was die tatsächlichen Folgen sind. Die größte Katastrophe allerdings wäre ein durch einen Fehler ausgelöster Atomkrieg. Die Kubakrise ist das weltweit bekannteste Beispiel eines Beinahe-Atomkrieges. Dennoch gibt es mindestens fünf weitere Beispiele, die sich alle von der Kubakrise unterscheiden: Sie ereigneten sich, weil US- oder russisches Führungspersonal auf einen Fehlalarm reagierte, der durch eine Fehlfunktion der Warnsysteme oder eine falsche Interpretation von Ereignissen ausgelöst wurde.

Alle diese Zwischenfälle waren kurz - nicht mehr als 10 Minuten lang. Führende Militärs mussten dabei in einer sehr kurzen Zeitspanne entscheiden, ob ein nuklearer "Rückschlag" einzuleiten war, bevor die eigenen Atomwaffen vernichtet worden wären. Bis jetzt haben sie richtig entschieden. Sie sind jedoch nur Menschen, die unter extrem stressigen und ungesunden Bedingungen überlange Schichten leisten müssen. Heutzutage befinden sich immer noch rund 4.000 Atomwaffen in höchster Alarmbereitschaft. Eine Fehlentscheidung würde das Ende jeglichen Lebens auf dem Planet Erde bedeuten. (Quelle: IPPNW)

Bearbeitungsstand: Februar 2007

siehe auch: Palomares

Atomzeituhr

engl.: Doomsday Clock

Doomsday Clock der Bulletin of Atomic Scientists

Die Weltuntergangsuhr ist eine symbolische Uhr, welche die Zeitschrift »Bulletin of the Atomic Scientists« verwendet, um der Öffentlichkeit zu verdeutlichen, wie groß - nach Meinung der Wissenschaftler - das derzeitige Risiko eines Atomkrieges ist. Sie spielt auf die Metapher an, es sei »fünf Minuten vor zwölf«, sprichwörtlich für wenn ein äußerst nachteiliges Ereignis unmittelbar droht.

1947 wurde die Atomkriegsuhr mit der Zeigerstellung sieben Minuten vor zwölf gestartet und seither in Abhängigkeit von der Weltlage vor- oder zurückgestellt.
Am knappsten vor einem Atomkrieg stand die Welt, jeweils nach Meinung der Wissenschaftlervereinigung, zwischen 1953 und 1960, als die Uhr bei zwei Minuten vor zwölf stand. Am weitesten entfernt von einer nuklearen Auseinandersetzung schien die Erde zwischen 1991 und 1995, als es siebzehn Minuten vor zwölf Uhr war.

Die letzte Entspannung gab es 1991, als die Uhr von zehn vor auf siebzehn vor gestellt wurde. Seither wurde die Weltlage viermal (1995, 1998, 2002 und 2007) als bedrohlicher werdend eingeschätzt. Am 14. Januar 2010 wurde die Uhr um eine Minute auf sechs Minuten vor Mitternacht gestellt. (Quelle: Bulletin of Atomic Scientists / (XH)

Chronik der Weltuntergangsuhr seit 1947

Bearbeitungsstand: Januar 2010

Atomziele

engl.: nuclear targets

Hierbei handelt es sich um Ziele, die vorrangig oder ausschließlich mit einem Atomsprengkörper angegriffen und vernichtet werden sollen. Dabei ist die Detonationsart von entscheidender Bedeutung. Hohe Luftdetonationen zerstören vor allem weiche Ziele (z. B. Flugzeuge am Boden) und führen zu Verletzungen oder Tod bei ungeschützten Personen. Niedrige Luftdetonationen wirken vorrangig gegen harte Ziele (z. B. gepanzerte Fahrzeuge, Geschütze, Feldbefestigungen und Flugzeugschutzbauten). Bodendetonationen entfalten ihre Wirkung, indem sie durch Krater oder starke Rückstandsstrahlung Hindernisse schaffen. Vorrangige Ziele sind Starbahnen, Straßen, Brücken, Eisenbahn- und Hafenanlagen sowie unterirdische Anlagen. Untererddetonationen zerstören unterirdische Anlagen, Kanäle, Durchfahrten sowie Engen und sperren Gelände. Wasserdetonationen wirken gegen Über- und Unterwasserfahrzeuge sowie Hafenanlagen. Detonationen in großer Höhe vernichten Raumfahrzeuge und hochfliegende Flugkörper. (LL)

