Albach

ehem. Atomwaffenstandort, Deutschland

Albach Sonderwaffenlager, Foto: Google Earth 2000Die Nike-Feuerstellung (Launching Area) Albach (50°33'39“N, 08°48'43“O) der 1. Batterie des FlaRakBtl 23 lag ca. 4 km nördlich der Stadt Lich in Hessen.

Interessant ist, dass diese Nike-Stellung Mitte der 1960er-Jahre sowohl von der 1./FlaRakBtl 23 genutzt wurde als auch von der 4./FlaRakBtl 23. Deren temporärer Feuerleitbereich befand sich südwestlich von Fernwald-Steinbach auf dem »Hohen Rod«. Am 05.09.1966 schließlich verlegte man die 4./FlaRakBtl 23 in die Wäller-Kaserne nach Westerburg bzw. in die neu errichtete Stellung bei Obersayn.

Beide FlaRakBatterien bestanden aus jeweils drei getrennten Bereichen: der Unterkunft, dem Feuerleitbereich in günstiger topografischer Lage mit bis zu fünf Radargeräten für Überwachung, Zielerfassung, Zielverfolgung und Flugkörperverfolgung und dem Abschussbereich mit jeweils drei Abschussflächen und dazugehörigen Bunkern. In diesem Bereich befanden sich auch die Atomsprengköpfe. Während die Raketen in Montagebunkern oder auf durch Erdwälle geschützten Abschussschienen bereit gehalten wurden, lagen die Radaranlagen in exponierter Stellung und konnten nur mit Sandsäcken oder Konturen verwischender Tarnung ungenügend geschützt werden. Zum Schutz insbesondere vor angreifenden Tieffliegern wurden die Stellungen später zusätzlich mit 20mm Zwillingsgeschützen ausgestattet.
In der Stellung Albach waren vermutlich von 1964 bis 1987 atomare Flugabwehrraketen vom Typ Nike stationiert. An Atomsprengköpfen waren zwei Versionen verfügbar. Die kleinere mit der Bezeichnung B-XS hatte eine Sprengkraft von 2 Kilotonnen. Die größere B-XL besaß ursprünglich 40 KT Sprengkraft. Letztere wurden in den 1970er Jahren gegen Sprengköpfe zu 20 KT ausgetauscht.
Maximal waren je Stellung zehn Nuklearsprengköpfe vorhanden, acht mit der Stärke XS mit 2 Kilotonnen und zwei XL mit 40/20 Kilotonnen Sprengkraft. (Jürgen Dreifke)

Ein Zeitzeuge erinnert sich: "Die vier Batterien des FlaRakBtls 23 [mit den Feuerstellungen Albach, Schöneck, Kemel und Obersayn] befanden sich in unterschiedlichen Bereitschaftsstufen mit einer Reaktionszeit von maximal 30 Minuten, maximal 3 Stunden, maximal 12 Stunden und mehr als 12 Stunden. Innerhalb einer Batterie hatten mindestens zwei Abschussplätze den selben Bereitschaftsgrad. Konnte eine der Batterien aus technischen Gründen den Bereitschaftsgrad nicht einhalten, dann rückten die anderen Batterien eine Einsatzstufe nach oben. Abhängig vom Bereitschaftsgrad war die Stellung im Schichtbetrieb ständig besetzt und einsatzbereit. Dazu gab es in der Batterie drei Kampfbesatzungen für den Feuerleit- und Abschussbereich, die sich in einem System von 48-Stunden-Schichten während der Woche und 72-Stunden-Schichten am Wochenende abwechselten.
Für den Einsatz der Gefechtsköpfe gab es genau festgelegte Prioritäten. Beim Anflug eines einzelnen feindlichen Zielobjektes wurde ein kleiner atomarer Gefechtskopf (B-XS) eingesetzt. Beim Anflug mehrerer feindlicher Zielobjekte wurde ein großer atomarer Gefechtskopf (B-XL) eingesetzt. Die ebenfalls vorhandenen konventionellen Gefechtsköpfe dienten lediglich als Munitionsreserve. Soweit mir bekannt, befanden sich in allen Nike-Stellungen der Bundesluftwaffe atomare Gefechtsköpfe." (Quelle: Michael Juhls).

Am 31.03.1987 wurde die NIKE-Stellung Albach deaktiviert. Der ehemalige Feuerleitbereich auf dem »Lutherberg« wurde renaturiert. Das Gelände auf dem »Hohen Rod« wird u.a. vom Lahnfunkhilfsdienst genutzt. Der einstige Abschussbereich im »Buchwald« dient u.a. als Erddeponie der Gemeinde Fernwald.

Bearbeitungsstand: Juli 2010

Weitere Informationen über Atomwaffenstandorte in Deutschland

siehe auch: KT (Kilotonne)
siehe auch: Nike Hercules

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