Der mögliche Einsatz von Atomsprengkörpern wird von allen Atommächten bereits zu Friedenszeiten sorgfältig geplant. Gegnerische Kommandozentralen und ABC-Waffen sind besonders wichtige Zielobjekte (high-payoff targets/HPT), ihre Vernichtung ist vordringlich. So müssen die gegnerischen Massenvernichtungsmittel ausgeschaltet werden, bevor der Gegner sie einsetzen kann. Diese Objekte gelten daher als time-sensitive targets (TST). Außerdem weist die eigene Aufklärung erfahrungsgemäß Lücken auf, man spricht dann von »unanticipated« bzw. »unplanned immediate targets« (nicht vorhergesehene unmittelbare Ziele). Schließlich muss festgelegt werden, welche Ziele nur unter bestimmten Bedingungen oder auf gar keinen Fall angegriffen werden dürfen. Solche Objekte (z. B. Atomkraftwerke) werden in einer Restricted Target List (RTL) bzw. in einer No-Strike List (NSL) aufgeführt.

Während des Kalten Krieges wurde von den US-Streitkräften ein Verfahren zur Erstellung eines Atomkriegsplanes entwickelt, das bis heute seine Gültigkeit hat. Im Prinzip wird die Methode von jeder anderen Nuklearmacht in gleicher Weise praktiziert: Zunächst legen die Atomkrieger im Rahmen der sog. Weapon Allocation fest, welche Gefechtsköpfe oder Atombombentypen groß genug sind, um ein bestimmtes Objekt zu zerstören. Die sogenannte Lethalität errechnet sich aus Sprengkraft und Treffgenauigkeit. So kann ein unterirdisches Objekt - je nach Größe - mit einer konventionellen Waffe sowie einer kleineren oder größeren Nuklearwaffe angegriffen werden. Bei der Weapon Application wird jeder Atomwaffe aus dem US-Bestand ein bestimmtes Ziel zugewiesen. Zum Schluss wird festgelegt, wann und in welcher Reihenfolge die Ziele attackiert werden sollen. Im Kriegsfall möchte der US-Präsident auf möglichst viele Optionen zurückgreifen können, die sich danach unterscheiden, wie viele von welchen Zielen angegriffen werden. Für jede Option wird dann eine Schadensabschätzung (Consequences of Execution Analysis) vorgenommen. So unterscheiden die US-Atomkrieger zwischen umfassenden Major Attack Options (MAO) und Limited Nuclear Options (LMO), zwischen langfristig vorbereiteten Directed Planning Options (DPO) und kurzfristig entwickelten Adaptive Planning Options (ADO).

Außer gegen Russland und China entwickelte Stratcom für den »Global Strike« Einsatzpläne gegen fünf weitere, namentlich nicht genannte Staaten. Gegen jedes dieser Länder wird ein Theater Nuclear Planning Document (TNPD) für den Atomwaffeneinsatz und ein Theater Planning Support Document (TPSD) für konventionelle Angriffe aufgestellt. Auch für den letzten Golf-Krieg (Operation Iraqi Freedom) im Jahre 2003 waren augenscheinlich Atomschläge vorbereitet. Stratcoms Kriegsplanung gegen Schwellenländer ist dabei integraler Bestandteil der Siop-Planung. Mit seinen Planungen unterstützt Stratcom die jeweiligen Regionalkommandos (Eucom, Centcom, Pacom). (Quelle: Gerhard Piper, Frankfurter Rundschau vom 20. 3. 2004)

Bearbeitungsstand: März 2008

siehe auch: Detonationsarten
siehe auch: Kalter Krieg
siehe auch: Letalität

Australien (Atomtests)

engl.: Australia (nuclear tests)

Die ersten Atomwaffentests der Briten fanden in Australien statt. 12 oberirdische Atomwaffentests wurden zwischen 1952 und 1957 auf drei verschiedenen Inseln vor der Nordwest Küste Australiens durchgeführt (Maralinga (7 Tests), Woomera Emu (2 Tests), und Monte Bello Islands (3 Tests). Alle Versuche standen unter alleiniger Leitung der Briten. Es gab keine australische technische Mitarbeit, nur logistische Hilfestellungen.

Das am stärksten belastete Gebiet in Australien ist die Umgebung von Maralinga, der Ort, an dem die meisten Tests durchgeführt worden sind. Bei einigen britischen Atomtests in Australien soll auch der Lebensraum der australischen Aborigines von Fallout nach Atomexplosionen direkt betroffen worden sein. Seit den 1970er Jahren wird über eine umfassende Dekontamination des Gebiets nachgedacht. Anfang der 1990er Jahre wurden mehrere 100 Millionen Dollar teure Programme vorgelegt, die eine Rückkehr der australischen Aborigines in ihren traditionellen Lebensraum ermöglichen könnten. (Quelle: Glasnost-Archiv)

Bearbeitungsstand: Mai 2007

Siehe auch: Dekontamination
Siehe auch: Fallout